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Pro­to­koll vom 15.01.2019

Semi­nar: Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments: Männ­li­che und weib­li­che Rede vom Gott im NT?
Leh­ren­der: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner
Pro­to­koll der Sit­zung vom 15.01.2019
The­ma der Sit­zung: Got­tes Müt­ter

1. Orga­ni­sa­to­ri­sches
Zu Beginn der Sit­zung wur­de die letz­te Sit­zung noch ein­mal kurz reflek­tiert und zusam­men­ge­fasst. Dabei wur­de der Bezug zu Gala­ter 3,26-29 her­ge­stellt und die Dis­kus­si­on mit unter­schied­li­chen Mei­nun­gen her­vor­ge­ho­ben.
Anschlie­ßend wur­de ein kur­zer Aus­blick auf die fol­gen­de Sit­zung gege­ben. Dort sol­le es um das The­ma „Haar­tracht“ gehen unter Betrach­tung von 1. Korin­ther 11,3ff.
Es wur­de mit dem inhalt­li­chen Teil fort­ge­fah­ren.

2. Semi­nar­in­hal­te
Der Inhalt der Sit­zung lässt sich in zwei The­men­blö­cke auf­tei­len. Zunächst hielt Prof. Dr. Pött­ner einen Vor­trag zum The­ma „Das Geschlech­ter­ver­hält­nis im Neu­en Tes­ta­ment vor dem bibli­schen Hin­ter­grund“, wor­auf­hin anschlie­ßen­de Fra­gen dis­ku­tiert wur­den. Im Fokus stand dabei die Bibel­stel­le Mar­kus 10,28-30.

a) Vor­trag „Das Geschlech­ter­ver­hält­nis im Neu­en Tes­ta­ment vor dem bibli­schen Hin­ter­grund“
Herr Pött­ner erläu­ter­te anhand meh­re­rer Text­stel­len, war­um die Bedeu­tung des „anti­ken Hau­ses“ ein zen­tra­ler Punkt für das Geschlech­ter­ver­hält­nis im Neu­en Tes­ta­ment dar­stel­le. Eine aus­führ­li­che Text­fas­sung des Vor­trags ist unter dem Titel „Das Geschlech­ter­ver­hält­nis im Neu­en Tes­ta­ment vor dem bibli­schen Hin­ter­grund“ auf der Web­sei­te „alltagundphilosophie.com“ zu fin­den.

b) Zusam­men­fas­sung und Fra­gen unter beson­de­rer Betrach­tung von Mar­kus 10
Zunächst wur­de noch ein­mal der Aspekt des „Hau­ses ohne Haus­va­ter“ aus dem Vor­trag her­vor­ge­ho­ben und dis­ku­tiert. Dabei wur­de als „anti­kes Haus“ ein Haus­halt beschrie­ben, bei dem der Haus­va­ter das Fami­li­en­ober­haupt dar­stellt und die Ver­ant­wor­tung trägt. Als ver­deut­li­chen­des und bibli­sches Bei­spiel wur­de das 10. Gebot (Exo­dus 20,17) ange­führt. Die Auf­zäh­lung „Du sollst nicht begeh­ren dei­nes nächs­ten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächs­ter hat …“ lässt dar­auf schlie­ßen, dass sich das Gebot an den Haus­va­ter rich­tet. Dabei wird von dem Besitz eines ande­ren Haus­va­ters gespro­chen, den jener nicht begeh­ren soll, wozu hier auch die Frau gezählt und ein nega­ti­ves Bild auf die­se gewor­fen wird. Die Stel­le zeigt die patri­ar­cha­le Struk­tur des Hau­ses auf und damit ein männ­lich domi­nie­ren­des Geschlech­ter­bild.
Ein Kom­mi­li­to­ne wirft die Fra­ge auf, war­um allein schon im Alten Tes­ta­ment ver­schie­de­ne Geschlech­ter­ver­hält­nis­se zu fin­den sind. Er bezieht sich auf die in Gene­sis 1 und Gene­sis 3 behan­del­ten Tex­te. Dort wird ein­mal ein sym­me­tri­sches Geschlech­ter­bild erzeugt, dem­ge­gen­über steht jedoch eine patri­ar­cha­le Struk­tur in Gene­sis 3. Prof. Dr. Pött­ner beant­wor­tet die­se Fra­ge damit, dass das Alte Tes­ta­ment kein geschlos­se­ner Text sei und in die­ser Hin­sicht immer wie­der kon­tro­vers dis­ku­tiert wird. Zusätz­lich fin­de man auf fast alle Fra­gen im Alten Tes­ta­ment meh­re­re sich teils wider­spre­chen­de Ant­wor­ten. Dies sei auf die Zusam­men­stel­lung der heu­ti­gen Bibel zurück­zu­füh­ren, die meh­re­re Ant­wor­ten auf eine Fra­ge bereit­hal­te, die dann jedoch oft­mals unter­schied­lich gewich­tet wer­den.

