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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


4. Mai 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, drit­te Vor­le­sung

 

 

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie zur ers­ten Vor­le­sung zum The­men­ab­schnitt „Neu­tes­ta­ment­li­che Her­me­neu­tik in der Moder­ne“, in der es aus­führ­lich um den Ent­wurf Schlei­er­ma­chers gehen soll. Viel­leicht über­rascht es Sie, dass ich Schlei­er­ma­cher und Bult­mann als wich­tigs­te Ver­tre­ter der Moder­ne anse­he und sie nur durch Mag­da­le­ne Frett­löh ergän­zen wer­de. Natür­lich set­ze ich mich bei der Dis­kus­si­on des Bild­be­griffs auch mit den Bei­trä­gen Phil­ipp Sto­ell­gers aus­ein­an­der, sodass Sie nicht befürch­ten müs­sen, ich beach­te­te aktu­el­le Bei­trä­ge nicht. Ich bin nur der Über­zeu­gung, dass man­ches schon gesagt ist – und dar­auf möch­te ich Sie hin­wei­sen.

1 Der Ansatz Fried­rich D. E. Schlei­er­ma­chers: Omnis deter­mi­na­tio est nega­tio – jede Bestim­mung ist eine Ver­nei­nung (alles ande­ren) – und die Kon­se­quen­zen der Gel­tung die­ser Regel

An Schlei­er­ma­cher ist beein­dru­ckend, dass er Theo­lo­gie vor dem Hin­ter­grund einer umfas­sen­den Bil­dung in dia­lek­ti­scher Gesprächs­füh­rung wie in man­chen pla­to­ni­schen Dia­lo­gen betreibt. Damit ist gemeint, dass er bestimm­te Posi­tio­nen oder Fest­le­gun­gen nie­mals iso­liert affir­miert oder behaup­tet, son­dern häu­fig den gesam­ten Pro­zess offen legt, wie er zu einer bestimm­ten Fest­le­gung gekom­men ist – und wel­che ande­ren Mög­lich­kei­ten es ansons­ten gibt 1 Das müs­sen oder soll­ten wir als aller­ers­tes ver­ste­hen. (more…)

  1. Zu Schlei­er­ma­chers Ansatz vgl. die bis­lang uner­reich­te Stu­die von Johan­nes Ditt­mer, Schlei­er­ma­chers Wis­sen­schafts­leh­re als Ent­wurf einer pro­zes­sua­len Meta­phy­sik in semio­ti­scher Per­spek­ti­ve. Tria­di­zi­tät im Wer­den, 2001 (TBT 113 Lit. !). Zum Leben Schlei­er­ma­chers vgl. Kurt Nowak, Göt­tin­gen, 2. Aufl. 2002 (UTB 2215).
2. Mai 2019

Berg­pre­digt, Darm­stadt

Ein­füh­rung in die exege­ti­schen Metho­den und das wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten: Die Berg­pre­digt (Mt 5-7)

Semi­nar Eins:

Ver­schie­de­ne Men­schen behaup­ten, dass die Berg­pre­digt eine Gesin­nungs­ethik sei, vor allem im Anschluss an Max Weber.
Metho­den der Her­me­neu­tik sol­len in die­sem Semi­nar erlernt und ange­wen­det wer­den.

Glie­de­rung von Mat­thä­us 5, 1-12:
Die ers­ten zwei Ver­se las­sen sich als Ein­lei­tung zusam­men­fas­sen, hier wird die Situa­ti­on zu Beginn beschrie­ben. Jesus sah das Volk, stieg auf einen Berg und setz­te sich, wie für einen leh­ren­den Rab­bi in der Syn­ago­ge üblich, hin. Er stieg ver­mut­lich auf den Berg um bes­ser gehört zu wer­den.

