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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


17. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis – EfG Gries­heim

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14Als die vier zu den ande­ren Schüler*innen kamen, sahen sie viel Volk um sie her­um und Schrift­ge­lehr­te, die mit ihnen dis­ku­tier­ten. 15Sobald die Leu­te Jesus erblick­ten, geriet das gan­ze Volk in ehr­fürch­ti­ges Stau­nen. Alle lie­fen her­bei und begrüß­ten ihn. 16Er frag­te sie: »Wor­über dis­ku­tiert ihr mit mei­nen Ver­trau­ten?« 17Einer aus dem Volk ant­wor­te­te Jesus: »Leh­rer, ich habe mei­nen Sohn zu dir gebracht. Er hat einen Geist in sich, der ihn sprach­los macht. 18Wo immer er ihn packt, wirft er ihn zu Boden. Mein Sohn hat dann Schaum vor dem Mund, knirscht mit den Zäh­nen und wird starr. Ich habe dei­ne Schüler*innen gebe­ten, sie möch­ten ihn von dem krank machen­den Geist befrei­en, doch sie hat­ten nicht die Kraft.« 19Jesus ent­geg­ne­te ihnen: »Oh, ihr Mit­men­schen ohne Ver­trau­en, wie lan­ge wer­de ich bei euch sein? Wie lan­ge wer­de ich euch ertra­gen? Bringt den Jun­gen zu mir!«
20Sie brach­ten den Jun­gen zu ihm. Als der Jun­ge Jesus sah, riss der Geist ihn sofort hin und her. Er fiel auf die Erde, wälz­te sich und hat­te Schaum vor dem Mund. 21Jesus frag­te den Vater: »Wie lan­ge lei­det er schon dar­an?« Der Vater sag­te: »Von klein auf; 22schon oft hat der Geist mein Kind ins Feu­er oder ins Was­ser gewor­fen, um es zu töten. Wenn du die Macht hast, hilf uns und hab mit uns Erbar­men!« 23Jesus ent­geg­ne­te ihm: »Was heißt: wenn du die Macht hast? Alles ist mög­lich für die­je­ni­gen, die ver­trau­en!« 24Da schrie der Vater des Kin­des auf und sag­te: »Ich ver­traue, hilf mei­nem Man­gel an Ver­trau­en.« 25Als Jesus sah, dass das Volk zusam­men­lief, bedroh­te er den unrei­nen Geist und sag­te zu ihm: »Du sprach­los und taub machen­der Geist, ich gebie­te dir, lass den Jun­gen frei und belas­te ihn nie wie­der!« 26Da schrie der Geist auf, schüt­tel­te den Jun­gen hef­tig und gab ihn frei. Der Jun­ge lag wie tot da, sodass die Men­ge sag­te: »Er ist gestor­ben.« 27Jesus nahm sei­ne Hand, ließ ihn auf­ste­hen, und er stand aus sei­ner Krank­heit auf.
28Nachdem er in ein Haus hin­ein­ge­gan­gen war, frag­ten ihn sei­ne Schüler*innen, als sie allein waren: »Wie kommt es, dass wir ihn nicht von dem Geist befrei­en konn­ten?« 29Er ant­wor­te­te: »Von die­ser Dämo­nen­art kön­nen Men­schen nur durch das Gebet befreit wer­den.« (Vgl. BgS, zur Stel­le)

Lie­be Gemein­de,

zum 17. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis ein Text, der von der Tie­fe des Glau­bens bzw. Ver­trau­ens erzählt. Vier Schü­ler*innen ist die Aus­trei­bung nicht geglückt, daher bit­tet der Vater Jesus:
»Wenn du die Macht hast – hilf uns und hab mit uns Erbar­men.« 23Jesus ent­geg­ne­te ihm: »Was heißt: >Wenn du die Macht hast<?“

