Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


26. November 2011

Wahrnehmung und Erfahrung (Vhs Neckargemünd)

Die Teilnehmer/innen waren uneins dar­über, ob den Erwä­gun­gen Peirce’ zu den kate­go­ria­len Umbe­set­zun­gen hin zur fun­da­men­ta­len Funk­ti­on der Rela­ti­on eine Bedeu­tung zukä­me. Peirce folgt Aris­to­te­les, Hum­boldt und Schlei­er­ma­cher in der Ein­schät­zung, dass die Phi­lo­so­phie sprach­ab­hän­gig ist. Mit Schlei­er­ma­cher und stär­ker als die­ser betont er aber die Bedeu­tung aller Zei­chen­for­men, um Kate­go­ri­en aus­bil­den zu kön­nen. Dies ist eine Kon­se­quenz aus der Annah­me, alle Men­schen phi­lo­so­phier­ten. Peirce ist ent­spre­chend der Nach­weis gelun­gen, dass die ele­men­ta­ren Zei­chen­sys­te­me die Bezeich­nung der Rela­ti­on der­art unter­stel­len, dass alle ande­ren kate­go­ria­len Bestim­mun­gen von ihr abhän­gen. Etwa Hei­deg­ger und Brod­beck, Die Herr­schaft des Gel­des, hier im Blog z. B. http://alltagundphilosophie.com/2010/12/09/zinsen/ u. ö. ahnen, dass das moder­ne Dilem­ma sich durch eine der­ar­ti­ge Umbe­set­zung, die pra­xis­lei­tend wird, ändern könn­te, bei Brod­beck mit expli­zi­ter Nen­nung des Rela­ti­ons­pro­blems. Wie Görnitz/Görnitz, Die Evo­lu­ti­on des Geis­ti­gen, 2007, zei­gen, ist auch die Quan­ten­phy­sik als wesent­li­che Theo­rie des­sen, was die Bestand­tei­le und Pro­zes­se der Rea­li­tät sein könn­ten, hier­zu auf dem Wege. Für den Beob­ach­ter inter­es­sant näher­te sich der Kurs den­noch in sei­nen Erör­te­run­gen fast unmerk­lich der im All­tag und in der oft unzu­rei­chend ver­stan­de­nen bzw. reflek­tier­ten Umgangs­spra­che impli­zie­ren Unend­lich­keits­pro­ble­ma­tik, der Selbst­re­fe­renz­pro­ble­ma­tik vor allem des Inter­pre­t­an­ten, ent­spre­chen­der Auf­ga­be fal­scher Sicher­hei­ten und dem­je­ni­gen, was Schlei­er­ma­cher freund­lich als „Über­ei­lung“, Peirce als nicht „selbst­kon­trol­lier­tes Den­ken“ bezeich­ne­te, heu­te vor allem durch finan­zi­ell erzeug­te Zeit­not angeb­lich unver­meid­bar … Ob das nicht zu ändern ist, blieb nach Wahr­neh­mung des Dozen­ten eher unent­schie­den. Es ist auch nach mei­ner Über­zeu­gung so, dass die Kri­sen zu Beginn des 21. Jahr­hun­derts jeden­falls auch auf einen ent­spre­chen­den Man­gel an „selbst­kon­trol­lier­tem Den­ken“ zurück­ge­hen, der zur all­täg­li­chen Gewohn­heit gewor­den ist, vgl. http://alltagundphilosophie.com/2011/11/03/die-semiotik-charles-peirce%E2%80%99-vhs-neckargemund/.

