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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Das luka­ni­sche Dop­pel­werk als Erfolgs­ge­schich­te

 

 

M. E. ist das über­grei­fen­de nar­ra­ti­ve Modell des luka­ni­schen Dop­pel­werks die Erfolgs­ge­schich­te. Zur Pro­blem­ge­schich­te und der dua­lis­ti­schen Erzähl­wei­se vgl. hier. In der Mythos­de­bat­te stand für die­ses Erzähl­mus­ter die „tra­di­tio­nel­le Erzäh­lung“ (z. B. Ass­mann u. v. a.). Wir haben in Gen 1 eine sol­che wahr­ge­nom­men, wo aus dem Cha­os bzw. Tohu­wa­bo­hu eine geord­ne­te Schöp­fung ent­steht, die sogar die ele­men­ta­re Zeit­struk­tur von Arbeit und Ruhe der jüdi­schen Woche ent­hält. Gott bewer­tet die (meis­ten) ein­zel­nen Schrit­te mit „gut“ oder „sehr gut“.
Für das Spre­chen von „Erfolg“ ist aus­schlag­ge­bend, dass in einem Pro­zess ein posi­ti­ves „Ziel“ erreicht wird, das den Erwar­tun­gen von uns oder an uns ent­spricht. Und wenn man die­ses „Ziel“ eini­ger­ma­ßen erreicht hat, kann man immer noch im Sin­ne Oli­ver Kahns sagen: „Wenn ich oben bin, ist nicht alles, was ich gemacht habe, rich­tig.“
In der Per­spek­ti­ve der Erlö­sung kann die­se als „Pro­blem“ erschei­nen, das erfolg­reich „gelöst“ wird. Dafür tritt in der Regel eine Hel­fer­fi­gur auf. Etwa die über­wie­gen­de Zahl der neu­tes­ta­ment­li­chen Wun­der­erzäh­lun­gen funk­tio­niert nach die­sem Mus­ter. Eine Beses­sen­heit oder eine Krank­heit wird von der Hel­fer­fi­gur Jesus besei­tigt, sodass das Anfangs­pro­blem, die nega­ti­ve Aus­gangs­si­tua­ti­on nicht mehr besteht. Die nega­ti­ve Aus­gangs­si­tua­ti­on wird mit­hin von einer Erlö­ser­fi­gur oder Hel­fer­fi­gur gewen­det, sodass nun ein posi­ti­ver Zustand erreicht ist und die­ser sich auch als sta­bil erweist. Von den klei­nen Gat­tun­gen im Neu­en Tes­ta­ment muss die gro­ße Mehr­zahl der Wun­der­erzäh­lun­gen als Erfolgs­ge­schich­ten gel­ten. Rhe­to­risch gehört die Gat­tung Wun­der­erzäh­lung zur Gat­tung der μύθοι (mythoi).

Dabei wird man das Mus­ter „Erfolgs­ge­schich­te“ frei­lich als vor­sich­tig selbst­kri­tisch ein­schät­zen dür­fen. Auch die in der Fol­ge zu bespre­chen­den luka­ni­schen Tex­te ver­ges­sen nach mei­nem Ein­druck die­se Ein­schrän­kung nicht. Es ist auf jeden Fall mög­lich, dass ich bei einer Erfolgs­ori­en­tie­rung Feh­ler mache – oder in der Rück­schau ein­se­he, dass ich Feh­ler gemacht habe. Inso­fern muss ich auch nicht aus­schließ­lich auf mei­ner eige­nen Per­spek­ti­ve behar­ren. Vor allem das Letz­te­re ist für das Ver­ständ­nis der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on bzw. Kano­ni­schen Aus­ga­be sehr wich­tig. Zu ver­wen­de­ten all­ge­mei­nen Begrif­fen vgl. hier.

