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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Wie soll­te man/frau über­set­zen?

Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments: Männ­li­che und weib­li­che Rede vom Gott im NT? (Mt 6,9)
Pro­to­koll zur 5. Sit­zung am 27.11.2018 von Tor­ben Ebe­ling
Dozent: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner

Exkurs
Zu Beginn der heu­ti­gen Semi­nar­stun­de wur­de noch ein­mal über Jes 46,3 dis­ku­tiert. Die­se Stel­le führ­te bei der letz­ten Sit­zung zu einer lan­gen Dis­kus­si­on zwi­schen dem Dozen­ten und einer Grup­pe von Semi­nar­teil­neh­mern. Prof. Dr. Pött­ner (P) ver­deut­lich­te noch­ein­mal sei­nen Stand­punkt. Ich wer­de auf die­se Dis­kus­si­on nicht näher ein­ge­hen, da die­se aus­führ­lich im letz­ten Pro­to­koll dar­ge­stellt wur­de.
Nur so viel zur Ergän­zung: Das Wort „Erzeu­gen“ darf nicht sexu­ell ver­stan­den wer­den. Es ist viel eher eine Meta­pher für den Ursprung einer bestimm­ten Kon­stel­la­ti­on. Des Wei­te­ren ermu­tigt Gott sein Volk indem er sagt, dass er sie getra­gen hat und nicht das Volk (wie zum Bei­spiel bei den Baby­lo­ni­ern) die Göt­ter tra­gen muss.
P stell­te noch ein­mal das Bil­der­ver­bot dar und wies dar­auf­hin, dass ledig­lich Meta­phern ver­wen­det wer­den dür­fen, die aus dem männ­li­chen oder weib­li­chen Lebens­um­feld stam­men, aber Gott auf­grund des Ver­bo­tes nicht ein­deu­tig männ­lich oder weib­lich gese­hen wer­den darf.
In der Kir­chen­ge­schich­te haben sich über­wie­gend männ­li­che Bezeich­nun­gen durch­set­zen kön­nen. Dies führt aller­dings zu (berech­tig­ter) Kri­tik und wird seit den 60er Jah­ren ver­stärkt als zu ein­sei­tig gese­hen.
Semi­narin­halt
Im Semi­nar beschäf­tig­ten wir uns mit den Tex­ten aus Mat­thä­us 6, Vers 9-15 also dem soge­nann­ten „Vater-unser“.
Eine durch­weg männ­li­che Bezeich­nung fin­det sich im Vater-unser. Dis­ku­tiert wur­de die Über­set­zung aus der Bibel in gerech­ter Spra­che. Hier wur­de hin­ge­gen der kor­rek­ten Über­set­zung aus dem grie­chi­schen, anstatt dem Wort „Vater“ die Wor­te „Vater und Mut­ter“ ein­ge­setzt.
Hier ein­mal die Gegen­über­stel­lung der Bibel­stel­le aus der Luther-Über­set­zung und der Über­set­zung in der Bibel in gerech­ter Spra­che:
Luther-Bibel Bibel in gerech­ter Spra­che
9 Dar­um sollt ihr so beten:
Unser Vater im Him­mel! Dein Name wer­de gehei­ligt.
10 Dein Reich kom­me. Dein Wil­le gesche­he wie im Him­mel so auf Erden.
11 Unser täg­li­ches Brot gib uns heu­te.
12 Und ver­gib uns unse­re Schuld, wie auch wir ver­ge­ben unsern Schul­di­gern.
13 Und füh­re uns nicht in Ver­su­chung, son­dern erlö­se uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herr­lich­keit in Ewig­keit. Amen.]
14 Denn wenn ihr den Men­schen ihre Ver­feh­lun­gen ver­gebt, so wird euch euer himm­li­scher Vater auch ver­ge­ben.
15 Wenn ihr aber den Men­schen nicht ver­gebt, so wird euch euer Vater eure Ver­feh­lun­gen auch nicht ver­ge­ben. 9 So also betet.
Du, Gott, bist uns Vater und Mut­ter im Him­mel,
dein Name wer­de gehei­ligt.
10 Dei­ne gerech­te Welt kom­me.
Dein Wil­le gesche­he,
wie im Him­mel, so auf der Erde.
11 Das Brot, das wir brau­chen,
gib uns heu­te.
12 Erlass uns unse­re Schul­den,
wie auch wir denen ver­ge­ben,
die uns etwas schul­dig sind.
13 Füh­re uns nicht zum Ver­rat an dir,
son­dern löse uns aus dem Bösen.
14 Denn wenn ihr den Men­schen, die an euch schul­dig gewor­den sind, ver­gebt, wird euch Gott, Vater und Mut­ter im Him­mel, auch ver­ge­ben.
15 Wenn ihr aber den Men­schen nicht ver­gebt, wird Gott euch auch nicht ver­ge­ben, wenn ihr schul­dig gewor­den seid.

Einer­seits wird die Bibel in gerech­ter Spra­che kri­ti­siert, da sie trotz bes­se­ren Wis­sens die­se Bibel­stel­le falsch über­setzt hat. Ande­rer­seits ist aus mei­ner Sicht die Kri­tik an den ande­ren Über­set­zun­gen berech­tigt, da in der kor­rek­ten Über­set­zung nur die männ­li­che Lebens­welt berück­sich­tigt wird.
Die Grund­satz­fra­ge lau­tet aber, ob die Bibel sprach­lich kor­rekt über­setzt wer­den muss oder ob die Über­set­zung in die aktu­el­le Zeit pas­sen muss. Für letz­te­res spricht das Argu­ment, dass selbst Luther schon sag­te: „Dem Volk auf das Maul schau­en.“ Was so viel bedeu­tet, wie die Bibel in den zeit­li­chen Kon­text zu über­set­zen.
Für die Über­set­zung aus der Bibel in gerech­ter Spra­che spricht auch, dass Gott in der Bibel häu­fi­ger mit weib­li­chen Meta­phern beschrie­ben wird und dies des­we­gen auch hier als Akzep­ta­bel ange­se­hen wer­den kann. Daher muss jeder selbst ent­schei­den wie er das Vater-unser oder auch Vater- und Mut­ter-unser beten will.
Pro­ble­ma­tisch wird die unter­schied­li­che Anwen­dung erst in Got­tes­diens­ten, wo die Gemein­de gemein­sam das Vater-unser betet. Hier muss es inner­halb der Gemein­de eine Aus­ein­an­der­set­zung zu die­sem The­ma geben und offen über die bei­den Vari­an­ten dis­ku­tiert wer­den.

« Mut­ter­schö­ßig­keit Got­tes – Joh 19f »

Info:
Wie soll­te man/frau über­set­zen? ist Beitrag Nr. 7502
Autor:
Martin Pöttner am 30. November 2018 um 14:24
Category:
Allgemein
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