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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


7. Mai 2014

TUD)">Ver­an­stal­tun­gen am 06.05. (TUD)

 

2               Witt­gen­stein und Peirce

Die Sit­zung zu Witt­gen­stein muss­te fort­ge­setzt wer­den. Witt­gen­stein bestimmt den Bild­be­griff in der Pra­xis von Lebens­for­men. Dadurch wer­den Bil­der ver­mit­telt und kön­nen das Leben von reli­giö­sen Men­schen bestim­men. Wir erwo­gen, ob das Gerichts­bild durch Ängs­te zur Lebens­än­de­rung führt oder ob es ein Ein­druck ist, der uns immer wie­der ein­fällt und unser Leben beglei­tet. Immer aber geht es dar­um, dass wir für unser Leben ver­ant­wort­lich sind. Auch wenn die Angst­auf­fas­sung ange­sichts der christ­li­chen Erlö­sungs­vor­stel­lung etwas vage ist, ist doch klar, dass etwa Pau­lus ein Gericht nach den Wer­ken unter­stellt. Unse­re Per­son ist zwar gerecht­fer­tigt, doch die Qua­li­tät unse­rer Hand­lun­gen wird beur­teilt (vgl. 1. Kor 3). Das Gerichts­bild regelt mit­hin die Ernst­haf­tig­keit unse­rer Hand­lun­gen. (more…)

30. Januar 2014

Ver­an­stal­tun­gen am 28.01.

 

3               Mk 4,26-29 (Tex­te zur Theo­lo­gie im NT [Uni HD])

Zu Beginn der Sit­zung wur­de die Bit­te geäu­ßert, dass ich mei­nen Inter­pre­ta­ti­ons­an­satz zum Johan­nes­evan­ge­li­um noch stär­ker in der vor­letz­ten Sit­zung als in der Zusam­men­fas­sung dar­ge­stellt habe. Daher ergän­ze ich das hier.

Das Johan­nes­evan­ge­li­um bzw. sei­ne Seman­tik ist grund­sätz­lich rela­tio­nal zu inter­pre­tie­ren. Das wird durch die sinn­li­chen und zärt­li­chen Lie­bes­bil­der in 1,18 und 13,24 dar­ge­stellt. Gott ist in sich als Bezie­hung zwi­schen Vater und Sohn dar­ge­stellt. Die­se Bezie­hung expan­diert durch das Kom­men des Logos, Soh­nes usf. in die Welt und wie­der­holt sich unter den Schü­lern, sodass die gesam­te Welt davon ergrif­fen wer­den soll. Von der ursprüng­li­chen dya­di­schen Rela­ti­on von Vater und Sohn geht eine drit­te Rela­ti­on aus, der Geist der Trös­tung, Wahr­heit usf., der die Schü­ler in der Welt unter­stützt – und alles von Vater und Sohn emp­fängt. Sie kön­nen sich das ein­fach am λόγος klar­ma­chen, der zunächst in sei­ner Bezie­hung zu Gott bestimmt wird, als gött­lich erfasst wird, und dann als die­je­ni­ge gött­li­che Bezie­hung zur wider­gött­li­chen Welt bestimmt wird, die eben σάρξ wird. Es gehört zu den Nai­vi­tä­ten der z. T. sprach­be­gab­ten und fan­ta­sie­be­gab­ten bei­den Über­set­ze­rin­nen in der „Bibel in gerech­ter Spra­che“, dass sie das als „Die Weis­heit wur­de Mate­rie“ über­set­zen. Viel­leicht läuft das johann­ei­sche Modell auch auf die­ser Seman­tik, kann man als Semio­ti­ker fra­gend hin­zu­fü­gen … Der Satz ist jeden­falls weni­ger unfrei­wil­lig wit­zig als „Gott ist mei­ne Gärt­ne­rin“.

Die johann­ei­sche Seman­tik ist rela­tio­nal und pro­zes­su­al aus­ge­legt und kein Fall von dua­lis­ti­scher Sub­stan­zon­to­lo­gie, was man den bei­den Über­set­ze­rin­nen viel­leicht nach­sa­gen könn­te. (more…)

9. Januar 2014

Ver­an­stal­tun­gen am 07.01.2014

Ver­an­stal­tun­gen am 07.01.2014

Die Extra­va­ganz reli­giö­ser Äuße­run­gen (Charles Peirce (Uni HD])

