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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


13. Juni 2014

Zum Tod von Frank Schirrmacher

Frank Schirr­ma­cher war durch­aus eine inter­es­san­te Figur. Er konn­te gut schrei­ben, das ist für einen Jour­na­lis­ten und Buch­au­tor wich­tig. Tief­sin­nig war er nicht. Der Her­stel­lungs­pro­zess sei­ner Dis­ser­ta­ti­on war jeden­falls nicht ruhm­reich.

Immer­hin hat er das Feuil­le­ton der FAZ für wesent­li­che The­men geöff­net. Sicher­lich war er ein bedeu­ten­der Ver­tei­di­ger der Frei­heit des Ein­zel­nen. Gele­gent­lich hat­te er aber auch ein zu schlich­tes Bild des Ein­zel­nen, den er im Inter­net unter­ge­hen sah – ein Man­gel an his­to­ri­scher und phi­lo­so­phi­scher Bil­dung. Die­se Sei­te war jeden­falls auch durch sei­ne Tätig­keit als FAZ-Her­aus­ge­ber geprägt. Journalist/inn/en, die bei Zei­tun­gen arbei­ten, sind hier oft unge­recht.

In der Pha­se der fälsch­lich soge­nann­ten „Euro-Kri­se“ wehr­te er sich gegen die „Alter­na­tiv­lo­sig­keit“ der post­de­mo­kra­ti­schen Ent­wick­lung und zuletzt – FAZ-typisch – gegen die US-Spio­na­ge, deren Bedeu­tung er vor allem öko­no­misch ansetz­te, ohne den tat­säch­li­chen Frei­heits­ver­lust für den Ein­zel­nen zu über­se­hen. Auch hier ver­kann­te er – anders als NSA und GCHQ – die Bedeu­tung des Inter­net. Als Nie­der­la­ge hat er viel­leicht erlebt, dass man die FAZ inzwi­schen etwas preis­güns­ti­ger auf einem E-Reader lesen kann.

 

12. Juni 2013

TUD">Veranstaltungen 11.06. Uni Hd und TUD

 

1               Uni Hd: Ostergeschichten

Der Plan für die letz­ten Sit­zun­gen bis zum 23.07. (Dop­pel­sit­zung) lau­tet:

18.06. Luk 24,1-35 auf Grie­chisch

25.06. Joh 19-21 auf Deutsch

02.07. Joh 20,1-31 auf Grie­chisch

09.07. Joh 21,1-25 auf Grie­chisch

16.07. Schrei­ben, Lie­be und Auf­ste­hen bei Johan­nes

23.07. 1Kor 15,1-11 auf Grie­chisch; 12-28 auf Deutsch

– das Rea­li­täts­ver­ständ­nis des Auf­ste­hens
nach Pau­lus

23.07. Im Anschluss Abschluss­dis­kus­si­on

Die Sit­zung hat­te Luk 24 zum The­ma. Dabei fiel auf, dass Luk nach der Erzäh­lung vom lee­ren Grab zuerst die Erschei­nung Jesu wäh­rend des Dis­kur­ses mit den Emma­us­jün­gern erzählt, dann die Erschei­nung vor Simon Petrus erwähnt. Wei­ter erscheint Jesus den Elf plus den Emma­us­jün­gern, die eben nach Jeru­sa­lem zurück­ge­kehrt waren.

Die­se Erschei­nung ist eine Erwei­te­rung und Ver­stär­kung der Emma­us­jün­gererzäh­lung. Deut­lich wird betont, dass Jesus als Auf­ge­stan­de­ner kein blo­ßer Geist sei, son­dern Fleisch und Kno­chen besit­ze. Zudem isst er, was ja nur nötig ist, wenn Fleisch und Kno­chen Nah­rung brau­chen. Die­se Ele­men­te fin­den sich alle in der Emma­us­jün­gererzäh­lung. Und dort fin­det sich auch das drit­te wesent­li­che Ele­ment von Luk 24: Alles das­je­ni­ge, was im Leben, Ster­ben, Auf­ste­hen Jesu geschah (und wei­ter in der Geschich­te der Kir­che geschieht), hat sich nach einem nar­ra­ti­ven Pro­gramm ereig­net, dass in der LXX als dem Alten Tes­ta­ment der frü­hen Christ/inn/en auf­ge­schrie­ben wur­de. Luk inter­pre­tiert die Hei­li­gen Schrif­ten der Juden als pro­phe­ti­sche Tex­te, wel­che die gram­ma­ti­schen Regeln krea­tiv vor­ge­ben, nach denen das luka­ni­sche Dop­pel­werk geschrie­ben ist.

Zum Brot­bre­chen vgl. Act 2,46.

Luk 24 ist auch als Über­gang zu Act kon­zi­piert, Him­mel­fahrt und Geist­wun­der wer­den erzählt bzw. ange­deu­tet.

Die Dis­kus­si­on dreh­te sich u. a. um das Ver­hält­nis von Juden­tum und Chris­ten­tum, Act 28 als Pro­blem­an­zei­ge wur­de dis­ku­tiert. Dort dis­ku­tiert Pau­lus mit der jüdi­schen Gemein­de in Rom, sei­ne Bot­schaft wird dort abge­lehnt. Es ist m. E. wich­tig, dass Luk so offen­legt, sei­ne Aus­le­gung der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden fin­de im Kon­text der ([proto]rabbinischen) Theo­lo­gie kei­ne Zustim­mung. Die Kon­zep­ti­on des Luk ist eine der ver­söhn­ten und strei­ten­den Ver­schie­den­heit. So wer­den im Escha­ton Pes­sach und Abend­mahl gefei­ert. Viel­leicht nicht so enthu­si­as­tisch wie Pau­lus (Röm 11,25-32), aber doch ähn­lich, unter­stellt er, dass die Juden geret­tet wer­den. Die Umkehr steht im Zen­trum der Ver­kün­di­gung der Schü­ler – und die­ses The­ma hat die Jesus­tra­di­ti­on mit der dyna­mi­schen Schrift­aus­le­gung im Juden­tum gemein­sam. Es wird nach Luk auch zum Haupt­the­ma der Kir­chen­ge­schich­te, wel­che von Jeru­sa­lem aus­geht.

In der Emma­u­s­er­zäh­lung wird auf jüdi­sche Mes­si­as­hoff­nun­gen Bezug genom­men, die im Schü­ler­kreis prä­sent waren. Sie fin­den sich in PsSal 17f, dar­aus ein Aus­schnitt:

Dar­in ist also eine Aus­ein­an­der­set­zung mit fol­gen­der im Juden­tum vor­han­de­nen Mes­si­as- (grie­chisch: chris­tos, latei­nisch: Chris­tus-) Vor­stel­lung zu fin­den:

Sieh zu, Herr, und lass ihnen ihren König erste­hen, den Sohn Davids,

…, dass er über dei­nen Skla­ven Isra­el regie­re.

Und gür­te ihn mit Kraft, dass er unge­rech­te Hei­den zer­schmet­te­re,

Jeru­sa­lem rei­ni­ge von den Hei­den, die es erbar­mungs­wür­dig zer­tre­ten …

Dann wird er sein hei­li­ges Volk zusam­men­füh­ren, das er mit Gerech­tig­keit regiert …

Er lässt nicht zu, dass wei­ter Unrecht in ihrer Mit­te statt­fin­det …,

Und er ver­teilt sie nach ihren Stäm­men über das Land,

und weder Bei­sas­se noch Frem­der darf künf­tig unter ihnen woh­nen.

Er rich­tet [alle] Völ­ker nach sei­ner gerech­ten Weis­heit.

