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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


10. Juli 2016

§ 10 Erfolgsgeschichten

 

  1. Hin­füh­rung
  2.  Das luka­ni­sche Dop­pel­werk
  3. Die Edi­to­ren der Prä­ka­noi­ni­schen Edi­ti­on
  4. Das Abend­mahl in erfolgs­ge­schicht­li­cher Per­spek­ti­ve
  5. Rück­fra­gen

1. Hinführung

Für das Spre­chen von „Erfolg“ ist aus­schlag­ge­bend, dass in einem Pro­zess ein posi­ti­ves „Ziel“ erreicht wird, das den Erwar­tun­gen von uns oder an uns ent­spricht. Und wenn man die­ses „Ziel“ eini­ger­ma­ßen erreicht hat, kann man immer noch im Sin­ne Oli­ver Kahns sagen: „Wenn ich oben bin, ist nicht alles, was ich gemacht habe, rich­tig.“ (more…)

15. Juli 2015

Veranstaltungen am 13.07.

1               Joh 8,31-45 (Uni Hd)

Zu Beginn wur­de erör­tert, wie sich die johan­n­ei­sche Lie­bes­kon­zep­ti­on und der von mir ver­wen­de­te Begriff des Grau­ens zuein­an­der ver­hal­ten. Bezo­gen auf das Johan­nes­evan­ge­li­um nimmt das Ernst, dass die johan­n­ei­sche Pas­si­ons­ge­schich­te in der Dras­tik der Dar­stel­lung von Fol­ter und gewalt­sa­mer Tötung von den syn­op­ti­schen Dar­stel­lun­gen nicht unter­schie­den ist. D. h., die­ses gewalt­sa­me Lei­den ist in Gott auf­ge­nom­men, Gott erlei­det es selbst.

Ich bin skep­tisch gegen­über Ver­su­chen, Gewalt durch Gewalt zu bekämp­fen, weil das kei­ne Unter­bre­chung des Grau­ens ermög­licht. Wir dis­ku­tier­te­nis­ku­tier­ten die Gren­ze die­ses Ansat­zes am Natio­nal­so­zia­lis­mus, der eben schon in der Wei­ma­rer Repu­blik hät­te ver­hin­dert wer­den müs­sen. Pazi­fis­ti­sche Posi­tio­nen sol­len also stets für sta­bi­le gesell­schaft­li­che Ver­hält­nis­se und für Demo­kra­tie ein­tre­ten.

Der Dia­log in Joh 8,31ff eska­liert zuneh­mend. Offen­bar sind die Juden, die an ihn glaub­ten, kei­ne zuver­läs­si­gen und sta­bi­len „Kin­der Got­tes‘‘. Sie „rüh­men“ sich, pau­li­nisch gespro­chen, „Same Abra­hams“ zu sein, was sich aber nicht in ihren Taten wider­spie­gelt, wes­halb sie Sklav /inn/en der Sün­de sind, wor­aus sie das Kom­men der Wahr­heit erst befrei­en kann. Die Hypo­the­se, dass es eine Nähe zur pau­li­ni­schen Argu­men­ta­ti­on gibt, ist ernst­haft erwä­gens­wert.

Dass die Juden, die an ihn glaub­ten, sich als ‚ „Kin­der des Teu­fels“ zei­gen, wird in Joh 16 stark rela­ti­viert, weil der Teu­fel („Fürst die­ser Welt“) gerich­tet wird.

Der Chris­tus in den Tex­ten im Johan­nes­evan­ge­li­um ist immer der­je­ni­ge, als der er im Pro­log bestimmt wird.

Die Tex­te sind insze­niert, es wer­den also typi­sche Situa­tio­nen dar­ge­stellt, wie im Mar­ku­sevan­ge­li­um gel­ten die Schüler/innen nicht als Vor­bil­der, son­dern als pro­ble­ma­ti­sche Per­so­nen, wie man/frau sich selbst erle­ben kann.

8. Juli 2015

Veranstaltungen am 06. und 07. Juli

3               Johannesprolog II, Joh 17 (Freiheitsverständnis im Neuen Testament [Uni Hd])

Joh 1,14b-18 wur­de wei­ter ver­tieft.

