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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


10. September 2016

Das „Auf­ste­hen“ des „ein­ge­schla­fe­nen“ Laza­rus (Joh 11 [EfG Gries­heim])

Joh 11 1Es war jemand krank, Laza­rus aus Beta­ni­en, aus dem Dorf von Maria und Mar­tha, ihrer Schwes­ter. 2Maria war die, die den Chris­tus mit Salb­öl gesalbt und sei­ne Füße mit ihren Haa­ren getrock­net hat­te. Deren Bru­der Laza­rus war krank. 3Die Schwes­tern schick­ten also zu ihm und lie­ßen ihm sagen: Rab­bi, sieh: Der, den du liebst, ist krank.« 4Als Jesus das hör­te, sag­te er: »Die­se Krank­heit führt nicht zum Tod, son­dern ist dazu da, dass der Sohn Got­tes durch sie in gött­li­chem Glanz erstrah­le.« 5Jesus lieb­te Mar­tha und ihre Schwes­ter und Laza­rus. 6Als er nun gehört hat­te, dass Laza­rus krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war. 7Anschließend sag­te er sei­nen Schüler/innen: »Lasst uns wie­der nach Judäa gehen!« 8Die Schüler/innen sag­ten ihm: »Rab­bi, gera­de haben die Men­schen aus Judäa ver­sucht, dich zu stei­ni­gen, und du gehst wie­der dort­hin?« 9Jesus ant­wor­te­te: »Hat nicht der Tag zwölf Stun­den? Alle, die am Tag her­um­lau­fen, stol­pern nicht, denn sie sehen das Licht die­ser Welt; 10alle aber, die bei Nacht her­um­lau­fen, stol­pern, weil das Licht nicht in ihnen ist.« 11So rede­te er, und danach sag­te er ihnen: »Unser Freund Laza­rus ist ein­ge­schla­fen, ich gehe, um ihn auf­zu­we­cken.« 12Da sag­ten ihm die Schüler/innen: »Rab­bi, wenn er ein­ge­schla­fen ist, wird er geheilt wer­den.« 13Jesus hat­te aber über sei­nen Tod gere­det, sie dage­gen mein­ten, dass er über das gewöhn­li­che Ein­schla­fen gere­det hät­te. 14Da sag­te Jesus ihnen ganz offen: »Laza­rus ist gestor­ben, 15und ich freue mich euret­we­gen, dass ich nicht dort war: Ihr sollt näm­lich zum Glau­ben kom­men. Aber lasst uns zu ihm­ge­hen!« 16Da sag­te Tho­mas, genannt Zwil­ling, zu den ande­ren Schüler/innen: »Lasst auch uns gehen, damit wir mit ihm ster­ben.« 17Jesus ging also und fand, dass Laza­rus schon vier Tage im Grab war. 18Betanien war nahe bei Jeru­sa­lem, etwa drei Kilo­me­ter­ent­fernt. 19Viele von den Men­schen aus ihrem Volk waren zu Mar­tha und Maria gekom­men, um sie wegen des Bru­ders zu trös­ten. 20Als Mar­tha nun hör­te, Jesus wür­de kom­men, ging sie ihm ent­ge­gen. Maria aber blieb im Haus sit­zen. 21Martha nun sagte:»Rabbi, wenn du hier gewe­sen wärst, wäre mein Bru­der nicht gestor­ben. 22Aber auch jetzt weiß ich: Was auch immer du von Gott erbit­test, wird Gott dir geben.« 23Jesus sag­te ihr: »Dein Bru­der wird auf­ste­hen!« 24Marta sag­te ihm: »Ich weiß, dass er auf­ste­hen wird beim Auf­ste­hen am letz­ten Tag.« 25Jesus sag­te ihr: »Ich bin das Auf­ste­hen und das Leben: Alle, die an mich glau­ben, wer­den leben, auch wenn sie ster­ben; 26und alle, die leben und an mich *glau­ben, wer­den bis in *Ewig­keit nicht ster­ben. Jesus sag­te ihr: »Dein Bru­der wird auf­ste­hen!« 24Martha sag­te ihm: »Ich weiß, dass er auf­ste­hen wird beim Auf­ste­hen am letz­ten Tag.«25Jesus sag­te ihr: »Ich bin da Auf­ste­hen und das Leben: Alle, die an mich glau­ben, wer­den leben, auch wenn sie ster­ben; 26und alle, die leben und an mich glau­ben, wer­den bis in Ewig­keit nicht ster­ben. Glaubst du das?« 27Sagt sie ihm: »Ja, Rab­bi, ich bin zum Glau­ben gekom­men, dass du der Chris­tus bist, der Sohn Got­tes, der in die Welt kommt.« 28Nachdem sie dies gesagt hat­te, ging sie weg und rief ihre Schwes­ter Maria und sag­te ihr heim­lich: »Der Leh­rer ist da und ruft dich.« 29Als jene dies hör­te, stand sie schnell auf und ging zu ihm. 30Jesus war noch nicht ins Dorf gekom­men, son­dern war noch an dem Ort, wo Mar­tha ihm begeg­net war. 31Als nun die ande­ren jüdi­schen Men­schen, die mit ihr im Haus gewe­sen waren und mit ihr getrau­ert hat­ten, sahen, wie Maria schnell auf­stand und hin­aus­ging, folg­ten sie ihr, weil sie mein­ten, sie gin­ge zum Grab, um dort zu wei­nen. 32Als Maria dahin kam, wo Jesus war und ihn sah, warf sie sich zu sei­nen Füßen nie­der und sag­te ihm: »Rab­bi, wenn du hier gewe­sen wärst, wäre mir der Bru­der nicht gestor­ben.« 33Als Jesus sie wei­nen sah und auch die ande­ren Jüdin­nen und Juden, die mit ihr gekom­men waren, wein­ten –, war er inner­lich auf­ge­wühlt und erschüt­tert 34und sag­te: »Wo habt ihr ihn hin­ge­legt?« Sie sag­ten ihm: »Rab­bi, komm und sieh!« 35Jesus wein­te. 36Da sag­ten die ande­ren jüdi­schen Men­schen: »Sieh, wie er ihn geliebt hat.« 37Aber eini­ge von ihnen sag­ten: »Hät­te nicht jener, der die Augen des Blin­den geöff­net hat, auch etwas machen kön­nen, damit die­ser nicht ster­ben muss­te?« 38Jesus nun, wie­der­um inner­lich ergrimmt, kam zum Grab. Es war eine Höh­le und ein Stein lag vor ihr. 39Jesus sag­te: »Hebt den Stein fort!« Mar­tha, die Schwes­ter des Ver­stor­be­nen, sag­te ihm: »Rab­bi, er stinkt schon, er ist ja vier Tage alt.« 40Jesus sag­te ihr: »Habe ich dir nicht