Die Ver­se drei bis elf geben dann Jesu Wor­te wie­der.
Unter­glie­dern lässt sich der Text des Wwei­te­ren in Ver­se 3-10 und 11f.
Auf­fal­lend ist hier­bei der immer glei­che Satz­be­ginn in den Ver­sen drei bis zehn: „Selig sind …“, der sehr all­ge­mein gehal­ten ist und das Publi­kum nicht direkt adres­siert. Nach dem immer glei­chen Anfang steht eine Beschrei­bung des aktu­el­len Zustan­des, gefolgt von dem letz­ten Satz­teil, der den Grund für das Selig-/ Glück­lich­sein beschreibt. Die bei­den Satz­tei­le stel­len meist einen Gegen­satz dar, so wird das aktu­ell im Leben Domi­nan­te umge­kehrt, die­se Umkeh­rung wird posi­tiv dar­ge­stellt (Ver­se: 4, 6, 7,) z.B. Vers vier: „Selig sind, die da Leid tra­gen; denn sie sol­len getrös­tet wer­den.“ .
In den Ver­sen 3, 5, 8-10 wer­den posi­ti­ve Eigen­schaf­ten und die posi­ti­ve Kon­se­quenz der Aus­übung die­ser beschrie­ben.

Die Ver­se elf und zwölf sind eine direk­te Anre­de an die Zuhö­rer: „Selig seid Ihr …“. und stel­len als gan­zen Satz dar, was ein unan­ge­neh­mer, aber guter Ist­zu­stand wäre. Der Grund für das Selig­sein erfolgt im nächs­ten Satz, denn für die­sen unan­ge­neh­men Zustand, so Vers zwölf, wird man „im Him­mel reich­lich belohnt wer­den“. Des­we­gen soll man fröh­lich sein und jubeln, da es den Pro­phe­ten auch so ergan­gen ist.
Pro­phe­ten waren zu ihren Leb­zei­ten im Volk schlecht ange­se­hen, was ihnen auch oft zu schaf­fen mach­te (sie­he Jeremia/Jesaja).

 

25. April 2019

Das Jere­miabuch (insb. 1-25)

Jere­mia

Wirk­sam­keit

Der Pro­phet Jere­mia („JHWH grün­det“) stammt, so die Über­schrift, aus einer pries­ter­li­chen Fami­lie aus dem Ort Ana­tot bei Jeru­sa­lem. Jere­mia wirk­te von 627-587, sei­ne Wirk­sam­keit ist in vier Pha­sen zu unter­tei­len:

– Früh­zeit­ver­kün­di­gung unter Joschi­ja vor 609: Jer 1-6
– Regie­rungs­zeit Jojakims (bis 598): Jer 7-20
– 597 bis zum Ende Jeru­sa­lems: Jer 21-22+24+27-29
– Nach Beginn des Exils (587/6): Jer 40-44 (Bericht).

Das Jere­miabuch berich­tet im Unter­schied zu Jesa­ja von nur einem Pro­phe­ten, doch lässt sich auch in ihm ein kom­pli­zier­ter Wachs­tums­pro­zess fest­stel­len, den man zumin­dest in sei­nen Grund­zü­gen ken­nen soll­te.

Text­for­men

Über­sicht über den Auf­bau des Jere­miabu­ches nach MT (Maso­re­ti­schem Text) und LXX (griech. Übs.)
MT                                                       LXX
1,1-25,14 Wor­te gegen Juda             1,1-25,13
25,15-38 Fremd­völ­ker­sprü­che          25,15-38+
(in LXX abwei­chen­de Rei­hen­fol­ge)    Kap. 46-51
………………………………………………….26-35
26-35 Bericht und Heils­an­sa­gen 36-45
36-45 Jere­mi­as Lei­den
46-51 wei­te­re Fremd­völ­ker­sprü­che
52 Die Zer­stö­rung Jeru­sa­lems …………..52

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2. April 2019

Tod Got­tes und Wahr­heit, Joh 18,28ff – EfG Gries­heim

Lovis Corinth, Ecce homo, hier ist der Mensch! (1925)

 

Schrift­le­sung: Psalm 43,1-5

 

