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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


23. September 2019

15. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis: Mt 6,25ff

 

Schrift­le­sung: Pre­di­ger 2,3-11

Pre­digt: Mt 6,25-34

 

25Deswegen sage ich euch:

Sorgt euch nicht ängst­lich um euer Leben, was ihr essen oder was ihr trin­ken sollt, auch nicht um euren Leib, was ihr anzie­hen sollt. Ist nicht das Leben viel mehr als Essen, der Leib viel mehr als Klei­dung?

26Seht euch die Vögel des Him­mels an: Sie säen nicht und ern­ten nicht, sam­meln auch kei­ne Vor­rä­te in Scheu­nen – und Gott, Vater und Mut­ter für euch im Him­mel, ernährt sie. Unter­schei­det ihr euch nicht in vie­lem von ihnen? 27Könnt ihr eurem Lebens­al­ter auch nur eine kur­ze Stre­cke hin­zu­fü­gen, indem ihr euch Sor­gen macht? 28Und was sorgt ihr euch um Klei­dung?
Betrach­tet die Lili­en auf den Fel­dern, wie sie sich im Wach­sen ent­fal­ten: Sie mühen sich nicht ab und spin­nen kein Kleid. 29Doch ich sage euch: Nicht ein­mal Salo­mo in sei­nem gan­zen Glanz war schö­ner geklei­det als eine die­ser Feld­blu­men.
30Wenn aber Gott selbst die Grä­ser auf dem Feld so klei­det, das Kraut, das heu­te da ist und mor­gen in den Ofen gewor­fen wird, um wie viel mehr euch, ihr Men­schen mit wenig Ver­trau­en!

31So hört nun auf, euch zu sor­gen und zu sagen: Was sol­len wir essen? Oder: Was sol­len wir trin­ken? Oder: Womit sol­len wir uns klei­den? 32Auf das alles rich­ten die Men­schen der Völ­ker ihren Sinn. Gott, Vater und Mut­ter für euch im Him­mel, weiß ja, dass ihr dies alles braucht.
33Sucht hin­ge­gen zuerst das Reich und die Gerech­tig­keit Got­tes, und dies alles wird euch dazu geschenkt wer­den. 34Sorgt euch des­halb nicht um mor­gen, denn der mor­gi­ge Tag wird für sich selbst sor­gen. Es reicht, wenn jeder Tag sei­ne eige­ne Belas­tung hat.1

 

Lie­be Gemein­de,

 

die letz­ten bei­den Wochen sind vom Erfolg eines 16jährigen Mäd­chens mit Zöp­fen geprägt. Ihre Form des gewalt­sa­men Wider­stands des frei­täg­li­chen Schul­streiks hat sich zu einer welt­wei­ten Pro­test­be­we­gung aus­ge­wei­tet. Daher sprach Gre­ta Thun­berg vor der UNO-Voll­ver­samm­lung in For­men der klas­si­schen Rhe­to­rik, von der auch die Bibel und auch unser heu­ti­ger Pre­dig­text geprägt sind.

Viel­leicht nei­gen wir vor der wil­den Dis­kus­si­on um Gre­ta dazu die­sen berühm­ten Text der Berg­pre­digt Jesu miss­zu­ver­ste­hen, z. B. als aske­ti­sches Gesetz, als grü­nes Ver­bot uns zu ent­hal­ten, etwa von Fleisch oder ele­gan­ter Klei­dung, von Ver­schwen­dung von Geld, als eine Art auch schon anti­ker Lebens­kunst, wie wir unser Leben beson­nen in den Griff bekom­men, sodass wir nicht uns selbst und ande­ren scha­den.2 (more…)

  1. Vgl. BgS, zur Stel­le, Lui­se Schott­roff.
  2. Vgl. Art. Lebens­kunst, WiBiLex http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/59490/ mit anti­ken Bei­spie­len.
6. Juli 2019

Zusam­men­fas­sung 02.07.

