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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Pre­digt zum drit­ten Advent: EfG Gries­heim

 

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Mt 11 1Als Jesus die­se Rede zur Aus­sen­dung für die Zwölf aus dem Krei­se sei­ner Schü­ler­schaft abge­schlos­sen hat­te, brach er von dort auf, um in den Städ­ten die­ser Gegend zu leh­ren und zu ver­kün­di­gen. 2Johannes hat­te im Gefäng­nis von den Taten des Mes­si­as gehört. Er schicmkte sei­ne Gefolgs­leu­te 3und ließ Jesus sagen: »Bist du es, der kom­men soll? Oder müs­sen wir auf jemand ande­ren war­ten?« 4Jesus ant­wor­te­te und sag­te zu ihnen: »Geht und erzählt Johan­nes, was ihr hört und seht:
5Blinde sehen, Gelähm­te gehen umher, Lepra­kran­ke wer­den rein und tau­be Men­schen kön­nen hören, Tote wer­den „auf­ge­weckt“ – und die Armen brin­gen die Freu­den­bot­schaft. 6 Glück­lich ist, wer nicht mei­net­we­gen Gott untreu wird.«
7 Als sie weg­gin­gen, fing Jesus an, zur Volks­men­ge über Johan­nes zu spre­chen: »Was woll­tet ihr euch in der Wüs­te anse­hen, als ihr hin­aus­ge­wan­dert seid? Ein Schilf­rohr, das im Wind hin und her schwankt? 8Also, was woll­tet ihr sehen, als ihr hin­aus­ge­wan­dert seid? Einen Men­schen in Luxus­klei­dung? Seht, die Leu­te, die Luxus­klei­dung tra­gen, woh­nen in den Königs­pa­läs­ten. 9 Also, was woll­tet ihr sehen, als ihr hin­aus­ge­wan­dert seid? Einen Pro­phe­ten? Ja, ich sage euch: sogar mehr als einen Pro­phe­ten. 10Dieser ist es, über den geschrie­ben steht: Seht, ich sen­de mei­nen Boten dir vor­aus, der dei­nen Weg für dich ebnen wird. (Vgl. Bibel in gerech­ter Spra­che, z. St.)

Lie­be Gemein­de,

am drit­ten Advent die „Täufer­fra­ge“:
„Bist Du es, der kom­men soll – oder müs­sen wir auf jemand ande­ren war­ten?“
Damit wer­den Erör­te­run­gen ange­spro­chen, die bis heu­te nicht ver­klun­gen sind: Ist Jesus der ver­hei­ße­ne Frie­dens-Mes­si­as, von dem z. B. Jes 11 oder Sach 9 spre­chen? Oder ein Mes­si­as, der zunächst die Römer besiegt und dann sein uni­ver­sa­les Frie­dens­reich auf­rich­tet, wie PsSal 17f unter­stel­len?
Und dahin­ter steht eben­so die Fra­ge, war­um wur­de Jesus wie der aus dem Gefäng­nis fra­gen­de Täu­fer gewalt­sam hin­ge­rich­tet? Das führ­te dazu, dass vor allem Tex­te aus Jes 42ff als mes­sia­ni­sche Tex­te ver­stan­den wur­den, wo der Skla­ve bzw. Knecht des Herrn als gewalt­lo­ser Mensch stell­ver­tre­tend Lei­den für das Volk ertra­gen muss.
Und nicht zuletzt: War­um sehen das die aller­meis­ten Juden* anders?
Jesus ant­wor­tet selbst auf die Täufer­fra­ge:
5Blinde sehen, Gelähm­te gehen umher, Lepra­kran­ke wer­den rein und tau­be Men­schen kön­nen hören5Blinde sehen, Gelähm­te gehen umher, Lepra­kran­ke wer­den rein und tau­be Men­schen kön­nen hören. Tote wer­den „auf­ge­weckt“ – und die Armen brin­gen die Freu­den­bot­schaft.

