Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


25. Juli 2017

Sechster Sonntag nach Trinitatis (Act 8,26ff [EFG Griesheim])


Ein Engel des Herrn sprach zu Philippus: „Auf, mach dich auf Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt!« Das ist eine einsame Gegend. 27Er machte sich auf und ging. Da war da ein Äthiopier, ein Eunuch, ein Hofbeamter der Kandake, der äthiopischen Königin, der über alle ihre Finanzen gesetzt war. Er war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten. 28Nun saß er auf der Rückreise auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. 29Der Geist sagte zu Philippus: »Geh heran und halte dich an diesen Wagen!« 30Philippus lief heran und hörte, wie er den Propheten Jesaja las, und sagte: »Verstehst du denn, was du da liest?« 31Der sagte: »Wie sollte ich es denn können, wenn mich niemand anleitet?« Und er bat Philippus aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen. 32Der Schriftabschnitt, den er las, lautete so: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; wie ein Lamm beim Scheren keinen Laut von sich gibt, so macht er seinen Mund nicht auf. 33In seiner Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben; seine Sippe wer kann von ihr erzählen? Wird doch sein Leben von der Erde weggenommen. 34Der Eunuch sagte zu Philippus: »Ich bitte dich, über wen sagt der Prophet das? Über sich selbst oder über jemand anderen?« 35Philippus begann zu sprechen und von dieser Schriftstelle ausgehend verkündigte er ihm Jesus. 36Wie sie so den Weg dahinfuhren, kamen sie zu einem Gewässer; und der Eunuch sagte: »Da ist Wasser! Was steht dem entgegen, dass ich getauft werde?« 38Da befahl er, dass der Wagen anhielte; und sie stiegen beide hinab in das Wasser, Philippus und der Eunuch; und er taufte ihn. 39Als sie aus dem Wasser stiegen, entrückt der Geist des Herrn Philippus. Der Eunuch sah ihn nicht mehr. Denn er zog froh seines Weges. (Vgl. Bibel in gerechter Sprache, z. St.)

Liebe Gemeinde,

ein Text aus der Frühzeit der christlichen Mission von Jerusalem aus. Er ist in biblischen, prophetischen Farben geschrieben, wie wir sie aus Prophetenerzählungen kennen.
(more…)

24. Juni 2017

Zweiter Sonntag nach Trinitatis (Lk 14,15ff [EfG Griesheim])

Einer der mit Jesus eingeladenen Gäste hörte ihn und sagte zu ihm: »Glücklich (selig) ist, wer das Brot im Reich Gottes isst!«

16Jesus aber sagte zu ihm: »Ein Mensch veranstaltete ein großes Festessen und lud viele ein. 17Er schickte seinen Sklaven zur gegebenen Stunde aus, den Eingeladenen zu sagen: ›Kommt, denn jetzt ist es bereit!‹

18Und auf einmal fingen alle an, sich zu entschuldigen. Der Erste sagte: ›Ich habe ein Feld gekauft und ich muss es unbedingt ansehen gehen. Ich bitte dich, sieh mich als entschuldigt an!‹ 19Ein anderer sagte: ›Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und gehe hin, um sie zu prüfen. Ich bitte dich, sieh mich als entschuldigt an!‹ 20Noch ein anderer sagte: ›Ich habe eine Frau geheiratet und kann deshalb nicht kommen.‹

21Der Sklave kam und berichtete dies seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sagte seinem Sklaven:

›Geh schnell auf die Plätze und Gassen der Stadt und führe die armen Leute, die Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein!‹ 22Und der Sklave sagte: ›Herr, es ist geschehen, wie du aufgetragen hast, und doch ist noch Raum.‹ 23Da sagte der Herr zum Sklaven:

›Geh hinaus auf die Wege und zu den Zäunen und nötige die Leute, hereinzukommen, damit mein Haus sich füllt!‹ 24Ich sage euch: Keiner jener Männer, die eingeladen waren, wird mein Festessen zu kosten bekommen!« (Bibel in gerechter Sprache, z. St.)