18,28 Sie brach­ten Jesus vom Ober­pries­ter Kaja­phas zum Prä­to­ri­um [der Resi­denz des Römi­schen Statt­hal­ters]. Es war früh am Mor­gen. Und sie gin­gen nicht in das Prä­to­ri­um hin­ein, um sich nicht zu ver­un­rei­ni­gen, damit sie das Pes­sach­mahl [bzw. Pas­sa­mahl] essen könn­ten. 29 Also kam Pila­tus zu ihnen her­aus und sag­te: »Wel­che Ankla­ge erhebt ihr gegen die­sen Men­schen?« 30 Sie ant­wor­te­ten und sag­ten zu ihm: »Wenn er nicht ein Ver­bre­cher wäre, hät­ten wir ihn dir nicht aus­ge­lie­fert.« 31 Da sag­te Pila­tus zu ihnen: »Nehmt ihr ihn und ver­ur­teilt ihn nach eurem Gesetz­buch!« Die Juden* sag­ten zu ihm: »Es ist uns nicht erlaubt, einen Men­schen hin­zu­rich­ten.« 32 Dies geschah, damit das Wort Jesu erfüllt wer­de, mit dem er ange­kün­digt hat­te, auf wel­che Wei­se er ster­ben soll­te. 33 Pila­tus ging wie­der hin­ein ins Prä­to­ri­um, rief Jesus und sag­te zu ihm: »Bist du der König des jüdi­schen Vol­kes?« 34 Jesus ant­wor­te­te: »Ist das dei­ne Mei­nung oder haben es dir ande­re über mich gesagt?« 35 Pila­tus ant­wor­te­te: »Bin ich etwa ein Jude? Ange­hö­ri­ge dei­nes Vol­kes und die Ober­pries­ter haben dich mir aus­ge­lie­fert. Was hast du getan?« 36 Jesus ant­wor­te­te: »Mein König­reich gehört nicht die­ser Welt an. Wenn mein König­reich die­ser Welt ange­hö­ren wür­de, wür­den mei­ne Leu­te kämp­fen, damit ich nicht der Jeru­sa­le­mer Stadt­herr­schaft 1 wer­de. Mein König­reich ist aber nicht von hier.« 37Da sag­te Pila­tus zu ihm: »Bist du also doch König?« Jesus ant­wor­te­te: »Du sagst, dass ich König bin. Ich bin dazu gebo­ren und in die Welt gekom­men, dass ich die Wahr­heit bezeu­ge. Alle, die der Wahr­heit ange­hö­ren, hören auf mei­ne Stim­me.« 38 Pila­tus frag­te ihn: »Was ist Wahr­heit?« Und als er dies gesagt hat­te, ging er wie­der hin­aus zu den Ver­tre­tern der Jeru­sa­le­mer Stadt­herr­schaft und sag­te ihnen: »Ich sehe kei­nen Grund, ihn zu ver­ur­tei­len. 39 Es ist aber Sit­te bei euch, dass ich euch zum Pes­sach­fest jemand frei­las­se. Wollt ihr nun, dass ich euch den König des jüdi­schen Vol­kes frei­las­se?« 40 Da schrien sie wie­der und sag­ten: »Nicht ihn, son­dern Bar­ab­bas.« Bar­ab­bas war ein Räu­ber. 19,1 Da nahm Pila­tus Jesus und ließ ihn aus­peit­schen. 2 Die Sol­da­ten floch­ten einen Kranz aus Dor­nen und set­zen ihn auf sei­nen Kopf. Sie zogen ihm ein Pur­pur­ge­wand an, 3 kamen zu ihm, sag­ten: »Sei gegrüßt, König von Isra­el!« und gaben ihm Ohr­fei­gen. 4 Pila­tus ging wie­der hin­aus und sag­te zu ihnen: »Hier brin­ge ich ihn zu euch hin­aus, damit ihr erkennt, dass ich kei­nen Grund sehe, ihn zu ver­ur­tei­len.« 5 Jesus kam her­aus und trug den Kranz aus Dor­nen und das Pur­pur­ge­wand. Und er sag­te zu ihnen: »Hier ist der Mensch!«2

