Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


29. Oktober 2015

Geschlechtergerechte Rede von Gott (Uni Hd)

Die Sit­zung befass­te sich mit den ein­lei­ten­den Bemer­kun­gen von Mag­da­le­ne L. Frett­löh (MLF).

Dabei ergab sich als Schwer­punkt der Ver­such, den Zusam­men­hang von „Kavo­do­lo­gie“ (Bezug auf: כבוד [kavod]), „geschlech­ter­ge­rech­ter Rede von Gott“, „Bil­der­ver­bot“ und dem frü­hen, „dia­lek­ti­schen“ Karl Barth zu ver­ste­hen.

Im Anschluss an Ger­hard von Rad schlägt MLF vor, kavod mit „Gewicht“ zu über­set­zen, was die exis­ten­zi­el­le Bedeu­tung, z. T. auch bedrän­gen­de Begeg­nung mit Gott bezeich­nen soll, eine Meta­pher aus dem Bereich der Schwer­kraft, was sich auch mit dem Vor­schlag deckt, vom „der Welt Raum geben“ zu spre­chen. Für MLF ist kavod ein exem­pla­ri­scher Fall, weil das Lexem sehr oft durch „Herrlich­keit“ andro­zen­trisch über­setzt wird, was sie spä­ter in aktu­el­len dog­ma­ti­schen Ent­wür­fen ver­folgt. (more…)

10. Oktober 2015

Magdalene L. Frettlöh, Geschlechtergerechte Rede (bei der Auslegung) biblischer Texte (Uni Hd)

Karls­str. 16, ÜR 2, Mo 16 bis 18 Uhr

  1. 12.10.      Semi­nar­plan, The­ma, Vor­ge­hens­wei­se und Ken­nen­ler­nen
  2. 19.10.      XI-XX; 1-12 M. L. Frett­löh, Gott Gewicht geben – dazu bit­te das Inhalts­ver­zeich­nis genau wahr­neh­men (V-X)!
  3. 26.10 Gemein­sa­mes Erar­bei­ten des Semi­nar­plans

Die Stu­die­ren­den sol­len mög­lichst Ein­fluss neh­men, wie das Semi­nar ver­läuft. Die for­ma­len Bedin­gun­gen ste­hen im Vor­le­sungs­ver­zeich­nis der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg!

Alle Arten von  Arbei­ten kön­nen geschrie­ben wer­den und die Noten wer­den von mir im Sys­tem gemel­det.

Ich erar­bei­te eine Zusam­men­fas­sung jeder Sit­zung ab dem 19.10. und ver­öf­fent­li­che die­se (spä­tes­tens am Don­ners­tag) hier. Wenn Ihre Stu­di­en­ord­nung es zulässt, kön­nen Sie selbst eine beno­te­te Zusam­men­fas­sung schrei­ben und sie wird dann hier ver­öf­fent­licht.

 

Literatur: M. L. Frettlöh, Gott Gewicht geben. Bausteine einer geschlechtergerechten Gotteslehre, 2. Aufl. 2009 (im Apparat)

Bibel in gerechter Sprache, 2005ff

26. November 2014

Veranstaltungen am 24. und 25.11.

Ver­an­stal­tun­gen am 24. und 25.11.

1               Die strukturale Mythos-Grammatik (NT und Mythos [Uni Hd])

Das Modell wur­de anhand Pött­ner, Rea­li­tät als Kom­mu­ni­ka­ti­on, 1995 wahr­ge­nom­men. Dort fin­den sich zusätz­lich alle Lite­ra­tur­an­ga­ben bis zur dama­li­gen Zeit und auch eine Beschrei­bung der Weis­heits­tra­di­ti­on, die vor allem auf Sprü­che 8 und Weis­heit Salo­mos 6-9 rekur­riert. Das ist der mut­maß­li­che reli­gi­ons­ge­schicht­li­che Hin­ter­grund von 1Kor 1-4, der beson­ders durch Apol­los in Korinth breit the­ma­ti­siert wur­de.