Das luka­ni­sche Dop­pel­werk umfasst das Luka­sevan­ge­li­um (Lkev) und die Apos­tel­ge­schich­te (Act). In der jetzt vor­lie­gen­den Gestalt stammt sie zwei­fel­los von einem ein­zi­gen Autor. Viel­leicht war aber das Lkev zuvor selbst­stän­dig und ist dann von dem Autor der Apos­tel­ge­schich­te über­ar­bei­tet und mit ihr zusam­men her­aus­ge­ge­ben wor­den. Die Apos­tel­ge­schich­te ist schwer­lich vor 125 d. Z. anzu­set­zen. Sie stellt ein rela­ti­ves Spät­werk im NT dar. In der jetzt vor­lie­gen­den Ver­si­on bil­den Lkev und Act eine in sich kohä­ren­te Ein­heit. Der fik­ti­ve Autor des Dop­pel­werks heißt im Sin­ne der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on „Lukas“. Es han­delt sich offen­bar um Lukas, den Arzt (Kol 3,18). Dabei wird aus einer Rei­he von Grün­den jeden­falls der unbe­kann­te tat­säch­li­che Autor des Dop­pel­werks durch­aus mit einer über­grei­fen­den Bil­dung ver­traut gewe­sen sein, die auch anti­ke medi­zi­ni­sche Kennt­nis­se umfasst. Vor allem aber ist der tat­säch­li­che Autor mit der anti­ken Rhe­to­rik ver­traut.
Das luka­ni­sche Dop­pel­werk ist noch aus einem ande­ren Grund lite­ra­risch sehr auf­schluss­reich. Denn es über­greift zwei Bän­de der neu­tes­ta­ment­li­chen Abtei­lung der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on. Das Lkev gehört zur Evan­ge­li­en­samm­lung.

 Abb. Prä­ka­no­ni­sche Edi­ti­on 

Die Act lei­tet den Pra­x­a­pos­to­los ein, zu der wei­te­re apos­to­li­sche Brie­fe zäh­len, die nicht zur Pau­lus­brief­samm­lung gehö­ren. Aber auch zur Pau­lus­brief­samm­lung hat das luka­ni­sche Dop­pel­werk eine deut­li­che Bezie­hung. Zwar bezieht sich der Autor des Dop­pel­werks eher en pas­sant auf die ech­ten pau­li­ni­schen Brie­fe. Gleich­wohl bestehen enge Bezie­hun­gen zu deu­ter­opau­li­ni­schen (Eph, Kol) und tri­t­opau­li­ni­schen Brie­fen (Tit, 1.2Tim) der Pau­lus­brief­samm­lung. So wird der fik­ti­ve Autor des luka­ni­schen Dop­pel­werks nicht zufäl­lig in Kol 3,18 als „Lukas, der gelieb­te Arzt“ bezeich­net. Lite­ra­risch kommt man sehr nahe an die Edi­to­ren der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on her­an, wenn man das luka­ni­sche Dop­pel­werk auf­merk­sam liest. Hypo­the­tisch kann man in Erwä­gung zie­hen, dass der tat­säch­li­che Autor sogar zu den Edi­to­ren der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on gehör­te. Ob das zutrifft, ist m. E. bis­her nicht beweis­bar. Gleich­wohl atmet die Edi­ti­on sehr viel vom Geist des Autors des luka­ni­schen Dop­pel­werks. Dazu gehö­ren die gebil­de­te Huma­ni­tät die­ser Text­welt, ihre ver­söh­nen­de Hal­tung zwi­schen unter­schied­li­chen Posi­tio­nen, auch zwi­schen Juden und Chris­ten und grie­chi­schen bzw. römi­schen Reli­giö­sen. Lk nimmt sicher­lich sehr ernst, dass der eine von Juden und Chris­ten ver­ehr­te Gott in irgend­ei­ner Wei­se auch der Gott der griechisch‐römischen Kul­tur sein muss. Das Chris­ten­tum ist dazu da, die Här­te in der Kul­tur der Welt­macht abzu­mil­dern und zu huma­ni­sie­ren. Die Kon­flik­te zwi­schen Frau­en und Män­nern, Skla­ven und Her­ren, Armen und Rei­chen sol­len mög­lichst gerecht gere­gelt wer­den – unter­schied­li­che gesell­schaft­li­che Per­spek­ti­ven sol­len sich aner­ken­nen und sich zuguns­ten der Schwä­che­ren und Beherrsch­ten ver­bes­sern. Ohne Über­trei­bung darf man wohl sagen, dass „Lukas“ der Erfin­der der Nor­ma­li­tät des huma­nen, beson­ne­nen Chris­ten­tums ist. Ohne Auf­ruhr und über­mä­ßi­ge Kämp­fe las­sen sich Kon­flik­te mode­rie­ren, so unge­fähr lau­tet sein Cre­do. Das führt natür­lich dazu, dass er radi­ka­le und sehr durch­dach­te Posi­tio­nen wie die des Pau­lus selbst, stark abmil­dern muss. Er stellt ihr in sei­ner Act daher eine eige­ne Pau­lus­dar­stel­lung ent­ge­gen, die im Übri­gen recht gut zu den nicht­pau­li­ni­schen Brie­fen der Pau­lus­brief­samm­lung passt. Ein wich­ti­ges Motiv die­ser Dar­stel­lung ist, dass Pau­lus die „Geset­ze der Väter“ bzw. der „Sit­ten der Älte­ren“ nicht infra­ge­stellt – und dass sich ent­wi­ckeln­de Chris­ten­tum vom römi­schen Staat nicht als auf­rüh­re­risch ein­ge­schätzt wird. Dabei gibt sich der fik­ti­ve Autor als Rei­se­be­glei­ter des Pau­lus. Der tat­säch­li­che Autor kennt auch ande­re pro­blem­ge­schicht­li­che Model­le, ganz sicher jeden­falls das Mkev. Zumin­dest mit dua­lis­ti­schen Ten­den­zen, wie sie dem Mtev zugrun­de lie­gen, war er ver­traut – wenn er die­ses nicht auch gekannt haben soll­te. Aber Lk wählt für sein Dop­pel­werk über­grei­fend ein ande­res Erzähl­mo­dell, eben die Erfolgs­ge­schich­te. Und Erfolgs­ge­schich­ten sind – wie der eine Typus der dua­lis­ti­schen Erzäh­lun­gen iden­ti­täts­zen­triert. Sie sind an der Iden­ti­tät der jewei­li­gen Grup­pe ori­en­tiert, in unse­rem Fal­le des Chris­ten­tums in der römi­schen Gesell­schaft. Erfolgs­ge­schich­ten ver­fah­ren in einem erzäh­le­ri­schen Drei­schritt:

1. Dar­stel­lung einer Erzäh­lung der nega­ti­ven Aus­gangs­si­tua­ti­on ;
2. Über­win­dung die­ser nega­ti­ven Aus­gangs­si­tua­ti­on Dar­stel­lung der gewen­de­ten nega­ti­ven Aus­gangs­si­tua­ti­on ;
3. Die nega­ti­ve Aus­gangs­si­tua­ti­on besteht in der uner­freu­li­chen Lage der Juden im Römi­schen Reich. Ihre Hoff­nun­gen wer­den jetzt erfüllt.

Das Dop­pel­werk stellt die­se Erfül­lung so dar, dass sie sich auf Jesus von Naza­reth und die Kir­che bezie­hen las­sen. Denn das luka­ni­sche Dop­pel­werk ent­fal­tet den gött­lich geplan­ten und in den Hei­li­gen Schrif­ten der Juden und Jüdin­nen pro­phe­tisch vor­aus­ge­sag­ten Weg von einem pro­vin­zi­el­len Win­kel in das Zen­trum der durch sozia­le Schich­tung bestimm­ten Gesell­schaft und so den Sie­ges­zug des Evan­ge­li­ums im Glau­ben der Hei­den (Act 28,28). In die­ser Pro­gno­se ist der ursprüng­li­che Grund­ge­gen­satz bzw. das Pro­blem ver­schwun­den:

… Das Herz die­ses Vol­kes ist ver­stockt, und ihre Ohren sind schwer­hö­rig gewor­den, und ihre Augen haben sie geschlos­sen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und den Ohren hören und mit den Her­zen ver­ste­hen und sich bekeh­ren und ich sie hei­le.“ So sei euch nun kund, dass den Hei­den die­se Erlö­sung Got­tes gesandt wor­den ist. Sie wer­den ihr auch Gehör schen­ken (Act 28,27f).

