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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, neun­te Vor­le­sung

 

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

 

heu­te sind die dua­lis­ti­schen Erzähl­wei­sen The­ma, deren iden­ti­täts­zen­trier­te Form uns aktu­ell Pro­ble­me berei­tet.

Zuvor: Gibt es Rück­fra­gen zur Pro­blem­ge­schich­ten-Vor­le­sung?

1. Hin­füh­rung
2. Das Evan­ge­li­um der ver­zwei­fel­ten Lebens­si­tua­tio­nen: Mat­thäu­sevan­ge­li­um (Mtev)
3. Dua­lis­ti­sche Rekon­struk­ti­on und Dekon­struk­ti­on des Opfer­bil­des: der Hebrä­er­brief
4. Die Sie­ger und Ver­lie­rer – und die­je­ni­gen, die immer schon ver­lo­ren haben: die Apo­ka­lyp­se (Offen­ba­rung) des Johan­nes
5. Das Abend­mahl aus dua­lis­ti­scher Per­spek­ti­ve, Mt 26

6. Ver­schwö­rungs­my­then, der Bei­trag Micha­el Blu­mes

 

  1. Hin­füh­rung

Nach mei­ner Auf­fas­sung liegt  auch den lehr­haf­ten Kon­zep­tio­nen eine ele­men­ta­re erzäh­le­ri­sche, nar­ra­ti­ve Struk­tur zugrun­de. Aris­to­te­les hat in sei­ner Poe­tik nüch­tern fest­ge­stellt, Erzäh­lun­gen besä­ßen einen Anfang, eine Mit­te und ein Ende. Für dua­lis­ti­sche Erzähl­wei­sen gilt dann, dass in der­ar­ti­gen Erzäh­lun­gen am Anfang, in der Mit­te und am Ende immer ein kon­tra­dik­to­ri­scher Gegen­satz zwi­schen einer posi­ti­ven Grö­ße und einer nega­ti­ven Grö­ße vor­liegt: Das Eine ist das aus­schlie­ßen­de Gegen­teil des Ande­ren – und umge­kehrt. Wenn man eine der­ar­ti­ge Posi­ti­on aus­drü­cken will, sie kom­mu­ni­ka­tiv prä­sen­tie­ren möch­te, muss man über die gewöhn­li­che Spra­che hin­aus­ge­hen. Logi­sche Kor­rekt­heit ist dann völ­lig unzu­rei­chend. Dua­lis­ti­sche Per­spek­ti­ven lie­ben das Para­dox, den tat­säch­lich aus­ge­drück­ten kon­tra­dik­to­ri­schen Wider­spruch. Das ist rhe­to­risch erlaubt und üblich. Ent­spre­chend ist die Bil­der­welt von einer fas­zi­nie­ren­den bizar­ren Wider­sprüch­lich­keit: die Welt ist aus den Fugen gera­ten.

Die reli­gi­ons­ge­schicht­li­che Bedeu­tung sol­cher dua­lis­ti­schen Erzähl­wei­sen bzw. Kon­zep­tio­nen für das Ent­ste­hen des Chris­ten­tums ist durch grö­ße­re Text­fun­de nach dem zwei­ten Welt­krieg gut doku­men­tiert. So wur­den in den Höh­len von Qum­ran am Toten Meer eine Rei­he von dua­lis­ti­schen Schrif­ten des Juden­tums gefun­den. In Ägyp­ten, in Nag Ham­ma­di fand man eine (über­wie­gend) kop­ti­sche Biblio­thek von gnos­ti­schen Schrif­ten, die eben­falls dem dua­lis­ti­schen Mus­ter fol­gen. Schon immer aber hat­te man die früh­jü­di­sche Apo­ka­lyp­tik als Fall einer dua­lis­ti­schen Anschau­ung erkannt.
Es gibt also in der Spät­an­ti­ke in der Reich­wei­te des Chris­ten­tums ver­schie­de­ne dua­lis­ti­sche Strö­mun­gen, die dann auch z. B. im Manichäis­mus wie­der auf­tau­chen.

Die Äuße­run­gen die­ser Strö­mun­gen bil­den ein eigen­stän­di­ges Erzähl­mus­ter, wie ich schon in der vori­gen Vor­le­sung behaup­te­te, wor­in Bult­mann falsch lag. Daher glaub­te er, der Natio­nal­so­zia­lis­mus sei so etwas wie ein ata­vis­ti­scher Spuk, die Auf­klä­rung wer­de damit fer­tig. Dar­aus ent­sprang ein m. E. zu opti­mis­ti­sches Bild vom soge­nann­ten „moder­nen Men­schen“, das auch sei­ne Schü­le­rin Han­nah Arendt infra­ge gestellt hat. Wir wen­den ins im Gespräch mit Micha­el Blu­me daher auch der Ver­nunft­fra­ge zu.

 

 

Abb. 24 Grund­struk­tur einer dua­lis­ti­schen Erzäh­lung

2. Mat­thä­us

Das Mtev ent­wirft sich in beson­de­rer Wei­se als Evan­ge­li­um der exis­ten­zi­el­len Ver­häng­nis­se. Fort­wäh­rend wer­den nar­ra­tiv und rhe­to­risch Situa­tio­nen ima­gi­niert, die ein­zel­ne Per­so­nen oder Grup­pen in aus­weg­los erschei­nen­de Lagen brin­gen, denen sie sich nur schwer oder gar nicht zu ent­zie­hen ver­mö­gen.
Wer sich zusam­men mit einem Rechts­geg­ner auf dem Weg zum Gericht befin­det, soll­te bes­ser unter Rechts­ver­zicht den Streit mit ihm schlich­ten, bevor bei­de ihr Ziel errei­chen. Denn der Rechts­geg­ner wer­de sei­nen Beglei­ter dem Rich­ter, die­ser ihn dem Gerichts­die­ner über­ge­ben, sodass er schließ­lich im Gefäng­nis lan­den wer­de, mög­li­cher­wei­se der Fol­ter aus­ge­setzt, wie man aus der Para­bel vom Schalksknecht ent­neh­men mag (5,25f; vgl. 18,23ff). Wer im Namen Jesu pro­phe­zei­te, Dämo­nen aus­trieb und Wun­der tat, wird vom Men­schen­sohn im Gerichts­sze­na­rio nicht gekannt, weil er nicht dem Wil­len Got­tes, son­dern der Gesetz­lo­sig­keit folg­te (7,15ff).

Unter den reich­lich spon­tan ein­ge­la­de­nen Ersatz­gäs­ten eines könig­li­chen Hoch­zeits­fes­tes (22,1ff) fin­det sich ein Mann, der kein Hoch­zeits­ge­wand trägt – ange­sichts der merk­wür­di­gen Ein­la­dungs­si­tua­ti­on eigent­lich nicht sehr ver­wun­der­lich. Doch der Mann muss hin­aus in die Fins­ter­nis – der Ort, wo „Heu­len und Zäh­ne­knir­schen sein wird“, ein mat­thäi­scher Topos, den er mit einer beacht­li­chen Red­un­danz vor­trägt (Mt 8,12; 13,42.50; 22,13; 24,51; 25,30).

