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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


9. September 2017

Mord aus Missachtung (Gen 4,1ff [EfG Griesheim])

Dann erkannte Adam Eva, seine Frau; sie wurde schwanger, gebar den Kain und sprach: »Ich habe einen Sohn geboren – mithilfe des Herrn.« 2Da fuhr sie fort und gebar seinen Bruder, den Abel.

Abel wurde ein Viehhirt, Kain aber war Ackerbauer.

3Nach einiger Zeit brachte Kain von den Früchten des Ackers dem Herrn eine Opfergabe dar. 4Daraufhin brachte auch Abel etwas von den Erstgeburten seiner Herde und von ihren Fettstücken dar. Doch der Herr beachtete Abel und seine Opfergabe, 5Kain aber und seine Opfergabe beachtete er nicht. Das ließ Kain aufs Äußerste entflammen, seine Gesichtszüge entgleisten. 6 Da sagte der Herr zu Kain: »Warum brennt es in dir? Und warum entgleisen deine Gesichtszüge derart? 7Ist es nicht so: Wenn dir Gutes gelingt, schaust du stolz; wenn dir aber nichts Gutes gelingt, lauert die Sünde an der Tür. Auf dich richtet sich ihr Verlangen, doch du – du musst sie beherrschen.« 8Da wollte Kain seinem Bruder Abel etwas sagen – doch als sie auf dem Feld waren, erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und tötete ihn. 9a Da sagte der Herr zu Kain: »Wo ist Abel, dein Bruder?« Der sagte: »Das weiß ich nicht. Habe ich etwa die Aufsicht über meinen Bruder?« 10Daraufhin sagte der Herr: »Was hast du getan? Laut schreit das Blut deines Bruders zu mir vom Acker her. 11Also: Verflucht bist du, weg vom Acker, der das Blut deines Bruders von deiner Hand geschluckt und aufgenommen hat! 12Wenn du den Acker bearbeitest, wird er dir seine Kraft nicht mehr geben. Heimatlos und ruhelos musst du auf der Erde sein.« 13Da sagte Kain zum Herrn: »Meine Schuld ist zu groß, sie kann nicht aufgehoben werden. 14Doch schau, du vertreibst mich heute vom Antlitz des Ackers, und auch vor deinem Antlitz muss ich mich verbergen und soll heimatlos und ruhelos auf der Erde sein dann kann jeder mich töten, der mich findet.« 15Da sprach der Herr zu ihm: »Also denn: Wer Kain tötet, soll siebenfach gerächt werden.« Und der Herr machte ein Zeichen für Kain, sodass nicht jeder ihn erschlagen kann, der ihn findet. 16So zog Kain los, fort vom Angesicht ließ sich nieder im Lande Nod, ›Unruhe‹, östlich von Eden. (Vgl. Bibel in gerechter Sprache, z. St.)

Liebe Gemeinde,

ein berühmter Text, der von der segensreichen Kraft und Tiefe der Sexualität spricht – und der von der durch Eva und Adam mithilfe der Schlange erworbenen Fähigkeit, wie Gott sittlich handeln zu können, mithin zwischen „gut“ und „böse“ unterscheiden zu können, eine erste aufschlussreiche Geschichte erzählt.

Eva wird sexuell von Adam erkannt, Sexualität ist biblisch eine Form des personalen Erkennens. Beim Sex erkennt sie oder er lustvoll die andere Person. (more…)

17. August 2017

Israelsonntag: Röm 11,25ff und (der Playmobil-) Luther (EfG Griesheim)

Der Playmobil-Luther

Ich will euch, liebe Schwestern und Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; 26und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. 27Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.« 28Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. 29Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. 30Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, 31so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. 32Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

Liebe Gemeinde,

dieser Text aus dem Römerbrief heute in einer nur ganz wenig angepassten Form in der Übersetzung Martin Luthers, die ganz richtig ist, aber auch die Frage aufwirft, warum er dies nicht als gültig für sich selbst anerkannt hat – und im Verlauf seines Lebens zu einem Judenfeind geworden ist.
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25. Juli 2017

Sechster Sonntag nach Trinitatis (Act 8,26ff [EFG Griesheim])


