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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


24. September 2018

17. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis – EfG Gries­heim

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14Als die vier zu den ande­ren Schüler*innen kamen, sahen sie viel Volk um sie her­um und Schrift­ge­lehr­te, die mit ihnen dis­ku­tier­ten. 15Sobald die Leu­te Jesus erblick­ten, geriet das gan­ze Volk in ehr­fürch­ti­ges Stau­nen. Alle lie­fen her­bei und begrüß­ten ihn. 16Er frag­te sie: »Wor­über dis­ku­tiert ihr mit mei­nen Ver­trau­ten?« 17Einer aus dem Volk ant­wor­te­te Jesus: »Leh­rer, ich habe mei­nen Sohn zu dir gebracht. Er hat einen Geist in sich, der ihn sprach­los macht. 18Wo immer er ihn packt, wirft er ihn zu Boden. Mein Sohn hat dann Schaum vor dem Mund, knirscht mit den Zäh­nen und wird starr. Ich habe dei­ne Schüler*innen gebe­ten, sie möch­ten ihn von dem krank machen­den Geist befrei­en, doch sie hat­ten nicht die Kraft.« 19Jesus ent­geg­ne­te ihnen: »Oh, ihr Mit­men­schen ohne Ver­trau­en, wie lan­ge wer­de ich bei euch sein? Wie lan­ge wer­de ich euch ertra­gen? Bringt den Jun­gen zu mir!«
20Sie brach­ten den Jun­gen zu ihm. Als der Jun­ge Jesus sah, riss der Geist ihn sofort hin und her. Er fiel auf die Erde, wälz­te sich und hat­te Schaum vor dem Mund. 21Jesus frag­te den Vater: »Wie lan­ge lei­det er schon dar­an?« Der Vater sag­te: »Von klein auf; 22schon oft hat der Geist mein Kind ins Feu­er oder ins Was­ser gewor­fen, um es zu töten. Wenn du die Macht hast, hilf uns und hab mit uns Erbar­men!« 23Jesus ent­geg­ne­te ihm: »Was heißt: wenn du die Macht hast? Alles ist mög­lich für die­je­ni­gen, die ver­trau­en!« 24Da schrie der Vater des Kin­des auf und sag­te: »Ich ver­traue, hilf mei­nem Man­gel an Ver­trau­en.« 25Als Jesus sah, dass das Volk zusam­men­lief, bedroh­te er den unrei­nen Geist und sag­te zu ihm: »Du sprach­los und taub machen­der Geist, ich gebie­te dir, lass den Jun­gen frei und belas­te ihn nie wie­der!« 26Da schrie der Geist auf, schüt­tel­te den Jun­gen hef­tig und gab ihn frei. Der Jun­ge lag wie tot da, sodass die Men­ge sag­te: »Er ist gestor­ben.« 27Jesus nahm sei­ne Hand, ließ ihn auf­ste­hen, und er stand aus sei­ner Krank­heit auf.
28Nachdem er in ein Haus hin­ein­ge­gan­gen war, frag­ten ihn sei­ne Schüler*innen, als sie allein waren: »Wie kommt es, dass wir ihn nicht von dem Geist befrei­en konn­ten?« 29Er ant­wor­te­te: »Von die­ser Dämo­nen­art kön­nen Men­schen nur durch das Gebet befreit wer­den.« (Vgl. BgS, zur Stel­le)

Lie­be Gemein­de,

zum 17. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis ein Text, der von der Tie­fe des Glau­bens bzw. Ver­trau­ens erzählt. Vier Schü­ler*innen ist die Aus­trei­bung nicht geglückt, daher bit­tet der Vater Jesus:
»Wenn du die Macht hast – hilf uns und hab mit uns Erbar­men.« 23Jesus ent­geg­ne­te ihm: »Was heißt: >Wenn du die Macht hast<?“