Ich bemü­he mich, beson­ders 1Kor 1,21 als wesent­li­ches Ele­ment einer Erzäh­lung zu ver­ste­hen, die sich dann mit­tels der Mythos­gram­ma­tik ana­ly­sie­ren lässt:

1,21a   ἐπειδὴ  γὰρ    ἐν τῇ σοφίᾳ τοῦ θεοῦ οὐκ ἔγνω ὁ κόσμος

διὰ τῆς σοφίας τὸν θεόν,

1,21b   εὐδόκησεν ὁ θεὸς διὰ τῆς μωρίας τοῦ κηρύγματος σῶσαι τοὺς πιστεύοντας.[1]

Danach gelang es dem Kos­mos (der Welt) nicht, Gott zu erken­nen. Der Kern­satz oder die wesent­li­che Pro­po­si­ti­on lau­tet also:

οὐκ ἔγνω ὁ κόσμος … τὸν θεόν

Das wird näher bestimmt:

  • ἐν τῇ σοφίᾳ τοῦ θεοῦ
  • διὰ τῆς σοφίας (sc. αὐτοῦ); vgl. Pött­ner, 205-212.

(more…)

22. Oktober 2014

Veranstaltungen am 20. und 21.10.

1               Entmythologisierungsartikel („NT und Mythos“ [Uni Hd])

Mein WiBiLex-Arti­kel war Gegen­stand der Sit­zung. Es erga­ben sich Fra­gen zum Neu­kan­tia­nis­mus und zum kar­te­si­schen Dua­lis­mus. Des­car­tes hat­te Geist und Kör­per sub­stan­zon­to­lo­gisch unter­schie­den, es gibt eine den­ken­de (, füh­len­de, wol­len­de) Sub­stanz, die ist nicht aus­ge­dehnt (res cogi­tans). Zwei­tens gibt es eine aus­ge­dehn­te Sub­stanz (res exten­sa), die Des­car­tes maschi­nell inter­pre­tier­te (vgl. René Des­car­tes, Die Prin­zi­pi­en der Phi­lo­so­phie, Ham­burg (PhB 38). Ver­mit­telt wer­den bei­de Sub­stan­zen durch eine Struk­tur des Gehirns, die Epi­phy­se (Zir­bel­drü­se), eine Hypo­the­se, die sich nicht bewährt hat. Erhal­ten geblie­ben ist aber die dua­lis­ti­sche Grund­idee, wonach der Geist aus­deh­nungs­los ist und z. B. im Bewusst­sein erfasst wird. Für die Neu­kan­tia­ner war dies ein Argu­ment, war­um die Natur­wis­sen­schaf­ten den Geist nicht mecha­nis­tisch erfas­sen konn­ten. Denn zum Betrei­ben von Natur­wis­sen­schaft ist Bewusst­sein eine Bedin­gung der Mög­lich­keit. Aller­dings ist das Bewusst­sein eben­falls in der Evo­lu­ti­on ent­stan­den, so ein mög­li­ches Gegen­ar­gu­ment. (more…)

29. Juni 2014

Art. Entmythologisierung (Diskussionsentwurf)

1             Entmythologisierung

– gele­gent­lich auch: Ent­my­thi­sie­rung; amer: demy­tho­lo­gi­za­ti­on, demy­tho­lo­gi­ze; engl: demy­tho­lo­gi­sa­ti­on, demy­tho­lo­gi­se

 

Mar­tin Pött­ner

 

 

 

 

Rudolf Bult­mann

1Begriff und Ver­fah­ren.

1.1. Die expe­ri­men­tel­le Metho­de als „Objek­ti­vie­rung“ der Rea­li­tät

1.2. Die her­me­neu­ti­sche Reak­ti­on auf die expe­ri­men­tel­le Methode.3

1.2.1. Das kos­mo­lo­gi­sche, objek­ti­ve Welt­bild des Mythos

1.2.2. Die anthro­po­lo­gi­sche Poin­te des Mythos

1.2.3. Das im Mythos dar­ge­stell­te und exis­ten­zi­al inter­pre­tier­te Exis­tenz­ver­ständ­nis

Die Ver­kün­di­gung Jesu als Vor­aus­set­zung der Theo­lo­gie des NT.