Liebe Gemeinde,

eine Mahl-Szene in einem Haus eines Pharisäers. Jesus wird insbesondere im Lukasevangelium als geselliger Zeitgenosse dargestellt, man kann den Eindruck gewinnen, dass religiöse, soziale und politische Fragen am gemeinsamen Tisch kontrovers erörtert werden – man/frau also nicht eine Talk-Show anschaltete, sondern selbst mitdiskutierte. Und bei diesem Mahl im Haus eines Pharisäers gibt einer der Diskutierenden eine Sentenz, einen Sinnspruch zum Besten:
(more…)

26. Mai 2017

Der Geist der Wahrheit und unser Stimmengewirr (Joh 14,15ff [EfG Griesheim])

Cicero-Foto zu dem Anschlag von Manchester

15 »Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr meine Gebote halten. 16Und ich werde Gott bitten und er wird euch einen anderen Trost geben, der immer bei euch sein soll: 17Der Geist der Wahrheit ist etwas, das die Welt nicht erfassen kann, weil sie ihn weder schaut noch erkennt. Ihr erkennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich komme zu euch. 19Noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr, ihr aber seht mich, denn ich lebe und ihr werdet leben. 20 An diesem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in Gott bin und ihr in mir seid und ich in euch. 21Alle, die meine Gebote haben und sie halten, lieben mich. Und diejenigen, die mich lieben, werden auch von Gott geliebt werden und ich werde sie lieben und mich ihnen zeigen.« (Vgl. „Bibel in gerechter Sprache“, z. St.)

Liebe Gemeinde,

am nächsten Sonntag beginnt das Pfingstfest, das Fest des Geistes Gottes, der zu den Menschen gesandt wird. Im Johannesevangelium beginnt die Pfingstphase mit dem Einhauchen des Geistes in die Schüler/innen oder dem Anblasen der Schüler/innen mittels des Geistes in 20,14ff, das in der griechischen Sprache eine unübersehbare Anspielung auf das Einblasen des Atems Gottes in die Nase Adams in Gen 2,7 darstellt.

Der Geist weht, wo er will (Joh 3,8) –

(more…)

28. April 2017

Zweiter Sonntag nach Ostern (Joh 21,15-19 [EfG Griesheim])

Als sie gefrühstückt hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: »Simon, Sohn des Johannes, liebst Du mich mehr als die anderen?« Er sagte zu ihm: »Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.« Er sagte zu ihm: »Hüte meine Lämmer!« 16 Noch einmal sagte er zu ihm: »Simon, Sohn des Johannes, liebst Du mich?« Er sagte zu ihm: »Ja, Herr, Du weißt, dass ich Dich liebe.« Er sagte zu ihm: »Weide meine Schafe!« 17 Er sagte zum dritten Mal zu ihm: »Simon, Sohn des Johannes, liebst Du mich?«

Byzantinische Ikone mit groß geschriebenen griechischen Zeichen (poimen kalos), die „guter Hirte“ bedeuten. Der „gute Hirte“ hat den Hintergrund des Kreuzes.

 Petrus war traurig, dass er ihn zum dritten Mal fragte: ›Liebst Du mich?‹ Er sagte zu ihm: »Herr, Du weißt alles, Du weißt, dass ich Dich liebe.« Jesus sagte zu ihm: »Hüte meine Schafe! 18 Amen, amen, ich sage dir: Als du jung warst, hast Du Dir selbst den Gürtel festgebunden und bist gegangen, wohin du wolltest. Wenn Du aber alt bist, wirst Du Deine Arme ausstrecken und jemand anders wird Dich festbinden und Dich dorthin bringen, wohin Du nicht willst.« 19Dies sagte er, um anzudeuten, durch welche Todesart er Gottes Glanz zeigen würde. Und dann sagte er ihm: »Folge mir!«

Liebe Gemeinde,

das Johannesevangelium ist ein Text, der den Glanz Gottes in Jesus schauen lässt – bzw. versucht, die Leser/innen dazu anzuregen, dass sie diesen Glanz schauen können. Petrus bekommt in unserer Erzählung die Aufgabe zugewiesen, ein Hirte für die Gemeinde der Glaubenden zu sein – für jede/n einzelne/n Glaubende/n. Das Bild des Hirten ist für die Bibel typisch, wir haben den Psalm 23 als Schriftlesung gesungen. Das Hirtenbild ist zum Bild Gottes geworden Im Johannesevangelium ist der Schutz und die Sorge des Hirten für seine Schafe und Lämmer genau bestimmt. Jesus ist der gute Hirte, wie Joh 10 sagt.
(more…)

3. Januar 2017

Was kann aus Nazareth (schon) Gutes kommen? (Joh 1,43-51 [8.01.2017: EfG Griesheim])