Die hym­nus­ar­ti­ge Struk­tur gro­ßer Tei­le des Tex­tes kommt auch durch die Ein­füh­rung der 1. Pers. Plu­ral zum Aus­druck. Vor­stel­len lässt sich, dass 1,1-5.9-14.17f teil­wei­se zu die­sem Hym­nus gehö­ren, aber wie z. B. Thy­en fest­hält, sind die Rekon­struk­tio­nen des Hym­nus sehr kon­tro­vers. Den­noch ist die plu­ra­le Struk­tur wesent­lich, sie fin­det eine auf­fäl­li­ge Par­al­le­le in 21,24.

Hier spricht eine selbst­be­wuss­te Gemein­de, die den Glanz des Erlö­sers schaut, den fleisch­ge­wor­de­nen Logos.

Gna­de und Wahr­heit kom­men von ihm, wäh­rend Mose nur das Gesetz zu bie­ten hat. Mög­li­cher­wei­se ist dies auf die Rezep­ti­on der pau­li­ni­schen Kri­tik zurück­zu­füh­ren. Eine ande­re Mög­lich­keit besteht dar­in, dass immer schon in der dyna­mi­schen Schrift­aus­le­gung ande­res bei der Aus­le­gung der Hei­li­gen Schrif­ten ent­deckt wor­den ist. Joh 5,39 lässt die­sen Schluss zu – 1,1-3 scheint das als Mög­lich­keit auch zu impli­zie­ren. Der­je­ni­ge, durch den alles geschaf­fen ist, ist in der Schöp­fung und in den Hei­li­gen Schrif­ten der Juden prä­sent.

Wir ent­deck­ten, dass in Ex 24,10f doch die Ältes­ten usf. den Gott Isra­els sahen und in sei­nem Ange­sicht aßen und tran­ken (vgl. aber 24,1f). Das Johan­nes­evan­ge­li­um ori­en­tiert sich dar­an, dass jeden­falls Mose ansons­ten höchs­tens indi­rekt Gott schaut. Daher wird die inti­me Nähe des ein­zi­gen gebo­re­nen Soh­nes (1,14c.18b) zum Vater betont und behaup­tet, (nur) die­ser habe ihn aus­ge­legt. (more…)

1. Juli 2015

Veranstaltungen am 29. und 30. Juni

3               Der Johannesprolog (Das neutestamentliche Freiheitsverständnis [Uni Hd])

Zum Pro­blem des „Mono­the­is­mus“ vgl. hier.

In der ers­ten Sit­zung zu Joh 1,1-18 haben wir uns den Pro­ble­men des Pro­logs stark ange­nä­hert.

Der Beginn des Tex­tes ist eine Auf­nah­me von Gen 1,1LXX (ἐν ἀρχῇ [בְּרֵאשִׁ֖ית (bereschit) in der Hebräi­schen Bibel]). Wir hat­ten Gen 1,1ff schon im Semi­nar wahr­ge­nom­men und konn­ten die Dif­fe­renz erken­nen, die in Joh 1,1ff gemeint ist. Wäh­rend in Gen 1,1ff eine Fol­ge von sechs Schöp­fungs­wer­ken plus der „Erschaf­fung“ des Sab­bats erzählt wird, die von Gott als „gut“ oder „sehr gut“ bewer­tet wer­den, stockt der Pro­zess in Joh 1,1ff schon in V. 5: Καὶ τὸ φῶς ἐν τῇ σκοτίᾳ φαίνει, καὶ ἡ σκοτία αὐτὸ οὐ κατέλαβεν. Dabei unter­stel­le ich, dass der rela­ti­ve Gleich­klang von κατέλαβεν (5b) und παρέλαβον (11b) dafür spricht, dass gemeint ist, die „Fins­ter­nis“ hat sich als eige­nes sozu­sa­gen gegen­gött­li­ches Prin­zip aus­ge­bil­det, was Luthers Über­set­zung „… und die Fins­ter­nis hat es nicht ergrif­fen“ m. E. impli­ziert. Anders als in Gen 1,4f wer­den also Licht und Fins­ter­nis nicht „geschie­den“, sodass „Tag“ und „Nacht“ von­ein­an­der unter­schie­den wer­den kön­nen, son­dern der Ori­en­tie­rungs­ge­dan­ke in Gen 1,4f wird exis­ten­zi­ell ver­tieft. Man/frau ist „leben­dig“ (so Hans Weder in einer Zür­cher Vor­le­sung im SS 2001) im Licht des Logos (vgl. καὶ ἡ ζωὴ ἦν τὸ φῶς τῶν ἀνθρώπων (4b) mit ὃ φωτίζει πάντα ἄνθρωπον (9b). Ζωή und φῶς sind mit­hin am bes­ten als Exis­tenz­me­ta­phern zu bezeich­nen, die eine „erhell­te“ Form des indi­vi­du­el­len und sozia­len Lebens dar­stel­len. Und so ver­hält es sich auch mit σκοτία. In der gewöhn­li­chen Exege­se wur­den die­se Gegen­sät­ze als kon­tra­dik­to­ri­sche Gegen­sät­ze im Johan­nes­evan­ge­li­um gele­sen. Es galt daher lan­ge und gilt vie­len noch immer als dua­lis­ti­scher Text (vgl. z. B. die Ein­lei­tung von Schnel­le). (more…)