So kann es schließ­lich nicht ver­wun­dern, dass aus mat­thäi­scher Per­spek­ti­ve einem Men­schen, der Per­len vor die Schwei­ne wirft, abson­der­li­che Gefah­ren dro­hen (7,6). Nicht nur, dass die Schwei­ne die wert­vol­len Per­len zer­tre­ten wer­den, nein: Wer gewor­fen hat, muss damit rech­nen von den Schwei­nen zer­ris­sen zu wer­den.
Die­se abson­der­li­chen Situa­tio­nen las­sen sich noch ver­meh­ren, ihnen allen ist ein Zug gemein­sam, dass ein Moment der schreck­li­chen Über­ra­schung, des eigent­lich undurch­schau­ba­ren, des fins­ter Ver­häng­nis­vol­len ein­tritt.

Vie­le Sze­nen im Mtev haben etwas Traum­haft­t­rau­ma­ti­sches. Man erwacht aus einem Alb­traum, merkt aber, dass es glück­li­cher­wei­se nicht „bloß“ ein Traum war, son­dern es ist erschre­cken­de Wirk­lich­keit.
So ver­hält es sich auch in der para­bo­li­schen Erzäh­lung von den fünf törich­ten und fünf wei­sen jun­gen Frau­en (25,1ff): Die­ser Text hebt beson­ders ein­drucks­voll den Zug des Biz­za­ren, Uner­wart­ba­ren, fins­ter Ver­häng­nis­vol­len her­vor – ein Zug, in dem gewöhn­li­che Erfah­rung in äußerst ver­frem­de­ter, extra­va­gant umko­dier­ter Erzähl­wei­se erscheint. Das Reich der Him­mel wird in der ima­gi­nier­ten Situa­ti­on, wenn der Men­schen­sohn kommt, dem Han­deln von zehn jun­gen Frau­en ver­gleich­bar sein, die auf einen Bräu­ti­gam war­ten. Der poly­ga­me Bräu­ti­gam kommt aller­dings ziem­lich zu spät zur Hoch­zeit. Als er schließ­lich ange­kün­digt wird, ist es schon Mit­ter­nacht. Die düpier­ten Frau­en war­ten erstaun­li­cher­wei­se immer noch, statt ihn sau­sen zu las­sen. Doch nur fünf hat­ten Öl bei sich, kön­nen in der Nacht also sehen. Den ande­ren wird der Rat erteilt, sie soll­ten in der Nacht noch Öl kau­fen. Als sie zurück­keh­ren, ist ihre Chan­ce dahin. Der Bräu­ti­gam hat sich mit fünf Frau­en begnügt und bekun­det, er ken­ne die ande­ren nicht. Die Erzäh­lung ist nicht nur alle­go­risch über­dehnt, sie ist gro­tesk kon­zi­piert. Sie wirkt wie ein Traum, aus dem Mann oder Frau schweiß­ge­ba­det auf­wacht, hof­fend, dass alles anders, irgend­wie nor­mal ist. Doch lei­der sind bizar­rer Traum und ver­häng­nis­vol­ler Wach­zu­stand iden­tisch.

Im Neu­en Tes­ta­ment reizt ins­be­son­de­re Mt die bizar­ren Mög­lich­kei­ten des dua­lis­ti­schen Erzähl­mus­ters aus. Den Höhe­punkt bil­det das soge­nann­te Gleich­nis bzw. die Para­bel vom „Gro­ßen Welt­ge­richt“ (Mt 25,31ff)1:

Wenn aber der Men­schen­sohn in sei­nem Glanz kom­men wird und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron sei­nes Glan­zes set­zen.
Und vor ihm wer­den sich alle Völ­ker ver­sam­meln.
Und er wird sie von­ein­an­der schei­den,
wie der Hir­te die Scha­fe von den Zick­lein zu schei­den pflegt.
Und er wird die Scha­fe auf sei­ne rech­te Sei­te stel­len,
die Zick­lein aber links.
Dann wird der König zu denen sagen, die rechts von ihm ste­hen:
‘Kommt her, Geseg­ne­te mei­nes Vaters!
Ihr wer­det das König­reich erben, das für euch seit Erschaf­fung der
Welt berei­tet wor­den ist.
Denn ich hun­ger­te und ihr gabt mir zu essen,
ich hat­te Durst und ihr gabt mir zu trin­ken.
Ich war fremd und ihr nahmt mich auf.
Ich war nackt und ihr gabt mir Klei­dung.
Ich war krank und ihr habt mich besucht.
Ich war im Gefäng­nis und ihr kamt zu mir.’
Dann wer­den ihm die Gerech­ten ant­wor­ten und sagen:
‘Herr,
wann haben wir gese­hen, dass du hun­gerst und dir zu essen gege­ben?
Oder dass du Durst hat­test und wir dir zu trin­ken gaben?
Wann aber haben wir dich als Frem­den gese­hen und dich auf­ge­nom­men?
Oder als Nack­ten und wir haben dich beklei­det?
Wann aber haben wir gese­hen, dass du krank oder im Gefäng­nis warst und
sind zu dir gekom­men?’
Und der König wird ant­wor­ten und zu ihnen sagen:
‘Wahr­haf­tig, ich sage euch:
Was ihr jeweils an einem die­ser mei­ner gerings­ten Brü­der getan habt,
das habt ihr an mir getan!’
Dann wird er auch zu denen sagen, die links von ihm ste­hen:
‘Geht fort von mir, Ver­fluch­te, in das ewi­ge Feu­er,
das für den Teu­fel und sei­ne Engel berei­tet wor­den ist.
Denn ich hun­ger­te und ihr gabt mir nicht zu essen.
Ich hat­te Durst und ihr gabt mir nicht zu trin­ken.
Ich war fremd und ihr nahmt mich nicht auf.
Ich war nackt und ihr habt mich nicht beklei­det.
Ich war krank und im Gefäng­nis und ihr habt mich nicht besucht.’
Dann wer­den sie ant­wor­ten und sagen:
‘Herr,
wann haben wir gese­hen, dass du hun­gerst
oder Durst hast
oder fremd
oder nackt
oder krank
oder im Gefäng­nis bist
und haben dir nicht gedient?’
Dann wird er ihnen ant­wor­ten und sagen:
‘Wahr­haf­tig, ich sage euch:
Was ihr jeweils nicht an einem die­ser Gerings­ten getan habt,
habt ihr auch nicht an mir getan!’
Und die­se wer­den weg­ge­hen in die ewi­ge Fol­ter.
Die Gerech­ten aber in das ewi­ge Leben.

War­um wer­den die einen ewig gefol­tert, die ande­ren aber als Erben des Rei­ches ein­ge­setzt? War­um sind die einen geseg­net, die ande­ren aber ver­flucht? Die Ant­wort des Tex­tes scheint auf den ers­ten Blick klar zu sein. Die einen haben sich um sozi­al Rand­stän­di­ge geküm­mert, die ande­ren aber nicht, sodass sie nun Scha­fe und Zick­lein sind, wobei letz­te­re eben beson­ders ger­ne wegen ihres wohl schme­cken­den Flei­sches geschlach­tet wer­den. Doch sagt das der Text nicht.