Ein Engel des Herrn sprach zu Philippus: „Auf, mach dich auf Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt!« Das ist eine einsame Gegend. 27Er machte sich auf und ging. Da war da ein Äthiopier, ein Eunuch, ein Hofbeamter der Kandake, der äthiopischen Königin, der über alle ihre Finanzen gesetzt war. Er war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten. 28Nun saß er auf der Rückreise auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. 29Der Geist sagte zu Philippus: »Geh heran und halte dich an diesen Wagen!« 30Philippus lief heran und hörte, wie er den Propheten Jesaja las, und sagte: »Verstehst du denn, was du da liest?« 31Der sagte: »Wie sollte ich es denn können, wenn mich niemand anleitet?« Und er bat Philippus aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen. 32Der Schriftabschnitt, den er las, lautete so: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; wie ein Lamm beim Scheren keinen Laut von sich gibt, so macht er seinen Mund nicht auf. 33In seiner Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben; seine Sippe wer kann von ihr erzählen? Wird doch sein Leben von der Erde weggenommen. 34Der Eunuch sagte zu Philippus: »Ich bitte dich, über wen sagt der Prophet das? Über sich selbst oder über jemand anderen?« 35Philippus begann zu sprechen und von dieser Schriftstelle ausgehend verkündigte er ihm Jesus. 36Wie sie so den Weg dahinfuhren, kamen sie zu einem Gewässer; und der Eunuch sagte: »Da ist Wasser! Was steht dem entgegen, dass ich getauft werde?« 38Da befahl er, dass der Wagen anhielte; und sie stiegen beide hinab in das Wasser, Philippus und der Eunuch; und er taufte ihn. 39Als sie aus dem Wasser stiegen, entrückt der Geist des Herrn Philippus. Der Eunuch sah ihn nicht mehr. Denn er zog froh seines Weges. (Vgl. Bibel in gerechter Sprache, z. St.)

Liebe Gemeinde,

ein Text aus der Frühzeit der christlichen Mission von Jerusalem aus. Er ist in biblischen, prophetischen Farben geschrieben, wie wir sie aus Prophetenerzählungen kennen.
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24. Juni 2017

Zweiter Sonntag nach Trinitatis (Lk 14,15ff [EfG Griesheim])

Einer der mit Jesus eingeladenen Gäste hörte ihn und sagte zu ihm: »Glücklich (selig) ist, wer das Brot im Reich Gottes isst!«

16Jesus aber sagte zu ihm: »Ein Mensch veranstaltete ein großes Festessen und lud viele ein. 17Er schickte seinen Sklaven zur gegebenen Stunde aus, den Eingeladenen zu sagen: ›Kommt, denn jetzt ist es bereit!‹

18Und auf einmal fingen alle an, sich zu entschuldigen. Der Erste sagte: ›Ich habe ein Feld gekauft und ich muss es unbedingt ansehen gehen. Ich bitte dich, sieh mich als entschuldigt an!‹ 19Ein anderer sagte: ›Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und gehe hin, um sie zu prüfen. Ich bitte dich, sieh mich als entschuldigt an!‹ 20Noch ein anderer sagte: ›Ich habe eine Frau geheiratet und kann deshalb nicht kommen.‹

21Der Sklave kam und berichtete dies seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sagte seinem Sklaven:

›Geh schnell auf die Plätze und Gassen der Stadt und führe die armen Leute, die Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein!‹ 22Und der Sklave sagte: ›Herr, es ist geschehen, wie du aufgetragen hast, und doch ist noch Raum.‹ 23Da sagte der Herr zum Sklaven:

›Geh hinaus auf die Wege und zu den Zäunen und nötige die Leute, hereinzukommen, damit mein Haus sich füllt!‹ 24Ich sage euch: Keiner jener Männer, die eingeladen waren, wird mein Festessen zu kosten bekommen!« (Bibel in gerechter Sprache, z. St.)