Das sind Zei­chen der mes­sia­ni­schen Zeit wie sie auch bei Jesa­ja zu fin­den sind, dass Gott sich den Armen zuwen­det und ihr Schick­sal wen­det. Dort wird auch der Tod von Gott beim end­zeit­li­chen Fest­mahl ver­schluckt bzw. ver­schlun­gen. Eben­so wer­den alle Trä­nen abge­wischt. D. h., die gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen ver­schwin­den, was in den Wun­der­erzäh­lun­gen dar­ge­stellt wird. Jesus zufol­ge berei­te­te die Gerichts­ver­kün­di­gung mit der Tau­fe zur Umkehr auf das Kom­men Jesu als Mes­si­as, als Chris­tus vor. Es ist eine Zeit des unbe­schwer­ten Glücks. Das alles beginnt mit Jesus, sein Reich ist ein Frie­dens­reich, die sozia­le Spal­tung wird über­wun­den, Lei­den der Men­schen ver­schwin­den – und der Tier­frie­de von Jes 11 wird ein­tre­ten, wes­halb Jesus in der Zeit nach sei­ner Tau­fe durch Johan­nes 40 Tage lang von Engeln mit himm­li­scher Spei­se ernährt wird.
Vie­les davon wird im Chris­ten­tum Cari­tas und Dia­ko­nie über­las­sen, auch die Fra­ge des Umgangs mit ande­ren Geschöp­fen ist brei­ter erst seit den 1980er Jah­ren beach­tet wor­den. Dass die mes­sia­ni­sche Dyna­mik aber das Wesen des Chris­ten­tums aus­macht, bleibt eine Min­der­hei­ten-Posi­ti­on. Natür­lich ist der Sozi­al­staat in der Bun­des­re­pu­blik ein beacht­li­cher Schritt. Aber dass die Kli­ma­schutz­fra­ge zu wenig beach­tet wird, ist kein mes­sia­ni­scher Zustand. Dass Behin­der­te ver­sucht wer­den in die Gesell­schaft ein­zu­schlie­ßen, ist ein beacht­li­cher Schritt. Dass aber jun­ge Müt­ter mit Kin­der­wa­gen und Geh­be­hin­der­te manch­mal um Sitz­plät­ze in Bus oder Stra­ßen­bahn kämp­fen müs­sen, ist kein mes­sia­ni­scher Zustand.
War­um sage ich das? Ist das mes­sia­ni­sche Frie­dens­reich nicht ein Zustand, der viel­leicht ein paar Jahr­zehn­te oder gar Jahr­hun­der­te nach unse­rem Tod ein­tritt? Wenn über­haupt? So sieht es Jesus nicht:
5Blinde sehen, Gelähm­te gehen umher, Lepra­kran­ke wer­den rein und tau­be Men­schen kön­nen hören. Tote wer­den „auf­ge­weckt“ – und die Armen brin­gen die Freu­den­bot­schaft.
Im Dasein Jesu und der Fort­set­zung die­ses Daseins in den christ­li­chen Gemein­den fin­det daher der mes­sia­ni­sche Pro­zess statt.
Das soll­te bes­ser nicht miss­ver­stan­den wer­den. Wenn nur die­se aus dem Juden­tum stam­men­den Ide­en den mes­sia­ni­schen Pro­zess aus­ma­chen wür­den, wäre es schlecht um ihn bestellt. Das ist aber nicht der Fall. Juden­tum und Chris­ten­tum machen ja allen­falls ein Drit­tel der Mensch­heit aus. Zum Glück gibt es ande­re Reli­gio­nen wie im Bud­dhis­mus und den Hin­du-Reli­gio­nen, in denen ähn­li­che Auf­fas­sun­gen ver­tre­ten wer­den. Das hat 1948 dazu geführt, dass wesent­li­che Punk­te der Berg­pre­digt in die UNO-Char­ta und die All­ge­mei­ne Erklä­rung der Men­schen­rech­te über­nom­men wor­den sind. Dazu kommt die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on. Vie­les jüdisch-christ­lich Gewünsch­te oder als Zei­chen der mes­sia­ni­schen Zeit Betrach­te­te ist daher heu­te Men­schen­recht oder Völ­ker­recht. Anders wäre die Uni­ver­sa­li­tät Got­tes gar nicht ver­tei­dig­bar.
In wel­chen Schwie­rig­kei­ten der mes­sia­ni­sche Pro­zess zur­zeit liegt, zeigt schlag­ar­tig der Anschlag auf den Straß­bur­ger Weih­nachts­markt. Ein nicht inte­grier­ter Nord­afri­ka­ner soll ihn began­gen haben. Das zeigt vor allem, dass Macrons rich­ti­ge Ein­sich­ten noch nicht grei­fen. Denn eine mul­ti­kul­tu­rel­le, aus dem Kolo­nia­lis­mus kom­men­de Gesell­schaft setzt vor­aus, dass alle Grup­pen wirt­schaft­lich und sozi­al zum Zuge kom­men, was ja durch den Armuts-Aspekt in der mes­sia­ni­schen Auf­fas­sung aus­ge­drückt wird. Der Islam betont das eben­falls sehr stark, sodass gesell­schaft­lich Aus­ge­schlos­se­ne sich im Blick auf Gott radi­ka­li­sie­ren kön­nen, was aber nur Min­der­hei­ten so als akzep­ta­bel anse­hen. Ande­re darf man nicht gewalt­sam töten, so das mes­sia­ni­sche Ver­ständ­nis und die Men­schen­rechts-Posi­ti­on, aber auch der Koran sieht das natür­lich so. Es gibt nur Stel­len wie in der Bibel das Rich­ter-Buch, die von die­sen Min­der­hei­ten zum Maß­stab des Ver­ständ­nis­ses des Koran gemacht wer­den. Gesell­schaft­lich Aus­ge­schlos­se­ne hören viel­leicht die Bot­schaft sol­cher Min­der­hei­ten leich­ter.
Das mes­sia­ni­sche Reich Jesu ist also ein Frie­dens­reich, in dem Arme gut leben, alle Behin­de­run­gen ver­schwun­den sind, alle Geschöp­fe fried­lich mit­ein­an­der leben – und der Tod, wie Jes 25 sagt, von Gott für immer ver­schlun­gen wird.

Amen

 

Nach dem Got­tes­dienst kam ein Teil­neh­mer, der mit­teil­te, dass der ÖPNV in Darm­stadt fähig sei, Elek­tro-Rollsrtuhl­fah­rer auf­zu­neh­men.

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Info:
Pre­digt zum drit­ten Advent: EfG Gries­heim ist Beitrag Nr. 7564
Autor:
Martin Pöttner am 17. Dezember 2018 um 20:30
Category:
Allgemein
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