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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


17. Mai 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, fünf­te Vor­le­sung

 

 

Streik katho­li­scher Frau­en vor Maria mit ange­deu­te­ter Vul­va

VOR­SPRUCH

Zu Schlei­er­ma­cher kön­nen Sie den ver­link­ten Text lesen.   Zu Bult­mann kön­nen wir noch die Abbil­dun­gen ab hier erör­tern, den Bezug auf Hans Jonas, Prin­zip Ver­ant­wor­tung, Mythos-Pro­blem, eben­so Extra­va­ganz, wel­che das Objek­ti­vie­rungs-Pro­blem zu unter­lau­fen ver­sucht.

1 Ein­füh­rung

Die theo­lo­gi­sche Bear­bei­tung der Benach­tei­li­gung der Frau­en begann pro­tes­tan­tisch bei Luther, der erkann­te, dass es nicht schlüs­sig sei, die Frau­en von der Pre­digt­tä­tig­keit aus­zu­schlie­ßen, allein ihre Stim­me sei zu schwach, sodass sie nur dann zum Zuge kämen, wenn kein Mann pre­di­gen kön­ne. Schlei­er­ma­cher sah in sei­ner Päd­ago­gik-Vor­le­sung seit 1814 vor, dass die Mäd­chen zur Schu­le gehen müss­ten, nur durch Bil­dung wür­den die Frau­en an allen Aspek­ten des orga­ni­sie­ren­den und bezeich­nen­den Han­delns par­ti­zi­pie­ren kön­nen. In Deutsch­land zeig­ten sich ers­te Erfol­ge in der Wei­ma­rer Repu­blik, im Wis­sen­schafts­sys­tem zuvor schon in der Schweiz. Intel­lek­tu­el­le Frau­en sind Rosa Luxem­burg und Han­nah Arendt, letz­te­re eine Schü­le­rin Rudolf Bult­manns. Die Posi­ti­on in den frü­hen 1970er Jah­ren, Bibel und Chris­ten­tum sei­en domi­nant patri­ar­chal geprägt, spi­ri­tu­el­le Frau­en müss­ten sich an Göt­tin­nen ori­en­tie­ren, lie­ßen in den 1980er Jah­ren nach. In den 1990er Jah­ren setz­te sich bei man­chen Femi­nis­tin­nen die Ein­sicht durch, dass ihre Zie­le wohl nur gemein­sam mit Män­nern durch­setz­bar wären. Die Frau­en sind heu­te genau­so gut oder bes­ser gebil­det wie bzw. als Män­ner, daher steht ihnen kirch­lich alles offen. (more…)

10. Mai 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, vier­te Vor­le­sung

 

 

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie zur zwei­ten Vor­le­sung über die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments in der Moder­ne, die anhand des Ansat­zes von Rudolf Bult­mann wich­ti­ge Aspek­te der künf­ti­gen Vor­ge­hens­wei­se skiz­ziert.

In der Schlei­er­ma­cher-Vor­le­sung kam es zu Rück­fra­gen oder auch Ein­wän­den bezüg­lich des Wesens des Chris­ten­tums im Blick auf aktu­el­le Erschei­nun­gen wie Pro­tes­tan­tis­mus­kri­tik oder auch Zuge­hö­rig­keits­be­haup­tun­gen der AfD, was man/frau sich etwa an Bea­trix von Storch oder Alex­an­der Gau­land, des­sen Toch­ter Pfar­re­rin der EKHN ist, klar­ma­chen kann. Es ist zu beto­nen, dass das alles fair und auf dem Weg des διαλέγεσθαι (dia­lé­ges­t­hai) gesche­hen muss, mit NT und phi­lo­so­phi­scher Theo­lo­gie als nor­ma­ti­vem Inter­pre­tant unter Ein­be­zug der Kir­chen­ge­schich­te seit dem letz­ten Drit­tel des 19. Jhdts, wobei es in der Wei­ma­rer Repu­blik hef­ti­gen Wider­stand gegen den Art. 137 WRV gab, der Tren­nung von Kir­che und Staat, dazu reli­gi­ös-welt­an­schau­li­chen Plu­ra­lis­mus ver­füg­te und über Art. 140 GG auch für die Bun­des­re­pu­blik gilt. Anhand des Pro­blems des Frem­den­has­ses dürf­te der Schlei­er­ma­cher­sche Bezug auf NT, auch die Bibel ins­ge­samt ein­leuch­ten. Trotz­dem bleibt das aktu­el­le Pro­blem der Aus­ein­an­der­set­zung bestehen. Bestimm­te the­ma­ti­sier­te Sach­ver­hal­te sind m. E. straf­recht­lich rele­vant, aber m. E. ist es bezo­gen auf die Jesus­tra­di­ti­on ange­mes­sen, das Gespräch zu suchen, was offen­sicht­lich anstren­gend ist – und man­chem* als aus­sichts­los erscheint.

