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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Mut­ter­schö­ßig­keit Got­tes

 

Pro­to­koll vom 20.11.2018
Modul: His­to­ri­sche Grund­la­gen
Ver­an­stal­tung: Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments
Semi­nar­über­schrift: Männ­li­che und weib­li­che Rede von Gott im NT.
Dozent: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner
Tages­se­mi­nar­the­ma: Die Mut­ter­schö­ßig­keit Got­tes: Jes 46,3f
Pro­to­kol­lant: Jonas Schrö­der

Das Reden über und von Gott
Zur Ein­lei­tung in das Semi­nar wur­de der Text von Bult­mann the­ma­ti­siert, wel­cher in der vor­he­ri­gen Woche zu lesen war. Es wur­de erläu­tert, was der Unter­schied zwi­schen „von Gott spre­chen“ und „über Gott spre­chen“ laut Bult­mann bedeu­tet.
Ergeb­nis:

  • Nur wer über sich selbst spricht, weil er/sie von Gott betrof­fen ist, spricht von Gott.
  • Wer eine beob­ach­ten­de Posi­ti­on ein­nimmt, also nicht selbst betrof­fen ist (oder die­ses vor­gibt), der spricht über Gott.
  • Bult­mann behaup­tet wei­ter, dass das Reden über Gott Sün­de sei.

Ute­rus Patris – Got­tes Mut­ter­schö­ßig­keit
Im Text von Mag­da­le­ne F. Frett­löh (Sei­te 247-271), der eben­falls gele­sen wer­den soll­te, wird über die Mut­ter­schö­ßig­keit Got­tes gespro­chen. Nach Frett­löh gibt es eine müt­ter­li­che Sei­te Got­tes, wel­che in der Lage sei, zu gebä­ren. Dabei zitiert sie aus der latei­ni­schen Bibel (Biblia vul­ga­ta), wel­che 382 von (dem Ver­trau­ten des Paps­tes Dama­sus) Hie­ro­ny­mus „nach dem Hebräi­schen“ ins Latei­ni­sche über­setzt wur­de. Hie­ro­ny­mus konn­te jedoch kaum hebrä­isch, wes­halb er ver­mut­lich die grie­chisch spra­chi­ge, von Orige­nes auf­be­rei­te­te Hexa­pla-Aus­ga­be nutz­te, um die Tex­te zu über­set­zen. Die Genau­ig­keit der Tex­te ist also schwer nach­zu­wei­sen.
Aus die­ser Pro­ble­ma­tik ergab sich im Semi­nar eine lang­an­hal­ten­de Dis­kus­si­on. Ange­führt wur­de fol­gen­des Zitat:
„Hört mich, Haus Jakob, und aller Rest des Hau­ses Isra­el, die ihr euch von mei­nem Mut­ter­leib tra­gen lasst, die ihr euch von mei­nem Mut­ter­schoß brin­gen lasst.“ (Jes. 46,3 Vul­ga­ta)

Die Über­set­zung des Tex­tes lässt ver­mu­ten, dass Gott weib­li­che Orga­ne besitzt, wenn er/sie von seinem/ihrem Mut­ter­leib und seinem/ihrem Mut­ter­schoß spricht. Auch das lat. „Ori­gi­nal“ zeigt, dass Gott von sei­nen weib­li­chen Orga­nen spricht:
„audi­te me domus Iacob et omne resi­du­um domus Isra­hel qui port­a­mi­ni a meo ute­ro qui gestami­ni a mea vul­va“
(Jes. 46,3 lat. Vul­ga­ta)

Man kann zumin­dest schon­mal sagen, dass Hie­ro­ny­mus Gott als ein mehr­ge­schlecht­li­ches, oder zumin­dest geschlecht­lich nicht fest­ge­leg­tes Wesen sieht.
Auch Luther scheint die­se Über­set­zung anzu­neh­men und über­setzt die Bibel 1545 fol­gen­der­ma­ßen ins Deut­sche:
„HOret mir zu / jr vom hausse Jacob / vnd alle Vbri­gen vom hau­se Jsra­el / die jr von mir im Lei­be getra­gen wer­det / vnd mir in der Mut­ter ligt“
(Jes. 46,3 Luther 1545 letz­te Hand)

