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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


3. September 2013

Marie Katharina Wagner, FA(Z)S 01.09., 5: Keine Homosexualität bei Protestant/inn/en!

Die Orientierungshilfe des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken hat etwa so viel Aufmerksamkeit erregt wie die erstaunliche Behauptung der Bundeskanzlerin, das Internet sei für uns alle Neuland.

Einen gewissen Höhepunkt der Debatte stellt ein Artikel der FAZ-Autorin Marie Katharina Wagner auf Seite 5 der FAZS vom 01.09. unter der Überschrift Ehekrise dar. Einen Bericht findet man hier. Vorausgegangen war dem schon ein kritisches Interview mit dem Präsidenten der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau Jung, der zu den Autoren der Studie zählt.

Die junge Autorin (*1981) beginnt ihren Artikel mit einem Faux pas. In Bezug auf den früheren Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber teilt sie mit, dass dieser das Oberhaupt der Protestanten (!) gewesen sei – und jene Aufgabe formuliert habe, dass es Ziel der Studie sein solle „Ehe und Familie“ im Kontext der gesellschaftlichen Veränderungsprozesse zu stärken. Ich kann mich angesichts dieses Faux pas schwerlich im Kontext der Vornamen der Autorin der Hypothese erwehren, die Autorin sei katholisch. Jedenfalls ist ihre Betrachtung der evangelischen Kirchen sehr traditionell, an Bischöfen, der Unterscheidung von Theologen und Laien usf. orientiert. Man kann vielleicht auch unterstellen, dass sie eine konservative Protestantin ist, sagen wir mal der Art der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. Jedenfalls existiert unter Protestant/inn/en kein Oberhaupt. Und es gibt Bischöf/inn/e/n und Kirchenpräsidenten, ein relativ buntes Bild. Seit Schleiermachers „Kurzer Darstellung des theologischen Studiums“ (1811) gilt für viele Protestant/inn/en, dass Theologe bzw. später Theologin alle diejenigen sind, die an der „Kirchenleitung“ teilhaben – und das beginnt in heutiger Sprache beim Ehrenamt.

Die Autorin teilt mit einer Reihe von innerprotestantischen Kritiker/inne/n der Orientierungshilfe die Überzeugung, dass (more…)

9. November 2012

Die Erkenntnis von Naturgesetzen

1               Erinnerung an die letzte Sitzung

Die Sitzung über alltägliche Erfahrung, deren Abschluss eine „Erkenntnis“ ist, verlief konstruktiv. Bestimmte Aspekte der Phänomenologie wurden kurz angesprochen, wie dass es in ihr wie im Pragmatismus keine Subjekt-Objekt-Spaltung gibt. Daher sind wir im Alltag mit den Gegenständen unseres Erkennens verbunden bzw. gehen mit ihnen in intersubjektiv offenen Situationen um. Diese Einsicht geht u. a. auf das Mitspieler-Sein im Sinne Kants zurück. Wir stehen der Realität gar nicht getrennt von ihr gegenüber – und dies lässt sich im Alltag erfahren.

2               Die Erkenntnis von Naturgesetzen

„Das Wort Erkenntnis ist ebenfalls ein passender Terminus, um Ziel und Abschluss der Forschung zu bezeichnen. Aber es leidet ebenfalls unter einer Zweideutigkeit. Wenn man sagt, die Gewinnung von Erkenntnis oder Wahrheit sei das Ziel der Forschung ist diese Aussage, nach der hier eingenommenen Position eine Tautologie. Das, was die Forschung auf befriedigende Weise abschließt, ist per definitionem Erkenntnis; es ist Erkenntnis, weil es der angemessene Abschluss der Forschung ist. Aber man kann vermuten, und es ist vermutet worden, diese Aussage drücke etwas Bedeutsames und nicht eine Tautologie aus. Als Tautologie definiert sie Erkenntnis als das Ergebnis kompetenter und kontrollierter Forschung. (John Dewey, Logik. Die Theorie der Forschung (stw 1902), 2002, 20f [in der Folge: Dewey 2002)

In Aufnahme und Präzisierung wesentlicher Positionen seines Lehrers Peirce formuliert Dewey seine Auffassung sehr klar. Nicht zuletzt wissenschaftliches Vorgehen ist ein Fall von Problemlösen. Der Forschungsprozess ist der methodologisch kontrollierte Versuch aus der Zusammenhanglosigkeit von Wahrnehmungen und Gedanken zu einer kohärenten und möglichst umfassenden Bestimmtheit zu kommen. Dieser Abschluss wird als (fallible) Erkenntnis bezeichnet. Diese muss immer weiter überprüft werden.

Unterscheiden sich die Verfahren in den Wissenschaften Physik, Biologie und Chemie voneinander, wie ein solcher Abschluss erreicht werden soll, kann es zu unterschiedlichen Auffassungen davon kommen, was ein biologisches oder physikalisches Naturgesetz ist (Hampe 2007, 150ff).