Marc Chagall: Jakobs Traum (Gen 28,12)

43Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa weggehen und fand Philippus. Jesus sagte zu ihm: »Folge mir!« 44Philippus war aus Betsaida, aus dem Dorf von Andreas und Petrus. 45Philippus fand den Natanaël und sagte zu ihm: »Wir haben denjenigen gefunden, von dem Mose in der Tora  und die Propheten schrieben: Jesus aus Nazareth, Sohn von [Maria und] Josef.« 46Aber Natanaël sagte zu ihm: „Was kann aus Nazareth (schon) Gutes kommen?“ Philippus sagte ihm: »Komm und sieh!« 47Jesus sah Natanaël zu sich kommen und sagte über ihn: »Hier ist ein wahrer Israelit, in dem keine Verstellung ist.« 48Natanaël sagte zu ihm: »Woher kennst du mich?« Jesus antwortete und sagte zu ihm: »Bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum [sitzen] gesehen.« 49Natanaël antwortete ihm: »Rabbi, du bist der Sohn Gottes; du bist der König Israels!« 50Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Weil ich dir gesagt habe, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.« 51Und er sagte zu ihm: »Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und [schauen, wie] die Engel Gottes hinaufsteigen und hinabsteigen auf dem Menschensohn .« (Vgl. Bibel in gerechter Sprache zur Stelle!)

Liebe Gemeinde,

die ersten Tage des neuen Jahres führen uns oft zum Nachdenken über grundsätzliche Fragen, heute ist ein Text als Predigttext vorgesehen, der den Anfang des Wirkens Jesu im Johannesevangelium im Blick hat. Jesus hat schon Andreas und Simon Petrus, die frühere Schüler Johannes des Täufers waren, als eigene Schüler gewonnen. (more…)

5. Oktober 2016

Die Wiedervereinigung der auseinander Genommenen (Mk 10,1-12 [EfG Griesheim])

Die Zerschnittenen Eva und Adam

Die auseinander Genommenen – Eva und Adam (Lukas Cranach)

 

Mk 10 1 Jesus brach von dort auf und zog in das Gebiet von Judäa am anderen Ufer des Jordans. Wieder versammelten sich Mengen von Volk bei ihm, und wie gewohnt lehrte er sie. 2Pharisäer kamen hinzu und fragten ihn: »Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau zu entlassen?« Das wollten sie mit ihm klären. 3Jesus entgegnete ihnen: »Was hat euch Mose geboten?« 4 Sie sprachen: »Mose hat es gestattet, einen Scheidebrief zu schreiben und sie zu entlassen.« 5Da sagte Jesus zu ihnen: »Weil eure Herzen so hart sind, schrieb er euch dieses Gebot auf. 6Am Anfang der Schöpfung aber schuf Gott die Menschen als männlich und weiblich.7Deshalb wird ein Mann Vater und Mutter verlassen, wird ein Mann sich mit seiner Frau verbinden [und eine Frau sich mit ihrem Mann]. 8Und die zwei werden ein Fleisch sein. Also sind sie nicht mehr zwei [chirurgisch Getrennte bzw. auseinander Genommene], sondern ein Fleisch. 9Was Gott zum Paar verbunden hat, soll ein Mensch nicht trennen.« 10Im Haus fragten die Schüler/innen wie schon früher weiter nach. 11 Jesus antwortete ihnen: »Wer seine Frau entlässt und heiratet eine andere, der begeht ihr gegenüber Ehebruch. 12 Entlässt sie ihren Mann  und heiratet einen anderen, dann begeht sie Ehebruch.«[1]

 

Liebe Gemeinde,

 

der Predigttext zeigt uns heute die Eheauffassung Jesu im Markusevangelium. Wir haben eben in der Schriftlesung aus Gen 16 gehört, dass das biblisch z. T. anders gesehen wird, Abraham hatte mit seiner Sklavin Hagar Sex – und diese bekam einen Sohn, den Ismael, der als Stammvater der Araber gilt. Der Koran schreibt diese biblische Geschichte fort – und entwickelt entsprechend ein anderes Eheverständnis, dass man/frau auch bei David, Salomo u. a. findet, nämlich dass ein Mann mehrere Frauen haben kann. (more…)

14. September 2016

Die „narzisstische“ Frau Merkel? (Alltagsphilosophische Kolumne I)