Als Gegen­bei­spiel zu der patri­ar­cha­len Struk­tur, die im Alten Tes­ta­ment mit dem „anti­ken Haus“ dar­ge­stellt wur­de, kann Mar­kus 10,23-30 ange­führt wer­den.
„Und Jesus sah um sich und sprach zu sei­nen Jün­gern: Wie schwer wer­den die Rei­chen in das Reich Got­tes kom­men!
24 Die Jün­ger aber ent­setz­ten sich über sei­ne Wor­te. Aber Jesus ant­wor­te­te wie­der­um und sprach zu ihnen: Lie­be Kin­der, wie schwer ist’s, ins Reich Got­tes zu kom­men!
25 Es ist leich­ter, dass ein Kamel durch ein Nadel­öhr gehe, als dass ein Rei­cher ins Reich Got­tes kom­me.
26 Sie ent­setz­ten sich aber noch viel mehr und spra­chen unter­ein­an­der: Wer kann dann selig wer­den?
27 Jesus sah sie an und sprach: Bei den Men­schen ist’s unmög­lich, aber nicht bei Gott; denn alle Din­ge sind mög­lich bei Gott.
28 Da fing Petrus an und sag­te zu ihm: Sie­he, wir haben alles ver­las­sen und sind dir nach­ge­folgt.
29 Jesus sprach: Wahr­lich, ich sage euch: Es ist nie­mand, der Haus oder Brü­der oder Schwes­tern oder Mut­ter oder Vater oder Kin­der oder Äcker ver­lässt um mei­net­wil­len und um des Evan­ge­li­ums wil­len,
30 der nicht hun­dert­fach emp­fan­ge: jetzt in die­ser Zeit Häu­ser und Brü­der und Schwes­tern und Müt­ter und Kin­der und Äcker mit­ten unter Ver­fol­gun­gen – und in der kom­men­den Welt das ewi­ge Leben.“
Dort wird die Struk­tur des Hau­ses in der zwei­ten Wie­der­ho­lung ohne einen Vater beschrie­ben. Der Vater wur­de aus dem Mit­tel­punkt gerückt und es ent­steht ein eher frau­en­zen­trier­tes Bild. Doch auch in ande­ren Stel­len im Neu­en Tes­ta­ment wer­den Frau­en gezeigt und nicht mehr nur in den Hin­ter­grund gescho­ben. An die­ser Stel­le wur­de Lydia genannt, die als Haus­mut­ter auf­tritt (Apos­tel­ge­schich­te 16). Eben­so wur­den die Jün­ge­rin­nen und Mäze­na­tin­nen Jesu in Lukas 8,2 genannt.
Schon bereits in Mar­kus 3 ist jedoch ein ange­kratz­tes Bild des „anti­ken Hau­ses“ mit patri­ar­cha­ler Struk­tur zu fin­den. In den Ver­sen 31-35 wird ein Modell eines Hau­ses beschrie­ben, bei dem der Vater nicht mehr die lei­ten­de Posi­ti­on über­nimmt.
„31 Und es kamen sei­ne Mut­ter und sei­ne Brü­der und stan­den drau­ßen, schick­ten zu ihm [Jesus] und lie­ßen ihn rufen.
32 Und das Volk saß um ihn. Und sie spra­chen zu ihm: Sie­he, dei­ne Mut­ter und dei­ne Brü­der und dei­ne Schwes­tern drau­ßen fra­gen nach dir.
33 Und er ant­wor­te­te ihnen und sprach: Wer ist mei­ne Mut­ter und mei­ne Brü­der?
34 Und er sah rings­um auf die, die um ihn im Krei­se saßen, und sprach: Sie­he, das ist mei­ne Mut­ter und das sind mei­ne Brü­der!
35 Denn wer Got­tes Wil­len tut, der ist mein Bru­der und mei­ne Schwes­ter und mei­ne Mut­ter.“
Es fällt auf, dass nur Jesu Mut­ter und sei­ne Brü­der nach ihm rufen las­sen. Der Vater wird in die­ser Stel­le nicht erwähnt. Die im Alten Tes­ta­ment beschrie­be­ne Struk­tur lässt sich hier bereits nicht mehr ganz hal­ten. Sie ist jedoch noch nicht völ­lig zer­stört, da die Fami­lie Jesu nicht ohne den Vater Josef ein kor­rek­tes Bild im Sin­ne der Ver­hei­ßun­gen erzeugt. Jesus kommt als Sohn Josefs zur Welt, der jedoch nicht sein leib­li­cher Vater ist. Damit Jesus den­noch den Titel als Sohn Davids tra­gen kann, wird Josef als Vater Jesu bezeich­net, da die­ser von David abstammt. Es wird also nur der gene­ra­ti­ve Aspekt des Modells ange­grif­fen und erfährt erst nach Mar­kus 10 eine völ­li­ge Zer­stö­rung die­ser Struk­tur.
Auch der Text der letz­ten Sit­zung wur­de noch­mals auf­ge­grif­fen (Gala­ter 3,26-29). Hier steht nicht das Geschlech­ter­ver­hält­nis im Vor­der­grund, son­dern die Gleich­stel­lung ver­schie­de­ner Stel­lun­gen in der Gesell­schaft. Die Struk­tur wird auf einer ande­ren Ebe­ne ange­grif­fen, da die Dif­fe­renz zwi­schen Skla­ve und Frei­er auf­ge­ho­ben und somit Gleich­heit geschaf­fen wird.
Abschlie­ßend und zusam­men­fas­send wur­de fest­ge­hal­ten, dass im Neu­en Tes­ta­ment die Ten­denz zu fin­den ist, dass Frau­en wei­ter in den Vor­der­grund rücken. Eben­so las­sen sich in der Bibel zwei ver­schie­de­ne Model­le mit unter­schied­li­chem Fokus auf dem Geschlech­ter­ver­hält­nis fin­den.

« Joh 11 – Gen 9, Bund und Wein­bau »

Info:
Pro­to­koll vom 15.01.2019 ist Beitrag Nr. 7620
Autor:
Martin Pöttner am 19. Januar 2019 um 21:18
Category:
Allgemein
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