(Psal­men Salo­mos 17,21-29)

Da Jesus aber ein gekreu­zig­ter Mes­si­as war, ist das kei­ne 1:1-Übernahme – und die Schrift­aus­le­gung muss u. a. aus Jes 53 Ergän­zun­gen lie­fern.

2               TUD: Verständnisvolles Lesen der Bibel (1. Mose 9)

Die Debat­te über 1. Mose 9 schloss den Abschnitt des Semi­nars ab, der sich mit dem Pro­blem der Glie­de­rung und Bestim­mung der The­men eines Tex­tes (Seman­tik) befasst. Ab dem nächs­ten, vor allem ab dem über­nächs­ten Mal ist dann die Prag­ma­tik der Tex­te The­ma. Was wol­len die­se Tex­te kom­mu­ni­ka­tiv errei­chen? Ver­mu­tun­gen dar­über haben wir immer schon ange­stellt, aber min­des­tens ab dem über­nächs­ten Mal wer­den wir das expli­zit in den Vor­der­grund stel­len, wenn auch die Exkursionsteilnehmer/innen wie­der dabei sind.

In 1. Mose 9 wird das The­ma des Noah­bun­des in den Vor­der­grund gestellt, wir mach­ten uns auch Signa­le wie den Regen­bo­gen klar. Die The­men des Vor­tex­tes waren stark prä­sent. Gott lässt kei­ne Sint­flut mehr kom­men, obgleich „das Trach­ten der Men­schen böse von Jugend auf“ ist.

Der „Bund“ ist eine Ver­trags­kon­zep­ti­on. Gott schließt mit die­sen Men­schen einen Ver­trag und ver­pflich­tet sich, kei­ne Sint­flut mehr kom­men zu las­sen. Man kann mit Kant sagen: Gott erkennt die Men­schen­rech­te an, zu die­sen gehört auch das Recht zu sün­di­gen. Kant sprach davon, dass der Mensch aus „krum­mem Holz“ geschnitzt sei.

Dazu gehört auch die Erzäh­lung von Noah, dem ers­ten Wein­bau­ern, bei der Ham das Nackt­heits­ta­bu ver­letzt.

3               TUD: 1. Kor 15,20-28

Mit die­sem Text wur­de der ers­te pan­the­is­ti­sche Text prä­sen­tiert. Dabei ist Gott im Begriff, alles in allem zu wer­den. Dies ist ein Pro­zess­ge­dan­ke. Gott ist am Anfang des Pro­zes­ses noch nicht alles, son­dern am Ende des Pro­zes­ses wird er dazu.

Das ist mit der Sün­de Adams ver­bun­den, bei wel­cher der Glanz in der Welt ver­lo­ren geht – und der Tod in die Welt kommt. Mit der Auf­er­we­ckung des gekreu­zig­ten Chris­tus beginnt die Gegen­be­we­gung, in der alle Gegen­mäch­te und zuletzt der Tod unter­wor­fen wer­den. Der Glanz kehrt dann zurück, Gott wird alles in allem sein.

Die Posi­ti­on ist ein pro­zessphi­lo­so­phi­scher Pan­the­is­mus, der unter Auf­nah­me von Gedan­ken Spi­no­zas seit der Roman­tik sowohl bei Schel­ling als auch bei Schlei­er­ma­cher ver­tre­ten wur­de. Beson­ders deut­lich ist dies bei Charles Peirce am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts (Reli­gi­ons­phi­lo­so­phi­sche Schrif­ten, 1995) der Fall. Die­se Posi­ti­on liegt auch bei Alfred North Whitehead vor. Unter den evan­ge­li­schen Theo­lo­gen wird die­se Posi­ti­on am ehes­ten von Eber­hard Jün­gel ver­tre­ten. Dabei ist gedacht, dass im ewi­gen Leben, in dem Gott alles in allem ist, unse­re Indi­vi­dua­li­tät durch nicht geleb­te Mög­lich­kei­ten ergänzt wird. Aber es ist auch klar, dass die schar­fen Gren­zen zu Ande­ren, die wir oft zie­hen, kei­nen Bestand haben.

Nach mei­nem Urteil war Pau­lus der bedeu­tends­te Theo­lo­ge des Chris­ten­tums. Denn er hat nicht die Über­le­gen­heit des christ­li­chen Lebens, über ande­re Wei­sen zu leben, gelehrt. Das wäre Selbst­ruhm. Nüch­tern ist die Welt, wie wir sie erle­ben, durch den Tod und die Ver­gäng­lich­keit bestimmt. Die Lebens­zei­chen, die auf den kom­men­den Glanz ver­wei­sen, sind Glau­be, Hoff­nung und Lie­be. Wenn alle Men­schen so leb­ten, wäre alles gut. Aber so ist es nicht. Der Tod muss unter­wor­fen wer­den, er fin­det sich auch in gesell­schaft­li­chen For­men wie dem Kapi­ta­lis­mus, um ein Bei­spiel aus der Semi­nar­grup­pe zu neh­men. Nach Pau­lus leben wir rich­tig, wenn wir glau­ben, hof­fen und lie­ben. Und so ver­zwei­feln wir s. E. nicht, wenn wir dar­auf har­ren, dass Gott alles in allem wird – und Glanz und Zau­ber uni­ver­sal sind.

Es wur­de kon­tro­vers dis­ku­tiert, ob die­ser Got­tes­ge­dan­ke nicht dem Vater­un­ser wider­spre­che. Eher nicht. Man darf das Gebet Jesu nicht mit den eige­nen Wün­schen ver­wech­seln, so Schlei­er­ma­cher. Gera­de die Gebets­fröm­mig­keit, die bei Mk und Mt durch­scheint, setzt vor­aus, dass das Ver­trau­en an der Schöp­fer­macht Got­tes par­ti­zi­piert. Und man wird fest­hal­ten müs­sen, dass die­se sich ent­wi­ckelt und im Wer­den begrif­fen ist. In die­se Lebens­hal­tung üben, auf unter­schied­li­che Wei­se, Mar­kus und Mat­thä­us ein.

22. März 2012

Die Prozess-Ethik Schleiermachers

1               Erinnerung an die letzte Sitzung

Unse­re Begeg­nung mit der Pflich­ten­leh­re Imma­nu­el Kants blieb strit­tig. Es gab Ver­su­che, Kants Ethik näher zu ver­ste­hen, auch zu ver­tei­di­gen – ein Kurs­teil­neh­mer schlug vor, die Auf­fas­sung der Ethik nach dem Auf­tre­ten des Manns aus Königs­berg fol­gen­der­ma­ßen zu unter­tei­len: Ethik bis Kant – auf Kants Niveau oder hin­ter Kant zurück­ge­fal­len. Ande­re schie­nen nicht die­ser Über­zeu­gung zu sein, ins­be­son­de­re nicht von Kants Argu­ment für die Ableh­nung der Güter­leh­re, weil die­se nicht vor dem Hang zum Bösen gefeit sei, man hier­mit den Nei­gun­gen ver­fal­len sei, wenn man ein Gut anstre­be. Das tran­szen­den­ta­le Kon­zept der Sub­jek­ti­vi­tät, wel­ches offen­bar hin­ter Kants Opti­on für die Pflich­ten­leh­re und die ent­spre­chen­den kate­go­ri­schen Impe­ra­ti­ve steht, leuch­te­te man­chen Teilnehmer/innen nicht recht ein. Aller­dings akzep­tier­ten alle, soweit sie sich äußer­ten,

  • das Prin­zip der Uni­ver­sa­li­sier­bar­keit von ethi­schen Maxi­men, aber auch Kants
  • Akzep­tanz der Men­schen­rech­te als Grund­la­ge der Ethik. (more…)
14. März 2012

Die autonome Ethik Kants

1              Erinnerung an die Sitzung vom 12.03.

Die Sit­zung ergab, dass im nächs­ten Kurs das The­ma

  • Erkennt­nis­theo­rie“

behan­delt wer­den soll. Der Dozent ver­sprach, dass die Durch­füh­rung des Kur­ses nicht „drö­ge“ sein sol­le. Zur im Kurs ver­wen­de­ten Lite­ra­tur vgl. hier.