Eine wei­te­re Rück­fra­ge galt mei­ner Ver­tei­di­gung von Schlei­er­ma­chers Modell gegen „Dog­ma­tik als Stück der Prak­ti­schen Theo­lo­gie“ (Wil­helm Gräb), weil dann NT und phi­lo­so­phi­sche Theo­lo­gie nicht mehr als nor­ma­ti­ver Inter­pre­tant fun­gie­ren. Das Chris­ten­tum hat m. E. nicht erst mit der Auf­klä­rung begon­nen.

Gibt es wei­te­re Rück­fra­gen zur letz­ten Vor­le­sung?

Ich bezie­he mich heu­te auf fol­gen­de Wer­ke und Auf­sät­ze häu­fig, die ich dann im Text nur mit Namen und Jah­res­zahl zitie­re:

Bult­mann 19511; Bult­mann 19522; Bult­mann 19673; Bult­mann 19844; Dew­ey 19345; Dew­ey 20086; Ditt­mer 20017; 8; Lin­de 20139; Pött­ner 199510.

Ich begin­ne mit einer Ein­füh­rung (1.), wen­de  mich sodann dem Ent­my­tho­lo­gi­sie­rungs­pro­gramm bzw. der exis­ten­zia­len Inter­pre­ta­ti­on (2.) zu und erör­te­re schließ­lich mög­li­che Fort­schrei­bun­gen von Bult­manns Posi­ti­on (3.).

1 Ein­füh­rung

Rudolf Bult­mann ist wie Schlei­er­ma­cher ein außer­ge­wöhn­li­cher Theo­lo­ge, der welt­of­fen leb­te und dach­te. Vgl. Sie den Über­blick im (https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Bultmann ) Wiki­pe­dia-Arti­kel, wo auch wich­ti­ge Lite­ra­tur­an­ga­ben zu fin­den sind. Sowohl in sei­ner Schu­le und noch stär­ker bei sei­nen Geg­nern herrscht aber eine Lek­tü­re vor dem Hin­ter­grund von Über­ver­ein­fa­chun­gen vor, die sicht­bar macht, dass im evan­ge­li­schen Dis­kurs zu wenig Übung in wis­sen­schafts­theo­re­ti­schen und phi­lo­so­phi­schen Fra­ge­stel­lun­gen besteht. In bei­den Dis­zi­pli­nen war Bult­mann aber gut – und daher wird er m. E. auch heu­te noch in man­chen Aspek­ten falsch inter­pre­tiert und/oder auch falsch bewer­tet. Die durch­schnitt­li­chen Feh­ler fin­den sich auch im Wiki­pe­dia-Arti­kel. (more…)