Beacht­lich ist jedoch, dass Luther hier nicht mehr von Orga­nen, son­dern vom Lei­be Got­tes und zum Schluss nicht mehr vom Mut­ter­scho­ße Got­tes, son­dern nur vom „in der Mut­ter“ lie­gen spricht. Die Über­set­zung weist damit nicht mehr ein­deu­tig auf die Mut­ter­schö­ßig­keit Got­tes hin, son­dern umgeht die­se ele­gant. Man kann hier näm­lich sinn­ge­mäß raus­le­sen, dass die Häu­ser Jakob und Isra­el im Lei­be Got­tes getra­gen wer­den und von der Mut­ter gebo­ren wer­den.
Spä­te­re Bibel­über­set­zun­gen zei­gen eine andere/weiter ver­än­der­te Deu­tung des Tex­tes. In der Luther­bi­bel von 1912 steht:
„Höret mir zu, ihr vom Hau­se Jakob und alle übri­gen vom Hau­se Isra­el, die ihr von mir getra­gen wer­det von Mut­ter­lei­be an und von der Mut­ter her auf mir liegt“
(Jes. 46,3 Luther 1912)

Höret auf mich, Haus Jakob und aller Über­rest des Hau­ses Isra­el, die ihr von Mut­ter­lei­be an auf­ge­la­den, von Mut­ter­scho­ße an getra­gen wor­den seid!“
(Jes. 46,3 Elber­fel­der 1905)

In die­sen Über­set­zun­gen wird deut­lich eine ande­re Bedeu­tung des Tex­tes dar­ge­stellt. Die Mut­ter­schö­ßig­keit Got­tes ist hier nicht mehr her­aus­zu­le­sen. Hier lässt sich raus­le­sen, dass Gott die Häu­ser Jakob und Isra­el von Geburt an trägt. Man kann es also so deu­ten, dass Gott sei­ne Her­de von Geburt an schützt und über sie wacht.
Grund­la­ge der Dis­kus­si­on war genau die­ser Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum der Über­set­zun­gen.

Anmer­kung des Pro­to­kol­lan­ten:
Ein span­nen­der Aspekt die­ser Pro­ble­ma­tik, wur­de jedoch außen vor­ge­las­sen. Das jüdi­sche Volk, aus dem die­se Tex­te her­vor­gin­gen und dar­um gro­ßen Ein­fluss auf das Ver­ständ­nis die­ser Tex­te hat­te, erkennt nur Kin­der einer jüdi­schen Mut­ter als jüdi­sches Mit­glied der Gemein­de an. Viel­leicht woll­te der Autor des Tex­tes mit der Mut­ter­schö­ßig­keit Got­tes ledig­lich die Abstam­mung der bei­den Häuser/Familien klar­stel­len und her­vor­he­ben, dass sie von sei­ner Abstammung/seiner Schöp­fung sind. Damit wäre die Dar­stel­lung der Mut­ter­schö­ßig­keit als eine Meta­pher zu inter­pre­tie­ren und nicht als wört­lich gemein­te Mehr­ge­schlecht­lich­keit Got­tes.

Die Text­pas­sa­gen (Jes. 46,1-5) wur­den ergän­zend mit hin­zu­ge­zo­gen, um einem wei­te­ren Aspekt des Tex­tes auf die schli­che zu kom­men. Dort wird beschrie­ben, dass die Göt­ter Bel und Nebo (Göt­ter der Baby­lo­ni­er) auf Vieh davon­ge­tra­gen wer­den und mit dem Vieh ver­en­den und ver­schleppt wer­den. Sie wer­den zer­stört und gera­ten in Gefan­gen­schaft. Gott der Herr aber lässt sich nicht abbil­den und aus Gold gie­ßen, er kann nicht ver­schleppt und nicht gefan­gen­ge­nom­men wer­den, denn er ist gestalt­los und trägt auf die­se Wei­se sein Volk von Geburt an bis ins Grei­sen­al­ter. (So über­setzt es zumin­dest die Elber­fel­der Bibel).

« Vor­le­sungs­an­kün­di­gung Som­mer­se­mes­ter – Wie soll­te man/frau über­set­zen? »

Info:
Mut­ter­schö­ßig­keit Got­tes ist Beitrag Nr. 7497
Autor:
Martin Pöttner am 28. November 2018 um 10:59
Category:
Allgemein
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