Die Schüler*innen fra­gen, war­um es ihnen nicht gelun­gen sei. Jesus weist dar­auf­hin, dass sol­che Geis­ter durch Gebet aus­füh­ren. Wer hat also gebe­tet? Jesus nicht, es wird jeden­falls nichts davon erzählt. Jesus hat dem Vater mit­ge­teilt, dass es nicht um sei­ne, um Jesu, Macht gehe, son­dern um das­je­ni­ge, was jemand errei­chen kön­ne, der ver­traut. Gemeint ist, dass er oder sie auf Gott ver­traut. Schlicht alles sei einem Men­schen mög­lich, der auf Gott ver­traue. Der Vater spürt das Unge­heu­re die­ser Aus­sa­ge und bit­tet Jesus schrei­end um Hil­fe, sein man­geln­des Ver­trau­en zu ver­bes­sern bzw. die­sem auf­zu­hel­fen. Der Schrei des Vaters ist ein Bitt­ge­bet. Und so ver­traut der Vater – und der Geist beginnt sei­nen Sohn zu ver­las­sen. Eine anti­ke Wun­der­sto­ry, ein Mythos, wie in der anti­ken Rhe­to­rik gesagt wird, eine Erzäh­lung von Gött*innen oder Hero*innen, hel­den­haf­ten Men­schen, wie sie auch bei Grie­chen und Römern hät­te erzählt wer­den kön­nen – und in einer Schrift über die soge­nann­te „Hei­li­ge Krank­heit“ in der Hip­po­kra­ti­schen Samm­lung aus anti­ker medi­zi­ni­scher Sicht wur­den der­ar­ti­ge Sto­rys kri­ti­siert. Einer der Irr­tü­mer in der Aus­le­gung der Bibel besteht dar­in, dass erst mit der Auf­klä­rung seit dem 17. Jahr­hun­dert Sto­rys die­ser Art infra­ge gestellt wur­den, das ist spä­tes­tens seit dem vier­ten Jahr­hun­dert v. d. Z. der Fall – und die Bibel beginnt min­des­tens seit der Über­set­zung ins Grie­chi­sche damit, sol­che mythi­schen Erzäh­lun­gen als bild­lich zu ver­ste­hen. Was bringt das? Die anti­ke Medi­zin ver­stand sich als Kunst­leh­re, man wen­de­te bekann­te Regeln an, konn­te aber nicht garan­tie­ren, dass die­se im Ein­zel­fall auch wirk­sam waren. Daher gehör­te die Eigen­ak­ti­vi­tät der Patient*innen mit zum Hei­lungs­pro­zess – und das ist auch heu­te unter den Beson­ne­nen in der aktu­el­len Medi­zin der Fall. Eine reli­giö­se bild­li­che Erzäh­lung, wel­che die Kraft bzw. Macht des Ver­trau­ens auf Gott zum The­ma hat, ist daher nicht ein­fach unter­ge­gan­gen. Wir erle­ben ähn­li­che Erzäh­lun­gen in Seri­en­pro­duk­ten im Fern­se­hen, etwa in den „Berg­ret­tern“ bzw. im „Berg­dok­tor“ im ZDF. Die Pro­fes­sio­nel­len haben die Aura von Hero*innen. Sie machen natür­lich wis­sen­schaft­lich alles kor­rekt. Aber sie ach­ten auf die Bezie­hung zu den Patient*innen, gera­de bei schein­bar aus­sichts­lo­sen Fäl­len. Oft spielt weni­ger Reli­gi­on als Ero­tik oder Fami­li­en­be­zie­hun­gen eine die Patient*innen moti­vie­ren­de Rol­le. Die­ses Moti­va­ti­ons­mo­tiv ist in unse­rer Erzäh­lung aus­schlag­ge­bend. Denn: Wer auf Gott ver­traut, dem ist alles mög­lich! Das setzt vor­aus, dass es ver­schie­de­ne Auf­fas­sun­gen über Gesun­dun­gen geben kann, die eher agnos­ti­sche Medi­zi­ne­rin, die von „Spon­tan­hei­lung“ spricht. Eine Glau­ben­de aber wird eher beto­nen, dass sie den Gesund­heits­fort­schritt ihrem Ver­trau­en auf Gott bzw. ihrem Glau­ben an Gott ver­dan­ke. Das wider­spricht sich auch nicht. Die Glau­ben­den haben schon in der Anti­ke ver­stan­den, dass man/frau reli­gi­ös nicht „wis­sen­schaft­lich“ über Hei­lung spre­chen soll­te, son­dern bild­lich. Und unse­re Erzäh­lung spricht vom Ein­fluss des stell­ver­tre­ten­den ver­trau­en­den Gebe­tes eines Vaters auf die Gesun­dung sei­nes Soh­nes. Was ist gemeint? Wenn wir selbst oder Fami­li­en­glie­der, auch ande­re Gemein­de­glie­der erkran­ken, ist Depres­si­on nicht hilf­reich. Der Vater ist ver­zwei­felt – und erhofft die Hei­lung sei­nes Sohns von einem Wun­der­tä­ter. Die­ser spricht zu ihm: »Was heißt: >Wenn du die Macht hast<? Alles ist mög­lich für die­je­ni­gen, die ver­trau­en!«
Der Vater ver­fällt nicht in Depres­si­on, son­dern bit­tet um Hil­fe wegen sei­nes man­geln­den Ver­trau­ens.
Das scheint mir selbst auch das Haupt­pro­blem zu sein. https://www.mdr.de/religion/religion/thema-der-woche102.htmlhttps://www.mdr.de/religion/religion/thema-der-woche102.html
Es gibt empi­ri­sche Stu­di­en, die zu bele­gen schei­nen, dass Ver­trau­en auf oder Glau­be an Gott die medi­zi­ni­schen Hei­lungs­chan­cen zu ver­bes­sern schei­nen. Wie immer es damit ste­hen mag, unse­re Erzäh­lung scheint auf etwas zu ver­wei­sen, von dem ich eher nicht glau­be, dass es in sol­chen Stu­di­en erfragt wird.
Wie kommt es zu die­sem Ver­trau­en, dass alles mög­lich ist bzw. wird? Nach mei­ner Erfah­rung am ehes­ten so, dass man alles tut, was einem selbst als mög­lich erscheint. Ruhig, gelas­sen und nicht hek­tisch tun, was einem selbst als mög­lich erscheint. Mir selbst ist es gele­gent­lich so gegan­gen, dass ich ängst­lich und sor­gen­voll auf bestimm­te Ent­wick­lun­gen gestarrt habe – und sich dies dann als nega­tiv her­aus­ge­stellt hat. Der Vater nimmt Hil­fe an und hat dann die Ruhe, stell­ver­tre­tend für sei­nen Sohn ange­foch­ten zu ver­trau­en. Sein Sohn wird geheilt.
Unser Ver­trau­en auf Gott kann ange­foch­ten sein wie das­je­ni­ge des Vaters. Er schreit ja. Das soll uns nicht ent­mu­ti­gen, son­dern ermu­ti­gen. Näm­lich ermu­ti­gen, gelas­sen zu wer­den. Denn das alles mög­lich wird, braucht manch­mal Geduld.