  1. Bult­mann, Rudolf, 1951, Neu­es Tes­ta­ment und Mytho­lo­gie, in: H. W. Bartsch (Hg.), Keryg­ma und Mythos. Ein theo­lo­gi­sches Gespräch, Ham­burg, 15-48
  2. Bult­mann, R., 1952, Zum Pro­blem der Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung, in: H. W. Bartsch (Hg.) Keryg­ma und Mythos. II. Band. Dis­kus­sio­nen und Stim­men zum Pro­blem der Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung, Ham­burg, 179-208
  3. Bult­mann, R., 1967, Exege­ti­ca, E. Dink­ler (Hg.), Tübin­gen
  4. Bult­mann, R., 1984, Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments, 9. Aufl. Tübin­gen
  5. Dew­ey, John, 1934, A Com­mon Faith., new ed. 2013: Th. A. Alex­an­der (Hg.), New York
  6. Dew­ey, J., 2008, Logik. Die Theo­rie der For­schung, stw 1902, Frank­furt u. a.
  7. Ditt­mer, Johan­nes, 2001, Schlei­er­ma­chers Wis­sen­schafts­leh­re als Ent­wurf einer pro­zes­sua­len Meta­phy­sik in semio­ti­scher Per­spek­ti­ve. Tria­di­zi­tät im Wer­den, TBT 113, Ber­lin u. a.
  8. Ditt­mer, J., 2014: Dis­kus­si­ons­bei­trag zum Ent­my­tho­lo­gi­sie­rungs­ar­ti­kel: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/2014/06/29/art-entmythologisierung-diskussionsentwurf
  9. Lin­de, Gesche, 2013, Zei­chen und Gewiss­heit. Semio­ti­sche Ent­fal­tung eines pro­tes­tan­tisch-theo­lo­gi­schen Begriffs, RPT 69, Tübin­gen
  10. Pött­ner, Mar­tin, 1995, Rea­li­tät als Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ansät­ze zur Beschrei­bung der Gram­ma­tik des pau­li­ni­schen Spre­chens in 1Kor 1,4-4,21 im Blick auf lite­ra­ri­sche Pro­ble­ma­tik und Situa­ti­ons­be­zug des 1. Korin­ther­briefs, Theo­lo­gie 2, Ber­lin u. a.
25. April 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, zwei­te Vor­le­sung

§ 2: Die Ent­ste­hung der dyna­mi­schen Schrift­re­li­gi­on im Juden­tum – und ihre Fort­set­zung im Neu­en Tes­ta­ment

Inhalt

Zu Ende füh­ren des § 1, Ver­ständ­nis­fra­gen und Kri­tik. Vor­spruch:

Bit­te lesen Sie den Abschnitt 4 von § 1. Mir ist wich­tig, dass Sie Schlei­er­ma­chers Über­le­gun­gen zum Hebrais­mus ver­ste­hen, auch das­je­ni­ge, was ich zur LXX, der grie­chi­schen Über­set­zung der aramäischen/hebräischen Tex­te sage. Dazu kom­men Abgren­zun­gen zu Posi­tio­nen, die unter­stel­len, es gebe beson­de­re geist­ge­wirk­te Regeln, mit­tels derer man/frau ggf. nur den Sinn neu­tes­ta­ment­li­cher Tex­te ver­ste­hen kön­ne.
Abb. 4: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/wp-content/uploads/2019/04/Screenshot_20190217-200930_PowerPoint-e1555170097239.jpg
M. E. gab es Ver­ständ­nis­fra­gen zu den bei­den fol­gen­den Gra­fi­ken bzw. zu dem damit dar­ge­stell­ten Inhalt:
Abb. 1: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/wp-content/uploads/2019/02/Zeitliches-Selbstverh%C3%A4ltnis-Zeichen-und-Religiosit%C3%A4t-e1550242280334.jpg
Abb. 2: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/wp-content/uploads/2019/04/Screenshot_20190217-200930_PowerPoint-e1555170097239.jpg
Dar­über kön­nen wir ger­ne noch ein­mal spre­chen bzw. dis­ku­tie­ren. Eben­so über das Fol­ge­pro­blem, dass ich „die Wahr­heit“ in „unse­rem“ Ver­hält­nis zu Chris­tus sehe, vgl. Joh 14,6 mit 18,37f und die Reich­wei­te in Joh 1,1-3!