gesagt: Wenn du glaubst, wirst du den Glanz Got­tes sehen?« 41Sie hoben nun den Stein fort. Jesus aber hob die Augen nach oben und sag­te: »Du, Gott, ich dan­ke dir, dass du mich gehört hast. 42Ich wuss­te, dass du mich immer hörst, aber wegen der Leu­te, die hier ste­hen, habe ich es gesagt, damit sie glau­ben, dass du mich gesandt hast.« 43Als er dies gesagt hat­te, rief er mit lau­ter Stim­me: »Laza­rus, komm her­aus!« 44Es kam der Gestor­be­ne her­aus, umwi­ckelt an den Füßen und den Hän­den mit Bin­den und sein Gesicht war von einem Tuch bedeckt. Jesus sag­te ihnen: »Befreit ihn und lasst ihn gehen!« (teil­wei­se an die Bibel in gerech­ter Spra­che, z. St., ange­lehnt)

Lie­be Gemein­de,

der 16. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis kon­fron­tiert uns mit dem Auf­ste­hen bzw. Auf­ge­weckt­wer­den des toten Laza­rus – es ist ein lan­ger Text. Das Johan­nes­evan­ge­li­um ist im Neu­en Tes­ta­ment der­je­ni­ge Text, der am reflek­tier­tes­ten  mit der früh­christ­li­chen Bil­der­welt umgeht – und expli­zit die Leser/inn/en an der Inter­pre­ta­ti­on die­ser Bil­der betei­ligt, sie sozu­sa­gen auf den Bild­lich­keits­cha­rak­ter christ­li­cher Rede­wei­sen  stößt. (more…)

22. August 2016

Gemein­sam essen (Gal 2,1ff [EfG Gries­heim])

Die Visi­on des Petrus

11Als aber Petrus nach Antio­chi­en kam, trat ich ihm von Ange­sicht zu Ange­sicht ent­ge­gen, denn er hat­te sich ins Unrecht gesetzt. 12Bevor näm­lich gewis­se Leu­te von Jako­bus kamen, aß er gemein­sam mit Men­schen, die nicht der jüdi­schen Lebens­form ange­hör­ten. Doch als sie ein­tra­fen, trat er den Rück­zug an und zog eine Trenn­li­nie, weil er vor denen aus der Beschnei­dung Angst hat­te. 13Und wie er nah­men auch die übri­gen Juden und Jüdin­nen an der Schau­spie­le­rei teil, sodass selbst Bar­na­bas durch ihre Schein­hei­lig­keit irre­ge­lei­tet wur­de. 14Als ich nun sah, dass sie den auf­rech­ten Gang nach der Wahr­heit des Evan­ge­li­ums nicht mehr übten, sag­te ich zu Petrus im Bei­sein aller: Wenn du, der du doch Jude bist, nach heid­ni­schen Regeln lebst und nicht jüdisch, wie­so zwingst du dann nicht­jü­di­sche Men­schen jüdisch zu wer­den? 15Wir sind zwar von Geburt her tat­säch­lich jüdisch und nicht Sün­de­rin­nen und Sün­der aus heid­ni­schen Völ­kern. 16Aber wir wis­sen, das kein Mensch gerecht­fer­tigt wird durch Wer­ke des Geset­zes, son­dern aus­schließ­lich  durch Ver­trau­en auf Jesus, den Chris­tus. Dar­um sind auch wir zum Ver­trau­en auf den Chris­tus Jesus gelangt, damit wir gerecht­fer­tigt wür­den auf­grund des Ver­trau­ens auf den Chris­tus und nicht aus Wer­ken des Geset­zes. Denn aus Wer­ken des Geset­zes wird kein Fleisch gerecht­fer­tigt. 17Aber wenn nun wir, die wir gerecht­fer­tigt wer­den wol­len durch den Chris­tus, auch selbst als Sün­de­rin­nen und Sün­der daste­hen, ist dann der Chris­tus ein Hand­lan­ger der Sün­de? Nein, und aber­mals nein. 18Stattdessen: Wenn ich genau das wie­der auf­rich­te, was ich nie­der­ge­ris­sen habe, bezich­ti­ge ich mich selbst der Über­tre­tung. 19Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestor­ben, damit ich für Gott lebe. Mit dem Chris­tus bin ich mit­ge­kreu­zigt wor­den. 20Und ich lebe nicht mehr, son­dern in mir lebt der Chris­tus. Was ich jetzt in mei­ner leib­li­chen Exis­tenz lebe, lebe ich im Ver­trau­en auf den Sohn Got­tes, der mich geliebt und sich selbst aus­ge­lie­fert hat für mich.[1]

 

Lie­be Gemein­de,

 

oft wird kein Spaß ver­stan­den, wenn es ums Essen geht. Als die Grü­nen vor drei Jah­ren in allen Kan­ti­nen einen fleisch­lo­sen Tag pro Woche ein­füh­ren woll­ten, brach ein Sturm der Ent­rüs­tung los, die Grü­nen sind Spaß­brem­sen, sie wol­len das Leben der Men­schen bestim­men. Es wur­de nicht dar­über dis­ku­tiert, war­um die­ser Vor­schlag gemacht wur­de, mein täg­lich Fleisch lass` ich mir nicht neh­men! Das hängt damit zusam­men, dass wir etwas gewohnt sind – und unser gewohn­tes Leben nicht ändern möch­ten. Zu den wit­zi­gen Vor­schlä­gen, die im Jahr 2016 gemacht wur­den, gehört der Antrag einer Land­tag­frak­ti­on, über­all in Schles­wig-Hol­stein müs­se in Kitas und öffent­li­chen Kan­ti­nen Schwei­ne­fleisch ange­bo­ten wer­den, man las­se sich von Vege­ta­ri­ern, Vega­nern und Mus­li­men nicht ter­ro­ri­sie­ren. Phi­lo­se­mi­tisch wur­den die Juden in der Begrün­dung des Antrags als ter­ro­ri­sie­ren­de Min­der­heit nicht erwähnt. (more…)

29. Juli 2016

Gemein­wohl­ori­en­tier­tes Wirt­schaf­ten: Act 2,42-47 (EfG Gries­heim)

 

42Sie blie­ben fest bei der Leh­re der Apos­tel und in der Gemein­schaft, beim Brot­bre­chen und bei den Gebe­ten. 43Jede Per­son über­kam ehr­fürch­ti­ges Stau­nen; vie­le Wun­der und Zei­chen gescha­hen durch die Apos­tel. 44Alle, die glaub­ten, waren zusam­men und teil­ten alles, was sie hat­ten. 45Sie ver­kauf­ten ihren Besitz und ihr Ver­mö­gen und ver­teil­ten den Erlös an alle, je nach­dem jemand Not litt. 46Tag für Tag hiel­ten sie sich ein­mü­tig und bestän­dig im Hei­lig­tum auf, bra­chen das Brot in den ein­zel­nen Häu­sern, nah­men Spei­se zu sich voll Jubel und mit lau­te­rem Her­zen, 47lobten Gott und waren gut ange­se­hen beim gan­zen Volk. Der Herr aber ließ täg­lich wel­che zu ihrer Ret­tung dazu­kom­men.