Liebe Gemeinde,

eine Mahl-Szene in einem Haus eines Pharisäers. Jesus wird insbesondere im Lukasevangelium als geselliger Zeitgenosse dargestellt, man kann den Eindruck gewinnen, dass religiöse, soziale und politische Fragen am gemeinsamen Tisch kontrovers erörtert werden – man/frau also nicht eine Talk-Show anschaltete, sondern selbst mitdiskutierte. Und bei diesem Mahl im Haus eines Pharisäers gibt einer der Diskutierenden eine Sentenz, einen Sinnspruch zum Besten:
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26. Mai 2017

Der Geist der Wahrheit und unser Stimmengewirr (Joh 14,15ff [EfG Griesheim])

Cicero-Foto zu dem Anschlag von Manchester

15 »Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr meine Gebote halten. 16Und ich werde Gott bitten und er wird euch einen anderen Trost geben, der immer bei euch sein soll: 17Der Geist der Wahrheit ist etwas, das die Welt nicht erfassen kann, weil sie ihn weder schaut noch erkennt. Ihr erkennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich komme zu euch. 19Noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr, ihr aber seht mich, denn ich lebe und ihr werdet leben. 20 An diesem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in Gott bin und ihr in mir seid und ich in euch. 21Alle, die meine Gebote haben und sie halten, lieben mich. Und diejenigen, die mich lieben, werden auch von Gott geliebt werden und ich werde sie lieben und mich ihnen zeigen.« (Vgl. „Bibel in gerechter Sprache“, z. St.)

Liebe Gemeinde,

am nächsten Sonntag beginnt das Pfingstfest, das Fest des Geistes Gottes, der zu den Menschen gesandt wird. Im Johannesevangelium beginnt die Pfingstphase mit dem Einhauchen des Geistes in die Schüler/innen oder dem Anblasen der Schüler/innen mittels des Geistes in 20,14ff, das in der griechischen Sprache eine unübersehbare Anspielung auf das Einblasen des Atems Gottes in die Nase Adams in Gen 2,7 darstellt.

Der Geist weht, wo er will (Joh 3,8) –

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28. April 2017

Zweiter Sonntag nach Ostern (Joh 21,15-19 [EfG Griesheim])

Als sie gefrühstückt hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: »Simon, Sohn des Johannes, liebst Du mich mehr als die anderen?« Er sagte zu ihm: »Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.« Er sagte zu ihm: »Hüte meine Lämmer!« 16 Noch einmal sagte er zu ihm: »Simon, Sohn des Johannes, liebst Du mich?« Er sagte zu ihm: »Ja, Herr, Du weißt, dass ich Dich liebe.« Er sagte zu ihm: »Weide meine Schafe!« 17 Er sagte zum dritten Mal zu ihm: »Simon, Sohn des Johannes, liebst Du mich?«

Byzantinische Ikone mit groß geschriebenen griechischen Zeichen (poimen kalos), die „guter Hirte“ bedeuten. Der „gute Hirte“ hat den Hintergrund des Kreuzes.

 Petrus war traurig, dass er ihn zum dritten Mal fragte: ›Liebst Du mich?‹ Er sagte zu ihm: »Herr, Du weißt alles, Du weißt, dass ich Dich liebe.« Jesus sagte zu ihm: »Hüte meine Schafe! 18 Amen, amen, ich sage dir: Als du jung warst, hast Du Dir selbst den Gürtel festgebunden und bist gegangen, wohin du wolltest. Wenn Du aber alt bist, wirst Du Deine Arme ausstrecken und jemand anders wird Dich festbinden und Dich dorthin bringen, wohin Du nicht willst.« 19Dies sagte er, um anzudeuten, durch welche Todesart er Gottes Glanz zeigen würde. Und dann sagte er ihm: »Folge mir!«

Liebe Gemeinde,

das Johannesevangelium ist ein Text, der den Glanz Gottes in Jesus schauen lässt – bzw. versucht, die Leser/innen dazu anzuregen, dass sie diesen Glanz schauen können. Petrus bekommt in unserer Erzählung die Aufgabe zugewiesen, ein Hirte für die Gemeinde der Glaubenden zu sein – für jede/n einzelne/n Glaubende/n. Das Bild des Hirten ist für die Bibel typisch, wir haben den Psalm 23 als Schriftlesung gesungen. Das Hirtenbild ist zum Bild Gottes geworden Im Johannesevangelium ist der Schutz und die Sorge des Hirten für seine Schafe und Lämmer genau bestimmt. Jesus ist der gute Hirte, wie Joh 10 sagt.
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3. Januar 2017