Das heu­ti­ge The­ma der (sinn­li­chen) Wahr­neh­mung und ihrer Ver­ar­bei­tung in der Erfah­rung ist seit gut 100 Jah­ren erforscht und umstrit­ten, natür­lich auch unter Betei­li­gung der semio­ti­schen Phi­lo­so­phie von Peirce, der bei­des als auf­ein­an­der auf­bau­en­de Zei­chen­pro­zes­se ana­ly­siert hat, wobei er Wert dar­auf legt, dass es sich um „geis­ti­ge“, „selbst­kon­trol­lier­te“ und „selbst­kri­ti­sche“ Leis­tun­gen des ein­zel­nen Men­schen han­delt, die per­spek­ti­visch ist – und daher auf Aus­tausch mit ande­ren Men­schen ange­wie­sen ist. Auch Tie­re haben bei Peirce – ähn­lich wie bei von Uex­küll – zumin­dest ele­men­tar Teil an sol­chen selbst­kri­ti­schen Fähig­kei­ten.

 

Wahr­neh­mung:    Ich/Wir neh­men etwas als etwas wahr.

Erfah­rung:           Ich/Wir erfahre/n etwas Wahr­ge­nom­me­nes als etwas Bekann­tes.

 

Krea­ti­ve Pro­zes­se sind dann nötig, wenn etwas zum ers­ten Mal wahr­ge­nom­men wird, aber auch erfah­ren wird. Hier sind For­men der sozia­len Gemein­schaft hilf­reich, kön­nen aber auch stö­rend sein, wenn rela­tiv zu einer sozia­len Gemein­schaft ein ein­zel­ner Mensch etwas neu sieht, hört, riecht, tas­tet, schmeckt oder emp­fin­det. Peirce zufol­ge wird dabei stets ein genu­in tria­di­scher Zei­chen­pro­zess gestar­tet, der sicher­stellt, dass immer auch ein sinn­lich erfass­tes Etwas als etwas inter­pre­tiert wird. Sol­che sinn­li­che Wahr­neh­mung kann ten­den­zi­ell das wahr­ge­nom­me­ne Etwas ver­ein­zeln. Der Erfah­rungs­pro­zess bezieht es auf die Erfah­rungs­tra­di­ti­on und bestimmt es in sei­nem Bezie­hungs­as­pekt zu allem Ande­ren. Die Pro­zes­se der sinn­li­chen Wahr­neh­mung wer­den teil­wei­se von den empi­ri­schen Wis­sen­schaf­ten wie Neu­ro­lo­gie und Psy­cho­lo­gie erforscht, gehalt­voll und inte­gra­tiv wird das aber erst dann, wenn man den gesam­ten Zusam­men­hang beschrei­ben kann. Nach Peirce ist das dann der Fall, sofern man die ein­zel­nen Aspek­te des Pro­zes­ses als Zei­chen­pro­zess ana­ly­sie­ren kann.

Die all­ge­mei­nen Pro­ble­me, die auch nicht sel­ten in unse­rem Kurs the­ma­ti­siert wer­den, fas­se ich fol­gen­der­ma­ßen zusam­men:

Seit die empi­ri­schen Wis­sen­schaf­ten im Abend­land und dann auch in Nord­ame­ri­ka star­ke Erkennt­nis­fort­schrit­te gemacht haben, tritt ein Pro­blem auf, das sich ins­be­son­de­re seit der Ver­wen­dung des Tele­skops in der Astro­no­mie gel­tend gemacht hat: Unse­re sinn­li­che Wahr­neh­mung scheint uns über die Rea­li­tät zu täu­schen, die Son­ne geht am Mor­gen nicht auf, weder die Erde noch die Son­ne sind auch nur im Ent­fern­tes­ten im Zen­trum des Welt­alls. Und eben­so schei­nen uns unse­re Selbst­be­ob­ach­tun­gen, unse­re All­tags­wahr­neh­mung und All­tags­er­fah­rung im Blick auf unse­re Selbst­ein­schät­zung zu täu­schen. Wir erle­ben uns selbst zumin­dest gele­gent­lich als selbst­be­stimmt han­deln­de Per­so­nen, doch das ist eine Illu­si­on – wie seit der Auf­klä­rung man­che Wissenschaftler/innen behaup­ten. Das ist nur eine Sei­te der Auf­klä­rung, aber sie ist nicht ganz uner­heb­lich. Die Wis­sen­schafts­sei­te ist hier­bei im Übri­gen kei­nes­wegs ein­deu­tig. In der Zeit von etwa 1700 bis 1900 herrsch­te durch die Domi­nanz der klas­si­schen Phy­sik auch im natur­wis­sen­schaft­li­chen Den­ken ein stren­ger Deter­mi­nis­mus vor. Die­ser wur­de aber von­sei­ten der Bio­lo­gie durch Charles Dar­win durch­bro­chen, weil ihm zufol­ge das Zufalls­mo­ment bei der Ent­ste­hung der Arten mit­wirk­te. Ent­schei­dend wur­den die Natur­wis­sen­schaf­ten dann durch die Quan­ten­phy­sik ver­än­dert, die kei­ne ein­deu­tig deter­mi­nis­ti­schen Beschrei­bun­gen mehr zulässt.[1] Die Kul­tur­wis­sen­schaf­ten haben in der Regel kei­nen Anlass gehabt, stren­ge deter­mi­nis­ti­sche Unter­stel­lun­gen in den Vor­der­grund zu stel­len. Häu­fig ist hier die Unter­stel­lung der Frei­heit zu Hau­se.[2]

