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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Bibel­kun­de Hei­del­berg

 

Das Hohe­lied Salo­mos

 

 

Auch das „Lied der Lie­der“ (שִׁיר הַשִּׁירִים, šîr haššîrîm) wird dem König Salo­mo zuge­schrie­ben, da Salo­mo oder zumin­dest ein König an ver­schie­de­nen Stel­len genannt wird (1,4; 8,11). Es gehört eben­falls zu den fünf Megil­lot (Fest­rol­len) und wur­de dem Pas­safest zuge­ord­net, weil sich im Aus­zug aus Ägyp­ten, an den zu Pas­sa erin­nert wird, die Lie­be Got­tes zu sei­nem Volk in beson­de­rer Wei­se gezeigt hat.

 

 

Mystische/erotische Inter­pre­ta­ti­on

Die Zuge­hö­rig­keit des Buches zum Kanon war lan­ge umstrit­ten, es wur­de aber auf­ge­nom­men, weil man die beschrie­be­ne Lie­be zwi­schen Mann und Frau meta­pho­risch-nar­ra­tiv auf die Bezie­hung zwi­schen Gott und Isra­el deu­te­te. Der Got­tes­na­me wird aller­dings nur an einer Stel­le (8,6) abge­kürzt erwähnt, sonst fin­den sich im Buch kei­ne Ver­wei­se auf Gott. Auch die christ­li­che Kir­che akzep­tier­te die­se Inter­pre­ta­ti­on und deu­te­te sie auf das Ver­hält­nis Chris­tus-Kir­che um. Doch noch im ers­ten nach­christ­li­chen Jahr­hun­dert wur­de das Lied in Wirts­häu­sern gesun­gen (Tos Sanh. XII,10), also buch­stäb­lich als Lie­bes­lied ver­stan­den. Im NT wird nicht auf das Hohe­lied Bezug genom­men, in Qum­ran sind aller­dings Hand­schrif­ten­frag­men­te belegt.

Wich­tig sind dann die mys­ti­schen Rezep­tio­nen von Mys­ti­ke­rin­nen und Mys­ti­kern schon im Juden­tum. Mecht­hild von Mag­de­burg und Mar­tin Luther.

Zunächst belegt das Hohe­lied, dass die Bibel nicht sexu­al­feind­lich zu inter­pre­tie­ren ist. Auch die wohl seit Augus­tin ver­tre­te­ne Erb­sün­den­auf­fas­sung wird durch es nicht gestützt. Das gilt auch dann, wenn meta­pho­risch von sexu­el­ler Ver­ei­ni­gung die Rede wäre, um die enge reli­giö­se Bezie­hung dar­zu­stel­len.

Das ist nicht völ­lig über­ra­schend in der Bibel. Adam „erkennt“ in Gen 4,1 Eva, das hebräi­sche Wort יָדַ֖ע (jada) bezeich­net sowohl die sexu­el­le Ver­ei­ni­gung als auch das erfah­rungs­be­zo­ge­ne, wis­sen­schaft­li­che und phi­lo­so­phi­sche Erken­nen, wodurch die Tie­fe der Ein­heit des Paars unüber­biet­bar aus­ge­drückt wird. So ver­hält es sich auch beim grie­chi­schen Wort γινώσκειν (gino­skein), das יָדַ֖ע (jada) sowohl in der grie­chi­schen jüdi­schen Bibel als auch im Neu­en Tes­ta­ment wie­der­gibt. Beim Sex soll sich also die per­sön­li­che Erkennt­nis des/der Ande­ren voll­zie­hen. D. h., die vom Herrn Zer­schnit­te­nen begeg­nen sich so wie sie als ein­zel­ne Frau und ein­zel­ner Mann sind – und wer­den ein Fleisch.

 

 

Inhalt

Das Hohe­lied ist eine Samm­lung von ca. 30 ein­zel­nen Lie­bes­lie­dern, die zu einem Dia­log zwi­schen Frau und Mann kom­po­niert wur­den. Dabei steht die Frau offen­kun­dig im Mit­tel­punkt, ihre Lie­der eröff­nen und beschlie­ßen die Samm­lung, von ihr geht die Initia­ti­ve zur Lie­be aus. Man­che Aus­le­ger neh­men daher an, dass es sich um einen Mono­log der Frau han­de­le, in dem die Rede des Gelieb­ten zitiert wird. Ange­spro­chen sind die Töch­ter Jeru­sa­lems, denen die Erleb­nis­se der Bezie­hung geschil­dert wer­den. Es mag sein, dass die Lie­der ursprüng­lich bei Hoch­zei­ten gesun­gen wor­den sind; man hat auch ver­sucht, ein Text­buch für ein regel­rech­tes Sing­spiel oder Dra­ma dar­in zu sehen. Es ist nicht recht erkenn­bar, nach wel­chen Kri­te­ri­en die Tex­te anein­an­der­ge­reiht wur­den.

 

Alter

Das Alter des Buches ist kaum zu bestim­men. Wahr­schein­lich sind hier älte­re Lied­stü­cke gesam­melt, die ihrer­seits auch außer­is­rae­li­ti­sche Wur­zeln haben kön­nen. Die end­gül­ti­ge Zusam­men­fas­sung und Kom­po­si­ti­on ist in nach­exi­li­scher Zeit erfolgt.

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Info:
Bibel­kun­de Hei­del­berg ist Beitrag Nr. 7268
Autor:
Martin Pöttner am 15. August 2018 um 15:01
Category:
Bibelkunde
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