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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


15. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis: Mt 6,25ff

 

Schrift­le­sung: Pre­di­ger 2,3-11

Pre­digt: Mt 6,25-34

 

25Deswegen sage ich euch:

Sorgt euch nicht ängst­lich um euer Leben, was ihr essen oder was ihr trin­ken sollt, auch nicht um euren Leib, was ihr anzie­hen sollt. Ist nicht das Leben viel mehr als Essen, der Leib viel mehr als Klei­dung?

26Seht euch die Vögel des Him­mels an: Sie säen nicht und ern­ten nicht, sam­meln auch kei­ne Vor­rä­te in Scheu­nen – und Gott, Vater und Mut­ter für euch im Him­mel, ernährt sie. Unter­schei­det ihr euch nicht in vie­lem von ihnen? 27Könnt ihr eurem Lebens­al­ter auch nur eine kur­ze Stre­cke hin­zu­fü­gen, indem ihr euch Sor­gen macht? 28Und was sorgt ihr euch um Klei­dung?
Betrach­tet die Lili­en auf den Fel­dern, wie sie sich im Wach­sen ent­fal­ten: Sie mühen sich nicht ab und spin­nen kein Kleid. 29Doch ich sage euch: Nicht ein­mal Salo­mo in sei­nem gan­zen Glanz war schö­ner geklei­det als eine die­ser Feld­blu­men.
30Wenn aber Gott selbst die Grä­ser auf dem Feld so klei­det, das Kraut, das heu­te da ist und mor­gen in den Ofen gewor­fen wird, um wie viel mehr euch, ihr Men­schen mit wenig Ver­trau­en!

31So hört nun auf, euch zu sor­gen und zu sagen: Was sol­len wir essen? Oder: Was sol­len wir trin­ken? Oder: Womit sol­len wir uns klei­den? 32Auf das alles rich­ten die Men­schen der Völ­ker ihren Sinn. Gott, Vater und Mut­ter für euch im Him­mel, weiß ja, dass ihr dies alles braucht.
33Sucht hin­ge­gen zuerst das Reich und die Gerech­tig­keit Got­tes, und dies alles wird euch dazu geschenkt wer­den. 34Sorgt euch des­halb nicht um mor­gen, denn der mor­gi­ge Tag wird für sich selbst sor­gen. Es reicht, wenn jeder Tag sei­ne eige­ne Belas­tung hat.1

 

Lie­be Gemein­de,

 

die letz­ten bei­den Wochen sind vom Erfolg eines 16jährigen Mäd­chens mit Zöp­fen geprägt. Ihre Form des gewalt­sa­men Wider­stands des frei­täg­li­chen Schul­streiks hat sich zu einer welt­wei­ten Pro­test­be­we­gung aus­ge­wei­tet. Daher sprach Gre­ta Thun­berg vor der UNO-Voll­ver­samm­lung in For­men der klas­si­schen Rhe­to­rik, von der auch die Bibel und auch unser heu­ti­ger Pre­dig­text geprägt sind.

Viel­leicht nei­gen wir vor der wil­den Dis­kus­si­on um Gre­ta dazu die­sen berühm­ten Text der Berg­pre­digt Jesu miss­zu­ver­ste­hen, z. B. als aske­ti­sches Gesetz, als grü­nes Ver­bot uns zu ent­hal­ten, etwa von Fleisch oder ele­gan­ter Klei­dung, von Ver­schwen­dung von Geld, als eine Art auch schon anti­ker Lebens­kunst, wie wir unser Leben beson­nen in den Griff bekom­men, sodass wir nicht uns selbst und ande­ren scha­den.2
Dazu könn­te bei­tra­gen, dass wir uns des­we­gen nicht sor­gen sol­len, weil Jesus zuvor sagt:

… Ihr könnt nicht zugleich Gott die­nen und dem Geld (Mt 6,24).3

Der eine und ein­zi­ge Gott lässt sich also nicht ver­eh­ren, wenn man/frau zugleich das Geld als Gegen­gott anbe­tet und Schät­ze sam­melt – und auch dar­an sein Herz hängt. Das ist hart – und for­dert, dass Geld nicht bei Per­so­nen still­ge­stellt wird, son­dern stets im wirt­schaft­li­chen Fluss bleibt. Und des­we­gen sol­len wir nicht sor­gen, was wir essen, trin­ken, anzie­hen sol­len – und wo und wie wir woh­nen wer­den, was aktu­ell ein ver­brei­te­tes Pro­blem dar­stellt. Denn sofern das Geld nicht still­ge­stellt und an man­chen Stel­len gesam­melt wird, bleibt es im Fluss – und Essen, Trin­ken, Klei­dung und Woh­nung ist für alle da.

Das ist nicht das Modell unse­rer Kon­kur­renz­ge­sell­schaft, in der sich alle bzw. die meis­ten bemü­hen durch­zu­kom­men und dabei ande­re mög­lichst zu über­tref­fen, eige­ne Vor­tei­le zu sichern – und schließ­lich eine gute Ren­te zu genie­ßen, was aber bei 900 € Durch­schnitts­ren­te nicht so rich­tig gelin­gen will – und einer der rea­len Grün­de ist, war­um man­che sich gegen Flücht­lin­ge wen­den und AfD wäh­len, wie ich mehr­fach selbst gehört habe.4

Dem­ge­gen­über ver­weist Jesus die Zuhörer*innen auf die Vögel unter dem Him­mel und auf die Lili­en des Fel­des. Die Lili­en spin­nen nicht und weben ihre wun­der­schö­ne Klei­dung nicht, son­dern Got­tes fort­wäh­ren­der Schöp­fungs­pro­zess macht ihre Klei­dung präch­ti­ger als die­je­ni­ge des sagen­haft wei­sen, flei­ßi­gen, bemüh­ten und rei­chen Königs Salo­mo, dem unse­re Schrift­le­sung gewid­met ist. Trotz aller Mühe und Anstren­gung und allen Reich­tums, es ist alles nich­tig, blo­ßer Wind­hauch, so urteilt er wei­se.