Ich wer­de zunächst aus einer phi­lo­so­phi­schen Per­spek­ti­ve kurz die Grund­ty­pen der mög­li­chen Erfas­sung des Ver­hält­nis­ses von All­tags­er­fah­rung und Selbst­er­fah­rung auf der einen Sei­te, von wis­sen­schaft­li­chen Theo­ri­en auf der ande­ren Sei­te beleuch­ten.

Die Phi­lo­so­phie in unse­rer Welt­ge­gend und in Nord­ame­ri­ka hat ange­sichts die­ses immer wie­der­keh­ren­den Pro­blems im Wesent­li­chen vier Typen des Umgangs damit ent­wi­ckelt, die in sehr vie­len Spiel­ar­ten auf­tre­ten (vgl. Gra­fik 4 des Kur­ses):

 

Grafik 4 des Kurses

Gra­fik 4 des Kur­ses

An den Extre­men ste­hen die Posi­tio­nen, die eines der bei­den Ele­men­te des Pro­blems „All­tags­er­fah­rung“ und „Wis­sen­schaft“ zuun­guns­ten des ande­ren eli­mi­nie­ren wol­len. Man kann ver­tre­ten, nur die All­tags­er­fah­rung im Unter­schied zur Wis­sen­schaft gibt uns einen siche­ren Ein­blick in die Rea­li­tät – und umge­kehrt. Ent­spre­chend gibt es Phi­lo­so­phi­en, die sich fak­tisch mit den Fra­ge­stel­lun­gen der Wis­sen­schaf­ten, ins­be­son­de­re der Natur­wis­sen­schaf­ten iden­ti­fi­zie­ren – und die­se logisch-theo­re­tisch reflek­tie­ren. Dies ist der Wis­sen­schafts­ty­pus der Phi­lo­so­phie, wie er in eini­gen Posi­tio­nen der Ana­ly­ti­schen Phi­lo­so­phie, in der posi­ti­vis­ti­schen und neo­po­si­ti­vis­ti­schen Phi­lo­so­phie auf­tritt.[3] Auch die frü­he Phi­lo­so­phie Lud­wig Witt­gen­steins gehört ten­den­zi­ell dazu. Scharf gegen­über ste­hen die­ser Posi­ti­on die ver­schie­de­nen Spiel­ar­ten der phä­no­me­no­lo­gi­schen bzw. her­me­neu­ti­schen Phi­lo­so­phie, die der All­tags­er­fah­rung eine eige­ne Wür­de zuge­ste­hen. Das ist der All­tags­ty­pus der Phi­lo­so­phie. Auch die Spät­phi­lo­so­phie Lud­wig Witt­gen­steins ten­diert in die­se Rich­tung – mit einer durch­aus beacht­li­chen Kri­tik an For­men des Wis­sen­schafts­im­pe­ria­lis­mus. Das kann soweit füh­ren, dass die Wis­sen­schaf­ten aus die­ser Per­spek­ti­ve in ihrer Pra­xis scharf kri­ti­siert wer­den, weil ihre Ergeb­nis­se die All­tags­er­fah­rung, über­haupt die Phä­no­me­ne ver­feh­len. Im Hin­ter­grund ste­hen hier nicht sel­ten wis­sen­schaft­li­che und phi­lo­so­phi­sche Rezep­tio­nen von Refle­xio­nen künst­le­risch-phi­lo­so­phi­scher Art – etwa von Johann Wolf­gang von Goe­the[4] und/oder von Ralph Wal­do Emer­son[5].

