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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


18. Januar 2012

In eigener Sache

 

Ich habe seit Juli gele­gent­lich an die­ser Stel­le über mich selbst geschrie­ben und mei­ne Leser/innen und Kund/innen über mei­nen Wer­de­gang nach mei­nem Schlag­an­fall am 11.04.2011 infor­miert. Dies war ein deut­li­cher Ein­schnitt in mei­nem Leben, ich habe wie ein Klein­kind erst Krab­beln und dann ganz lang­sam Lau­fen gelernt. Neben der Beglei­tung in der Kopf­kli­nik und den Schmie­der-Kli­ni­ken (Hei­del­berg) habe ich schon bald ver­sucht, Kon­takt zu Osteopath/inn/en zu suchen. Zum Einen, weil ich in der Fer­tig­stel­lung der Über­set­zung von Mar­ga­ret Sor­rels Buch über Char­lot­te Wea­ver durch den Schlag­an­fall unter­bro­chen wur­de. Hier traf ich auf gro­ßes Ent­ge­gen­kom­men. Da mei­ne Gene­sung noch fort­dau­ert, wird die Fer­tig­stel­lung bis Ende Febru­ar andau­ern – aber das Ende ist in Sicht. Zum Ande­ren, weil ich auf­grund mei­ner Beschäf­ti­gung vor allem mit Still und Litt­le­john durch­aus zu den Ken­nern der „klas­si­schen Osteo­pa­thie“ zäh­le, erhoff­te ich mir von Osteo­pa­then­sei­te wesent­li­che Unter­stüt­zung beim Reha­bi­li­ta­ti­ons- und Gene­sungs­pro­zess. Denn die recht ver­stan­de­ne Osteo­pa­thie ist eine (auch prag­ma­tis­tisch inspi­rier­te) Theo­rie der Ner­ven­sys­te­me, wel­che die­se zu beein­flus­sen unter­nimmt. Die­se Hoff­nung hat nicht getro­gen, drei Behand­lun­gen führ­ten zu Anstö­ßen für teils dra­ma­ti­sche Ver­bes­se­run­gen. Sodass ich jetzt begrün­det hof­fen kann, dass ich im Früh­som­mer 2012 wie­der zu einem Men­schen wer­de, der jenem stark ähnelt, wel­cher glaub­te, im März 2011 am bis­he­ri­gen Höhe­punkt sei­nes Lebens ange­kom­men zu sein. Dies wur­de am 11.04.2011 als wahr­schein­li­che Illu­si­on ent­larvt, zumal mir am Abend die­ses Tages in der Kopf­kli­nik deut­lich wur­de, dass mei­ne Frau sich mit hoher Wahr­schein­lich­keit schei­den las­sen wer­de. Die­se Abduk­ti­on traf zu, obgleich ich die Hoff­nung noch nicht ganz auf­ge­ge­ben habe.
Das führ­te im Novem­ber 2011 zu einer star­ken Iden­ti­täts­kri­se, die bis Mit­te Janu­ar anhielt. Seit eini­gen Tagen hat sich aber mei­ne Wahr­neh­mung auf­ge­hellt. Teil­wei­se habe ich wie­der ein nor­ma­les Kör­per­ge­fühl. Die Zei­ten als dis­em­bo­di­ed spi­rit schei­nen der Ver­gan­gen­heit anzu­ge­hö­ren. Mein Tages­lauf ist mir wie­der zugäng­lich, ich keh­re zu selbst­be­stimm­ten For­men des Lebens zurück. Aber es hat erheb­lich län­ger gedau­ert, als ich im Mai/Juni 2011 selbst erwar­tet hat­te.
Am 11. März 2011 wur­de auch für weni­ger ambi­tio­niert den­ken­de Men­schen deut­lich, dass die­je­ni­gen seit Peirce und Rus­sel Wal­lace, wel­che auf die mög­li­cher­wei­se desas­trö­sen Rück­kopp­lungs­pro­zes­se des tech­nisch-wirt­schaft­lich-wis­sen­schaft­li­chen Kom­ple­xes ver­wie­sen hat­ten, im Recht waren. Wie Peirce wohl spä­tes­tens 1904 gezeigt hat, ist die Ethik der Logik wis­sen­schafts­sys­te­ma­tisch vor­zu­ord­nen. Die­ser Gedan­ke beruht u. a. auf Ide­en des  „Ame­ri­ka­ni­schen Tran­szen­den­ta­lis­mus“, wel­cher die ame­ri­ka­ni­sche Roman­tik dar­stellt. Und ohne die­se ist auch die Osteo­pa­thie Stills nicht mög­lich gewe­sen. Ich wer­de die­sen Zusam­men­hang hier Mit­te Febru­ar aus­führ­lich dar­stel­len. Mit­hin wird sich zei­gen, war­um Phi­lo­so­phie der Osteo­pa­thie so wich­tig ist – und heu­te wie­der Zukunft hat.