Die dia­lo­gi­schen Par­ti­en sind statt­des­sen auf­wän­dig gestal­tet. Sie umfas­sen jeweils zwei Unter­ab­schnit­te. Im jeweils ers­ten Abschnitt gibt der könig­li­che Men­schen­sohn das zukünf­ti­ge Schick­sal der Geseg­ne­ten und Ver­fluch­ten bekannt und begrün­det dies jeweils aus­führ­lich.
Dar­auf ant­wor­ten die Geseg­ne­ten und Ver­fluch­ten. Sie bekun­den ihr Erstau­nen. Der Men­schen­sohn ant­wor­tet dar­auf und teilt die Regel mit, nach wel­cher „der Hir­te“ die Schei­dung von Scha­fen und Zick­lein voll­zo­gen hat­te. Das Han­deln gegen­über den sozi­al Rand­stän­di­gen war ein Han­deln gegen­über dem könig­li­chen Men­schen­sohn. Die einen haben gegen­über dem Men­schen­sohn ange­mes­sen gehan­delt, die ande­ren nicht. Das Ergeb­nis ist Segen und Fluch, Erbe des Rei­ches und ewi­ge Fol­ter. Bei­de, Geseg­ne­te und Ver­fluch­te, wer­den in der Gerichts­sze­ne von die­sem Kri­te­ri­um über­rascht. Sie kann­ten es zur­zeit ihres Han­delns in der gewöhn­li­chen Wirk­lich­keit nicht. Das ist beson­ders stark an den Ver­fluch­ten zu erken­nen. Sie stan­den ja links, sodass sie hören konn­ten, was der Men­schen­sohn den rechts Ste­hen­den sag­te. Daher brauch­ten sie nur die kon­tra­dik­to­ri­sche Nega­ti­on zu bil­den, um ihr Schick­sal zu erfas­sen. Doch auch sie sind über­rascht, in gestei­ger­ter Wei­se über­rascht, obgleich jetzt eine Über­ra­schung nicht mehr ange­sagt wäre – son­dern Auf­be­geh­ren oder viel­leicht depres­si­ve Resi­gna­ti­on.
Dar­in zeigt sich ein recht typi­sches dua­lis­ti­sches kom­mu­ni­ka­ti­ves Para­dox:

Der schrift­li­che Text teilt selbst­re­fle­xiv mit, das es im Welt­ge­richt eine Über­ra­schung geben wird, obgleich es zuvor schon bekannt und schrift­lich fest­ge­hal­ten ist, dass es im Welt­ge­richt eine Über­ra­schung geben wird. Auch die Regel, die im Welt­ge­richt so viel Über­ra­schung her­vor­ruft, wird im Text schrift­lich fest­ge­hal­ten. Und trotz­dem die­se Über­ra­schung!

Der Haupt­ty­pus der Rezep­ti­on des Tex­tes im Chris­ten­tum miss­ver­steht ihn pro­duk­tiv: Z. B. Dia­ko­nie und Cari­tas leben von der sozi­al­mo­ra­li­schen Poin­te des Diens­tes an den sozi­al Rand­stän­di­gen – und an die­ser Pra­xis gibt es m. E. auch nichts zu kri­ti­sie­ren.
Gleich­wohl ist die Bot­schaft des Tex­tes noch tie­fer ange­sie­delt:
Der Text knüpft an die in Dtn 30 geäu­ßer­te Auf­fas­sung an, dass „Segen“ und „Fluch“ auf­grund der gött­lich ein­ge­räum­ten Hand­lungs­macht und Refle­xi­ons­kraft in die Hand der Men­schen gelegt sind. Wer den Wil­len Got­tes tut, hier also sozia­len Ein­schluss und sozia­le Wech­sel­sei­tig­keit beför­dert, erlangt regel­mä­ßig Segen und umge­kehrt. Zugleich negiert der Text aber die­se Auf­fas­sung.
Er respek­tiert ihr hohes Ethos. Doch er glaubt nicht an die Mög­lich­kei­ten der gött­lich ein­ge­räum­ten Hand­lungs­macht und Refle­xi­ons­kraft. Er ver­län­gert auch nicht bloß den Tun-Erge­hens­zu­sam­men­hang in die End­zeit, sodass sich posi­ti­ves und nega­ti­ves Erge­hen erst im Escha­ton zeig­ten. Mt ent­fal­tet dem­ge­gen­über ein radi­kal dua­lis­ti­sches Erzähl­kon­zept.
In dua­lis­ti­schen Erzäh­lun­gen wird der kon­tra­dik­to­ri­sche Grun­de­ge­gen­satz der Erzäh­lung am Anfang eta­bliert und sowohl in der Mit­te als auch am Ende auf­recht­erhal­ten. Der Grund­ge­gen­satz wird mit­hin in Erzäh­lun­gen die­ser Art nicht ver­mit­telt und in kei­ner Wei­se besei­tigt. Das Mtev gehört zu die­sem Erzähl­ty­pus. Dies erklärt die erzäh­le­ri­sche Begeis­te­rung für aus­weg­lo­se exis­ten­zi­el­le Desas­ter, für fins­ter Ver­häng­nis­vol­les, für schreck­li­che Traum­si­tua­tio­nen, die lei­der iden­tisch mit dem Wach­zu­stand sind. Irgend­wann hat sich der kon­tra­dik­to­ri­sche Gegen­satz von „Reich der Him­mel“ und „ewi­gem Feu­er“, von „Men­schen­sohn“ und „Teu­fel“ aus­ge­bil­det. Bei­de säen, der eine Unkraut, der ande­re Wei­zen (Mt 13). Bei­de haben gegen­wär­tig ihren frei­lich nicht sicher bestimm­ba­ren Herr­schafts­be­reich. Und bei­de wer­den am Ende über die Gesell­schaft ihrer Engel hin­aus nicht allei­ne sein.
Her­me­neu­tisch muss vor all­zu nai­ven Schlüs­sen gewarnt wer­den.
Ange­nom­men zum Bei­spiel, wir wür­den von Men­schen wis­sen, die die Zukunft vor­her­se­hen, die Vor­aus­sa­gen über Ereig­nis­se machen, die vie­le Jah­re vor uns lie­gen; und sie beschrei­ben eine Art von Jüngs­tem Gericht. Erstaun­li­cher­wei­se wür­de der Glau­be dar­an, dass das geschieht, selbst wenn es so etwas gäbe und selbst wenn es viel über­zeu­gen­der wäre als ich beschrie­ben habe, kein reli­giö­ser Glau­be sein …
Geseg­ne­te und Ver­fluch­te wis­sen nicht, dass sie Geseg­ne­te und Ver­fluch­te sind, obgleich sie den schrift­li­chen Text Mt 25,31-46 ken­nen. Die Wirk­lich­keit wird mit­hin als absurd erfah­ren. Man ist an der gött­lich ein­ge­räum­ten Hand­lungs­macht und Refle­xi­ons­kraft ver­zwei­felt. Trotz­dem ten­diert der Text zu einer radi­ka­len Lebens­än­de­rung, hin zum Dienst an den sozi­al Rand­stän­di­gen. In die­sem Sin­ne haben Dia­ko­nie und Cari­tas Recht. Aller­dings erwächst im Mtev vor dem dua­lis­ti­schen Hin­ter­grund kei­ne Zufrie­den­heit und Sta­bi­li­tät im sozia­len Tun. Denn wer weiß, dass er oder sie nicht weiß, ob sie oder er Ver­fluch­te oder Geseg­ne­ter ist, lebt boden­los. Allein die ernst­haf­te sitt­li­che Lebens­pra­xis steht im Vor­der­grund. Das Ziel des Rei­ches lässt sich dar­aus frei­lich nicht ablei­ten …