Was kann aus Nazareth (schon) Gutes kommen? (Joh 1,43-51 [8.01.2017: EfG Griesheim])

Marc Chagall: Jakobs Traum (Gen 28,12)

43Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa weggehen und fand Philippus. Jesus sagte zu ihm: »Folge mir!« 44Philippus war aus Betsaida, aus dem Dorf von Andreas und Petrus. 45Philippus fand den Natanaël und sagte zu ihm: »Wir haben denjenigen gefunden, von dem Mose in der Tora  und die Propheten schrieben: Jesus aus Nazareth, Sohn von [Maria und] Josef.« 46Aber Natanaël sagte zu ihm: „Was kann aus Nazareth (schon) Gutes kommen?“ Philippus sagte ihm: »Komm und sieh!« 47Jesus sah Natanaël zu sich kommen und sagte über ihn: »Hier ist ein wahrer Israelit, in dem keine Verstellung ist.« 48Natanaël sagte zu ihm: »Woher kennst du mich?« Jesus antwortete und sagte zu ihm: »Bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum [sitzen] gesehen.« 49Natanaël antwortete ihm: »Rabbi, du bist der Sohn Gottes; du bist der König Israels!« 50Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Weil ich dir gesagt habe, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.« 51Und er sagte zu ihm: »Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und [schauen, wie] die Engel Gottes hinaufsteigen und hinabsteigen auf dem Menschensohn .« (Vgl. Bibel in gerechter Sprache zur Stelle!)

Liebe Gemeinde,

die ersten Tage des neuen Jahres führen uns oft zum Nachdenken über grundsätzliche Fragen, heute ist ein Text als Predigttext vorgesehen, der den Anfang des Wirkens Jesu im Johannesevangelium im Blick hat. Jesus hat schon Andreas und Simon Petrus, die frühere Schüler Johannes des Täufers waren, als eigene Schüler gewonnen. (more…)

5. Oktober 2016

Die Wiedervereinigung der auseinander Genommenen (Mk 10,1-12 [EfG Griesheim])

Die Zerschnittenen Eva und Adam

Die auseinander Genommenen – Eva und Adam (Lukas Cranach)

 

Mk 10 1 Jesus brach von dort auf und zog in das Gebiet von Judäa am anderen Ufer des Jordans. Wieder versammelten sich Mengen von Volk bei ihm, und wie gewohnt lehrte er sie. 2Pharisäer kamen hinzu und fragten ihn: »Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau zu entlassen?« Das wollten sie mit ihm klären. 3Jesus entgegnete ihnen: »Was hat euch Mose geboten?« 4 Sie sprachen: »Mose hat es gestattet, einen Scheidebrief zu schreiben und sie zu entlassen.« 5Da sagte Jesus zu ihnen: »Weil eure Herzen so hart sind, schrieb er euch dieses Gebot auf. 6Am Anfang der Schöpfung aber schuf Gott die Menschen als männlich und weiblich.7Deshalb wird ein Mann Vater und Mutter verlassen, wird ein Mann sich mit seiner Frau verbinden [und eine Frau sich mit ihrem Mann]. 8Und die zwei werden ein Fleisch sein. Also sind sie nicht mehr zwei [chirurgisch Getrennte bzw. auseinander Genommene], sondern ein Fleisch. 9Was Gott zum Paar verbunden hat, soll ein Mensch nicht trennen.« 10Im Haus fragten die Schüler/innen wie schon früher weiter nach. 11 Jesus antwortete ihnen: »Wer seine Frau entlässt und heiratet eine andere, der begeht ihr gegenüber Ehebruch. 12 Entlässt sie ihren Mann  und heiratet einen anderen, dann begeht sie Ehebruch.«[1]

 

Liebe Gemeinde,

 

der Predigttext zeigt uns heute die Eheauffassung Jesu im Markusevangelium. Wir haben eben in der Schriftlesung aus Gen 16 gehört, dass das biblisch z. T. anders gesehen wird, Abraham hatte mit seiner Sklavin Hagar Sex – und diese bekam einen Sohn, den Ismael, der als Stammvater der Araber gilt. Der Koran schreibt diese biblische Geschichte fort – und entwickelt entsprechend ein anderes Eheverständnis, dass man/frau auch bei David, Salomo u. a. findet, nämlich dass ein Mann mehrere Frauen haben kann. (more…)