Zunächst muss sich der Dozent dafür ent­schul­di­gen, dass er mit dem Schlei­er­ma­cher­zi­tat zur Geschich­te von Güter-, Tugend- und Sit­ten­leh­re und deren Dar­stel­lungs­wei­se in einer Ethik bei den Teil­neh­men­den ein Über­for­de­rungs­ge­fühl erzeugt hat, weil dies eben auch nicht in Lexi­ka und Sekun­där­li­te­ra­tur wie bei Höf­fe oder Tugend­hat adäquat dar­ge­stellt wird. Ich hät­te das Zitat schlicht auf einer Sei­te inter­pre­tie­ren sol­len. Schon 1812 war die Behand­lung der Güter­leh­re ganz zurück­ge­tre­ten, mit der Tugend­leh­re mag es etwas bes­ser gestan­den haben. (more…)

6. März 2012

Begriffe der Ethik, „Güter-, Tugend- und Pflichtenlehre“, „gut“ und „schlecht“, „Ethik vs. Moral“

In der letz­ten Sit­zung wur­den drei The­men fest­ge­legt, die im Kurs nächs­tes Semes­ter ver­han­delt wer­den könn­ten – und in der kom­men­den Sit­zung abge­stimmt wer­den sol­len:

  • Erkennt­nis­theo­rie: Gren­zen, Bedin­gun­gen, Medi­en und Mög­lich­kei­ten mensch­li­cher Erkennt­nis;
  • Mas­se und Macht. Sozi­al­psy­cho­lo­gi­sche und phi­lo­so­phi­sche Erwä­gun­gen;
  • Kunst(-lehre) und Tech­nik. Phi­lo­so­phi­sche Refle­xi­on wesent­li­cher Hand­lungs­ty­pen.

In die­ser Sit­zung wur­den auch zwei typi­sche Tex­te des Aris­to­te­les bespro­chen, wel­cher eine Güter­leh­re vor­trägt und die hier­für nöti­gen Ver­nunft­po­ten­zia­le als Tugen­den (z. B. „Tap­fer­keit“, „Beson­nen­heit“) bestimmt – bzw. die Ver­tei­lung sol­cher Tugen­den bei den indi­vi­du­ell Han­deln­den durch sei­ne „Mit­te-Leh­re“ zu erfas­sen sucht, wel­che jeweils indi­vi­du­el­le Lebens­ge­schich­ten berück­sich­tigt. (more…)

14. Dezember 2011

Die Religionsphilosophie Peirce‘

 

Wir haben uns in der letz­ten Sit­zung mit den Pro­ble­men der Wahr­neh­mung aus phä­no­me­no­lo­gi­scher Per­spek­ti­ve, aber auch ent­spre­chen­den Leis­tun­gen des Zei­chen­be­griffs Peirce’ befasst, wobei Frau Meiss­ner dan­kens­wer­ter­wei­se auf Kants merk­wür­di­ge Annah­me hin­wies, man wer­de vom „Ding an sich“ affi­ziert.

In der Aus­ein­an­der­set­zung mit Mer­leau-Pon­ty und Fuchs wur­de erör­tert, inwie­fern Wahr­neh­mung auch Kom­mu­ni­ka­ti­on oder Aus­tausch sei, was von Peirce und die­ser grenz­wer­ti­gen Auf­fas­sung Kants tat­säch­lich unter­stellt wird. In der Spra­che von Peirce ist also zu sagen, das (dyna­mi­sche) Objekt bil­de mit dem Zei­chen eine der­ar­ti­ge Bezie­hung, dass es den Inter­pre­t­an­ten bestim­me, in der­sel­ben tria­di­schen Rela­ti­on zu ste­hen, in der es selbst ste­he. M. E. ist hier nur frag­lich, ob man the same wie Pape mit „der­sel­ben“ oder „der glei­chen“ über­set­zen soll­te, wohl das Letz­te­re … Wor­auf es ankommt, ist der Sach­ver­halt, dass Peirce die­se Affi­zie­rung des Inter­pre­ten über die tria­di­sche Bezeich­nungs­re­la­ti­on ein­deu­tig gedacht hat.

Wir haben ver­sucht, uns aus­führ­li­cher mit dem Gedan­ken der „Zwi­schen­leib­lich­keit“ aus­ein­an­der­zu­set­zen, was z. T. humo­rig ablief. Hier ist m. E. noch ein beacht­li­ches Poten­zi­al, das vor allem von der Phä­no­me­no­lo­gie ent­wi­ckelt wird.

Der Kurs schließt mit einer Besin­nung zur Reli­gi­ons­phi­lo­s­phie Peirce’. Vie­le Tex­te fin­den sich in der Über­set­zung Her­mann Deu­sers „Reli­gi­ons­phi­lo­so­phi­schen Schrif­ten“ ([RPh] 1995). Hin­zu­tre­ten muss noch der Auf­satz „Evo­lu­tio­nä­re Lie­be“ aus „Natur­ord­nung und Zei­chen­pro­zess“ (1991 [EL]) Peirce gehört zu den­je­ni­gen ori­gi­nel­len Den­kern, die sich nicht vom Posi­ti­vis­mus abschre­cken lie­ßen, obgleich er die wis­sen­schaft­li­che Leis­tung der Posi­ti­vis­ten aus­drück­lich aner­kann­te. Aber er for­mu­lier­te eine wit­zi­ge Pole­mik über deren Lebens­auf­fas­sung:

Das Leben auf dem Glo­bus ist eine gänz­lich zufäl­li­ge Enwick­lungs­pha­se, die, soweit wir wis­sen, kei­nem dau­er­haf­ten Ziel zustrebt. Sie ist ohne jeden Nut­zen, außer dass sie hin und wie­der ein ange­neh­mes Ner­ven­kit­zeln bei die­sem oder jenem Wan­de­rer auf die­ser ermü­den­den und zweck­lo­sen Rei­se her­vor­ruft – einer Rei­se, die in einer Tret­müh­le nir­gend­wo beginnt und nir­gend­wo endet und deren Maschi­ne­rie ganz und gar nichts her­vor­bringt. Es gibt nichts Gutes im Leben außer gele­gent­li­chen Freu­den, und die sind trü­ge­risch und wer­den bald voll­stän­dig ver­schwin­den.“ (RPh 61f [1867/68]) (more…)

3. November 2011

Die Semiotik Charles Peirce’ (Vhs Neckargemünd)

Die letz­te Sit­zung befass­te sich mit dem Ethik­ent­wurf Peirce’, was schon durch die For­mu­lie­rung der Prag­ma­ti­schen Maxi­me vor­be­rei­tet war – wobei ich auf die ent­spre­chen­den Tech­ni­ken und Kunst­leh­ren hin­ge­wie­sen hat­te, die kei­nes­wegs nur zur Anwen­dung der Wis­sen­schaf­ten gehö­ren, son­dern durch­aus zur Pro­duk­ti­on von „Wis­sen“ die­nen. Die „Ethik“ Peirce’ beruht auf grund­le­gen­den Erwä­gun­gen des Aris­to­te­les, was sich auch in dem Begriff der „Über­le­gung“ nie­der­schlägt, der eine Neu­fas­sung des Begriffs der sofro­sy­ne (Beson­nen­heit) ist.