Kri­tik

Müss­te nicht „Queer“-Hermeneutik ein­be­zo­gen wer­den https://www.queer.de/ ?!!! M. E. eher nicht, da seit den 1980er Jah­ren die femi­nis­ti­sche Her­me­neu­tik die­ses The­ma mit­be­ar­bei­tet hat, so auch Frett­löh, die sich auf Judith But­ler bezieht. M. E. kommt die früh­ro­man­ti­sche Posi­ti­on hin­zu, die Gegen­sät­ze wie Mann/Frau nicht scharf, son­dern eher als Über­gän­ge ver­steht. So sind Tex­te wie Gen 1,26ff und Gal 3,26ff m. E. am bes­ten zu ver­ste­hen.

1. Ein bibli­sches Bei­spiel: Gen 1,1-2,4a und 2,4b-3,24

2. Die Schrift­ge­lehr­ten im Juden­tum

3. Der Anschluss des Neu­en Tes­ta­ments an die dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung im Juden­tum

 

Mei­ne Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie zur zwei­ten Vor­le­sung über die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments. Heu­te geht es um die Ent­ste­hung der  dyna­mi­schen Schrift­re­li­gi­on im Juden­tum, von der das Chris­ten­tum des Neu­en Tes­ta­ments geprägt ist und von der es eine Fort­ent­wick­lung dar­stellt. Bevor ich damit begin­ne, möch­te ich fra­gen, ob es Rück­fra­gen zur letz­ten Stun­de gibt oder ob Sie Ein­wän­de äußern möch­ten.

 

Die heu­ti­ge Vor­le­sung hat fol­gen­de Struk­tur:

1 Ein bibli­sches Bei­spiel: Gen 1,1-2,4a und 2,4b-3,24
2 Die Schrift­ge­lehr­ten im Juden­tum
3 Der Anschluss des Neu­en Tes­ta­ments an die dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung im Juden­tum

1 Ein bibli­sches Bei­spiel: Gen 1,1-2,4a und 2,4b-3,24

Wir sahen anhand der Aus­le­gung von 1Kor 14, dass für Pau­lus das her­me­neu­ti­sche Pro­blem als Pro­blem des Ver­ste­hens frem­der Zei­chen und eben­so der Fra­ge des mög­li­chen Ein­ver­ständ­nis­ses mit dem von die­sen Zei­chen Bezeich­ne­ten oder Dar­ge­stell­ten trans­pa­rent war. Den­ken Sie an die Erwäh­nung des* Lai­en* oder Ungläu­bi­gen*, der vor dem Hin­ter­grund trans­pa­ren­ter Zei­chen poten­zi­ell sein Ein­ver­ständ­nis mit der Glau­bens­kom­mu­ni­ka­ti­on der korin­thi­schen Gemein­de äußern könn­te.

Natür­lich könn­te man mei­nen, Pau­lus habe auch die Her­me­neu­tik erfun­den. Aber Pau­lus war ein pha­ri­säi­scher Schrift­ge­lehr­ter (Phil 3). Daher liegt es nahe, dass die­se Fra­gen schon zuvor im Juden­tum dis­ku­tiert wor­den sind. Ähn­lich gibt es im grie­chi­schen Wis­sen­schafts­sys­tem phi­lo­lo­gi­sche Bestre­bun­gen ins­be­son­de­re in Alex­an­dria, Der­ar­ti­ges zu the­ma­ti­sie­ren. Wir kon­zen­trie­ren uns auf den Pro­zess im Juden­tum, der sich aber kei­nes­wegs unab­hän­gig von den Ent­wick­lun­gen in der grie­chi­schen Kul­tur voll­zo­gen hat.

Jeder* Leser* der jüdi­schen Bibel wird sofort in den ers­ten drei Kapi­teln auf das Pro­blem gesto­ßen. (more…)

13. April 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments I

§ 1: Hin­füh­rung zum Pro­blem

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie in die­ser Vor­le­sung zu einer Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en  Neu­en Tes­ta­ments!

 

Inhalt

1 Pro­ömi­um
2 Über­blick
3 Das Pro­blem, das hin­ter der Her­me­neu­tik steht: die Fremd­heit der Zei­chen­ver­wen­dung ande­rer Men­schen
4 All­ge­mei­ne und spe­zi­el­le Her­me­neu­tik?