Lie­be Gemein­de,

eine Sze­ne „anti­ker Grau­sam­keit“, wie Gerd Thei­ßen die Pas­si­on Jesu nennt. Der isla­mi­sche Staat, aber auch der rechts­ex­tre­me Ter­ro­rist in Neu­see­land ver­schaf­fen uns aktu­el­le Bei­spie­le sol­cher Grau­sam­keit. Wir kön­nen sie, falls wir das möch­ten, digi­tal wahr­neh­men, weil sie gefilmt und gestreamt wur­den. Unser Text ist eine Erzäh­lung, die wie alle Pas­si­ons­er­zäh­lun­gen der bibli­schen Evan­ge­li­en die Gewalt­sam­keit durch­aus dras­tisch und detail­liert dar­stellt. (more…)

  1. Ich über­set­ze den Aus­druck οἱ* Ἰουδαῖοι* (hoi Iou­daioi – die* Juden*) im Sin­ne des­sen, was gemeint ist. Es han­delt sich um eine rhe­to­ri­sche Figur, Meto­ny­mie bzw. pars pro toto, Teil für das Gan­ze bzw. umge­kehrt. Der Aus­druck „die Juden“ könn­te das Miss­ver­ständ­nis aus­lö­sen, als hät­ten alle Juden* o. Ä. Jesus getö­tet, was aber nicht der Sinn des Tex­tes ist. Seit Bult­manns Kom­men­tar 1941 m. E. klar.
  2. Vgl. BgS zur Stel­le!
6. Februar 2019

Gen 11,1-8

 

The­ma war Gen 11,1-8, der Turm­bau zu Babel. Der „Herr“ ist auch dafür zustän­dig.
Idee einer ursprüng­li­chen Ein­heits­spra­che, die ver­wirrt wird, um die tech­ni­sche Macht der Men­schen zu erschwe­ren. Im Semi­nar wur­de fest­ge­stellt, das es sich nur um die­ses han­delt.
Tat­säch­lich fun­giert der Turm als Ein­heits- bzw. Zen­tra­li­sie­rungs­sym­bol, wes­halb der wich­tigs­te Gegen­satz die Zer­streu­ung ist. Zu den Zik­ku­rat. Sie wur­den wahr­schein­lich zur astro­no­mi­schen Gestirn­be­ob­ach­tung genutzt und daher konn­ten schon im 7. Jhdt. v. d. Z. Mond­fins­ter­nis­se vor­aus­ge­sagt wer­den.
Auch das Pfingst­wun­der in Act 2 ändert an der Dif­fe­renz der Spra­chen nichts, es ist ein Über­set­zungs­wun­der.
Das Semi­nar dis­ku­tier­te aus­führ­lich die EU und den Bre­x­it.

Mk 7,24ff

 

The­ma war mein Vor­trag, der im Netz steht. Dazu Dis­kus­si­on von Mk 7,24ff. Es ist auf­fäl­lig, dass es eine Frau ist, die als ein­zi­ge ein Streit­ge­spräch gegen Jesus gewinnt.

23. Januar 2019

1Kor 11,3ff Die Haar­tracht der Frau­en als Gen­der­zei­chen

Semi­nar: Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments: Männ­li­che und weib­li­che Rede vom Gott im NT?
Leh­ren­der: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner
Pro­to­koll der Sit­zung vom 22.01.2019
The­ma der Sit­zung: Haar­tracht, 1 Kor 11,3ff.
Pro­to­kol­lan­tin: C. Alber­ti

1. Rück­blick auf die ver­gan­ge­ne Sit­zung:
Zu Beginn der Sit­zung wur­de kurz das Pro­to­koll der ver­gan­ge­nen Sit­zung the­ma­ti­siert.