1.3. Kri­ti­ken und Fort­schrei­bun­gen.

1.3.1. Kri­tik inner­halb der Bult­mann­schu­le.

1.3.2. Kri­ti­ken am „Mythos“-Begriff Bult­manns

1.3.3. Die Kri­tik am Supra­na­tu­ra­lis­mus­as­pekt in Bult­manns Ent­my­tho­lo­gi­sie­rungs­pro­gramm..

1.3.4. Die pro­zessphi­lo­so­phi­sche Fort­schrei­bung von Bult­manns Pro­gramm..

1.3.5. Die semio­ti­sche Fort­schrei­bung von Bult­manns Programm..8

2Literaturverzeichnis

1. Lexi­kon­ar­ti­kel

2. Wei­te­re Lite­ra­tur.

[Lei­der funk­tio­nie­ren die inter­nen Links nicht, eben­so ist die Zäh­lung noch etwas ver­wir­rend. Ich bit­te um Ent­schul­di­gung!]

 

 

Für Otto Mar­bur­ger

 

2             1               Begriff und Ver­fah­ren

Das Zei­chen „Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung“ (in der Fol­ge „E.“) bezeich­net einen Begriff (einen Inter­pre­t­an­ten), der ein bestimm­tes her­me­neu­ti­sches Ver­fah­ren zum Aus­druck bringt, das von dem Mar­bur­ger Neu­tes­ta­ment­ler Rudolf Bult­mann (1884-1976) 1941 in dem Auf­satz „Neu­es Tes­ta­ment und Mytho­lo­gie“ vor­ge­schla­gen wur­de (Bult­mann 1951; vgl. 1952). Dabei geht es um die Inter­pre­ta­ti­on supra­na­tu­ra­ler (über­na­tür­li­cher) Auf­fas­sun­gen bei Schöp­fung und Erlö­sung.  Dar­ge­legt hat er die­ses Ver­fah­ren umfas­send 1949 in sei­ner „Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments“ (Bult­mann 1984). (more…)

12. Juni 2013

TUD">Veranstaltungen 11.06. Uni Hd und TUD

 

1               Uni Hd: Ostergeschichten

Der Plan für die letz­ten Sit­zun­gen bis zum 23.07. (Dop­pel­sit­zung) lau­tet:

18.06. Luk 24,1-35 auf Grie­chisch

25.06. Joh 19-21 auf Deutsch

02.07. Joh 20,1-31 auf Grie­chisch

09.07. Joh 21,1-25 auf Grie­chisch

16.07. Schrei­ben, Lie­be und Auf­ste­hen bei Johan­nes

23.07. 1Kor 15,1-11 auf Grie­chisch; 12-28 auf Deutsch

– das Rea­li­täts­ver­ständ­nis des Auf­ste­hens
nach Pau­lus

23.07. Im Anschluss Abschluss­dis­kus­si­on

Die Sit­zung hat­te Luk 24 zum The­ma. Dabei fiel auf, dass Luk nach der Erzäh­lung vom lee­ren Grab zuerst die Erschei­nung Jesu wäh­rend des Dis­kur­ses mit den Emma­us­jün­gern erzählt, dann die Erschei­nung vor Simon Petrus erwähnt. Wei­ter erscheint Jesus den Elf plus den Emma­us­jün­gern, die eben nach Jeru­sa­lem zurück­ge­kehrt waren.