 

Wie Sie am  Inhalts­ver­zeich­nis sehen kön­nen, hat die heu­ti­ge Vor­le­sung vier Abschnit­te. Zunächst erläu­te­re ich im Pro­ömi­um bzw. der Vor­re­de skiz­zen­haft das­je­ni­ge, was ich vor­ha­be. Sodann gebe ich einen Über­blick über den geplan­ten Inhalt und bestimm­te for­ma­le Aspek­te die­ser Vor­le­sung. Wei­ter ver­su­che ich einen Anschluss­punkt für das her­me­neu­ti­sche Pro­blem im Neu­en Tes­ta­ment selbst zu fin­den, da in 1Kor 14 m. E. das zen­tra­le Pro­blem der Fremd­heit expli­zit erwähnt und mit der Metho­de der Über­set­zung ange­gan­gen wird.
Der letz­te Abschnitt the­ma­ti­siert das Pro­blem der all­ge­mei­nen und der spe­zi­el­len Her­me­neu­tik, wie es auch in Schlei­er­ma­chers Her­me­neu­tik und Kri­tik, 1977 (stw 211) for­mu­liert wird. (more…)

23. Februar 2019

Über­blick über die Her­me­neu­tik-Vor­le­sung im Som­mer­se­mes­ter

Abschnitt der Vor­le­sung und §:

I.  Pro­emi­um und his­to­ri­sche Expo­si­ti­on des Pro­blems

1: Hin­füh­rung zum Pro­blem (15.04)

Ostern

2: Die Ent­ste­hung der Schrift­re­li­gi­on im Juden­tum und ihre Bedeu­tung für das her­me­neu­ti­sche Pro­blem (29.04.)

II. Moder­ne

3: Das Modell Fried­rich Schlei­er­ma­chers in der „Kur­zen Dar­stel­lung“: „exege­ti­sche Theo­lo­gie“ und Her­me­neu­tik als Kunst­leh­re (06.05)
4: Das Pro­blem der im All­tag prä­sen­ten expe­ri­men­tel­len Metho­de in den Natur­wis­sen­schaf­ten und die Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung: Rudolf Bult­mann (13.05.)
5: Die Not­wen­dig­keit, die Geschlech­ter­fra­ge zu berück­sich­ti­gen (Mag­da­le­ne F. Frett­löh) (20.05.)

III. Vor­schlag: Bild­lich­keit und Nar­ra­ti­vi­tät berück­sich­ti­gen

6: Die Fra­ge der Bild­lich­keit reli­giö­ser Rede und Zei­chen­kom­ple­xe (27.05.)
7: Die (mög­li­che) Extra­va­ganz reli­giö­ser Bil­der, Charles Peirce u. a. (03.06.)

Pfings­ten

8: Pro­blem­ge­schich­ten: Mar­kus, Pau­lus und Johan­nes (17.06.)
9: Dua­lis­ti­sche Erzähl­wei­sen: Mat­thä­us, Hebrä­er­brief und Apo­ka­lyp­se des Johan­nes – sowie  „Ver­schwö­rungs­my­then“ ([Micha­el Blu­me] 24.06.)
10: Erfolgs­ge­schich­ten: Luka­ni­sches Dop­pel­werk, Her­aus­ge­ber der „Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on“ (01.07.)
11: Die Berg­pre­digt (08.07.)
12: Extra­va­ganz in Para­beln Jesu (παραβολαί [para­bo­lai]) (15.07.)

IV. Epi­log

13:  Abschluss­dis­kus­si­on (22.07.)

Die Vor­le­sung prä­sen­tiert mit­hin her­me­neu­ti­sche Model­le – und führt in ihren Voll­zug ein, sodass Sie sich ori­en­tie­ren kön­nen. Das habe ich in Mar­burg und Zürich so gelernt, Her­me­neu­tik ist prak­tisch und kon­kret. In Mar­burg durch den Geist Ernst Fuchs’, der durch Wolf­gang Har­nisch und Gerd Schu­n­ack prä­sent war, vor allem aber durch Fuchs’ bedeu­ten­den Ver­such, der „Mar­bur­ger Her­me­neu­tik“. In Zürich durch Hans Weder, der eben­falls durch Fuchs und des­sen Schü­ler Eber­hard Jün­gel beein­flusst war. Dadurch wer­den Model­le stets an Tex­ten erprobt – und Sie kön­nen einen eige­nen Ein­druck gewin­nen, was die­se zu leis­ten ver­mö­gen. Neben­bei the­ma­ti­siert die­se Vor­le­sung daher das gesam­te Neue Tes­ta­ment.