Der gestrige Tag hielt ab 9.37 Uhr eine positive Überraschung bereit: Ob Politiker Seelsorger/innen sein sollten, erörterten der Psychologe Maaz und der Pfarrer Gürtler im Gespräch mit Christiane Florin im DLF. Auch m. E. ist die Frage berechtigt, denn Gefühle bilden einen Aspekt beim Entstehen von Handlungen und Kommunikationen. Das ist seit der Antike bekannt – und der seit einiger beliebte Ausdruck „gefühlt“ im Unterschied zu „faktisch“ zeigt, dass dies in den Medien oft verdrängt wird. Die Frage, die gestern erörtert wurde, hatte freilich eine bestimmte Ausrichtung, die m. E. eher problematisch ist. Das war deswegen erträglich, weil der für steile verallgemeinerte (und empirisch wenig bestätigte) Hypothesen bekannte Maaz durch den aus der Bürgerrechtsbewegung stammenden Gürtler stark relativiert wurde. Das war so stark, dass Maaz nicht dazu kam, seine Hypothese über den aktuellen „Gefühlsstau“ auszusprechen, der die s. E. gefährliche Entwicklung seit einem Jahr ausgelöst hat. Ich ergänze das deswegen – und kann mir daher die Kritik zuziehen, dass er das alles schon mal gesagt hat, aber am 13.09. nicht wiederholt hat. M. E. macht seine Diagnose über Merkel und diejenigen, die mit ihr übereinstimmen, nur Sinn, wenn dieser Hintergrund unterstellt wird. (more…)

10. September 2016

Das „Aufstehen“ des „eingeschlafenen“ Lazarus (Joh 11 [EfG Griesheim])

Joh 11 1Es war jemand krank, Lazarus aus Betanien, aus dem Dorf von Maria und Martha, ihrer Schwester. 2Maria war die, die den Christus mit Salböl gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank. 3Die Schwestern schickten also zu ihm und ließen ihm sagen: Rabbi, sieh: Der, den du liebst, ist krank.« 4Als Jesus das hörte, sagte er: »Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern ist dazu da, dass der Sohn Gottes durch sie in göttlichem Glanz erstrahle.« 5Jesus liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus. 6Als er nun gehört hatte, dass Lazarus krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war. 7Anschließend sagte er seinen Schüler/innen: »Lasst uns wieder nach Judäa gehen!« 8Die Schüler/innen sagten ihm: »Rabbi, gerade haben die Menschen aus Judäa versucht, dich zu steinigen, und du gehst wieder dorthin?« 9Jesus antwortete: »Hat nicht der Tag zwölf Stunden? Alle, die am Tag herumlaufen, stolpern nicht, denn sie sehen das Licht dieser Welt; 10alle aber, die bei Nacht herumlaufen, stolpern, weil das Licht nicht in ihnen ist.« 11So redete er, und danach sagte er ihnen: »Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen, ich gehe, um ihn aufzuwecken.« 12Da sagten ihm die Schüler/innen: »Rabbi, wenn er eingeschlafen ist, wird er geheilt werden.« 13Jesus hatte aber über seinen Tod geredet, sie dagegen meinten, dass er über das gewöhnliche Einschlafen geredet hätte. 14Da sagte Jesus ihnen ganz offen: »Lazarus ist gestorben, 15und ich freue mich euretwegen, dass ich nicht dort war: Ihr sollt nämlich zum Glauben kommen. Aber lasst uns zu ihmgehen!« 16Da sagte Thomas, genannt Zwilling, zu den anderen Schüler/innen: »Lasst auch uns gehen, damit wir mit ihm sterben.« 17Jesus ging also und fand, dass Lazarus schon vier Tage im Grab war. 18Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa drei Kilometerentfernt. 19Viele von den Menschen aus ihrem Volk waren zu Martha und Maria gekommen, um sie wegen des Bruders zu trösten. 20Als Martha nun hörte, Jesus würde kommen, ging sie ihm entgegen. Maria aber blieb im Haus sitzen. 21Martha nun sagte:»Rabbi, wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben. 22Aber auch jetzt weiß ich: Was auch immer du von Gott erbittest, wird Gott dir geben.« 23Jesus sagte ihr: »Dein Bruder wird aufstehen!« 24Marta sagte ihm: »Ich weiß, dass er aufstehen wird beim Aufstehen am letzten Tag.« 25Jesus sagte ihr: »Ich bin das Aufstehen und das Leben: Alle, die an mich glauben, werden leben, auch wenn sie sterben; 26und alle, die leben und an mich *glauben, werden bis in *Ewigkeit nicht sterben. Jesus sagte ihr: »Dein Bruder wird aufstehen!« 24Martha sagte ihm: »Ich weiß, dass er aufstehen wird beim Aufstehen am letzten Tag.«25Jesus sagte ihr: »Ich bin da Aufstehen und das Leben: Alle, die an mich glauben, werden leben, auch wenn sie sterben; 26und alle, die leben und an mich glauben, werden bis in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das?« 27Sagt sie ihm: »Ja, Rabbi, ich bin zum Glauben gekommen, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt.« 28Nachdem sie dies gesagt hatte, ging sie weg und rief ihre Schwester Maria und sagte ihr heimlich: »Der Lehrer ist da und ruft dich.« 29Als jene dies hörte, stand sie schnell auf und ging zu ihm. 30Jesus war noch nicht ins Dorf gekommen, sondern war noch an dem Ort, wo Martha ihm begegnet war. 31Als nun die anderen jüdischen Menschen, die mit ihr im Haus gewesen waren und mit ihr getrauert hatten, sahen, wie Maria schnell aufstand und hinausging, folgten sie ihr, weil sie meinten, sie ginge zum Grab, um dort zu weinen. 32Als Maria dahin kam, wo Jesus war und ihn sah, warf sie sich zu seinen Füßen nieder und sagte ihm: »Rabbi, wenn du hier gewesen wärst, wäre mir der Bruder nicht gestorben.« 33Als Jesus sie weinen sah und auch die anderen Jüdinnen und Juden, die mit ihr gekommen waren, weinten –, war er innerlich aufgewühlt und erschüttert 34und sagte: »Wo habt ihr ihn hingelegt?« Sie sagten ihm: »Rabbi, komm und sieh!« 35Jesus weinte. 36Da sagten die anderen jüdischen Menschen: »Sieh, wie er ihn geliebt hat.« 37Aber einige von ihnen sagten: »Hätte nicht jener, der die Augen des Blinden geöffnet hat, auch etwas machen können, damit dieser nicht sterben musste?« 38Jesus nun, wiederum innerlich ergrimmt, kam zum Grab. Es war eine Höhle und ein Stein lag vor ihr. 39Jesus sagte: »Hebt den Stein fort!« Martha, die Schwester des Verstorbenen, sagte ihm: »Rabbi, er stinkt schon, er ist ja vier Tage alt.« 40Jesus sagte ihr: »Habe ich dir nicht