Am Ende des 19. Jahr­hun­derts gab es eine Rei­he von Phi­lo­so­phen, die bei­de Posi­tio­nen für zu extrem hiel­ten. Sie such­ten also Ver­mitt­lungs­po­si­tio­nen, in denen bei­de Aspek­te vor­kom­men. Dies ist zum einen die neu­kan­tia­ni­sche Phi­lo­so­phie, wel­che die Sitt­lich­keit und das Bewusst­sein aus dem Zugriff der empi­ri­schen Wis­sen­schaf­ten her­aus­hal­ten woll­te. Das Haupt­ar­gu­ment besteht dar­in, dass die Bewusst­seins­ebe­ne ele­men­ta­rer ange­sie­delt ist als die wis­sen­schaft­li­che Ebe­ne. Das Bewusst­sein und sei­ne tran­szen­den­ta­len Struk­tu­ren begrün­den die Wis­sen­schaf­ten über­haupt erst, weil ja Bewusst­sein zur Durch­füh­rung wis­sen­schaft­li­cher Tätig­kei­ten erfor­der­lich ist. Man kann also ein sitt­li­cher Mensch sein und trotz­dem ein rich­tig empi­risch vor­ge­hen­der Wis­sen­schaft­ler. Zum ande­ren ist dies aber vor allem die semio­ti­sche Phi­lo­so­phie von Charles Peirce, die mit den Phä­no­me­no­lo­gen über­zeugt ist, dass der All­tags­er­fah­rung eine gro­ße Wür­de zuzu­schrei­ben ist. In ihr sind alle all­ge­mei­nen Struk­tu­ren unse­rer Wirk­lich­keits­er­fah­rung ent­hal­ten. Gleich­wohl ist es nicht unmög­lich, dass wir uns in unse­rer All­tags­er­fah­rung täu­schen, auch in der Erfas­sung ihrer all­ge­mei­nen Struk­tu­ren. Denn alle all­ge­mei­nen Annah­men müs­sen sich immer wei­ter in der Erfah­rung – auch der Erfah­rung ande­rer – bewäh­ren. Und dazu gehö­ren auch die wis­sen­schaft­lich auf­be­rei­te­ten Erfah­run­gen. Dabei ist fest­zu­hal­ten, dass die bei­den Haupt­schluss­for­men in der All­tags­er­fah­rung und den Wis­sen­schaf­ten die Abduk­ti­on bzw. Hypo­the­se und die Induk­ti­on sind. Auch rela­tiv sta­bi­le Induk­tio­nen müs­sen in der Zukunft stets wei­ter in der Erfah­rung über­prüft wer­den. Peirce’ Phi­lo­so­phie wehrt daher sowohl dem Fun­da­men­ta­lis­mus der All­tags­er­fah­rung als auch dem­je­ni­gen der Wis­sen­schaf­ten, es kommt auf die kri­ti­sche Über­prü­fung in der Erfah­rung an. Gegen die Neu­kan­tia­ner kann ein­ge­wen­det wer­den, dass sich auch das Bewusst­sein aller Wahr­schein­lich­keit nach erst in der Evo­lu­ti­on der bio­ti­schen Arten ent­wi­ckelt hat, daher als Letzt­be­grün­dungs­mus­ter schwer­lich taug­lich ist.