Ich beschrän­ke die detail­liert erör­ter­ten moder­nen Posi­tio­nen exem­pla­risch auf die­je­ni­gen Fried­rich Schlei­er­ma­chers, Rudolf Bult­manns und der femi­nis­ti­schen Posi­ti­on Mag­da­le­ne Frett­löhs. M. E. sind damit alle Pro­ble­me zu bear­bei­ten. Ich unter­stel­le mit­hin, dass die Rede von Post- oder Spät­mo­der­ne wenig sach­hal­tig ist.

Zwei Punk­te sind für die Vor­le­sung wich­tig:

1. M. E. ist „Reli­gi­on“ nicht unver­nünf­tig. Daher erör­ter­te ich expli­zit Fra­gen der dua­lis­ti­schen Erzähl­mus­ter, die häu­fig mit Kon­tra­dik­tio­nen und logi­schen Wider­sprü­chen arbei­ten. All­ge­mein gehört zur Ver­nunft, dass wir uns nar­ra­tiv selbst ver­stän­di­gen. Und wir dür­fen das auch bild­lich tun.
2. Für das Chris­ten­tum gilt, dass unter­stellt wird, wir stün­den stän­dig in der Gefahr, uns reli­gi­ös zu ver­feh­len, mit­hin zu sün­di­gen o. Ä. Daher ver­tre­ten vie­le neu­tes­ta­ment­li­che Tex­te wie im Juden­tum die Idee einer Lebens­wen­de, den­ken Sie exem­pla­risch an die Para­bel von den „ver­lo­re­nen Söh­nen“ in Lk 15. M. E. reagie­ren eini­ge Tex­te im Neu­en Tes­ta­ment dar­auf – und bil­den „extra­va­gan­te Mus­ter“ aus, all­täg­lich Gewohn­tes wird zitiert, ver­frem­det und poe­tisch-rhe­to­risch wei­ter­ge­führt.

All­ge­mein gilt, dass z. B. gemes­sen an Aris­to­te­les Gefüh­le, Lei­den­schaf­ten, Argu­men­ta­tio­nen, Erzäh­lun­gen u. a. m. für Men­schen typisch sind. Wir ver­su­chen in der Vor­le­sung her­me­neu­tisch zu erar­bei­ten, wo die Gren­ze „vernünftig“/ „unver­nün­tig“ gezo­gen wer­den kann bzw. wo das erfor­der­lich sein könn­te.

15. August 2018

Mein ers­ter Guten­berg-Bei­trag

Es gehört zu den inter­es­san­ten Ver­su­chen bei Word­Press, neue Mög­lich­kei­ten der Publi­ka­ti­on anzu­bie­ten. Tren­nung akzep­tiert er, aber Block­satz geht nicht. Dann klas­si­scher Edi­tor. Scheint zu gehen.

 

 

