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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Rosa Luxem­burg (1871-1919)

Karl Lieb­knecht                 und                   Rosa Luxem­burg

Die Frau ist wich­tig – und wird bis heu­te in der poli­ti­schen Lin­ken aner­kannt. Vgl. zu Leben und Wir­kung den Wiki­pe­dia-Arti­kel, der sehr dif­fe­ren­ziert belegt ist. Wir haben uns zur Bespre­chung ihres Bei­trags zur Rus­si­schen Revo­lu­ti­on ver­ein­bart. Der ist des­we­gen aus­schlag­ge­bend, weil hier eine nach­hal­ti­ge Kri­tik des leni­nis­ti­schen Prin­zips ent­hal­ten ist. Sie akzep­tiert Lenins revo­lu­tio­nä­re Pra­xis der Mach­terobe­rung der Bolschewist*innen, aber nicht die durch Ter­ror wei­ter durch­ge­führ­te Durch­set­zung des Pro­gramms, das auch zur Eli­mi­na­ti­on poli­ti­scher Gegner*innen führ­te.

Das sozia­lis­tisch-kom­mu­nis­ti­sche Modell sei aber eines der Frei­heit – und so kommt es zu ihrem berühm­ten Sinn­spruch:

Frei­heit ist immer nur Frei­heit des anders Den­ken­den. (IV. Teil, Rand­be­mer­kung 3.)

Ich for­mu­lie­re hier knapp den Hin­ter­grund.

Rosa Luxem­burg ist eine pol­ni­sche Jüdin, deren Bil­dungs­drang mit einer Pro­mo­ti­on in Zürich 1897 (Volks­wirt­schaft) belohnt wur­de. Sie ist daher eine argu­men­ta­tiv gut vor­ge­hen­de Intel­le­ku­el­le.
Sie arbei­tet poli­tisch zunächst in Polen, dann in Deutsch­land, wo sie als wich­ti­ge Figur des lin­ken Flü­gels der SPD agiert. Ihr Pro­gramm ist inter­na­tio­na­lis­tisch, pazi­fis­tisch – und sie begrün­det das mar­xis­tisch. Daher wird sie eine inten­si­ve Geg­ne­rin von Edu­ard Bern­stein, der mit ihr aber den Pazi­fis­mus teilt. Das wird 1914 aktu­ell, als die SPD-Reichs­tags­frak­ti­on der SPD mehr­heit­lich den soge­nann­ten „Kriegs­kre­di­ten“ zustimm­te – und die Min­der­heit aus­schloss.
Luxem­burg war sowohl Jour­na­lis­tin als auch Dozen­tin an der Par­tei­hoch­schu­le der SPD. Mehr­fach kam sie ins Gefäng­nis, zumal wäh­rend des Kriegs. Dort nahm sie die Ent­wick­lung in Russ­land wahr. Sie gehör­te der USPD (Unab­hän­gi­gen SPD) an, der Spar­ta­kus­bund war dort eine Unter­grup­pe. 1918f plä­dier­te sie für eine Räte­re­pu­blik, woll­te aber kei­ne Par­tei­dik­ta­tur wie in Russ­land. I. E. soll­te sich der Spar­ta­kus­bund bzw. die KPD zur Wahl stel­len, was aber kei­ne Zustim­mung fand. Luxem­burg akzep­tier­te, dass es unter den Räten eine Mehr­heit für Reichs­tags­wah­len gab.
Der Spar­ta­kus­bund hielt kon­se­quent an bestimm­ten Auf­fas­sun­gen Marx’ fest, ver­band sie aber mit der Mas­sen­streik­me­tho­de, die auch in Russ­land erfolg­reich war, aber dann nicht nur eine kur­ze Pha­se des Des­po­tis­mus ein­lei­te­te, wel­che die Bedin­gun­gen für das „Reich der Frei­heit“ her­stel­len soll­ten.

Man/frau darf also wohl sagen, dass in der von Luxem­burg stark gepräg­ten Pro­gram­ma­tik des Spar­ta­kus­bun­des der roman­tisch-uto­pi­sche Kom­mu­nis­mus­be­griff des frü­hen Marx erhal­ten ist. Das ent­spricht auch Luxem­burgs brei­ter Bil­dung in pol­ni­scher und deut­scher klas­si­scher bzw. roman­ti­scher Lite­ra­tur und Musik.

Luxem­burg kri­ti­sier­te auch die Zusam­men­ar­beit der MSPD (Mehr­heits-SPD) mit dem Mili­tär zwecks geord­ne­ter Rück­füh­rung der Trup­pen nach Deutsch­land. Statt­des­sen soll­ten die Arbei­ter- und Sol­da­ten­rä­te die Macht der alten „Eli­ten“ bre­chen – und so den Weg zum „Reich der Frei­heit“ frei­ma­chen.
Aber Luxem­burg und Lieb­knecht wur­den von soge­nann­ten Frei­korps ermor­det. In der KPD setz­te sich der Kurs Luxem­burgs nicht durch. Nach Lenins Tod wur­de sie sta­li­nis­tisch.

Das ist sicher einer der Grün­de, war­um sich in der Wei­ma­rer Repu­blik kei­ne sta­bi­len Mehr­hei­ten gegen Rechts bil­den lie­ßen. Eben­so ist aber wich­tig, dass die mehr­heits­so­zi­al­de­mo­kra­tisch ori­en­tier­ten Arbei­ter- und Sol­da­ten­rä­te ver­hin­der­ten, dass den alten „Eli­ten“ aus Wirt­schaft, Ver­wal­tung und Mili­tär die Macht ent­zo­gen wur­de. Wie die Reichs­tags­wah­len 1919 zeig­ten, ent­sprach das aber durch­aus dem Wil­len der Bevöl­ke­rung.

Han­nah Arendt hat in den 1960er Jah­ren die Idee der Räte noch ein­mal auf­ge­grif­fen. Ihr zwei­ter Mann Blü­cher ent­stamm­te dem Kreis um Luxemburg/Liebknecht. Auch in Mar­burg hat­te sie  mit dem Neu­tes­ta­ment­ler Rudolf Bult­mann einen Leh­rer, der mit dem Spar­ta­kus­bund sym­pa­thi­siert hat­te. Sie betont stark den spon­ta­nen Cha­rak­ter der Räte, die beim Ent­ste­hen des Neu­en betei­ligt sei­en.

Das Argu­ment, mit dem gegen das Wahl­er­geb­nis von 1919 argu­men­tiert wer­den kann, lau­tet: Nach erfolg­ter Ver­än­de­rung der Macht­ver­hält­nis­se, wäre das Wahl­er­geb­nis von 1919 anders aus­ge­fal­len. Das Gegen­ar­gu­ment lau­tet: Es hät­te einen Bür­ger­krieg gege­ben. Bei­des sind hypo­the­ti­sche, abduk­ti­ve Argu­men­te.

Luxem­burg war zurück­hal­ten­der als Lieb­knecht. Revo­lu­tio­nä­re Ver­su­che müss­ten gut vor­be­rei­tet sein. Der soge­nann­te Spar­ta­kus­auf­stand war es  nicht – und führ­te zu bei­der Ermor­dung.

 

 

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Info:
Rosa Luxem­burg (1871-1919) ist Beitrag Nr. 7204
Autor:
Martin Pöttner am 23. Juli 2018 um 15:13
Category:
Philosophische Reihe
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