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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


20. Januar 2019

Gen 9, Bund und Wein­bau

Mit der Betrach­tung von Gen 9 tra­ten wir expli­zit in die Refle­xi­on der Text­prag­ma­tik ein. Dabei geht es um die Funk­ti­on eines Tex­tes in der jewei­li­gen Gemein­schaft – hier der noa­chi­ti­schen Mensch­heit. Denn der Herr schließt mit Noah einen Bund, der alle Men­schen umfasst. Dar­in sind auch die Tie­re ein­ge­schlos­sen, was bri­san­te Fra­gen auf­warf.
Zunächst wer­den schon beim Opfer Abels in Gen 4 Tie­re getö­tet, obgleich Gen 1 das nicht vor­sieht.
Vor die­sem Hin­ter­grund wur­de erör­tert, ob die Got­tes­bild­lich­keit der Men­schen den Aus­schlag gibt, war­um Tie­re getö­tet und geges­sen wer­den dür­fen, wäh­rend dies für Men­schen nicht gilt.
Der Bund hat ein Zei­chen, den Regen­bo­gen, der sym­bo­li­siert, dass Gott nicht wie­der destruk­tiv han­deln wird, was einen Aspekt der Reue Got­tes impli­ziert.
Wir wer­den in Gen 10f sehen, dass die gesam­te Mensch­heit gemeint ist und genau­er nach dem prag­ma­ti­schen Sinn der Urge­schich­te fra­gen. (more…)

19. Januar 2019

Pro­to­koll vom 15.01.2019

Semi­nar: Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments: Männ­li­che und weib­li­che Rede vom Gott im NT?
Leh­ren­der: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner
Pro­to­koll der Sit­zung vom 15.01.2019
The­ma der Sit­zung: Got­tes Müt­terö

1. Orga­ni­sa­to­ri­sches
Zu Beginn der Sit­zung wur­de die letz­te Sit­zung noch ein­mal kurz reflek­tiert und zusam­men­ge­fasst. Dabei wur­de der Bezug zu Gala­ter 3,26-29 her­ge­stellt und die Dis­kus­si­on mit unter­schied­li­chen Mei­nun­gen her­vor­ge­ho­ben.
Anschlie­ßend wur­de ein kur­zer Aus­blick auf die fol­gen­de Sit­zung gege­ben. Dort sol­le es um das The­ma „Haar­tracht“ gehen unter Betrach­tung von 1. Korin­ther 11,3ff.
Es wur­de mit dem inhalt­li­chen Teil fort­ge­fah­ren.

2. Semi­narin­hal­te
Der Inhalt der Sit­zung lässt sich in zwei The­men­blö­cke auf­tei­len. Zunächst hielt Prof. Dr. Pött­ner einen Vor­trag zum The­ma „Das Geschlech­ter­ver­hält­nis im Neu­en Tes­ta­ment vor dem bibli­schen Hin­ter­grund“, wor­auf­hin anschlie­ßen­de Fra­gen dis­ku­tiert wur­den. Im Fokus stand dabei die Bibel­stel­le Mar­kus 10,28-30. (more…)

17. Januar 2019

Joh 11

Joh 11 ist daher von Belang, weil hier expli­zit offen­ge­legt wird, was biblisch seit der „Jesa­ja-Apo­ka­lyp­se“ (Jes 24-27) gilt: Es gibt in der Bibel weder eine grie­chi­sche, hebräi­sche oder ara­mäi­sche Voka­bel für z. B. „Auf­er­ste­hung“ o. Ä. קוֻם (kum), ἀνίσταναι (anhi­sta­nai) und ἐγείρεσθαι (ege­i­rest­hai) bezeich­nen sowohl den all­täg­li­chen Vor­gang des Auf­ste­hens bzw. Auf­ge­weckt­wer­dens als auch den­je­ni­gen, wel­cher dem Tod folgt. Die glei­che Ambi­gui­tät liegt beim „Schla­fen“ (κοιμᾶν [koi­man]) vor, vgl. z. B. Dan 12,2f. Zur­zeit respek­tie­ren offen­bar nur eini­ge weni­ge der Übersetzer*innen der „Bibel in gerech­ter Spra­che“ (BgS) die­sen bibli­schen Sach­ver­halt.
Sehr schön zeigt sich das an fol­gen­der Pas­sa­ge:

11,11 Λάζαρος ὁ φίλος ἡμῶν κεκοίμηται·
ἀλλὰ πορεύομαι
ἵνα ἐξυπνίσω αὐτόν.
12εἶπαν οὖν οἱ μαθηταὶ αὐτῷ·
κύριε,
εἰ κεκοίμηται σωθήσεται.

