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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Pro­to­koll der letz­ten Sit­zung vor Weih­nach­ten

TU Darm­stadt – Insti­tut für Theo­lo­gie und Sozi­al­ethik – Prof. Mar­tin Pöttner
02-06-0301-se Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments: Weib­li­che und männliche Rede von Gott im NT?
2018 Dezem­ber 18 – In-Chris­tus-Sein: Gal 3,26-29
Ergeb­nis­pro­to­koll Tho­mas Wendt

26 Ihr seid alle durch den Glau­ben Söh­ne Got­tes in Chris­tus Jesus.
27 Denn ihr alle, die ihr auf Chris­tus getauft seid, habt Chris­tus (als Gewand) ange­legt.
28 Es gibt nicht mehr Juden und Grie­chen, nicht Skla­ven und Freie, nicht Mann und Frau;
denn ihr alle seid «einer» in Chris­tus Jesus.
29 Wenn ihr aber zu Chris­tus gehört, dann seid ihr Abra­hams Nach­kom­men,
Erben kraft der Ver­hei­ßung.

Ihr „habt Chris­tus (als Gewand) ange­legt …“ wur­de bild­haft umge­setzt im Anzie­hen des wei­ßen Tauf­klei­des bei der Baby-/Kind­tau­fe, die erst im 4. bzw. 5. Jhdt. akzep­tiert wur­de. Davor gab es nur die Erwach­se­nen­tau­fe gemäß Johan­nes dem Täu­fer mit Unter- und Auf­tau­chen des gan­zen Men­schen (der Dozent wur­de mit 15 Jah­ren genau­so getauft).

P.: „Es gibt […] Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Chris­tus Jesus“ wird so nicht gelebt.
Die evan­ge­li­sche ist von der katho­li­schen Kir­che dadurch getrennt, dass jene die Leh­ren der soge­nann­ten Kir­chen­vä­ter mit ihren Tex­ten über das Pries­ter­tum aner­kennt. Die­se sehen, basie­rend auf Beschrei­bun­gen im Hebrä­er­brief („Chris­tus hat sich selbst geop­fert“), den Pries­ter für Chris­tus stell­ver­tre­tend opfern und fol­gern dar­aus, dass nur Män­ner Pries­ter sein kön­nen. Die­se Sicht haben die letz­ten drei Päps­te Johan­nes Paul II., Bene­dikt XVI. und Fran­zis­kus bekräf­tigt. Für Frau­en ist dies „fatal“. Die ers­te kon­sis­ten­te Dar­stel­lung stammt aus einem Text von Cypri­an von Kar­tha­go (250 d. Z.).

Die Katho­li­sche Kir­che argu­men­tiert mit der Erschei­nung des Auf­er­stan­de­nen nur vor den Apos­teln in 1.Kor 15. Die­se Argu­men­ta­ti­on bricht aber zusam­men mit der Beschrei­bung der Frau­en am Grab in Joh. 20, den Grü­ßen an die Apos­to­lin Junia in Röm 16 und den Erfol­gen von Frau­en im Luka­ni­schen Dop­pel­werk, die Jesus nach­ge­folgt sind und spä­ter mis­sio­niert haben.
Papst Johan­nes Paul II. hat Infra­ge­stel­lun­gen der Män­ner­vor­herr­schaft aber gar nicht erst ver­stan­den („Wovon redet der?“), Papst Bene­dikt XVI. hat Bibel­for­scher mit sol­chen Denk­an­sät­zen gera­de­zu „ver­dammt“.

S. hat den Ein­druck von mafiö­sen Struk­tu­ren alter Män­ner.

P.: Der Pro­tes­tan­tis­mus ist mit diver­sen Kir­chen­prä­si­den­tin­nen und Bischö­fin­nen aller­dings schon auf einem guten Weg zur Pari­tät. Im all­ge­mei­nen Erle­ben ist eine Män­ner­vor­herr­schaft aber nach wie vor ver­an­kert, in der Wirt­schaft wie in der Poli­tik. Der Frau­en­an­teil bei den Grü­nen liegt immer­hin bei 39 %, der der CDU z.B. aber bei gera­de ein­mal 26%, der ihrer letz­ten Bun­des­tags­frak­ti­on bei 30 %, der der aktu­el­len aber nur bei 20 % (weil vie­le Direkt­man­da­te von Män­nern gewon­nen wur­den). Das ist nicht ver­fas­sungs­kon­form und eine Wen­de muss kom­men.

S.: erhält Zustim­mung mit der Mei­nung, man soll­te sich nicht auf Quo­ten ver­stei­fen, son­dern die oder den „machen las­sen“, die oder der es am bes­ten kann!

P.: Viel­leicht hat inzwi­schen Ange­la Mer­kel mit ihrer lan­gen Kanz­ler­schaft mehr Mäd­chen ermu­tigt, poli­tisch aktiv zu wer­den. Viel­leicht ist die Wahl von Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er ein Zei­chen des „Kip­pens“ der CDU

S. ist als Mit­glied der Selb­stän­di­gen Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che (SELK) etwas ent­mu­tigt, weil Syn­oden „Gleich­be­rech­ti­gungs­an­läu­fe“ immer wie­der ver­schie­ben, zwar Frau­en zuge­las­sen wer­den zu Lesun­gen und Dia­konsdiens­ten, aber nicht als Pre­di­ger oder Gemein­de­lei­ter.“

P.: Frau­en waren im NT in Ältes­ten-Ver­fas­sun­gen auf­ge­führt (Titus­brie­fe), in Bischofs­kir­chen in Funk­ti­on (älte­re Pau­lus­brie­fe) und in korin­thi­schen Got­tes­diens­ten ganz offen­sicht­lich im Ver­kün­di­gungs­dienst in Akti­on gewe­sen. Gemäß „sola scrip­tu­ra“ …
Luther sah allein das Pro­blem der „schwa­chen Stim­me von Frau­en“ in gro­ßen Kir­chen.
EKHN und unier­te Kir­chen ste­hen dabei, gemäß NT, auf dem Stand­punkt:
„Die Erkennt­nis ruht auf der Ein­zel­ge­mein­de“.