Lie­be Gemein­de,

so war es in der Jeru­sa­le­mer Urge­mein­de nach der Erzäh­lung des Lukas (Lk), es gab anfangs einen gro­ßen Mit­glie­der­zu­wachs, täg­lich nahm die Gemein­de zu. Man/frau setz­te die Pra­xis Jesu und sei­ner Schüler/innen fort, was der Hin­weis auf die Leh­re der Apos­tel und das Brot­bre­chen besa­gen soll:

42Sie blie­ben fest bei der Leh­re der Apos­tel und in der Gemein­schaft, beim Brot­bre­chen und bei den Gebe­ten.

Das Brot­bre­chen knüpft an die Gemein­schafts­mah­le Jesu mit vie­len Men­schen an – und die­se Pra­xis setzt die Urge­mein­de in Jeru­sa­lem fort. Da sie offen ist, kom­men vie­le, die umkeh­ren, glau­ben und geret­tet wer­den möch­ten. Jesus aß mit Zöll­nern,  Sün­dern und Unge­rech­ten – jetzt, nach­dem er in die gött­li­che Welt zurück­ge­kehrt ist, sind die Schüler/innen dran – und sie machen vie­les rich­tig, sodass

 

der Herr … täg­lich wel­che zu ihrer Ret­tung dazu­kom­men (ließ).

 

Das Gemein­schafts­mahl des Brot­bre­chens fin­det in den Häu­sern man­cher Glau­ben­den statt, zum Got­tes­dienst gehen sie in den Jeru­sa­le­mer Tem­pel, denn die Hoff­nun­gen Isra­els wer­den ja im Kom­men Jesu erfüllt, wie schon Maria in ihrem Lob­ge­sang (Lk 1,46ff) begeis­tert gesun­gen hat­te. Dabei geht es um das Ende der Unter­drü­ckung und um das Ende der Armut.

Gott schenkt Erbar­men von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on den­je­ni­gen, die Ehr­furcht vor ihm haben. 51Er hat Gewal­ti­ges bewirkt. Mit sei­nem Arm hat er die aus­ein­an­der getrie­ben, die ihr Herz dar­auf gerich­tet haben, sich über ande­re zu erhe­ben. 52Er hat Mäch­ti­ge von den Thro­nen gestürzt und Ernied­rig­te erhöht, 53Hungernde hat er mit Gutem gefüllt und Rei­che leer weg­ge­schickt. 54Er hat sich Isra­els, sei­nes Skla­ven­kin­des, ange­nom­men und sich an sei­ne Barm­her­zig­keit erin­nert, 55wie er es unse­ren Vor­fah­ren zuge­sagt hat­te, Sara und Abra­ham und ihren Nach­kom­men für alle Zeit.

Bei­des ist stets The­ma des Luka­sevan­ge­li­ums und der Apos­tel­ge­schich­te (Act). Lk, der bei­de Wer­ke geschrie­ben hat, sieht das als etwas, das sich ent­wi­ckelt – und zu Beginn der Geschich­te der Kir­che herrscht Hoch­stim­mung:

(Sie) bra­chen das Brot in den ein­zel­nen Häu­sern, nah­men Spei­se zu sich voll Jubel und mit lau­te­rem Her­zen …

Die Gemein­schafts­mah­le sind also Jubel­fei­ern, da die Hoff­nun­gen Isra­els jetzt in Erfül­lung gehen bzw. sich jetzt erfül­len, weil Gott jetzt sei­ne Ver­spre­chen gegen­über Sara und Abra­ham hält.

Dem ent­spricht die Lebens­form, wel­che die Jeru­sa­le­mer Urge­mein­de gewählt hat:

 

44Alle, die glaub­ten, waren zusam­men und teil­ten alles, was sie hat­ten. 45Sie ver­kauf­ten ihren Besitz und ihr Ver­mö­gen und ver­teil­ten den Erlös an alle, je nach­dem jemand Not litt.

 

Des­halb bezeich­nen sie sich wohl selbst als die „Armen“, wie wir aus den Pau­lus­brie­fen wis­sen. Sie ent­wi­ckeln eine dia­ko­ni­sche Tätig­keit, indem sie ihre Güter, ihren Besitz ver­kau­fen – und den Erlös an die­je­ni­gen geben, die Not lei­den. Wir haben eben in der Schrift­le­sung gehört, dass Jesus wohl­ha­ben­de Schü­le­rin­nen hat­te, die schon so han­del­ten, wie es in der Urge­mein­de dann grund­sätz­lich voll­zo­gen wur­de.

Man hat das urchrist­li­chen Kom­mu­nis­mus genannt, das war am Ende des 19. Jahr­hun­derts, damals kann­te man noch nicht die Schre­cken des real exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus, der nach der mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schen Auf­fas­sung dem Kom­mu­nis­mus vor­aus­ge­hen soll­te. Was jeden­falls in Act und z. B. in der „Feld­re­de“ (Lk 6,20ff)  gemeint ist, besteht in der Über­zeu­gung, dass bei einem welt­wei­ten Bewusst­sein wohl am ehes­ten durch For­men einer gemein­wohl­ori­en­tier­ten Wirt­schaft das Pro­blem der Armut ange­gan­gen wer­den kann. Dar­an hat sich bis 2016 nichts geän­dert. Im letz­ten Jahr hat das auch die Bun­des­kanz­le­rin im Bun­des­tag und vor der UNO-Voll­ver­samm­lung gesagt. Neben der gewalt­sa­men Unter­drü­ckung ist es die wirt­schaft­li­che Per­spek­tiv­lo­sig­keit, die Flucht­be­we­gun­gen aus­löst.

Die Urge­mein­de ist sich des welt­wei­ten Hori­zonts bewusst. Also lebt sie so, dass Armut gemin­dert wird. Denn die­se ent­steht nur, wenn eini­ge sich dau­er­haft mehr vom wirt­schaft­li­chen Ertrag sichern als ande­re, ob das damals in Rom und heu­te in New York, im Sili­con Val­ley oder in Frank­furt und Darm­stadt der Fall ist. Die Euro­päi­sche Uni­on lässt zur­zeit wie­der vie­le Men­schen im Mit­tel­meer ertrin­ken, u. a. CSU und AfD sei Dank, vor allem aber des­we­gen, weil  bei vie­len das lau­te­re Herz   nicht vor­han­den zu sein scheint, von dem Lk im Blick auf die Urge­mein­de spricht.

