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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Sym­me­tri­en in Gal 3,26-29 (Uni Hd)

 

Die Sit­zung befass­te sich zunächst mit dem Rekurs auf φύσις in 1Kor 11 und Röm 1. Es bestand Einig­keit dar­in, dass es nicht ein­fach „natür­lich“ sein kann, son­dern einen kul­tu­rel­len Sinn haben muss, auch weil Pau­lus συνήθεια in der Fol­ge ver­wen­det. Es geht mit­hin um eine Gewohn­heit, die aktu­ell eta­bliert ist. Wir mach­ten uns an Ri klar, dass biblisch gele­gent­lich auch Män­ner lan­ge Haa­re tra­gen, es ist mit­hin ein aktu­el­les Gen­der­zei­chen. Ähn­lich ver­hält es sich in Röm 1. Hier ist die Tora prä­sent, als gött­li­ches Recht (Ass­mann, Exo­dus, 2015), ins­be­son­de­re das Bil­der­ver­bot, des­sen Miss­ach­tung die weib­li­che und männ­li­che Homo­se­xua­li­tät sei, „wider­na­tür­lich“ ist hier eine unvor­sich­ti­ge Über­set­zung. Wir tes­te­ten das an einem wich­ti­gen ἐλευθερία-Text des Pau­lus: 1Kor 9,19ff (vgl. 9,1a). Hier unter­stellt Pau­lus, er sei den Gesetz­lo­sen wie ein Gesetz­lo­ser gewor­den, aber Röm 1,26ff ist kein Fall davon, hier ist eine Gren­ze der Frei­heit erreicht. Eine Teil­neh­me­rin sag­te, man/frau kön­ne 1Kor 11 durch­aus wie einen Eph-Text lesen. Dass es dabei nicht geblie­ben ist, soll­te Gal 3,26ff zei­gen.
Zum bibli­schen The­ma ἐλευθερία stell­te das Semi­nar zunächst fest, dass es ein emi­nent alt­tes­ta­ment­li­ches The­ma ist, weil der Herr Isra­el aus der Skla­ve­rei in Ägyp­ten führ­te. Das Wort δουλεία usf. bil­det den Haupt­ge­gen­satz zu ἐλευθερία usf. Das gilt genau­so für das Grie­chen­tum.
Gal 3,26ff muss vor dem Hin­ter­grund die­ses Dis­kur­ses inter­pre­tiert wer­den. Wahr­schein­lich zitiert der Text ein Tauf­be­kennt­nis o. Ä. Jeden­falls ist die Tau­fe als Initi­ta­ti­ons­ri­tu­al des Chris­ten­tums wesent­li­ches The­ma des Tex­tes.

26Πάντες γὰρ υἱοὶ θεοῦ ἐστε διὰ τῆς πίστεως ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ·

27ὅσοι γὰρ εἰς Χριστὸν ἐβαπτίσθητε,
Χριστὸν ἐνεδύσασθε.

Bei dem Text erga­ben sich Erör­te­run­gen zu υἱοὶ …, was eben kein sym­me­tri­scher Begriff ist. Frau­en sind mit­ge­meint. Bei­de Geschlech­ter wer­den Kin­der Got­tes, weil sie in den Chris­tus hin­ein getauft wor­den sind, was durch die Gewand­me­ta­pher aus­ge­drückt wird: Ihr habt den Chris­tus ange­zo­gen. Vgl. 2Kor 5,1ff. Man/frau ist also „im“ Chris­tus, der das Gewand ist, den man/frau in der Tau­fe anzieht. Das warf in der Fol­ge Fra­gen auf. Die Gewand­me­ta­pher steht hier an der Stel­le, an der in Röm 6,4 vom Mit­be­gra­ben­wer­den in den Tod Chris­ti in der Tau­fe die Rede ist.
Der posi­ti­ve Effekt wird in 3,28 aus­ge­drückt:

28οὐκ ἔνι Ἰουδαῖος οὐδὲ Ἕλλην,
οὐκ ἔνι δοῦλος οὐδὲ ἐλεύθερος,
οὐκ ἔνι ἄρσεν καὶ θῆλυ·

πάντες γὰρ ὑμεῖς εἷς ἐστε ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ.

Das εἷς wird wohl am bes­ten als „einig“ wie­der­ge­ge­ben. Denn „im“ Chris­tus Jesus sol­len die zuvor genann­ten Paa­re von Juden/Griechen, Freie/Sklaven, Männliches/Weibliches kein Ele­ment besit­zen, das bevor­zugt ist. Es soll aber auch kein Kon­kur­renz­ver­hält­nis geben. Die Wen­dung ἄρσεν καὶ θῆλυ ist ein Zitat aus Gen 1,27, sodass in Gala­ti­en in der Gemein­de, im Chris­tus zwi­schen Frau­en und Män­nern das sym­me­tri­sche Geschlech­ter­ver­hält­nis von Gen 1 gilt.
Die Dis­kus­si­on dreh­te sich im Semi­nar dann wie auch in der Rezep­ti­ons­ge­schich­te des Tex­tes dar­um: Ist das nur in der Gemein­de so – oder hat das eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Bedeu­tung? Bei­de Mei­nun­gen wur­den ver­tre­ten, es wird wei­ter dis­ku­tiert.
Dass das The­ma ἐλευθερία/δουλεία mit der Her­aus­füh­rungs­the­ma­tik zusam­men­hängt, hat die Erlö­sungs­me­ta­pher der ἀπολύτρωσις her­vor­ge­bracht, die auch im Neu­en Tes­ta­ment eine Rol­le spielt, vgl. 1Kor 1,30. Es geht um den Skla­ven­los­kauf.

 

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

1. Über­set­zen und glie­dern Sie 1Kor 8,1-13!
2. Bestim­men Sie das mut­maß­li­che Pro­blem!
3. Was ist unter συνείδησις zu ver­ste­hen?
4. Auf wel­che Figur im Juden­tum ver­weist δι’ οὗ τὰ πάντα καὶ ἡμεῖς δι’ αὐτοῦ in 8,6?

 

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Info:
Sym­me­tri­en in Gal 3,26-29 (Uni Hd) ist Beitrag Nr. 7017
Autor:
Martin Pöttner am 1. Juni 2018 um 09:06
Category:
Das Freiheitsverständnis im Neuen Testament
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