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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


13. September 2018

Über­le­gun­gen zur Wider­spruchs­lö­sung


Da es die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin seit eini­ger Zeit gibt, ist es mög­lich, für Herz-, Nie­ren-, Leber-Patient*innen u. a. lebens­ver­län­gern­de Organ­trans­plan­ta­tio­nen durch­zu­füh­ren. Die Hirn­todthe­se ermög­licht es, inten­siv­me­di­zi­nisch „fri­sche“ Orga­ne zu ent­neh­men, weil der Ver­fall der Orga­ne auf­ge­hal­ten wer­den kann. Der gewöhn­li­che Ster­be­pro­zess wird mit­hin inten­siv­me­di­zi­nisch unter­bro­chen. Zugleich kön­nen Ängs­te ent­kräf­tet wer­den, dass man/frau bei leben­di­gem Leib aus­ge­wei­det wer­den könn­te, denn das Ner­ven­sys­tem ist nicht mehr exis­tent. Zwei Ärzt*innen müs­sen den Zustand des Hirn­tods unab­hän­gig von­ein­an­der fest­stel­len.
Der Gesund­heits­mi­nis­ter @jensspahn hat nun die Wider­spruchs­lö­sung zur Dis­kus­si­on gestellt, für die z. B. @Karl_Lauterbach schon län­ger ein­tritt. „Wider­spruchs­lö­sung“ besagt, dass ein Mensch expli­zit erklä­ren muss, dass sie/er nicht zu einer Organ­spen­de bereit sei. Liegt die­se Erklä­rung nicht vor, wird bei den Ange­hö­ri­gen nach­ge­fragt, wel­che Hal­tung die betref­fen­de Per­son zu die­ser Fra­ge ein­ge­nom­men habe. (more…)

8. September 2018

Die Mut­ter aller Pro­ble­me

SZ-Foto

Dass die Migration(sfrage) die Mut­ter aller Pro­ble­me sein soll, ist von #Mut­ti sach­lich zurück­ge­wie­sen wor­den. Es han­de­le sich um Her­aus­for­de­run­gen, neben Pro­ble­men gebe es auch Erfol­ge. Man muss #See­ho­fer frei­lich Respekt zol­len, er befin­det sich auf gutem Weg ein gro­ßer Twit­te­rer vor dem Herrn wie @realDonaldTrump zu wer­den. Logisch ist die­ser Sinn­spruch nicht, weil der All­quan­tor empi­risch nicht zu kon­trol­lie­ren ist. Empi­risch hat die Kanz­le­rin das Nöti­ge gesagt. Immer­hin lässt sich der Sinn­spruch als Über­trei­bung ver­ste­hen.
Ent­schei­den­der ist der Ges­tus des kol­por­tier­ten See­ho­fer­schen Sinn­spruchs. Für alle Pro­ble­me ist #Mut­ti mit ihrer Fehl­ent­schei­dung von 2015 ver­ant­wort­lich. Mer­kel muss weg, nur lei­der war das recht­lich o. k., wie der EuGH bestä­tigt hat. Also kämpft die CSU zusam­men mit ande­ren Kräf­ten dar­um, die­sen Feh­ler wie­der gut zu machen.
Dass tat­säch­lich Migrant*innen an der Tötung eines Deutsch-Kuba­ners in #Chem­nitz betei­ligt waren, ist der rea­le Hin­ter­grund. Aber das bei AfDC­SU belieb­te Argu­ment, dass das auf #Mut­ti zurück­ge­he, ist unhalt­bar. Sicher lässt sich ver­tei­di­gen, dass ohne #Mer­kel die­se wohl nicht dage­we­sen wären, schon die unter­blie­be­ne Abschie­bung eines Ver­däch­ti­gen nach Bul­ga­ri­en geht auf ande­re Betei­lig­te zurück. Und für das­je­ni­ge, was ein Mensch tut, ist die Kanz­le­rin nicht ver­ant­wort­lich zu machen.
Daher liegt hier eine unzu­läs­si­ge Ver­all­ge­mei­ne­rung vor. Weder töten Migrant*innen mehr als Deut­sche noch ver­ge­wal­ti­gen sie häu­fi­ger. Lei­der sind nicht alle vor­bild­li­che Men­schen – wie eini­ge Deut­sche auch nicht. Das ent­täuscht sicher­lich eini­ge Men­schen. Aber war das anders zu erwar­ten?
Die ver­all­ge­mei­nern­de Skan­da­li­sie­rung der Taten von Frei­burg, Kan­del und Chem­nitz geht daher in eine fal­sche Rich­tung. Es geht statt­des­sen um ruhi­ge und rea­lis­ti­sche Wahr­neh­mung.
Logisch und empi­risch ist See­ho­fers Sinn­spruch nicht gehalt­voll. Rhe­to­risch immer­hin ein Ver­such. Es geht aber um die prag­ma­ti­sche Poin­te. Die­se liegt in der Bestim­mung der Bedeu­tung des The­mas. Nach einer EMNID-Umfra­ge ist die Flücht­lings­fra­ge nicht mehr pro­mi­nent. Das soll für den Wahl­kampf wie­der anders wer­den. Ob das der CSU nützt – oder doch der AfD? Soll­te das Letz­te­re der Fall sein, hat sich das Pro­blem #See­ho­fer mut­maß­lich erle­digt.
Es ist viel­leicht kein Zufall, dass die Sicht der Kanz­le­rin auch vom säch­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten und vom Ver­fas­sungs­schutz-Prä­si­den­ten ange­grif­fen wird. In ihrem RTL-Som­mer­inter­view weist sie dar­auf hin, dass die Ver­fol­gung von Men­schen bei #Chem­nitz doku­men­tiert sei. Es ist daher m. E. not­wen­dig, dass die Sozialdemokrat*innen hier wach­sam tätig sind. Ob die CSU über­haupt noch regie­rungs­fä­hig oder auch -wil­lig ist, scheint eine offe­ne Fra­ge zu sein.