24. Juni 2015

Veranstaltungen am 22. und 23. Juni

3. Das neutestamentliche Freiheitsverständnis (1Kor 8,1-13 [Uni Hd])

Die Sit­zung beschäf­tig­te sich mit einem Kon­flikt, der durch das in Korinth aus­ge­bil­de­te Frei­heits­ver­ständ­nis aus­ge­löst scheint: Πάντα μοι ἔξεστιν ἀλλ’ οὐ πάντα συμφέρει· πάντα μοι ἔξεστιν ἀλλ’ οὐκ ἐγὼ ἐξουσιασθήσομαι ὑπό τινος
(1Kor 6,12).

Vie­le Exeget/inn/en unter­stel­len, dass im Slo­gan πάντα μοι ἔξεστιν sich das korin­thi­sche Frei­heits­ver­ständ­nis aus­spre­che, alles sei erlaubt. Pau­lus ver­sucht dem­ge­gen­über Ein­schrän­kun­gen vor­zu­neh­men, die stets argu­men­ta­tiv begrün­det wer­den. In 1Kor 7ff beant­wor­tet Pau­lus häu­fig Fra­gen, die von den Korinther/inn/en auf­ge­wor­fen wer­den. Vgl. περὶ δὲ ὧν ἐγράψατε in 7,1a.

In 8,1-13 und 10,23ff geht es um das „Göt­zen­oper­fleisch“ (vgl. die Posi­ti­on von Dtjes in Jes 40,18ff). Pau­lus ent­fal­tet ent­spre­chend eine mono­the­is­ti­sche Posi­ti­on (8,6). Im frü­hen Chris­ten­tum ist die Fra­ge des Essens von Fleisch, das beim Opfern übrig blieb und nicht von den Priester/inne/n geges­sen wur­de, umstrit­ten (vgl. ins­be­son­de­re Apos­tel­ge­schich­te 15,20 und Apk 2,14.20).

Wir ent­wi­ckel­ten im Semi­nar zunächst eine Glie­de­rung des Tex­tes:

  1. Grund­le­gung (8,1-3): Περὶ … τῶν εἰδωλοθύτων …
  2. Die posi­ti­ve The­se (8,4-6): Περὶ τῆς βρώσεως οὖν τῶν εἰδωλοθύτων …
  3. Ein­schrän­kung der The­se (8,7-12):  Ἀλλ’  οὐκ ἐν πᾶσιν ἡ γνῶσις …
  4. Con­clu­sio (8,13): Διόπερ …

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17. Juni 2015

Veranstaltungen am 15. und 16. Juni

3. Das Freiheitsverständnis im Neuen Testament (Gal 5,1-6 [Uni Hd])

 

Pro­to­kol­lan­tin­nen: San­dra, Maren und Judith

 

In der Sit­zung beschäf­tig­ten wir uns damit, den Auf­satz „Zur Frei­heit hat uns [der] Chris­tus befreit!“ über das pau­li­ni­sche Frei­heits­ver­ständ­nis in Gala­ter 5 von Prof. Dr. Pött­ner kri­tisch zu ana­ly­sie­ren.