Allgemein gilt, dass Naturgesetze wissenschaftliche Gesetze sind. Dabei handelt es sich um generelle Aussagen, die sich auf experimentelle Situationen beziehen.

Da es sich um universale Aussagen handelt, sind sie als Handlungsvorschriften zu verstehen: Immer wenn Du X tust, musst Du Y tun. Wohl etwas genauer als Peirce – wenn ich recht sehe – interpretiert er daher Gesetzesaussagen in den Naturwissenschaften als „Vorschriften für eine spezifische Form des Handelns in der materiellen oder natürlichen Welt, nämlich für das experimentelle Handeln.“ (Hampe 2007, 143)

Dewey zufolge sind immer „Tun und Machen im Spiel. Die Art des Tuns und Machens ist die, die – materielle und prozedurale – Mittel bestimmt, um ein prospektives Ziel, eine vereinheitlichte Situation zu bewirken. Diese vereinheitlichte Situation ist das letzte (wenngleich nicht nächste) Ziel jeder Forschung.“ (Dewey 2002, 530)

Um das Apfelbaumbeispiel zu verwenden, das uns im Kurs begleitet:

Die Gesetzesaussage: „Alle Äpfel fallen mit 9,81 m/s2 nach unten“ wird – sofern sie so zutreffen sollte, in prinzipiell wiederholbaren Situationen erhoben, die hier z. B. Vorschriften für ein Zeitmessgerät einschließen muss – und sie wird weiterhin überprüft bzw. möglicherweise korrigiert. Man darf sich durch die mathematische Formulierung dabei  nicht täuschen lassen – dieses Naturgesetz, sofern es tatsächlich bestehen sollte, lässt sich nur aufgrund solcher vereinheitlichten Situationen erfassen und überprüfen. „Das Naturgesetz ist eine Handlungsvorschrift für die Erzeugung einer solchen Situation und Erfahrung.“ (Hampe 2007, 143)

Das ist keine Übertreibung. Hampe verweist mit Recht darauf, dass dies tatsächlich auf die frühe Neuzeit bei Galilei und Newton zurückgeht (experimentelle Philosophie [2007, 145]).

Jedenfalls Peirce und Dewey erkannten, dass Naturgesetze Abschluss eines Forschungsprozesses sind, der prinzipiell wiederholbar und überprüfbar ist. Logisch ist die These Deweys bei Peirce in dessen Quantorenlogik (insbesondere der spieltheoretischen Auffassung von All-Aussagen) vorbereitet. Dewey zieht freilich wohl als erster genau diese Konsequenz. Zu den Handlungsvorschriften gehören auch Anweisungen, welches mathematische Regelsystem Anwendung findet – was ebenfalls immer weiter überprüft wird.

Deweys These beruht auf seinem Erfahrungsbegriff und ist eine konsequente Explikation desselben.

25. April 2012

Hans Jonas, Prinzip Verantwortung (VHs Neckargemünd)

Für nachdenklichere Menschen waren die 1970er Jahre nicht nur die Jahre, in denen die Leistungsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft deutlich wurde, weil die deutsche Arbeiterschaft durch die sozialliberale Koalition in die Bundesrepublik integriert wurde. Durch die Ölpreiskrise 1973 sowie durch den ersten Bericht des „Club of Rome“ 1972 wurde deutlich, dass dies möglicherweise auf Sand gebaut war – die Konflikte seit Ende der 1970er Jahre waren sehr heftig. (more…)

26. November 2011

Wahrnehmung und Erfahrung (Vhs Neckargemünd)

Die Teilnehmer/innen waren uneins darüber, ob den Erwägungen Peirce’ zu den kategorialen Umbesetzungen hin zur fundamentalen Funktion der Relation eine Bedeutung zukäme. Peirce folgt Aristoteles, Humboldt und Schleiermacher in der Einschätzung, dass die Philosophie sprachabhängig ist. Mit Schleiermacher und stärker als dieser betont er aber die Bedeutung aller Zeichenformen, um Kategorien ausbilden zu können. Dies ist eine Konsequenz aus der Annahme, alle Menschen philosophierten. Peirce ist entsprechend der Nachweis gelungen, dass die elementaren Zeichensysteme die Bezeichnung der Relation derart unterstellen, dass alle anderen kategorialen Bestimmungen von ihr abhängen. Etwa Heidegger und Brodbeck, Die Herrschaft des Geldes, hier im Blog z. B. http://alltagundphilosophie.com/2010/12/09/zinsen/ u. ö. ahnen, dass das moderne Dilemma sich durch eine derartige Umbesetzung, die praxisleitend wird, ändern könnte, bei Brodbeck mit expliziter Nennung des Relationsproblems. Wie Görnitz/Görnitz, Die Evolution des Geistigen, 2007, zeigen, ist auch die Quantenphysik als wesentliche Theorie dessen, was die Bestandteile und Prozesse der Realität sein könnten, hierzu auf dem Wege. Für den Beobachter interessant näherte sich der Kurs dennoch in seinen Erörterungen fast unmerklich der im Alltag und in der oft unzureichend verstandenen bzw. reflektierten Umgangssprache implizieren Unendlichkeitsproblematik, der Selbstreferenzproblematik vor allem des Interpretanten, entsprechender Aufgabe falscher Sicherheiten und demjenigen, was Schleiermacher freundlich als „Übereilung“, Peirce als nicht „selbstkontrolliertes Denken“ bezeichnete, heute vor allem durch finanziell erzeugte Zeitnot angeblich unvermeidbar … Ob das nicht zu ändern ist, blieb nach Wahrnehmung des Dozenten eher unentschieden. Es ist auch nach meiner Überzeugung so, dass die Krisen zu Beginn des 21. Jahrhunderts jedenfalls auch auf einen entsprechenden Mangel an „selbstkontrolliertem Denken“ zurückgehen, der zur alltäglichen Gewohnheit geworden ist, vgl. http://alltagundphilosophie.com/2011/11/03/die-semiotik-charles-peirce%E2%80%99-vhs-neckargemund/.