Mit dem Vater rufen wir:

»Ich ver­traue, hilf mei­nem Man­gel an Ver­trau­en.«

Amen

8. September 2018

Die Mut­ter aller Pro­ble­me

SZ-Foto

Dass die Migration(sfrage) die Mut­ter aller Pro­ble­me sein soll, ist von #Mut­ti sach­lich zurück­ge­wie­sen wor­den. Es han­de­le sich um Her­aus­for­de­run­gen, neben Pro­ble­men gebe es auch Erfol­ge. Man muss #See­ho­fer frei­lich Respekt zol­len, er befin­det sich auf gutem Weg ein gro­ßer Twit­te­rer vor dem Herrn wie @realDonaldTrump zu wer­den. Logisch ist die­ser Sinn­spruch nicht, weil der All­quan­tor empi­risch nicht zu kon­trol­lie­ren ist. Empi­risch hat die Kanz­le­rin das Nöti­ge gesagt. Immer­hin lässt sich der Sinn­spruch als Über­trei­bung ver­ste­hen.
Ent­schei­den­der ist der Ges­tus des kol­por­tier­ten See­ho­fer­schen Sinn­spruchs. Für alle Pro­ble­me ist #Mut­ti mit ihrer Fehl­ent­schei­dung von 2015 ver­ant­wort­lich. Mer­kel muss weg, nur lei­der war das recht­lich o. k., wie der EuGH bestä­tigt hat. Also kämpft die CSU zusam­men mit ande­ren Kräf­ten dar­um, die­sen Feh­ler wie­der gut zu machen.
Dass tat­säch­lich Migrant*innen an der Tötung eines Deutsch-Kuba­ners in #Chem­nitz betei­ligt waren, ist der rea­le Hin­ter­grund. Aber das bei AfDC­SU belieb­te Argu­ment, dass das auf #Mut­ti zurück­ge­he, ist unhalt­bar. Sicher lässt sich ver­tei­di­gen, dass ohne #Mer­kel die­se wohl nicht dage­we­sen wären, schon die unter­blie­be­ne Abschie­bung eines Ver­däch­ti­gen nach Bul­ga­ri­en geht auf ande­re Betei­lig­te zurück. Und für das­je­ni­ge, was ein Mensch tut, ist die Kanz­le­rin nicht ver­ant­wort­lich zu machen.
Daher liegt hier eine unzu­läs­si­ge Ver­all­ge­mei­ne­rung vor. Weder töten Migrant*innen mehr als Deut­sche noch ver­ge­wal­ti­gen sie häu­fi­ger. Lei­der sind nicht alle vor­bild­li­che Men­schen – wie eini­ge Deut­sche auch nicht. Das ent­täuscht sicher­lich eini­ge Men­schen. Aber war das anders zu erwar­ten?
Die ver­all­ge­mei­nern­de Skan­da­li­sie­rung der Taten von Frei­burg, Kan­del und Chem­nitz geht daher in eine fal­sche Rich­tung. Es geht statt­des­sen um ruhi­ge und rea­lis­ti­sche Wahr­neh­mung.
Logisch und empi­risch ist See­ho­fers Sinn­spruch nicht gehalt­voll. Rhe­to­risch immer­hin ein Ver­such. Es geht aber um die prag­ma­ti­sche Poin­te. Die­se liegt in der Bestim­mung der Bedeu­tung des The­mas. Nach einer EMNID-Umfra­ge ist die Flücht­lings­fra­ge nicht mehr pro­mi­nent. Das soll für den Wahl­kampf wie­der anders wer­den. Ob das der CSU nützt – oder doch der AfD? Soll­te das Letz­te­re der Fall sein, hat sich das Pro­blem #See­ho­fer mut­maß­lich erle­digt.
Es ist viel­leicht kein Zufall, dass die Sicht der Kanz­le­rin auch vom säch­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten und vom Ver­fas­sungs­schutz-Prä­si­den­ten ange­grif­fen wird. In ihrem RTL-Som­mer­inter­view weist sie dar­auf hin, dass die Ver­fol­gung von Men­schen bei #Chem­nitz doku­men­tiert sei. Es ist daher m. E. not­wen­dig, dass die Sozialdemokrat*innen hier wach­sam tätig sind. Ob die CSU über­haupt noch regie­rungs­fä­hig oder auch -wil­lig ist, scheint eine offe­ne Fra­ge zu sein.

5. September 2018

Rechts­po­pu­lis­mus? Zur Kri­tik eines in den Medi­en belieb­ten Begriffs

 

Der Begriff wird z. B. auch von seriö­sen Poli­tik­wis­sen­schaft­ler*innen wie @ulrikeguerot über­nom­men, frei­lich wohl nicht ganz über­zeugt. Ich ver­su­che die Gene­se des Begriffs in den letz­ten 30 Jah­ren zu erfas­sen. Der „Populismus“-Begriff ist in jün­ge­rer Zeit im Kon­text der neo­li­be­ra­len Refor­men ent­stan­den bzw. auf­ge­nom­men wor­den, als neo­li­be­ra­le Auf­fas­sun­gen im Sin­ne von Hay­eks für vie­le gesell­schaft­li­che Berei­che als nor­ma­tiv gal­ten bzw. gel­ten soll­ten – und nicht nur als eine Auf­fas­sung zur Opti­mie­rung des Wirt­schafts­sys­tems, etwa im Unter­schied zu keyne­sia­ni­schen Ide­en. Kri­ti­ker*innen der Refor­men wie Oskar Lafon­tai­ne wur­den als „Popu­lis­ten“ bezeich­net, weil sie den neo­li­be­ra­len Rah­men nicht als „ver­nünf­tig“ ansa­hen – und eher (links)keynesianische Model­le etwa in der Fra­ge der Ren­ten­po­li­tik emp­fah­len. „Popu­lis­mus“ soll­te besa­gen, es wird nur ein Teil der Bevöl­ke­rung berück­sich­tigt, aber für das gesam­te Sys­tem sei die neo­li­be­ra­le Sicht­wei­se ver­nünf­tig bzw. ange­mes­sen. Die neo­li­be­ra­le Argu­men­ta­ti­ons­wei­se ist häu­fig ethisch mit einer uti­li­ta­ris­ti­schen Sicht­wei­se ver­bun­den. Lafon­tai­nes Kri­tik dage­gen sei „linkspopu­lis­tisch“. Inzwi­schen ist die Dis­kus­si­on z. B. wg. der „Alters­ar­mut“ wie­der offe­ner gewor­den. So sind ca. 75 % der Bürger*innen zudem nach einer FOR­SA-Umfra­ge davon über­zeugt, dass ein „star­ker Staat“ uner­läss­lich sei, was sowohl sozi­al als auch öko­no­misch gel­ten soll. https://www.abendblatt.de/politik/article208116845/Fast-drei-Viertel-der-Deutschen-fuer-starken-Staat.html

