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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


12. Juli 2019

Zwölf­te Vor­le­sung zur Εin­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments

 

Verehrte Damen und Herren,

 

ich begrüße Sie zum Epilog der Vorlesung!

 

1. Die Parabel von der selbstwachsenden Saat (Mk 4,26-29)

Ich bin der Überzeugung, dass man das Extravaganzkonzept, welches Harnisch 1 auf große Erzählungen beschränkte wie die Arbeiter im Weinberg, den barmherzigen Samaritaner, den Schalksknecht u. a. m., auch auf kleinere Parabeln anwenden kann, die als rhetorische Gattung der παραβολαί beachtliche Verbreitung besitzen. Wir sehen uns heute exemplarisch die Parabel von der „selbst wachsenden Saat“ in Mk 4,26-29 an. (more…)

  1. Die Gleichniserzählungen Jesu. Eine hermeneutische Einführung, UTB 1343). Vgl. Vorlesung sieben.
28. Juni 2019

Zehn­te Vor­le­sung zur Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments

Uni Hei­del­berg

 

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

in der zehn­ten Vor­le­sung geht es um Erfolgs­ge­schich­ten. Rück­fra­gen zu den kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­trier­ten und/oder den iden­ti­täts­zen­trier­ten idea­lis­ti­schen Erzähl­wei­sen?

  1. Hin­füh­rung
    2. Das luka­ni­sche Dop­pel­werk
    3. Die Edi­to­ren der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on
    4. Das Abend­mahl in erfolgs­ge­schicht­li­cher Per­spek­ti­ve

1. Hin­füh­rung

Für das Spre­chen von „Erfolg“ ist aus­schlag­ge­bend, dass in einem Pro­zess ein posi­ti­ves „Ziel“ erreicht wird, das den Erwar­tun­gen von uns oder an uns ent­spricht. Und wenn man die­ses „Ziel“ eini­ger­ma­ßen erreicht hat, kann man immer noch im Sin­ne Oli­ver Kahns sagen:

Wenn ich oben bin, ist nicht alles, was ich gemacht habe, rich­tig.“

(more…)

21. Juni 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, neun­te Vor­le­sung

 

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

 

heu­te sind die dua­lis­ti­schen Erzähl­wei­sen The­ma, deren iden­ti­täts­zen­trier­te Form uns aktu­ell Pro­ble­me berei­tet.

Zuvor: Gibt es Rück­fra­gen zur Pro­blem­ge­schich­ten-Vor­le­sung?

1. Hin­füh­rung
2. Das Evan­ge­li­um der ver­zwei­fel­ten Lebens­si­tua­tio­nen: Mat­thäu­sevan­ge­li­um (Mtev)
3. Dua­lis­ti­sche Rekon­struk­ti­on und Dekon­struk­ti­on des Opfer­bil­des: der Hebrä­er­brief
4. Die Sie­ger und Ver­lie­rer – und die­je­ni­gen, die immer schon ver­lo­ren haben: die Apo­ka­lyp­se (Offen­ba­rung) des Johan­nes
5. Das Abend­mahl aus dua­lis­ti­scher Per­spek­ti­ve, Mt 26

6. Ver­schwö­rungs­my­then, der Bei­trag Micha­el Blu­mes

 

  1. Hin­füh­rung

Nach mei­ner Auf­fas­sung liegt  auch den lehr­haf­ten Kon­zep­tio­nen eine ele­men­ta­re erzäh­le­ri­sche, nar­ra­ti­ve Struk­tur zugrun­de. Aris­to­te­les hat in sei­ner Poe­tik nüch­tern fest­ge­stellt, Erzäh­lun­gen besä­ßen einen Anfang, eine Mit­te und ein Ende. Für dua­lis­ti­sche Erzähl­wei­sen gilt dann, dass in der­ar­ti­gen Erzäh­lun­gen am Anfang, in der Mit­te und am Ende immer ein kon­tra­dik­to­ri­scher Gegen­satz zwi­schen einer posi­ti­ven Grö­ße und einer nega­ti­ven Grö­ße vor­liegt: Das Eine ist das aus­schlie­ßen­de Gegen­teil des Ande­ren – und umge­kehrt. Wenn man eine der­ar­ti­ge Posi­ti­on aus­drü­cken will, sie kom­mu­ni­ka­tiv prä­sen­tie­ren möch­te, muss man über die gewöhn­li­che Spra­che hin­aus­ge­hen. Logi­sche Kor­rekt­heit ist dann völ­lig unzu­rei­chend. Dua­lis­ti­sche Per­spek­ti­ven lie­ben das Para­dox, den tat­säch­lich aus­ge­drück­ten kon­tra­dik­to­ri­schen Wider­spruch. Das ist rhe­to­risch erlaubt und üblich. Ent­spre­chend ist die Bil­der­welt von einer fas­zi­nie­ren­den bizar­ren Wider­sprüch­lich­keit: die Welt ist aus den Fugen gera­ten. (more…)