 

Abb. 25 Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­trier­ter Dua­lis­mus im Mat­thäu­sevan­ge­li­um

3. Hebrä­er

Der Hebrä­er­brief gehört zu den rät­sel­haf­tes­ten Tex­ten im NT. Er ist Teil der Pau­lus­brief­samm­lung der prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on und hat eine ent­spre­chen­de Redak­ti­on am Brief­schluss erfah­ren (13,22-25). Doch der Text ist der pau­li­ni­schen Sprach­welt eher fremd. Er stammt auf kei­nen Fall von Pau­lus selbst.
Es han­delt sich offen­bar um einen Text min­des­tens der zwei­ten christ­li­chen Genera­ti­on (70+ d. Z.):
Denn wäh­rend ihr der Zeit nach [schon] Leh­rer sein soll­tet, habt ihr wie­der nötig, dass man euch die ers­ten Anfangs­grün­de der Aus­sprü­che Got­tes lehrt. Ihr seid sol­che gewor­den, die Milch nötig haben, nicht fes­te Spei­se … (Hebr 5,12)
Wahr­schein­lich han­delt es sich bei die­ser Äuße­rung des Autors frei­lich um ein rhe­to­ri­sches under­state­ment. Tat­säch­lich ent­fal­tet er eine höchst eigen­stän­di­ge Auf­fas­sung des Chris­ten­tums, die durch­aus phi­lo­so­phisch-pla­to­nisch inspi­riert ist. Der reli­gi­ons­ge­schicht­li­che Kon­text der Schrift ist ein durch das alex­an­dri­ni­sche Juden­tum beein­fluss­tes Chris­ten­tum.

Der Autor beherrscht die im alex­an­dri­ni­schen Juden­tum ent­wi­ckel­te alle­go­ri­sche Aus­le­gung der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden* und wen­det sie auf das Alte Tes­ta­ment der Chris­ten* an, hier vor allem auf den Opfer­kult.

Denn weil das Gesetz [nur] einen Schat­ten der zukünf­ti­gen Güter ent­hält, nicht das Bild der Sachen (οὐκ αὐτὴν τὴν εἰκόνα τῶν πραγμάτων [ouk auten eiko­na ton prag­maton) selbst, kann es durch die glei­chen all­jähr­li­chen Opfer, die man immer­fort dar­bringt, die [zum Altar im Tem­pel bzw. Zelt] Hin­zu­tre­ten­den nie­mals zur Voll­endung füh­ren (Hebr. 10,1)
Die jüdi­schen Pries­ter die­nen [nur] einem Schat­ten­bild der himm­li­schen
Din­ge …,
wie ja Mose Wei­sung emp­fing,
als er das Zelt [in der Wüs­ten­wan­de­rung] her­stel­len soll­te.
„Sieh zu“, heißt es näm­lich, „du sollst alles nach dem Mus­ter machen, das dir auf dem Ber­ge [Sinai] gezeigt wor­den ist!“ (ποιήσεις πάντα κατὰ τὸν τύπον τὸν δειχθέντα σοι ἐν τῷ ὄρει [poies­eis pan­ta kata ton typon deicht­hen­ta soi en to orei]).

Das ist kein Vul­gär­pla­to­nis­mus. Auch Mose hat auf dem Sinai nur das Mus­ter gese­hen, nicht die durch das Mus­ter bezeich­ne­ten Sachen selbst. Die schat­ten­haf­ten Bil­der sind im jüdi­schen Opfer­kult nie­der­ge­legt, zunächst im Zelt auf der Wüs­ten­wan­de­rung, dann im Jeru­sa­le­mer Tem­pel.
Der Hebrä­er­brief ver­wen­det also die pla­to­ni­sche Unter­schei­dun von Mus­ter und schat­ten­haf­tem Bild.
Frei­lich ist das jüdi­sche Bild nicht beson­ders gut gera­ten:

Denn wenn jener ers­te Bund [bzw. das ers­te Tes­ta­ment] ohne Tadel gewe­sen wäre, so wür­de nicht Raum für einen zwei­ten gesucht wer­den.

Der Opfer­kult im Juden­tum wird also pla­to­nisch rekon­stru­iert. Es han­delt sich um ein durch­aus zu tadeln­des Bild des Mus­ters. Es muss also noch etwas Bes­se­res kom­men. Man darf dies zunächst als eine ers­te Dua­li­tät fest­hal­ten, die durch­aus viel­leicht schon Züge eines Dua­lis­mus von zwei Wel­ten ent­hält: dem Dua­lis­mus des die wah­ren Sachen bezeich­nen­den Mus­ters und den schat­ten­haf­ten Bil­dern – so wird jeden­falls die pla­to­ni­sche Unter­schei­dung von Bild und Mus­ter (etwa im Dia­log Timai­os) im Hebr ver­stan­den. Dort wird aber nicht zwi­schen τύπος (typos) und εἴϰων (eikon), son­dern zwi­schen παράδειγμα (para­deig­ma) und εἴϰων unter­schie­den, z. B. 30aff. Wir ver­ste­hen jetzt auch den pla­to­ni­schen Gedan­ken in Gen 1,26f viel­leicht noch etwas genau­er. Denn Mose macht das Bild nach dem Mus­ter, wel­ches die Sachen selbst bezeich­net, dort Gott nach sei­nem Bild selbst, hier die Regeln des Opfer­kul­tes. Gemeint ist die Zei­chen­form, die Peirce u. a. als Type/­To­ken-Form bezeich­nen, wobei Type das Mus­ter oder den Typ und Token das Ein­zel­er­eig­nis meint, aller­dings als streng iko­nisch bestimmt.