 

Mt 7,1-23

7,1ff ist zunächst selbst­kri­tisch, die berühm­te Gno­me (Sinn­spruch) von Balken/Splitter, nicht rich­ten, damit … 7,6 das Hei­li­ge nicht vor die Hun­de, Per­len nicht vor die Schwei­ne, sonst … Gemeint ist wohl wie in 6,1ff kein Selbst­ruhm vor Ande­ren.
7,7ff wie­der Schöp­fungs­ver­trau­en, bit­tet, so … Selbst die bösen Hörer*innen im Publi­kum geben ihren Kin­dern kei­ne Stei­ne anstel­le von Brot. Beleg dafür, dass 5,13 eine cap­tatio ben­evo­len­tiae ist.
7,12: Gol­de­ne Regel: Zunächst ist fest­zu­hal­ten, dass es sich um eine Aus­le­gung der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden* han­delt. Ihr Sinn wird bestimmt und des­halb soll man der­art han­deln. Was hat es dann mit dem Gesetz und den Pro­phe­ten auf sich? Ich soll mich selbst beob­ach­ten. Was sind mei­ne Wün­sche und Erwar­tun­gen? Möch­te ich als der indi­vi­du­el­le Mensch, der ich bin, akzep­tiert und aner­kannt wer­den? Dazu muss ich mich aber auch in die ande­ren Men­schen ver­set­zen: Ich soll ja genau das­je­ni­ge tun, was ich von ande­ren Men­schen erwar­te, dass sie gegen­über mir in bestimm­ter Wei­se han­deln. Wenn ich die ande­ren Men­schen gar nicht in ihrer Eigen­art wahr­neh­me, kann ich auch kei­ne rea­lis­ti­schen Erwar­tun­gen aus­bil­den. Mit­hin geht es dar­um, dass ich die ande­ren Men­schen als die mir frem­den Men­schen, die sie nun ein­mal sind, in mei­ne Erwar­tun­gen und Hand­lungs­op­tio­nen ein­be­zie­he. Ent­spre­chend muss ich mich auch offen mit ihnen beschäf­ti­gen und aus­ein­an­der­set­zen.
7,13ff: Enger/weiter Weg, Wöl­fe im Schafs­pelz, Gerichts­sze­na­rio.
Es scheint mög­lich, im Kon­text von 5,11f eine Ver­fol­gungs­si­tua­ti­on zu unter­stel­len. Syn­ago­gen­aus­schluss könn­te zu einer Art Vogel­frei­heit im Kon­text des römi­schen Staa­tes füh­ren, Hypo­the­se!

 

 

3. Juli 2019

Pre­digt Lk 15 1-10: EfG Gries­heim

 

Cara­va­g­gio, Die Beru­fung des Zöll­ners Zachä­us (1600)

 

 

 

 

 

 

Lk 15,1-10

15 1Es kamen immer wie­der alle, die beim Zoll beschäf­tigt waren und zu den Sün­dern gezählt wur­den, zu Jesus, um ihn zu hören. 2Die Ange­hö­ri­gen der pha­ri­säi­schen Glau­bens­rich­tung und die Schrift­ge­lehr­ten murr­ten und sag­ten: »Der akzep­tiert ja sün­di­ge Leu­te und isst mit ihnen!«

3 Jesus aber erzähl­te ihnen fol­gen­de Para­bel:

4»Gibt es jeman­den unter euch, der 100 Scha­fe hat, und wenn er eines von ihnen ver­liert, nicht die 99 in der Wild­nis zurück­lässt, um dem Ver­lo­re­nen nach­zu­ge­hen, bis er es fin­det? 5Und wenn er es gefun­den hat, so setzt er es voll Freu­de auf sei­ne Schul­tern. 6Zu Hau­se ruft er sei­ne Freun­de und die Nach­bar­schaft zusam­men und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir: Ich habe mein Schaf gefun­den, das ver­lo­ren war!‹

7Ich sage euch: So wird im Him­mel mehr Freu­de sein über einen Sün­der, der umkehrt, als über 99 Gerech­te, die eine Umkehr nicht nötig haben.

8 Oder: Gibt es eine Frau, die zehn Sil­ber­stü­cke hat und eins davon ver­liert, die nicht eine Lam­pe anzün­det und das Haus mit dem Besen kehrt und sorg­fäl­tig durch­sucht, bis sie das Geld­stück fin­det? 9Und wenn sie es gefun­den hat, ruft sie ihre Freun­din­nen und die Nach­bar­schaft zusam­men und sagt: ›Freut euch mit mir: Ich habe das Sil­ber­stück, das ich ver­lo­ren hat­te, wie­der gefun­den!‹

10Ich sage euch: Genau­so wird bei den Engeln Got­tes Freu­de sein über eine sün­di­ge Per­son, die umkehrt.«1

 

Lie­be Gemein­de,

am drit­ten Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis geht es um die Umkehr, das wich­tigs­te Anlie­gen bei vie­len Schrift­ge­lehr­ten im Juden­tum und in der Jesus­tra­di­ti­on. Luthers Über­set­zung ist durch die Buß­pra­xis der katho­li­schen Kir­che bestimmt, aber Umkehr bzw. umkeh­ren ist doch kla­rer als Buße tun.2

Jesus isst und dis­ku­tiert mit Leu­ten, die als Unter­neh­mer für den römi­schen Staat Steu­ern ein­trei­ben und als betrü­ge­risch oder kor­rupt gel­ten, was bei Pha­ri­sä­ern* und Schrift­ge­lehr­ten* Anstoß erregt. (more…)

  1. Vgl. BgS zur Stel­le.
  2. Μετανοία met­a­noia bzw. μετανοεῖν met­a­no­ein bezeich­net, dass jemand sei­nen bzw. ihren Sinn ändert, es han­delt sich um eine Lebens­weg­me­ta­pher.
29. Juni 2019

Zusam­men­fas­sung vom 25.06.