13. Juni 2018

Bad Rap­penau, Phi­lo­so­phie in Nord­ame­ri­ka I: Peirce

Das Pro­gramm im Som­mer: Peirce und Whitehead

Der Phi­lo­so­phie­bei­trag knüpft an die Erwä­gun­gen im letz­ten Herbst an, die das us-ame­ri­ka­ni­sche Sys­tem von der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung her erklä­ren und mit dem deut­schen Sys­tem nach Art. 137 WRV ver­glei­chen bzw. pro­fi­lie­ren woll­ten. In den bei­den phi­lo­so­phi­schen Bei­trä­gen in die­sem Semes­ter bespre­chen wir Charles Peirce und Alfred North Whitehead, bei­des Phi­lo­so­phen, die das Poten­zi­al der us-ame­ri­ka­ni­schen Ent­wick­lung deut­lich machen kön­nen. Bei­de Phi­lo­so­phen akzep­tie­ren die expe­ri­men­tel­le Metho­de in den Natur­wis­sen­schaf­ten, sind aber auch den Kul­tur­wis­sen­schaf­ten gegen­über offen. Die­se Offen­heit hängt u. a. damit zusam­men, dass in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jhdts. inner­halb der Mathe­ma­tik Ent­wick­lun­gen wie die Men­gen­leh­re, die Wahr­schein­lich­keits­ma­the­ma­tik und die Theo­rie der Rela­tio­nen ent­stan­den. Dadurch wur­de phi­lo­so­phisch man­ches neu denk­bar. Bei­de knüpf­ten an pro­zes­sua­le Vor­stel­lun­gen an, die im 19. Jhdt. bei Schlei­er­ma­cher, Schel­ling und Hegel ent­wi­ckelt wor­den waren.
Ein Aspekt der Kul­tur ist außer den Wis­sen­schaf­ten für bei­de Phi­lo­so­phen wesent­lich, der Aspekt der Reli­gi­on. Und daher liegt in bei­den Ent­wür­fen auch eine pro­zessphi­lo­so­phi­sche Got­tes­leh­re vor. Bei­de Phi­lo­so­phen sind Prag­ma­tis­ten, d. h., sie unter­stel­len, dass wir han­delnd auf die Wirk­lich­keit zugrei­fen – und dass die­ser Zugriff der Wirk­lich­keit nicht äußer­lich ist. Wir klä­ren die genaue Bedeu­tung von „Prag­ma­tis­mus“ sofort bei Peirce. (more…)

3. Oktober 2016

Lenin und Kond­rat­jew (Kol­ping Heil­bronn)

 

Heu­te sol­len uns zwei wich­ti­ge Bei­trä­ge des rus­si­schen phi­lo­so­phi­schen Den­kens beschäf­ti­gen: Niko­lai Kond­rat­jew (Kond­ra­tieff) und Wla­di­mir Iljitsch Lenin.

Beim zwei­ten Ter­min bespre­che ich Dos­to­jew­ski und Tol­stoi.

Falls Ihnen bestimm­te Namen und/oder Posi­tio­nen unbe­kannt sein soll­ten, kön­nen Sie die Such­funk­ti­on des Blogs benut­zen. Und ich beant­wor­te ger­ne Ihre Fra­gen!

1               Lenin (1870-1924)

Lenin gehört natür­lich zum The­ma Russ­land, aber sei­ne Posi­ti­on ist auch phi­lo­so­phisch auf­schluss­reich, weil er Karl Marx dar­in folg­te, dass die Phi­lo­so­phen die Welt bis­her inter­pre­tiert hät­ten. Es gel­te sie aber zu ver­än­dern, wie es in der „Deut­schen Ideo­lo­gie“ heißt.

 

1.1 Bio­gra­fie

Lenin

Lenin

Wla­di­mir Iljitsch Ulja­now ist sein rich­ti­ger Name, „Lenin“ ist ein Pseud­onym, das er als Revo­lu­tio­när ver­wen­de­te. Mög­li­cher­wei­se soll es besa­gen: „der vom (sibi­ri­schen) Fluss Lena stam­men­de Mann“ (vgl. den ein­schlä­gi­gen Wiki­pe­dia-Arti­kel).

(more…)

24. September 2016

Chi­ne­si­sche Phi­lo­so­phie I (Hin­füh­rung, Kon­fu­zia­nis­mus [Bad Rap­penau])

1.        Hin­füh­rung

Ich möch­te mit zwei Zita­ten begin­nen, die exem­pla­risch für den Dis­kurs­stil ste­hen kön­nen:

 

 1.1 Kon­fu­zi­us[1]:

 Her­zog Ai frag­te den Meis­ter Kung und sprach: »Eines Rei­ches Bestehen und Unter­gang, Glück und Unglück haben doch sicher ihre himm­li­sche Bestim­mung und rüh­ren nicht nur von Men­schen her.«