 

 


[1] Vgl. die Ein­füh­rung durch T. Gör­nitz, Quan­ten sind anders. Die ver­bor­ge­ne Ein­heit der Welt, Heidelberg/Berlin 1999.

[2] Zu ent­ge­gen­ge­setz­ten Ten­den­zen in den Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten, die mit ent­spre­chen­den Ver­lus­ten wis­sen­schaft­li­cher Genau­ig­keit und Pro­gno­se­fä­hig­keit ein­her­ge­hen, vgl. K.-H. Brod­beck, Die frag­wür­di­gen Grund­la­gen der Öko­no­mie. Eine phi­lo­so­phi­sche Kri­tik der moder­nen Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten, Darm­stadt 22000. Ähn­li­ches tritt auch in man­chen Kon­zep­tio­nen der Sozio­lo­gie auf.

[3] Vgl. als Bei­spiel im Blick auf die aktu­el­le Dis­kus­si­on T. Met­zin­ger, Vor­wort, in: ders. (Hg.), Bewusst­sein. Bei­trä­ge aus der Gegen­warts­phi­lo­so­phie, Pader­born 52005: „In West­deutsch­land […] haben nach dem Zwei­ten Welt­krieg vie­le ver­schie­de­ne For­men des Phi­lo­so­phie­rens, bei denen die Stan­dards der begriff­li­chen Klar­heit und der ratio­na­len Argu­men­ta­ti­on nicht mehr im Mit­tel­punkt ste­hen, einen unge­ahn­ten Auf­schwung erlebt. Nach wie vor herrscht in wei­ten Tei­len der aka­de­mi­schen Phi­lo­so­phie ein Ress­in­te­ment gegen­über den empi­ri­schen Wis­sen­schaf­ten, das nicht sel­ten von einem gene­rel­len Des­in­ter­es­se an inter­dis­zi­pli­nä­ren Dia­lo­gen beglei­tet wird.“

[4] Vgl. Natur­wis­sen­schaft­li­che Schrif­ten, in: Goe­the Wer­ke (Jubi­lä­ums­aus­ga­be), Bd. 6, Darm­stadt 1998, 631ff.

[5] Vgl. ins­be­son­de­re Die Natur. Aus­ge­wähl­te Essays, Stutt­gart 2000.

30. März 2011

Das freie Spiel des dialogischen Selbstverhältnisses der Person. Der Ansatz von Thomas Fuchs

 

1               Erinnerung an den 28.03. (Vhs Neckargemünd)

Haupt­the­ma war der Text von Wolf Sin­ger: „Ver­schal­tun­gen legen uns fest: Wir soll­ten auf­hö­ren, von Frei­heit zu spre­chen“. Ist die­ser Text nicht mecha­nis­tisch zu inter­pre­tie­ren, spricht Sin­ger doch von „Frei­heit“? Wur­de sei­tens des Dozen­ten Sin­gers Text eine unfai­re Inter­pre­ta­ti­on zuge­mu­tet? Ist es mög­li­cher­wei­se ein Hin­weis auf eine der­ar­ti­ge Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on, dass Sin­ger viel­leicht gar nicht den Titel selbst gewählt hat? (more…)

22. März 2011

Zurück zur gesellschaftlichen Dominanz des Mechanismus (VHs Neckargemünd)!

1               Erinnerung an den 21.03.2011

Der freie Wil­le wird bei den Prag­ma­tis­ten im Rah­men der Demo­kra­tie und der Men­schen­rech­te betrach­tet, Mecha­nis­men wer­den als Teil der Rea­li­tät nicht geleug­net, aber weder das Uni­ver­sum noch die Gesell­schaft sind Maschi­nen. Tat­säch­lich sind alle mög­li­chen Bezie­hun­gen zu den bei­den Ner­ven­sys­te­men, zu „I“ und „Me“ und zu den zukünf­ti­gen Fol­gen mei­ner Wil­lens­hand­lun­gen zu betrach­ten. Sind die Wider­stän­de auf den jewei­li­gen Ebe­nen zu groß, besteht eben kein frei­er Wil­le. Die­ser zeigt sich stets öffent­lich und kör­per­lich, wo für das Indi­vi­du­um auch ent­spre­chen­de Wider­stands­phä­no­me­ne auf­tre­ten. (more…)