Im bibli­schen Text hebt Pau­lus her­vor, dass die Men­schen nur durch die befrei­en­de Kraft des Todes Jesu von der Skla­ve­rei der Sün­de befreit wer­den kön­nen und es nicht mög­lich ist, durch das Erfül­len des Geset­zes Gerech­tig­keit zu erlan­gen. Pau­lus betont, dass die Beschnei­dung in Chris­tus ihre Wir­kung ver­liert, und weist dar­auf hin, dass Men­schen, die sich beschnei­den las­sen, wie­der im Zwang ste­hen, allein durch das Erfül­len des Geset­zes Gerech­tig­keit zu erstre­ben. Indem sie sich rüh­men, dem gan­zen Gesetz zu fol­gen, begeh­ren sie nicht zu begeh­ren und gera­ten erneut in Unfrei­heit. Sie fal­len aus der in der Zuwen­dung Chris­ti eröff­ne­ten Mög­lich­keit her­aus, allein durch den in der Lie­be täti­gen Glau­ben gerecht­fer­tigt zu wer­den. (more…)

9. Juni 2015

Veranstaltungen am 08. und 09. Juni

3. Freiheit im Neuen Testament (Uni Hd)

Zunächst stel­le ich den Text zu Gal 5 zur Ver­fü­gung.

Die Sit­zung befass­te sich inten­siv mit Röm 7,13ff und streif­te nur en pas­sant Gal 5,1-6. Die Ana­ly­se die­ses Tex­tes geschieht im Kon­text der Erör­te­rung mei­nes Auf­sat­zes zu Gal 5,1ff.

Ein wesent­li­cher Aspekt der Sit­zung bestand in einem Klä­rungs­ver­such, wie das Ver­hält­nis von Tex­ten wie Röm 5,12ff und 1Kor 15,42ff zu Röm 7,7ff zu bestim­men ist. In Röm 5,12ff ver­an­kert Pau­lus das Ent­ste­hen des Todes für alle in der Figur Adams. Dabei ist aus­schlag­ge­bend, dass ἁμαρτία … οὐκ ἐλλογεῖται μὴ ὄντος νόμου (die Sün­de nicht ange­rech­net wur­de bis das Gesetz exis­tier­te [5,13b; vgl. auch die Peri­ode von Adam bis Mose in 5,13c]). Gleich­wohl war die Sün­de da – und Adams Frucht­ge­nuss erbrach­te neben Frei­heit und ethi­scher Kom­pe­tenz den Tod, wie Pau­lus im Anschluss an Gen 2,4bff sagt (vgl. auch Sap­Sal 2,23f). Alle star­ben, weil alle sün­dig­ten. Nur Hen­och bil­de­te eine Aus­nah­me. Eine Auf­fas­sung von der Erb­sün­de ist das nicht. (more…)

20. Mai 2015

Veranstaltungen am 17. und 18. Mai

3               1Kor 11,2-16 (Das neutestamentliche Freiheitsverständnis [Uni Hd])

Der Text gehört in ein Semi­nar zum neu­tes­ta­ment­li­chen Frei­heits­ver­ständ­nis. Sind es doch in der korin­thi­schen Gemein­de, über die wir durch die bei­den Korin­ther­brie­fe eini­ges zu wis­sen mei­nen, gera­de Frau­en, bei denen der Frei­heits­drang, der in der Bewe­gung seit Jesus aus­ge­bil­det wor­den ist, sicht­bar wird. Mög­li­cher­wei­se gibt es Par­al­le­len zu Phä­no­me­nen in Mys­te­ri­en, die das korin­thi­sche Pro­blem erklä­ren kön­nen. Auf jeden Fall zeigt sich der eman­zi­pa­to­ri­sche Zug spä­ter in der Gno­sis, wie aus den Tex­ten aus Nag Ham­ma­di zwei­fels­frei her­vor­geht, wor­auf auch der 1Tim mit der Unter­schei­dung von ech­ten und fal­schen Wit­wen anzu­spie­len scheint.

Zudem lässt sich hier kon­kret erken­nen, wie dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung gehen kann und wel­che Pro­ble­me dabei auf­tre­ten kön­nen. (more…)