Auch in der Katho­li­schen Kir­che muss sich etwas tun. Nach Mei­nung einer katho­li­schen Freun­din des Dozen­ten, der Jour­na­lis­tin Chris­tia­ne Flo­rin, wird sich da auch bald etwas tun, da ein weib­li­ches Anschrei­ben zu die­sem Punkt an einen katho­li­schen Bischof „nur“ sechs Mona­te auf eine Beant­wor­tung war­ten muss­te…
Sie wird nie evan­ge­lisch wer­den, sieht aber nicht in nächs­ter Zukunft, dass Frau­en Pries­ter wer­den, echauf­fiert sich über die Prä­fe­renz von „viri pro­ba­ti“, bewähr­ten (Laien-)Männern, die die Lai­en in den Gemein­den gar nicht wol­len.

Zurück zum Text:

P.: „Söh­ne Got­tes in Chris­tus Jesus“ ist nicht nur männ­lich, son­dern im Ori­gi­nal­text zu lesen als „Töch­ter und Söh­ne“.(

P.: „Es gibt nicht mehr Juden und Grie­chen, nicht Skla­ven und Freie“ (Phi­le­mon ist nicht mehr Skla­ve, son­dern als Bru­der ange­nom­men). Das Wort „Hei­den“ ist eine deut­sche Erfin­dung („die dort irgend­wo im Nor­den, die lus­ti­ge Sachen trin­ken“). „Grie­chen“, weil kul­tu­rell so bedeu­tend, ist aus Sicht des Vol­kes Isra­el der Inbe­griff ande­rer Völ­ker. Die Pau­li­ni­sche Sicht des nahen Welt­endes sieht die Auf­tei­lung der Welt (Sklaven/Freie) bald ver­gäng­lich, wes­we­gen ihre Auf­he­bung nicht erheb­lich ist.

P.: „nicht Mann und Frau“ ist ein Zitat aus dem Ver­ständ­nis der Gene­sis. Der Dok­tor­va­ter des Dozen­ten mein­te, es sei eigent­lich absurd, was Pau­lus da sagt, weil er damit die Geschlech­ter­rol­le auf­hebt. Sie­he auch die aktu­el­le Gen­der-Debat­te über die Rol­le der pri­mä­ren Geschlechts­or­ga­ne.
Soll die Lösung, beein­flusst von der Gno­sis, in der Andro­gy­nie lie­gen?
… „in Chris­tus Jesus“ ist die Grund­me­ta­pher: Es ist nicht wich­tig, ob Mann oder Frau, wenn alle gleich sind in Chris­tus. Es ist rich­tig, die Vor­herr­schaft eines Geschlech­tes auf­zu­he­ben und nur den Men­schen zu sehen. Dann ist auch die Debat­te um Trans­gen­der und wei­te­re Geschlech­ter auf­ge­ho­ben.
Gemäß den Tex­ten gibt es kei­nen Vor­zug eines Geschlech­tes in den christ­li­chen Gemein­den, kei­nen Unter­schied der Behand­lung der Geschlech­ter „in Chris­tus“.

S.: Wie hat Gal 3,26- es geschafft, nicht mani­pu­liert zu wer­den?

P.: Im Juden­tum und NT gibt es kei­ne „Ein­heits­vor­stel­lung“ für den Kanon (sie­he „sich wider­sprech-ende“ Schöp­fungs­er­zäh­lun­gen). Sie­he hier 1 Kor 14,33ff: … „das Weib schwei­ge in der Gemein­de“:
Pau­lus muss über­ar­bei­tet wor­den sein, weil er nach Gen 3,26 nicht die­ser Mei­nung gewe­sen sein kann. Die Erklä­rung, dass in bestimm­ten Gemein­den zu viel „gequatscht“ wur­de kann vom Text her so nicht sein. Die Erklä­rung, dass dem römi­schen Schwei­ge­ge­bot der Frau nicht zuwi­der gehan­delt wer­den soll, um bei der römi­schen Obrig­keit nicht auf­zu­fal­len, ist nicht pau­li­nisch.

Nach Gen 1,26-28 und Gen 3 ist das Geschlech­ter­ver­hält­nis wider­sprüch­lich, ange­sichts der Libi­do von Eva („Du hast Ver­lan­gen nach dei­nem Mann; / er aber wird über dich herr­schen.„). Die­ser Wider­spruch zieht sich durch die gan­ze Bibel.
In Gal 3,28 ist das Ver­hält­nis Mann/Frau sym­me­trisch in Timo­theus dage­gen patri­ar­cha­lisch.
Die Gemein­den müs­sen dann ent­schei­den…

S.: „habt Chris­tus (als Gewand) ange­legt“ könn­te man auch als „Über­stül­pen von Jesus“ ver­ste­hen,
als Gleich­ma­che­rei.

 

« Das Geschlech­ter­ver­hält­nis im Neu­en Tes­ta­ment vor dem bibli­schen Hin­ter­grund – Joh 11 »

Info:
Pro­to­koll der letz­ten Sit­zung vor Weih­nach­ten ist Beitrag Nr. 7605
Autor:
Martin Pöttner am 17. Januar 2019 um 14:18
Category:
Allgemein
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