14. September 2016

Die „narzisstische“ Frau Merkel? (Alltagsphilosophische Kolumne I)

Der gestrige Tag hielt ab 9.37 Uhr eine positive Überraschung bereit: Ob Politiker Seelsorger/innen sein sollten, erörterten der Psychologe Maaz und der Pfarrer Gürtler im Gespräch mit Christiane Florin im DLF. Auch m. E. ist die Frage berechtigt, denn Gefühle bilden einen Aspekt beim Entstehen von Handlungen und Kommunikationen. Das ist seit der Antike bekannt – und der seit einiger beliebte Ausdruck „gefühlt“ im Unterschied zu „faktisch“ zeigt, dass dies in den Medien oft verdrängt wird. Die Frage, die gestern erörtert wurde, hatte freilich eine bestimmte Ausrichtung, die m. E. eher problematisch ist. Das war deswegen erträglich, weil der für steile verallgemeinerte (und empirisch wenig bestätigte) Hypothesen bekannte Maaz durch den aus der Bürgerrechtsbewegung stammenden Gürtler stark relativiert wurde. Das war so stark, dass Maaz nicht dazu kam, seine Hypothese über den aktuellen „Gefühlsstau“ auszusprechen, der die s. E. gefährliche Entwicklung seit einem Jahr ausgelöst hat. Ich ergänze das deswegen – und kann mir daher die Kritik zuziehen, dass er das alles schon mal gesagt hat, aber am 13.09. nicht wiederholt hat. M. E. macht seine Diagnose über Merkel und diejenigen, die mit ihr übereinstimmen, nur Sinn, wenn dieser Hintergrund unterstellt wird. (more…)

10. September 2016

Das „Aufstehen“ des „eingeschlafenen“ Lazarus (Joh 11 [EfG Griesheim])

