Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Das Gesetz als päd­ago­gi­scher Unfall, Gal 3,15ff

Gal 3,15ff ist einer der wich­tigs­ten Tex­te zur pau­li­ni­schen Bewer­tung bzw. Abwer­tung der jüdi­schen Tora. Man/frau sieht, dass Gott ins­be­son­de­re mit den Juden* dar­über inter­agiert, wäh­rend der Segen Abra­hams ande­ren Völ­kern ohne Tora zugäng­lich ist.
Wir bespra­chen zunächst, dass Pau­lus zei­gen möch­te, der Same Abra­hams sei­en die Galater*innen – und das impli­ziert, dass Chris­tus die­ser Same ist (3,16b). Daher wen­det er den schon bespro­che­nen Tauf­text an, nach dem wir Chris­tus anzie­hen.
Daher die Con­clu­sio:

ἄρα τοῦ Ἀβραὰμ σπέρμα ἐστέ,
κατ’ ἐπαγγελίαν κληρονόμοι. (3,29)

Die Argu­men­ta­ti­on ver­läuft z. T. mit­hil­fe der grie­chi­schen Gram­ma­tik, der­zu­fol­ge der Pl. von Neu­tra sin­gu­la­risch ver­wen­det wer­den kann, hier: σπέρμα. Ent­schei­dend aber ist, dass Pau­lus aus­zu­schlie­ßen ver­sucht, dass die Galater*innen Erben der Ver­hei­ßung durch das Gesetz sei­en. Dazu ver­steht er die Ver­hei­ßung als διαθήκη, was u. a. das hebr. berit wie­der­gibt, aber ins­be­son­de­re Tes­ta­ment bedeu­tet. Ein sol­ches Tes­ta­ment wer­de nicht auf­ge­ho­ben (3,15.17).
Dass das auch bei der Abra­hams­ver­hei­ßung der Fall ist, unter­nimmt er kom­pli­ziert zu zei­gen. 430 Jah­re nach Abra­ham (Ex 12,40) sei am Sinai das Gesetz von Engeln, also nicht direkt vom einen Gott, gege­ben wor­den (3,19f). Ob das eine Anspie­lung auf Gen 6,1ff und sei­ne apo­ka­lyp­ti­schen Fort­schrei­bun­gen im 1Hen ist, ist mög­lich, aber nicht sicher. M. E. emp­fiehlt sich die­se Inter­pre­ta­ti­on, weil es das Ziel ist zu zei­gen, dass die gött­li­che Sphä­re nicht intakt ist, son­dern es unab­hän­gi­ge Bestre­bun­gen geben kann, hier die Gabe des Geset­zes durch den Mitt­ler Mose im Kon­text der Engel. Ähn­lich auch im Koran, wobei dies dort wohl kei­ne Rela­ti­vie­rung dar­zu­stel­len scheint, was aber hier der Sinn ist.
Für z. B. Luther ist die fol­gen­de Pas­sa­ge aus­schlag­ge­bend, da das Gesetz (νόμος) dazu gege­ben sei, um mög­li­che Über­tre­tun­gen und die Sün­de sicht­bar zu machen, es ist mit­hin ein παιδαγωγὸς … auf Chris­tus hin. Der Unter­richt wird als Zwangs­si­tua­ti­on gese­hen (3,24). Die Schrift habe alle unter der Sün­de ver­schlos­sen, vgl. auch Röm 11,32.
Für die Galater*innen emp­fiehlt es sich mit­hin nicht, sich dem Gesetz unter­zu­ord­nen.
Wich­tig ist sich zu ver­ge­gen­wär­ti­gen, dass 2Kor 3 ein wich­ti­ger Par­al­lel­text ist. Pau­lus ver­steht anders als im Juden­tum sonst, die Tora nicht als gött­li­ches Recht (Ass­mann, Exo­dus, 2015). Das hängt vor allem damit zusam­men, dass er einen Schwer­punkt auf Gen 3,22 legt, sodass die Men­schen wie Gott die Fähig­keit zur sitt­li­chen Urteils­kraft besä­ßen. Das Gesetz ist mit­hin eine Art päd­ago­gi­scher Unfall.

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

  1. Über­set­zen und glie­dern Sie Gal 5,1-6!
  2. Bezie­hen Sie das auf das bis­her Erar­bei­te­te!

 

« Segen, Fluch und dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung (Gal 3,1ff) – Schät­ze­s­am­meln und Schöp­fungs­ver­trau­en, Mt 6,19-34 »

Info:
Das Gesetz als päd­ago­gi­scher Unfall, Gal 3,15ff ist Beitrag Nr. 7133
Autor:
Martin Pöttner am 28. Juni 2018 um 12:14
Category:
Das Freiheitsverständnis im Neuen Testament
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

Keine Kommentare »

No comments yet.

Kommentar-RSS: RSS feed for comments on this post.

Leave a comment