15. Juni 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, ach­te Vor­le­sung

Mei­ne Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie zur ach­ten Vor­le­sung über die Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments. Gibt es noch Rück­fra­gen zu Bild­lich­keit und Extra­va­ganz?

1. Hin­füh­rung: das Pro­blem­ge­schich­ten­mo­dell
2. Pau­lus Mar­kus Johan­nes
3. Das Abend­mahl im Hori­zont der Pro­blem­ge­schich­te

 

1. Hin­füh­rung: das Pro­blem­ge­schich­ten­mo­dell

Es geht im Chris­ten­tum um Erlö­sung, was in den drei „ethi­schen“ Reli­gio­nen nach Schlei­er­ma­cher, aber auch in den Hin­du-Reli­gio­nen und selbst­ver­ständ­lich auch in den Vari­an­ten der bud­dhis­ti­schen Reli­gi­on der Fall ist.

(more…)

1. Juni 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, sieb­te Vor­le­sung

Uni Hei­del­berg

 

Link zum Text

Ich wer­de das am Mon­tag frei vor­tra­gen, sodass die Dis­kus­sio­nen leich­ter mög­lich wer­den dürf­ten. Der Text dient zu Ihrer Infor­ma­ti­on, Sicher­heit und der Erwäh­nung eini­ger der Klip­pen der Auf­er­ste­hungs­de­bat­te.

24. Mai 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, sechs­te Vor­le­sung

 

Kin­der­zeich­nung von „Gott“

 

 

 

 

 

Vor­spruch

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie zur sechs­ten Vor­le­sung zur Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, die sich grund­le­gend mit dem Pro­blem der Bild­lich­keit bibli­scher Tex­te befasst – und dabei die Bedeu­tung iko­ni­scher Zei­chen für die Rede von Gott, den Men­schen und Jesus Chris­tus zu bestim­men ver­sucht. In der sieb­ten Vor­le­sung wer­den wir dies im Blick auf Peirce’ Extravg­anz-Kon­zept ver­tie­fen.

Haben Sie noch Fra­gen zur letz­ten Vor­le­sung? Zu kurz könn­te gekom­men sein, was zum Pro­blem der Sach­kri­tik all­ge­mein und zur femi­nis­ti­schen Sach­kri­tik in 1Kor 11,3ff inbe­son­de­re gesagt wur­de.

1 Kur­ze Hin­füh­rung

2 Gen 1,26f LXX als her­me­neu­ti­scher Aus­gangs­punkt für die Rede von „Bild­lich­keit“ in der Bibel
3 Der Hin­weis Witt­gen­steins
4 Der „auf­ge­weck­te Gekreu­zig­te‘‘ als Bild Got­tes und sei­ne Schwes­tern und Brü­der (more…)

17. Mai 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, fünf­te Vor­le­sung

 

 

Streik katho­li­scher Frau­en vor Maria mit ange­deu­te­ter Vul­va

VOR­SPRUCH

Zu Schlei­er­ma­cher kön­nen Sie den ver­link­ten Text lesen.   Zu Bult­mann kön­nen wir noch die Abbil­dun­gen ab hier erör­tern, den Bezug auf Hans Jonas, Prin­zip Ver­ant­wor­tung, Mythos-Pro­blem, eben­so Extra­va­ganz, wel­che das Objek­ti­vie­rungs-Pro­blem zu unter­lau­fen ver­sucht.