30. Oktober 2011

EFG-Griesheim

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Der Text der heu­ti­gen Pre­digt steht in Mk 2, in den VV. 1-12:

 

1 Und nach eini­gen Tagen ging er wie­der nach Kapharnaum; und es wur­de bekannt, dass er im Haus war.

2 Und es ver­sam­mel­ten sich vie­le, sodass sie nicht genü­gend Raum hat­ten, auch nicht drau­ßen vor der Tür; und er sag­te ihnen das Wort.

3 Und es kamen eini­ge zu ihm, die brach­ten einen Gelähm­ten – die­ser wur­de von vier Men­schen getra­gen.

4 Und da die Trä­ger ihn wegen der Men­ge nicht zu ihm brin­gen konn­ten, deck­ten sie das Dach auf, wo Jesus war, mach­ten ein Loch und lie­ßen das Bett her­un­ter, auf dem der Gelähm­te lag.

5 Als nun Jesus ihr Ver­trau­en sah, sprach er zu dem Gelähm­ten:

Mein Sohn, dei­ne Sün­den sind dir ver­ge­ben!“

6 Es saßen da aber eini­ge Schrift­ge­lehr­te und dach­ten in ihren Her­zen:

7 „Was redet der da so?

Er läs­tert Gott!

Wer kann außer Gott allein Sün­den ver­ge­ben?“

8 Und Jesus erkann­te sogleich in sei­nem Geist, dass sie so bei sich selbst dach­ten, und sprach zu ihnen:

Was denkt Ihr so etwas in Euren Her­zen?

9 Was ist leich­ter, zu dem Gelähm­ten zu sagen:

Dir sind dei­ne Sün­den ver­ge­ben, oder zu sagen:

Steh auf, nimm Dein Bett und geh umher?

10 Damit Ihr aber wisst, dass der Men­schen­sohn Voll­macht hat, Sün­den zu ver­ge­ben auf Erden“ – Dabei wand­te er sich zu dem Gelähm­ten –:

11 „Ich sage Dir, steh auf, nimm Dein Bett und geh heim!“

12 Und die­ser stand auf, nahm sein Bett und ging sofort hin­aus vor aller Augen, sodass sie sich alle ent­setz­ten und Gott prie­sen und spra­chen: Wir haben so etwas noch nie gese­hen.

 

Lie­be Gemein­de,

 

nach heu­ti­ger medi­zi­ni­scher Ein­sicht beru­hen Läh­mun­gen mit ganz über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit auf z. T. schwe­ren Stö­run­gen des Zen­tra­len Ner­vem­sys­tems, auch der peri­phe­ren Ner­ven, die medi­zi­ni­scher The­ra­pie zugäng­lich sind, wie das bei mei­nem Schlag­an­fall war, dann geht man nach eini­ger Zeit wie­der umher. Oder die­se Stö­run­gen des Ner­ven­sys­tems sind der medi­zi­ni­schen The­ra­pie bis­lang nicht zugäng­lich, dann bleibt man sit­zen – zumin­dest im Roll­stuhl. Es ist ein schwe­res Schick­sal.

Die Schwe­re der Krank­heit wird in unse­rer Erzäh­lung aus Kapharnaum betont. Jesus ist wie immer unter­wegs und ver­kün­digt sei­ne Bot­schaft vom Evan­ge­li­um, das nahe­ge­kom­men ist, eben das Wort – und dem man Ver­trau­en schen­ken und ent­spre­chend von sei­nem bis­he­ri­gen Lebens­wan­del umkeh­ren soll.

Das Inter­es­se der Men­schen ist groß. Das Haus, in dem Jesus sich befin­det, ist über­füllt. Auch vor dem Haus ist alles über­füllt. Den­noch brin­gen vier Men­schen einen Gelähm­ten zu Jesus, durchs Dach, es wird von den Vie­ren auf­ge­gra­ben. Jesus sieht das Ver­trau­en der vier Men­schen, die sich gegen Wider­stän­de durch­set­zen. Damit ist nach der Logik des Mar­ku­sevan­ge­li­ums eigent­lich das Pro­blem gelöst. Wer auf das Evan­ge­li­um ver­traut, nimmt an der Schöp­fer­macht Got­tes Teil – und ver­mag ganz Außer­ge­wöhn­li­ches zu leis­ten, wie es die vier Trä­ger des Gelähm­ten auch tun. Sie gra­ben das Dach über Jesus auf, umge­hen so die Men­ge und brin­gen den Gelähm­ten zu Jesus, damit er ihn hei­le.

Jesus sieht das Ver­trau­en der vier Trä­ger. Sei­ne Reak­ti­on ist aber etwas auf­fäl­lig:

Mein Sohn, Dei­ne Sün­den sind Dir ver­ge­ben!“ – sagt er zu dem Gelähm­ten.