M. E. ist die Ver­wen­dung des Aus­drucks „Rechtspopu­lis­mus“ ähn­lich zu beschrei­ben. Hier spielt die Inter­pre­ta­ti­on des Slo­gans „Wir sind das Volk!“ der Bür­ger­rechts­be­we­gung in der DDR eine bedeu­ten­de Rol­le. Ursprüng­lich bezeich­ne­ten die Bürgerrechtler*innen damit den Sach­ver­halt, dass die DDR-Ver­fas­sung alle Bür­ger­rech­te ent­hielt, die­se aber durch die dik­ta­to­ri­sche Pra­xis der Bevöl­ke­rung nicht gewährt wur­den – was zum fried­li­chen und gewalt­lo­sen Wider­stand gegen SED und Staats­si­cher­heit berech­tig­te. Doch es gab wohl früh schon natio­na­lis­ti­sche Inter­pre­ta­tio­nen die­ses Slo­gans: „Wir sind die Ver­tre­ter des (deut­schen) Vol­kes!“, wie man para­phra­sie­ren könn­te. Dar­auf bezie­hen sich PEGI­DA und AfD. Nun ist es so, dass die AfD zur­zeit am ehes­ten 20 % der Bevöl­ke­rung reprä­sen­tiert, also nicht „das Volk“. Wie das „ZDF-Som­mer-Inter­view“ von Tho­mas Wal­de mit Alex­an­der Gau­land zeigt, ist das der AfD-Füh­rung bewusst. So kann sie hin­rei­chend Unord­nung schaf­fen, ein schar­fer Oppo­si­ti­ons­kurs erscheint ihr aus­rei­chend und legi­tim. Das Schau­spiel der Kri­tik des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters Horst See­ho­fer an der Bun­des­kanz­le­rin und die zeit­wei­se Läh­mung des Regie­rungs­ap­pa­ra­tes ist ein Zei­chen dafür, dass die­se Stra­te­gie funk­tio­niert. Ob es zu einer rela­ti­ven Inte­gra­ti­on von AfD-The­sen kommt, ist noch nicht abseh­bar, scheint aber wahr­schein­lich. Denn die ande­ren Par­tei­en möch­ten ihre Wähler*innen zurück, das ist nicht nur bei CDSU der Fall, son­dern auch bei SPD und „Auf­ste­hen“. Man/frau kann nur hof­fen, dass dabei die Huma­ni­tät und der Art. 1 GG beach­tet wer­den. Jeden­falls ist klar gewor­den, dass die Furcht vor frem­den Men­schen doch ein wesent­li­ches Ele­ment in vie­len Bevöl­ke­rungs­grup­pen ist. Die erstaun­li­che Erfolg­lo­sig­keit der auf­klä­re­ri­schen Beschrei­bung des Islam zeigt m. E. die star­ke Domi­nanz von Emo­tio­nen bzw. antik Lei­den­schaf­ten wie Furcht bzw. Angst bei der Erör­te­rung die­ser Fra­ge. Was kann also die phi­lo­lo­gisch und reli­gi­ons­ge­schicht­lich auf­schluss­rei­che Arbeit der Ber­li­ner Ara­bi­stin #Ange­li­ka­Neu­wirth gegen den bil­dungs­fer­nen Zynis­mus des frü­he­ren Ber­li­ner Finanz­se­na­tors und rech­ten Sozi­al­de­mo­kra­ten #Thi­loS­ar­ra­zin aus­rich­ten?
M. E. erscheint es daher emp­feh­lens­wert, anstel­le der schein­bar über­le­ge­nen Pole­mik gegen „Rechts­po­pu­lis­mus“ eher auf die zum Aus­gleich ten­die­ren­den poli­ti­schen Pro­zes­se zu ach­ten – und dabei zu ver­su­chen, Huma­ni­tät und die Wür­de aller Men­schen zu bewah­ren. Es ist ethisch genau­so gut, Men­schen in ihren Hei­mat­län­dern zu hel­fen wie hier. Ver­zicht auf schein­bar über­le­ge­ne Pole­mik gegen „Rechts­po­pu­lis­mus“ ist auch des­halb emp­feh­lens­wert, weil sich häu­fi­ger zeigt, dass die Idea­li­sie­rung von Grup­pen wie „Flücht­lin­gen“ nicht ent­täu­schungs­fest ist, was zuletzt in #Chem­nitz wie­der deut­lich wur­de.