 

Abb. 26 Pla­to­ni­sche Bezeich­nun­gen in der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on

Da das Gesetz [nur] einen Schat­ten der zukünf­ti­gen Güter ent­hält[,] muss der neue Bund bzw. das neue Tes­ta­ment den Schat­ten des Gese­zes über­bie­ten, ihm frei­lich auch in bestimm­ter Wei­se ent­spre­chen.
Auf den ers­ten Blick besteht die Ent­spre­chung im Hebr in der Kon­zep­ti­on des Opfers. Dabei legt der Autor frei­lich die Haupt­be­deu­tung auf die Funk­ti­on des jüdi­schen Ober­pries­ters. Da die­ser auch als „Gesalb­ter“ (Meschiach) bezeich­net wer­den kann (vgl. Lev 8), wird die Ober­pries­ter­funk­ti­on bild­lich auch auf den Chris­tus Jesus von Naza­ret über­tra­gen. Das Pries­ter- und Opfer­bild im Hebr wird mit­hin als Chris­tus­bild gese­hen.
Wor­in besteht nun die Über­bie­tung zwi­schen jüdi­schem Ober­pries­ter und dem ein­zig­ar­ti­gen Chris­tus-Ober­pries­ter Jesus?

Der jüdi­sche Ober­pries­ter geht ein­mal im Jahr am Gro­ßen Ver­söh­nungs­tag ins Aller­hei­ligs­te nicht ohne Blut, das er für sich selbst und für die aus Unwis­sen­heit began­ge­nen Sün­den des Vol­kes dar­bringt (Hebr 9,7).

Eben dar­in besteht die Über­bie­tung des Chris­tus-Ober­pries­ters:

Chris­tus aber, der als Ober­pries­ter der künf­ti­gen Güter kam, ist durch das grö­ße­re und voll­kom­me­ne­ne [himm­li­sche] Zelt, das nicht mit Hän­den gemacht, das heißt, nicht von die­ser Schöp­fung ist, und nicht durch das Blut von Böcken und Käl­bern, viel­mehr durch sein eige­nes Blut ein­mal in das Hei­lig­tum ein­ge­gan­gen und hat eine ewi­ge Erlö­sung erlangt (Hebr 9,11f).

Es han­delt sich also um eine ewi­ge Erlö­sung im Unter­schied zur all­täg­li­chen bzw. jähr­li­chen Erlö­sung im Zelt bzw. Tem­pel, die fort­wäh­rend wie­der­holt wer­den muss. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Da sich der Chris­tus-Ober­pries­ter selbst geop­fert hat, ist er nun ins himm­li­sche Hei­lig­tum (im Unter­schied zum geschöpf­li­chen Zelt bzw. Tem­pel, die von „Hän­den erbaut“ sind) ein­ge­gan­gen, in dem kei­ne wei­te­ren Opfer mehr statt­fin­den. Die­ses Selb­stop­fer des makel­lo­sen Ober­pries­ters Chris­tus hat alle Opfer ein­mal für alle­mal über­flüs­sig gemacht:

Und jeder Pries­ter steht zwar täg­lich da und ver­rich­tet den Got­tes­dienst und bringt immer wie­der die­sel­ben Opfer dar, die doch die Sün­den nie­mals völ­lig hin­weg­neh­men kön­nen. Die­ser [Chris­tus] aber hat sich, nach­dem er ein ein­zi­ges Opfer für die Sün­den dar­ge­bracht hat, für immer zur Rech­ten Got­tes gesetzt und war­tet fort­an, bis sei­ne Fein­de zum Sche­mel sei­ner Füße gemacht wer­den. Denn durch eine ein­zi­ge Opfer­ga­be hat er die, wel­che gehei­ligt wer­den, für immer zur Voll­endung geführt (Hebr 10,11-14).

Mit die­ser Posi­ti­on wird der jüdi­sche Opfer­kult nicht nur pla­to­nisch rekon­stru­iert (als bloß schat­ten­haf­tes Bild), son­dern auch der Opfer­kult über­haupt dekon­stru­iert. Denn für die Erlö­sung ist fort­an kein wei­te­res Opfer mehr not­wen­dig – wor­in aber kul­tur­über­grei­fend die Funk­ti­on eines fort­wäh­ren­den Opfer­kul­tes besteht.

Es bleibt frei­lich die Fra­ge, ob im Hebr auch das Opfer­bild ins­ge­samt dekon­stru­iert wor­den ist. In der Regel beant­wor­tet man die­se Fra­ge mit „Nein!“, sofern man sich die­se Fra­ge über­haupt stellt. So wird der Hebr gera­de als zen­tra­ler Text für die Kon­ser­vie­rung des Opfer­bil­des im Chris­ten­tum gele­sen. Man argu­men­tiert, dass die Selb­stop­fe­rung des Chris­tus-Ober­pries­ters gera­de die Grund­le­gung der christ­li­chen Reli­gi­on in einem ein­ma­li­gen unüber­biet­ba­ren Opfer dar­stel­le. Und es scheint durch­aus so, als sei dies der Fall.

Sieht man frei­lich genau­er zu, dann wird durch den Hebr die Opfer­struk­tur als sol­che in Fra­ge gestellt. Wel­che Art Opfer auch immer: es kann nur bestimm­te vor­lie­gen­de Sün­den süh­nen bzw. das Hei­lig­tum rei­ni­gen, um gewöhn­li­che Opfer dar­brin­gen zu kön­nen. Das „Opfer“ des Chris­tus-Ober­pries­ters ist frei­lich nicht von die­ser Art. Es ist ein „Opfer“ ganz eige­ner Art, eine sprach­lich dar­ge­stell­te kri­ti­sche Selbst­re­fe­renz des Opfer­kul­tes, um ihn zu been­den. Gegen den Main­stream der Aus­le­gung des Hebr ist m. E. aller­dings noch mehr zu sagen: Mit der sprach­li­chen Destruk­ti­on des gewöhn­li­chen Opfer­bil­des durch die Dar­stel­lung des Selb­stop­fers des Chris­tus-Ober­pries­ters beab­sich­tigt der Hebr wohl nicht nur, dass die kon­kre­ten Tier- und Nah­rungs­op­fer auf­hö­ren. Das kri­ti­sche, neu ent­wi­ckel­te Spre­chen vom Selb­stop­fer Chris­ti soll zumin­dest auch die Zen­tra­li­tät des Spre­chens vom Opfer im Chris­ten­tum been­den.

Denn unser „Ober­pries­ter“ opfert nicht immer wei­ter, son­dern hat sich für immer zur Rech­ten Got­tes gesetzt und war­tet fort­an, bis sei­ne Fein­de zum Sche­mel sei­ner Füße gemacht wer­den (Hebr 10,12)

– wie der Hebr im Anschluss an den „mes­sia­ni­schen“ Psalm 109LXX for­mu­liert. Er ist also auch im eigent­li­chen Sin­ne kein Ober­pries­ter mehr.
Auch das Spre­chen vom Opfer kann daher m. E. auf­hö­ren. Es ent­spricht ja gar nicht der himm­li­schen Wirk­lich­keit, son­dern gehört der ver­gan­ge­nen schat­ten­haf­ten Bild­wirk­lich­keit an …

Die pla­to­ni­sche Dua­li­tät, viel­leicht auch ein Zwei-Wel­ten-Dua­lis­mus erlaubt es dem Hebr mit­hin den Opfer­kult zu rekon­stru­ie­ren und viel­leicht sogar das Opfer­bild kri­tisch zu eli­mi­nie­ren, also ein Fall von Dekon­struk­ti­on …

Aber in dua­lis­ti­schen Wel­ten liebt man/frau das Para­dox. Und so kennt auch der Hebr die dua­lis­ti­sche para­do­xe Lücke. So sehr der „Ober­pries­ter“ zur Rech­ten Got­tes sit­zen mag, so sehr sei­ne Erlö­sung ein für alle­mal ewig gel­ten mag – sie funk­tio­niert eben nicht bzw. nur teil­wei­se. Des­halb ist der Hebr tat­säch­lich ein Fall dua­lis­ti­schen Spre­chens:

Erin­nert euch … der frü­he­ren Tage, in denen ihr, nach­dem ihr erleuch­tet wor­den wart, viel Kampf der Lei­den erdul­det habt … Denn ihr habt mit den Gefan­ge­nen gelit­ten und den Raub eurer Güter mit Freu­den hin­ge­nom­men in der Erkennt­nis, dass ihr für euch einen bes­se­ren Besitz habt. Dar­um werft eure Zuver­sicht nicht weg, die eine gro­ße Beloh­nung besitzt.

