Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Schim­son, Deli­la und Johan­nes

 

Semi­nar: Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments: Männ­li­che und weib­li­che Rede vom Gott im NT?
Leh­ren­der: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner
Pro­to­koll der Sit­zung vom 11.12.2018
Pro­to­kol­lan­tin: Ann-Chris­tin San­der

1. Orga­ni­sa­to­ri­sches
Zu Beginn der Sit­zung wur­den Rück­mel­dun­gen zum Pro­to­koll vom 04.12.2018 zusam­men­ge­tra­gen. Die­ses Pro­to­koll erfuhr von allen Teilnehmer_innen Zuspruch und könn­te auch für die nächs­ten Pro­to­kol­le inhalt­lich als auch struk­tu­rell als Mus­ter genom­men wer­den. Da kei­ne wei­te­ren Fra­gen dies­be­züg­lich gestellt wur­den, wur­de fort­ge­fah­ren.

2. Semi­narin­hal­te
Der Inhalt des Semi­nars lässt sich in zwei The­men­be­rei­che unter­tei­len. Zunächst wur­de ein Vor­trag über „Geschlech­ter­kampf“ von Herrn Pött­ner gehal­ten und anschlie­ßend aus­ste­hen­de Fra­gen dazu dis­ku­tiert. Fol­gend wur­de sich auf Johan­nes 1, 13 und Johan­nes 3, 1-8 bezo­gen.

3. Vor­trag: „Geschlech­ter­kampf“
Aus­gangs­punkt die­ses Vor­trags war das Gemäl­de „Sam­son und Deli­la“ von Max Lie­ber­mann. Dabei ist wich­tig anzu­mer­ken, dass der Name „Sam­son“ eine belie­bi­ge, euro­päi­sche Umschrift des hebräi­schen Namens „Schim­schon“ ist. Beliebt sind aber auch die euro­päi­schen Umschrif­ten Sim­son oder Sam­son und Deli­la oder Deli­lah. Die­ses Gemäl­de stellt ein ambi­tio­nier­tes Foto (sie­he Herr Pött­ner: Geschlech­ter­kampf in der Bibel? Vor­trag TUD 11.12.2018, am 06.12.2018) aus dem Jahr 1902 dar und zeigt dabei die Geschich­te aus Rich­ter 16 als Geschlech­ter­kampf.

3.1 Die Dar­stel­lung von Schim­schon und Deli­la im Gemäl­de von Lie­ber­mann:
Beim Betrach­ten des Gemäl­des kann man erken­nen, dass Schim­schon und Deli­la wahr­schein­lich zuvor sexu­el­len Kon­takt hat­ten und im Anschluss Schim­schon ein­ge­schla­fen war. Deli­la hält, ver­mut­lich tri­um­phie­rend, den Groß­teil von Schim­schons Haa­ren in den Him­mel.

Anmer­kung: Die­se Sze­ne hat Herr Pött­ner aus­ge­wählt, weil er damit eine typi­sche Form der Erzäh­lung zei­gen woll­te. Man unter­schei­det dabei zwi­schen drei For­men der Erzäh­lung:
• Pro­blem­ge­schich­te: Das Pro­blem ist in sich sehr gespannt und kann nur von einer Figur gelöst wer­den die alle bei­den Ele­men­te der Span­nung besitzt. Wich­tig dabei ist aber, dass das Pro­blem den­noch Bestand hat, auch wenn es über­wun­den wur­de. Bei­spiel: Gene­sis 3, die Schlan­ge.
• Dua­lis­ti­sche Erzäh­lung: Hier gibt es nur schar­fe Gegen­sät­ze wie im Bei­spiel Gene­sis 6, 1-4 oder auch im Buch Dani­el.
• Erfolgs­ge­schich­te: Es gibt eine nega­ti­ve, insta­bi­le Aus­gangs­si­tua­ti­on, die durch einen Akteur oder eine Akteu­rin in eine sta­bi­le, andau­ern­de Situa­ti­on trans­fe­riert wird.
Die Erfolgs­ge­schich­te kann auch als eine tra­di­tio­nel­le Erzäh­lung bezeich­net wer­den. Bei­spiel­wei­se ist die Geschich­te von Schim­schon und Deli­la eine Hel­den­er­zäh­lung wie man sie auch bei den Ger­ma­nen oder bei den Grie­chen fin­det. Bei Schim­schon spie­gelt sich das Sieg­fried-Motiv wider, da Schim­schon eben­so wie Sieg­fried eine ver­letz­li­che Stel­le auf­weist. Schim­schon hat­te ein Nasi­rä­er-Gelüb­de abge­legt und sich somit dem Herrn geweiht mit der Bedin­gung, dass die­ser sich nicht die Haa­re schnei­det. Dar­aus resul­tier­ten sie­ben Zöp­fe und es ent­stand eine außer­ge­wöhn­li­che Kraft.