Das ist eine merk­wür­di­ge Pro­vo­ka­ti­on. Sie reagiert dar­auf, dass in eini­gen jüdi­schen und bibli­schen Tex­ten sol­che Krank­hei­ten wie die­je­ni­ge des Gelähm­ten als Fol­ge sei­ner Ver­stö­ße gegen das Gesetz Got­tes ver­stan­den wur­den. Ich selbst bin reli­gi­ös mit die­ser Tra­di­ti­on erzo­gen wor­den.

Jesus dis­ku­tiert das nicht wei­ter, son­dern ver­gibt dem Gelähm­ten sei­ne Sün­den. Das emp­fin­den nun die „Schrift­ge­lehr­ten“ als unge­heu­er­li­che Pro­vo­ka­ti­on. Sie sit­zen im Haus:

Was redet der da so?

Er läs­tert Gott!

Wer kann außer Gott allein Sün­den ver­ge­ben?“ – so den­ken sie. Jesus kann Gedan­ken lesen:

Was denkt ihr sol­ches in euren Her­zen?

9 Was ist leich­ter, zu dem Gelähm­ten zu sagen:

Dir sind dei­ne Sün­den ver­ge­ben, oder zu sagen:

Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?

10 Damit ihr aber wisst, dass der Men­schen­sohn Voll­macht hat, Sün­den zu ver­ge­ben auf Erden – so sprach er zu dem Gelähm­ten:

11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!“

Das macht der bis­her Gelähm­te und alle sind erstaunt und guter Din­ge.

Der Text erweckt den Ein­druck, als ob sogar die Schrift­ge­lehr­ten in den all­ge­mei­nen Lob­preis Got­tes ein­stim­men, mit­hin ihre reli­giö­se Empö­rung ver­ges­sen oder über den Hau­fen gewor­fen haben. Aus dem wei­te­ren Ver­lauf des Mar­ku­sevan­ge­li­ums wis­sen wir aber, dass die Mehr­heit der Schrift­ge­lehr­ten auf jeden Fall am Vor­wurf der Got­tes­läs­te­rung fest­hält. Jesus wird zudem als mes­sia­ni­scher Auf­rüh­rer ver­däch­tigt und so den Römern prä­sen­tiert, damit die­se ihn am Kreuz hin­rich­ten.

Jesus ver­mei­det den­noch nicht die Pro­vo­ka­ti­on der Schrift­ge­lehr­ten. Denn ihm geht es um dem gelähm­ten Men­schen, der von den vier Trä­gern mit Ver­trau­en auf das Evan­ge­li­um gebracht wird. So ist er im Hori­zont des Evan­ge­li­ums, des Ver­trau­ens und der Umkehr. Er par­ti­zi­piert über die ver­trau­en­de Akti­on der Trä­ger an der Schöp­fer­macht Got­tes. Dass er gesün­digt hat, wird schon so sein, Jesus ver­gibt ihm sei­ne Sün­den. Aber das eigent­li­che Hemm­nis sind die Schrift­ge­lehr­ten, die reli­gi­ös empört im Haus sit­zen.

Jesus stellt ihnen eine argu­men­ta­ti­ve Fra­ge. Es ist ein Schluss vom Klei­ne­ren auf das Grö­ße­re – oder umge­kehrt, je nach Posi­ti­on:

 Was ist leich­ter, zu dem Gelähm­ten zu sagen:

Dir sind dei­ne Sün­den ver­ge­ben, oder zu sagen:

Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?“

Ja, was ist leich­ter?

Wir wis­sen medi­zi­nisch, dass gegen­wär­tig kei­nes­wegs alle Läh­mun­gen geheilt wer­den kön­nen, ganz im Gegen­teil. Bei mei­ner war es wahr­schein­lich, wenn auch kei­nes­wegs sicher. Ich habe vie­le Patient/inn/en erlebt, bei denen eine Hei­lung nicht ein­trat – die Ärzt/inn/e/n waren rat- und hilf­los. Weil ich Theo­lo­gie­pro­fes­sor bin, sag­te der Chef­arzt der Schmie­der-Kli­ni­ken zu mir: „Wir machen kei­ne Heils­ver­spre­chen!“ Gemeint war: „Das könnt ihr schon machen! Aber hier geht es um stets unsi­che­re Hei­lungs­wahr­schein­lich­kei­ten …“

Daher dürf­ten wir aus unse­rer Erfah­rungs­per­spek­ti­ve wahr­schein­lich ant­wor­ten: „Es ist leich­ter zu sagen: Dei­ne Sün­den sind Dir ver­ge­ben!“ So was kön­nen Theolog/inn/en immer behaup­ten, über­prü­fen kann man es ohne­hin nicht …

Natür­lich lässt Jesus die Debat­te nicht ganz offen, er heilt den Gelähm­ten.