Die­ses lau­te­re, offe­ne und an der Wahr­heit ori­en­tier­te Herz ist auch jetzt, in unse­rer Situa­ti­on sehr nötig. Seit es in Würz­burg und Ans­bach zwei Anschlä­ge gege­ben hat, die von Flücht­lin­gen aus­ge­übt wor­den sind, sitzt die Will­kom­mens­kul­tur auf der Ankla­ge­bank, eine der Haupt­an­ge­klag­ten ist die Bun­des­kanz­le­rin, auch die EFG Gries­heim ist ange­klagt, weil sie sich für Flücht­lin­ge enga­giert. Jeden­falls sind vie­le Men­schen ver­un­si­chert.

Es ist bis­her unge­klärt, wie das alles zusam­men­hängt, mög­li­cher­wei­se sind es Ver­zweif­lungs­ta­ten schwer trau­ma­ti­sier­ter Men­schen, die der „Isla­mi­sche Staat“ jetzt für sich rekla­miert, vgl. hier. Viel­leicht aber haben sie es tat­säch­lich bewusst im Sin­ne des IS getan. Jeden­falls hät­ten bei­de Flücht­lin­ge bes­ser betreut wer­den müs­sen.

 

Hin­ter den bei­den wohl isla­mis­ti­schen Anschlä­gen ist der rechts­ra­di­ka­le Anschlag im Münch­ner Kon­sum­hei­lig­tum Olym­pia­zen­trum viel­leicht gezielt aus der öffent­li­chen Erör­te­rung her­aus­ge­nom­men wor­den. Kann man doch kei­ne Schein­de­bat­ten füh­ren,  etwa die­je­ni­ge der Abschie­bung und der wei­te­ren Begren­zung der Zuwan­de­rung. Und wie vie­le Men­schen wis­sen über das Dar­knet Bescheid? Dass sich der Täter dort eine brei­vik­mäs­si­ge Waf­fe besorg­te? Auch hier hat es an der Betreu­ung eines hil­fo­sen Men­schen geman­gelt, des­sen Hilf­lo­sig­keit dann in Wut und Selbst­hass umge­schla­gen ist. Aber in Bay­ern ist halt das Meis­te per­fekt, nur Fin­ger­ha­keln, Mob­bing und Maul­hel­den­tum gehö­ren zum guten Ton. Doch die­ser Anschlag hat die meis­ten Todes­op­fer gefor­dert, über drei Vier­tel sind Mus­li­me.  Und dar­über schwei­gen die Maul­hel­den ganz inten­siv zumin­dest habend sie es getan.

Die Jeru­sa­le­mer Urge­mein­de wäre mit einem sol­chen Vor­ge­hen nicht zufrie­den und auch nicht ein­ver­stan­den gewe­sen. Sie inte­grier­te schließ­lich sogar einen ihrer Haupt­ver­fol­ger, den über­eif­ri­gen, wüten­den und zor­ni­gen Pha­ri­sä­er Saul, der uns dann als Pau­lus bekannt ist. D. h., Lk zufol­ge ist eine fried­li­che Hal­tung bes­ser als eine gewalt­tä­ti­ge. Denn Men­schen kön­nen umkeh­ren.

Die Zurück­hal­tung gegen­über der fried­li­chen und gemein­wohl­ori­en­tier­ten Hal­tung der Urge­mein­de ist ver­ständ­lich, weil wir gewohnt sind, uns gegen ande­re durch­zu­set­zen, weil wir unse­ren Anteil nur so zu sichern glau­ben kön­nen. Die Poli­to­lo­gin Ulri­ke Gué­rot hat vor eini­gen Wochen dar­auf ver­wie­sen,  Euro­pa müs­se sich von sei­nen frei­en und glei­chen Bürger/innen her rekon­stru­ie­ren – und um die schwe­ren Feh­ler, die im Blick auf Grie­chen­land, Spa­ni­en u. a. gemacht wor­den sei­en, nicht zu wie­der­ho­len, müs­se der wirt­schaft­li­che Ansatz wie­der gemein­wohl­ori­en­tiert sein, wie es zu Beginn der sozia­len Markt­wirt­schaft gemeint gewe­sen sei – und in die­sem Zusam­men­hang hat sie auch auf die „Berg­pre­digt“ (Mt 5-7) ver­wie­sen.

Lk zufol­ge hat sich die Jeru­sa­le­mer Urge­mein­de gemein­wohl­ori­en­tiert orga­ni­siert. M. E. war das kei­ne ver­spon­ne­ne Idee, son­dern eher ein durch Pro­phe­ten wie Amos und Jesa­ja, vom Jesus der Feld­re­de ange­reg­ter Geis­tes­blitz, der auch 2016 noch viel­leicht nicht zum alten Eisen auf den Schrott­hau­fen der Ide­en gehört. Es ist die wirt­schaft­li­che Anwen­dung der „Gol­de­nen Regel“ , der­zu­fol­ge man/frau gegen­über ande­ren das tun soll, wovon man/frau wünscht, dass die­se gegen­über einem das­sel­be tun (Mt 7,12). Obgleich wir alle oder zumin­dest die meis­ten von uns in einer Kon­kur­renz­ge­sell­schaft erzo­gen wor­den sind, soll­ten wir doch die Ohren davor nicht acht­los ver­schlie­ßen.

Dies zu beden­ken und im Her­zen zu bewe­gen,  wie es Maria mit den Wor­ten der Engel und Hir­ten nach Jesu Geburt (Lk 2,19) tat, dazu hel­fe uns Gott!