Es wird also mit dem Miss­ver­ständ­nis­mo­tiv gear­bei­tet, wie wir es seit der Niko­de­mus-Sto­ry in Joh 3,1ff ken­nen. Zugleich sagen die Schü­ler aber auch das­je­ni­ge, was tat­säch­lich der Erzäh­lung nach gesche­hen wird: Laza­rus wird geret­tet. Hier wird mit dem mög­li­chen Dop­pel­sinn von σωθήσεται (er wird geheilt/gerettet wer­den) gespielt. (more…)

Pro­to­koll der letz­ten Sit­zung vor Weih­nach­ten

TU Darm­stadt – Insti­tut für Theo­lo­gie und Sozi­al­ethik – Prof. Mar­tin Pöttner
02-06-0301-se Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments: Weib­li­che und männliche Rede von Gott im NT?
2018 Dezem­ber 18 – In-Chris­tus-Sein: Gal 3,26-29
Ergeb­nis­pro­to­koll Tho­mas Wendt

26 Ihr seid alle durch den Glau­ben Söh­ne Got­tes in Chris­tus Jesus.
27 Denn ihr alle, die ihr auf Chris­tus getauft seid, habt Chris­tus (als Gewand) ange­legt.
28 Es gibt nicht mehr Juden und Grie­chen, nicht Skla­ven und Freie, nicht Mann und Frau;
denn ihr alle seid «einer» in Chris­tus Jesus.
29 Wenn ihr aber zu Chris­tus gehört, dann seid ihr Abra­hams Nach­kom­men,
Erben kraft der Ver­hei­ßung.

Ihr „habt Chris­tus (als Gewand) ange­legt …“ wur­de bild­haft umge­setzt im Anzie­hen des wei­ßen Tauf­klei­des bei der Baby-/Kind­tau­fe, die erst im 4. bzw. 5. Jhdt. akzep­tiert wur­de. Davor gab es nur die Erwach­se­nen­tau­fe gemäß Johan­nes dem Täu­fer mit Unter- und Auf­tau­chen des gan­zen Men­schen (der Dozent wur­de mit 15 Jah­ren genau­so getauft). (more…)

13. Januar 2019

Das Geschlech­ter­ver­hält­nis im Neu­en Tes­ta­ment vor dem bibli­schen Hin­ter­grund

Ich begin­ne mit einer her­me­neu­ti­schen Vor­re­de (I) und stel­le dann wesent­li­che Punk­te des Sach­the­mas dar (II).

I. Her­me­neu­ti­sche Vor­re­de

Ich hal­te vie­le Aspek­te der femi­nis­ti­schen Kri­tik für berech­tigt. Das ist aus lan­gen Dis­kus­sio­nen erwach­sen. Dazu nen­ne ich die Namen der Proff. Drae. Astrid Din­ter, Mag­da­le­ne Frett­löh, Hel­ga Kuhl­mann, Ire­ne Pie­per sowie der Pfar­re­rin­nen Cor­ne­lia Otto und Car­men Schnei­der.

Ähn­lich wie bei ande­ren Fra­gen ist aber ein Grund­satz zu beach­ten, den vor allem Rudolf Bult­mann ver­tre­ten hat (vgl. mei­ne Dar­stel­lung in: Die Ein­heit von Sach­kri­tik und Selbst­kri­tik – ZThK 91, 1994, 396-423, online bezieh­bar): Man/frau kön­ne nicht hilf­reich das NT von außen kri­ti­sie­ren. Wenn also das Geschlech­ter­ver­hält­nis ein­deu­tig patri­ar­chal im NT wäre, wir das aber heu­te als unan­ge­mes­sen anse­hen, dann wäre es das mit der nor­ma­ti­ven Bedeu­tung des NT gewe­sen, ein Punkt, den vie­le Kritiker*innen an der „Bibel in gerech­ter Spra­che“ (BgS) über­se­hen haben. Der Tenor: Damals war die Gesell­schaft patri­ar­chal bestimmt, heu­te sehen wir das anders – ist sach­lich unhalt­bar, wenn es um nor­ma­ti­ve Tex­te geht, die in der Rezep­ti­on als Wort Got­tes erlebt wer­den sol­len. (more…)

12. Januar 2019

Pro­to­koll Sint­flut

 

 

TU Darm­stadt – Insti­tut für Theo­lo­gie und Sozi­al­ethik – Prof. Mar­tin Pött­ner
02-06-0203-se Ein­füh­rung in die exege­ti­schen Metho­den und das wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten:
Die Urge­schich­te (Gen 1-11)
2018 Okto­ber 30 – Geschlecht Got­tes, Mono­the­is­ti­scher Gott, Hin­ter­grün­de zur Urge­schich­te – Gen 6,5-8,22 – Noah
Ergeb­nis­pro­to­koll Tho­mas Wendt

In der Logik der Gene­sis (Gen 1 – Him­mels­schleu­sen: Was­ser wird nach oben „ver­bannt“) ist die Flut auf der gedach­ten „Erd­schei­be“ so mög­lich. Sie lässt sich auch anhand von Aus­gra­bun­gen ver­dich­te­ter Erd­schich­ten bele­gen, fin­det Par­al­le­len im meso­po­ta­mi­schen Gil­ga­mesch-Epos und in Über­schwem­mungs­be­rich­ten der Abori­gi­nes (nach einem Meteo­ri­ten­ein­schlag).

Fest­stel­lun­gen:
– Die ers­te Regen­zeit dau­ert 40 Tage und 40 Näch­te. Das sind kei­ne 150 Tage, wie spä­ter berich­tet.
– Gott zeigt Reue, den Men­schen gemacht zu haben, und will daher neu begin­nen.
Aber war­um müs­sen des­halb auch Tie­re und Pflan­zen ster­ben?
– Die Tie­re kom­men als Paa­re von sich aus, sind also auch von Gott aus­ge­wählt und geru­fen.
– Es ster­ben kei­ne Tie­re aus, weil von den gerech­ten je sie­ben Paa­re „ein­ge­packt“ wer­den. (more…)