28. August 2018

#Chem­nitz

Pogrom­stim­mung in Chem­nitz

Das Ermor­den (?) eines deutsch-kuba­ni­schen jun­gen Man­nes durch mut­maß­lich Migran­ten hat in #Chem­nitz zu der Jagd auf Ausländer*innen sei­tens ca. 800 rech­ten ent­hemm­ten Men­schen geführt, was auch durch im Inter­net ver­brei­te­te Auf­ru­fe aus­ge­löst wur­de. Es han­delt sich um ein Pogrom.
Die Rechts­staats­fra­gen wur­den aus­führ­lich erör­tert, es bleibt fest­zu­hal­ten, dass in Sach­sen die­ser z. T. nicht zu exis­tie­ren scheint. Hier ist die Fra­ge zu stel­len, ob ersatz­wei­se nicht Ein­hei­ten der Bun­des­po­li­zei ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Die Frei­heit der Pres­se wird vom Minis­ter­prä­si­den­ten und Tei­len der Poli­zei miss­ach­tet, der Schutz von Leib und Leben wur­de in #Chem­nitz außer Kraft gesetzt. Jeden­falls braucht die säch­si­sche CDU eine Inten­siv­kur durch #Mut­ti.
Was aber auch die Auf­ga­be der säch­si­schen SPD sein könn­te. Sie regiert in einer Regie­rung mit, wel­che das Grund­ge­setz z. T. miss­ach­tet. Wenn sie das ändern könn­te, gewön­ne sie mög­li­cher­wei­se Pro­fil. Die SPD ist die­je­ni­ge demo­kra­ti­sche Par­tei, die dem Ermäch­ti­gungs­ge­setz nicht zuge­stimmt hat. Und es ist unüber­seh­bar, dass die säch­si­sche CDU z. T. nicht mehr ver­fas­sungs­treu ist.

11. August 2018

Gal 2,16ff: Mys­tik für uns? – EfG Gries­heim

16Aber wir wis­sen, dass kein Mensch ins Recht gesetzt wird durch vor­schrifts­mä­ßi­ge Erfül­lung der Geset­zes­ver­ord­nung, son­dern nur durch den Glau­ben an bzw. das Ver­trau­en auf Jesus, den Chris­tus. Dar­um sind auch wir zum Ver­trau­en auf den Chris­tus Jesus gelangt, damit wir ins Recht gesetzt wür­den aus de–m Glau­ben an bzw. Ver­trau­en auf den Chris­tus und nicht aus vor­schrifts­mä­ßi­ger Erfül­lung der Geset­zes­ver­ord­nung. Denn aus vor­schrifts­mä­ßi­ger Erfül­lung der Geset­zes­ver­ord­nung gibt es kei­ne Gerech­tig­keit für die Mensch­heit als gan­ze. 17Aber wenn nun wir, die wir ins Recht gesetzt wer­den wol­len durch den Chris­tus, auch selbst als Sün­de­rin­nen und Sün­der daste­hen, ist dann der Chris­tus ein Hand­lan­ger der Sün­de? Nein, und aber­mals nein. 18Stattdessen: Wenn ich genau das wie­der auf­rich­te, was ich nie­der­ge­ris­sen habe, bezich­ti­ge ich mich selbst der Über­tre­tung. 19Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestor­ben, damit ich für Gott lebe. Mit dem Chris­tus bin ich mit­ge­kreu­zigt wor­den. 20Und ich lebe nicht mehr, son­dern in mir lebt der Chris­tus. Was ich jetzt in mei­ner leib­li­chen Exis­tenz lebe, lebe ich im Ver­trau­en auf den Sohn Got­tes, der mich geliebt und sich selbst aus­ge­lie­fert hat für mich. 21Ich erklä­re nicht das Geschenk der Zuwen­dung Got­tes für null und nich­tig. Denn wenn die Gerech­tig­keit durch gesetz­te Ord­nung käme, wäre der Chris­tus umsonst gestor­ben. (Vgl. BgS, zur Stel­le.)

Lie­be Gemein­de,

zum 11. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis ein Text des Pau­lus, der das geset­zes­freie Evan­ge­li­um für die Christ*innen in Gala­ti­en in unse­rem bzw. ihrem Mit­ster­ben und Mit­ge­kreu­zigt­wer­den mit Chris­tus begrün­det. (more…)

7. Juli 2018

Mit­be­gra­ben- und Mit­ge­kreu­zigt­wer­den mit Jesus – die Tau­fe nach Röm 6, EfG Gries­heim

 

 

1Was schlie­ßen wir dar­aus? Sol­len wir unter der Herr­schaft der Sün­de blei­ben, damit die gött­li­che Zuwen­dung anwach­se? 2Gewiss nicht! Die Ver­bin­dung zwi­schen uns und der Herr­schaft der Sün­de ist abge­stor­ben. War­um soll­ten wir wei­ter in ihrem Macht­be­reich leben?
3Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir in den Chris­tus Jesus hin­ein getauft wur­den, in sei­nen Tod hin­ein getauft wur­den? 4Durch die Tau­fe sind wir mit ihm zusam­men begra­ben, sodass auch wir der Macht der Sün­de abge­stor­ben sind. Jetzt kön­nen auch wir in einem erneu­er­ten Leben unse­ren Weg gehen, eben­so wie der Chris­tus von den Toten „auf­ge­weckt“ wur­de durch den Glanz Got­tes, des Ursprungs allen Lebens. 5Wenn wir näm­lich mit ihm zusam­men­ge­wach­sen sind in der Gestalt sei­nes Todes, so wer­den wir es gewiss auch in der Gestalt sei­nes „Auf­ste­hens“ sein.
6Dieses wis­sen wir doch: Unser alter Mensch wur­de mit­ge­kreu­zigt. So ist der ver­sklav­te Leib tot, und wir müs­sen der Macht der Sün­de nicht län­ger die­nen. 7Denn wer so gestor­ben ist, ist von jedem Rechts­an­spruch der Macht der Sün­de los­ge­spro­chen. 8Da wir zusam­men mit dem Chris­tus gestor­ben sind, kön­nen wir auch dar­auf ver­trau­en, dass wir zusam­men mit ihm leben wer­den. 9Wir wis­sen doch, dass der Chris­tus, der von den Toten „auf­ge­weckt“ wur­de, nie­mals mehr stirbt: Der Tod hat kei­ne Gewalt mehr über ihn. 10Mit dem Tod, den er starb, starb die Bezie­hung zur Herr­schaft der Sün­de ein für alle Mal. Das Leben, das er lebt, lebt er in Bezie­hung zu Gott. 11Genauso sollt ihr euch ver­ste­hen: als der Herr­schaft der Sün­de abge­stor­ben, leben­dig in der Bezie­hung zu Gott im Chris­tus Jesus.
12Nun soll die Sün­de in eurem sterb­li­chen Leib nicht mehr regie­ren. Sie nötigt uns dazu, sei­ner Gier zu gehor­chen. 13Stellt die Glie­der eures Leibs nicht län­ger als Waf­fen der Unge­rech­tig­keit in den Dienst der Macht der Sün­de. Ihr, die ihr gleich­sam von Toten zu Leben­di­gen gewor­den seid, stellt euch Gott zur Ver­fü­gung und die Glie­der eures Lei­bes als Werk­zeu­ge der Gerech­tig­keit in den Dienst Got­tes. 14Die Sün­de wird nicht eure Her­rin blei­ben. (Vgl. Bibel in gerech­ter Spra­che)