S: Alle Semi­nar­teil­neh­mer fan­den die­ses sehr gut geglie­dert, aus­führ­lich und hilf­reich für den Nach­voll­zug der Sit­zung.
P: Die Beschäf­ti­gung in der letz­ten Sit­zung mit dem Text Mk 10,28ff. sei kein Zufall gewe­sen, da der Text sehr wich­tig sei, auch im Hin­blick auf die Fra­ge der Müt­ter. Laut Herrn Pött­ner feh­le im Pro­to­koll, dass die Dis­kus­si­on um die­sen Text in der ver­gan­ge­nen Sit­zung sehr kon­tro­vers war. Falls noch Dis­kus­si­ons­be­darf bestün­de, kön­ne in der heu­ti­gen Sit­zung dar­über noch wei­ter dis­ku­tiert wer­den.

2. Zum heu­ti­gen The­ma:
Die heu­ti­ge Text­ba­sis ist 1. Kor 11,3ff. Laut Prof. Dr. Pött­ner han­de­le es sich dabei um einen der wich­tigs­ten Tex­te, anhand derer man Fra­gen u. a. bezüg­lich der Betei­li­gung von Frau­en am Got­tes­dienst beur­tei­len kön­ne.

3 Ich will aber, dass ihr wisst, dass Chris­tus das Haupt eines jeden Man­nes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Chris­ti. 4 Ein jeder Mann, der betet oder pro­phe­tisch redet und hat etwas auf dem Haupt, der schän­det sein Haupt.5 Jede Frau aber, die betet oder pro­phe­tisch redet mit unbe­deck­tem Haupt, die schän­det ihr Haupt; denn es ist gera­de so, als wäre sie gescho­ren. 6 Will sie sich nicht bede­cken, so soll sie sich doch das Haar abschnei­den las­sen! Wenn es aber für die Frau eine Schan­de ist, dass sie das Haar abge­schnit­ten hat oder gescho­ren ist, soll sie sich bedecken.7 Der Mann aber soll das Haupt nicht bede­cken, denn er ist Got­tes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Man­nes Abglanz. 8 Denn der Mann ist nicht von der Frau, son­dern die Frau von dem Mann. 9 Und der Mann wur­de nicht geschaf­fen um der Frau wil­len, son­dern die Frau um des Man­nes wil­len. 10 Dar­um soll die Frau eine Macht auf dem Haupt haben um der Engel wil­len. 11 Doch im Herrn ist weder die Frau ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau; 12 denn wie die Frau von dem Mann, so ist auch der Mann durch die Frau; aber alles von Gott. 13 Urteilt bei euch selbst: Steht es einer Frau wohl an, dass sie unbe­deckt vor Gott betet? 14 Lehrt euch nicht die Natur selbst, dass es für einen Mann eine Uneh­re ist, wenn er lan­ges Haar trägt, 15 aber für eine Frau eine Ehre, wenn sie lan­ges Haar hat? Das Haar ist ihr als Schlei­er gege­ben. 16 Ist aber jemand unter euch, der dar­über strei­ten will, so soll er wis­sen, dass wir die­se Sit­te nicht haben – und die Gemein­den Got­tes auch nicht.

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20. Januar 2019

Gen 9, Bund und Wein­bau

Mit der Betrach­tung von Gen 9 tra­ten wir expli­zit in die Refle­xi­on der Text­prag­ma­tik ein. Dabei geht es um die Funk­ti­on eines Tex­tes in der jewei­li­gen Gemein­schaft – hier der noa­chi­ti­schen Mensch­heit. Denn der Herr schließt mit Noah einen Bund, der alle Men­schen umfasst. Dar­in sind auch die Tie­re ein­ge­schlos­sen, was bri­san­te Fra­gen auf­warf.
Zunächst wer­den schon beim Opfer Abels in Gen 4 Tie­re getö­tet, obgleich Gen 1 das nicht vor­sieht.
Vor die­sem Hin­ter­grund wur­de erör­tert, ob die Got­tes­bild­lich­keit der Men­schen den Aus­schlag gibt, war­um Tie­re getö­tet und geges­sen wer­den dür­fen, wäh­rend dies für Men­schen nicht gilt.
Der Bund hat ein Zei­chen, den Regen­bo­gen, der sym­bo­li­siert, dass Gott nicht wie­der destruk­tiv han­deln wird, was einen Aspekt der Reue Got­tes impli­ziert.
Wir wer­den in Gen 10f sehen, dass die gesam­te Mensch­heit gemeint ist und genau­er nach dem prag­ma­ti­schen Sinn der Urge­schich­te fra­gen. (more…)