Bei den Vögeln hebt Jesus dar­auf ab, dass sie die Nah­rung nicht in Scheu­nen sam­meln, son­dern gleich mit ihren Jun­gen ver­zeh­ren.

Vögel und Lili­en leben also schöp­fungs­ge­mä­ßer als Men­schen, die gegen­ein­an­der kon­kur­rie­ren und sich Vor­tei­le zu sichern suchen, indem sie flei­ßig sind und Schät­ze sam­meln. Dass wird Darm­städ­ter Fuß­ball­fans bei den Lili­en leich­ter fal­len, zu akzep­tie­ren, weil das Wap­pen des SV Darm­stadt 98 von einer kur­fürst­li­chen sil­ber­nen Lilie geziert wird.

Bei den Vögeln könn­te aber gefragt wer­den, war­um redet Jesus nicht von Eich­hörn­chen? M. E. geht es nicht um alle Tie­re, son­dern nur um sol­che, die als Vor­bil­der für Men­schen die­nen kön­nen, also sol­che, die instink­tiv-gewohn­heits­mä­ßig auf den Schöp­fungs­pro­zess ver­trau­en und aktiv in der Schöp­fung mit­spie­len.

Um wie viel mehr wird Gott sich um sei­ne mensch­li­chen Geschöp­fe küm­mern! Dazu müs­sen die Men­schen eigent­lich nur auf die Vögel und Lili­en schau­en, die in den Schöp­fungs­pro­zess inte­griert sind und mit­spie­len. Sich dar­ein ver­sen­ken. Und dann vom Klei­ne­ren, den Vögeln und Lili­en, auf das Grö­ße­re, die Men­schen schlie­ßen. Dabei aber nicht ste­hen blei­ben – und selbst in der Schöp­fung mit­spie­len.

D. h. in der Berg­pre­digt, das Reich und die Gerech­tig­keit Got­tes zu suchen, sich dar­auf zu kon­zen­trie­ren, dann wer­den Essen, Trin­ken, Klei­dung und Woh­nung den so Suchen­den zufallen.Sicher müs­sen wir fra­gen, ob das nicht eine from­me Illu­si­on, eine from­me Selbst­täu­schung ist?
Eine schwei­zer Mit­stu­den­tin frag­te bei einer Dis­kus­si­on zu die­sem The­ma, sie müs­se ja vor­sor­gen und pla­nen, allein um zu die­ser Ver­an­stal­tung in Zürich zu kom­men. Die Fra­ge ist aber eine ande­re, so die Berg­pre­digt:

31So hört nun auf, euch zu sor­gen und zu sagen: Was sol­len wir essen? Oder: Was sol­len wir trin­ken? Oder: Womit sol­len wir uns klei­den? 32Auf das alles rich­ten die Men­schen der Völ­ker ihren Sinn. Gott, Vater und Mut­ter für euch im Him­mel, weiß ja, dass ihr dies alles braucht.
33Sucht hin­ge­gen zuerst das Reich und die Gerech­tig­keit Got­tes, und dies alles wird euch dazu geschenkt wer­den. 34Sorgt euch des­halb nicht um mor­gen, denn der mor­gi­ge Tag wird für sich selbst sor­gen. Es reicht, wenn jeder Tag sei­ne eige­ne Belas­tung hat.

Es ist also eine Fra­ge der Kon­zen­tra­ti­on, wor­auf wir Wert legen. Auf All­tags­sor­gen, wie wir unse­ren Unter­halt gere­gelt bekom­men – oder auf das Stre­ben nach dem Reich Got­tes und sei­ner Gerech­tig­keit. Das ver­spricht: Die All­tags­sor­gen wer­den im Ver­fol­gen des Rei­ches Got­tes und sei­ner Gerech­tig­keit mit­er­le­digt.

Auf die­ses Ver­spre­chen Jesu soll­ten wir mutig ver­trau­en! Wie der Wochen­spruch aus 1Pet sagt:

Alle Eure Sor­gen wer­fet auf ihn, denn er sorgt für Euch!“

Amen

 

 

  1. Vgl. BgS, zur Stel­le, Lui­se Schott­roff.
  2. Vgl. Art. Lebens­kunst, WiBiLex http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/59490/ mit anti­ken Bei­spie­len.
  3. Vgl. BgS, zur Stel­le. Mög­li­cher­wei­se bezieht sich der grie­chi­sche Aus­druck μαμμωνᾶ mam­mo­na ursprüng­lich auf eine syri­sche Gott­heit des Reich­tums o. Ä.
  4. https://rentenbescheid24.de/armutsrente-von-900-e-in-deutschland/ .

« Die drit­te Auf­klä­rung von Micha­el Ham­pe – Johan­nes­evan­ge­li­um »

Info:
15. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis: Mt 6,25ff ist Beitrag Nr. 8281
Autor:
Martin Pöttner am 23. September 2019 um 17:12
Category:
Religiöse Rede
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