 

Die Sit­zung befass­te sich mit Mt 6,19-34. Zwei The­men sind wich­tig, kei­ne Schät­ze sam­meln und nicht sor­gen.
Erreicht wird das durch mys­ti­sche Ver­sen­kung in bzw. Auf­merk­sam­keit auf Feld­blu­men und Vögel, die von der Schöp­fung ver­sorgt wer­den, ohne dass sie nichts täten.
Das gilt auch für die Glau­ben­den, die sich auf das Reich Got­tes und sei­ne Gerech­tig­keit kon­zen­trie­ren sol­len, dann ergibt sich der all­täg­li­che Bedarf.
Es ent­wi­ckelt sich mit ein neu­es Selbstgver­ständ­nis, dass uns die Schöp­fung anders sehen lässt.
Ob und wie das les­bar ist wur­de u. a. an Dago­bert Duck kon­tro­vers und enga­giert dis­ku­tiert.

23. Juni 2019

Mt 6,1ff

 

Mat­thä­us 6, Vers 1-18 (18.06.2019). Mar­cel Zopp (249236) Sozio­lo­gie B. A.

1 Habt aber acht, dass ihr eure Gerech­tig­keit nicht übt vor den Leu­ten, um von ihnen gese­hen zu wer­den; ihr habt sonst kei­nen Lohn bei eurem Vater im Him­mel. 2 Wenn du nun Almo­sen gibst, sollst du es nicht vor dir aus­po­sau­nen, wie es die Heuch­ler tun in den Syn­ago­gen und auf den Gas­sen, damit sie von den Leu­ten geprie­sen wer­den. Wahr­lich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 3 Wenn du aber Almo­sen gibst, so lass dei­ne lin­ke Hand nicht wis­sen, was die rech­te tut, 4 auf dass dein Almo­sen ver­bor­gen blei­be; und dein Vater, der in das Ver­bor­ge­ne sieht, wird dir’s ver­gel­ten.

Die Ver­se 1-4 kön­nen als ein Leit­fa­den für das Geben von Almo­sen ver­stan­den wer­den. (more…)

21. Juni 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, neun­te Vor­le­sung

 

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

 

heu­te sind die dua­lis­ti­schen Erzähl­wei­sen The­ma, deren iden­ti­täts­zen­trier­te Form uns aktu­ell Pro­ble­me berei­tet.

Zuvor: Gibt es Rück­fra­gen zur Pro­blem­ge­schich­ten-Vor­le­sung?

1. Hin­füh­rung
2. Das Evan­ge­li­um der ver­zwei­fel­ten Lebens­si­tua­tio­nen: Mat­thäu­sevan­ge­li­um (Mtev)
3. Dua­lis­ti­sche Rekon­struk­ti­on und Dekon­struk­ti­on des Opfer­bil­des: der Hebrä­er­brief
4. Die Sie­ger und Ver­lie­rer – und die­je­ni­gen, die immer schon ver­lo­ren haben: die Apo­ka­lyp­se (Offen­ba­rung) des Johan­nes
5. Das Abend­mahl aus dua­lis­ti­scher Per­spek­ti­ve, Mt 26

6. Ver­schwö­rungs­my­then, der Bei­trag Micha­el Blu­mes

 