Er hat natür­lich die Voll­macht Sün­den zu ver­ge­ben und er heilt den Gelähm­ten. Wäre die Leh­re rich­tig, dass Sün­den die Ursa­che von Krank­hei­ten sind, ist damit aus Jesu Per­spek­ti­ve den­noch klar: Es geht um den Gelähm­ten im Hori­zont des Ver­trau­ens sei­ner Trä­ger auf das Evan­ge­li­um.

 

Lie­be Gemein­de,

 

das ist nach mei­ner Über­zeu­gung der Kern die­ser Erzäh­lung, die auch in unser z. T. durch schwe­res Lei­den gezeich­ne­tes Leben ein­grei­fen, uns den­noch akti­vie­ren und trös­ten kann. Wer auf einer Leh­re beharrt, dass Krank­hei­ten durch Sün­den ver­ur­sacht sind, hat die Logik des Evan­ge­li­ums und des Ver­trau­ens auf es nicht ver­stan­den – und ver­sucht sich selbst in den Vor­der­grund zu spie­len.

Ich bin ganz gesund, also habe ich nicht gesün­digt. Also bin ich gut und gerecht.“

Nach Jesu Mei­nung ist dies nicht der Fall. Er sei zu den Kran­ken gekom­men, die Gesun­den bedürf­ten ja kei­nes Arz­tes, wie er in der Fol­ge­er­zäh­lung iro­nisch sagen wird, die wir in der Schrift­le­sung gehört haben. Die­se Über­heb­lich­keit der reli­gi­ös Tol­len und sich als Gerech­te ver­ste­hen­den Men­schen geht Jesus hier pro­vo­ka­tiv an.

Zugleich hält die Erzäh­lung aber auch einen Hoff­nungs­über­schuss für die­je­ni­gen bereit, wel­che die Gren­ze ärzt­li­cher Kunst erfah­ren muss­ten und ein schwe­res Schick­sal meis­tern müs­sen: Selbst wenn mir direkt nicht gehol­fen wird, so gibt es doch ande­re Trä­ger, die für mich ver­trau­en. Das tun viel­leicht nicht vie­le, aber doch eini­ge – die­se Erfah­rung habe ich im letz­ten hal­ben Jahr machen dür­fen. Ohne sol­che Trä­ger geht es nicht. In einer sol­chen Situa­ti­on trennt sich die Spreu vom Wei­zen. Und es bleibt wahr, dass es gut ist, dass Ver­trau­en und die Hoff­nung nie ganz auf­zu­ge­ben. Inso­fern stim­me ich nach dem letz­ten hal­ben Jahr in den Lob­preis Got­tes ein.

20. Oktober 2011

Die „Pragmatische Maxime“ – eine kulturphilosophische Regel

Wir haben uns in der Sit­zung vom 17.10. um ein aus­rei­chen­des Ver­ständ­nis des all­ge­mei­nen und umfas­sen­den Phi­lo­so­phie­an­sat­zes von Charles Peirce bemüht – und sogar eines der meta­phy­si­schen Pro­ble­me bespro­chen, das Peirce tat­säch­lich behan­delt: die Got­tes­fra­ge, wobei Peirce vie­le all­ge­mei­ne Äuße­run­gen hin­zu­zieht, wel­che ihn anre­gen. Neben Tra­di­tio­nen von Juden­tum, Chris­ten­tum und Islam spie­len bei Peirce auch Neo­hin­du­ide­en eine nicht unbe­acht­li­che Rol­le. Dies war alles am Ende des 19. Jahr­hun­derts und zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts in den USA bekennt und wur­de kon­tro­vers dis­ku­tiert.[1] Phi­lo­so­phie ver­ar­bei­tet sol­che Tra­di­tio­nen und reflek­tiert sie kri­tisch dar­auf, ob sie Erfah­rungs­ge­hal­te sym­bo­li­sie­ren – oder ob man auf­grund sol­cher Bil­der Erfah­run­gen machen kann. Wel­ches The­ma man meta­phy­sisch durch all­ge­mei­ne Unter­stel­lun­gen angeht: Peirce hält nichts von geschmäck­le­ri­schen, viel­leicht schön­geis­ti­gen Theo­rie­de­bat­ten, weil Theo­ri­en selbst durch Pra­xis gewon­nen wur­den, prak­tisch über­prüft und ggf. dann ver­än­dert oder auch ver­wor­fen wer­den. Die prag­ma­tis­ti­sche Phi­lo­so­phie kon­zen­triert sich mit­hin auf den kul­tu­rel­len Kon­text der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts, in dem klar wur­de, dass die sozia­le Aus­dif­fe­ren­zie­rung der Wis­sen­schaf­ten soge­nann­tes „Wis­sen“ bereit­stellt, das es ermög­licht, prak­ti­sche Regeln zu ent­wer­fen, die sich the­ra­peu­tisch, päd­ago­gisch und öko­no­misch sehr gut bewähr­ten. Das sind ent­we­der Tech­ni­ken oder Kunst­leh­ren.