Das heutige Thema der (sinnlichen) Wahrnehmung und ihrer Verarbeitung in der Erfahrung ist seit gut 100 Jahren erforscht und umstritten, natürlich auch unter Beteiligung der semiotischen Philosophie von Peirce, der beides als aufeinander aufbauende Zeichenprozesse analysiert hat, wobei er Wert darauf legt, dass es sich um „geistige“, „selbstkontrollierte“ und „selbstkritische“ Leistungen des einzelnen Menschen handelt, die perspektivisch ist – und daher auf Austausch mit anderen Menschen angewiesen ist. Auch Tiere haben bei Peirce – ähnlich wie bei von Uexküll – zumindest elementar Teil an solchen selbstkritischen Fähigkeiten.

 

Wahrnehmung:    Ich/Wir nehmen etwas als etwas wahr.

Erfahrung:           Ich/Wir erfahre/n etwas Wahrgenommenes als etwas Bekanntes.

 

Kreative Prozesse sind dann nötig, wenn etwas zum ersten Mal wahrgenommen wird, aber auch erfahren wird. Hier sind Formen der sozialen Gemeinschaft hilfreich, können aber auch störend sein, wenn relativ zu einer sozialen Gemeinschaft ein einzelner Mensch etwas neu sieht, hört, riecht, tastet, schmeckt oder empfindet. Peirce zufolge wird dabei stets ein genuin triadischer Zeichenprozess gestartet, der sicherstellt, dass immer auch ein sinnlich erfasstes Etwas als etwas interpretiert wird. Solche sinnliche Wahrnehmung kann tendenziell das wahrgenommene Etwas vereinzeln. Der Erfahrungsprozess bezieht es auf die Erfahrungstradition und bestimmt es in seinem Beziehungsaspekt zu allem Anderen. Die Prozesse der sinnlichen Wahrnehmung werden teilweise von den empirischen Wissenschaften wie Neurologie und Psychologie erforscht, gehaltvoll und integrativ wird das aber erst dann, wenn man den gesamten Zusammenhang beschreiben kann. Nach Peirce ist das dann der Fall, sofern man die einzelnen Aspekte des Prozesses als Zeichenprozess analysieren kann.

Die allgemeinen Probleme, die auch nicht selten in unserem Kurs thematisiert werden, fasse ich folgendermaßen zusammen:

Seit die empirischen Wissenschaften im Abendland und dann auch in Nordamerika starke Erkenntnisfortschritte gemacht haben, tritt ein Problem auf, das sich insbesondere seit der Verwendung des Teleskops in der Astronomie geltend gemacht hat: Unsere sinnliche Wahrnehmung scheint uns über die Realität zu täuschen, die Sonne geht am Morgen nicht auf, weder die Erde noch die Sonne sind auch nur im Entferntesten im Zentrum des Weltalls. Und ebenso scheinen uns unsere Selbstbeobachtungen, unsere Alltagswahrnehmung und Alltagserfahrung im Blick auf unsere Selbsteinschätzung zu täuschen. Wir erleben uns selbst zumindest gelegentlich als selbstbestimmt handelnde Personen, doch das ist eine Illusion – wie seit der Aufklärung manche Wissenschaftler/innen behaupten. Das ist nur eine Seite der Aufklärung, aber sie ist nicht ganz unerheblich. Die Wissenschaftsseite ist hierbei im Übrigen keineswegs eindeutig. In der Zeit von etwa 1700 bis 1900 herrschte durch die Dominanz der klassischen Physik auch im naturwissenschaftlichen Denken ein strenger Determinismus vor. Dieser wurde aber vonseiten der Biologie durch Charles Darwin durchbrochen, weil ihm zufolge das Zufallsmoment bei der Entstehung der Arten mitwirkte. Entscheidend wurden die Naturwissenschaften dann durch die Quantenphysik verändert, die keine eindeutig deterministischen Beschreibungen mehr zulässt.[1] Die Kulturwissenschaften haben in der Regel keinen Anlass gehabt, strenge deterministische Unterstellungen in den Vordergrund zu stellen. Häufig ist hier die Unterstellung der Freiheit zu Hause.[2]

Ich werde zunächst aus einer philosophischen Perspektive kurz die Grundtypen der möglichen Erfassung des Verhältnisses von Alltagserfahrung und Selbsterfahrung auf der einen Seite, von wissenschaftlichen Theorien auf der anderen Seite beleuchten.