16. März 2011

Philosophie in der Demokratie – der „freie“ Wille ist im Pragmatismus eher unproblematisch

Erinnerung an den 14.03.2011

Die kan­ti­sche Posi­ti­on rech­net mir der empi­ri­schen Gül­tig­keit des Mecha­nis­mus, wel­cher zugleich ein Deter­mi­nis­mus ist – nach Kants Kate­go­ri­en­leh­re ist dies auch gar nicht anders mög­lich, weil kei­ne Kate­go­rie wirk­lich über­zeu­gend auf Spon­ta­nei­tät o. Ä. hin­weist. Der Wider­stand im empi­ri­schen Bereich geht also gegen 100 %, mit­hin gibt es kei­ne Frei­heit. Aller­dings müs­sen wir uns „zum Behu­fe“ der prak­ti­schen Ver­nunft als frei den­ken – und in die­sem Sinn gibt es auf der tran­szen­den­ta­len Ebe­ne Frei­heit, frei­er Wil­le, Selbst­be­stim­mung, Selbst­ge­setz­ge­bung. Wir ent­wer­fen das Sit­ten­ge­setz und den kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv selbst, sofern wir uns als tran­szen­den­tal freie Wesen rich­tig ver­ste­hen. Weil wir das nicht empi­risch-mecha­nis­tisch bestä­ti­gen kön­nen, wird gera­de das rich­ti­ge auto­no­me Selbst­ver­ständ­nis und Selbst­ver­hält­nis ent­wor­fen. Ansons­ten wären wir nicht auto­nom, son­dern als Maschi­ne aktiv. (more…)

Alles anders als angenommen

Atombusen der Bundeskanzlerin

Atombusen der Bundeskanzlerin

Die Bundeskanzlerin hat am Montag im Bundeskanzleramt in der Gegenwart des Vizekanzlers zwar eine in der Sache weitgehend abwegige Erklärung abgegeben, für den aufmerksamen Beobachter gab es aber kleinere Nebenbemerkungen und Gesichtsbewegungen, die aufhorchen bzw. aufmerken ließen. (more…)

11. März 2011

Der „Alleszermalmer“ Kant hatte eine konstruktive Idee

1               Erinnerung an die letzte Sitzung

Nach mei­ner Über­zeu­gung hat die aris­to­te­li­sche Auf­fas­sung des Wil­lens, die in ein umfas­sen­des Ethik­kon­zept, das auch gesell­schafts­theo­re­tisch argu­men­tiert, ein­ge­bet­tet ist, einen der wesent­li­chen Bei­trä­ge auch zum „frei­en“ Wil­len erbracht. Die Ein­schrän­kun­gen des frei­en Wil­lens lie­gen vor allem in emo­tio­na­len, sozia­len und bio­ti­schen Zwän­gen, die mehr oder weni­ger unüber­wind­ba­re Wider­stän­de zu sein schei­nen. Die Ethik des Aris­to­te­les ist eine Güter­ethik, Tugen­den und Pflich­ten sind die­ser zuge­ord­net, sie erläu­tern, wie ein Gut erbracht wird.

Inso­fern lässt sich die Auf­fas­sung des Aris­to­te­les so fas­sen:

 

Ich will, dass in Zukunft mein Ziel der Fall ist.“ (more…)

2. Dezember 2010

III">Philosophie und Quantenmechanik III

Zu unse­rer vier­ten Sit­zung tref­fen wir uns am Sams­tag, dem 04.12. um 11.30 Uhr in mei­nem Büro.