Mit­hin sind Wis­sen­schaf­ten – anders als bei den Positivist/inn/en und den Neukantianer/innen nicht wert­neu­tral. Es ließ sich auch an Weber ganz leicht auf­zei­gen, dass selbst die­se For­de­rung nur durch bewer­ten­des Spre­chen mög­lich ist, mit­hin selbst ein Fall der „Ethik“ wäre. Peirce’ Ver­or­tung der „Ethik“ als nor­ma­ti­ve Wis­sen­schaft vor der Logik, stellt sicher, dass sol­che doch recht schlich­ten logi­schen Feh­ler ver­mie­den wer­den.

Positivist/inn/en und Neukantianer/innen sind daher den nicht selbst­kon­trol­lier­ten und wenig beson­ne­nen öko­no­mi­schen oder poli­ti­schen Inter­es­sen ganz hilf­los aus­ge­lie­fert gewe­sen, was den Bei­trag der Wis­sen­schaf­ten zu min­des­tens drei gro­ßen Kri­sen zu Beginn des 21. Jahr­hun­derts sicht­bar macht:

  • Nut­zung der Kern­ener­gie
  • Kli­ma­ka­ta­stro­phe
  • Nahe­zu eine Mil­li­ar­de, mit­hin ein Sieb­tel der Men­schen, ste­hen vor dem Hun­ger­tod (Felix zu Löwen­stein, Food Crash [2011])

In allen die­sen drei Phä­no­me­nen wird erst ein schein­bar nahe­lie­gen­des Modell ver­tre­ten, wel­ches Gefah­ren ban­nen und öko­no­mi­sche Pro­duk­ti­vi­tät oder poli­ti­sche Sicher­heit erzeu­gen könn­te, tat­säch­lich aber wer­den unbe­son­ne­ne Metho­den ver­wen­det, wel­che sich letzt­lich nicht bewäh­ren und fata­le Fol­gen zei­ti­gen. Daher ist die „Ethik“ so wich­tig, die Peirce’ zufol­ge unter Ein­be­zie­hung aller Men­schen gesche­hen muss. Wir sehen das neu­er­dings in der rich­ti­gen Inten­ti­on von Papan­d­reou, das grie­chi­sche Volk über sei­nen Weg selbst abstim­men zu las­sen. Natür­lich gibt es dage­gen Wider­stand der poli­ti­schen Klas­se hier­zu­lan­de und in Grie­chen­land, aber es ist eine Fol­ge der Athe­ner Demo­kra­tie so zu optie­ren.

Damit wird das vier­te Pro­blem sicht­bar, das auch im Werk Peirce’ sicht­bar ist:

  • Der Pri­mat der „Ethik“ for­dert den Pri­mat demo­kra­ti­scher Poli­tik über die öko­no­mi­schen Inter­es­sen.

Der Bei­trag Peirce’ besteht vor allem dar­in, dass er die semio­tisch-logi­sche Sub­ti­li­tät erhöht hat, um auch im All­tag leich­ter all­zu schlich­te Alter­na­ti­ven und Lösungs­we­ge durch­schau­en zu kön­nen. Semio­ti­sche Kom­pe­tenz erhöht mit­hin die All­tags­kom­pe­tenz und stärkt all­tags­phi­lo­so­phi­sche Bemü­hun­gen – ganz leicht ist sie den­noch nicht … Wir wen­den uns heu­te aber vor allem der wis­sen­schaft­li­chen Bedeu­tung zu. In der nächs­ten Sit­zung schen­ken wir der rela­tio­na­len Begriffs­theo­rie Peirce’ Beach­tung, die unse­re Betrach­tungs­wei­sen ändern könn­te, wir haben dies in unse­rem Kurs schon bei Brod­beck gese­hen, der die Miss­ach­tung der Rela­ti­on als zen­tra­ler Kate­go­rie für vie­le Miss­stän­de in unse­ren Gesell­schaf­ten ver­ant­wort­lich macht: Es sind hier nicht nur wis­sen­schaft­li­che, son­dern brei­te All­tags­über­zeu­gun­gen, die nega­ti­ve Fol­gen haben.

Der Prag­ma­tis­mus ist mit eini­gen Auf­sät­zen auch in die wis­sen­schafts­theo­re­ti­sche Dis­kus­si­on ein­ge­tre­ten, die Charles San­ders Peirce seit 1868 in der Zeit­schrift The Jour­nal of Spe­cu­la­ti­ve Phi­lo­so­phy ver­öf­fent­licht hat, dar­un­ter auch der berühm­te Auf­satz How to Make Our Ide­as Clear (1878), am leich­tes­ten erreich­bar in: The Essen­ti­al Peirce I, 1992, 142ff; eine eini­ger­ma­ßen pas­sa­ble Über­set­zung fin­det sich in Apel, Peirce. Schrif­ten zum Prag­ma­tis­mus usf. (1991; stw 945), 182ff. Der phi­lo­so­phi­sche Ansatz der ursprüng­li­chen Prag­ma­tis­ten Peirce, James, Dew­ey schätzt die Bedeu­tung der Wis­sen­schaf­ten hoch ein, daher gebührt ihnen auch phi­lo­so­phi­sche Auf­merk­sam­keit. Peirce ist als Ein­zel­wis­sen­schaft­ler Logi­ker gewe­sen, er hat die moder­ne Rela­tio­nen­lo­gik mit ent­wi­ckelt, außer­dem war er einer der Begrün­der der Semio­tik. Wil­liam James gilt mit Recht als einer der Begrün­der der empi­ri­schen Psy­cho­lo­gie. John Dew­ey ist nach mei­nem Urteil der bedeu­tends­te nach­klas­si­sche Päd­ago­ge. Die Prag­ma­tis­ten ver­tre­ten z. T. sehr unter­schied­li­che Posi­tio­nen, aber sie eint den­noch eine Grund­über­zeu­gung, die Dew­ey so zusam­men­fasst, wel­che wir uns noch ein­mal ver­deut­li­chen soll­ten:

Sofern sich jemand schon auf die Über­zeu­gung ver­pflich­tet hat, dass die Rea­li­tät sau­ber und abschlie­ßend in einem Paket mit einem Band ver­packt ist, das nicht mehr auf­ge­schnürt wer­den kann, es mit­hin kei­ne unvoll­ende­ten The­men oder neue Aben­teu­er gibt, wird er der Auf­fas­sung wider­spre­chen, dass Wis­sen eine Dif­fe­renz erzeugt, wie man auch sonst jedem unver­schäm­ten auf­dring­li­chen Men­schen wider­spricht. Doch sofern man davon über­zeugt ist, dass sich die Welt selbst im Über­gangs­pro­zess befin­det, war­um soll­te dann die Über­zeu­gung, dass das Wis­sen der bedeu­tends­te Modus ihrer Modi­fi­ka­ti­on und das ein­zi­ge Organ ihrer Lei­tung sei, a prio­ri schäd­lich sein? (Does Rea­li­ty Pos­sess a Prac­tical Cha­rac­ter?, The Essen­ti­al Dew­ey I, 124ff, 125).