Die Philosophie in unserer Weltgegend und in Nordamerika hat angesichts dieses immer wiederkehrenden Problems im Wesentlichen vier Typen des Umgangs damit entwickelt, die in sehr vielen Spielarten auftreten (vgl. Grafik 4 des Kurses):

 

Grafik 4 des Kurses

Grafik 4 des Kurses

An den Extremen stehen die Positionen, die eines der beiden Elemente des Problems „Alltagserfahrung“ und „Wissenschaft“ zuungunsten des anderen eliminieren wollen. Man kann vertreten, nur die Alltagserfahrung im Unterschied zur Wissenschaft gibt uns einen sicheren Einblick in die Realität – und umgekehrt. Entsprechend gibt es Philosophien, die sich faktisch mit den Fragestellungen der Wissenschaften, insbesondere der Naturwissenschaften identifizieren – und diese logisch-theoretisch reflektieren. Dies ist der Wissenschaftstypus der Philosophie, wie er in einigen Positionen der Analytischen Philosophie, in der positivistischen und neopositivistischen Philosophie auftritt.[3] Auch die frühe Philosophie Ludwig Wittgensteins gehört tendenziell dazu. Scharf gegenüber stehen dieser Position die verschiedenen Spielarten der phänomenologischen bzw. hermeneutischen Philosophie, die der Alltagserfahrung eine eigene Würde zugestehen. Das ist der Alltagstypus der Philosophie. Auch die Spätphilosophie Ludwig Wittgensteins tendiert in diese Richtung – mit einer durchaus beachtlichen Kritik an Formen des Wissenschaftsimperialismus. Das kann soweit führen, dass die Wissenschaften aus dieser Perspektive in ihrer Praxis scharf kritisiert werden, weil ihre Ergebnisse die Alltagserfahrung, überhaupt die Phänomene verfehlen. Im Hintergrund stehen hier nicht selten wissenschaftliche und philosophische Rezeptionen von Reflexionen künstlerisch-philosophischer Art – etwa von Johann Wolfgang von Goethe[4] und/oder von Ralph Waldo Emerson[5].

Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine Reihe von Philosophen, die beide Positionen für zu extrem hielten. Sie suchten also Vermittlungspositionen, in denen beide Aspekte vorkommen. Dies ist zum einen die neukantianische Philosophie, welche die Sittlichkeit und das Bewusstsein aus dem Zugriff der empirischen Wissenschaften heraushalten wollte. Das Hauptargument besteht darin, dass die Bewusstseinsebene elementarer angesiedelt ist als die wissenschaftliche Ebene. Das Bewusstsein und seine transzendentalen Strukturen begründen die Wissenschaften überhaupt erst, weil ja Bewusstsein zur Durchführung wissenschaftlicher Tätigkeiten erforderlich ist. Man kann also ein sittlicher Mensch sein und trotzdem ein richtig empirisch vorgehender Wissenschaftler. Zum anderen ist dies aber vor allem die semiotische Philosophie von Charles Peirce, die mit den Phänomenologen überzeugt ist, dass der Alltagserfahrung eine große Würde zuzuschreiben ist. In ihr sind alle allgemeinen Strukturen unserer Wirklichkeitserfahrung enthalten. Gleichwohl ist es nicht unmöglich, dass wir uns in unserer Alltagserfahrung täuschen, auch in der Erfassung ihrer allgemeinen Strukturen. Denn alle allgemeinen Annahmen müssen sich immer weiter in der Erfahrung – auch der Erfahrung anderer – bewähren. Und dazu gehören auch die wissenschaftlich aufbereiteten Erfahrungen. Dabei ist festzuhalten, dass die beiden Hauptschlussformen in der Alltagserfahrung und den Wissenschaften die Abduktion bzw. Hypothese und die Induktion sind. Auch relativ stabile Induktionen müssen in der Zukunft stets weiter in der Erfahrung überprüft werden. Peirce’ Philosophie wehrt daher sowohl dem Fundamentalismus der Alltagserfahrung als auch demjenigen der Wissenschaften, es kommt auf die kritische Überprüfung in der Erfahrung an. Gegen die Neukantianer kann eingewendet werden, dass sich auch das Bewusstsein aller Wahrscheinlichkeit nach erst in der Evolution der biotischen Arten entwickelt hat, daher als Letztbegründungsmuster schwerlich tauglich ist.