Die Schüler*innen fra­gen, war­um es ihnen nicht gelun­gen sei. Jesus weist dar­auf­hin, dass sol­che Geis­ter durch Gebet aus­füh­ren. Wer hat also gebe­tet? Jesus nicht, es wird jeden­falls nichts davon erzählt. Jesus hat dem Vater mit­ge­teilt, dass es nicht um sei­ne, um Jesu, Macht gehe, son­dern um das­je­ni­ge, was jemand errei­chen kön­ne, der ver­traut. Gemeint ist, dass er oder sie auf Gott ver­traut. Schlicht alles sei einem Men­schen mög­lich, der auf Gott ver­traue. Der Vater spürt das Unge­heu­re die­ser Aus­sa­ge und bit­tet Jesus schrei­end um Hil­fe, sein man­geln­des Ver­trau­en zu ver­bes­sern bzw. die­sem auf­zu­hel­fen. Der Schrei des Vaters ist ein Bitt­ge­bet. Und so ver­traut der Vater – und der Geist beginnt sei­nen Sohn zu ver­las­sen. Eine anti­ke Wun­der­sto­ry, ein Mythos, wie in der anti­ken Rhe­to­rik gesagt wird, eine Erzäh­lung von Gött*innen oder Hero*innen, hel­den­haf­ten Men­schen, wie sie auch bei Grie­chen und Römern hät­te erzählt wer­den kön­nen – und in einer Schrift über die soge­nann­te „Hei­li­ge Krank­heit“ in der Hip­po­kra­ti­schen Samm­lung aus anti­ker medi­zi­ni­scher Sicht wur­den der­ar­ti­ge Sto­rys kri­ti­siert. Einer der Irr­tü­mer in der Aus­le­gung der Bibel besteht dar­in, dass erst mit der Auf­klä­rung seit dem 17. Jahr­hun­dert Sto­rys die­ser Art infra­ge gestellt wur­den, das ist spä­tes­tens seit dem vier­ten Jahr­hun­dert v. d. Z. der Fall – und die Bibel beginnt min­des­tens seit der Über­set­zung ins Grie­chi­sche damit, sol­che mythi­schen Erzäh­lun­gen als bild­lich zu ver­ste­hen. Was bringt das? Die anti­ke Medi­zin ver­stand sich als Kunst­leh­re, man wen­de­te bekann­te Regeln an, konn­te aber nicht garan­tie­ren, dass die­se im Ein­zel­fall auch wirk­sam waren. Daher gehör­te die Eigen­ak­ti­vi­tät der Patient*innen mit zum Hei­lungs­pro­zess – und das ist auch heu­te unter den Beson­ne­nen in der aktu­el­len Medi­zin der Fall. Eine reli­giö­se bild­li­che Erzäh­lung, wel­che die Kraft bzw. Macht des Ver­trau­ens auf Gott zum The­ma hat, ist daher nicht ein­fach unter­ge­gan­gen. Wir erle­ben ähn­li­che Erzäh­lun­gen in Seri­en­pro­duk­ten im Fern­se­hen, etwa in den „Berg­ret­tern“ bzw. im „Berg­dok­tor“ im ZDF. Die Pro­fes­sio­nel­len haben die Aura von Hero*innen. Sie machen natür­lich wis­sen­schaft­lich alles kor­rekt. Aber sie ach­ten auf die Bezie­hung zu den Patient*innen, gera­de bei schein­bar aus­sichts­lo­sen Fäl­len. Oft spielt weni­ger Reli­gi­on als Ero­tik oder Fami­li­en­be­zie­hun­gen eine die Patient*innen moti­vie­ren­de Rol­le. Die­ses Moti­va­ti­ons­mo­tiv ist in unse­rer Erzäh­lung aus­schlag­ge­bend. Denn: Wer auf Gott ver­traut, dem ist alles mög­lich! Das setzt vor­aus, dass es ver­schie­de­ne Auf­fas­sun­gen über Gesun­dun­gen geben kann, die eher agnos­ti­sche Medi­zi­ne­rin, die von „Spon­tan­hei­lung“ spricht. Eine Glau­ben­de aber wird eher beto­nen, dass sie den Gesund­heits­fort­schritt ihrem Ver­trau­en auf Gott bzw. ihrem Glau­ben an Gott ver­dan­ke. Das wider­spricht sich auch nicht. Die Glau­ben­den haben schon in der Anti­ke ver­stan­den, dass man/frau reli­gi­ös nicht „wis­sen­schaft­lich“ über Hei­lung spre­chen soll­te, son­dern bild­lich. Und unse­re Erzäh­lung spricht vom Ein­fluss des stell­ver­tre­ten­den ver­trau­en­den Gebe­tes eines Vaters auf die Gesun­dung sei­nes Soh­nes. Was ist gemeint? Wenn wir selbst oder Fami­li­en­glie­der, auch ande­re Gemein­de­glie­der erkran­ken, ist Depres­si­on nicht hilf­reich. Der Vater ist ver­zwei­felt – und erhofft die Hei­lung sei­nes Sohns von einem Wun­der­tä­ter. Die­ser spricht zu ihm: »Was heißt: >Wenn du die Macht hast<? Alles ist mög­lich für die­je­ni­gen, die ver­trau­en!«
Der Vater ver­fällt nicht in Depres­si­on, son­dern bit­tet um Hil­fe wegen sei­nes man­geln­den Ver­trau­ens.
Das scheint mir selbst auch das Haupt­pro­blem zu sein. https://www.mdr.de/religion/religion/thema-der-woche102.htmlhttps://www.mdr.de/religion/religion/thema-der-woche102.html
Es gibt empi­ri­sche Stu­di­en, die zu bele­gen schei­nen, dass Ver­trau­en auf oder Glau­be an Gott die medi­zi­ni­schen Hei­lungs­chan­cen zu ver­bes­sern schei­nen. Wie immer es damit ste­hen mag, unse­re Erzäh­lung scheint auf etwas zu ver­wei­sen, von dem ich eher nicht glau­be, dass es in sol­chen Stu­di­en erfragt wird.
Wie kommt es zu die­sem Ver­trau­en, dass alles mög­lich ist bzw. wird? Nach mei­ner Erfah­rung am ehes­ten so, dass man alles tut, was einem selbst als mög­lich erscheint. Ruhig, gelas­sen und nicht hek­tisch tun, was einem selbst als mög­lich erscheint. Mir selbst ist es gele­gent­lich so gegan­gen, dass ich ängst­lich und sor­gen­voll auf bestimm­te Ent­wick­lun­gen gestarrt habe – und sich dies dann als nega­tiv her­aus­ge­stellt hat. Der Vater nimmt Hil­fe an und hat dann die Ruhe, stell­ver­tre­tend für sei­nen Sohn ange­foch­ten zu ver­trau­en. Sein Sohn wird geheilt.
Unser Ver­trau­en auf Gott kann ange­foch­ten sein wie das­je­ni­ge des Vaters. Er schreit ja. Das soll uns nicht ent­mu­ti­gen, son­dern ermu­ti­gen. Näm­lich ermu­ti­gen, gelas­sen zu wer­den. Denn das alles mög­lich wird, braucht manch­mal Geduld.

Mit dem Vater rufen wir:

»Ich ver­traue, hilf mei­nem Man­gel an Ver­trau­en.«

Amen

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Info:
17. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis – EfG Gries­heim ist Beitrag Nr. 7345
Autor:
Martin Pöttner am 24. September 2018 um 14:06
Category:
Religiöse Rede
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