 

Lie­be Gemein­de,

vor einer bap­tis­ti­schen Gemein­de über einen Tauf­text zu pre­di­gen, setzt wohl vor­aus, dass man sich selbst erklärt. Ich bin selbst mit 15 in Hil­chen­bach im Sie­ger­land in einem Tauf­be­cken getauft wor­den und hät­te es gut gefun­den, wenn mei­ne bei­den Kin­der im Kon­text der Kon­fir­ma­ti­on getauft wor­den wären, was auch eine Fra­ge der Reli­gi­ons­mün­dig­keit ist. (more…)

27. Mai 2018

EfG Gries­heim: Pre­digt zu Tri­ni­ta­tis

 

 

Gott hat alle in ihrem Starr­sinn ein­ge­schlos­sen, um allen Barm­her­zig­keit zu schen­ken. 33Welch’ uner­mess­li­cher Reich­tum Got­tes, welch’ tie­fe Weis­heit und uner­schöpf­li­che Erkennt­nis! Uner­forsch­lich sind die gött­li­chen Ent­schei­dun­gen, uner­gründ­lich die gött­li­chen Wege. 34Denn wer hat je die Gedan­ken des Leben­di­gen erfasst? Wer hat ihm je einen Rat gege­ben? 35Wer hat Gott jemals etwas gege­ben, das zurück­er­stat­tet wer­den müss­te? 36Alles hat sei­nen Ursprung in Gott, alles exis­tiert durch Gott und auf Gott hin. Ehre sei Gott durch Zei­ten und Wel­ten, Amen (Bibel in gerech­ter Spra­che).

Lie­be Gemein­de,

Gott hat alle in ihren Starr­sinn ein­ge­schlos­sen, um sich aller zu erbar­men, J*uden und Nichtj*uden. Auch die J*uden wer­den geret­tet, Gott erbarmt sich ihrer, obgleich sie Jesus ableh­nen.
Das ist Pau­lus Anlass dazu einen Psalm zu schrei­ben, der auch auf bibli­sche Psal­men zurück­greift. Heu­te ist Tri­ni­ta­tis, also der Sonn­tag, an dem die christ­li­chen Gemein­den die drei­ei­ni­ge Gestalt Got­tes beson­ders beto­nen, Gott als Schöp­fer, Gott als Teil­neh­mer an der Mensch­heits­ge­schich­te in Auf­tre­ten, Lei­den und Ster­ben sowie „Auf­ste­hen“ Jesu Chris­ti – und Gott als Geist, der sich uni­ver­sal aus­brei­tet und Gott in der gesam­ten Welt prä­sent macht. (more…)

