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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Das gol­de­ne Kalb Darm­stadt

Pro­to­koll zur Sit­zung am 30.10.2018
Semi­nar: Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments: Männ­li­che und weib­li­che Rede vom Gott im NT?
The­ma der Sit­zung: Das gol­de­ne Kalb
Pro­to­kol­lan­tin: E. B.

  1. Orga­ni­sa­to­ri­sches

Vor Semi­nar­be­ginn gibt Herr Prof. Dr. Pött­ner bekannt, dass er am 11.12.2018 einen Vor­trag zum The­ma: „Geschlech­ter­kampf“, hält. Die­ser fin­det zur gewohn­ten Semi­nar­zeit statt.
Es gilt zu beach­ten, dass die nächs­ten bei­den Sit­zun­gen aus­fal­len. Bis zum nächs­ten Mal sind fol­gen­de Tex­te zu lesen: Mag­da­le­ne Frett­löh: „Gott Gewicht geben“ & Rudolf Bult­mann: „Glauben+Verstehen“. Die­se befin­den befin­den sich auf Tucan.

  1. Semi­narin­hal­te

Wie­der­ho­lung: Die Seminarteilnehmer/innen bespre­chen sich über das Pro­to­koll und die Inhal­te des Semi­nars der letz­ten Woche. Das Weis­heits­ver­ständ­nis wur­de nur schwer ver­stan­den und wird zu Beginn die­ser Sit­zung noch­mals auf­ge­grif­fen und erläu­tert. Fol­gen­de Fra­ge hat sich erge­ben: Ist die Weis­heit eine gött­li­che, per­so­na­le Figur?
Eine Ant­wort fin­den wir in: Sprü­che 8,22

22 Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang sei­ner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbe­ginn her. 23 Ich bin ein­ge­setzt von Ewig­keit her, im Anfang, ehe die Erde war. 24 Als die Tie­fe noch nicht war, ward ich gebo­ren, als die Quel­len noch nicht waren, die von Was­ser flie­ßen. 25 Ehe denn die Ber­ge ein­ge­senkt waren, vor den Hügeln ward ich gebo­ren, 26 als er die Erde noch nicht gemacht hat­te noch die Flu­ren dar­auf noch die Schol­len des Erd­bo­dens. 27 Als er die Him­mel berei­te­te, war ich da, als er den Kreis zog über der Tie­fe, 28 als er die Wol­ken dro­ben mäch­tig mach­te, als er stark mach­te die Quel­len der Tie­fe, 29 als er dem Meer sei­ne Gren­ze setz­te und den Was­sern, dass sie nicht über­schrei­ten sei­nen Befehl; als er die Grund­fes­ten der Erde leg­te …

Hier fällt auf, dass per­so­nal von Gott bespro­chen wird. In der christ­li­chen Dog­ma­tik ist Gott wei­se (der ero­ti­sche Charme fällt jedoch dabei raus). Durch Geschich­ten wie die der Weis­heit Salo­mos kom­men wir auf den Ent­schluss, dass die Schöp­fung in die Weis­heit ein­ge­senkt wird. Im Juden­tum wird ersicht­lich, dass die Weis­heit eine weib­li­che Figur ist (in der grie­chi­schen Über­set­zung ist die Rede von Sophia). Das was die Chris­ten wie­der­um den Sohn nen­nen ist, eine Reprä­sen­ta­ti­on der Weis­heit (in Johan­nes-Evan­ge­li­um und 1. Korin­ther). Von Gott wird meist nur in männ­li­chen Meta­phern gespro­chen.

In der heu­ti­gen Sit­zung wird das The­ma „Das gol­de­ne Kalb“ (2. Mose 32,1-4) behan­delt.

Nach­dem Mose auf dem Berg Sinai die Zehn Gebo­te erhielt, wird das Volk am Fuß des Ber­ges unru­hig, weil Mose nicht wie­der­zu­kom­men scheint. Die Israe­li­ten for­der­ten dar­auf­hin Aaron, den Ver­tre­ter Moses, einen neu­en Gott zu erstel­len, wel­cher das Volk nun anführ­te. Und so kam es, dass Aaron aus dem getra­ge­nen ägyp­ti­schen Gold­schmuck der Israe­li­ten das gol­de­ne Kalb gießt.
Das Volk nahm die­ses Kalb freu­dig ent­ge­gen und sag­te: „Das sind dei­ne Götter, Isra­el, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben.“ (Ex 32, 4)

Das aus dem Feu­er ent­stan­de­ne Kalb als Inbe­griff von Fruchtbarkeit/Potenz und Kraft war u. a. in Ägypten ein hei­li­ges Tier. In die­sem Fall sym­bo­li­siert es Gott und deren Kraft, wel­cher Isra­el aus Ägyp­ten geführt hat. Von die­sem Gott JHWH ist hier plu­ra­lisch als von Göt­tern die Rede, obwohl sich ein Bild nur auf einen Gott bezie­hen kann (je nach Über­set­zung unter­schied­lich auf­ge­führt!).
Das Volk hält die Abwe­sen­heit von Gott nicht aus und braucht des­halb die­ses Göt­zen­bild, wel­ches ihnen von nun an Halt geben soll. Die Israe­li­ten ver­sto­ßen damit gegen das Bil­der­ver­bot und ver­är­gern den Herrn mit die­ser Kalbs­sta­tue. Er selbst möch­te kei­ne Sym­bo­lik ver­mit­teln und zeigt sich bei­spiels­wei­se in Gene­sis als Feu­er in einem Dorn­busch. Zudem wird nach Gene­sis 1 auf­ge­zeigt, dass die Men­schen nach dem Bil­des Got­tes gemacht sind (nicht umge­kehrt). Die Men­schen exis­tie­ren, weil Gott vie­le mensch­li­che Eigen­schaf­ten hat.

Fra­ge: Doch was war – laut jüdi­scher Auf­fas­sung – das gefähr­li­che dar­an sich ein Bild Got­tes zu machen?

Zum einen schlie­ßen die Seminarteilnehmer/innen auf den mate­ri­el­len Aspekt. Aller­dings geht es bei Deu­te­ro­no­mi­um 4 nicht um die­sen. Viel mehr geht es dar­um, dass Gott in Bewe­gung ist. D. h., man kann Gott nicht an einem Punkt fest­ma­chen, was einen sehr wich­ti­gen Punkt des Bil­der­ver­bo­tes dar­stellt.
Die Seminarteilnehmer/innen erken­nen an die­sem Punkt ein gewal­ti­ges Span­nungs­feld. Denn mit dem Glau­ben an Gott ent­ste­hen auto­ma­tisch indi­vi­du­el­le Bil­der, wel­che an die jewei­li­gen Situa­tio­nen geknüpft sind. Sonst blie­be Gott eine Leer­stel­le und unser Glau­be leb­te wie blind.
Herr Prof. Dr. Pött­ner sagt, es sei auch in Ord­nung dies zu tun, aller­dings darf man die­ses Bild nicht als das Ein­zi­ge und Rich­ti­ge erklä­ren.

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Info:
Das gol­de­ne Kalb Darm­stadt ist Beitrag Nr. 7485
Autor:
Martin Pöttner am 16. November 2018 um 12:40
Category:
Allgemein
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