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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Darm­stadt: weibliche/männliche Rede von Gott

Das The­ma des Semi­nars „weibliche/männliche Rede von Gott“ wird biblisch durch­ge­führt, weil zu unter­stel­len ist, dass dort nicht nur Bei­spie­le sol­chen Redens zu fin­den sind, son­dern auch her­me­neu­ti­sche Regeln, wie die­ses gesche­hen soll bzw. wie es nicht gesche­hen soll. Das Semi­nar fin­det des­halb statt, weil die femi­nis­ti­sche Theo­lo­gie hier bedeu­ten­de Bei­trä­ge geleis­tet hat, wir las­sen uns von Mag­da­le­ne Frett­löh anre­gen. http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/2016/05/28/einfuehrung-in-die-hermenutik-des-neuen-testaments-%c2%a7-5-magdalene-l-frettloeh/

Es ist wohl zu unter­stel­len, dass in der Geschich­te über­wie­gend „männ­lich“ von Gott gere­det wur­de, was ein­schließt, dass auch men­ta­le Bil­der von Gott männ­lich sind, mit­hin Gott irgend­wie „gestalt­mä­ßig“ als Mann vor­ge­stellt wird – etwa als alter Mann mit einem wei­ßen Bart o. Ä. Wenn das kri­ti­siert wird, muss man/frau bibli­sche Grün­de dafür fin­den, war­um das anders sein soll­te. Das führt zu einer sach­kri­ti­schen Lek­tü­re bibli­scher Tex­te selbst, die frei­lich – Bult­mann fol­gend – nur dann gerecht­fer­tigt ist, wenn es in der Bibel selbst schon Grün­de gibt, war­um Gott nicht als Mann oder Frau dar­ge­stellt wer­den soll­te.
Da das Neue Tes­ta­ment eine (z. T. kri­ti­sche) Fort­schrei­bung von Tex­ten der jüdi­schen (grie­chi­schen) Bibel dar­stellt, muss auch ein neu­tes­ta­ment­li­ches Semi­nar zunächst wesent­li­che alt­tes­ta­ment­li­che Tex­te erör­tern, die von die­sen Fra­gen han­deln – und Grund­la­gen auch des neu­tes­ta­ment­li­chen Spre­chens von Gott sind.
Wir began­nen in der ers­ten Sit­zung mit einer ange­reg­ten Bespre­chung von Dtn (5. Mose) 4,1-22, wo das gesam­te Pro­gramm des Deu­te­ro­no­mi­ums ent­fal­tet wird, bis hin zum Tod des Mose und dem acht­sa­men künf­ti­gen Leben der Israelit*innen in Kana­an.
Was uns anreg­te und teil­wei­se auch irri­tier­te, war die Rede von einem Gott, der durch ein Feu­er ver­bor­gen spricht. Die Sze­nen vom Dorn­busch (Ex 3) und den atmo­sphä­ri­schen Begleit­erschei­nun­gen der Gebots­ver­kün­di­gung (Ex 19) wer­den hier her­me­neu­tisch rein­ter­pre­tiert. Das Feu­er ver­birgt Got­tes Gestalt:


15Achtet sorg­fäl­tig auf euch selbst! Schließ­lich habt ihr an dem Tag, als Ado­naj, Gott für euch, am Hor­eb aus der Mit­te des Feu­ers rede­te, kei­ne Gestalt gese­hen! 16Richtet euch nicht selbst zugrun­de, indem ihr euch irgend­ein Idol in Gestalt eines Göt­zen­bil­des baut, sei es in männ­li­cher oder weib­li­cher Gestalt, 17oder mit dem Aus­se­hen eines Rin­des auf dem Acker, oder eines gefie­der­ten Vogels, der am Him­mel fliegt, 18oder mit dem Aus­se­hen irgend­ei­nes am Boden krie­chen­den Tie­res oder irgend­ei­nes Fisches, der im Was­ser unter der Erde ist. 19Erhebe dei­nen Blick nicht gen Him­mel, damit du nicht die Son­ne, den Mond und die Ster­ne und das gesam­te Him­mels­heer ansiehst, auf Abwe­ge gerätst, sie anbe­test und ihnen dienst. Ado­naj, dei­ne Gott­heit, hat sie all den ande­ren Völ­kern unter dem Him­mel zuge­teilt. (BgS, zur Stel­le)