 

Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7. Mai 2016

Röm 8,26-30: Leben­dig­keit (EfG Gries­heim)

26 In unse­rer Ohn­macht steht uns der Geist bei, wenn wir kei­ne Kraft mehr haben, so zu beten, wie es nötig wäre. Der Geist selbst tritt für uns ein mit wort­lo­sem Stöh­nen. 27 Gott kennt unse­re Her­zens­an­lie­gen und ver­steht, wofür der Geist sich ein­setzt, weil er im Sin­ne Got­tes für die hei­li­gen Geschwis­ter ein­tritt. 28 Alles wirkt zum Guten zusam­men für die, die Gott lie­ben, weil Gott ent­schie­den hat, sie zu rufen. Das wis­sen wir. 29Denn alle, die Gott von Anfang an kann­te, hat Gott auch von Anfang an zu bestimmt, das glei­che Wesen und das glei­che Schick­sal zu haben wie der Sohn, damit die­ser der Erst­ge­bo­re­ne unter vie­len Geschwis­tern sei. 30 Die von Anfang an dazu bestimmt waren, die wur­den auch geru­fen. Die geru­fen wur­den, die wur­den auch gerecht gespro­chen. Die gerecht gespro­chen wur­den, wur­den auch mit gött­li­cher Klar­heit erfüllt.[1]

 

Lie­be Gemein­de,

 

wir nähern uns Pfings­ten. Das Wet­ter ist früh­lings­haft warm, es zeigt sich Leben in der Natur, sicher auch Leben­dig­keit. Viel­leicht sind wir auch leben­di­ger gestimmt, nach­dem die kal­te oder küh­le Zeit wohl ver­gan­gen ist. Und hier ist die Leben­dig­keit bei eini­gen erhöht, dass der SV Darm­stadt 98 wei­ter in der Bun­des­li­ga ist …

Das ist die Zeit nach Ostern, in der beson­ders des Geis­tes Got­tes gedacht wird, der uns leben­dig macht. Wir haben in der Schrift­le­sung gehört, was dar­aus folgt, dass Got­tes Geist über der Urflut schweb­te, ein chao­ti­scher Zustand, fins­ter – eine wüs­te und lee­re Erde, wie Luther über­setzt. Und in die­sem Geist ist ein krea­ti­ves Poten­zi­al, das sich aus der gedul­di­gen Ruhe sei­nes Schwe­bens über der Urflut ent­fal­tet. In sechs Tagen ent­steht all­mäh­lich eine Ord­nung auf der Erde, mit Licht und Fins­ter­nis, Was­ser und Land, Pflan­zen und Tie­ren, Män­nern und Frau­en als Bil­dern Got­tes – und Gott fin­det das in 1,31 sehr gut.

Aber das bleibt nicht so und die Zeit nach Ostern ist die Zeit der neu­en Schöp­fung, die sich nach dem Auf­we­cken Jesu von Naza­reth von den Toten ent­fal­tet. Und dabei arbei­tet der Geist mit. Er schwebt über und in unse­rem ohn­mäch­ti­gen Leben, das wir gewöhn­lich nicht als ohn­mäch­tig wahr­ha­ben wol­len. Wir glau­ben oder wol­len das glau­ben, dass wir stark und kom­pe­tent sind, so will es auch die Gesell­schaft, in der wir leben.

Aber Pau­lus sagt:

26 In unse­rer Ohn­macht steht uns der Geist bei, wenn wir kei­ne Kraft mehr haben, so zu beten, wie es nötig wäre. Der Geist selbst tritt für uns ein mit wort­lo­sem Stöh­nen.

Pau­lus unter­stellt, dass wir unser Leben in stän­di­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Gott voll­zie­hen soll­ten, nur so ist Leben voll­stän­dig und leben­dig – auch ganz­heit­lich. Dann kann es vor­kom­men, dass wir zu kraft­los sind, um zu beten, dann tritt der Geist für uns ein und stöhnt für uns. Er prä­sen­tiert unse­re ohn­mäch­ti­ge Situa­ti­on vor Gott, vor dem Vater. Gemeint ist ein eher schmerz­vol­les Stöh­nen, viel­leicht auch Seuf­zen.

Gott hört die­ses Seuf­zen, unser Stöh­nen, der Geist ist die Ver­bin­dung zu unse­rem Her­zen, sodass Gott wahr­nimmt, wie unser Stre­ben, wie unse­re Lebens­kraft beschaf­fen ist. Gott nimmt wahr, was wir füh­len, wol­len und den­ken. Der Geist ist die direk­te Kom­mu­ni­ka­ti­on unse­res Her­zens mit Gott – und wenn die Lebens­kraft schwach ist oder gar Ohn­machts­er­fah­run­gen uns prä­gen, dann seufzt der Geist für uns.

Mit die­sem wort­lo­sen Seuf­zen oder Stöh­nen sind wir nicht allei­ne. Mit uns seufzt die Schöp­fung, die Tier- und Pflan­zen­welt, die auf die Frei­heit der Söh­ne und Töch­ter Got­tes hofft, wie aus 8,22 her­vor­geht.

Das aber wird kom­men, denen, die beru­fen oder geru­fen sind, wird sich alles zum Guten wen­den. Sie sind schon gerecht­fer­tigt – und sie tra­gen schon den Glanz Got­tes an sich, sie sind von gött­li­cher Klar­heit erfüllt.

Das ist ein begeis­ter­ter Text des Pau­lus, lie­be Gemein­de. Das Elend der Tier- und Pflan­zen­welt wird sich damit ändern, dass wir als Töch­ter und Söh­ne Got­tes bzw. als Brü­der und Schwes­tern Jesu zur Frei­heit gelan­gen und die siche­ren Zei­chen der Recht­fer­ti­gung sind da.

Den­noch sieht Pau­lus, dass nicht alle so begeis­tert und enthu­si­as­tisch sind wie er. O. k., er ist Apos­tel – und muss das als Enter­tai­ner auch leis­ten, könn­ten man­che mei­nen. Doch er erzählt häu­fig von sei­nen eige­nen Lei­den:

7Wir haben aber die­sen Schatz in irde­nen Gefä­ßen, damit die über­schwäng­li­che Kraft von Gott sei und nicht von uns.

8Wir sind von allen Sei­ten bedrängt, aber wir ängs­ti­gen uns nicht. Uns ist ban­ge, aber wir ver­za­gen nicht.

9Wir lei­den Ver­fol­gung, aber wir wer­den nicht ver­las­sen. Wir wer­den unter­drückt, aber wir kom­men nicht um.

10Wir tra­gen alle­zeit das Ster­ben Jesu an unserm Lei­be, damit auch das Leben Jesu an unserm Lei­be offen­bar wer­de.

11Denn wir, die wir leben, wer­den immer­dar in den Tod gege­ben um Jesu wil­len, damit auch das Leben Jesu offen­bar wer­de an unserm sterb­li­chen Fleisch.

So heißt es in 2. Korin­ther­brief 4,7-11, wie Luther über­setzt. Das ist unge­fähr so auch in Röm 8,26ff gemeint, das Bru­der- und Schwes­ter-Sein zum gekreu­zig­ten und auf­ge­weck­ten Jesus von Naza­reth ist nicht harm­los. Denn Gott liebt sei­ne Schöp­fung und hat sich ent­schlos­sen gewalt­los für die Uni­ver­sa­li­sie­rung der Lie­be ein­zu­tre­ten. Daher hilft der Geist uns, wenn wir erschöpft und ohn­mäch­tig sind.