22. April 2018

Act 17

16Während Pau­lus in Athen auf [Silas und Timo­theus] war­te­te, geriet er inner­lich in Zorn, als er sah, dass die Stadt voll von Göt­zen­bil­dern war. 17In der Syn­ago­ge rede­te er mit den Mit­glie­dern der jüdi­schen Gemein­de und denen, die Isra­els Gott ver­ehr­ten, und auf dem Markt täg­lich zu denen, die gera­de vor­bei­ka­men. 18Dabei gerie­ten auch eini­ge der phi­lo­so­phisch Gebil­de­ten mit ihm anein­an­der, die der epi­kurei­schen und stoi­schen Rich­tung anhin­gen. Die einen sag­ten: »Was wird denn die­ser Schwät­zer schon sagen wol­len?« Die ande­ren: »Ein Ver­kün­di­ger frem­der Gott­hei­ten scheint er zu sein«, weil er Jesus und „Auf­ste­hen“ ver­kün­de­te. 19Da nah­men sie ihn mit, führ­ten ihn auf den Areo­pag und sag­ten: »Kön­nen wir erfah­ren, was das für eine neue Leh­re ist, von der du redest? 20Es befrem­det uns näm­lich, was du uns zu Gehör bringst. Wir wol­len nun erfah­ren, was das sein soll.« 21Alle in Athen, Ein­hei­mi­sche und Frem­de, möch­ten es seit jeher auf kei­nen Fall ver­pas­sen, irgend­ei­ne Neu­ig­keit zu erzäh­len oder zu hören. 22Paulus stand nun mit­ten auf dem Areo­pag und sag­te: »Ihr Leu­te von Athen, ich sehe, wie reli­gi­ös ihr in jeder Hin­sicht seid. 23Denn als ich hier umher­ging und mir eure Hei­lig­tü­mer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Inschrift: ›Der unbe­kann­ten Gott­heit‹. Was ihr nun, ohne es zu ken­nen, ver­ehrt, das ver­kün­di­ge ich euch. 24Gott hat die Welt und alles in ihr gemacht, herrscht über Him­mel und Erde; Gott wohnt nicht in von Hän­den gemach­ten Tem­peln, 25lässt sich auch nicht von Men­schen­hän­den ver­sor­gen, hat nichts nötig, gibt doch selbst allen Leben, Atem und alles. 26Gott mach­te aus einem ein­zi­gen Men­schen das gesam­te Men­schen­ge­schlecht, damit sie sich über­all auf der Erde auf­hal­ten, bestimm­te für ihren Auf­ent­halt fest­ge­setz­te Zei­ten und bestimm­te, fes­te Gren­zen. 27So soll­ten sie suchen, ob sie wohl Gott ertas­te­ten und fän­den; ist Gott doch nicht fern von jeder und jedem von uns. 28Denn in Gott leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir. Wie es auch wel­che sagen, die bei euch gedich­tet haben: ›Wir sind ja gött­li­cher Her­kunft.‹ 29Weil wir nun gött­li­cher Her­kunft sind, dür­fen wir nicht mei­nen, das Gött­li­che glei­che Gold oder Sil­ber oder Stein, einem Gebil­de mensch­li­cher Kunst­fer­tig­keit und Ein­bil­dungs­kraft. 30Über die Zei­ten der Unwis­sen­heit nun hat Gott zwar hin­weg­ge­se­hen, for­dert aber jetzt die Men­schen über­all auf, dass sie alle umkeh­ren. 31Denn Gott hat einen Tag fest­ge­setzt, um an ihm die Mensch­heit gerecht zu rich­ten durch einen Mann, der dafür bestimmt und gegen­über allen aus­ge­wie­sen ist, weil Gott ihn von den Toten „auf­ste­hen“ ließ.« 32Als sie vom „Auf­ste­hen“ der Toten hör­ten, spot­te­ten die einen und die ande­ren sag­ten: »Dar­über wol­len wir dich ein ander­mal hören.« 33So ging Pau­lus von ihnen weg. 34Einige aber schlos­sen sich an und kamen zum Glau­ben, dar­un­ter auch Dio­ny­si­us, ein Mit­glied des Gerichts auf dem Areo­pag, sowie eine Frau namens Dama­ris und wei­te­re mit ihnen.

Lie­be Gemein­de,

der Pre­digt­text führt uns heu­te in eine bedeu­ten­de Stadt Euro­pas, die neben Jeru­sa­lem die wich­tigs­te Stadt für die Ent­wick­lung des Chris­ten­tums ist. Athen ist die Stadt der grie­chi­schen Phi­lo­so­phen, wo auch Sokra­tes auf dem Areo­pag Streit­ge­sprä­che führ­te. Und Pau­lus trifft Epi­ku­re­er und Stoi­ker. Die einen sind reli­gi­ons­skep­tisch, die ande­ren ver­tre­ten eine phi­lo­so­phi­sche Got­tes­kon­zep­ti­on, die alles umfasst. Es geht also strit­tig zu auf dem Areo­pag. Dazu ist dort die tra­di­tio­nel­le grie­chi­sche Reli­gi­on gegen­wär­tig, Tem­pel und Altä­re sind über­all in der Stadt vor­han­den. Als Jude, der das Bil­der­ver­bot in Ex 20 beach­tet, stö­ren Pau­lus die Bil­der bzw. Sta­tu­en von Göt­tern und Göt­tin­nen. Er wird zor­nig, mäßigt sich aber bald. Wie er dann in sei­ner Rede auf dem Areo­pag sagt, sei­en die Grie­chen ein reli­giö­ses Volk. Sie sei­en auch nicht fest­ge­legt, son­dern hät­ten neben den ver­ehr­ten Gött*innen auch einen Altar für den unbe­kann­ten Gott gebaut:

»Ihr Leu­te von Athen, ich sehe, wie reli­gi­ös ihr in jeder Hin­sicht seid. 23Denn als ich hier umher­ging und mir eure Hei­lig­tü­mer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Inschrift: ›Der unbe­kann­ten Gott­heit‹.

Pau­lus ver­sucht das zu nut­zen. Da sie so offen sei­en, nicht nur auf die bekann­ten Gött*innen zu set­zen, son­dern stets neu­gie­rig sei­en, ver­kün­di­ge er ihnen nun den unbe­kann­ten Gott. Bei die­sem han­de­le es sich um den Schöp­fer der Welt, der nicht in Tem­peln woh­ne. Nach ihm such­ten die Men­schen, die Jud*en, aber auch die Griech*en:

27So soll­ten sie suchen, ob sie wohl Gott ertas­te­ten und fän­den; ist Gott doch nicht fern von jeder und jedem von uns. 28Denn in Gott leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir.

Gott ist uns nahe, wir sind die Bil­der Got­tes, wir leben in Gott. Daher ist es nicht nötig, Tem­pel zu bau­en, Gött*innen zu bas­teln, in denen wir uns nur selbst ver­ge­gen­ständ­li­chen. Wir beten uns sozu­sa­gen selbst an. Jetzt wer­de die­ser Gott, den die Griech*en als unbe­kann­te Gott­heit ver­ehrt hät­ten, offen­bart und ihnen ver­kün­digt, er wer­de ihnen bekannt – und ihre Zeit der Unwis­sen­heit sei vor­bei. Das hän­ge mit den Gescheh­nis­sen um Jesus von Naza­reth zusam­men, der von Gott „auf­ge­weckt“ wor­den sei und als Wel­ten­rich­ter tätig wer­de.

