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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD 11.12.">Geschlech­ter­kampf in der Bibel? Vor­trag TUD 11.12.

Max Lie­ber­mann, Sam­son und  Deli­la

Neben der Oper und dem Film prä­sen­tiert auch der Maler Max Lie­ber­mann 1902 eine Dar­stel­lung der Bezie­hung des israe­li­ti­schen Rich­ters Schim­schon aus dem Stamm Dan und der Phi­lis­te­rin Deli­la als Geschlech­ter­kampf. Die Umschrif­ten der Namen der bei­den Lie­ben­den in den euro­päi­schen Spra­chen vari­ie­ren zu Sim­son und Sam­son bzw. Deli­lah oder Deli­la.
Sexu­ell ein­an­der ver­fal­len, aber ein Kampf um die Macht zwi­schen den bei­den ero­tisch ein­an­der Zuge­wand­ten – so ist bis heu­te ein Modell der Geschlech­ter­be­zie­hung. Die Min­der­heit der homo­se­xu­el­len Frau­en und Män­ner kann heu­te außer Betracht blei­ben, obgleich das sach­lich wich­tig ist.
Lie­ber­manns Deli­la hält einen beacht­li­chen Teil der dunk­len Haa­re Schim­schons hoch, tri­um­phie­rend, wie vie­le mei­nen. Das ist ein Sieg­fried-Motiv. Schim­schon hat­te einen ver­letz­li­chen Punkt wie Sieg­fried, des­sen Dra­chen­blut­pan­zer wg. eines im Oden­wald nicht sel­te­nen Lin­den­blat­tes zwi­schen den Schul­tern nicht per­fekt war – und Hagen eine offe­ne Stel­le bot. Schim­schon hat­te ein Nasi­rä­er-Gelüb­de abge­legt, dem­zu­fol­ge er sei­ne Haa­re nicht schnitt bzw. schnei­den ließ. Dar­aus resul­tier­te sei­ne unge­wöhn­li­che Kraft, wel­che die Kraft des Herrn war. Damals führ­te der Herr noch selbst Krieg und berief Hel­den wie Schim­schon oder auch die Hel­din Debo­rah – alles Erfolgs­ge­schich­ten, die von einer bedroh­ten, insta­bi­len Situa­ti­on aus star­ten. Die Held*innen des Herrn wen­den die­se Situa­ti­on in eine sta­bi­le, beru­hig­te Situa­ti­on. In Ri 16 schlägt das Erzähl­mo­dell der Erfolgs­ge­schich­te aber um. Der poten­te Schim­schon, den Lie­ber­mann als Mus­kel­pa­ket malt, ver­liebt sich in die Phi­lis­te­rin Deli­la. Die­se wird von phi­li­stäi­schen Fürs­ten auch finan­zi­ell umwor­ben, damit sie die ver­letz­li­che Stel­le bei Schim­schon her­aus­fän­de. Sie schei­tert drei Mal, aber dann sagt der lie­bes­trun­ke­ne Schim­schon ihr die Wahr­heit. Sie sagt den phi­li­stäi­schen Fürs­ten Bescheid und wäh­rend Schim­schon in ihrem Schoß ein­ge­schla­fen ist, schnei­det einer sei­ne sie­ben Haarzöp­fe ab.
Lie­ber­manns ver­dich­tet die Erzäh­lung von Ri 16 also etwas, im Kern hat er aber recht: Die Phi­lis­te­rin Deli­la hat den Hel­den des Herrn besiegt. Die­ser wird geblen­det.
Wir hat­ten zuletzt sol­che Typen wie Schim­schon als Macho bezeich­net, der hier aber der List einer sexu­ell attrak­ti­ven Frau erliegt. Sexua­li­tät ist eins der Lebens­the­men Schim­schons, der auch eine Pro­sti­tu­ier­te besucht. Als Krie­ger scheint er mit dem Herrn im Rücken unschlag­bar zu sein, die 1000 Phi­lis­ter, die er mit der Kinn­la­de eines Esels erschlägt, sind berühmt. Sei­ne Ver­letz­lich­keit zeigt sich des­halb, weil er Deli­la sexu­ell ver­fal­len war.
Natür­lich hat der Herr hier eben­falls Macho-Qua­li­tät. Den­noch tariert die bibli­sche Erzäh­lung das aus. Mit­hil­fe der ero­tisch attrak­ti­ven Deli­la macht der Gott der Phi­lis­ter Dagon hier einen Punkt gegen den Herrn. Das alles bestimmt das Ver­ständ­nis des Geis­tes des Herrn im Rich­ter­buch, hebr. rûaḥ (רוּחַ).
Von der Geschlech­ter­sym­bo­lik her ist der Text aus­ge­wo­gen, viel­leicht sogar zur weib­li­chen Sei­te geneigt.
Der Gott Isra­els ist stark männ­lich geprägt, der phi­li­stäi­sche Gott hat etwas für weib­li­che Küns­te übrig.
Wie immer man/frau das genau­er bestim­men mag, klar ist, dass hier nicht das Bil­der­ver­bot in Dtn 4 ein­ge­hal­ten wird, das besagt, Gott nicht als männlich/weiblich dar­zu­stel­len. Weibliche/männliche Lebens­wel­ten sind erkenn­bar, aber sie machen sich ein Bild Got­tes.
Wir waren in der letz­ten Sit­zung zu Joh 1,18 weit vor­ge­drun­gen und haben die Bil­der­ver­bot-Fra­ge erst­mals kom­pe­tent erör­tert.
So wie Ri 16 über Gott redet, stellt daher eine kri­tik­wür­di­ge Wei­se dar, über Gott zu reden, näm­lich aus­schließ­lich aus der weib­li­chen bzw. männ­li­chen Per­spek­ti­ve bzw. Lebens­welt.
An dem Text bleibt wich­tig, dass er unver­krampft über unse­re Sexua­li­tät spricht, über unse­re Macht­phan­ta­si­en – und Kon­kur­renz­be­stre­bun­gen. Aber von Gott im Sin­ne Bult­manns spricht er m. E. eher nicht. Denn nicht nur die je ande­re Geschlech­ter­per­spek­ti­ve wird prä­sent. Son­dern dass Gott über­haupt nicht in Geschlech­ter­per­spek­ti­ven dar­ge­stellt wer­den soll, wird ver­fehlt.
Die wei­te­re Ent­wick­lung im Juden­tum bei Jesa­ja, Deu­tero­je­sa und Sach­ar­ja zeigt, dass der Herr das selbst begrif­fen hat – und bult­mann­an­ge­mes­se­ner von ch gespro­chen hat.

 

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Info:
Geschlech­ter­kampf in der Bibel? Vor­trag TUD 11.12. ist Beitrag Nr. 7520
Autor:
Martin Pöttner am 6. Dezember 2018 um 12:56
Category:
Allgemein
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