gesagt: Wenn du glaubst, wirst du den Glanz Gottes sehen?« 41Sie hoben nun den Stein fort. Jesus aber hob die Augen nach oben und sagte: »Du, Gott, ich danke dir, dass du mich gehört hast. 42Ich wusste, dass du mich immer hörst, aber wegen der Leute, die hier stehen, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.« 43Als er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: »Lazarus, komm heraus!« 44Es kam der Gestorbene heraus, umwickelt an den Füßen und den Händen mit Binden und sein Gesicht war von einem Tuch bedeckt. Jesus sagte ihnen: »Befreit ihn und lasst ihn gehen!« (teilweise an die Bibel in gerechter Sprache, z. St., angelehnt)

Liebe Gemeinde,

der 16. Sonntag nach Trinitatis konfrontiert uns mit dem Aufstehen bzw. Aufgewecktwerden des toten Lazarus – es ist ein langer Text. Das Johannesevangelium ist im Neuen Testament derjenige Text, der am reflektiertesten  mit der frühchristlichen Bilderwelt umgeht – und explizit die Leser/inn/en an der Interpretation dieser Bilder beteiligt, sie sozusagen auf den Bildlichkeitscharakter christlicher Redeweisen  stößt. (more…)

22. August 2016

Gemeinsam essen (Gal 2,1ff [EfG Griesheim])

