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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Auf Twit­ter fried­lich mit ande­ren Men­schen kom­mu­ni­zie­ren

 

Wir erle­ben mit der mög­lich gewor­de­nen digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on die tech­nisch mög­lich gewor­de­ne Erfül­lung der Träu­me von Imma­nu­el Kant, Charles Peirce und Jür­gen Haber­mas, näm­lich dass poten­zi­ell sehr vie­le Men­schen fried­lich mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. Es gibt noch Gren­zen, z. B. muss das Inter­net mit rela­tiv hoher Geschwin­dig­keit ver­füg­bar sein.
Anstatt dass sich nun ein inter­es­sier­ter uni­ver­sa­ler Dis­kurs ent­fal­tet, zei­gen eini­ge sozia­le Medi­en jeden­falls auch gegen­tei­li­ge Ent­wick­lun­gen wie Hass­kom­mu­ni­ka­ti­on z. B. auch auf Twit­ter. Es gibt gedan­ken­rei­che wis­sen­schaft­li­che Erklä­run­gen psy­cho­lo­gi­scher und/oder bio­lo­gi­scher Art, wie sie Micha­el Blu­me auf scilogs.spektrum.de vor­ge­stellt hat – und die bequem über sei­nen Twit­ter-Account @BlumeEvolution erreich­bar sind.


@SeinU_NichtSein (Imma­nu­el Schee­rer) ist her­vor­ra­gend enga­giert und ver­sucht gedul­dig die z. T. sophis­ti­schen Fehl­schlüs­se man­cher Dis­ku­tie­ren­der* auf­zu­de­cken. Eben­so ist er ein Meis­ter dar­in, auf die fal­schen Ver­wen­dun­gen von All­aus­sa­gen zu kri­ti­sie­ren, von denen seit dem letz­ten Drit­tel des 19. Jhdts. bekannt ist (Peirce), dass nur die*jeni­ge sie berech­tigt ver­wen­den darf, wenn sie alle Ein­zel­fäl­le unter­sucht hat, z. B. „alle Mus­lim*innen“ u. Ä. Das Inter­es­san­te ist nun, dass sol­che Erläu­te­run­gen eini­gen Men­schen nicht hilft, sie schei­nen an ihnen vor­bei­zu­ge­hen, so z. B. an mei­ner Fol­lo­werin @KosmosOadia. Man/frau ver­fällt in ein dua­lis­ti­sches Mus­ter, bei dem man/frau eine Behaup­tung oder ein Ensem­ble von Behaup­tun­gen ver­tritt, die in kon­tra­dik­to­ri­schem Wider­spruch zu Behaup­tun­gen von ande­ren Diskursteilnehmehmer*innen zu ste­hen schei­nen. Lässt sich kei­ne argu­men­ta­ti­ve Lösung fin­den, ent­steht nicht sel­ten ein iden­ti­täts­zen­trier­ter Gegen­satz, bei dem die Dis­ku­tie­ren­den ver­schie­de­nen Grup­pen zuge­rech­net wer­den, ich z. B. der­je­ni­gen der „Gut­men­schen“, die mit ande­ren ver­fein­det scheint – und eben naiv ist, nicht wahr­ha­ben will, was z. B. „die (= alle) Mus­li­me“ wol­len. Die Erklä­run­gen von Sascha Hölig auf meedia.de schei­nen eher hob­byp­sy­cho­lo­gisch ori­en­tiert zu sein, männ­lich, selbst­ver­liebt usf., trifft z. B. nicht auf @fraeulein_tessa zu, sicher aber auf @realDonaldTrump. Vor allem sagt Hölig nichts zu den argu­men­ta­ti­ven Desas­tern auf Twit­ter. Dazu hat aber @BlumeEvolution etwas zu sagen. Wenn die iden­ti­täts­zen­trier­ten kon­tra­dik­to­ri­schen dua­lis­ti­schen Mus­ter ent­ste­hen, wird das nicht sel­ten mit #Ver­schwö­rungs­my­then ver­sucht zu erläu­tern, die z. T. auch anti­se­mi­ti­sche Aspek­te ent­hal­ten.

M. E. ist der Twit­ter-Dis­kurs am bes­ten ethisch anzu­ge­hen. Wer wie ich über Fuß­ball, Reli­gi­on und Poli­tik dis­ku­tie­ren möch­te, soll­te zunächst sei­ne Gesprächspartner*innen ernst neh­men und ver­su­chen, von ihnen etwas zu ler­nen. Das gelingt mir lei­der auch nicht immer – ich ver­su­che, das zu ver­bes­sern. Man kann ver­su­chen, das stam­mes­ge­schicht­lich zu erklä­ren, wie es Micha­el Blu­me tut. M. E. ist das nicht von der Hand zu wei­sen. Ähn­lich wie Niklas Luh­mann argu­men­tiert er bio­lo­gisch. In der Tat ten­diert die Sprach­ver­wen­dung – anders als Haber­mas mein­te – nicht von sich aus zum Ein­ver­ständ­nis, weil prag­ma­ti­sche Uni­ver­sa­li­en das vor­gä­ben. Was wir aber errei­chen könn­ten, ist die ruhi­ge Aner­ken­nung von wei­ter zu erör­tern­den Dif­fe­ren­zen, die mög­lichst wenig kon­tra­dik­to­risch auf­ge­la­den wer­den. Das ist m. E. eine ethi­sche Fra­ge.

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Auf Twit­ter fried­lich mit ande­ren Men­schen kom­mu­ni­zie­ren ist Beitrag Nr. 7290
Autor:
Martin Pöttner am 24. August 2018 um 10:37
Category:
Alltagsphilosophische Kolumne
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