  • Um Tech­ni­ken han­delt es sich, wenn sol­che Regeln Hand­lun­gen bestim­men, die das ange­streb­te Ziel stets errei­chen, also z. B. Glüh­bir­nen pro­du­zie­ren, die immer dann leuch­ten, sofern man auf einen Schal­ter drückt (Th. A. Edi­son).
  • Um Kunst­leh­ren han­delt es sich, wenn sol­che Regeln Hand­lun­gen bestim­men, bei denen der Erfolg im Ein­zel­fall nicht sicher ist, die mit­hin stets vom Ein­zel­fall her ange­passt wer­den müs­sen (etwa Päd­ago­gik, Medi­zin).

Das ist kei­ne typisch „ame­ri­ka­ni­sche“ Ent­de­ckung. Aber im ame­ri­ka­ni­schen Prag­ma­tis­mus bra­chen sich – ver­mit­telt durch den „Ame­ri­ka­ni­schen Tran­szen­den­ta­lis­mus (Emer­son, Tho­reau, Ful­ler u. a.) die Ide­en, die von den Frühromantiker/innen, Goe­the, Schlei­er­ma­cher und Hum­boldt stam­men, eine Bahn. Ich habe daher auch auf den Kon­text der Demo­kra­tie ver­wie­sen, der für das Ver­ständ­nis der Wer­ke von Peirce, James und Dew­ey sehr aus­schlag­ge­bemd ist, der natür­lich in Deutsch­land in einem ernst­haf­ten Sinn erst nach 1968 exis­tier­te, im Kern erst in den 1970er Jah­ren bestim­mend wur­de. Denn die Mög­lich­kei­ten poli­ti­scher Frei­heit setz­ten die Ener­gi­en frei, wel­che ein Leben in Selbst­be­stim­mung schön machen kön­nen. Das for­mu­liert in der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung die Rede vom „pur­su­it of hap­pi­ness). Aber – so reflek­tiert die soge­nann­te „prag­ma­ti­sche Maxi­me“, wel­che prak­ti­sche Fol­gen bzw. Wir­kun­gen eine wis­sen­schaft­li­che Theo­rie haben kann, soll­te abge­schätzt wer­den.

Beden­ken Sie, wel­che Wir­kun­gen, die denk­ba­rer­wei­se prak­ti­sche Rele­vanz haben könn­ten, wir dem Gegen­stand unse­rer Kon­zep­ti­on zuschrei­ben. Folg­lich besteht die Kon­zep­ti­on die­ser Wir­kun­gen aus dem Gan­zen unse­rer Kon­zep­ti­on des Gegen­stands!

(Charles Peirce, How to make our ide­as clear, 1878)

Pape hat schon in den 1980er Jah­ren (z. B. Ein­lei­tung zu „Phä­no­me­no­lo­gie und Logik der Zei­chen“) dar­auf ver­wie­sen, dass Grund­fra­gen des „Prin­zips Ver­ant­wor­tung“ (Hans Jonas, ein Hei­deg­ger­schü­ler) hier völ­lig klar for­mu­liert wer­den. Wenn also zu den abge­schätz­ten mög­li­chen Wir­kun­gen sol­che gehö­ren, die sitt­lich miss­bil­ligt wer­den müs­sen, erge­ben sich kon­flikt­rei­che ethi­sche Auf­ga­ben. Wie ist z. B. eine demo­kra­ti­sche Kon­trol­le der Wis­sen­schaf­ten mög­lich? Peirce setzt also dar­auf, dass neben der phi­lo­so­phi­schen Tätig­keit der Wissenschaftler/innen ein uni­ver­sa­ler Hori­zont in der Gesell­schaft ent­steht, der eben ver­ant­wort­lich dar­über ent­schei­det, wel­che tech­ni­schen und kunst­mä­ßi­gen Pro­jek­te durch­ge­führt wer­den – und wel­che bes­ser unter­las­sen wer­den soll­ten, weil ihre Wir­kun­gen die Mög­lich­keit der Frei­heit negie­ren.

Der Euro­päi­sche Gerichts­hof (EGH) hat in die­ser Woche in die­sem Sin­ne eine ent­spre­chen­de Ent­schei­dung zur Stamm­zel­len­for­schung getrof­fen, die den Wün­schen und gedank­li­chen Ambi­tio­nen der Zivil­ge­sell­schaft in Tei­len Euro­pas ent­spricht – ein Bei­spiel für die Insti­tu­tio­na­li­sie­rung sol­cher demo­kra­ti­scher Mei­nungs­bil­dungs­pro­zes­se, die auch Peirce für not­wen­dig hielt. Natür­lich lässt sich öko­no­misch bes­ser mit (finan­zi­el­ler und tech­ni­scher) Indus­trie­un­ter­stüt­zung for­schen. Aber die hier­zu erfor­der­li­che Paten­tie­rung von bestimm­ten prak­tisch her­vor­ge­ru­fe­nen Zell­ver­än­de­run­gen wider­spricht ele­men­ta­ren Prin­zi­pi­en der Men­schen­rech­te. Um dies zu ver­ste­hen, muss man nur all­ge­mein gebil­det sein, wel­ches eine Vor­aus­set­zung von Demo­kra­tie im Sin­ne von Peirce und sei­nem Schü­ler Dew­ey ist.