19. Januar 2019

Pro­to­koll vom 15.01.2019

Semi­nar: Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments: Männ­li­che und weib­li­che Rede vom Gott im NT?
Leh­ren­der: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner
Pro­to­koll der Sit­zung vom 15.01.2019
The­ma der Sit­zung: Got­tes Müt­ter

1. Orga­ni­sa­to­ri­sches
Zu Beginn der Sit­zung wur­de die letz­te Sit­zung noch ein­mal kurz reflek­tiert und zusam­men­ge­fasst. Dabei wur­de der Bezug zu Gala­ter 3,26-29 her­ge­stellt und die Dis­kus­si­on mit unter­schied­li­chen Mei­nun­gen her­vor­ge­ho­ben.
Anschlie­ßend wur­de ein kur­zer Aus­blick auf die fol­gen­de Sit­zung gege­ben. Dort sol­le es um das The­ma „Haar­tracht“ gehen unter Betrach­tung von 1. Korin­ther 11,3ff.
Es wur­de mit dem inhalt­li­chen Teil fort­ge­fah­ren.

2. Semi­nar­in­hal­te
Der Inhalt der Sit­zung lässt sich in zwei The­men­blö­cke auf­tei­len. Zunächst hielt Prof. Dr. Pött­ner einen Vor­trag zum The­ma „Das Geschlech­ter­ver­hält­nis im Neu­en Tes­ta­ment vor dem bibli­schen Hin­ter­grund“, wor­auf­hin anschlie­ßen­de Fra­gen dis­ku­tiert wur­den. Im Fokus stand dabei die Bibel­stel­le Mar­kus 10,28-30. (more…)

17. Januar 2019

Joh 11

Joh 11 ist daher von Belang, weil hier expli­zit offen­ge­legt wird, was biblisch seit der „Jesa­ja-Apo­ka­lyp­se“ (Jes 24-27) gilt: Es gibt in der Bibel weder eine grie­chi­sche, hebräi­sche oder ara­mäi­sche Voka­bel für z. B. „Auf­er­ste­hung“ o. Ä. קוֻם (kum), ἀνίσταναι (anhi­sta­nai) und ἐγείρεσθαι (ege­i­rest­hai) bezeich­nen sowohl den all­täg­li­chen Vor­gang des Auf­ste­hens bzw. Auf­ge­weckt­wer­dens als auch den­je­ni­gen, wel­cher dem Tod folgt. Die glei­che Ambi­gui­tät liegt beim „Schla­fen“ (κοιμᾶν [koiman]) vor, vgl. z. B. Dan 12,2f. Zur­zeit respek­tie­ren offen­bar nur eini­ge weni­ge der Übersetzer*innen der „Bibel in gerech­ter Spra­che“ (BgS) die­sen bibli­schen Sach­ver­halt.
Sehr schön zeigt sich das an fol­gen­der Pas­sa­ge:

11,11 Λάζαρος ὁ φίλος ἡμῶν κεκοίμηται·
ἀλλὰ πορεύομαι
ἵνα ἐξυπνίσω αὐτόν.
12εἶπαν οὖν οἱ μαθηταὶ αὐτῷ·
κύριε,
εἰ κεκοίμηται σωθήσεται.

Es wird also mit dem Miss­ver­ständ­nis­mo­tiv gear­bei­tet, wie wir es seit der Niko­de­mus-Sto­ry in Joh 3,1ff ken­nen. Zugleich sagen die Schü­ler aber auch das­je­ni­ge, was tat­säch­lich der Erzäh­lung nach gesche­hen wird: Laza­rus wird geret­tet. Hier wird mit dem mög­li­chen Dop­pel­sinn von σωθήσεται (er wird geheilt/gerettet wer­den) gespielt. (more…)