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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Joh 1,1-3, Zusam­men­fas­sung vom 22.01.

 

 

 

 … ἐν ἀρχῇ — The­ma war Joh,1-3, um in Bezug auf Gott bestimm­te Rede­wei­sen zu über­prü­fen. Joh 1,1 gehört zu den wich­tigs­ten Tex­ten, die sich auf en arche, am/im Anfang bezie­hen: Gen 1,1LXX, Prov 8,23LXX und Joh 1,1. Wir sahen uns die Inter­pre­ta­ti­on von Gen 1,1 in Prov 8,22ff an, da spielt der Herr (JHWH) mit der Weis­heit, sei­nem Lieb­ling, einer weib­li­chen Figur. Sie gibt dann der Schöp­fung, die der Herr voll­zieht, einen wei­sen Sinn. Die Weis­heit ist als per­so­na­le weib­li­che Figur bei der Schöp­fung dabei.
Dar­auf bezieht sich Joh 1,1ff. Die Weis­heit wird als λόγος (logos) bezeich­net, was im Deut­schen mit Wort, Rede, Ver­nunft, Weis­heit wie­der­ge­ge­ben wer­den kann. Goe­the hat im Faust noch wei­te­re Vor­schlä­ge.

Die BgS wählt Weis­heit, weil das grie­chi­sche Wort λόγος mas­ku­lin ist, natür­lich auch wegen des reli­gi­ons­ge­schicht­li­chen Zusam­men­hangs. Wie die neu­tra­len und femi­ni­nen Wie­der­ga­be­mög­lich­kei­ten im Deut­schen zei­gen, besteht kein star­ker Zusam­men­hang zwi­schen gram­ma­ti­schem und bio­ti­schem bzw. gen­der­mä­ßi­gem Geschlecht, bestimm­te Aspek­te davon, was die Weis­heit in Prov 8,22ff tut, voll­bringt auch der Logos. M. E. wählt Johan­nes logos, um die Funk­ti­on der Schöp­fung als Anre­de an die Men­schen zu bezeich­nen, zudem wird ab 1,4f der Logos wei­ter durch ζωὴ … (zoe, Leben oder Leben­dig­keit [Fem. im Gr.]) und φῶς (fos, Licht [Neu­tr. im Gr.]) per mono­se­men Wort­spiel vari­iert.

Damit wird m. E. das Bil­der­ver­bot beach­tet, Gott wird nicht ein­deu­tig als männ­lich oder weib­lich gekenn­zeich­net, es han­delt sich um Meta­phern bzw. Bil­der. D. h., die Ein­heit Got­tes lässt sich nicht durch die Zahl 1 aus­drü­cken. Mit­hin han­delt es sich auch im Juden­tum nicht um einen Monotonothe­is­mus.  Zu dem Herrn als Schöp­fer­gott tritt die Weis­heit, die der Schöp­fung einen wei­sen Sinn ver­leiht. Das alles kann nicht ohne den Geist gesche­hen (Gen 1,2). Die Idee, drei auf­ein­an­der bezo­ge­ne Aspek­te als gött­li­che Ein­heit zu ver­ste­hen, stammt daher aus dem Juden­tum.
Wir sahen, dass damit tat­säch­lich die gesam­te Schöp­fung gemeint ist – und Aus­gren­zun­gen Judentum/Christentum wider­spre­chen.

Dar­an schloss sich ein Luther-Dis­kurs an, der ab einer gewis­sen Zeit die Juden aus­grenz­te. Obwohl das schon 1983 inten­siv dis­ku­tiert wur­de, hat sich die EKD-Syn­ode erst 2016 davon distan­ziert. Trotz­dem ist Luther einer der bedeu­tends­ten Theolog*innen, der aber mit sei­nem Anti­se­mi­tis­mus bestimm­te Prin­zi­pi­en der eige­nen Theo­lo­gie ver­neint hat, z. B. das­je­ni­ge, dass nie­mand aus frei­em Wil­len zu Gott kom­men kann.
Wir erör­ter­ten, ob Luthers argu­men­ta­ti­ves Enga­ge­ment ihn zu einem neu­en Papst wer­den ließ. M. E. nicht, weil s. E. jede Leh­re auf der Schrift beru­hen  und durch Ver­nunft­ar­gu­men­te bekräf­tigt wer­den muss. Dazu kommt, dass er klar sah, dass sei­ne Auf­fas­sung von der Recht­fer­ti­gung auf Pau­lus beruh­te, aber nicht auf Jako­bus („stro­her­ne Epis­tel“). Luthers Theo­lo­gie­mo­dell ist dis­kur­siv, durch die mit­tel­al­ter­li­che uni­ver­si­tä­re Dis­pu­ta­ti­ons­kul­tur geprägt. Man/frau kann ihm nur vor­hal­ten, dass er sei­ne Posi­ti­on zu hef­tig ver­tei­digt hat, wie es z. B. Melan­chthon tat.

« Frau­en in Funk­ti­ons­po­si­tio­nen im Neu­en Tes­ta­ment: kir­chen­lei­ten­des Han­deln – Mk 7,24ff »

Info:
Joh 1,1-3, Zusam­men­fas­sung vom 22.01. ist Beitrag Nr. 7683
Autor:
Martin Pöttner am 2. Februar 2019 um 09:39
Category:
Mann/Frau
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