Pau­lus ver­sucht in uns jene Ruhe des Geis­tes zu erzeu­gen, die der Geist benö­tigt, um schöp­fe­risch zu wer­den, wie wir aus 1. Mose 1 gehört haben. So schwebt der Geist auch über der Urflut und dem Cha­os unse­res Lebens, er ist mit­ten drin. Er tritt für uns bei Gott ein, sodass für Gott unse­re ohn­mäch­ti­ge Situa­ti­on ganz prä­sent ist. Wie mit Chris­tus lei­det Gott dann mit uns, um alles zum Guten zu wen­den. Das ist der Pro­zess unse­rer Leben­dig­keit.

Der Text sagt uns nicht zuletzt, dass wir nicht über­heb­lich sein sol­len. Wir haben hei­li­ge Geschwis­ter wie Alex­an­der Gau­land, Bea­trix von Storch und Frau­ke Petry, die ihre ohn­mäch­ti­ge Situa­ti­on laut her­aus­schrei­en – und im Sin­ne des Pau­lus den Geist nicht stell­ver­tre­tend stöh­nen oder seuf­zen las­sen. Statt­des­sen has­sen sie offen­siv ande­re Geschöp­fe Got­tes – und fin­den damit in unse­rer Gesell­schaft Anklang. Für die­se hei­li­gen Geschwis­ter soll­ten wir beten und sie nicht aus­gren­zen. Denn der Geist ist schöp­fe­risch, also haben wir Hoff­nung für sie, dass sie dem Geist ruhig den Raum geben, für sie zu stöh­nen und zu  seuf­zen. Denn sie schrei­en bloß ihre eige­ne Ohn­machts­si­tua­ti­on her­aus – und Gott hört das. Und wir soll­ten dafür beten, dass sie das bes­ser ver­ste­hen und zulas­sen. Dadurch wür­den sie neue Leben­dig­keit gewin­nen. Das ist nicht leicht, aber dar­auf dür­fen wir hof­fen.

 

Amen

 

 

[1] Die Über­set­zung lehnt sich an Clau­dia Jans­sen, „Bibel in gerech­ter Spra­che“ an.

16. April 2016

Pre­digt zu Gen 1,26-31 (EfG Gries­heim)

26Da sprach Gott: »Wir wol­len Men­schen machen – nach unse­rem Bild und uns ähn­lich. Sie sol­len über die Fische des Mee­res, die Flug­tie­re des Him­mels, das Vieh, die gan­ze Erde, alle Kriech­tie­re herr­schen, die auf dem Boden krie­chen.« 27Da schuf Gott den Men­schen, nach dem Bild Got­tes schuf er den Men­schen, er schuf sie männ­lich und weib­lich.

28Dann seg­ne­te Gott sie, indem Gott zu ihnen sprach: »Seid frucht­bar, ver­mehrt euch, füllt die Erde und bemäch­tigt euch ihrer. Und beherrscht die Fische des Mee­res, die Vögel des Him­mels und alle Tie­re, die auf der Erde krie­chen.« 29Da sprach Gott: »Seht, ich über­ge­be euch alle Gewäch­se auf der gan­zen Flä­che der Erde, die Samen ver­brei­ten, sowie jeden Baum, an dem Baum­früch­te sind. Die Samen ver­brei­ten. Das soll euch als Nah­rung die­nen. 30Auch allen Tie­ren der Erde, allen Vögeln des Him­mels, allem, was auf der Erde kriecht, das leben­dig ist, soll alles grü­ne Gewächs als Nah­rung die­nen.« So geschah es.

31Und Gott sah alles, was er geschaf­fen hat­te: Sieh hin, es ist sehr gut.

Es wur­de Abend, es wur­de Mor­gen: der sechs­te Tag.[1]

 

Lie­be Gemein­de,

 

das ist ein wich­ti­ger Text. Män­ner und Frau­en sind nach dem Bild Got­tes geschaf­fen, sie tra­gen des­halb die Struk­tur des Bil­des Got­tes an sich, sie sind in der Ver­schie­den­ge­schlecht­lich­keit Bil­der Got­tes, Gott ähn­lich. Sie sind selbst nicht Gott, aber gott­ähn­lich. Des­halb sol­len sie über die ande­ren Geschöp­fe herr­schen, was hier nicht bedeu­tet, dass wir Tie­re töten und essen dürf­ten. Wir als Män­ner und Frau­en sol­len uns wohl vege­ta­risch ernäh­ren, auch vegan ist nicht ganz aus­ge­schlos­sen. Denn nur von den Samen von Pflan­zen und Bäu­men wird gespro­chen, es ist gar nicht von Milch und Honig die Rede.

Das alles ist nach dem Urteil Got­tes sehr gut. (more…)

26. März 2016

Oster­sonn­tag 2016: Mk 16,1-8 (EfG Gries­heim)

1 Als der Sab­bat vor­über war, kauf­ten Maria aus Mag­da­la, die Maria des Jako­bus und Salo­me duf­ten­de Öle, um zum Grab zu gehen und Jesus zu sal­ben. 2 Sehr früh am Sonn­tag gin­gen sie zum Grab, als die Son­ne gera­de auf­ging. 3Da sag­ten sie zuein­an­der: »Wer wird uns den Stein vom Ein­gang des Gra­bes weg­wäl­zen?« 4Doch als sie auf­schau­ten, sahen sie, dass der Stein schon weg­ge­wälzt war. Dabei war er sehr groß. 5Und als sie ins Grab hin­ein­gin­gen, sahen sie auf der rech­ten Sei­te einen jun­gen Mann sit­zen, der ein strah­lend hel­les Gewand trug. Da erschra­ken sie.

6 Der jun­ge Mann sag­te zu ihnen: »Ihr braucht nicht zu erschre­cken! Ihr sucht Jesus aus Naza­ret, den Gekreu­zig­ten. Er ist von den Toten „auf­ge­weckt“ wor­den, er ist nicht hier.

Seht den Ort, wo sie ihn hin­ge­legt hat­ten. 7Nun aber geht hin, sagt sei­nen Schüler/innen, auch dem Petrus: Er geht euch nach Gali­läa vor­aus; dort wer­det ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.«

8Und die Frau­en gin­gen hin­aus und flo­hen von dem Grab, denn sie waren außer sich gera­ten und zit­ter­ten.

Und sie sag­ten nie­man­dem etwas, denn sie fürch­te­ten sich.[1]

 

Lie­be Gemein­de,

 

die­ser Text ist in vie­len Hand­schrif­ten das Ende des Mar­ku­sevan­ge­li­ums. Es schloss ursprüng­lich mit der Erzäh­lung der Flucht der Frau­en aus dem Grab und der Beto­nung ihrer Furcht.

