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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Johan­ne­s­pro­log 2

Uni Hei­del­berg

1,15 aα Ἰωάννης μαρτυρεῖ περὶ αὐτοῦ
aβ καὶ κέκραγεν λέγων·
b οὗτος ἦν ὃν εἶπον·
c ὁ ὀπίσω μου ἐρχόμενος ἔμπροσθέν μου γέγονεν,
d ὅτι πρῶτός μου ἦν.
16 aα ὅτι ἐκ τοῦ πληρώματος αὐτοῦ ἡμεῖς πάντες ἐλάβομεν
aβ καὶ χάριν ἀντὶ χάριτος·
17a ὅτι ὁ νόμος διὰ Μωϋσέως ἐδόθη,
b ἡ χάρις καὶ ἡ ἀλήθεια διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ ἐγένετο.
18 a Θεὸν οὐδεὶς ἑώρακεν πώποτε·
bα μονογενὴς θεὸς ὁ ὢν εἰς τὸν κόλπον τοῦ πατρὸς
bβ ἐκεῖνος ἐξηγήσατο.

Nach der Erzäh­lung der Flei­sch­wer­dung und der Beto­nung des Schau­ens der gött­li­chen δόξα des λόγος wech­selt der Pro­log per homo­se­mes Wort­spiel in die Vater-Sohn-Meta­pho­rik, die aber mög­li­cher­wei­se schon in der Σοφία-Seman­tik von Prov 8,22ff ange­legt ist. Auch μονογενής wird hier zum ers­ten Mal ver­wen­det. Aus 1,13 wis­sen wir, dass Gott gebiert, doch der ein­zig­ge­bo­re­ne Sohn und die gebo­re­nen glau­ben­den Kin­der lie­gen sote­risch auf zwei Ebe­nen, der erlös­ten Kin­der und des erlö­sen­den Sohns.
Wir haben hier mit­hin eine Fami­li­en­se­man­tik vor­lie­gen, die vor dem Hin­ter­grund der Weis­heits­se­man­tik immer auch eine Lie­bes­eman­tik (ἀγάπη) ist. Der Plu­ral der 1. Per­son wird in 1,15 mit Johan­nes dem Täu­fer ver­bun­den, was auch mir als Inter­pre­ta­ti­on von 1,14-16 ein­leuch­tet. Zum johann­ei­schen Chor gehört auch der Täu­fer, der den Logos/Sohn ver­kün­digt bzw. auch in sei­nem Lei­dens­schick­sal bezeugt. Eine Stu­den­tin hat vor einem Jahr den Plu­ral als text­prag­ma­ti­sche Her­vor­he­bung vor­ge­schla­gen.
Dis­ku­tiert wur­de im Ver­hält­nis zu Pau­lus die Geset­zes­kri­tik in 1,17. Dabei erör­ter­ten wir auch Anti­ju­da­is­mus. Sir 24 zeigt, dass die Weis­heit auch in der Tora Isra­els Hei­mat gefun­den hat, sodass dies kei­ne Abwer­tung der­sel­ben besa­gen muss. Wohl aber liegt sie vor dem Kom­men Jesu Chris­ti in der σκοτία.
Ähn­lich ist die drei­fa­che Unter­schei­dung in Gott zwi­schen Vater, Sohn und Geist etwa in Gen 1,2f und Prov 8,22ff in den Hei­li­gen Schrif­ten der Juden* zumin­dest ange­deu­tet. Πνεῦμα, σοφία und πατήρ fin­den sich im AT, die tri­ni­ta­ri­sche, rela­tio­na­le Zuord­nung wie hier ist eine Fort­schrei­bung. Zu
ist eine Fort­schrei­bung, vgl. aus­führ­lich hier.
Das sinn­li­che Bild der Liebe,die inti­me Sze­ne zeigt die Prä­senz der himm­li­schen Lie­be inach der Rück­kehr des Soh­nes, wel­cher Gott aus­ge­legt hat, die Bezie­hun­gen zum Schü­ler, den Jesus lieb­te (13,23; 21,14), schei­nen auf der Hand zu lie­gen.
Der Pro­log umfasst daher die wich­ti­gen Züge des Tex­tes, der auch das Lei­den Got­tes, das Ertra­gen der Grau­sam­keit mit dem Kon­zept „Gott ist Lie­be“
ver­bin­det.

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Info:
Johan­ne­s­pro­log 2 ist Beitrag Nr. 8354
Autor:
Martin Pöttner am 2. November 2019 um 07:21
Category:
Allgemein
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