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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Der eine Gott, das Gewis­sen und der Bru­der (1Kor 8) – Uni Hd

Wir ver­stan­den, dass als der Hin­ter­grund am ehes­ten die Gel­tung der LXX als hei­li­ge Schrif­ten in der korin­thi­schen Gemein­de anzu­se­hen ist. Dort ist ins­be­son­de­re seit Ex 20,4 von εἴδωλον usf. die Rede. Wich­tig sind Dtjes und Sap­Sal. Ob jemand in Korinth die Kri­tik des Xeno­pha­nes kann­te, ist nicht sicher. Sowohl die jüdi­sche Reli­gi­on als auch eini­ge grie­chi­sche Phi­lo­so­phen ent­wi­ckel­ten ein mono­the­is­ti­sches Got­tes­ver­ständ­nis. Vgl. als Beleg, dass die­ser Sach­ver­halt biblisch prä­sent ist: Sap­Sal 13, aber auch Röm 1,19ff.
Dass jeden­falls Pau­lus vor dem Hin­ter­grund der LXX argu­men­tiert, zeigt 8,6. Hier wer­den Gott und Chris­tus par­al­le­li­siert, was einen Rück­griff auf Prov 8,22ff dar­stellt. Das jüdi­sche Got­tes­ver­ständ­nis ist dif­fe­ren­ziert, neben dem Geist gibt es die Weis­heit, die vor der Schöp­fung mit Gott inter­agier­te und die wei­sen Regeln in die Schöp­fung senk­te (von Rad).

Die Ein­lei­tung mit peri + Gen. bezeich­net im Grie­chi­schen ein bekann­tes The­ma, hier wahr­schein­lich aus einem Brief der Korinther*innen an Pau­lus (vgl. 1Kor 7,1) stam­mend, der einen Unter­punkt „Göt­zen­op­fer­fleisch“ ent­hielt: 1Περὶ δὲ τῶν εἰδωλοθύτων … Dass die korin­thi­sche Gemein­de reli­gi­ös nicht homo­gen war, zeigt die Rela­ti­vie­rung des Mono­the­is­mus durch Pau­lus. Dazu erör­tert Pau­lus das Ver­hält­nis von Erkennt­nis und Lie­be, was auf einen Streit in der Gemein­de hin­deu­tet:

ἡ γνῶσις φυσιοῖ,
ἡ δὲ ἀγάπη οἰκοδομεῖ·

Das Erkennt­nis­ver­ständ­nis geht auf יָדַ֖ע (jada) zurück, das seit Gen 4,1 durch γινώσκειν wie­der­ge­ge­ben wird. Der Streit führt zur Behand­lung der Gewis­sens­fra­ge. Vgl. all­ge­mein und zu 1Kor hier. Dabei rät Pau­lus dazu, dem „Bru­der“, für den Chris­tus gestor­ben sei, kei­nen „Anstoß“ zu geben, sodass er zu dem Gott zurück­keh­re, mit dem er/sie eine Gemein­schaft gehabt habe. D. h., neben jüdi­schen Gemein­de­glie­dern gab es in Korinth sol­che, die zuvor einen der Stadtgött*er oder eine Mys­te­ri­en­gott­heit ver­ehr­ten, die ins „Tem­pel­re­stau­rant“ (Johan­nes Weiß) ein­lädt: σὲ τὸν ἔχοντα γνῶσιν ἐν εἰδωλείῳ κατακείμενον. Wer also im Tem­pel­re­stau­rant sitzt und sei­nen „Bru­der“ durch sei­ne ver­meint­li­che Erkennt­nis pro­vo­ziert, han­delt nicht ver­ant­wort­lich.

Wir ver­tie­fen das an 1Kor 10,23-30.

 

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Info:
Der eine Gott, das Gewis­sen und der Bru­der (1Kor 8) – Uni Hd ist Beitrag Nr. 7035
Autor:
Martin Pöttner am 6. Juni 2018 um 16:46
Category:
Das Freiheitsverständnis im Neuen Testament
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