Meis­ter Kung erwi­der­te: »Bestehen und Unter­gang, Glück und Unglück kom­men alle nur durch eige­ne Schuld. Zei­chen am Him­mel und Vor­be­deu­tun­gen auf der Erde kön­nen nichts hin­zu­fü­gen.«

Der Her­zog sprach: »Gut, mein Meis­ter, habt Ihr gere­det, aber wie soll das zuge­hen?«

Meis­ter Kung sprach: »Vor alters zur Zeit des Herr­schers Sin aus dem Hau­se Yin, da brü­te­te ein Sper­ling einen gro­ßen Vogel aus auf der Ecke der Stadt­mau­er. Die Zei­chen­deu­ter spra­chen: ‚Wenn Klei­nes Gro­ßes erzeugt, so wird das Reich sicher blü­hen und des Herr­schers Name berühmt wer­den.‘ Dar­auf ver­ließ sich der Herr­scher Sin auf die Kraft die­ses Sper­lings. Er küm­mer­te sich nicht um die Regie­rung des Lan­des und war hart und grau­sam über alle Maßen, und vor den Leu­ten sei­nes Hofes gab es kei­ne Ret­tung. Da bra­chen Räu­ber von außen ein, und die Herr­schaft des Hau­ses Yin fand dadurch ihr Ende. So hat er selbst der Zeit des Him­mels ent­ge­gen­ge­wirkt und das zuge­dach­te Glück in Unglück ver­wan­delt.

[Chi­ne­si­sche Phi­lo­so­phie: Kung­fut­se: Gia Yü – Schul­ge­sprä­che. Asia­ti­sche Phi­lo­so­phie – Indi­en und Chi­na, S. 26695 (vgl. Kung­fut­se-Gia Yü, S. 29-30)]

1.2 Lao­tse:

Der SINN, den man ersin­nen kann,

ist nicht der ewi­ge SINN.

Der Name, den man nen­nen kann,

ist nicht der ewi­ge Name.

Jen­seits des Nenn­ba­ren liegt der Anfang der Welt.

Dies­seits des Nenn­ba­ren liegt die Geburt der Geschöp­fe.

Dar­um führt das Stre­ben nach dem Ewig-Jen­sei­ti­gen

zum Schau­en der Kräf­te,

das Stre­ben nach dem Ewig-Dies­sei­ti­gen

zum Schau­en der Räum­lich­keit.

Bei­des hat Einen Ursprung und nur ver­schie­de­nen Namen.

Die­se Ein­heit ist das Gro­ße Geheim­nis.

Und des Geheim­nis­ses noch tie­fe­res Geheim­nis:

Das ist die Pfor­te der Offen­bar­wer­dung aller Kräf­te.

[Chi­ne­si­sche Phi­lo­so­phie: Lao­tse: Tao Te King – Das Buch des Alten vom Sinn und Leben. Asia­ti­sche Phi­lo­so­phie – Indi­en und Chi­na, S. 28522 (vgl. Lao­tse-Tao[2], S. 3)]

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23. Juli 2016

§ 12 Schluss

1. Mk 4,26ff

2. The­sen

3. Dis­kus­si­on

  1. Die Para­bel von der selbst­wach­sen­den Saat (Mk 4,26-29)

Ich bin der Über­zeu­gung, dass man das Extra­va­ganz­kon­zept auf vie­le „Para­beln“ anwen­den kann. Har­nisch[1]beschränk­te es auf gro­ße Erzäh­lun­gen wie die Arbei­ter im Wein­berg, den barm­her­zi­gen Sama­ri­ta­ner, den Schalksknecht u. a. m.

Wir sehen uns heu­te exem­pla­risch die Para­bel von der „selbst wach­sen­den Saat“ in Mk 4,26-29 an. Mk erläu­tert in Kap. 4 für das Mar­ku­sevan­ge­li­um, wor­um es bei der Got­tes­herr­schaft bzw. dem Reich Got­tes geht – und wel­che Rezep­ti­ons­pro­ble­me es gibt, schließ­lich kön­nen die Schü­ler nach die­sen gan­zen para­bo­li­schen Beleh­run­gen den Sturm nicht stil­len – und Jesus muss es tun. (more…)