 

 


[1] Vgl. die Einführung durch T. Görnitz, Quanten sind anders. Die verborgene Einheit der Welt, Heidelberg/Berlin 1999.

[2] Zu entgegengesetzten Tendenzen in den Wirtschaftswissenschaften, die mit entsprechenden Verlusten wissenschaftlicher Genauigkeit und Prognosefähigkeit einhergehen, vgl. K.-H. Brodbeck, Die fragwürdigen Grundlagen der Ökonomie. Eine philosophische Kritik der modernen Wirtschaftswissenschaften, Darmstadt 22000. Ähnliches tritt auch in manchen Konzeptionen der Soziologie auf.

[3] Vgl. als Beispiel im Blick auf die aktuelle Diskussion T. Metzinger, Vorwort, in: ders. (Hg.), Bewusstsein. Beiträge aus der Gegenwartsphilosophie, Paderborn 52005: „In Westdeutschland […] haben nach dem Zweiten Weltkrieg viele verschiedene Formen des Philosophierens, bei denen die Standards der begrifflichen Klarheit und der rationalen Argumentation nicht mehr im Mittelpunkt stehen, einen ungeahnten Aufschwung erlebt. Nach wie vor herrscht in weiten Teilen der akademischen Philosophie ein Ressintement gegenüber den empirischen Wissenschaften, das nicht selten von einem generellen Desinteresse an interdisziplinären Dialogen begleitet wird.“

[4] Vgl. Naturwissenschaftliche Schriften, in: Goethe Werke (Jubiläumsausgabe), Bd. 6, Darmstadt 1998, 631ff.

[5] Vgl. insbesondere Die Natur. Ausgewählte Essays, Stuttgart 2000.

26. Oktober 2011

Psalm 8 (TUD)

Psalm 8 (TUD)

 

Vielleicht entstammt der Text dem vierten oder dritten Jahrhundert v. d. Z. Es handelt sich um ein poetisch entworfenes Lied (Refrainstruktur). Im Refrain wird das Herr-Sein Gottes im Blick auf die Erde betont. Der Mensch wird vor dem Hintergrund der Schöpfungswerke wahrgenommen, die nicht zuletzt aus der Abendhimmel-Perspektive dargestellt werden. Der Text steht sicher in Parallele zu großen Texten der abendländischen Geschichte wie der Antigone des Sophokles, wie Herr Hettler betonte.

Sein Profil erhält der Text durch den Hinweis im Lied, dass der Lobpreis Gottes als Machtmittel von Kindern und gesellschaftlich nicht sehr angesehenen Menschen gesungen werde. Dies wird als Machterweis gegen Gottes Widersacher gedeutet. Nach längerer Diskussion erschien es uns möglich, diesen irritierenden Textbestandteil so zu deuten, dass es Menschen geben könnte, die selbst als Herr der Welt auftreten möchten, der Mensch wäre dann nicht nur als Bild Gottes verstanden, sondern selbst als Gott.

Der Mensch wäre mithin als aktiver Bewahrer in der Schöpfung verstanden, der freilich für die Schöpfung gefährlich werden kann. Insofern näherten wir uns einem Teilthema des Seminars, der Grenzen zu den Tieren, wobei uns wichtig erschien, dass es Wildtiere gibt, mit denen der Mensch lebt und auch Gott interagiert.

So verstanden könnte der Text durchaus der ökologischen Krise standhalten – uns auch noch nach ihrem Eintreten ansprechen.

Innerhalb des Seminars verweist der Text auf paulinische Text, offenkundig natürlich auf Röm 8.

 

Psalm 8 (TUD)

 

Vielleicht entstammt der Text dem vierten oder dritten Jahrhundert v. d. Z. Es handelt sich um ein poetisch entworfenes Lied (Refrainstruktur). Im Refrain wird das Herr-Sein Gottes im Blick auf die Erde betont. Der Mensch wird vor dem Hintergrund der Schöpfungswerke wahrgenommen, die nicht zuletzt aus der Abendhimmel-Perspektive dargestellt werden. Der Text steht sicher in Parallele zu großen Texten der abendländischen Geschichte wie der Antigone des Sophokles, wie Herr Hettler betonte.

Sein Profil erhält der Text durch den Hinweis im Lied, dass der Lobpreis Gottes als Machtmittel von Kindern und gesellschaftlich nicht sehr angesehenen Menschen gesungen werde. Dies wird als Machterweis gegen Gottes Widersacher gedeutet. Nach längerer Diskussion erschien es uns möglich, diesen irritierenden Textbestandteil so zu deuten, dass es Menschen geben könnte, die selbst als Herr der Welt auftreten möchten, der Mensch wäre dann nicht nur als Bild Gottes verstanden, sondern selbst als Gott.