Dies besagt im Kon­text die­ses grund­le­gen­den Auf­sat­zes min­des­tens drei­er­lei:

(1)  Die Rea­li­tät sei nicht nur prak­tisch erschließ­bar, das scheint auf­grund der expe­ri­men­tel­len Pra­xis der Natur­wis­sen­schaf­ten seit dem 17. Jahr­hun­dert unab­weis­bar. Das wäre ein blo­ßer tru­ism, eine blo­ße Bin­sen­wahr­heit. Die Prag­ma­tis­ten ver­tre­ten aber dar­über hin­aus:

(2)  Die Rea­li­tät steht den han­deln­den Men­schen, auch den expe­ri­men­tie­ren­den Wissenschaftler/innen nicht sta­tisch gegen­über, son­dern sie wird sowohl durch das Expe­ri­ment als auch durch die dar­auf fol­gen­de Pra­xis ver­än­dert. Inso­fern befin­det sich die Rea­li­tät in einem durch mensch­li­ches wis­sen­schaft­li­ches Erken­nen mit­be­stimm­ten Ver­än­de­rungs­pro­zess. Auch dies war im letz­ten Drit­tel des 19. Jahr­hun­derts auf­grund der öko­no­misch-tech­ni­schen Umset­zung phy­si­ka­li­scher und che­mi­scher Erkennt­nis­se unab­weis­bar.

(3)  Dar­über hin­aus war allen klas­si­schen Prag­ma­tis­ten klar, dass auch die Fol­gen der Hand­lun­gen in der Wis­sen­schaft in die Erfas­sung wis­sen­schaft­li­cher Hand­lun­gen ein­ge­hen müs­sen. Auch bei heu­ti­gen Prag­ma­tis­ten wie Put­nam, Haber­mas, Ham­pe und Pape wird genau dies betont – und das ist ange­sichts des kata­stro­pha­len Schei­terns des wis­sen­schaft­lich-öko­no­misch-tech­ni­schen Pro­jek­tes vor allem an der Kli­ma­ver­än­de­rung, aber auch der Nut­zung der Kern­ener­gie und der Erzeu­gung von  Hun­ger über­aus aktu­ell.

1                               Semiotik und Erkenntnis

Es war das von allen ande­ren auch aner­kann­te Ver­dienst Peirce’ bestimm­te Grund­la­gen logisch-semio­ti­scher Art gelegt zu haben, die manch­mal nicht direkt zitiert wer­den, aber noch bis zu Dew­eys Theo­ry of Inqui­ry (1938 [vgl. wich­ti­ge Aus­zü­ge in: The Essen­ti­al Dew­ey II]), die akzep­tier­te Grund­la­ge bil­de­ten. Dew­ey hat­te bei Peirce Logik gehört – und das macht sich auf jeden Fall bemerk­bar.

Gra­fik 1: Genu­in Tria­di­sche Bezeich­nungs­re­la­ti­on, kei­nes der drei Rela­ta der Bezeich­nungs­re­la­ti­on Zei­chen, Objekt und Inter­pre­tant darf feh­len, alle sind stets durch die genu­in tria­di­sche Bezeich­nungs­re­la­ti­on ver­bun­den, der Inter­pre­tant ist stets eine refle­xi­ve Inter­pre­ta­ti­on eines schon vor­han­den Inter­pre­ta­ti­ons­pro­zes­ses.

Ein Zei­chen oder Reprä­sen­ta­men ist alles, was in einer sol­chen Bezie­hung zu einem Zwei­ten steht, dass sein Objekt genannt wird, dass es fähig ist ein Drit­tes, das sein Inter­pre­tant genannt wird, dahin­ge­hend zu bestim­men, in der­sel­ben tria­di­schen Rela­ti­on zu ste­hen, in der es selbst steht. Das bedeu­tet, dass der Inter­pre­tant selbst ein Zei­chen ist, das ein Zei­chen des­sel­ben Objekts bestimmt – und so fort ohn Ende. (Phä­no­men und Logik der Zei­chen, 64)

Dass Erken­nen und wis­sen­schaft­li­ches Erken­nen Zei­chen­pro­zes­se sind, ist eigent­lich auch ein tru­ism, aber lei­der wird die­ser häu­fig nicht beach­tet. Noch heu­te meint man, eine wis­sen­schaft­li­che Behaup­tung sei eine Vor­stel­lung, ein men­ta­les Urteil, mög­li­cher­wei­se han­delt es sich sogar um – bis­lang unbe­ob­acht­ba­re – Gehirn­pro­zes­se. Davon kann kaum eine Rede sein, wis­sen­schaft­li­che Behaup­tun­gen wer­den öffent­lich gemacht, öffent­lich dis­ku­tiert usf. Mit­hin sind sie Zei­chen­pro­zes­se. Die Poin­te Peirce’ besteht in zwei wesent­li­chen Punk­ten:

(1)  Der wis­sen­schaft­li­che Pro­zess ist als Erken­nen mit dem Objekt in einer genu­in tria­di­schen Rela­ti­on rela­tio­nal ver­bun­den, die sinn­li­che Wahr­neh­mung des „Objekts“ im „Zei­chen“ wird im „Inter­pre­t­an­ten“ dar­ge­stellt. Da der Inter­pre­tant selbst­re­fle­xiv dar­stellt, ist auch unter­stellt, dass schon die sinn­li­che Wahr­neh­mung im Zei­chen auf einen sol­chen tria­di­schen Pro­zess zurück­geht, mit­hin: Sofern sinn­li­che Wahr­neh­mung selbst ein Zei­chen­pro­zess ist, sind die angeb­li­chen Sin­nes­da­ten als abso­lu­ter Aus­gangs­punkt wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis, wie dies die Posi­ti­vis­ten unter­stell­ten, Tei­le eines unend­li­chen Zei­chen­pro­zes­ses, ein Punkt, den beson­ders Bert­rand Rus­sell als über­aus bedroh­lich emp­fand; vgl. die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Rus­sell und Dew­ey in: The Essen­ti­al Dew­ey II, 201ff; 408ff; mit aus­führ­li­chen und fai­ren Rus­sell­zi­ta­ten, in denen Rus­sell auf der Mach­schen Posi­ti­on beharrt.) Dew­ey hat spä­ter mit Recht betont, dass die Ide­en von Peirce mit denen von Whitehead beson­ders ver­wandt sei­en, weil bei­de auf unter­schied­li­che Wei­se, den fal­schen Gemein­platz infra­ge­ge­stellt hät­ten, es gäbe so etwas wie eine Sub­jekt-Objekt-Spal­tung usf. bzw. eine fak­tisch siche­re Aus­gangs­ba­sis in Sin­nes­da­ten. Auch Sin­nes­da­ten beru­hen auf einem Inter­pre­ta­ti­ons­pro­zess, so Peirce, mit­hin müs­sen vie­le sol­che Inter­pre­ta­tio­nen mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den. Folg­lich ist anders als Pop­per mein­te, nicht nur die Induk­ti­on pro­ble­ma­tisch, wie also die Sin­nes­da­ten zu einer Theo­rie zusam­men­ge­fügt wer­den, schon die sinn­li­che Erfah­rung stellt eine prin­zi­pi­ell fal­li­ble Inter­pre­ta­ti­on dar.