Joh 11 1Es war jemand krank, Lazarus aus Betanien, aus dem Dorf von Maria und Martha, ihrer Schwester. 2Maria war die, die den Christus mit Salböl gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank. 3Die Schwestern schickten also zu ihm und ließen ihm sagen: Rabbi, sieh: Der, den du liebst, ist krank.« 4Als Jesus das hörte, sagte er: »Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern ist dazu da, dass der Sohn Gottes durch sie in göttlichem Glanz erstrahle.« 5Jesus liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus. 6Als er nun gehört hatte, dass Lazarus krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war. 7Anschließend sagte er seinen Schüler/innen: »Lasst uns wieder nach Judäa gehen!« 8Die Schüler/innen sagten ihm: »Rabbi, gerade haben die Menschen aus Judäa versucht, dich zu steinigen, und du gehst wieder dorthin?« 9Jesus antwortete: »Hat nicht der Tag zwölf Stunden? Alle, die am Tag herumlaufen, stolpern nicht, denn sie sehen das Licht dieser Welt; 10alle aber, die bei Nacht herumlaufen, stolpern, weil das Licht nicht in ihnen ist.« 11So redete er, und danach sagte er ihnen: »Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen, ich gehe, um ihn aufzuwecken.« 12Da sagten ihm die Schüler/innen: »Rabbi, wenn er eingeschlafen ist, wird er geheilt werden.« 13Jesus hatte aber über seinen Tod geredet, sie dagegen meinten, dass er über das gewöhnliche Einschlafen geredet hätte. 14Da sagte Jesus ihnen ganz offen: »Lazarus ist gestorben, 15und ich freue mich euretwegen, dass ich nicht dort war: Ihr sollt nämlich zum Glauben kommen. Aber lasst uns zu ihmgehen!« 16Da sagte Thomas, genannt Zwilling, zu den anderen Schüler/innen: »Lasst auch uns gehen, damit wir mit ihm sterben.« 17Jesus ging also und fand, dass Lazarus schon vier Tage im Grab war. 18Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa drei Kilometerentfernt. 19Viele von den Menschen aus ihrem Volk waren zu Martha und Maria gekommen, um sie wegen des Bruders zu trösten. 20Als Martha nun hörte, Jesus würde kommen, ging sie ihm entgegen. Maria aber blieb im Haus sitzen. 21Martha nun sagte:»Rabbi, wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben. 22Aber auch jetzt weiß ich: Was auch immer du von Gott erbittest, wird Gott dir geben.« 23Jesus sagte ihr: »Dein Bruder wird aufstehen!« 24Marta sagte ihm: »Ich weiß, dass er aufstehen wird beim Aufstehen am letzten Tag.« 25Jesus sagte ihr: »Ich bin das Aufstehen und das Leben: Alle, die an mich glauben, werden leben, auch wenn sie sterben; 26und alle, die leben und an mich *glauben, werden bis in *Ewigkeit nicht sterben. Jesus sagte ihr: »Dein Bruder wird aufstehen!« 24Martha sagte ihm: »Ich weiß, dass er aufstehen wird beim Aufstehen am letzten Tag.«25Jesus sagte ihr: »Ich bin da Aufstehen und das Leben: Alle, die an mich glauben, werden leben, auch wenn sie sterben; 26und alle, die leben und an mich glauben, werden bis in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das?« 27Sagt sie ihm: »Ja, Rabbi, ich bin zum Glauben gekommen, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt.« 28Nachdem sie dies gesagt hatte, ging sie weg und rief ihre Schwester Maria und sagte ihr heimlich: »Der Lehrer ist da und ruft dich.« 29Als jene dies hörte, stand sie schnell auf und ging zu ihm. 30Jesus war noch nicht ins Dorf gekommen, sondern war noch an dem Ort, wo Martha ihm begegnet war. 31Als nun die anderen jüdischen Menschen, die mit ihr im Haus gewesen waren und mit ihr getrauert hatten, sahen, wie Maria schnell aufstand und hinausging, folgten sie ihr, weil sie meinten, sie ginge zum Grab, um dort zu weinen. 32Als Maria dahin kam, wo Jesus war und ihn sah, warf sie sich zu seinen Füßen nieder und sagte ihm: »Rabbi, wenn du hier gewesen wärst, wäre mir der Bruder nicht gestorben.« 33Als Jesus sie weinen sah und auch die anderen Jüdinnen und Juden, die mit ihr gekommen waren, weinten –, war er innerlich aufgewühlt und erschüttert 34und sagte: »Wo habt ihr ihn hingelegt?« Sie sagten ihm: »Rabbi, komm und sieh!« 35Jesus weinte. 36Da sagten die anderen jüdischen Menschen: »Sieh, wie er ihn geliebt hat.« 37Aber einige von ihnen sagten: »Hätte nicht jener, der die Augen des Blinden geöffnet hat, auch etwas machen können, damit dieser nicht sterben musste?« 38Jesus nun, wiederum innerlich ergrimmt, kam zum Grab. Es war eine Höhle und ein Stein lag vor ihr. 39Jesus sagte: »Hebt den Stein fort!« Martha, die Schwester des Verstorbenen, sagte ihm: »Rabbi, er stinkt schon, er ist ja vier Tage alt.« 40Jesus sagte ihr: »Habe ich dir nicht

gesagt: Wenn du glaubst, wirst du den Glanz Gottes sehen?« 41Sie hoben nun den Stein fort. Jesus aber hob die Augen nach oben und sagte: »Du, Gott, ich danke dir, dass du mich gehört hast. 42Ich wusste, dass du mich immer hörst, aber wegen der Leute, die hier stehen, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.« 43Als er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: »Lazarus, komm heraus!« 44Es kam der Gestorbene heraus, umwickelt an den Füßen und den Händen mit Binden und sein Gesicht war von einem Tuch bedeckt. Jesus sagte ihnen: »Befreit ihn und lasst ihn gehen!« (teilweise an die Bibel in gerechter Sprache, z. St., angelehnt)

Liebe Gemeinde,

der 16. Sonntag nach Trinitatis konfrontiert uns mit dem Aufstehen bzw. Aufgewecktwerden des toten Lazarus – es ist ein langer Text. Das Johannesevangelium ist im Neuen Testament derjenige Text, der am reflektiertesten  mit der frühchristlichen Bilderwelt umgeht – und explizit die Leser/inn/en an der Interpretation dieser Bilder beteiligt, sie sozusagen auf den Bildlichkeitscharakter christlicher Redeweisen  stößt. (more…)