Offen­bar kann man dies tun. Das wäre noch nicht wei­ter auf­fäl­lig, es könn­te sich um eine Vari­an­te des Pro­blem­ge­schich­ten­mo­dells han­deln. Doch der Hebr meint expli­zit etwas ande­res:

Denn es ist unmög­lich, die­je­ni­gen wel­che ein­mal erleuch­tet wor­den sind und die himm­li­sche Gabe geschmeckt haben und des hei­li­gen Geis­tes teil­haf­tig gewor­den sind und das glanz­vol­le Wort Got­tes geschmeckt haben und [dann doch] abge­fal­len sind, von neu­em zur Umkehr zu brin­gen, da sie für sich den Sohn Got­tes noch ein­mal kreu­zi­gen und der Schan­de preis­ge­ben (Hebr 6,4-6).

Dar­in besteht eben der Dua­lis­mus des Hebr: Wer die himm­li­sche Welt ver­lässt, geht zurück zu den Schat­ten und hat kei­ne Zukunft. Der ursprüng­li­che Dua­lis­mus zwi­schen himm­li­schem Urbild und irdi­scher Schat­ten­welt ist durch die ein­ma­li­ge ewi­ge Erlö­sung mit­hin nicht über­wun­den wor­den, son­dern bloß bestä­tigt wor­den. Auch am Ende der Erzäh­lung kann es mit­hin wei­ter einen kon­tra­dik­to­ri­schen Gegen­satz geben.

Wäh­rend im Mtev der Dua­lis­mus kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­triert ver­wen­det wird, um fal­sche Sicher­hei­ten zu erschüt­tern, han­delt es sich im Hebr um einen iden­ti­täts­zen­trier­ten Dua­lis­mus, der auch exklu­die­rend wirkt.

 

 

Abb. 27 Iden­ti­täts­zen­trier­ter Dua­lis­mus im Hebr

4. Apo­ka­lyp­se

Nach dem letz­ten Buch der prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on haben vie­le Tex­te aus dem Juden­tum, auch aus dem Grie­chen­tum und aus Ägyp­ten ihre Gat­tungs­be­zeich­nung erhal­ten: Apo­ka­lyp­se (Offen­ba­rung).

Offen­ba­rung Jesu Chris­ti, die ihm Gott gege­ben hat, sei­nen Skla­ven zu zei­gen, was bald gesche­he soll. Und er hat es durch Sen­dung sei­nes Engels sei­nem Skla­ven Johan­nes kund­ge­tan, der das Wort Got­tes und das Zeug­nis Jesu Chris­ti bezeugt – alles, was er gese­hen hat (Apk­Joh 1,1f).

Johan­nes befin­det sich auf der Insel Pat­mos vor der klein­asia­ti­schen Küs­te in der Ägä­is und schaut, was in naher Zukunft gesche­hen wird.
Das Gat­tungs­mus­ter ist in der Tat ver­brei­tet: Eine ange­se­he­ne reli­giö­se Figur erhält Offen­ba­run­gen der Zukunft in einer Gegen­wart, die als kri­sen­haft erfah­ren bzw. erlebt wird. In der Regel sind die ange­se­he­nen reli­giö­sen Figu­ren nicht die tat­säch­li­chen Autoren, son­dern fun­gie­ren als fik­ti­ve Autoren. Das gehört zur Gat­tungs­kon­ven­ti­on.

Die Kri­sen­er­fah­rung scheint in Bedro­hungs­er­fah­run­gen klein­asia­ti­scher christ­li­cher Gemein­den durch römi­sche Behör­den zu lie­gen (Apk­Joh 2f). Die­se Gemein­den ver­sucht Johan­nes zur Stand­haf­tig­keit in den Ver­fol­gun­gen zu ermu­ti­gen:

Johan­nes an die sie­ben Gemein­den in der Pro­vinz Asia … (Apk­Joh 1,4)

Da der­ar­ti­ge Bedro­hungs­er­fah­run­gen in rela­tiv frü­her Zeit his­to­risch nicht aus­zu­ma­chen sind, bleibt die Datie­rung der Schrift unsi­cher. Es gibt sogar die Hypo­the­se (Gerd Thei­ßen), dass die Kon­fron­ta­ti­on mit dem römi­schen Staat, die in Apk­Joh 13ff ange­deu­tet ist, pro­phe­tisch auf das drit­te und vier­te Jahr­hun­dert d. Z. vor­aus­wei­se.
Wie die eben­falls apo­ka­lyp­ti­sche Kriegs­rol­le aus den Höh­len von Qum­ran liebt die Apk­Joh das Kriegs­bild mit ent­spre­chen­den Sie­gern und Ver­lie­rern:

Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist der Gemein­de sagt: Wer siegt [in den Ver­fol­gun­gen trotz Todes­dro­hung stand­haft bleibt], dem soll durch den zwei­ten Tod kein Leid gesche­hen.

Gedacht ist mit ers­ten Tod offen­bar an eine Hin­rich­tung, mit dem zwei­ten Tod aber an die end­gül­ti­ge Ver­nich­tung:

Und der Tod und das Toten­reich wur­den in den Feu­er­see gewor­fen. Dies ist der zwei­te Tod, der Feu­er­see (Apk­Joh 20,14).

Eine Beson­der­heit der Apk­Joh besteht dar­in, dass sie vor der all­ge­mei­nen Toten“aufweckung“ das 1 000jährige Frie­dens­reich der Gerech­ten vor­sieht, ins­be­son­de­re der Mär­ty­rer, die zu die­sem Zweck in der ers­ten „Auf­we­ckung“ „auf­ste­hen“. In die­ser Zeit ist der „Dra­che“, die „alte Schlan­ge“, der Teu­fel bzw. der Satan in der Unter­welt in Fes­seln (Apk­Joh 20) – eine bizar­re Bil­der­welt, die teil­wei­se an Fan­ta­sy-Pro­duk­tio­nen erin­nert und auf das 1Hen zurück­greift.