Die­se Erschei­nung ist eine Erwei­te­rung und Ver­stär­kung der Emma­us­jün­gererzäh­lung. Deut­lich wird betont, dass Jesus als Auf­ge­stan­de­ner kein blo­ßer Geist sei, son­dern Fleisch und Kno­chen besit­ze. Zudem isst er, was ja nur nötig ist, wenn Fleisch und Kno­chen Nah­rung brau­chen. Die­se Ele­men­te fin­den sich alle in der Emma­us­jün­gererzäh­lung. Und dort fin­det sich auch das drit­te wesent­li­che Ele­ment von Luk 24: Alles das­je­ni­ge, was im Leben, Ster­ben, Auf­ste­hen Jesu geschah (und wei­ter in der Geschich­te der Kir­che geschieht), hat sich nach einem nar­ra­ti­ven Pro­gramm ereig­net, dass in der LXX als dem Alten Tes­ta­ment der frü­hen Christ/inn/en auf­ge­schrie­ben wur­de. Luk inter­pre­tiert die Hei­li­gen Schrif­ten der Juden als pro­phe­ti­sche Tex­te, wel­che die gram­ma­ti­schen Regeln krea­tiv vor­ge­ben, nach denen das luka­ni­sche Dop­pel­werk geschrie­ben ist.

Zum Brot­bre­chen vgl. Act 2,46.

Luk 24 ist auch als Über­gang zu Act kon­zi­piert, Him­mel­fahrt und Geist­wun­der wer­den erzählt bzw. ange­deu­tet.

Die Dis­kus­si­on dreh­te sich u. a. um das Ver­hält­nis von Juden­tum und Chris­ten­tum, Act 28 als Pro­blem­an­zei­ge wur­de dis­ku­tiert. Dort dis­ku­tiert Pau­lus mit der jüdi­schen Gemein­de in Rom, sei­ne Bot­schaft wird dort abge­lehnt. Es ist m. E. wich­tig, dass Luk so offen­legt, sei­ne Aus­le­gung der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden fin­de im Kon­text der ([proto]rabbinischen) Theo­lo­gie kei­ne Zustim­mung. Die Kon­zep­ti­on des Luk ist eine der ver­söhn­ten und strei­ten­den Ver­schie­den­heit. So wer­den im Escha­ton Pes­sach und Abend­mahl gefei­ert. Viel­leicht nicht so enthu­si­as­tisch wie Pau­lus (Röm 11,25-32), aber doch ähn­lich, unter­stellt er, dass die Juden geret­tet wer­den. Die Umkehr steht im Zen­trum der Ver­kün­di­gung der Schü­ler – und die­ses The­ma hat die Jesus­tra­di­ti­on mit der dyna­mi­schen Schrift­aus­le­gung im Juden­tum gemein­sam. Es wird nach Luk auch zum Haupt­the­ma der Kir­chen­ge­schich­te, wel­che von Jeru­sa­lem aus­geht.

In der Emma­u­s­er­zäh­lung wird auf jüdi­sche Mes­si­as­hoff­nun­gen Bezug genom­men, die im Schü­ler­kreis prä­sent waren. Sie fin­den sich in PsSal 17f, dar­aus ein Aus­schnitt:

Dar­in ist also eine Aus­ein­an­der­set­zung mit fol­gen­der im Juden­tum vor­han­de­nen Mes­si­as- (grie­chisch: chris­tos, latei­nisch: Chris­tus-) Vor­stel­lung zu fin­den:

Sieh zu, Herr, und lass ihnen ihren König erste­hen, den Sohn Davids,

…, dass er über dei­nen Skla­ven Isra­el regie­re.

Und gür­te ihn mit Kraft, dass er unge­rech­te Hei­den zer­schmet­te­re,

Jeru­sa­lem rei­ni­ge von den Hei­den, die es erbar­mungs­wür­dig zer­tre­ten …

Dann wird er sein hei­li­ges Volk zusam­men­füh­ren, das er mit Gerech­tig­keit regiert …

Er lässt nicht zu, dass wei­ter Unrecht in ihrer Mit­te statt­fin­det …,

Und er ver­teilt sie nach ihren Stäm­men über das Land,

und weder Bei­sas­se noch Frem­der darf künf­tig unter ihnen woh­nen.

Er rich­tet [alle] Völ­ker nach sei­ner gerech­ten Weis­heit.

(Psal­men Salo­mos 17,21-29)

Da Jesus aber ein gekreu­zig­ter Mes­si­as war, ist das kei­ne 1:1-Übernahme – und die Schrift­aus­le­gung muss u. a. aus Jes 53 Ergän­zun­gen lie­fern.