Der Mensch wäre mithin als aktiver Bewahrer in der Schöpfung verstanden, der freilich für die Schöpfung gefährlich werden kann. Insofern näherten wir uns einem Teilthema des Seminars, der Grenzen zu den Tieren, wobei uns wichtig erschien, dass es Wildtiere gibt, mit denen der Mensch lebt und auch Gott interagiert.

So verstanden könnte der Text durchaus der ökologischen Krise standhalten – uns auch noch nach ihrem Eintreten ansprechen.

Innerhalb des Seminars verweist der Text auf paulinische Text, offenkundig natürlich auf Röm 8.

20. Oktober 2011

Die „Pragmatische Maxime“ – eine kulturphilosophische Regel

Wir haben uns in der Sitzung vom 17.10. um ein ausreichendes Verständnis des allgemeinen und umfassenden Philosophieansatzes von Charles Peirce bemüht – und sogar eines der metaphysischen Probleme besprochen, das Peirce tatsächlich behandelt: die Gottesfrage, wobei Peirce viele allgemeine Äußerungen hinzuzieht, welche ihn anregen. Neben Traditionen von Judentum, Christentum und Islam spielen bei Peirce auch Neohinduideen eine nicht unbeachtliche Rolle. Dies war alles am Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA bekennt und wurde kontrovers diskutiert.[1] Philosophie verarbeitet solche Traditionen und reflektiert sie kritisch darauf, ob sie Erfahrungsgehalte symbolisieren – oder ob man aufgrund solcher Bilder Erfahrungen machen kann. Welches Thema man metaphysisch durch allgemeine Unterstellungen angeht: Peirce hält nichts von geschmäcklerischen, vielleicht schöngeistigen Theoriedebatten, weil Theorien selbst durch Praxis gewonnen wurden, praktisch überprüft und ggf. dann verändert oder auch verworfen werden. Die pragmatistische Philosophie konzentriert sich mithin auf den kulturellen Kontext der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in dem klar wurde, dass die soziale Ausdifferenzierung der Wissenschaften sogenanntes „Wissen“ bereitstellt, das es ermöglicht, praktische Regeln zu entwerfen, die sich therapeutisch, pädagogisch und ökonomisch sehr gut bewährten. Das sind entweder Techniken oder Kunstlehren.

  • Um Techniken handelt es sich, wenn solche Regeln Handlungen bestimmen, die das angestrebte Ziel stets erreichen, also z. B. Glühbirnen produzieren, die immer dann leuchten, sofern man auf einen Schalter drückt (Th. A. Edison).
  • Um Kunstlehren handelt es sich, wenn solche Regeln Handlungen bestimmen, bei denen der Erfolg im Einzelfall nicht sicher ist, die mithin stets vom Einzelfall her angepasst werden müssen (etwa Pädagogik, Medizin).

Das ist keine typisch „amerikanische“ Entdeckung. Aber im amerikanischen Pragmatismus brachen sich – vermittelt durch den „Amerikanischen Transzendentalismus (Emerson, Thoreau, Fuller u. a.) die Ideen, die von den Frühromantiker/innen, Goethe, Schleiermacher und Humboldt stammen, eine Bahn. Ich habe daher auch auf den Kontext der Demokratie verwiesen, der für das Verständnis der Werke von Peirce, James und Dewey sehr ausschlaggebemd ist, der natürlich in Deutschland in einem ernsthaften Sinn erst nach 1968 existierte, im Kern erst in den 1970er Jahren bestimmend wurde. Denn die Möglichkeiten politischer Freiheit setzten die Energien frei, welche ein Leben in Selbstbestimmung schön machen können. Das formuliert in der Unabhängigkeitserklärung die Rede vom „pursuit of happiness). Aber – so reflektiert die sogenannte „pragmatische Maxime“, welche praktische Folgen bzw. Wirkungen eine wissenschaftliche Theorie haben kann, sollte abgeschätzt werden.

Bedenken Sie, welche Wirkungen, die denkbarerweise praktische Relevanz haben könnten, wir dem Gegenstand unserer Konzeption zuschreiben. Folglich besteht die Konzeption dieser Wirkungen aus dem Ganzen unserer Konzeption des Gegenstands!

(Charles Peirce, How to make our ideas clear, 1878)

Pape hat schon in den 1980er Jahren (z. B. Einleitung zu „Phänomenologie und Logik der Zeichen“) darauf verwiesen, dass Grundfragen des „Prinzips Verantwortung“ (Hans Jonas, ein Heideggerschüler) hier völlig klar formuliert werden. Wenn also zu den abgeschätzten möglichen Wirkungen solche gehören, die sittlich missbilligt werden müssen, ergeben sich konfliktreiche ethische Aufgaben. Wie ist z. B. eine demokratische Kontrolle der Wissenschaften möglich? Peirce setzt also darauf, dass neben der philosophischen Tätigkeit der Wissenschaftler/innen ein universaler Horizont in der Gesellschaft entsteht, der eben verantwortlich darüber entscheidet, welche technischen und kunstmäßigen Projekte durchgeführt werden – und welche besser unterlassen werden sollten, weil ihre Wirkungen die Möglichkeit der Freiheit negieren.