Die Sze­ne am Ende der Apos­tel­ge­schich­te fin­det in Rom statt. Das Evan­ge­li­um ist in der Gestalt des Pau­lus nach Rom gekom­men. Dort setzt er sich mit den Ältes­ten der jüdi­schen Gemein­de strei­tig aus­ein­an­der. Die meis­ten von ihnen mögen ihm nicht fol­gen. Dar­auf­hin zitiert er Jesa­ja und pro­gnos­ti­ziert, dass bei den Hei­den „ die­se Erlö­sung Got­tes“ Gehör fin­den wird. Wenn die Juden selbst nicht die Erfül­lung ihrer Hoff­nun­gen in Jesus von Naza­reth und der Geschich­te der Kir­che sehen wer­den, dann doch die Hei­den. Die luka­ni­sche Pro­gno­se hat sich als rich­tig erwie­sen. Vie­le Men­schen im Römi­schen Reich nah­men den christ­li­chen Glau­ben an. Und dar­auf ist sei­ne Gestal­tung der Erfolgs­ge­schich­te auch zuge­schnit­ten. Man muss frei­lich beto­nen, dass er kei­ne Idee der kom­men­den Pries­ter­re­li­gi­on ent­wi­ckel­te. Vor allem aber hat­te er schwer­lich eine Rol­le des Chris­ten­tums als Staats­re­li­gi­on bzw. Reichs­re­li­gi­on im Sinn. Auch die Juden sind kei­nes­wegs von der Erlö­sung aus­ge­schlos­sen. Frei­lich müs­sen sie dazu den Chris­tus aner­ken­nen.

Lk ist der Haupt­ver­tre­ter einer reflek­tier­ten Posi­ti­on der Akzep­tanz der „Geset­ze der Väter“ als den Hei­li­gen Schrif­ten der Juden. Die­se sind frei­lich pro­phe­tisch zu ver­ste­hen, sie ver­wei­sen auf etwas ande­res: auf Jesus von Naza­reth, die Geschich­te der Kir­che und die dar­in statt­fin­den­de Erfül­lung der Hoff­nun­gen der Juden. Lk ist ent­spre­chend auch der reflek­tier­tes­te Ver­tre­ter der Posi­ti­on, dass die christ­li­che Reli­gi­on bzw. ihre Schrif­ten die ange­mes­se­ne Inter­pre­ta­ti­on der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden dar­stel­len. Frei­lich war Lk kein reli­giö­ser oder theo­lo­gi­scher Narr. Sei­ne Schluss­sze­ne in Act sieht im Dis­sens mit den Ältes­ten der jüdi­schen Gemein­de in Rom, dass die rab­bi­ni­sche Schrift­aus­le­gung eher nicht den Schritt in die christ­li­che Rich­tung gehen konn­te. Wahr­schein­lich über­ließ er dies dem einen Gott, der grö­ßer ist als sei­ne dif­fe­ren­zier­ten kul­tu­rel­len Reprä­sen­ta­tio­nen. Dar­aus lebt der luka­ni­sche sozi­al enga­gier­te Libe­ra­lis­mus, der eben auch gegen­über Römern und Grie­chen gilt: Da wir …

Got­tes Geschlecht sind, dür­fen wir nicht mei­nen, die Gott­heit sei gleich Gold oder Sil­ber oder Stein, einem Gebil­de mensh­li­cher Über­le­gung. Über die Zei­ten der Unwis­sen­heit … hat Gott hin­weg gese­hen. Jetzt aber lässt er den Men­schen ver­kün­di­gen, dass sie alle an jedem Ort Buße tun sol­len (Act 17,29f).

Auf dem Areo­pag in Athen lässt Lk sei­nen Pau­lus dies sagen. Die Göt­ter­ver­eh­rung soll nicht wei­ter so fort­ge­setzt wer­den wie bis­her. Aber dar­um ging es auch in der grie­chi­schen Kul­tur gar nicht:

… Als ich umher­ging und eure Hei­lig­tü­mer besich­tig­te, fand ich auch einen Altar, an dem die Auf­schrift stand:

Dem unbe­kann­ten Gott“. Was ihr nun, ohne es zu ken­nen ver­ehrt, das ver­kün­di­ge ich euch (Act 17,23).