1 Ein­füh­rung

Die theo­lo­gi­sche Bear­bei­tung der Benach­tei­li­gung der Frau­en begann pro­tes­tan­tisch bei Luther, der erkann­te, dass es nicht schlüs­sig sei, die Frau­en von der Pre­digt­tä­tig­keit aus­zu­schlie­ßen, allein ihre Stim­me sei zu schwach, sodass sie nur dann zum Zuge kämen, wenn kein Mann pre­di­gen kön­ne. Schlei­er­ma­cher sah in sei­ner Päd­ago­gik-Vor­le­sung seit 1814 vor, dass die Mäd­chen zur Schu­le gehen müss­ten, nur durch Bil­dung wür­den die Frau­en an allen Aspek­ten des orga­ni­sie­ren­den und bezeich­nen­den Han­delns par­ti­zi­pie­ren kön­nen. In Deutsch­land zeig­ten sich ers­te Erfol­ge in der Wei­ma­rer Repu­blik, im Wis­sen­schafts­sys­tem zuvor schon in der Schweiz. Intel­lek­tu­el­le Frau­en sind Rosa Luxem­burg und Han­nah Arendt, letz­te­re eine Schü­le­rin Rudolf Bult­manns. Die Posi­ti­on in den frü­hen 1970er Jah­ren, Bibel und Chris­ten­tum sei­en domi­nant patri­ar­chal geprägt, spi­ri­tu­el­le Frau­en müss­ten sich an Göt­tin­nen ori­en­tie­ren, lie­ßen in den 1980er Jah­ren nach. In den 1990er Jah­ren setz­te sich bei man­chen Femi­nis­tin­nen die Ein­sicht durch, dass ihre Zie­le wohl nur gemein­sam mit Män­nern durch­setz­bar wären. Die Frau­en sind heu­te genau­so gut oder bes­ser gebil­det wie bzw. als Män­ner, daher steht ihnen kirch­lich alles offen. (more…)

10. Mai 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, vier­te Vor­le­sung

 

 

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie zur zwei­ten Vor­le­sung über die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments in der Moder­ne, die anhand des Ansat­zes von Rudolf Bult­mann wich­ti­ge Aspek­te der künf­ti­gen Vor­ge­hens­wei­se skiz­ziert.

In der Schlei­er­ma­cher-Vor­le­sung kam es zu Rück­fra­gen oder auch Ein­wän­den bezüg­lich des Wesens des Chris­ten­tums im Blick auf aktu­el­le Erschei­nun­gen wie Pro­tes­tan­tis­mus­kri­tik oder auch Zuge­hö­rig­keits­be­haup­tun­gen der AfD, was man/frau sich etwa an Bea­trix von Storch oder Alex­an­der Gau­land, des­sen Toch­ter Pfar­re­rin der EKHN ist, klar­ma­chen kann. Es ist zu beto­nen, dass das alles fair und auf dem Weg des διαλέγεσθαι (dia­lé­ges­t­hai) gesche­hen muss, mit NT und phi­lo­so­phi­scher Theo­lo­gie als nor­ma­ti­vem Inter­pre­tant unter Ein­be­zug der Kir­chen­ge­schich­te seit dem letz­ten Drit­tel des 19. Jhdts, wobei es in der Wei­ma­rer Repu­blik hef­ti­gen Wider­stand gegen den Art. 137 WRV gab, der Tren­nung von Kir­che und Staat, dazu reli­gi­ös-welt­an­schau­li­chen Plu­ra­lis­mus ver­füg­te und über Art. 140 GG auch für die Bun­des­re­pu­blik gilt. Anhand des Pro­blems des Frem­den­has­ses dürf­te der Schlei­er­ma­cher­sche Bezug auf NT, auch die Bibel ins­ge­samt ein­leuch­ten. Trotz­dem bleibt das aktu­el­le Pro­blem der Aus­ein­an­der­set­zung bestehen. Bestimm­te the­ma­ti­sier­te Sach­ver­hal­te sind m. E. straf­recht­lich rele­vant, aber m. E. ist es bezo­gen auf die Jesus­tra­di­ti­on ange­mes­sen, das Gespräch zu suchen, was offen­sicht­lich anstren­gend ist – und man­chem* als aus­sichts­los erscheint.