  • Die in den Wis­sen­schaf­ten ent­wor­fe­nen Abduk­tio­nen (Hypo­the­sen)
  • wer­den mit­hin deduk­tiv auf Über­prü­fungs­kon­tex­te in der kunst­mä­ßig oder tech­nisch model­lier­ten Erfah­rung (etwa des Labors) bezo­gen,
  • wo sie auf ihre induk­ti­ve Taug­lich­keit in immer neu­en Erfah­run­gen über­prüft wer­den.

Die „prag­ma­ti­sche Maxi­me“ for­mu­liert die­sen durch und durch prak­ti­schen Zusam­men­hang. Und Hand­lun­gen gehö­ren ganz klar in den Bereich der Ethik. Es gehört zu den nega­ti­ven – und wie wir heu­te u. a. an der Kli­ma­ka­ta­stro­phe und Fuku­shi­ma sehen – fata­len Fol­gen des Erfolgs von Posi­ti­vis­mus und Neo­po­si­ti­vis­mus, dass sie die Peirce’sche Idee, wie Ide­en klar gemacht wer­den, aus dem Bereich der Ethik in einen angeb­lich „neu­tra­len“ wis­sen­schaft­li­chen Bereich trans­for­miert haben, wo (was nicht so ger­ne zuge­ge­ben wird) letzt­lich kurz­fris­ti­ge öko­no­mi­sche Inter­es­sen den Aus­schlag geben, sie­he den sich immer noch brüs­ten­den Oli­ver Brüst­le (Uni­ver­si­tät Bonn).

Logisch-semio­tisch ver­hält es sich so: Das Ziel wäre eine The­ra­pie für Par­kin­son. Die Abduk­ti­on lau­tet: Die­ses Ziel kann durch gen­tech­no­lo­gi­sche Mani­pu­la­ti­on von Zel­len „über­zäh­li­ger Embryo­nen“ erreicht wer­den, weil sich hier­aus geeig­ne­te Prä­pa­ra­te gegen Par­kin­son gewin­nen las­sen. Deduk­tiv fin­det die­se Mani­pu­la­ti­on seit drei Jah­ren oder mehr statt. Eine Über­prü­fung, die induk­tiv den Erfolg eini­ger­ma­ßen sicher­stel­len könn­te, ist noch nicht in Sicht. Der EGH hat klar aus der Sicht der Men­schen­rech­te die Kon­se­quen­zen gezo­gen. Embryo­nen dür­fen nicht als Mit­tel behan­delt wer­den. Sie tra­gen die rea­le Mög­lich­keit des Mensch­seins in sich. Im posi­ti­vis­ti­schen und neo­po­si­ti­vis­ti­schen Kon­text wer­den ent­spre­chen­de ele­men­ta­re ethi­sche Fra­gen bewusst aus­ge­klam­mert. Mit­hin sind die Ide­en sol­cher Wissenschaftler/innen und Philosoph/inn/en Peirce zufol­ge unklar.

  • War­um?
  • Und hat Peirce recht oder unrecht?
  • Wie hät­te der Papst argu­men­tiert?

Pape hat mit Recht vor gut 30 Jah­ren dar­auf ver­wie­sen, dass die Phi­lo­so­phie durch eine der­ar­ti­ge logisch-semio­ti­sche Sub­ti­li­tät gesell­schaft­li­che Streit­fra­gen klä­ren hel­fen kann – und dadurch dazu bei­trägt, die geis­ti­ge „Umwelt­ver­schmut­zung“ zu mil­dern. Das ist eine schö­ne Auf­ga­be der Phi­lo­so­phie.


[1] Es ist unbe­strit­ten, dass es auch Cow­boys und Cow­girls gab. Sie waren kul­tu­rell aber weni­ger bedeu­tend, als das Gen­re „Wes­tern“ nahe­le­gen könn­te. Auch im Mitt­le­ren Wes­ten und an der Fron­tier wur­den phi­lo­so­phi­sche Fra­gen dis­ku­tiert, wie man sich an dem Begrün­der der Osteo­pa­thie Andrew Tay­lor Stil exem­pla­risch klar machen kann.