Die Apk­Joh ist ein­deu­tig eine anti­rö­mi­sche Schrift, auch wenn dies alle­go­risch aus­ge­drückt wird. Es ist fort­wäh­rend von Baby­lon bzw. der Hure Baby­lon die Rede – der Stadt des judäi­schen Exils, nicht direkt von Rom.

Und es kam einer von den sie­ben Engeln, wel­che die sie­ben Scha­len hat­ten, rede­te mit mir und sprach: Komm ich will dir das Gericht über die gro­ße Hure zei­gen, die an vie­len Was­sern sitzt, mit der die Köni­ge der Erde Unzucht getrie­ben haben, und die Bewoh­ner der Erde sind vom Wein ihrer Unzucht betrun­ken gewor­den …
Danach sah ich einen ande­ren Engel aus dem Him­mel her­ab­kom­men, der gro­ße Macht hat­te, und die Erde wur­de erleuch­tet von sei­nem Licht­glanz.
Und er rief mit mäch­ti­ger Stim­me: „Gefal­len, gefal­len ist die gro­ße [Stadt] Baby­lon“ und ist eine Behau­sung von Dämo­nen und ein Schlupf­win­kel aller unrei­nen Geis­ter und ein Schlupf­win­kel aller unrei­nen und ver­hass­ten Vögel gewor­den … Und ein star­ker Engel hob einen Stein wie ein gro­ßer Mühl­stein, warf ihn ins Meer und sprach: So wird die gro­ße Stadt Baby­lon mit einem Schwung weg­ge­wor­fen wer­den und sie wird nicht mehr zu fin­den sein… (Apk­Joh 17f).

Lite­ra­risch ist die Apk­Joh über wei­te Stre­cken kei­nes­wegs eine Auf­zeich­nung urchrist­li­cher Pro­phe­tie, etwa von direk­ten Visio­nen, son­dern ein hoch­kom­ple­xer Fall der dyna­mi­schen Schrift­aus­le­gung – eine Zita­ten­kol­la­ge aus bibli­schen und nicht­bi­bli­schen jüdi­schen pro­phe­ti­schen und apo­ka­lyp­ti­schen Schrif­ten mit ent­spre­chen­den eigen­stän­di­gen Fort­schrei­bun­gen.
So stammt das Engel­zi­tat „Gefal­len, gefal­len ist die gro­ße Stadt Baby­lon“ etwa aus Jesa­ja 21,9.

Der fik­ti­ve Autor, der „Schü­ler, den Jesus lieb­te“, Johan­nes, sieht also vor­aus, was in Klein­asi­en um die ers­te Jahr­hun­dert­wen­de (oder spä­ter???) gesche­hen wird – und ver­sucht die Gemein­den zu trös­ten und sie zum „Sie­gen“ in den ihnen vom Römi­schen Reich aggres­siv zuge­mu­te­ten „Kämp­fen“ anzu­hal­ten. Das ent­spre­chen­de end­zeit­li­che Gegen­bild ist das neue Jeru­sa­lem (Apk 21), in dem die­je­ni­gen ewig leben, die nicht ihre Exis­tenz in dem „Feu­er­see“ fris­ten müs­sen bzw. dar­in ver­nich­tet wer­den …
Das Schluss­bild der Apk­Joh ist dua­lis­tisch: Feu­er­see vs. Neu­es Jeru­sa­lem (Apk­Joh 20f).
Die rele­van­te Erzäh­lung beginnt mit der Geschich­te Jesu von Naza­ret:

Sie­he, er kommt mit den Wol­ken“ und sehen wird ihn jedes Auge, auch die, wel­che ihn durch­bohrt haben und weh­kla­gen wer­den sei­net­we­gen alle Geschlech­ter der Erde … (Apk­Joh 1,7)
Ich bin der Ers­te und der Letz­te und der Leben­di­ge und ich war tot, und sie­he ich bin leben­dig in alle Ewig­keit und habe die Schlüs­sel des Todes und des Toten­rei­ches … (Apk­Joh 1,17f)

Jesus von Naza­ret hat den gewalt­sa­men Tod besiegt und lebt. So sol­len auch die­je­ni­gen, die ihm fol­gen, sie­gen – auch wenn sie gewalt­sam getö­tet wer­den. An der Erlö­ser­fi­gur Jesus ist also wich­tig, dass er als „geschlach­te­tes Lamm“ (Apk­Joh 3,5 u. ö.) den Tod besiegt hat und leben­dig ist. Er bezeich­net vor allem die posi­ti­ve Sei­te des Gegen­sat­zes in der Erzäh­lung. Mit­hin kann er auch die töten­den römi­schen Fein­de nicht erlö­sen. In die­sem Kriegs­ze­na­rio gibt es ent­spre­chend zwei Grup­pen: die einen, die Jesus fol­gen, die ande­ren, die ihn ver­folgt haben und auch sei­ne Nach­fol­gen­den ver­fol­gen – die gro­ße Hure Baby­lon ali­as Rom. Die­se wird wie Tod und Toten­reich im „Feu­er­see“ ver­sin­ken. Ihre Anhän­ger sind nicht im „Buch des Lebens“ (20,12) auf­ge­zeich­net und ver­sin­ken eben­falls im „Feu­er­see“. Sie sind die­je­ni­gen, die immer schon ver­lo­ren haben.

Aber auch die Nach­fol­gen­den sind nicht sakro­sankt. Falls sie nicht stand­haft sind, mit­hin „sie­gen“, dann wer­den sie auch „ver­lie­ren“ – und also im „Feu­er­see“ ver­sin­ken. Viel­leicht waren sie nicht im „Buch des Lebens“ auf­ge­zeich­net oder sie wur­den wie­der gelöscht …
Das Kriegs­sze­na­rio ist für die dua­lis­ti­sche Dar­stel­lung ein recht geeig­ne­tes Bild. Es gibt Sie­ger und Ver­lie­rer und Kom­bat­tan­ten, die sich schließ­lich auch als Ver­lie­rer erwei­sen. Wäh­rend die Römer ohne­hin als Ver­lie­rer fest­ste­hen, leben die ande­ren zumin­dest in der Gefahr eben­falls zu ver­lie­ren …

 

Abb. 28 Iden­ti­täts­zen­trier­ter Dua­lis­mus in der Apk­Joh

5. Abend­mahl

Das ist mein Tes­ta­ments­blut, das für vie­le zur Ver­ge­bung der Sün­den ver­gos­sen wird (Mt 26,28).

Aus der Wen­dung „zur Ver­ge­bung der Sün­den“ wird oft geschlos­sen, dass Jesu Tod im Mtev als süh­nen­der Opfer­tod im Sin­ne eines kul­ti­schen Opfers nach Lev 1ff ver­stan­den wird. Das ist aber aus zwei Grün­den eher unwahr­schein­lich. Zunächst – und das ist aus­schlag­ge­bend – dient das Blut des getö­te­ten und geschäch­te­ten Tiers im jüdi­schen Tem­pel­kult gar nicht als Süh­ne­mit­tel. Es wird in Becken gesam­melt und so dem Schöp­fer des Lebens zurück­ge­ge­ben. Das Wohl­ge­fal­len Got­tes am Opfer wird statt­des­sen durch die Ver­bren­nung des toten Tiers erreicht – und so Süh­ne der Sün­den für den Opfer­herrn erlangt. Wie in Ex 24 kann das Blut eines geschäch­te­ten Opfer­tiers frei­lich für die Rei­ni­gung des Kult­raums und des Altars ver­wen­det wer­den, auch zur Rei­ni­gung der Kult­ge­mein­de durch Bespren­gung. Bei­des liegt aber auch in Mt 26,28 nicht vor.