8Und die Frau­en gin­gen hin­aus und flo­hen von dem Grab, denn sie waren außer sich gera­ten und zit­ter­ten.

Und sie sag­ten nie­man­dem etwas, denn sie fürch­te­ten sich.

Die ande­ren Evan­ge­li­en haben dann Erschei­nungs­ge­schich­ten erzählt – und auch in das Mar­ku­sevan­ge­li­um wur­den spä­ter dar­aus Tex­te ein­ge­fügt. (more…)

19. Februar 2016

Jede Jeck es anders (Röm 9,14-14 [EfG Gries­heim])

14Was heißt das nun? Ist Gott etwa unge­recht? Gewiss nicht! 15Denn Gott spricht zu Mose: Ich erbar­me mich aller, derer ich mich erbar­men will. Ich füh­le mit allen, denen ich mein Mit­ge­fühl schen­ken will. 16 Also kommt es nicht dar­auf an, was Men­schen wol­len oder wonach sie stre­ben, son­dern allein dar­auf, dass Gott barm­her­zig ist. 17Denn die Schrift spricht zum Pha­rao: Ich habe dich des­halb in Erschei­nung tre­ten las­sen, weil ich an dir mei­ne Stär­ke zei­gen will und damit mein Name über­all auf der Welt bekannt gemacht wird. 18 Die einen erfah­ren Barm­her­zig­keit, ande­re wer­den ver­här­tet – ganz wie Gott es will. 19Du wirst nun sagen: »War­um zieht Gott uns dann zur Rechen­schaft? Wenn es so ist – wer hat sich denn je dem gött­li­chen Rat­schluss wider­setzt?« 20 Oh, Mensch! Wer meinst du eigent­lich zu sein, dass du Gott mit einer sol­chen Ein­stel­lung gegen­über­trittst? Sagt etwa das Kunst­werk zur Künst­le­rin: »War­um hast du mich auf die­se Wei­se geschaf­fen?« 21Hat nicht der Töp­fer die Frei­heit, über den Ton zu ver­fü­gen und aus der­sel­ben Mas­se Unter­schied­li­ches zu for­men: ein Gefäß, das zu ehren­wer­ten Zwe­cken genutzt wird, und eines zu weni­ger ehren­wer­tem Gebrauch? 22 Gott woll­te das Zorn­ge­richt zei­gen und gött­li­che Kraft zu erken­nen geben. Dabei ertrug Gott die Zorn­ge­fä­ße, die zum Unter­gang bestimmt waren, mit gro­ßer Geduld. 23An den Barm­her­zig­keits­ge­fä­ßen woll­te Gott den Reich­tum gött­li­cher Klar­heit zu erken­nen geben. Sie wur­den im Vor­aus her­ge­stellt, damit sie Klar­heit erlan­gen. 24 Barm­her­zig­keits­ge­fä­ße zu sein, dazu hat Gott uns her­aus­ge­ru­fen – nicht nur aus der jüdi­schen Reli­gi­on, son­dern auch aus allen ande­ren Men­schen.[1]

 

Lie­be Gemein­de,

 

der Römer­brief ist ein sehr grund­sätz­li­cher Brief an die christ­li­che Gemein­de im Zen­trum der Welt­macht Rom. Pau­lus hat die­se Gemein­de nicht gegrün­det, jetzt kün­digt er an, er kom­me auf sei­ner welt­um­fas­sen­den Kreis­bahn von Jeru­sa­lem nach Spa­ni­en und zurück (Röm 15)[2] auch in Rom vor­bei, sodass ihn die römi­sche Gemein­de nach Spa­ni­en gelei­ten möge.

Des­halb stellt er sich und sei­ne Auf­fas­sung des Evan­ge­li­ums vor – so die gewöhn­li­che Ansicht, der ich mich anschlie­ße. Pau­lus gilt als umstrit­ten, in der heu­ti­gen Plas­tik­spra­che der „Qua­li­täts­me­di­en“ – „er stand nicht sel­ten in der Kri­tik“ … Der Haupt­punkt, der strit­tig gewe­sen ist, ist sein Ver­hält­nis zur jüdi­schen Reli­gi­on, aus der er als Pha­ri­sä­er selbst her­kommt. Pau­lus war aus der Per­spek­ti­ve der Pro­vinz Judäa Dia­spor­a­ju­de und scheint in Klein­asi­en gebo­ren zu sein. Und nach sei­ner Aus­kunft hat­te ihn der „auf­ge­stan­de­ne“ Jesus zum Apos­tel, zum Gesand­ten für die Men­schen bestimmt, die nicht der jüdi­schen Reli­gi­on anhin­gen, also nicht der Tora offen folg­ten und den Gott Isra­els als den Gott aller Men­schen ver­ehr­ten. (more…)

9. Januar 2016

Joh 1,29-34: Ist das Offen­bar­sein Jesu für „Isra­el“ gerecht­fer­tigt (EfG Gries­heim [10.01.2016]) – oder ein Fall von Anti­ju­da­is­mus?

Kodex wie bei der christ­li­chen Bibel

29Am nächs­ten Tag sah Johan­nes (der Täu­fer) Jesus zu sich kom­men und sag­te: »Hier ist das Lamm Got­tes, das die Sün­de der Welt auf­hebt. 30 Dieses/r ist es, über das/den ich gesagt habe: ›Nach mir kommt einer, der vor mir ent­stan­den ist, denn er war frü­her als ich‹. 31 Ich kann­te ihn nicht, son­dern: damit er für Isra­el offen­bar wer­de, des­halb bin ich gekom­men, um mit Was­ser zu tau­fen.« 32Und Johan­nes mach­te eine Zeu­gen­aus­sa­ge und sag­te: »Ich habe den Geist wie eine Tau­be aus dem Him­mel her­ab­kom­men sehen und er blieb auf ihm. 33 Ich kann­te ihn nicht, aber der­je­ni­ge, der mich gesandt hat, mit Was­ser zu tau­fen, hat zu mir gesagt: ›Der­je­ni­ge ist es, auf den du den Geist her­ab­kom­men und auf ihm blei­ben siehst, der mit Hei­li­gen Geist tauft.‹ 34Und ich habe gese­hen und bezeugt, dass die­ser der Sohn Got­tes ist.«[1]

 

Lie­be Gemein­de,

das Johan­nes­evan­ge­li­um stellt uns Bibelleser/innen und Christ/inn/en im Neu­en Tes­ta­ment am deut­lichs­ten vor die Wirk­lich­keit der Text­ent­ste­hung vie­ler bibli­scher Tex­te. Es wäre schön, wenn wir uns heu­te Mor­gen dar­auf ein­las­sen kön­nen und die Frei­heit und Lie­be mit Johan­nes ent­de­cken könn­ten, die dar­in ent­hal­ten ist. (more…)

23. Dezember 2015

Jesus als Flücht­ling (Mt 2,8ff [EfG Gries­heim])

Jesus mit Josef und Maria auf der Flucht nach Ägyp­ten

[1]8Dann schick­te Hero­des (der Gro­ße) die wei­sen Astro­lo­gen nach Bet­le­hem und sag­te: »Geht! Stellt genaue Nach­for­schun­gen über das Kind an. Wenn ihr es gefun­den habt, gebt mir Bescheid, damit auch ich kom­men kann, um es zu ver­eh­ren.« 9 Als sie das vom König gehört hat­ten, bra­chen sie auf. Und seht, der Stern, des­sen Auf­gang sie beob­ach­tet hat­ten, zog vor ihnen her, bis er ankam und über dem Ort still­stand, an dem das Kind war.