5. September 2018

Rechts­po­pu­lis­mus? Zur Kri­tik eines in den Medi­en belieb­ten Begriffs

 

Der Begriff wird z. B. auch von seriö­sen Poli­tik­wis­sen­schaft­ler*innen wie @ulrikeguerot über­nom­men, frei­lich wohl nicht ganz über­zeugt. Ich ver­su­che die Gene­se des Begriffs in den letz­ten 30 Jah­ren zu erfas­sen. Der „Populismus“-Begriff ist in jün­ge­rer Zeit im Kon­text der neo­li­be­ra­len Refor­men ent­stan­den bzw. auf­ge­nom­men wor­den, als neo­li­be­ra­le Auf­fas­sun­gen im Sin­ne von Hay­eks für vie­le gesell­schaft­li­che Berei­che als nor­ma­tiv gal­ten bzw. gel­ten soll­ten – und nicht nur als eine Auf­fas­sung zur Opti­mie­rung des Wirt­schafts­sys­tems, etwa im Unter­schied zu keyne­sia­ni­schen Ide­en. Kri­ti­ker*innen der Refor­men wie Oskar Lafon­tai­ne wur­den als „Popu­lis­ten“ bezeich­net, weil sie den neo­li­be­ra­len Rah­men nicht als „ver­nünf­tig“ ansa­hen – und eher (links)keynesianische Model­le etwa in der Fra­ge der Ren­ten­po­li­tik emp­fah­len. „Popu­lis­mus“ soll­te besa­gen, es wird nur ein Teil der Bevöl­ke­rung berück­sich­tigt, aber für das gesam­te Sys­tem sei die neo­li­be­ra­le Sicht­wei­se ver­nünf­tig bzw. ange­mes­sen. Die neo­li­be­ra­le Argu­men­ta­ti­ons­wei­se ist häu­fig ethisch mit einer uti­li­ta­ris­ti­schen Sicht­wei­se ver­bun­den. Lafon­tai­nes Kri­tik dage­gen sei „linkspopu­lis­tisch“. Inzwi­schen ist die Dis­kus­si­on z. B. wg. der „Alters­ar­mut“ wie­der offe­ner gewor­den. So sind ca. 75 % der Bürger*innen zudem nach einer FOR­SA-Umfra­ge davon über­zeugt, dass ein „star­ker Staat“ uner­läss­lich sei, was sowohl sozi­al als auch öko­no­misch gel­ten soll. https://www.abendblatt.de/politik/article208116845/Fast-drei-Viertel-der-Deutschen-fuer-starken-Staat.html