Nähe und Unter­schied zu Mk wer­den bei Mt noch auf eine ande­re Wei­se deut­lich. Es han­delt sich um die Dar­stel­lung der Judas­fi­gur. Zwar kön­nen auch bei Mt alle Schü­ler nicht aus­schlie­ßen, dass sie Jesus aus­lie­fern wür­den (Mt 26,22). Doch Judas wird sze­nisch betont her­vor­ge­ho­ben:

Doch nicht ich, mein Leh­rer?“ Jesus sagt zu Judas: „Du hast es gesagt!“ (Mt 26,25).

Inso­fern nimmt das beson­de­re ver­häng­nis­vol­le Schick­sal des Judas sei­nen Ver­lauf. Nach der Aus­lie­fe­rung und der Ver­ur­tei­lung Jesu ist Judas ver­zwei­felt. Er ist in eine jener exis­ten­zi­ell ver­häng­nis­vol­len Sze­nen gera­ten, die für das Mtev so typisch sind:

Und er warf das [von den Pries­tern für sei­ne Aus­lie­fe­rung erhal­te­ne] Geld in den Tem­pel und ent­fern­te sich. Dann ging er weg und erhäng­te sich.

Judas steht also für die vie­len Typen im Mtev, die in exis­ten­zi­ell aus­weg­lo­se Situa­tio­nen gera­ten und eine total schwar­ze Erfah­rung machen. Daher tötet er sich selbst.
Nimmt man den erstaun­li­chen Zwei­fel ange­sichts der Gegen­wart des Auf­ge­stan­de­nen in Mt 28,16ff hin­zu, dann ist frei­lich die erzäh­le­ri­sche Bot­schaft des Mahls bei Mt nicht sehr viel anders als bei Mk. Das Mahl erlöst die Teil­neh­men­den jeden­falls nicht so, dass sie nach dem Genuss von Brot und Wein bes­ser han­del­ten.
Das ist bei Mt umso erstaun­li­cher, als er ja den im Mahl erin­ner­ten und durch Brot und Wein medi­al prä­sen­tier­ten Tod Jesu als sün­den­ver­ge­bend ansieht.
Aber der mat­thäi­sche Dua­lis­mus ist so stark, dass es jeden­falls in der Zeit völ­lig unklar ist, wem der Süh­ne­tod Jesu ernst­haft gehol­fen hat.
So ist auch bei Mt das Abend­mahl kein Medi­um der Iden­ti­täts­stär­kung einer ihrer selbst gewis­sen Grup­pe, son­dern erin­nert eher an die Gefähr­dun­gen der­ar­ti­ger Grup­pen­bil­dun­gen.

6. Ver­schwö­rungs­my­then (Micha­el Blu­me) als iden­ti­täts­zen­trier­te dua­lis­ti­sche Erzäh­lun­gen

Blu­me kri­ti­siert mit Recht die häu­fi­ge Ver­wen­dung des Aus­drucks „Ver­schwö­rungs­theo­ri­en“, es han­delt sich nicht um empi­risch über­prüf­ba­re Theo­ri­en, son­dern um Erzäh­lun­gen, wel­che die Bedro­hung einer Grup­pe durch eine ande­re dar­stel­len. Dabei han­delt es sich in der Regel um All­aus­sa­gen, die als Hypo­the­sen auf­ge­fasst wer­den kön­nen, wel­che aber nicht belegt sind. Den­ken Sie an die Rück­füh­rung der Pest auf die brun­nen­ver­gif­ten­de Tätig­keit von Juden*. Die Welt­ver­schwö­rung von Juden* und Illu­mi­na­ten* ist ein auch heu­te noch rele­van­tes Mus­ter, ich habe das aktu­ell 2008 im Inter­net wahr­ge­nom­men. Die Flücht­lings­kri­se wur­de bis in ein­zel­ne Abge­ord­ne­te der Uni­on als „Umvol­kung“ wahr­ge­nom­men, wobei die­ser Mythos oft damit arbei­tet, dass die mus­li­mi­schen Flücht­lin­ge vom Mos­sad nach Euro­pa bzw. Deutsch­land geschickt wur­den.

Micha­el Blu­me hat wei­te­re instruk­ti­ve Bei­spie­le zusam­men­ge­tra­gen.2 Ich kon­zen­trie­re mich dar­auf, dies mit den iden­ti­täts­zen­trier­ten dua­lis­ti­schen Mus­tern zu ver­bin­den. Am leich­tes­ten ist das an der Apk­Joh zu ver­ste­hen. Das Kriegs­sze­na­rio hat die Römer klar im Kon­text anti­christ­li­cher Mäch­te loka­li­siert. Das ist in iden­ti­täts­zen­trier­ten dua­lis­ti­schen Erzäh­lun­gen so, die eige­ne Grup­pe wird durch ande­re bedroht – und das gilt auch für die Ver­schwö­rungs­my­then Micha­el Blu­mes.
Dage­gen gilt das nicht für das Mtev. Der Dua­lis­mus dient hier der mög­li­chen Selbst­kri­tik.

Damit ist die Fra­ge der Ver­nunft auf­ge­wor­fen. M. E. ist gegen­über den iden­ti­täts­zen­rier­ten dua­lis­ti­schen Erzähl­mus­tern Sach­kri­tik ange­sagt. Denn sie unter­stel­len pau­schal Pro­ble­me oder Unheil kämen von einer Grup­pe, sei­en es nun Römer*, Juden*, Frei­mau­rer* bzw. Illu­mi­na­ten*. Die Römer* in der Apk­Joh haben kei­ne Erlö­sungs­chan­ce, son­dern schon immer ver­lo­ren.

M. E. ist daher jeder Dis­kurs­aus­schluss dar­auf­hin zu befra­gen, ob es sich nicht um ein iden­ti­täts­zen­trier­tes dua­lis­ti­sches Mus­ter han­delt.

 

  1. Vgl. Wolf­gang Har­nisch, Die Gleich­nis­er­zäh­lun­gen Jesu, 1985ff. Das wird in der letz­ten Vor­le­sung am 15.07. ver­tieft.
  2. War­um der Anti­se­mi­tis­mus uns alle bedroht. Wie neue Medi­en alte Ver­schwö­rungs­my­then befeu­ern, 2019

« Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, ach­te Vor­le­sung – Mt 6,1ff »

Info:
Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, neun­te Vor­le­sung ist Beitrag Nr. 8111
Autor:
Martin Pöttner am 21. Juni 2019 um 15:59
Category:
Hermeneutik des Neuen Testaments,Kunstlehre,Uni Heidelberg,Zeichen und Philosophie
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