Mit dem Hei­den­mis­sio­nar Pau­lus ist das Evan­ge­li­um also nicht nur in Rom als dem Zen­trum der Welt­macht ange­kom­men. Es kann sich durch­aus auch mit den Ide­en des geis­ti­gen Zen­trums der anti­ken Phi­lo­so­phie mes­sen:

In ihm leben, weben und sind wir, wie auch eini­ge von euren Dich­tern gesagt haben: Wir sind ja auch sei­nes Geschlechts (Act 17,28).

Dabei knüpft Lk frei­lich nicht an die Ver­su­che der anti­ken phi­lo­so­phi­schen Meta­phy­sik an. Er hält sich im Medi­um der phi­lo­so­phi­schen Ethik und Rhe­to­rik, auch im Kon­text der Medi­zin und der alles über­grei­fen­den anti­ken Semio­tik. Hier ist nicht alles not­wen­dig, son­dern es kann immer auch anders sein, wie Aris­to­te­les in sei­ner Rhe­to­rik for­mu­liert hat. Daher hat das luka­ni­sche Dop­pel­werk Sinn für die geschicht­li­che Viel­falt und die Welt der kon­kre­ten Lebens­er­fah­rung.
Die sozia­le Dif­fe­ren­zie­rung nimmt Lk in sei­ner Akzep­tanz einer sozi­al sen­si­blen römi­schen Ober­schicht wahr. Dabei denkt er vor allem an die „wohl­an­ge­se­he­nen Frau­en“ (z. B. Act 16,14: Lydia, die Pur­pur­händ­le­rin, die ein „Haus“ hat­te), wel­che dem Chris­ten­tum auch Zugang zur Ober­schicht ver­schaf­fen könn­ten. Das hat­te natür­lich schon eine Vor­ge­schich­te in sei­ner Jesus­dar­stel­lung. Schon Jesus und sei­ne Schü­ler wur­den von wohl­ha­ben­den Frau­en, auch Schü­le­rin­nen, beglei­tet, die als Mäze­na­tin­nen deren unor­dent­li­ches geist­li­ches Wan­der­le­ben finan­zier­ten (Lk 8,2f). Und auf die­se und man­che ande­re Wei­se stellt Lk sei­ne Hoff­nung auf eine huma­ne, sozi­al gerech­te­re, fried­li­che­re und aus­ge­gli­che­ne­re römi­sche Gesell­schaft dar. Lk ent­fal­tet mit gro­ßer erzäh­le­ri­scher Kraft das Mus­ter der iden­ti­täts­zen­trier­ten Erfolgs­ge­schich­te. Zwei­fel­los hat sei­ne Text­welt in der Chris­ten­tums­ge­schich­te den Typus des ver­mit­teln­den, sozi­al enga­gier­ten Chris­ten­tums beför­dert. Und auf die­se Wei­se wird auch in gewis­ser Wei­se „alles gut“.
Der selbst­kri­ti­sche Aspekt die­ses Modells wird nicht zuletzt durch die erzäh­le­risch kom­plex behan­del­te The­ma­tik der Wahr­neh­mung des Lei­dens Chris­ti (παθεῖν [pathein] usf.) und der Lei­den der Schüler/innen (θλῖψις [thlip­sis] usf.) geleis­tet, der seit der luka­ni­schen Pas­si­ons­ge­schich­te ent­fal­tet wird. Dort wer­den die Schüler/innen damit kon­fron­tiert, dass sie eine der Geschich­te Jesu ähn­li­che Geschich­te durch­lau­fen wer­den. Wir sahen uns das an der Stei­ni­gung des Ste­pha­nos in Act 7 genau­er an, der dabei eine Visi­on Jesu hat.

Abb. Erfolgs­ge­schich­te im luka­ni­schen Dop­pel­werk

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« 1Kor 10,23ff – Alfred North Whitehead (1861-1947) Bad Rap­penau »

Info:
Das luka­ni­sche Dop­pel­werk als Erfolgs­ge­schich­te ist Beitrag Nr. 7085
Autor:
Martin Pöttner am 15. Juni 2018 um 12:34
Category:
Bibelkunde
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