Peirce unter­schei­det wis­sen­schaft­li­che und reli­giö­se Äuße­run­gen ähn­lich, wie das Witt­gen­stein tut. Der Unter­schied besteht aber dar­in, dass er reli­giö­se Äuße­run­gen durch­aus expli­zit als Erkennt­nis von etwas, das außer­halb von uns Men­schen im All ist, bestimmt. Der Unter­schied besteht dar­in, dass das wis­sen­schaft­li­che Fort­schrei­ten metho­disch kon­trol­liert – und nur so – vor sich gehen kann. Dar­in ent­wi­ckelt die Wis­sen­schaft aber eine Dyna­mik hin zur Erkennt­nis der Wahr­heit, die frei­lich nicht iso­lier­te Erkennt­nis von ein­zel­nen Tat­sa­chen, son­dern immer zugleich auch die Erkennt­nis des rela­tio­na­len Zusam­men­hangs ist, in dem das Ein­zel­ne steht. Die Reli­gi­on äußert grund­le­gen­de Gefühls­aus­drü­cke. Wir mach­ten uns das an Schöp­fungs­tex­ten deut­lich, die eben in einer Plu­ra­li­tät exis­tie­ren. Peirce betont deren Flüch­tig­keit. Wir mach­ten uns die Extra­va­ganz an bestimm­ten Details wie der Schlan­ge in Gen 2f deut­lich. Schlan­gen spre­chen nicht, eher ein Mär­chen­mo­tiv. D. h., unse­re All­tags­er­fah­rung wird in die­sen Tex­ten sprach­lich oder bild­haft auf das „Abso­lu­te“ hin über­schrit­ten, ohne dass dies direkt aus­ge­drückt wer­den kann. Dazu wer­den all­täg­li­che Zei­chen­ver­wen­dun­gen nach­voll­zieh­bar irri­tiert – und eine der her­me­neu­ti­schen Auf­ga­ben bei alt- und neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­ten besteht dar­in, heu­ti­ge Leser/innen dazu ermu­ti­gen, die­se nicht als all­täg­li­che Tex­te zu lesen (damals konn­ten Schlan­gen noch spre­chen).

Peirce ist opti­mis­tisch, dass reli­giö­se Men­schen nicht dadurch nach­hal­tig irri­tiert wer­den, dass Gefühls­aus­drü­cke bei der metho­di­schen Kon­trol­le nicht als wis­sen­schaft­li­che Theo­ri­en gel­ten kön­nen. Den­noch hat Peirce zufol­ge die Reli­gi­on den Vor­teil, dass sie an teleo­lo­gi­schen Idea­len fest­zu­hal­ten ver­mag, wäh­rend die Wis­sen­schaf­ten an der Wir­k­ur­sa­che ori­en­tiert blei­ben müs­sen. Phi­lo­so­phisch hält Peirce gegen Des­car­tes und den Posi­ti­vis­mus an der Zweck­ur­sa­che (cau­sa fina­lis) fest. Das liegt übri­gens auch Schlei­er­ma­chers Theo­lo­gie­ver­ständ­nis zugrun­de, wenn ver­gan­ge­ne Äuße­run­gen inter­pre­tiert und prak­tisch fort­ge­schrie­ben wer­den. (more…)

4. Januar 2014

Ver­an­stal­tun­gen am 17.12.2013

2               Der Bild­be­griff bei Witt­gen­stein (Tex­te zur Theo­lo­gie im NT [Uni Hd])

Die Sit­zung ver­such­te, den Bild­be­griff bei Witt­gen­stein noch deut­li­cher zu ver­ste­hen. Grund­le­gend setzt Witt­gen­stein die reli­giö­se Kom­mu­ni­ka­ti­on mit­tels Bil­dern von wis­sen­schaft­lich gestütz­ten Kom­mu­ni­ka­tio­nen ab, z. B. mit Bewei­sen, wobei er offen­bar eine deduk­ti­ve Schluss­fol­ge­rung meint. Zudem sind Bil­der von iko­ni­schen Zei­chen wie Fotos unter­schie­den, die nicht nur eine struk­tu­rel­le Iso­mor­phie, son­dern auch eine exis­ten­zi­el­le, inde­xi­ka­li­sche Bezie­hung for­mu­lie­ren (Bil­der von Tan­ten). Statt­des­sen wird etwa das „Auge Got­tes“ u. a. im von Witt­gen­stein stark beton­ten Gerichts­kon­text ver­wen­det. Iko­nisch-inde­xi­ka­li­sche Asso­zia­tio­nen wie „Augen­brau­en“ sind nach Witt­gen­stein eher sel­ten. Ganz ein­fach: „Gericht“ wird reli­gi­ös ver­wen­det, weil damit die Ver­ant­wort­lich­keit der ein­zel­nen Men­schen betont wer­den kann, ohne dass alle Bezü­ge, die wir bei gesell­schaft­lich aus­ge­bil­de­ten Gerich­ten, die zu unse­rer Erfah­rung gehö­ren, mit­ge­meint sein müss­ten. (more…)