Die Vision des Petrus

11Als aber Petrus nach Antiochien kam, trat ich ihm von Angesicht zu Angesicht entgegen, denn er hatte sich ins Unrecht gesetzt. 12Bevor nämlich gewisse Leute von Jakobus kamen, aß er gemeinsam mit Menschen, die nicht der jüdischen Lebensform angehörten. Doch als sie eintrafen, trat er den Rückzug an und zog eine Trennlinie, weil er vor denen aus der Beschneidung Angst hatte. 13Und wie er nahmen auch die übrigen Juden und Jüdinnen an der Schauspielerei teil, sodass selbst Barnabas durch ihre Scheinheiligkeit irregeleitet wurde. 14Als ich nun sah, dass sie den aufrechten Gang nach der Wahrheit des Evangeliums nicht mehr übten, sagte ich zu Petrus im Beisein aller: Wenn du, der du doch Jude bist, nach heidnischen Regeln lebst und nicht jüdisch, wieso zwingst du dann nichtjüdische Menschen jüdisch zu werden? 15Wir sind zwar von Geburt her tatsächlich jüdisch und nicht Sünderinnen und Sünder aus heidnischen Völkern. 16Aber wir wissen, das kein Mensch gerechtfertigt wird durch Werke des Gesetzes, sondern ausschließlich  durch Vertrauen auf Jesus, den Christus. Darum sind auch wir zum Vertrauen auf den Christus Jesus gelangt, damit wir gerechtfertigt würden aufgrund des Vertrauens auf den Christus und nicht aus Werken des Gesetzes. Denn aus Werken des Gesetzes wird kein Fleisch gerechtfertigt. 17Aber wenn nun wir, die wir gerechtfertigt werden wollen durch den Christus, auch selbst als Sünderinnen und Sünder dastehen, ist dann der Christus ein Handlanger der Sünde? Nein, und abermals nein. 18Stattdessen: Wenn ich genau das wieder aufrichte, was ich niedergerissen habe, bezichtige ich mich selbst der Übertretung. 19Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Mit dem Christus bin ich mitgekreuzigt worden. 20Und ich lebe nicht mehr, sondern in mir lebt der Christus. Was ich jetzt in meiner leiblichen Existenz lebe, lebe ich im Vertrauen auf den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst ausgeliefert hat für mich.[1]

 

Liebe Gemeinde,

 

oft wird kein Spaß verstanden, wenn es ums Essen geht. Als die Grünen vor drei Jahren in allen Kantinen einen fleischlosen Tag pro Woche einführen wollten, brach ein Sturm der Entrüstung los, die Grünen sind Spaßbremsen, sie wollen das Leben der Menschen bestimmen. Es wurde nicht darüber diskutiert, warum dieser Vorschlag gemacht wurde, mein täglich Fleisch lass` ich mir nicht nehmen! Das hängt damit zusammen, dass wir etwas gewohnt sind – und unser gewohntes Leben nicht ändern möchten. Zu den witzigen Vorschlägen, die im Jahr 2016 gemacht wurden, gehört der Antrag einer Landtagfraktion, überall in Schleswig-Holstein müsse in Kitas und öffentlichen Kantinen Schweinefleisch angeboten werden, man lasse sich von Vegetariern, Veganern und Muslimen nicht terrorisieren. Philosemitisch wurden die Juden in der Begründung des Antrags als terrorisierende Minderheit nicht erwähnt. (more…)

29. Juli 2016

Gemeinwohlorientiertes Wirtschaften: Act 2,42-47 (EfG Griesheim)

 

42Sie blieben fest bei der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, beim Brotbrechen und bei den Gebeten. 43Jede Person überkam ehrfürchtiges Staunen; viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. 44Alle, die glaubten, waren zusammen und teilten alles, was sie hatten. 45Sie verkauften ihren Besitz und ihr Vermögen und verteilten den Erlös an alle, je nachdem jemand Not litt. 46Tag für Tag hielten sie sich einmütig und beständig im Heiligtum auf, brachen das Brot in den einzelnen Häusern, nahmen Speise zu sich voll Jubel und mit lauterem Herzen, 47lobten Gott und waren gut angesehen beim ganzen Volk. Der Herr aber ließ täglich welche zu ihrer Rettung dazukommen.

Liebe Gemeinde,

so war es in der Jerusalemer Urgemeinde nach der Erzählung des Lukas (Lk), es gab anfangs einen großen Mitgliederzuwachs, täglich nahm die Gemeinde zu. Man/frau setzte die Praxis Jesu und seiner Schüler/innen fort, was der Hinweis auf die Lehre der Apostel und das Brotbrechen besagen soll:

42Sie blieben fest bei der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, beim Brotbrechen und bei den Gebeten.

