Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Vor­le­sungs­an­kün­di­gung Som­mer­se­mes­ter

Eine Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik neu­tes­ta­ment­li­cher Tex­te ist aus theo­lo­gi­scher Per­spek­ti­ve wich­tig, weil inner­halb theo­lo­gi­scher Auf­ga­ben das­je­ni­ge, was am Chris­ten­tum wesent­lich ist, nur bestimmt wer­den kann, wenn „phi­lo­so­phi­sche Theo­lo­gie“ und „exege­ti­sche Theo­lo­gie“ zusam­men­ar­bei­ten. (Schlei­er­ma­cher, Kur­ze Dar­stel­lung des theo­lo­gi­schen Stu­di­ums, 1811ff) Das NT zu ver­ste­hen, ist aber auch kul­tu­rell wesent­lich, denn das Chris­ten­tum hat zusam­men mit Juden­tum und Islam, nicht zuletzt aber auch mit den klas­si­schen und nach­klas­si­schen grie­chi­schen Phi­lo­so­phi­en Euro­pa geprägt, gehört also zu den kul­tu­rel­len Vor­aus­set­zun­gen jeder Euro­pä­erin.
Dass Her­me­neu­tik mit dem nicht selbst­ver­ständ­li­chen Ver­ste­hen frem­der Zei­chen befasst ist, kön­nen wir uns exem­pla­risch an der Ver­wen­dung von διερμηνεύειν (diher­me­neu­ein [vgl. 1Kor 14,5 u. 13]) ver­deut­li­chen. Auch wenn wir andere/s oder uns selbst zu ver­ste­hen ver­su­chen, ist dies stets zei­chen­ver­mit­telt und inter­pre­ta­ti­ons­be­dürf­tig.
Das NT kann nur vor dem Hin­ter­grund des AT ver­stan­den wer­den, weil sich sehr vie­le nt.liche Tex­te auf Tex­te der jüdi­schen Bibel bezie­hen – und die­se vor dem Hin­ter­grund jüdi­scher Ver­fah­ren z. T. kri­tisch fort­schrei­ben. Dies zu ver­ste­hen und zu bewer­ten, ist ein wesent­li­cher Aspekt der Vor­le­sung.
Schon in der grie­chi­schen Anti­ke wur­de deut­lich, dass reli­giö­se Zei­chen bild­lich („iko­nisch“) ver­stan­den wer­den kön­nen. Wie die Bibel expli­zit dar­auf reagiert, soll an Gen 1,26ff ver­deut­licht wer­den. Dort wird zumin­dest in der LXX gesagt, männ­li­che und weib­li­che Geschöp­fe sei­en nach dem Bild Got­tes κατ᾽ εἰκόνα θεοῦ (kat eiko­na theou) geschaf­fen, das die­ser von sich selbst habe; vgl. auch Gen 5,1. Ob und wie das eine Anre­gung für eine biblisch-her­me­neu­ti­sche Bild­auf­fas­sung sein kann, wird dis­ku­tiert – und im Gespräch mit Schlei­er­ma­cher, Peirce, Witt­gen­stein u. a ver­tieft.
Moder­ne Pro­ble­me wer­fen wahr­schein­lich die Natur­wis­sen­schaf­ten auf. Wir ver­deut­li­chen uns das an Rudolf Bult­mann, der die expe­ri­men­tel­le Metho­de akzep­tiert hat. Die Gen­der­pro­ble­ma­tik wird im Gespräch mit Mag­da­le­ne Frett­löh bespro­chen.
Der wesent­li­che Modus der nt.lichen Tex­te ist das mehr­stim­mi­ge Erzäh­len in einem rhe­to­risch gepräg­ten Kon­text. Wie das als Haupt­mo­dus der bild­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on im NT zu ver­ste­hen ist bzw. wer­den kann, soll detail­liert erör­tert wer­den.
Die Vor­le­sung soll dazu bei­tra­gen, sich ein eigen­stän­di­ges Urteil über das Chris­ten­tum zu erar­bei­ten.
Hebräi­sche und grie­chi­sche Tex­te wer­den stets über­setzt und fremd­spra­chi­ge Zei­chen auch in ein­fa­cher Umschrift gebo­ten.
Die Vor­le­sung kann jeweils unter www.alltagundphilosophie.com mit­ver­folgt wer­den, auf cao eine Stun­de Vor­le­sung folgt etwa eine hal­be Stun­de Dis­kus­si­on.
Lit.: A. Agus, Das Juden­tum in sei­ner Ent­ste­hung, 2001 (wich­tig in der Beschrei­bung der Fort­schrei­bung bibli­scher Tex­te); M. Frett­löh, Gott Gewicht geben, 2008ff; M. Pött­ner, Art. Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/47886/ ; I. U. Dal­ferth, Die Kunst des Ver­ste­hens, 2018 (umfas­send zu phi­lo­so­phi­scher, theo­lo­gi­scher Her­me­neu­tik, auch Semio­tik, die s. E. bei der Bio­se­mio­tik ansetzt).

« Das gol­de­ne Kalb Darm­stadt – Mut­ter­schö­ßig­keit Got­tes »

Info:
Vor­le­sungs­an­kün­di­gung Som­mer­se­mes­ter ist Beitrag Nr. 7494
Autor:
Martin Pöttner am 19. November 2018 um 14:40
Category:
Allgemein
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

Keine Kommentare »

No comments yet.

Kommentar-RSS: RSS feed for comments on this post.

Leave a comment