10. September 2011

Die Philosophie von Charles Peirce

Die Phi­lo­so­phie von Charles Peirce (1839-1914) ist aktu­ell. Nach kon­ser­va­ti­ver Mei­nung hat sich die Bun­des­kanz­le­rin als „Prag­ma­tis­tin“ erwie­sen, weil sie ange­sichts der „tages­po­li­ti­schen Ereig­nis­se“ (FAZ) von Fuku­shi­ma ihre Hal­tung zur Kern­ener­gie geän­dert hat – was ent­spre­chen­de Kon­se­quen­zen hat­te. Dabei ist ein Begriff von „Prag­ma­tis­mus“ impli­ziert, der unter­stellt, man set­ze poli­tisch nur das­je­ni­ge durch, was sich ange­sichts von Wider­stän­den gegen­über der Bevöl­ke­rung ver­tre­ten las­se. Aber auch im Sin­ne von Peirce war das eine „prag­ma­tis­ti­sche“ Ent­schei­dung. Denn ange­sichts unab­weis­ba­rer Erfah­run­gen ließ sich fest­stel­len, dass die Betrei­bung der Kern­er­gie offen­sicht­lich töd­li­che Fol­gen haben kann, mit­hin mit den Men­schen­rech­ten unver­ein­bar ist. Folg­lich ist das Betrei­ben der Kern­er­gie in einem Land, das die Men­schen­rech­te ach­tet, nicht wei­ter mög­lich.

Nicht nur die­se Aktua­li­tät besteht, son­dern Peirce bie­tet eine brei­te The­men­pa­let­te, von der wir im Kurs an der VHS Neckar­ge­münd eini­ge The­men bespre­chen wol­len:

 

10.10. Wech­sel­sei­ti­ge Vor­stel­lung und Kurs­plan

17.10. Leben und Werk

24.10. Die „prag­ma­ti­sche Maxi­me“

31.10. Der Pri­mat der Ethik

07.11. Semio­tik I

14.11. Semio­tik II

21.11. Wahr­neh­mung und Erfah­rung

28.11. Prag­ma­tis­mus und Phä­no­me­no­lo­gie

05.12. Reli­gi­ons­phi­lo­so­phie

12.12. Abschluss­dis­kus­si­on

 

Aus der Per­spek­ti­ve der Teilnehmer/innen kön­nen die­se The­men ver­än­dert wer­den. Bit­te schrei­ben Sie mir hier­zu eine E-Mail mit ihren Vor­schlä­gen.

6. April 2011

„Kompatibilismus“ bei Ernst Tugendhat – Akzeptiert den „Mythos des Sisyphos“!">Kompatibilismus“ bei Ernst Tugendhat – Akzeptiert den „Mythos des Sisyphos“!

 

Mythos des Sisy­phos, 530 v. d. Z.

Ernst Tugend­hat hat am 28.07.2007 in einem taz-Inter­view auf den offen zuta­ge lie­gen­den Sach­ver­halt hin­ge­wie­sen, dass der aus­lö­sen­de Fak­tor der neue­ren Debat­te weit­ge­hend gegen­stands­los ist, weil gar kei­ne belast­ba­ren wis­sen­schaft­li­chen Ergeb­nis­se vor­lie­gen:

Bei der Hirn­for­schung fin­de ich ziem­lich ver­rückt, was da heu­te läuft. […] Man kann ledig­lich fest­stel­len, in wel­chen Berei­chen des Gehirns wel­che Typen von Pro­zes­sen ablau­fen. Aber dann kom­men die­se Pro­fes­so­ren der Gehirn­phy­sio­lo­gie und stel­len Theo­ri­en über die Nicht­exis­tenz mensch­li­cher Frei­heit auf, die sich nur dar­auf stüt­zen, dass sie sagen, wir sind Wis­sen­schaft­ler und glau­ben an den Deter­mi­nis­mus. Sie neh­men die phi­lo­so­phi­sche Lite­ra­tur der gan­zen letz­ten Jahr­zehn­te über­haupt nicht wahr, in der ver­sucht wird, Deter­mi­nis­mus und Wil­lens­frei­heit nicht als Gegen­satz zu sehen. Das hal­te ich für eine völ­lig halt­lo­se Spe­ku­la­ti­on. […] In hun­dert Jah­ren kann die Hirn­phy­sio­lo­gie viel­leicht inter­es­sant wer­den für die Phi­lo­so­phie, aber bis­her ist sie es nicht. Ich bin frei­lich ein Natu­ra­list, ich sehe den Men­schen als einen Teil der bio­lo­gi­schen Ent­wick­lung. Aber was in den bio­lo­gi­schen Wis­sen­schaf­ten mit Bezug auf den Men­schen gemacht wird, da ist sehr wenig Sinn­vol­les.“ (http://www.taz.de/?id=digitaz-artikel&ressort=do&dig=2007/07/28/a0001&no_cache=1://) (more…)

30. März 2011

Das freie Spiel des dialogischen Selbstverhältnisses der Person. Der Ansatz von Thomas Fuchs

 

1               Erinnerung an den 28.03. (Vhs Neckargemünd)

Haupt­the­ma war der Text von Wolf Sin­ger: „Ver­schal­tun­gen legen uns fest: Wir soll­ten auf­hö­ren, von Frei­heit zu spre­chen“. Ist die­ser Text nicht mecha­nis­tisch zu inter­pre­tie­ren, spricht Sin­ger doch von „Frei­heit“? Wur­de sei­tens des Dozen­ten Sin­gers Text eine unfai­re Inter­pre­ta­ti­on zuge­mu­tet? Ist es mög­li­cher­wei­se ein Hin­weis auf eine der­ar­ti­ge Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on, dass Sin­ger viel­leicht gar nicht den Titel selbst gewählt hat? (more…)

22. März 2011

Zurück zur gesellschaftlichen Dominanz des Mechanismus (VHs Neckargemünd)!