Eine wei­te­re Rück­fra­ge galt mei­ner Ver­tei­di­gung von Schlei­er­ma­chers Modell gegen „Dog­ma­tik als Stück der Prak­ti­schen Theo­lo­gie“ (Wil­helm Gräb), weil dann NT und phi­lo­so­phi­sche Theo­lo­gie nicht mehr als nor­ma­ti­ver Inter­pre­tant fun­gie­ren. Das Chris­ten­tum hat m. E. nicht erst mit der Auf­klä­rung begon­nen.

Gibt es wei­te­re Rück­fra­gen zur letz­ten Vor­le­sung?

Ich bezie­he mich heu­te auf fol­gen­de Wer­ke und Auf­sät­ze häu­fig, die ich dann im Text nur mit Namen und Jah­res­zahl zitie­re:

Bult­mann 19511; Bult­mann 19522; Bult­mann 19673; Bult­mann 19844; Dew­ey 19345; Dew­ey 20086; Ditt­mer 20017; 8; Lin­de 20139; Pött­ner 199510.

Ich begin­ne mit einer Ein­füh­rung (1.), wen­de  mich sodann dem Ent­my­tho­lo­gi­sie­rungs­pro­gramm bzw. der exis­ten­zia­len Inter­pre­ta­ti­on (2.) zu und erör­te­re schließ­lich mög­li­che Fort­schrei­bun­gen von Bult­manns Posi­ti­on (3.).

1 Ein­füh­rung

Rudolf Bult­mann ist wie Schlei­er­ma­cher ein außer­ge­wöhn­li­cher Theo­lo­ge, der welt­of­fen leb­te und dach­te. Vgl. Sie den Über­blick im (https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Bultmann ) Wiki­pe­dia-Arti­kel, wo auch wich­ti­ge Lite­ra­tur­an­ga­ben zu fin­den sind. Sowohl in sei­ner Schu­le und noch stär­ker bei sei­nen Geg­nern herrscht aber eine Lek­tü­re vor dem Hin­ter­grund von Über­ver­ein­fa­chun­gen vor, die sicht­bar macht, dass im evan­ge­li­schen Dis­kurs zu wenig Übung in wis­sen­schafts­theo­re­ti­schen und phi­lo­so­phi­schen Fra­ge­stel­lun­gen besteht. In bei­den Dis­zi­pli­nen war Bult­mann aber gut – und daher wird er m. E. auch heu­te noch in man­chen Aspek­ten falsch inter­pre­tiert und/oder auch falsch bewer­tet. Die durch­schnitt­li­chen Feh­ler fin­den sich auch im Wiki­pe­dia-Arti­kel. (more…)

  1. Bult­mann, Rudolf, 1951, Neu­es Tes­ta­ment und Mytho­lo­gie, in: H. W. Bartsch (Hg.), Keryg­ma und Mythos. Ein theo­lo­gi­sches Gespräch, Ham­burg, 15-48
  2. Bult­mann, R., 1952, Zum Pro­blem der Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung, in: H. W. Bartsch (Hg.) Keryg­ma und Mythos. II. Band. Dis­kus­sio­nen und Stim­men zum Pro­blem der Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung, Ham­burg, 179-208
  3. Bult­mann, R., 1967, Exege­ti­ca, E. Dink­ler (Hg.), Tübin­gen
  4. Bult­mann, R., 1984, Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments, 9. Aufl. Tübin­gen
  5. Dew­ey, John, 1934, A Com­mon Faith., new ed. 2013: Th. A. Alex­an­der (Hg.), New York
  6. Dew­ey, J., 2008, Logik. Die Theo­rie der For­schung, stw 1902, Frank­furt u. a.
  7. Ditt­mer, Johan­nes, 2001, Schlei­er­ma­chers Wis­sen­schafts­leh­re als Ent­wurf einer pro­zes­sua­len Meta­phy­sik in semio­ti­scher Per­spek­ti­ve. Tria­di­zi­tät im Wer­den, TBT 113, Ber­lin u. a.
  8. Ditt­mer, J., 2014: Dis­kus­si­ons­bei­trag zum Ent­my­tho­lo­gi­sie­rungs­ar­ti­kel: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/2014/06/29/art-entmythologisierung-diskussionsentwurf
  9. Lin­de, Gesche, 2013, Zei­chen und Gewiss­heit. Semio­ti­sche Ent­fal­tung eines pro­tes­tan­tisch-theo­lo­gi­schen Begriffs, RPT 69, Tübin­gen
  10. Pött­ner, Mar­tin, 1995, Rea­li­tät als Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ansät­ze zur Beschrei­bung der Gram­ma­tik des pau­li­ni­schen Spre­chens in 1Kor 1,4-4,21 im Blick auf lite­ra­ri­sche Pro­ble­ma­tik und Situa­ti­ons­be­zug des 1. Korin­ther­briefs, Theo­lo­gie 2, Ber­lin u. a.
25. April 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, zwei­te Vor­le­sung