Der Europäische Gerichtshof (EGH) hat in dieser Woche in diesem Sinne eine entsprechende Entscheidung zur Stammzellenforschung getroffen, die den Wünschen und gedanklichen Ambitionen der Zivilgesellschaft in Teilen Europas entspricht – ein Beispiel für die Institutionalisierung solcher demokratischer Meinungsbildungsprozesse, die auch Peirce für notwendig hielt. Natürlich lässt sich ökonomisch besser mit (finanzieller und technischer) Industrieunterstützung forschen. Aber die hierzu erforderliche Patentierung von bestimmten praktisch hervorgerufenen Zellveränderungen widerspricht elementaren Prinzipien der Menschenrechte. Um dies zu verstehen, muss man nur allgemein gebildet sein, welches eine Voraussetzung von Demokratie im Sinne von Peirce und seinem Schüler Dewey ist.

  • Die in den Wissenschaften entworfenen Abduktionen (Hypothesen)
  • werden mithin deduktiv auf Überprüfungskontexte in der kunstmäßig oder technisch modellierten Erfahrung (etwa des Labors) bezogen,
  • wo sie auf ihre induktive Tauglichkeit in immer neuen Erfahrungen überprüft werden.

Die „pragmatische Maxime“ formuliert diesen durch und durch praktischen Zusammenhang. Und Handlungen gehören ganz klar in den Bereich der Ethik. Es gehört zu den negativen – und wie wir heute u. a. an der Klimakatastrophe und Fukushima sehen – fatalen Folgen des Erfolgs von Positivismus und Neopositivismus, dass sie die Peirce’sche Idee, wie Ideen klar gemacht werden, aus dem Bereich der Ethik in einen angeblich „neutralen“ wissenschaftlichen Bereich transformiert haben, wo (was nicht so gerne zugegeben wird) letztlich kurzfristige ökonomische Interessen den Ausschlag geben, siehe den sich immer noch brüstenden Oliver Brüstle (Universität Bonn).

Logisch-semiotisch verhält es sich so: Das Ziel wäre eine Therapie für Parkinson. Die Abduktion lautet: Dieses Ziel kann durch gentechnologische Manipulation von Zellen „überzähliger Embryonen“ erreicht werden, weil sich hieraus geeignete Präparate gegen Parkinson gewinnen lassen. Deduktiv findet diese Manipulation seit drei Jahren oder mehr statt. Eine Überprüfung, die induktiv den Erfolg einigermaßen sicherstellen könnte, ist noch nicht in Sicht. Der EGH hat klar aus der Sicht der Menschenrechte die Konsequenzen gezogen. Embryonen dürfen nicht als Mittel behandelt werden. Sie tragen die reale Möglichkeit des Menschseins in sich. Im positivistischen und neopositivistischen Kontext werden entsprechende elementare ethische Fragen bewusst ausgeklammert. Mithin sind die Ideen solcher Wissenschaftler/innen und Philosoph/inn/en Peirce zufolge unklar.

  • Warum?
  • Und hat Peirce recht oder unrecht?
  • Wie hätte der Papst argumentiert?

Pape hat mit Recht vor gut 30 Jahren darauf verwiesen, dass die Philosophie durch eine derartige logisch-semiotische Subtilität gesellschaftliche Streitfragen klären helfen kann – und dadurch dazu beiträgt, die geistige „Umweltverschmutzung“ zu mildern. Das ist eine schöne Aufgabe der Philosophie.


[1] Es ist unbestritten, dass es auch Cowboys und Cowgirls gab. Sie waren kulturell aber weniger bedeutend, als das Genre „Western“ nahelegen könnte. Auch im Mittleren Westen und an der Frontier wurden philosophische Fragen diskutiert, wie man sich an dem Begründer der Osteopathie Andrew Taylor Stil exemplarisch klar machen kann.

10. September 2011

Die Philosophie von Charles Peirce

Die Philosophie von Charles Peirce (1839-1914) ist aktuell. Nach konservativer Meinung hat sich die Bundeskanzlerin als „Pragmatistin“ erwiesen, weil sie angesichts der „tagespolitischen Ereignisse“ (FAZ) von Fukushima ihre Haltung zur Kernenergie geändert hat – was entsprechende Konsequenzen hatte. Dabei ist ein Begriff von „Pragmatismus“ impliziert, der unterstellt, man setze politisch nur dasjenige durch, was sich angesichts von Widerständen gegenüber der Bevölkerung vertreten lasse. Aber auch im Sinne von Peirce war das eine „pragmatistische“ Entscheidung. Denn angesichts unabweisbarer Erfahrungen ließ sich feststellen, dass die Betreibung der Kernergie offensichtlich tödliche Folgen haben kann, mithin mit den Menschenrechten unvereinbar ist. Folglich ist das Betreiben der Kernergie in einem Land, das die Menschenrechte achtet, nicht weiter möglich.