Das Brotbrechen knüpft an die Gemeinschaftsmahle Jesu mit vielen Menschen an – und diese Praxis setzt die Urgemeinde in Jerusalem fort. Da sie offen ist, kommen viele, die umkehren, glauben und gerettet werden möchten. Jesus aß mit Zöllnern,  Sündern und Ungerechten – jetzt, nachdem er in die göttliche Welt zurückgekehrt ist, sind die Schüler/innen dran – und sie machen vieles richtig, sodass

 

der Herr … täglich welche zu ihrer Rettung dazukommen (ließ).

 

Das Gemeinschaftsmahl des Brotbrechens findet in den Häusern mancher Glaubenden statt, zum Gottesdienst gehen sie in den Jerusalemer Tempel, denn die Hoffnungen Israels werden ja im Kommen Jesu erfüllt, wie schon Maria in ihrem Lobgesang (Lk 1,46ff) begeistert gesungen hatte. Dabei geht es um das Ende der Unterdrückung und um das Ende der Armut.

Gott schenkt Erbarmen von Generation zu Generation denjenigen, die Ehrfurcht vor ihm haben. 51Er hat Gewaltiges bewirkt. Mit seinem Arm hat er die auseinander getrieben, die ihr Herz darauf gerichtet haben, sich über andere zu erheben. 52Er hat Mächtige von den Thronen gestürzt und Erniedrigte erhöht, 53Hungernde hat er mit Gutem gefüllt und Reiche leer weggeschickt. 54Er hat sich Israels, seines Sklavenkindes, angenommen und sich an seine Barmherzigkeit erinnert, 55wie er es unseren Vorfahren zugesagt hatte, Sara und Abraham und ihren Nachkommen für alle Zeit.

Beides ist stets Thema des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte (Act). Lk, der beide Werke geschrieben hat, sieht das als etwas, das sich entwickelt – und zu Beginn der Geschichte der Kirche herrscht Hochstimmung:

(Sie) brachen das Brot in den einzelnen Häusern, nahmen Speise zu sich voll Jubel und mit lauterem Herzen …

Die Gemeinschaftsmahle sind also Jubelfeiern, da die Hoffnungen Israels jetzt in Erfüllung gehen bzw. sich jetzt erfüllen, weil Gott jetzt seine Versprechen gegenüber Sara und Abraham hält.

Dem entspricht die Lebensform, welche die Jerusalemer Urgemeinde gewählt hat:

 

44Alle, die glaubten, waren zusammen und teilten alles, was sie hatten. 45Sie verkauften ihren Besitz und ihr Vermögen und verteilten den Erlös an alle, je nachdem jemand Not litt.

 

Deshalb bezeichnen sie sich wohl selbst als die „Armen“, wie wir aus den Paulusbriefen wissen. Sie entwickeln eine diakonische Tätigkeit, indem sie ihre Güter, ihren Besitz verkaufen – und den Erlös an diejenigen geben, die Not leiden. Wir haben eben in der Schriftlesung gehört, dass Jesus wohlhabende Schülerinnen hatte, die schon so handelten, wie es in der Urgemeinde dann grundsätzlich vollzogen wurde.

Man hat das urchristlichen Kommunismus genannt, das war am Ende des 19. Jahrhunderts, damals kannte man noch nicht die Schrecken des real existierenden Sozialismus, der nach der marxistisch-leninistischen Auffassung dem Kommunismus vorausgehen sollte. Was jedenfalls in Act und z. B. in der „Feldrede“ (Lk 6,20ff)  gemeint ist, besteht in der Überzeugung, dass bei einem weltweiten Bewusstsein wohl am ehesten durch Formen einer gemeinwohlorientierten Wirtschaft das Problem der Armut angegangen werden kann. Daran hat sich bis 2016 nichts geändert. Im letzten Jahr hat das auch die Bundeskanzlerin im Bundestag und vor der UNO-Vollversammlung gesagt. Neben der gewaltsamen Unterdrückung ist es die wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, die Fluchtbewegungen auslöst.

Die Urgemeinde ist sich des weltweiten Horizonts bewusst. Also lebt sie so, dass Armut gemindert wird. Denn diese entsteht nur, wenn einige sich dauerhaft mehr vom wirtschaftlichen Ertrag sichern als andere, ob das damals in Rom und heute in New York, im Silicon Valley oder in Frankfurt und Darmstadt der Fall ist. Die Europäische Union lässt zurzeit wieder viele Menschen im Mittelmeer ertrinken, u. a. CSU und AfD sei Dank, vor allem aber deswegen, weil  bei vielen das lautere Herz   nicht vorhanden zu sein scheint, von dem Lk im Blick auf die Urgemeinde spricht.