10 Als sie den Stern dort sahen, waren sie über­wäl­tigt vor Freu­de. 11 Sie gin­gen in das Haus und sahen das Kind zusam­men mit Maria, sei­ner Mut­ter. Sie fie­len vor ihm nie­der, um es zu ver­eh­ren. Sie brei­te­ten ihre Schät­ze aus und über­reich­ten dem Kind Geschen­ke: Gold, Weih­rauch und Myr­rhe. 12Im Traum aber erhiel­ten sie die Wei­sung, nicht zu Hero­des zurück­zu­ge­hen. So kehr­ten sie auf einem ande­ren Weg in ihr Land zurück. 13Kaum waren sie auf­ge­bro­chen, seht, da erscheint ein Engel Got­tes dem Josef im Traum und sagt: »Steh auf, nimm das Kind und sei­ne Mut­ter, flieh nach Ägyp­ten und bleib dort, bis ich dir etwas ande­res sage. Denn Hero­des wird das Kind suchen, um es zu töten.« 14Da stand Josef auf, nahm noch in der Nacht das Kind und des­sen Mut­ter, und sie flo­hen nach Ägyp­ten. 15Dort blie­ben sie bis zum Tod des Hero­des, damit sich erfüll­te, was Gott durch den Pro­phe­ten gesagt hat: Aus Ägyp­ten habe ich mein Kind geru­fen.

16Nun wur­de Hero­des sehr wütend, als er begriff, dass er von den wei­sen Astro­lo­gen getäuscht wor­den war. Er schick­te Leu­te und ließ in Bet­le­hem und Umge­bung alle Kin­der töten, die zwei Jah­re alt oder jün­ger waren, der Zeit ent­spre­chend, die er von den wei­sen Astro­lo­gen erfragt hat­te. 17Da wur­de erfüllt, was vom Pro­phe­ten Jere­mia gesagt wor­den war: 18 Eine Stim­me ist in Rama gehört wor­den, Wei­nen und gro­ßes Kla­gen. Rachel wein­te um ihre Kin­der und woll­te sich nicht trös­ten las­sen, weil sie nicht mehr leb­ten.

19 Als Hero­des gestor­ben war, seht, da erscheint in Ägyp­ten ein Engel Got­tes dem Josef im Traum. 20 Er sagt: »Brich auf, nimm das Kind und sei­ne Mut­ter mit und gehe ins Land Isra­el. Die­je­ni­gen, die dem Kind nach dem Leben trach­te­ten, sind tot.« 21 Er brach auf und nahm das Kind und des­sen Mut­ter mit und ging ins Land Isra­el.[2] 2#

 

 

Lie­be Gemein­de!

 

Für Josef war die letz­te Zeit alles ande­re als ein­fach gewe­sen. In unse­rer Spra­che war es eine sehr aus­ge­dehn­te und über­aus von Stress und Hek­tik bestimm­te Advents- und Weih­nachts­zeit gewe­sen. Stän­dig pas­sier­te etwas, das sein Leben ver­än­der­te. Nach mei­nem Ein­druck wäre er kein andäch­ti­ger Sän­ger von „Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“ …

Er hat­te mit Maria eine Freun­din gefun­den, die er hei­ra­ten woll­te. Aber es stell­te sich über­ra­schend her­aus, dass sie ein Kind von einem ande­ren erwar­te­te, dem Hei­li­gen Geist, wie Mat­thä­us betont (Mt 1,18, vgl. 1,20). Eigent­lich hat­te Josef jetzt genug und woll­te ver­schwin­den, er hat­te aber einen Traum, in dem der Engel Got­tes ihm mit­teil­te, er wer­de als Vater gebraucht, weil er von David abstam­me – und Jesus sol­le doch auch von David abstam­men, damit der Stamm­baum stimm­te  (1,1ff, ins­be­son­de­re 16). (more…)

10. Dezember 2015

Pre­digt zum drit­ten Advent (EfG Gries­heim)

Das grau­sa­me Schick­sal des Täu­fers im Advent

 

2 Johan­nes (der Täu­fer) hat­te im Gefäng­nis von den Taten des *Mes­si­as bzw. des Chris­tus gehört. Er schick­te sei­ne Gefolgs­leu­te 3und ließ zu Jesus sagen: »Bist du es, der kom­men soll? Oder müs­sen wir auf jemand ande­ren war­ten?« 4 Jesus ant­wor­te­te und sag­te zu ihnen: »Geht und erzählt Johan­nes, was ihr hört und seht: 5 Blin­de sehen, Gelähm­te gehen, Lepra­kran­ke wer­den rein und Tau­be kön­nen hören. Tote wer­den *auf­ge­weckt und Arme brin­gen die Freu­den­bot­schaft[1].

6 Glück­lich ist, wer nicht mei­net­we­gen an Gott irre­wird.«

 

Lie­be Gemein­de,

 

in der Advents­zeit wie­der­ho­len wir anschei­nend jedes Jahr die Zeit der Ankunft Jesu, also viel­leicht zum 2015. oder 2022. Mal, je nach­dem, wel­che his­to­ri­sche Hypo­the­se über das Geburts­jahr Jesu von Naza­reth bevor­zugt wird – und eini­ge freu­en sich auch auf das Christ­kind, das alle Jah­re wie­der kommt. Unser Text (wie Wochen­spruch und Schrift­le­sung aus Jes 40) erin­nern uns aber an Johan­nes den Täu­fer, jenen Rufer in der Wüs­te, den Gerichts­pre­di­ger, der am Jor­dan zur Umkehr rief und dort tauf­te – und im Chris­ten­tum vor dem Hin­ter­grund jüdi­scher Erwar­tun­gen als Wie­der­kom­men des mit einem gol­de­nen Wagen ent­rück­ten Pro­phe­ten Elia inter­pre­tiert wird. (more…)