Nicht nur diese Aktualität besteht, sondern Peirce bietet eine breite Themenpalette, von der wir im Kurs an der VHS Neckargemünd einige Themen besprechen wollen:

 

10.10. Wechselseitige Vorstellung und Kursplan

17.10. Leben und Werk

24.10. Die „pragmatische Maxime“

31.10. Der Primat der Ethik

07.11. Semiotik I

14.11. Semiotik II

21.11. Wahrnehmung und Erfahrung

28.11. Pragmatismus und Phänomenologie

05.12. Religionsphilosophie

12.12. Abschlussdiskussion

 

Aus der Perspektive der Teilnehmer/innen können diese Themen verändert werden. Bitte schreiben Sie mir hierzu eine E-Mail mit ihren Vorschlägen.

11. April 2011

Was ist der Mensch? Grenzen des Menschseins aus der Sicht des NT (TUD)

S1 02/330, 11.40 Uhr – 13.20 Uhr

 

18.10. Kennenlernen, Seminarplan, Sozialform, Vorgehensweise: „Der Mensch ist eine schwäbische Hausfrau“

25.10. Psalm 8

01.11. Röm 3,28

08.11. Röm 8,18-49

22.11. 1Kor 15 I

29.11. 1Kor 15 II

06.12. Gal 3,26-29

13.12. Mt 6,19-34

20.12. Mk 10,13-16

1o.01. Kol 1,15-23

17.01. Mk 5,35-43

24.01. Texte von Richard Dawkins/Humberto Maturana

28.01. Offene Fragen (freiwilllig)

31.01. Offene Fragen

07.02. Abschlussdiskussion

 

 

7. April 2011

Das „Abendmahl“ als Ritual (Uni HD, Seminarraum im Dekanat, Di 18-20 Uhr, ab 17.04.2012)

  1. 17.04. Kennenlernen usf.
  2. 24.04. „Ritual“ und „Abendmahl“ – Art. Ritus, TRE 29, Religionswissenschaftlich (259ff)

1               Texte und Sequenzen

  1. 08.05. 1Kor 11,17-34
  2. 15.05. 1Kor 10,1-22
  3. 22.05. Mk 14,12-25
  4. 05.06. Mt 26,17-30
  5. 12.06. Lk 22,7-23
  6. 19.06. Joh 13
  7. 26.06. Joh 6
  8. 03.07. Didache 9f
  9. 10.07. Sequenzen des Mahls??

2               Rezeptionen

  1. 17.07. Cyprian von Karthago, 63. Brief – Opfertheologie
  2. 24.07. Allgemeine Abschlussdiskussion

 

Bitte beschäftigen Sie sich mit Gerd Theißen, Die Religion der ersten Christen, 2003, §§ 7-8. Ansonsten können Sie gerne zu jedem Text einen oder mehrere Kommentare hinzuziehen (z. B. Conzelmann [1Kor]; Lührmann [Mk]; Luz [Mt]; Wolter [Lk]; Thyen [Joh]; Wengst [Didache]). Interessant ist: Hal Taussig, In the beginning was the meal. Social Experimentation and early Christianity, 2009.

 

6. April 2011

„Kompatibilismus“ bei Ernst Tugendhat – Akzeptiert den „Mythos des Sisyphos“!

 

Mythos des Sisyphos, 530 v. d. Z.

Ernst Tugendhat hat am 28.07.2007 in einem taz-Interview auf den offen zutage liegenden Sachverhalt hingewiesen, dass der auslösende Faktor der neueren Debatte weitgehend gegenstandslos ist, weil gar keine belastbaren wissenschaftlichen Ergebnisse vorliegen:

„Bei der Hirnforschung finde ich ziemlich verrückt, was da heute läuft. […] Man kann lediglich feststellen, in welchen Bereichen des Gehirns welche Typen von Prozessen ablaufen. Aber dann kommen diese Professoren der Gehirnphysiologie und stellen Theorien über die Nichtexistenz menschlicher Freiheit auf, die sich nur darauf stützen, dass sie sagen, wir sind Wissenschaftler und glauben an den Determinismus. Sie nehmen die philosophische Literatur der ganzen letzten Jahrzehnte überhaupt nicht wahr, in der versucht wird, Determinismus und Willensfreiheit nicht als Gegensatz zu sehen. Das halte ich für eine völlig haltlose Spekulation. […] In hundert Jahren kann die Hirnphysiologie vielleicht interessant werden für die Philosophie, aber bisher ist sie es nicht. Ich bin freilich ein Naturalist, ich sehe den Menschen als einen Teil der biologischen Entwicklung. Aber was in den biologischen Wissenschaften mit Bezug auf den Menschen gemacht wird, da ist sehr wenig Sinnvolles.“ (http://www.taz.de/?id=digitaz-artikel&ressort=do&dig=2007/07/28/a0001&no_cache=1://) (more…)