  1. Hin­füh­rung

Nach mei­ner Auf­fas­sung liegt  auch den lehr­haf­ten Kon­zep­tio­nen eine ele­men­ta­re erzäh­le­ri­sche, nar­ra­ti­ve Struk­tur zugrun­de. Aris­to­te­les hat in sei­ner Poe­tik nüch­tern fest­ge­stellt, Erzäh­lun­gen besä­ßen einen Anfang, eine Mit­te und ein Ende. Für dua­lis­ti­sche Erzähl­wei­sen gilt dann, dass in der­ar­ti­gen Erzäh­lun­gen am Anfang, in der Mit­te und am Ende immer ein kon­tra­dik­to­ri­scher Gegen­satz zwi­schen einer posi­ti­ven Grö­ße und einer nega­ti­ven Grö­ße vor­liegt: Das Eine ist das aus­schlie­ßen­de Gegen­teil des Ande­ren – und umge­kehrt. Wenn man eine der­ar­ti­ge Posi­ti­on aus­drü­cken will, sie kom­mu­ni­ka­tiv prä­sen­tie­ren möch­te, muss man über die gewöhn­li­che Spra­che hin­aus­ge­hen. Logi­sche Kor­rekt­heit ist dann völ­lig unzu­rei­chend. Dua­lis­ti­sche Per­spek­ti­ven lie­ben das Para­dox, den tat­säch­lich aus­ge­drück­ten kon­tra­dik­to­ri­schen Wider­spruch. Das ist rhe­to­risch erlaubt und üblich. Ent­spre­chend ist die Bil­der­welt von einer fas­zi­nie­ren­den bizar­ren Wider­sprüch­lich­keit: die Welt ist aus den Fugen gera­ten. (more…)

9. Juni 2019

Zusam­men­fas­sung vom 03.06.

 

Matt­haus 5,42-48

Wer dich um etwas bit­tet, dem sollst du es auch geben, und wenn jemand etwas bei dir bor­gen möch­te, bor­ge es ihm – und ver­lan­ge kei­ne Zin­sen.

Vers 43 impli­ziert die von Gott befoh­le­nen Krie­ge im Rich­ter-Buch, mit dem Satz:

(…) und dei­nen Feind has­sen.”

Jedoch soll ganz im Gegen­teil der pazi­fis­ti­sche Ansatz aus den vor­her­ge­gan­ge­nen am gewalt­lo­sen Wider­stand ori­en­tier­ten Ver­sen wei­ter aus­ge­führt wer­den.
Die Unter­schei­dung von “guten” und “bösen” Men­schen oder “Freund” und “Feind” ist sub­jek­tiv und soll außen vor gelas­sen wer­den. In einem Kon­flikt hat jede beteil­lig­te Par­tei eine ande­re Auf­fas­sung, wer “die Bösen” sind.
Bei­de Par­tei­en sol­len sich die Mei­nung und die Inter­es­sen der Oppo­si­ti­on Anhö­ren, und nach Mög­lich­keit zu einem gemein­sa­men Kon­sens kom­men. Hier­bei wird der Ansatz: “der Feind mei­nes Fein­des ist mein Freund” abge­lehnt, statt­des­sen soll man nach der Regel han­deln:

Gehe so mit dei­nem Nächs­ten um, wie man mit dir umge­hen soll.” (Vgl. Mt 7,12)

So wie in Mat 5,21-26 soll das Pro­blem an der Wur­zel bekämpft wer­den oder so, dass es gar­nicht erst zu einem Pro­blem kommt.

Zum Schluss bleibt die Fra­ge, ob die­ser Ansatz nur für sich selbst anwen­den soll, oder ob auch in einem gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Rah­men ange­wen­det wer­den soll.

 

1. Juni 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, sieb­te Vor­le­sung

Uni Hei­del­berg

 

Link zum Text

Ich wer­de das am Mon­tag frei vor­tra­gen, sodass die Dis­kus­sio­nen leich­ter mög­lich wer­den dürf­ten. Der Text dient zu Ihrer Infor­ma­ti­on, Sicher­heit und der Erwäh­nung eini­ger der Klip­pen der Auf­er­ste­hungs­de­bat­te.

25. Mai 2019

Mt 5,21-26, 21.05.

 

The­ma war Mt 5,21-26, der ers­te Text, der mit einer dyna­mi­schen Schrift­aus­le­gung beginnt und sich auf das gehör­te, got­tes­dienst­li­che vor­ge­le­se­ne Tötungs­ver­bot bezieht, Ex 20,13, vgl. Dtn 5,17. Bis zu Mt 5,43 wird das unge­fähr gleich wie­der­holt – und dann mit einem Aus­le­gungs­schritt wei­ter­ge­führt, ich aber sage Euch … bzw. ich lege Euch das heu­te so aus … (more…)

18. Mai 2019

Mt 5,13-20, Di 14.05.

 

 

Die Sit­zung ver­such­te Mt 5,13-20 zu bespre­chen.
5,13-16 bie­ten die direk­te Anre­de ans Publi­kum: Ihr sei das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Anhand der Über­schrift in der Guten Nach­richt erör­ter­ten wir, ob es Impe­ra­ti­ve sei­en? Dass das Salz salz­los wer­den könn­te, schien ein Argu­ment dafür zu sein. (more…)