(2)  Für alle Prag­ma­tis­ten bis hin zu Haber­mas heißt das dann, dass der Wis­sen­schafts­pro­zess zukunfts­of­fen ist, er hat als Ziel mit­hin die Zustim­mung aller der­je­ni­gen, die sich wis­sen­schaft­lich kom­pe­tent enga­gie­ren. Bzw. man kann zurück­hal­ten­der sagen, dass er die­ses Ziel  haben kön­nen muss, wenn man gründ­lich nach­denkt. Dies heißt dann aber auch, dass man im Sin­ne der „Prag­ma­ti­schen Maxi­me“ Peirce’ stets die Kon­se­quen­zen des eige­nen wis­sen­schaft­li­chen Han­delns mit­be­den­ken muss, Ethik­ko­mis­sio­nen wer­den heu­te addi­tiv sozu­sa­gen stan­dard­mä­ßig auf­ge­baut. Für Dew­ey bedeu­te­te dies, dass die Zahl der­je­ni­gen, die wis­sen­schaft­lich kom­pe­tent sind, durch geeig­ne­te demo­kra­ti­sche Erzie­hung mög­lichst weit gefasst wer­den muss; vgl. dazu mei­ne Dar­stel­lung. Anders als in der spät­po­si­ti­vis­ti­schen oder neo­po­si­ti­vis­ti­schen Posi­ti­on Pop­pers liegt also kein prin­zi­pi­el­ler Erkennt­nis­zwei­fel vor. Statt­des­sen besteht die Erwar­tung, dass die Wis­sen­schaf­ten vor dem Hin­ter­grund einer brei­ten Kom­pe­tenz in der Bevöl­ke­rung ihre hoch­kom­ple­xen und uni­ver­sal ange­setz­ten Auf­ga­ben eini­ger­ma­ßen lösen und dabei die Rea­li­tät zuguns­ten sitt­li­cher Zie­le ver­än­dern könn­ten. Es sind hier also kei­nes­wegs die wis­sen­schaft­li­chen Expert/inn/en gefragt, son­dern die ursprüng­li­che prag­ma­tis­ti­sche Idee besteht dar­in, dass es zu einer Demo­kra­tie gehört, dass das Wis­sen­schafts­sys­tem mög­lichst vie­le Men­schen durch All­ge­mein­bil­dung und in die Tie­fe gehen­de unend­li­che Bil­dungs­be­mü­hun­gen betei­ligt. Dies ist beson­ders ein­drück­lich von Dew­ey bedacht wor­den, der auch die ent­spre­chen­den sozia­len Vor­aus­set­zun­gen immer deut­li­cher erkann­te, z. B. einen Sozi­al­staat, der deut­lich über gewöhn­li­che „ame­ri­ka­ni­sche Ver­hält­nis­se“ hin­aus­geht; vgl. „Demo­cra­cy is Radi­cal“, in: The Essen­ti­al Dew­ey I, 337ff, aber Dew­ey zufol­ge sehr wohl in den klas­si­schen Doku­men­ten der ame­ri­ka­ni­schen Revo­lu­ti­on und Demo­kra­tie ange­legt sei.

Inter­es­sant ist, dass der schon in unse­ren Kurs­zu­sam­men­hän­gen erwähn­te Johann Jakob von Uex­küll prin­zi­pi­ell den Ansatz von Peirce und Dew­ey, dass also „Rea­li­tät“ im dar­ge­stell­ten Sin­ne unter Zei­chen­ver­wen­dung „prak­tisch“ sei, auch bei den leben­den Wesen ab dem Ein­zel­ler unter­stellt:

Gra­fik 2: Quel­le: Thu­re von Uex­küll u. a., Psy­cho­so­ma­ti­sche Medi­zin, 2008, 9.

Das „Mer­ken“ führt zum „Wir­ken“, wodurch die Rea­li­tät, die wahr­ge­nom­men wur­de, ver­än­dert wird. Dies geht Uex­küll zufol­ge nur durch eine ent­spre­chen­de Inter­pre­ta­ti­on, die u. a. am eige­nen Bedürf­nis ori­en­tiert ist.

Zwi­schen den Prag­ma­tis­ten und von Uex­küll scheint kei­ne wech­sel­sei­ti­ge oder auch nur ein­sei­ti­ge Wahr­neh­mung zustan­de­ge­kom­men zu sein. Hier liegt aber eine wesent­li­che wis­sen­schaft­li­che Chan­ce, um Ein­sei­tig­kei­ten in der Bio­lo­gie infra­ge zu stel­len.

2                             Fallibilismus

Wer die Rea­li­tät als in einem stän­di­gen Über­gangs­pro­zess begrif­fen sieht, kann die Rol­le der Wis­sen­schaf­ten ganz gelas­sen als sozia­le Sys­te­me mit Fal­li­bi­lis­mus als wesent­li­chem metho­di­schem Aspekt und dau­ern­der selbst­kri­ti­scher Besin­nung bestim­men. Der ent­spre­chen­de Wiki­pe­diaar­ti­kel hat das unbe­streit­ba­re Ver­dienst, die Sache nicht ganz auf Pop­pers Niveau her­un­ter­zu­bea­men. M. E. ist Pop­pers Fal­si­fi­ka­tio­nis­mus kein Fal­li­bi­lis­mus im Sin­ne von Peirce und Dew­ey, dass dies den­noch oft als Fal­li­bi­lis­mus bezeich­net wird, ist ein bedau­er­li­cher Man­gel, aber so etwas kommt in der Wis­sen­schafts- und Phi­lo­so­phie­ge­schich­te nicht sehr sel­ten vor. Der Fal­li­bi­lis­mus ist auf­grund der Grund­idee der Prag­ma­tis­ten wis­sen­schaft­lich zwin­gend, weil schon die Sin­nes­da­ten Tei­le der dyna­mi­schen genu­in tria­di­schen Bezeich­nungs­re­la­ti­on sind, ganz zu schwei­gen von allen wei­te­ren abduk­ti­ven, induk­ti­ven oder gele­gent­lich auch deduk­ti­ven Inter­pre­ta­tio­nen grö­ße­ren Aus­ma­ßes. Wei­ter ist den Prag­ma­tis­ten zufol­ge die Bedeu­tung einer wis­sen­schaft­li­chen Behaup­tung oder Theo­rie auf die Zukunft aus­ge­legt, mit­hin kön­nen im Ver­lauf ihrer Wei­ter­in­ter­pre­ta­ti­on stän­dig Ver­än­de­run­gen auf­tre­ten – und wie die Wis­sen­schafts­ge­schich­te zeigt, ist dies auch der Fall. Jede Induk­ti­on muss sich in der Zukunft bewäh­ren – und das gilt auch und gera­de für die Natur­ge­set­ze, die man­che für recht gut erkannt hal­ten. Aller­dings zeigt die Geschich­te der Wis­sen­schaf­ten auch, dass bestimm­te Ein­sich­ten wis­sen­schaft­li­cher Art sich bewährt haben. Das ist des­halb der Fall, weil wir unse­re Behaup­tun­gen und Theo­ri­en in ent­spre­chen­den Pra­xis­si­tua­tio­nen stets über­prü­fen und ver­bes­sern kön­nen, das setzt mit Dew­ey eben eine sehr ver­brei­te­te wis­sen­schaft­li­che Kom­pe­tenz in einer mög­lichst brei­ten Öffent­lich­keit vor­aus. Pop­per ist gegen die­se Auf­fas­sung rela­tiv mas­siv vor­ge­gan­gen und hat ent­spre­chen­de Poli­tik­be­ra­tung bei Hel­mut Schmidt u. a. betrie­ben. Das war vor allem in der Fra­ge der Kli­ma­ka­ta­stro­phe fatal – auch das an sich ganz intel­li­gen­te Men­schen wie Hel­mut Schmidt sich von Pop­pers Aura täu­schen lie­ßen, anstatt des­sen Behaup­tun­gen kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Daher lässt sich inzwi­schen an die­sem Bei­spiel eigent­lich ganz leicht sehen, dass der Fal­si­fi­ka­tio­nis­mus Pop­pers mit dem Fal­li­bi­lis­mus von Peirce und Dew­ey schwer­lich mit­hal­ten kann. Pop­per hat die öko­lo­gi­schen Behaup­tun­gen und Theo­ri­en nur als zu fal­si­fi­zie­ren­de Theo­ri­en betrach­tet, dabei waren die Ansich­ten von Alfred Rus­sel Wal­lace im Kern rich­tig. Sie müs­sen wie jede Theo­rie natür­lich ange­passt wer­den. Aber die Idee des Erkennt­nis­zwei­fels, die hin­ter Pop­pers Theo­rie liegt, scheint eher zwei­fel­haft, wie die Ent­wick­lung zeigt.