§ 2: Die Ent­ste­hung der dyna­mi­schen Schrift­re­li­gi­on im Juden­tum – und ihre Fort­set­zung im Neu­en Tes­ta­ment

Inhalt

Zu Ende füh­ren des § 1, Ver­ständ­nis­fra­gen und Kri­tik. Vor­spruch:

Bit­te lesen Sie den Abschnitt 4 von § 1. Mir ist wich­tig, dass Sie Schlei­er­ma­chers Über­le­gun­gen zum Hebrais­mus ver­ste­hen, auch das­je­ni­ge, was ich zur LXX, der grie­chi­schen Über­set­zung der aramäischen/hebräischen Tex­te sage. Dazu kom­men Abgren­zun­gen zu Posi­tio­nen, die unter­stel­len, es gebe beson­de­re geist­ge­wirk­te Regeln, mit­tels derer man/frau ggf. nur den Sinn neu­tes­ta­ment­li­cher Tex­te ver­ste­hen kön­ne.
Abb. 4: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/wp-content/uploads/2019/04/Screenshot_20190217-200930_PowerPoint-e1555170097239.jpg
M. E. gab es Ver­ständ­nis­fra­gen zu den bei­den fol­gen­den Gra­fi­ken bzw. zu dem damit dar­ge­stell­ten Inhalt:
Abb. 1: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/wp-content/uploads/2019/02/Zeitliches-Selbstverh%C3%A4ltnis-Zeichen-und-Religiosit%C3%A4t-e1550242280334.jpg
Abb. 2: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/wp-content/uploads/2019/04/Screenshot_20190217-200930_PowerPoint-e1555170097239.jpg
Dar­über kön­nen wir ger­ne noch ein­mal spre­chen bzw. dis­ku­tie­ren. Eben­so über das Fol­ge­pro­blem, dass ich „die Wahr­heit“ in „unse­rem“ Ver­hält­nis zu Chris­tus sehe, vgl. Joh 14,6 mit 18,37f und die Reich­wei­te in Joh 1,1-3!

Kri­tik

Müss­te nicht „Queer“-Hermeneutik ein­be­zo­gen wer­den https://www.queer.de/ ?!!! M. E. eher nicht, da seit den 1980er Jah­ren die femi­nis­ti­sche Her­me­neu­tik die­ses The­ma mit­be­ar­bei­tet hat, so auch Frett­löh, die sich auf Judith But­ler bezieht. M. E. kommt die früh­ro­man­ti­sche Posi­ti­on hin­zu, die Gegen­sät­ze wie Mann/Frau nicht scharf, son­dern eher als Über­gän­ge ver­steht. So sind Tex­te wie Gen 1,26ff und Gal 3,26ff m. E. am bes­ten zu ver­ste­hen.

1. Ein bibli­sches Bei­spiel: Gen 1,1-2,4a und 2,4b-3,24

2. Die Schrift­ge­lehr­ten im Juden­tum

3. Der Anschluss des Neu­en Tes­ta­ments an die dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung im Juden­tum

 

Mei­ne Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie zur zwei­ten Vor­le­sung über die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments. Heu­te geht es um die Ent­ste­hung der  dyna­mi­schen Schrift­re­li­gi­on im Juden­tum, von der das Chris­ten­tum des Neu­en Tes­ta­ments geprägt ist und von der es eine Fort­ent­wick­lung dar­stellt. Bevor ich damit begin­ne, möch­te ich fra­gen, ob es Rück­fra­gen zur letz­ten Stun­de gibt oder ob Sie Ein­wän­de äußern möch­ten.