2               TUD: Verständnisvolles Lesen der Bibel (1. Mose 9)

Die Debat­te über 1. Mose 9 schloss den Abschnitt des Semi­nars ab, der sich mit dem Pro­blem der Glie­de­rung und Bestim­mung der The­men eines Tex­tes (Seman­tik) befasst. Ab dem nächs­ten, vor allem ab dem über­nächs­ten Mal ist dann die Prag­ma­tik der Tex­te The­ma. Was wol­len die­se Tex­te kom­mu­ni­ka­tiv errei­chen? Ver­mu­tun­gen dar­über haben wir immer schon ange­stellt, aber min­des­tens ab dem über­nächs­ten Mal wer­den wir das expli­zit in den Vor­der­grund stel­len, wenn auch die Exkursionsteilnehmer/innen wie­der dabei sind.

In 1. Mose 9 wird das The­ma des Noah­bun­des in den Vor­der­grund gestellt, wir mach­ten uns auch Signa­le wie den Regen­bo­gen klar. Die The­men des Vor­tex­tes waren stark prä­sent. Gott lässt kei­ne Sint­flut mehr kom­men, obgleich „das Trach­ten der Men­schen böse von Jugend auf“ ist.

Der „Bund“ ist eine Ver­trags­kon­zep­ti­on. Gott schließt mit die­sen Men­schen einen Ver­trag und ver­pflich­tet sich, kei­ne Sint­flut mehr kom­men zu las­sen. Man kann mit Kant sagen: Gott erkennt die Men­schen­rech­te an, zu die­sen gehört auch das Recht zu sün­di­gen. Kant sprach davon, dass der Mensch aus „krum­mem Holz“ geschnitzt sei.

Dazu gehört auch die Erzäh­lung von Noah, dem ers­ten Wein­bau­ern, bei der Ham das Nackt­heits­ta­bu ver­letzt.

3               TUD: 1. Kor 15,20-28

Mit die­sem Text wur­de der ers­te pan­the­is­ti­sche Text prä­sen­tiert. Dabei ist Gott im Begriff, alles in allem zu wer­den. Dies ist ein Pro­zess­ge­dan­ke. Gott ist am Anfang des Pro­zes­ses noch nicht alles, son­dern am Ende des Pro­zes­ses wird er dazu.

Das ist mit der Sün­de Adams ver­bun­den, bei wel­cher der Glanz in der Welt ver­lo­ren geht – und der Tod in die Welt kommt. Mit der Auf­er­we­ckung des gekreu­zig­ten Chris­tus beginnt die Gegen­be­we­gung, in der alle Gegen­mäch­te und zuletzt der Tod unter­wor­fen wer­den. Der Glanz kehrt dann zurück, Gott wird alles in allem sein.

Die Posi­ti­on ist ein pro­zessphi­lo­so­phi­scher Pan­the­is­mus, der unter Auf­nah­me von Gedan­ken Spi­no­zas seit der Roman­tik sowohl bei Schel­ling als auch bei Schlei­er­ma­cher ver­tre­ten wur­de. Beson­ders deut­lich ist dies bei Charles Peirce am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts (Reli­gi­ons­phi­lo­so­phi­sche Schrif­ten, 1995) der Fall. Die­se Posi­ti­on liegt auch bei Alfred North Whitehead vor. Unter den evan­ge­li­schen Theo­lo­gen wird die­se Posi­ti­on am ehes­ten von Eber­hard Jün­gel ver­tre­ten. Dabei ist gedacht, dass im ewi­gen Leben, in dem Gott alles in allem ist, unse­re Indi­vi­dua­li­tät durch nicht geleb­te Mög­lich­kei­ten ergänzt wird. Aber es ist auch klar, dass die schar­fen Gren­zen zu Ande­ren, die wir oft zie­hen, kei­nen Bestand haben.

