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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


3. Juni 2015

Veranstaltungen am 01. und 02. Juni

 

3               Das Freiheitsverständnis im Neuen Testament (Röm 7,7-25a [Uni Hd])

Röm 7,25b ist wohl als Glos­se zu betrach­ten (so schon Bult­mann, Glos­sen …, Exege­ti­ca, 1967).

Im Text klagt eine Per­son, die sich oft durch die 1. Pers. Sg. indi­ziert und sich auch expli­zit selbst mit ἐγώ bezeich­net. Sie klagt dar­über, dass sie einst leben­dig war (7,9a), doch die Sün­de (ἁμαρτία) töte­te sie – und die­se wur­de leben­dig. Zuvor war sie tot (χωρὶς … νόμου ἁμαρτία νεκρά [7,8b]). Dabei spie­len νόμος (Gesetz, Tora) und ἐντολῆ (Gebot, Ein­zel­ge­bot) eine genau­er zu ver­ste­hen­de Rol­le.

Der Text ist rhe­to­risch stark sti­li­siert, vor allem rhe­to­ri­sche Fra­gen und Enthy­me­ne (ver­kürz­te Syl­lo­gis­men, vgl. Aris­to­te­les, Rhe­to­rik, II. Buch, 20 [1394aff], Über­set­zung z. B. bei Reclam erhält­lich, sonst in der Biblio­thek vor­han­den) ste­hen im Vor­der­grund. Beim Enthy­mem muss das Publi­kum die aus­ge­las­se­nen Prä­mis­sen ergän­zen. Die Enthy­me­me wer­den bei Pau­lus durch die Seri­en der Ver­wen­dung der begrün­den­den Par­ti­kel bzw. Kon­junk­ti­on γάρ ange­zeigt. Wir haben uns bemüht, die Ergän­zun­gen zu leis­ten. Her­me­neu­tisch ist aus­schlag­ge­bend, dass Tex­te wie die Tex­te der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on, die über­wie­gend rhe­to­risch sti­li­siert sind, die akti­ve Mit­ar­beit der Leser/innen vor­aus­set­zen.

Uns gelang es recht schnell, ange­sichts der wesent­li­chen Fra­gen eine plau­si­ble Grob­glie­de­rung zu errei­chen:

  1. 7,7-12:                Τί οὖν ἐροῦμεν; ὁ νόμος ἁμαρτία; μὴ γένοιτο.
  2. 7,13-24a             Τὸ οὖν ἀγαθὸν ἐμοὶ ἐγένετο θάνατος; μὴ γένοιτο.
  3. 7,24b-25a            τίς με ῥύσεται ἐκ τοῦ σώματος τοῦ θανάτου τούτου;

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13. Mai 2015

Veranstaltungen am 11. und 12. Mai

3               1Hen 6-11 (Das neutestamentliche Freiheitsverständnis [Uni Hd])

Die Teilnehmer/innen dis­ku­tier­ten zu Beginn der Sit­zung inten­siv die Wei­sen der Rede von Gott, was z. T. zur Debat­te um das soge­nann­te Anthro­po­mor­phis­mus­pro­blem führ­te, was dar­an lie­gen könn­te, dass Men­schen von Gott reden. D. h., es liegt stets auch eine Selbst­the­ma­ti­sie­rung des sich in Bezie­hung zu Gott befin­den­den Men­schen vor. Wer glaubt, dass Gott sich auf ihren bzw. sei­nen All­tag bezieht, wird mög­li­cher­wei­se All­tags­kon­zep­te ver­wen­den, um sei­ne bzw. ihre Got­tes­er­fah­rung zu bezeich­nen. Wer aber Gott eher nicht im All­tag zu erfah­ren meint, neigt zur nega­ti­ven Theo­lo­gie, die u. a. auf von der gewöhn­li­chen Gesell­schaft abge­schie­de­ne Lebens­for­men bezo­gen ist, sodass Gott als das­je­ni­ge ver­stan­den wird, was mit mit gewöhn­li­chen Zei­chen nur mit­tels Nega­ti­on bezeich­net wer­den kann (via nega­tio­nis). Zur Posi­ti­on des Dozen­ten vgl. hier. (more…)

6. Mai 2015

Veranstaltungen am 04./05.05.

3               Das Freiheitsverständnis im Neuen Testament: Gen 2,4b-3,24 II (Uni Hd)

Die Sit­zung klär­te vor allem Grund­fra­gen des Geschlech­ter­ver­hält­nis­ses, wie es unter­schied­lich in Gen 1,26ff und Gen 2,4bff dar­ge­stellt wird. Zugleich wur­den Fra­gen der unter­schied­li­chen Mög­lich­kei­ten, die Erzäh­lun­gen zu beschrei­ben, the­ma­ti­siert. Der Dozent plä­diert dafür, sie als unter­schied­li­che For­men mythi­scher Erzäh­lung zu lesen: Tra­di­tio­nel­le Erzäh­lung oder in sei­ner Spra­che Erfolgs­ge­schich­te (1,1-2,4a) und – Pro­blem­ge­schich­te (2,4b-3,24) zu lesen. Man/frau kann dem­ge­gen­über stets in Erwä­gung zie­hen, wie weit die Bezeich­nung von Erzählele­men­ten oder gan­zer Erzäh­lun­gen als Ätio­lo­gi­en tra­gen. Das wur­de sozu­sa­gen sys­te­ma­tisch oder her­me­neu­tisch erör­tert.

In der Fra­ge des Geschlech­ter­ver­hält­nis­ses trägt das nach Mei­nung des Dozen­ten nicht sehr weit. Denn die eigent­li­che Fra­ge dürf­te doch lau­ten: Wie­so soll ein Text wie 2,4bff das Patri­ar­chat ätio­lo­gisch erklä­ren, wäh­rend dies in 1,26ff durch die Auf­fas­sung von Frau und Mann als Bil­der Got­tes aus­ge­schlos­sen wird? Setzt die Bibel also Leser/innen vor­aus, die mit unter­schied­li­chen Ent­wür­fen umge­hen kön­nen? Das ent­spricht der Tra­di­ti­on im Rab­bi­ni­schen Juden­tum.

Die Debat­te um andro­gy­ne Got­tes­kon­zep­tio­nen bzw. dem andro­gy­nen Adam gibt es reli­gi­ons­ge­schicht­lich schon lan­ge, sie hat aber seit den 1970er Jah­ren Fahrt auf­ge­nom­men – und mani­fes­tiert sich seit der Jahr­tau­send­wen­de in der „Bibel in gerech­ter Spra­che“.

Die Fra­ge von „Adam“ als andro­gy­nes Men­schen­we­sen ist aus­schlag­ge­bend, um den patri­ar­cha­len Cha­rak­ter des Tex­tes näher zu bestim­men. Die Über­set­zung von צלע (zela) als  „Sei­te“ anstatt „Rip­pe“ (vgl. Bibel in gerech­ter Spra­che“, 2280 Anm. 4) macht dann klar, dass der Mann Adam und die Frau Eva aus einem andro­gy­nen Wesen ent­stan­den sein könn­ten. Das Wort­spiel in Gen 2,22 lässt sich viel­leicht so umschif­fen, dass es der Mann (und nicht Gott) sagt, etwas über­heb­lich. (more…)