Das hat Spott zur Fol­ge. Spä­ter kön­ne man dar­über spre­chen. Immer­hin konn­te Pau­lus eini­ge über­zeu­gen.

Die Situa­ti­on in Athen ist viel­leicht auch unse­re Situa­ti­on. Es gibt vie­le reli­giö­se Inter­pre­ta­tio­nen. Ich z. B. fin­de den bap­tis­ti­schen Ent­wurf von Mar­tin Luther King äußerst anspre­chend. Und natür­lich gibt es nicht­re­li­giö­se Inter­pre­ta­tio­nen. Pau­lus inter­pre­tiert das als Suche nach dem einen Gott, in dem wir alle leben und uns bewe­gen, der uns geschaf­fen hat, des­sen Bil­der wir sind – und wir sind mit Gott ver­wandt. Dass wir uns mit­hin strei­ten, soll­te uns nicht über­heb­lich gegen­über ande­ren Men­schen machen. Sie sind auf der Suche. Und alle suchen nach dem Gott, in dem wir leben und uns bewe­gen. Pau­lus bekommt sei­nen Zorn über die grie­chi­schen Götter*bilder in den Griff – und redet wei­se, ohne zu schimp­fen oder zu het­zen. Und damals lie­ßen sich eini­ge über­zeu­gen. Das ist ein hoff­nungs­vol­les Zei­chen dafür, dass das ruhi­ge Gespräch der Suche nach Gott ange­mes­sen ist – und nicht leer bleibt. Und so wird es immer sein.
Amen

2. Februar 2018

Vier­ter Sonn­tag nach Epi­pha­ni­as: Gen 11,1-9 (EfG Gries­heim)

 

Gen 11 1Es war so, dass die gan­ze Erde eine ein­heit­li­che Sprech­wei­se und über­ein­stim­men­de Wor­te hat­te. 2Da geschah es, als sie von Osten auf­bra­chen, dass sie eine Ebe­ne im Lan­de Schi­nar fan­den und sich dort nie­der­lie­ßen. 3Und sie spra­chen, ein Mensch zu sei­nem Mit­men­schen: »Wohl­an! Wir wol­len Lehm­zie­gel zie­geln und im Brand bren­nen!« Und der Zie­gel dien­te ihnen als Stein, und das Erd­pech dien­te ihnen als Mör­tel. 4Und sie spra­chen: »Wohl­an! Wir wol­len eine Stadt und einen Turm bau­en, und sei­ne Spit­ze soll him­mel­hoch sein. So wol­len wir uns einen Namen machen, dass wir uns nicht zer­streu­en über die gan­ze Erd­flä­che!« 5Da stieg der Herr hin­ab, um die Stadt und den Turm zu bese­hen, wel­che die Men­schen bau­ten. 6Und der Herr sprach: »Ja, ein Volk sind sie und eine ein­heit­li­che Sprech­wei­se haben sie alle – und dies ist erst der Anfang ihres Tuns. Und nun: Nichts wird ihnen unaus­führ­bar blei­ben, was immer sie sich zu tun vor­neh­men. 7Wohlan! Wir wol­len hin­ab­stei­gen und dort ihre Rede durch­ein­an­der brin­gen, sodass kein Mensch mehr die Rede der Mit­men­schen ver­steht.« 8Da zer­streu­te der Herr sie von dort über die gan­ze Erd­flä­che, und sie hör­ten auf, die Stadt zu bau­en. 9Von daher nennt man ihren Namen Babel, ›Durch­ein­an­der‹, dort hat ja der Herr die Sprech­wei­se der gan­zen Erde durch­ein­an­der gebracht, und von dort hat der Herr sie über die gan­ze Erd­flä­che zer­streut. (Vgl. Bibel in gerech­ter Spra­che, z. St.)

Lie­be Gemein­de,

Gott, der Herr, hat es nicht leicht mit den Men­schen in der Urge­schich­te, in Gen 1-12,3. Zunächst erschafft er sie als weib­li­che und männ­li­che Wesen, wel­che als sei­ne Bil­der die Schöp­fung beherr­schen und bewah­ren sol­len. Mit­hil­fe der Schlan­ge essen Eva und Adam vom Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen, sie wer­den dadurch sitt­lich genau­so klug wie Gott – und müs­sen des­halb das Para­dies ver­las­sen, damit sie nicht auch noch vom Baum des Lebens essen und wie Gott unsterb­lich wer­den. Gott, der Herr, ach­tet also dar­auf, dass die Men­schen ihm nicht völ­lig gleich wer­den.
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18. November 2017

Urge­schich­te

 

Zusam­men­fas­sung der Sit­zung am 14.11.2017 – von Anna­le­na Sopp

Um einen Ein­stieg in die Sit­zung zu bekom­men, grif­fen wir gleich zu Beginn eine offen geblie­be­ne Fra­ge aus der Sit­zung vom 07.11.2017 auf. Wir beschäf­tig­ten uns mit der Fra­ge: „Was ist das für eine Atmo­sphä­re, die uns Gott geschaf­fen hat?“ Zu Beginn des Schöp­fungs­be­rich­tes war alles wüst, leer und düs­ter. Danach erschuf Gott Tag für Tag, all die schö­nen Din­ge, die wir auch heu­te noch ken­nen. Uns kam der Gedan­ke, dass die­se lebens­freund­li­che, man könn­te sogar sagen per­fek­te Atmo­sphä­re, die Lie­be Got­tes für uns Men­schen ver­deut­licht. Bio­lo­gisch gese­hen könn­te der Mensch auch mit viel weni­ger über­le­ben, Gott möch­te jedoch, dass es uns gut geht und wir alles haben, was wir für ein schö­nes und erfüll­tes Leben benö­ti­gen. (more…)