 

Die heu­ti­ge Vor­le­sung hat fol­gen­de Struk­tur:

1 Ein bibli­sches Bei­spiel: Gen 1,1-2,4a und 2,4b-3,24
2 Die Schrift­ge­lehr­ten im Juden­tum
3 Der Anschluss des Neu­en Tes­ta­ments an die dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung im Juden­tum

1 Ein bibli­sches Bei­spiel: Gen 1,1-2,4a und 2,4b-3,24

Wir sahen anhand der Aus­le­gung von 1Kor 14, dass für Pau­lus das her­me­neu­ti­sche Pro­blem als Pro­blem des Ver­ste­hens frem­der Zei­chen und eben­so der Fra­ge des mög­li­chen Ein­ver­ständ­nis­ses mit dem von die­sen Zei­chen Bezeich­ne­ten oder Dar­ge­stell­ten trans­pa­rent war. Den­ken Sie an die Erwäh­nung des* Lai­en* oder Ungläu­bi­gen*, der vor dem Hin­ter­grund trans­pa­ren­ter Zei­chen poten­zi­ell sein Ein­ver­ständ­nis mit der Glau­bens­kom­mu­ni­ka­ti­on der korin­thi­schen Gemein­de äußern könn­te.

Natür­lich könn­te man mei­nen, Pau­lus habe auch die Her­me­neu­tik erfun­den. Aber Pau­lus war ein pha­ri­säi­scher Schrift­ge­lehr­ter (Phil 3). Daher liegt es nahe, dass die­se Fra­gen schon zuvor im Juden­tum dis­ku­tiert wor­den sind. Ähn­lich gibt es im grie­chi­schen Wis­sen­schafts­sys­tem phi­lo­lo­gi­sche Bestre­bun­gen ins­be­son­de­re in Alex­an­dria, Der­ar­ti­ges zu the­ma­ti­sie­ren. Wir kon­zen­trie­ren uns auf den Pro­zess im Juden­tum, der sich aber kei­nes­wegs unab­hän­gig von den Ent­wick­lun­gen in der grie­chi­schen Kul­tur voll­zo­gen hat.

Jeder* Leser* der jüdi­schen Bibel wird sofort in den ers­ten drei Kapi­teln auf das Pro­blem gesto­ßen. (more…)

13. April 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments I

§ 1: Hin­füh­rung zum Pro­blem

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie in die­ser Vor­le­sung zu einer Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en  Neu­en Tes­ta­ments!

 

Inhalt

1 Pro­ömi­um
2 Über­blick
3 Das Pro­blem, das hin­ter der Her­me­neu­tik steht: die Fremd­heit der Zei­chen­ver­wen­dung ande­rer Men­schen
4 All­ge­mei­ne und spe­zi­el­le Her­me­neu­tik?

 

Wie Sie am  Inhalts­ver­zeich­nis sehen kön­nen, hat die heu­ti­ge Vor­le­sung vier Abschnit­te. Zunächst erläu­te­re ich im Pro­ömi­um bzw. der Vor­re­de skiz­zen­haft das­je­ni­ge, was ich vor­ha­be. Sodann gebe ich einen Über­blick über den geplan­ten Inhalt und bestimm­te for­ma­le Aspek­te die­ser Vor­le­sung. Wei­ter ver­su­che ich einen Anschluss­punkt für das her­me­neu­ti­sche Pro­blem im Neu­en Tes­ta­ment selbst zu fin­den, da in 1Kor 14 m. E. das zen­tra­le Pro­blem der Fremd­heit expli­zit erwähnt und mit der Metho­de der Über­set­zung ange­gan­gen wird.
Der letz­te Abschnitt the­ma­ti­siert das Pro­blem der all­ge­mei­nen und der spe­zi­el­len Her­me­neu­tik, wie es auch in Schlei­er­ma­chers Her­me­neu­tik und Kri­tik, 1977 (stw 211) for­mu­liert wird. (more…)