Nach mei­nem Urteil war Pau­lus der bedeu­tends­te Theo­lo­ge des Chris­ten­tums. Denn er hat nicht die Über­le­gen­heit des christ­li­chen Lebens, über ande­re Wei­sen zu leben, gelehrt. Das wäre Selbst­ruhm. Nüch­tern ist die Welt, wie wir sie erle­ben, durch den Tod und die Ver­gäng­lich­keit bestimmt. Die Lebens­zei­chen, die auf den kom­men­den Glanz ver­wei­sen, sind Glau­be, Hoff­nung und Lie­be. Wenn alle Men­schen so leb­ten, wäre alles gut. Aber so ist es nicht. Der Tod muss unter­wor­fen wer­den, er fin­det sich auch in gesell­schaft­li­chen For­men wie dem Kapi­ta­lis­mus, um ein Bei­spiel aus der Semi­nar­grup­pe zu neh­men. Nach Pau­lus leben wir rich­tig, wenn wir glau­ben, hof­fen und lie­ben. Und so ver­zwei­feln wir s. E. nicht, wenn wir dar­auf har­ren, dass Gott alles in allem wird – und Glanz und Zau­ber uni­ver­sal sind.

Es wur­de kon­tro­vers dis­ku­tiert, ob die­ser Got­tes­ge­dan­ke nicht dem Vater­un­ser wider­spre­che. Eher nicht. Man darf das Gebet Jesu nicht mit den eige­nen Wün­schen ver­wech­seln, so Schlei­er­ma­cher. Gera­de die Gebets­fröm­mig­keit, die bei Mk und Mt durch­scheint, setzt vor­aus, dass das Ver­trau­en an der Schöp­fer­macht Got­tes par­ti­zi­piert. Und man wird fest­hal­ten müs­sen, dass die­se sich ent­wi­ckelt und im Wer­den begrif­fen ist. In die­se Lebens­hal­tung üben, auf unter­schied­li­che Wei­se, Mar­kus und Mat­thä­us ein.

12. November 2012

NT? 1 (TUD/Uni HD)">Menschenrechte im NT? 1 (TUD/Uni HD)

 

Wir haben jetzt die UNO-Men­schen­rechts­er­klä­rung und 1. Mose 1-3 bespro­chen.

Dabei stand die Gott­eben­bild­lich­keit bzw. genau­er die Erschaf­fung des Men­schen nach dem Bil­de Got­tes im Vor­der­grund, wobei 1. Mose 1 ein sym­me­tri­sches Ver­hält­nis von Frau­en und Män­nern ver­tritt, wäh­rend in 1. Mose 2-3 min­des­tens nach­dem Eva und Adam vom Baum der Erkennt­nis geges­sen hat­ten, sich eine Unter­ord­nung der Frau unter den Mann andeu­tet.

Das warf Pro­ble­me auf, wie die Text­ge­stalt zu erklä­ren ist:

(1)  Stellt 1. Mose 1, den Urzu­stand, stel­len 2-3 dann den geschicht­li­chen Ver­fall dar?

(2)  Wird im jüdi­schen Den­ken eigent­lich stets der Satz vom Wider­spruch außer Kraft gesetzt: Man behaup­tet zur sel­ben Zeit über den­sel­ben Sach­ver­halt genau das Gegen­teil?

(3)  Zei­gen sich die Men­schen­rech­te nicht gera­de dar­in, dass den Rezi­pie­ren­den zuge­mu­tet und zuge­traut wird, den logi­schen Wider­spruch der Schöp­fungs­hand­lun­gen Got­tes und der ent­spre­chen­den Lebens­ent­wür­fe der Men­schen zu erken­nen und selbst zu ent­schei­den, wel­cher Lebens­ent­wurf der ange­mes­se­ne ist?

Lösung (2) ist logisch unhalt­bar und zeigt z. T. Pro­ble­me an, die auf den Natio­nal­so­zia­lis­mus zurück­ge­hen.