Dieses lautere, offene und an der Wahrheit orientierte Herz ist auch jetzt, in unserer Situation sehr nötig. Seit es in Würzburg und Ansbach zwei Anschläge gegeben hat, die von Flüchtlingen ausgeübt worden sind, sitzt die Willkommenskultur auf der Anklagebank, eine der Hauptangeklagten ist die Bundeskanzlerin, auch die EFG Griesheim ist angeklagt, weil sie sich für Flüchtlinge engagiert. Jedenfalls sind viele Menschen verunsichert.

Es ist bisher ungeklärt, wie das alles zusammenhängt, möglicherweise sind es Verzweiflungstaten schwer traumatisierter Menschen, die der „Islamische Staat“ jetzt für sich reklamiert, vgl. hier. Vielleicht aber haben sie es tatsächlich bewusst im Sinne des IS getan. Jedenfalls hätten beide Flüchtlinge besser betreut werden müssen.

 

Hinter den beiden wohl islamistischen Anschlägen ist der rechtsradikale Anschlag im Münchner Konsumheiligtum Olympiazentrum vielleicht gezielt aus der öffentlichen Erörterung herausgenommen worden. Kann man doch keine Scheindebatten führen,  etwa diejenige der Abschiebung und der weiteren Begrenzung der Zuwanderung. Und wie viele Menschen wissen über das Darknet Bescheid? Dass sich der Täter dort eine breivikmässige Waffe besorgte? Auch hier hat es an der Betreuung eines hilfosen Menschen gemangelt, dessen Hilflosigkeit dann in Wut und Selbsthass umgeschlagen ist. Aber in Bayern ist halt das Meiste perfekt, nur Fingerhakeln, Mobbing und Maulheldentum gehören zum guten Ton. Doch dieser Anschlag hat die meisten Todesopfer gefordert, über drei Viertel sind Muslime.  Und darüber schweigen die Maulhelden ganz intensiv zumindest habend sie es getan.

Die Jerusalemer Urgemeinde wäre mit einem solchen Vorgehen nicht zufrieden und auch nicht einverstanden gewesen. Sie integrierte schließlich sogar einen ihrer Hauptverfolger, den übereifrigen, wütenden und zornigen Pharisäer Saul, der uns dann als Paulus bekannt ist. D. h., Lk zufolge ist eine friedliche Haltung besser als eine gewalttätige. Denn Menschen können umkehren.

Die Zurückhaltung gegenüber der friedlichen und gemeinwohlorientierten Haltung der Urgemeinde ist verständlich, weil wir gewohnt sind, uns gegen andere durchzusetzen, weil wir unseren Anteil nur so zu sichern glauben können. Die Politologin Ulrike Guérot hat vor einigen Wochen darauf verwiesen,  Europa müsse sich von seinen freien und gleichen Bürger/innen her rekonstruieren – und um die schweren Fehler, die im Blick auf Griechenland, Spanien u. a. gemacht worden seien, nicht zu wiederholen, müsse der wirtschaftliche Ansatz wieder gemeinwohlorientiert sein, wie es zu Beginn der sozialen Marktwirtschaft gemeint gewesen sei – und in diesem Zusammenhang hat sie auch auf die „Bergpredigt“ (Mt 5-7) verwiesen.

Lk zufolge hat sich die Jerusalemer Urgemeinde gemeinwohlorientiert organisiert. M. E. war das keine versponnene Idee, sondern eher ein durch Propheten wie Amos und Jesaja, vom Jesus der Feldrede angeregter Geistesblitz, der auch 2016 noch vielleicht nicht zum alten Eisen auf den Schrotthaufen der Ideen gehört. Es ist die wirtschaftliche Anwendung der „Goldenen Regel“ , derzufolge man/frau gegenüber anderen das tun soll, wovon man/frau wünscht, dass diese gegenüber einem dasselbe tun (Mt 7,12). Obgleich wir alle oder zumindest die meisten von uns in einer Konkurrenzgesellschaft erzogen worden sind, sollten wir doch die Ohren davor nicht achtlos verschließen.

Dies zu bedenken und im Herzen zu bewegen,  wie es Maria mit den Worten der Engel und Hirten nach Jesu Geburt (Lk 2,19) tat, dazu helfe uns Gott!

 

Amen