3.2 Zusam­men­fas­sung und Fra­gen zu der Geschich­te in Rich­ter 16:
Der Inhalt von Rich­ter 16 gilt als Grund­la­ge und kann fol­gend nach­ge­le­sen wer­den: https://www.bibleserver.com/text/LUT/Richter16, letz­ter Zugriff: 11.12.2018.

Der Herr führ­te damals selbst klei­ne Krie­ge und berief in die­sem Zusam­men­hang Hel­den wie Schim­schon oder die Hel­din Debo­ra, die in heik­len Aus­gangs­si­tua­tio­nen star­te­ten. In Rich­ter 16 schlägt die­se Erfolgs­ge­schich­te um, da Deli­la her­aus­fin­det, wie Schim­schon sei­ne Kraft ver­liert:
Der von Lie­ber­mann als mus­ku­lös dar­ge­stell­te Schim­schon ver­liebt sich in die Phi­lis­te­rin Deli­la und es kommt zu mehr­ma­li­gen sexu­el­len Kon­tak­ten zwi­schen den bei­den. Gleich­zei­tig wird Deli­la von den phi­li­stäi­schen Fürs­ten bedrängt und finan­zi­ell besto­chen um die ver­letz­li­che Stel­le Schim­schons her­aus­zu­fin­den. Bei dem Ver­such schei­ter­te Deli­la drei Mal. Beim vier­ten Mal sag­te Schim­schon auf­grund sei­ner Ver­liebt­heit die Wahr­heit und somit die Quel­le sei­ner Unbe­sieg­bar­keit. Dar­auf­hin gab Deli­la den phi­li­stäi­schen Fürs­ten Bescheid, die anschlie­ßend kamen und Schim­schon sei­ne Zöp­fe abge­schnit­ten haben. Deli­la besieg­te den Hel­den des Herrn und die­ser wur­de geblen­det.
Anschlie­ßend woll­ten die Phi­lis­ter ein Fest ver­an­stal­ten, in dem sie Schim­schon ver­höh­nen. Obwohl die­ser geblen­det war, zer­riss er die Fes­seln, wel­che er trug, und brach­te wei­te­re Phi­lis­ter um.
Man kann anhand die­ser Geschich­te auf­zei­gen, dass der mus­ku­lö­se Schim­schon der sexu­ell attrak­ti­ven Frau Deli­la unter­lag und dadurch über­lis­tet wur­de. Sei­ne Ver­letz­lich­keit konn­te dadurch deut­lich gemacht wer­den. Hier mach­te der Gott der Phi­lis­ter „Dagon“ einen ein­deu­ti­gen Punkt gegen den Herrn. Der Gott Isra­els, für den Schim­schon Rich­ter ist, wird männ­lich bestimmt. Zugleich sieht man aber, dass nach der Geschlech­ter­sym­bo­lik männ­li­cher und weib­li­cher Per­spek­ti­ve aus­ge­wo­gen sind.

Doch wird das Bil­der­ver­bot in Rich­ter 16 ein­ge­hal­ten?
Der israe­li­ti­sche Gott wird, wie oben beschrie­ben, ein­deu­tig männ­lich kon­no­tiert. Der Nach­teil die­ser Erzäh­lung liegt in der Rede über Gott, da dies nicht dem Deu­te­ro­no­mi­um vier ent­spricht. Gott soll laut Deu­te­ro­no­mi­um vier nicht als männ­lich oder weib­lich dar­ge­stellt wer­den. Das Bil­der­ver­bot wird daher nicht ein­ge­hal­ten. Rich­ter 16 stellt dem­nach eine kri­tik­wür­di­ge Wei­se dar, wie von Gott gere­det wird.