 

 

20. Oktober 2011

Die „Pragmatische Maxime“ – eine kulturphilosophische Regel

Wir haben uns in der Sit­zung vom 17.10. um ein aus­rei­chen­des Ver­ständ­nis des all­ge­mei­nen und umfas­sen­den Phi­lo­so­phie­an­sat­zes von Charles Peirce bemüht – und sogar eines der meta­phy­si­schen Pro­ble­me bespro­chen, das Peirce tat­säch­lich behan­delt: die Got­tes­fra­ge, wobei Peirce vie­le all­ge­mei­ne Äuße­run­gen hin­zu­zieht, wel­che ihn anre­gen. Neben Tra­di­tio­nen von Juden­tum, Chris­ten­tum und Islam spie­len bei Peirce auch Neo­hin­du­ide­en eine nicht unbe­acht­li­che Rol­le. Dies war alles am Ende des 19. Jahr­hun­derts und zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts in den USA bekennt und wur­de kon­tro­vers dis­ku­tiert.[1] Phi­lo­so­phie ver­ar­bei­tet sol­che Tra­di­tio­nen und reflek­tiert sie kri­tisch dar­auf, ob sie Erfah­rungs­ge­hal­te sym­bo­li­sie­ren – oder ob man auf­grund sol­cher Bil­der Erfah­run­gen machen kann. Wel­ches The­ma man meta­phy­sisch durch all­ge­mei­ne Unter­stel­lun­gen angeht: Peirce hält nichts von geschmäck­le­ri­schen, viel­leicht schön­geis­ti­gen Theo­rie­de­bat­ten, weil Theo­ri­en selbst durch Pra­xis gewon­nen wur­den, prak­tisch über­prüft und ggf. dann ver­än­dert oder auch ver­wor­fen wer­den. Die prag­ma­tis­ti­sche Phi­lo­so­phie kon­zen­triert sich mit­hin auf den kul­tu­rel­len Kon­text der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts, in dem klar wur­de, dass die sozia­le Aus­dif­fe­ren­zie­rung der Wis­sen­schaf­ten soge­nann­tes „Wis­sen“ bereit­stellt, das es ermög­licht, prak­ti­sche Regeln zu ent­wer­fen, die sich the­ra­peu­tisch, päd­ago­gisch und öko­no­misch sehr gut bewähr­ten. Das sind ent­we­der Tech­ni­ken oder Kunst­leh­ren.

  • Um Tech­ni­ken han­delt es sich, wenn sol­che Regeln Hand­lun­gen bestim­men, die das ange­streb­te Ziel stets errei­chen, also z. B. Glüh­bir­nen pro­du­zie­ren, die immer dann leuch­ten, sofern man auf einen Schal­ter drückt (Th. A. Edi­son).
  • Um Kunst­leh­ren han­delt es sich, wenn sol­che Regeln Hand­lun­gen bestim­men, bei denen der Erfolg im Ein­zel­fall nicht sicher ist, die mit­hin stets vom Ein­zel­fall her ange­passt wer­den müs­sen (etwa Päd­ago­gik, Medi­zin).

Das ist kei­ne typisch „ame­ri­ka­ni­sche“ Ent­de­ckung. Aber im ame­ri­ka­ni­schen Prag­ma­tis­mus bra­chen sich – ver­mit­telt durch den „Ame­ri­ka­ni­schen Tran­szen­den­ta­lis­mus (Emer­son, Tho­reau, Ful­ler u. a.) die Ide­en, die von den Frühromantiker/innen, Goe­the, Schlei­er­ma­cher und Hum­boldt stam­men, eine Bahn. Ich habe daher auch auf den Kon­text der Demo­kra­tie ver­wie­sen, der für das Ver­ständ­nis der Wer­ke von Peirce, James und Dew­ey sehr aus­schlag­ge­bemd ist, der natür­lich in Deutsch­land in einem ernst­haf­ten Sinn erst nach 1968 exis­tier­te, im Kern erst in den 1970er Jah­ren bestim­mend wur­de. Denn die Mög­lich­kei­ten poli­ti­scher Frei­heit setz­ten die Ener­gi­en frei, wel­che ein Leben in Selbst­be­stim­mung schön machen kön­nen. Das for­mu­liert in der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung die Rede vom „pur­su­it of hap­pi­ness). Aber – so reflek­tiert die soge­nann­te „prag­ma­ti­sche Maxi­me“, wel­che prak­ti­sche Fol­gen bzw. Wir­kun­gen eine wis­sen­schaft­li­che Theo­rie haben kann, soll­te abge­schätzt wer­den.

Beden­ken Sie, wel­che Wir­kun­gen, die denk­ba­rer­wei­se prak­ti­sche Rele­vanz haben könn­ten, wir dem Gegen­stand unse­rer Kon­zep­ti­on zuschrei­ben. Folg­lich besteht die Kon­zep­ti­on die­ser Wir­kun­gen aus dem Gan­zen unse­rer Kon­zep­ti­on des Gegen­stands!

(Charles Peirce, How to make our ide­as clear, 1878)

Pape hat schon in den 1980er Jah­ren (z. B. Ein­lei­tung zu „Phä­no­me­no­lo­gie und Logik der Zei­chen“) dar­auf ver­wie­sen, dass Grund­fra­gen des „Prin­zips Ver­ant­wor­tung“ (Hans Jonas, ein Hei­deg­ger­schü­ler) hier völ­lig klar for­mu­liert wer­den. Wenn also zu den abge­schätz­ten mög­li­chen Wir­kun­gen sol­che gehö­ren, die sitt­lich miss­bil­ligt wer­den müs­sen, erge­ben sich kon­flikt­rei­che ethi­sche Auf­ga­ben. Wie ist z. B. eine demo­kra­ti­sche Kon­trol­le der Wis­sen­schaf­ten mög­lich? Peirce setzt also dar­auf, dass neben der phi­lo­so­phi­schen Tätig­keit der Wissenschaftler/innen ein uni­ver­sa­ler Hori­zont in der Gesell­schaft ent­steht, der eben ver­ant­wort­lich dar­über ent­schei­det, wel­che tech­ni­schen und kunst­mä­ßi­gen Pro­jek­te durch­ge­führt wer­den – und wel­che bes­ser unter­las­sen wer­den soll­ten, weil ihre Wir­kun­gen die Mög­lich­keit der Frei­heit negie­ren.

Der Euro­päi­sche Gerichts­hof (EGH) hat in die­ser Woche in die­sem Sin­ne eine ent­spre­chen­de Ent­schei­dung zur Stamm­zel­len­for­schung getrof­fen, die den Wün­schen und gedank­li­chen Ambi­tio­nen der Zivil­ge­sell­schaft in Tei­len Euro­pas ent­spricht – ein Bei­spiel für die Insti­tu­tio­na­li­sie­rung sol­cher demo­kra­ti­scher Mei­nungs­bil­dungs­pro­zes­se, die auch Peirce für not­wen­dig hielt. Natür­lich lässt sich öko­no­misch bes­ser mit (finan­zi­el­ler und tech­ni­scher) Indus­trie­un­ter­stüt­zung for­schen. Aber die hier­zu erfor­der­li­che Paten­tie­rung von bestimm­ten prak­tisch her­vor­ge­ru­fe­nen Zell­ver­än­de­run­gen wider­spricht ele­men­ta­ren Prin­zi­pi­en der Men­schen­rech­te. Um dies zu ver­ste­hen, muss man nur all­ge­mein gebil­det sein, wel­ches eine Vor­aus­set­zung von Demo­kra­tie im Sin­ne von Peirce und sei­nem Schü­ler Dew­ey ist.