Lösung (3) ist die inter­es­san­tes­te und eröff­net eine Mög­lich­keit, von den lite­ra­ri­schen bibli­schen Tex­ten aus die Men­schen­rechts­pro­ble­ma­tik zu rekon­stru­ie­ren. Die Lesen­den sind offen­bar als sol­che in den Tex­ten vor­aus­ge­setzt, die Frei­heit und Kom­pe­tenz besit­zen, selbst­ver­ant­wort­lich zu ent­schei­den.

15. Oktober 2012

TUD/Uni HD)">Menschenrechte im Neuen Testament (TUD/Uni HD)

16.10.      Ken­nen­ler­nen, Semes­ter­plan usf.

23.10.      UNO-Men­schen­rechts­er­klä­rung

Die Situation im AT

30.10.      1. Mose (Gen) 1,1-2,4

06.11.      1. Mose (Gen) 2,4-3,24

13.11.      2. Mose (Ex) 20,1-17

Andeutungen im NT

20.11.      Mt 5,3 par.

27.11.      Mt 5,9 par.

04.12.      Mt 6,19-34

11.12.      Mt 7,12

18.12.      Mk 10,35-45

08.01.      Gal 3,26-29

15.01.      Phm 1-25

Gegenbewegung

22.01.      Röm 13,1-7

29.01.      1. Tim 2,8-15

05.02.      Abschluss­dis­kus­si­on

22. Juli 2012

Uni Heidelberg – Die Emergenz der Priesterreligion

Wir haben uns in der letz­ten Sit­zung dem Text des Bischofs von Kar­tha­go, Cypri­an, zuge­wandt, der mit den Metho­den der dyna­mi­schen Schrift­re­li­gi­on den Beginn der Pries­ter­re­li­gi­on im Chris­ten­tum ins Werk setzt. Pries­ter müs­sen opfern – und in die­sem Sinn wird das Abend­mahl als Opfer erfasst. Im Unter­schied zu den neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­ten ist die Distanz des Pries­ters vom Rest der Glau­ben­den spür­bar.

Der Hebrä­er­brief wird dazu genutzt, um ein effi­zi­en­tes Opfer zu sym­bo­li­sie­ren, wel­ches das alt­tes­ta­ment­li­che nicht ist, weil es stets nur die ver­gan­ge­nen Sün­den süh­nen kann. Hier ist es aber nicht das Ende aller Opfer, son­dern der Beginn der katho­li­schen und ortho­do­xen Opfer. Auf die alt­tes­ta­ment­li­chen Tex­te ist Cypri­an ange­wie­sen, um die Pries­ter über­haupt in der Schrift ver­an­kern zu kön­nen, auch im Kon­text der römi­schen Gesell­schaft um aus­schlie­ßen zu kön­nen, dass Frau­en Pries­te­rin­nen wer­den. Der Text nimmt auch auf Pau­lus und Lukas Bezug (Erin­ne­rung).

Die­se dyna­mi­sche Fort­schrei­bung des NT vor dem Hin­ter­grund des AT ist durch­aus eine Mög­lich­keit zur Öku­me­ne aus pro­tes­tan­ti­scher Per­spek­ti­ve. Es geht zwar sehr holp­rig zu, aber es ist durch­aus mög­lich, mit den Metho­den der dyna­mi­schen Schrift­re­li­gi­on vor dem Hin­ter­grund der prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on auch die Pries­ter­re­li­gi­on zu begrün­den.

15. Juli 2012

Uni-Heidelberg, Sequenzen

Wir haben die Sequen­zen bespro­chen, wel­che am bes­ten bei Mar­kus mit wei­te­ren Varia­tio­nen reprä­sen­tiert sind. Wei­ter wur­de anhand mei­ner Model­le erwo­gen, inwie­weit die mat­t­häi­sche Vari­an­te kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­triert-dua­lis­tisch (243) sowie die luka­ni­sche erfolgs­ge­schicht­lich (258) sein könn­te.

Ver­ein­bart wur­de, die deut­sche Über­set­zung von Cypri­ans (106) Text der Sit­zung am Diens­tag zugrun­de zu legen. Bit­te beden­ken Sie auch noch ein­mal die LXX-Par­al­le­len zu die­ser Fra­ge.