M. E. ist die Ver­wen­dung des Aus­drucks „Rechtspopu­lis­mus“ ähn­lich zu beschrei­ben. Hier spielt die Inter­pre­ta­ti­on des Slo­gans „Wir sind das Volk!“ der Bür­ger­rechts­be­we­gung in der DDR eine bedeu­ten­de Rol­le. Ursprüng­lich bezeich­ne­ten die Bürgerrechtler*innen damit den Sach­ver­halt, dass die DDR-Ver­fas­sung alle Bür­ger­rech­te ent­hielt, die­se aber durch die dik­ta­to­ri­sche Pra­xis der Bevöl­ke­rung nicht gewährt wur­den – was zum fried­li­chen und gewalt­lo­sen Wider­stand gegen SED und Staats­si­cher­heit berech­tig­te. Doch es gab wohl früh schon natio­na­lis­ti­sche Inter­pre­ta­tio­nen die­ses Slo­gans: „Wir sind die Ver­tre­ter des (deut­schen) Vol­kes!“, wie man para­phra­sie­ren könn­te. Dar­auf bezie­hen sich PEGI­DA und AfD. Nun ist es so, dass die AfD zur­zeit am ehes­ten 20 % der Bevöl­ke­rung reprä­sen­tiert, also nicht „das Volk“. Wie das „ZDF-Som­mer-Inter­view“ von Tho­mas Wal­de mit Alex­an­der Gau­land zeigt, ist das der AfD-Füh­rung bewusst. So kann sie hin­rei­chend Unord­nung schaf­fen, ein schar­fer Oppo­si­ti­ons­kurs erscheint ihr aus­rei­chend und legi­tim. Das Schau­spiel der Kri­tik des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters Horst See­ho­fer an der Bun­des­kanz­le­rin und die zeit­wei­se Läh­mung des Regie­rungs­ap­pa­ra­tes ist ein Zei­chen dafür, dass die­se Stra­te­gie funk­tio­niert. Ob es zu einer rela­ti­ven Inte­gra­ti­on von AfD-The­sen kommt, ist noch nicht abseh­bar, scheint aber wahr­schein­lich. Denn die ande­ren Par­tei­en möch­ten ihre Wähler*innen zurück, das ist nicht nur bei CDSU der Fall, son­dern auch bei SPD und „Auf­ste­hen“. Man/frau kann nur hof­fen, dass dabei die Huma­ni­tät und der Art. 1 GG beach­tet wer­den. Jeden­falls ist klar gewor­den, dass die Furcht vor frem­den Men­schen doch ein wesent­li­ches Ele­ment in vie­len Bevöl­ke­rungs­grup­pen ist. Die erstaun­li­che Erfolg­lo­sig­keit der auf­klä­re­ri­schen Beschrei­bung des Islam zeigt m. E. die star­ke Domi­nanz von Emo­tio­nen bzw. antik Lei­den­schaf­ten wie Furcht bzw. Angst bei der Erör­te­rung die­ser Fra­ge. Was kann also die phi­lo­lo­gisch und reli­gi­ons­ge­schicht­lich auf­schluss­rei­che Arbeit der Ber­li­ner Ara­bi­stin #Ange­li­ka­Neu­wirth gegen den bil­dungs­fer­nen Zynis­mus des frü­he­ren Ber­li­ner Finanz­se­na­tors und rech­ten Sozi­al­de­mo­kra­ten #Thi­loS­ar­ra­zin aus­rich­ten?
M. E. erscheint es daher emp­feh­lens­wert, anstel­le der schein­bar über­le­ge­nen Pole­mik gegen „Rechts­po­pu­lis­mus“ eher auf die zum Aus­gleich ten­die­ren­den poli­ti­schen Pro­zes­se zu ach­ten – und dabei zu ver­su­chen, Huma­ni­tät und die Wür­de aller Men­schen zu bewah­ren. Es ist ethisch genau­so gut, Men­schen in ihren Hei­mat­län­dern zu hel­fen wie hier. Ver­zicht auf schein­bar über­le­ge­ne Pole­mik gegen „Rechts­po­pu­lis­mus“ ist auch des­halb emp­feh­lens­wert, weil sich häu­fi­ger zeigt, dass die Idea­li­sie­rung von Grup­pen wie „Flücht­lin­gen“ nicht ent­täu­schungs­fest ist, was zuletzt in #Chem­nitz wie­der deut­lich wur­de.