  • Die in den Wis­sen­schaf­ten ent­wor­fe­nen Abduk­tio­nen (Hypo­the­sen)
  • wer­den mit­hin deduk­tiv auf Über­prü­fungs­kon­tex­te in der kunst­mä­ßig oder tech­nisch model­lier­ten Erfah­rung (etwa des Labors) bezo­gen,
  • wo sie auf ihre induk­ti­ve Taug­lich­keit in immer neu­en Erfah­run­gen über­prüft wer­den.

Die „prag­ma­ti­sche Maxi­me“ for­mu­liert die­sen durch und durch prak­ti­schen Zusam­men­hang. Und Hand­lun­gen gehö­ren ganz klar in den Bereich der Ethik. Es gehört zu den nega­ti­ven – und wie wir heu­te u. a. an der Kli­ma­ka­ta­stro­phe und Fuku­shi­ma sehen – fata­len Fol­gen des Erfolgs von Posi­ti­vis­mus und Neo­po­si­ti­vis­mus, dass sie die Peirce’sche Idee, wie Ide­en klar gemacht wer­den, aus dem Bereich der Ethik in einen angeb­lich „neu­tra­len“ wis­sen­schaft­li­chen Bereich trans­for­miert haben, wo (was nicht so ger­ne zuge­ge­ben wird) letzt­lich kurz­fris­ti­ge öko­no­mi­sche Inter­es­sen den Aus­schlag geben, sie­he den sich immer noch brüs­ten­den Oli­ver Brüst­le (Uni­ver­si­tät Bonn).

Logisch-semio­tisch ver­hält es sich so: Das Ziel wäre eine The­ra­pie für Par­kin­son. Die Abduk­ti­on lau­tet: Die­ses Ziel kann durch gen­tech­no­lo­gi­sche Mani­pu­la­ti­on von Zel­len „über­zäh­li­ger Embryo­nen“ erreicht wer­den, weil sich hier­aus geeig­ne­te Prä­pa­ra­te gegen Par­kin­son gewin­nen las­sen. Deduk­tiv fin­det die­se Mani­pu­la­ti­on seit drei Jah­ren oder mehr statt. Eine Über­prü­fung, die induk­tiv den Erfolg eini­ger­ma­ßen sicher­stel­len könn­te, ist noch nicht in Sicht. Der EGH hat klar aus der Sicht der Men­schen­rech­te die Kon­se­quen­zen gezo­gen. Embryo­nen dür­fen nicht als Mit­tel behan­delt wer­den. Sie tra­gen die rea­le Mög­lich­keit des Mensch­seins in sich. Im posi­ti­vis­ti­schen und neo­po­si­ti­vis­ti­schen Kon­text wer­den ent­spre­chen­de ele­men­ta­re ethi­sche Fra­gen bewusst aus­ge­klam­mert. Mit­hin sind die Ide­en sol­cher Wissenschaftler/innen und Philosoph/inn/en Peirce zufol­ge unklar.

  • War­um?
  • Und hat Peirce recht oder unrecht?
  • Wie hät­te der Papst argu­men­tiert?

Pape hat mit Recht vor gut 30 Jah­ren dar­auf ver­wie­sen, dass die Phi­lo­so­phie durch eine der­ar­ti­ge logisch-semio­ti­sche Sub­ti­li­tät gesell­schaft­li­che Streit­fra­gen klä­ren hel­fen kann – und dadurch dazu bei­trägt, die geis­ti­ge „Umwelt­ver­schmut­zung“ zu mil­dern. Das ist eine schö­ne Auf­ga­be der Phi­lo­so­phie.


[1] Es ist unbe­strit­ten, dass es auch Cow­boys und Cow­girls gab. Sie waren kul­tu­rell aber weni­ger bedeu­tend, als das Gen­re „Wes­tern“ nahe­le­gen könn­te. Auch im Mitt­le­ren Wes­ten und an der Fron­tier wur­den phi­lo­so­phi­sche Fra­gen dis­ku­tiert, wie man sich an dem Begrün­der der Osteo­pa­thie Andrew Tay­lor Stil exem­pla­risch klar machen kann.

10. September 2011

Die Philosophie von Charles Peirce

Die Phi­lo­so­phie von Charles Peirce (1839-1914) ist aktu­ell. Nach kon­ser­va­ti­ver Mei­nung hat sich die Bun­des­kanz­le­rin als „Prag­ma­tis­tin“ erwie­sen, weil sie ange­sichts der „tages­po­li­ti­schen Ereig­nis­se“ (FAZ) von Fuku­shi­ma ihre Hal­tung zur Kern­ener­gie geän­dert hat – was ent­spre­chen­de Kon­se­quen­zen hat­te. Dabei ist ein Begriff von „Prag­ma­tis­mus“ impli­ziert, der unter­stellt, man set­ze poli­tisch nur das­je­ni­ge durch, was sich ange­sichts von Wider­stän­den gegen­über der Bevöl­ke­rung ver­tre­ten las­se. Aber auch im Sin­ne von Peirce war das eine „prag­ma­tis­ti­sche“ Ent­schei­dung. Denn ange­sichts unab­weis­ba­rer Erfah­run­gen ließ sich fest­stel­len, dass die Betrei­bung der Kern­er­gie offen­sicht­lich töd­li­che Fol­gen haben kann, mit­hin mit den Men­schen­rech­ten unver­ein­bar ist. Folg­lich ist das Betrei­ben der Kern­er­gie in einem Land, das die Men­schen­rech­te ach­tet, nicht wei­ter mög­lich.

Nicht nur die­se Aktua­li­tät besteht, son­dern Peirce bie­tet eine brei­te The­men­pa­let­te, von der wir im Kurs an der VHS Neckar­ge­münd eini­ge The­men bespre­chen wol­len:

 

10.10. Wech­sel­sei­ti­ge Vor­stel­lung und Kurs­plan

17.10. Leben und Werk

24.10. Die „prag­ma­ti­sche Maxi­me“

31.10. Der Pri­mat der Ethik

07.11. Semio­tik I

14.11. Semio­tik II

21.11. Wahr­neh­mung und Erfah­rung

28.11. Prag­ma­tis­mus und Phä­no­me­no­lo­gie

05.12. Reli­gi­ons­phi­lo­so­phie

12.12. Abschluss­dis­kus­si­on

 

Aus der Per­spek­ti­ve der Teilnehmer/innen kön­nen die­se The­men ver­än­dert wer­den. Bit­te schrei­ben Sie mir hier­zu eine E-Mail mit ihren Vor­schlä­gen.

16. März 2011

Alles anders als angenommen

Atombusen der Bundeskanzlerin

Atombusen der Bundeskanzlerin

Die Bundeskanzlerin hat am Montag im Bundeskanzleramt in der Gegenwart des Vizekanzlers zwar eine in der Sache weitgehend abwegige Erklärung abgegeben, für den aufmerksamen Beobachter gab es aber kleinere Nebenbemerkungen und Gesichtsbewegungen, die aufhorchen bzw. aufmerken ließen. (more…)