Erklä­rung zum Kraft­ver­lust durch das Abschnei­den der Haa­re:
Die Haa­re ste­hen für Männ­lich­keit. Sie haben magi­sche Züge, denn durch das nicht Abschnei­den der Haa­re wird die männ­li­che Kraft immer grö­ßer. Mit Hil­fe der Bestim­mung durch Gott besitzt Schim­schon Macht, die durch das Gelüb­de erhal­ten bleibt. Durch das Abschnei­den und somit das Bre­chen des Gelüb­des wen­det sich der Herr ab. Schim­schon bleibt zwar noch stark, aber nicht mehr unbe­sieg­bar.

4. Die Wir­kung der Geburts­me­ta­pher im Johan­nes­evan­ge­li­um
Wir lesen Johan­nes 1, 13:
„13 die nicht aus mensch­li­chem Geblüt noch aus dem Wil­len des Flei­sches noch aus dem Wil­len eines Man­nes, son­dern aus Gott gebo­ren sind“ (Luther­bi­bel 2017: https://www.bibleserver.com/text/LUT/Johannes1, (letz­ter Zugriff: 11.12.2018).

Wie kommt es in die­sem Zusam­men­hang zur Auf­nah­me des Wor­tes „gebä­ren“?

Um die­se Fra­ge beant­wor­ten zu kön­nen wird Johan­nes 3, 1-8 gele­sen:
1 Es war aber ein Mensch unter den Pha­ri­sä­ern mit Namen Niko­de­mus, ein Obers­ter der Juden.
2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rab­bi, wir wis­sen, dass du ein Leh­rer bist, von Gott gekom­men; denn nie­mand kann die Zei­chen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.
3 Jesus ant­wor­te­te und sprach zu ihm: Wahr­lich, wahr­lich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neu­em gebo­ren wird, so kann er das Reich Got­tes nicht sehen.
4 Niko­de­mus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch gebo­ren wer­den, wenn er alt ist? Kann er denn wie­der in sei­ner Mut­ter Leib gehen und gebo­ren wer­den?
5 Jesus ant­wor­te­te: Wahr­lich, wahr­lich, ich sage dir: Wenn jemand nicht gebo­ren wird aus Was­ser und Geist, so kann er nicht in das Reich Got­tes kom­men.
6 Was aus dem Fleisch gebo­ren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist gebo­ren ist, das ist Geist.
7 Wun­de­re dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neu­em gebo­ren wer­den.
8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sau­sen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist gebo­ren ist. (Luther­bi­bel 2017: https://www.bibleserver.com/text/LUT/Johannes3, (letz­ter Zugriff: 11.12.2018).

Erklä­rung: Herr Pött­ner macht in die­sem Zusam­men­hang deut­lich, dass Kin­der sich nicht dazu ent­schei­den kön­nen gebo­ren zu wer­den. Dem­nach ist es sei­nes Erach­tens ein star­kes Pas­si­vi­täts­bild, da der Pro­tes­tan­tis­mus ablehnt, dass man sich sel­ber zum Glau­ben bestimmt. Der Glau­be ist dem­nach kei­ne Leis­tung, die man sich zuschrei­ben kann, son­dern viel­mehr ein Geschenk.

Exkurs: War­um sind dann nicht alle Men­schen gläu­big?
Es wird auf Johan­nes 3, 16-21 ver­wie­sen. Gott hat die Welt geliebt und alle Men­schen. Aber man­che Men­schen lie­ben die Fins­ter­nis mehr als das Licht. Für die­se Men­schen muss man Hoff­nung haben, dass durch die Lie­be der Glau­be für sie attrak­ti­ver wird. Wich­tig ist dabei zu beach­ten, dass Christ sein nicht nur aus dem Glau­ben besteht, son­dern auch aus dem Han­deln.

 

« Geschlechts­re­gis­ter, Kunst und Reli­gi­on – Der Vor­lauf zum Reset des Sys­tems: Gen 5,1-6,4 »

Info:
Schim­son, Deli­la und Johan­nes ist Beitrag Nr. 7555
Autor:
Martin Pöttner am 17. Dezember 2018 um 14:35
Category:
Allgemein
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

Keine Kommentare »

No comments yet.

Kommentar-RSS: RSS feed for comments on this post.

Leave a comment