In der vier­ten Sit­zung ist die Refle­xi­on der prak­ti­schen Fol­gen der Kern­phy­sik sei­tens Hei­sen­bergs und von Weiz­sä­ckers in Farm-Hall The­ma (S. 78ff). Beden­ken Sie hier­zu auch den fol­gen­den Text:

Beden­ken Sie, wel­che Wir­kun­gen, die denk­ba­rer­wei­se prak­ti­sche Rele­vanz haben könn­ten, wir dem Gegen­stand unse­rer Kon­zep­ti­on zuschrei­ben. Folg­lich besteht die Kon­zep­ti­on die­ser Wir­kun­gen aus dem Gan­zen unse­rer Kon­zep­ti­on des Gegen­stands!

(Charles Peirce, How to make our ide­as clear, 1878)

Die Quan­ten­phy­sik, so sahen wir in den ers­ten drei Sit­zun­gen, hat wesent­li­che Schrit­te gemacht, um auf das phi­lo­so­phi­sche und wis­sen­schafts­theo­re­ti­sche Dik­tum Peirce′ zuzu­ge­hen. (more…)

31. Oktober 2010

II">Philosophie und Quantenmechanik II

Am 06.11. fin­det die nächs­te Sit­zung in Sand­hau­sen, Sand­gas­se 13 statt. Es wird gewünscht, dass nur ein Text mit zwei Zeit­stun­den bespro­chen wird.

Dann ist der Text „Quan­ten­me­cha­nik und Kant­sche Phi­lo­so­phie“, 62ff, The­ma der Sit­zung. Ich wer­de die­sen zu Beginn der Sit­zung kurz zusam­men­fas­sen und am Ende die­ses Tex­tes schon eini­ge Hin­wei­se geben.

Die ers­te Sit­zung befass­te sich mit der „Geschich­te der Quan­ten­theo­rie“ und der „Kopen­ha­ge­ner Deu­tung der Quan­ten­theo­rie“ (3ff; 42ff). Vgl. Sie auch die Links hier. Wie an der Begriff­lich­keit sicht­bar wird, geht es Hei­sen­berg zufol­ge stets um eine Erwei­te­rung des bis­he­ri­gen mecha­ni­schen Wis­sens der Phy­sik. Die „Quan­ten­theo­rie“ beschreibt bis­her uner­kann­te mecha­ni­sche Vor­gän­ge in der Natur. (more…)

24. September 2010

Quantenmechanik und Philosophie

Am ers­ten Ter­min, dem 25. Sep­tem­ber ab 14 Uhr wol­len wir den bei­den Tex­ten von Hei­sen­berg zur Geschich­te der Quan­ten­me­cha­nik und zur Kopen­ha­ge­ner Deu­tung der Quan­ten­me­cha­nik nach­ge­hen. Ich wer­de jeweils etwa 10 Minu­ten die Haupt­punk­te des ent­spre­chen­den Tex­tes münd­lich vor­tra­gen. Sie soll­ten die Tex­te gut gele­sen haben und sich Fra­gen notie­ren.

Der ers­te Text beginnt mit Pro­ble­men der Wär­me­strah­lung, die offen­bar nur dann ver­stan­den wer­den kön­nen, falls man unter­stellt, dass es sich hier um dis­kre­te Ener­gie­quan­ten han­delt, was aber zu wei­te­ren Schwie­rig­kei­ten führt. Hei­sen­berg ist bemüht dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nicht nur Prin­zi­pi­en der „klas­si­schen Phy­sik“ infra­ge gestellt wer­den, son­dern ihm zufol­ge ist unse­re All­tags­wahr­neh­mung so auf­ge­baut wie die Haupt­un­ter­stel­lun­gen der „klas­si­schen Phy­sik“ sei­en. Die wich­tigs­ten Punk­te der Quan­ten­me­cha­nik bis hin zur Dop­pel­spalt­fra­ge wer­den erör­tert. Ach­ten Sie dar­auf, wel­che Pro­ble­me phi­lo­so­phi­scher Art (z. B. Erkennt­nis, Fra­gen von Sub­jek­ti­vi­tät und Objek­ti­vi­tät; natur­wis­sen­schaft­li­che Metho­de) Hei­sen­berg erör­tert – und wel­che auch nicht. Dass bestimm­te Punk­te phi­lo­so­phisch schon erkannt waren, erwähnt Hei­sen­berg inter­es­san­ter­wei­se nicht. Sofern die Rea­li­tät einen prak­ti­schen Cha­rak­ter besitzt, sind man­che The­sen Hei­sen­bergs nicht sehr über­ra­schend.