Die Bibel in gerech­ter Spra­che über­setzt an den Stel­len, an denen der Name Got­tes יְהוָ֥ה (JHWH) steht, Ado­naj, wie hebrä­isch spre­chen­de Juden* die­sen Namen über­wie­gend aus­spra­chen, mein Herr. So wird im hebräi­schen Text das soge­nann­te Tetra­gramm spä­tes­tens seit dem 8. Jhdt. d. Z. nach ado­naj voka­li­siert, schon die LXX über­setzt an die­sen Stel­len mit κύριος (kyri­os), Herr. Dass die­se Voka­li­sie­rung bis heu­te von Men­schen, die kein Hebrä­isch kön­nen, will­kür­lich als „Jeho­va“ gele­sen wird (z. B. Elber­fel­der Über­set­zung), muss uns nicht wei­ter irri­tie­ren.
In Dtn 4 wird unter­stellt, dass das Gewit­ter o. Ä. am Sinai die Gestalt Got­tes ver­ber­gen soll­te. Die Irri­ta­ti­on bestand nicht zuletzt dar­in, dass wohl kaum jemand Gott gestalt­los ver­steht, wie ja auch Kin­der Gott malen. Frett­löh benutzt für Gott wech­selnd „SIE“ und „ER“ als Pro­no­mi­na, weil sie auch in der wis­sen­schaft­li­chen Spra­che ver­mei­den will, „irgend­ein Idol in Gestalt eines Göt­zen­bil­des“ zu bau­en, „sei es in männ­li­cher oder weib­li­cher Gestalt“ (Dtn 4,16). Wir bespra­chen die je eige­ne Pra­xis im Umgang mit Gen­der­spra­chen bzw. -zei­chen.
Selbst Spre­chen­de im Radio rufen bei uns gestalt­ge­stütz­te men­ta­le Bil­der einer Spre­che­rin oder eines Spre­chers her­vor. Das schien Kon­sens unter den Teilnehmer*innen zu sein. Also ver­langt Dtn 4 etwas Unmög­li­ches von den Israelit*tinnen? Wir bespra­chen das anhand von Kon­flik­ten im Chris­ten­tum, Iko­nen­ver­eh­rung, Reli­qui­en­ver­eh­rung, Bil­der­sturm – oder den Kreu­zer­lass Mar­kus Söders.
Dar­aus ergab sich ein ers­ter Ver­such. Unse­re Bezeich­nun­gen Got­tes sei­en sym­bo­lisch, was u. a. besa­gen soll­te, dass dar­in unver­meid­ba­re Gestalt­un­ter­stel­lun­gen nicht als in Gott selbst befind­lich sei­end behaup­tet wür­den.
Denn auch Frett­löh betont, dass die Lebens­welt von Frau­en und Män­nern Aus­gangs­punkt von Got­tes­be­zeich­nun­gen sein müs­se. Gleich­zei­tig macht sie stark, dass wir selbst nur dann Gott bezeich­nen kön­nen, wenn Gott uns zuvor ange­re­det hat, was ja auch ein Sinn von Dtn 4 sein dürf­te.

Eine Teil­neh­me­rin schlug vor, das Feu­er als Mög­lich­keit der Dyna­mi­sie­rung des Got­tes­bil­des zu ver­ste­hen. Das ist eine inter­es­san­te Idee.

 

Semi­nar­plan


23.10.: Got­tes­bild­lich­keit und Bil­der­ver­bot: Gen 1,26-31 und Ex 20,1-6
30.10.: Das gol­de­ne Kalb: Ex 32,1-14
20.11.: Die Mut­ter­schö­ßig­keit Got­tes: Jes 46,3f
27.11.: Das Vater­bild im Neu­en Tes­ta­ment: Mt 6,9ff
04.12.: Ein Lie­bes­bild: Joh 1,18
11.12.: Müt­ter­lich­keit Got­tes: Joh 1,13f
18.12.: In-Chris­tus-Sein: Gal 3,26-29
08.01.: Got­tes Müt­ter: Mk 10,28-30
15.01.: Logos, Wort und Weis­heit: Joh 1,1-3
22.01.: Haar­tracht: 1Kor 11,3ff
29.01.: Streit­ge­spräch­ge­win­ne­rin: Mk 7,24ff
04.02.: Super­schü­le­rin: Joh 20,1ff

In der Zeit vom 01.11 bis 20.11. ist Zeit, Frett­löh, 247-271, zu lesen, eben­so Bult­mann, Wel­chen Sinn hat es von Gott zu reden?, im MIZ.

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Info:
Darm­stadt: weibliche/männliche Rede von Gott ist Beitrag Nr. 7354
Autor:
Martin Pöttner am 18. Oktober 2018 um 12:53
Category:
Theologie des Neuen Testaments
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