1               Erinnerung an den 21.03.2011

Der freie Wil­le wird bei den Prag­ma­tis­ten im Rah­men der Demo­kra­tie und der Men­schen­rech­te betrach­tet, Mecha­nis­men wer­den als Teil der Rea­li­tät nicht geleug­net, aber weder das Uni­ver­sum noch die Gesell­schaft sind Maschi­nen. Tat­säch­lich sind alle mög­li­chen Bezie­hun­gen zu den bei­den Ner­ven­sys­te­men, zu „I“ und „Me“ und zu den zukünf­ti­gen Fol­gen mei­ner Wil­lens­hand­lun­gen zu betrach­ten. Sind die Wider­stän­de auf den jewei­li­gen Ebe­nen zu groß, besteht eben kein frei­er Wil­le. Die­ser zeigt sich stets öffent­lich und kör­per­lich, wo für das Indi­vi­du­um auch ent­spre­chen­de Wider­stands­phä­no­me­ne auf­tre­ten. (more…)

11. März 2011

Der „Alleszermalmer“ Kant hatte eine konstruktive Idee

1               Erinnerung an die letzte Sitzung

Nach mei­ner Über­zeu­gung hat die aris­to­te­li­sche Auf­fas­sung des Wil­lens, die in ein umfas­sen­des Ethik­kon­zept, das auch gesell­schafts­theo­re­tisch argu­men­tiert, ein­ge­bet­tet ist, einen der wesent­li­chen Bei­trä­ge auch zum „frei­en“ Wil­len erbracht. Die Ein­schrän­kun­gen des frei­en Wil­lens lie­gen vor allem in emo­tio­na­len, sozia­len und bio­ti­schen Zwän­gen, die mehr oder weni­ger unüber­wind­ba­re Wider­stän­de zu sein schei­nen. Die Ethik des Aris­to­te­les ist eine Güter­ethik, Tugen­den und Pflich­ten sind die­ser zuge­ord­net, sie erläu­tern, wie ein Gut erbracht wird.

Inso­fern lässt sich die Auf­fas­sung des Aris­to­te­les so fas­sen:

 

Ich will, dass in Zukunft mein Ziel der Fall ist.“ (more…)

19. Februar 2011

Freiheitstexte (Vhs Neckargemünd 28.02.2011)

Aris­to­te­les: „Indes gehö­ren zum Glück doch auch die äuße­ren Güter, wie wir gesagt haben. Denn es ist unmög­lich, zum min­des­ten nicht leicht, durch edle Taten zu glän­zen, wenn man über kei­ne Hilfs­mit­tel ver­fügt. Lässt sich doch vie­les nur mit­hil­fe von Freun­den, von Geld und poli­ti­schem Ein­fluss, also gleich­sam durch Werk­zeu­ge, errei­chen.“ (Niko­ma­chi­sche Ethik) (more…)

21. November 2009

Molekularbiologie und Genetik aus semiotischer Sicht — Jesper Hoffmeyer

Jesper Hoffmeyer ist ein dänischer Biosemiotiker, lehrt an der Universität Kopenhagen und hat neben größeren Werken zu diesem Thema (vor allem Hoffmeyer 2005 als großartige Zusammenfassung und Präzisierung) auch den entsprechenden Artikel Hoffmeyer 2008 in Thure von Uexküll 2008 geschrieben. 

Jesper Hoffmeyer *1949

In der Biosemiotik folgt er meistens Jakob von Uexküll 1928. Daneben gibt es aber auch klassische Studien von Roman Jakobson und Thomas A. Sebeok aus den 1970er Jahren, vor allem aber auch eine Peirce-Rezeptionsschiene, die sich bei Thure von Uexküll 2008 auch in der Grundlegung der Psychosomatischen Medizin findet. Dort finden Sie auch weitere, reiche Literaturangaben.

Grundlegend ist die Interpretation der Vererbung als semiotisches Phänomen:

„Da lebende Systeme sterblich sind, muss ihr Überleben eher durch semiotische als durch physikalische Mittel sichergestellt werden. Vererbung ist semiotisches Überleben, d. h. Überleben durch eine Botschaft, die im Genom einer winzigen Zelle enthalten ist, dem befruchteten Ei sich geschlechtlich reproduzierender Spezies.“ (Hoffmeyer 2008, 97; H. v. M. P.) (more…)