Planck: http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Planck

Hei­sen­berg: http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Heisenberg

Unbe­stimmts­heits­re­la­ti­on: http://de.wikipedia.org/wiki/Heisenbergsche_Unsch%C3%A4rferelation

Dua­lis­mus von Teil­chen und Wel­le: http://de.wikipedia.org/wiki/Welle-Teilchen-Dualismus

Kopen­ha­ge­ner Deu­tung der Quan­ten­me­cha­nik: http://de.wikipedia.org/wiki/Kopenhagener_Deutung

7. August 2010

IV – Wissenschaftskritik">Wissenschaftstheorie IV – Wissenschaftskritik

Ich beschrän­ke mich auf die aus­führ­li­che und exem­pla­ri­sche Erläu­te­rung eines Modells, das aber wesent­li­che Aspek­te auch der Kri­tik an den Wis­sen­schaf­ten, ins­be­son­de­re an den mathe­ma­tisch gestütz­ten Natur­wis­sen­schaf­ten ent­hält, die als Pro­to­ty­pen des­sen, was „Wis­sen­schaft“ sei, ange­se­hen wer­den. Es geht um Posi­tio­nen der frü­hen „Kri­ti­schen Theo­rie“. Wenn Sie Zeit und Lust haben, kön­nen Sie im Blog mei­ne Dar­stel­lun­gen der phä­no­me­no­lo­gi­schen Wis­sen­schafts­kri­tik an der Posi­ti­on von Tho­mas Fuchs ver­fol­gen: http://alltagundphilosophie.com/2009/08/30/der-ansatz-von-thomas-fuchs/ ; http://alltagundphilosophie.com/2009/05/31/thomas-fuchs-kritik-an-bestimmten-vertretern-der-gehirnforschung-und-sein-eigener-entwurf/. In der frü­hen „Kri­ti­schen Theo­rie“ wer­den die wesent­li­chen Argu­men­te genannt. Das Vor­ge­hen von Max Hork­hei­mer und Theo­dor W. Ador­no lässt sich mit Grund­ein­sich­ten ver­bin­den, die in den bis­he­ri­gen Sit­zun­gen schon erar­bei­tet wor­den sind.

Die „Frank­fur­ter Schu­le“ bzw. die „Kri­ti­sche Theo­rie“ grup­pier­te sich vor 1933 und nach 1945 um das „Insti­tut für Sozi­al­for­schung“ an der Uni­ver­si­tät Frank­furt. Die füh­ren­den Intel­lek­tu­el­len Max Hork­hei­mer und Theo­dor Wie­sen­grund Ador­no erleb­ten im ame­ri­ka­ni­schen Exil kei­ne intel­lek­tu­el­le Inspi­ra­ti­on, son­dern ver­blie­ben in ihren deut­schen Tra­di­tio­nen. Die wich­tigs­te war die­je­ni­ge des frü­hen Marx, der die bür­ger­li­chen Idea­le hoch schätz­te, aber mar­kier­te, dass sie nur einer klei­nen Min­der­heit zugäng­lich waren und so die Arbei­ter ent­mensch­licht wür­den. Inso­fern war die frü­he Kri­ti­sche Theo­rie ein Wie­der­auf­le­ben der Hum­boldt-Schlei­er­ma­cher­schen Uni­ver­si­tät unter Berück­sich­ti­gung einer genaue­ren Ana­ly­se des Kapi­ta­lis­mus.

Dies ändert sich mit der Ein­sicht in den „indus­tri­ell“ betrie­be­nen Mas­sen­mord an den euro­päi­schen Juden. (more…)