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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


15. Juni 2018

Das luka­ni­sche Dop­pel­werk als Erfolgs­ge­schich­te

 

 

M. E. ist das über­grei­fen­de nar­ra­ti­ve Modell des luka­ni­schen Dop­pel­werks die Erfolgs­ge­schich­te. Zur Pro­blem­ge­schich­te und der dua­lis­ti­schen Erzähl­wei­se vgl. hier. In der Mythos­de­bat­te stand für die­ses Erzähl­mus­ter die „tra­di­tio­nel­le Erzäh­lung“ (z. B. Ass­mann u. v. a.). Wir haben in Gen 1 eine sol­che wahr­ge­nom­men, wo aus dem Cha­os bzw. Tohu­wa­bo­hu eine geord­ne­te Schöp­fung ent­steht, die sogar die ele­men­ta­re Zeit­struk­tur von Arbeit und Ruhe der jüdi­schen Woche ent­hält. Gott bewer­tet die (meis­ten) ein­zel­nen Schrit­te mit „gut“ oder „sehr gut“.
Für das Spre­chen von „Erfolg“ ist aus­schlag­ge­bend, dass in einem Pro­zess ein posi­ti­ves „Ziel“ erreicht wird, das den Erwar­tun­gen von uns oder an uns ent­spricht. Und wenn man die­ses „Ziel“ eini­ger­ma­ßen erreicht hat, kann man immer noch im Sin­ne Oli­ver Kahns sagen: „Wenn ich oben bin, ist nicht alles, was ich gemacht habe, rich­tig.“
In der Per­spek­ti­ve der Erlö­sung kann die­se als „Pro­blem“ erschei­nen, das erfolg­reich „gelöst“ wird. Dafür tritt in der Regel eine Hel­fer­fi­gur auf. Etwa die über­wie­gen­de Zahl der neu­tes­ta­ment­li­chen Wun­der­erzäh­lun­gen funk­tio­niert nach die­sem Mus­ter. Eine Beses­sen­heit oder eine Krank­heit wird von der Hel­fer­fi­gur Jesus besei­tigt, sodass das Anfangs­pro­blem, die nega­ti­ve Aus­gangs­si­tua­ti­on nicht mehr besteht. Die nega­ti­ve Aus­gangs­si­tua­ti­on wird mit­hin von einer Erlö­ser­fi­gur oder Hel­fer­fi­gur gewen­det, sodass nun ein posi­ti­ver Zustand erreicht ist und die­ser sich auch als sta­bil erweist. Von den klei­nen Gat­tun­gen im Neu­en Tes­ta­ment muss die gro­ße Mehr­zahl der Wun­der­erzäh­lun­gen als Erfolgs­ge­schich­ten gel­ten. Rhe­to­risch gehört die Gat­tung Wun­der­erzäh­lung zur Gat­tung der μύθοι (mythoi). (more…)

14. Juni 2018

1Kor 10,23ff

 

Die Sit­zung erör­ter­te wei­ter den refle­xi­ven Begriff συνείδησις, der auch in 10,23ff lei­tend ist. Er bezeich­net die selbst­be­stimm­te Hand­lungs­ori­en­tie­rung, die sich in plu­ra­len Situa­tio­nen als hilf­reich erwei­sen kann. Pau­lus zufol­ge ergibt sich ein Feld von Bezugs­punk­ten zwi­schen ἀγάπη, ἐλευθερία. Dabei wird ein kom­ple­xes Modell ent­fal­tet, in dem das Gewis­sen sich am Ande­ren ori­en­tie­ren soll, der nicht aus der Gemein­de her­aus­fal­len soll, sodass Frei­heit auch die Fähig­keit zur Selbst­zu­rück­nah­me ein­schließt.
Wir erör­ter­ten das an aktu­el­len kirch­li­chen Fäl­len wie der „Ehe für alle“, wo eben­falls zugleich inhalt­li­che Bestimmt­heit und Anders­sein ver­mit­telt wer­den müs­sen.
Gibt es Gren­zen? – war eine wich­ti­ge Fra­ge, die uns in der Fol­ge beglei­ten wird.

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

1. Über­set­zen und glie­dern Sie Gal 3,1-14!
2. Was ist das Pro­blem?
3. Wes­halb und wie ist vom „Fluch“ die Rede?
4. Was soll der Bezug auf Abra­ham?

13. Juni 2018

Bad Rap­penau, Phi­lo­so­phie in Nord­ame­ri­ka I: Peirce

Das Pro­gramm im Som­mer: Peirce und Whitehead

Der Phi­lo­so­phie­bei­trag knüpft an die Erwä­gun­gen im letz­ten Herbst an, die das us-ame­ri­ka­ni­sche Sys­tem von der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung her erklä­ren und mit dem deut­schen Sys­tem nach Art. 137 WRV ver­glei­chen bzw. pro­fi­lie­ren woll­ten. In den bei­den phi­lo­so­phi­schen Bei­trä­gen in die­sem Semes­ter bespre­chen wir Charles Peirce und Alfred North Whitehead, bei­des Phi­lo­so­phen, die das Poten­zi­al der us-ame­ri­ka­ni­schen Ent­wick­lung deut­lich machen kön­nen. Bei­de Phi­lo­so­phen akzep­tie­ren die expe­ri­men­tel­le Metho­de in den Natur­wis­sen­schaf­ten, sind aber auch den Kul­tur­wis­sen­schaf­ten gegen­über offen. Die­se Offen­heit hängt u. a. damit zusam­men, dass in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jhdts. inner­halb der Mathe­ma­tik Ent­wick­lun­gen wie die Men­gen­leh­re, die Wahr­schein­lich­keits­ma­the­ma­tik und die Theo­rie der Rela­tio­nen ent­stan­den. Dadurch wur­de phi­lo­so­phisch man­ches neu denk­bar. Bei­de knüpf­ten an pro­zes­sua­le Vor­stel­lun­gen an, die im 19. Jhdt. bei Schlei­er­ma­cher, Schel­ling und Hegel ent­wi­ckelt wor­den waren.
Ein Aspekt der Kul­tur ist außer den Wis­sen­schaf­ten für bei­de Phi­lo­so­phen wesent­lich, der Aspekt der Reli­gi­on. Und daher liegt in bei­den Ent­wür­fen auch eine pro­zessphi­lo­so­phi­sche Got­tes­leh­re vor. Bei­de Phi­lo­so­phen sind Prag­ma­tis­ten, d. h., sie unter­stel­len, dass wir han­delnd auf die Wirk­lich­keit zugrei­fen – und dass die­ser Zugriff der Wirk­lich­keit nicht äußer­lich ist. Wir klä­ren die genaue Bedeu­tung von „Prag­ma­tis­mus“ sofort bei Peirce. (more…)

8. Juni 2018

Indi­vi­du­el­le Reli­gio­si­tät (Mt 6,1-18)

The­ma war Mt 6,1-18 – und die Fra­ge nach der Prag­ma­tik reli­giö­ser Tex­te: Was wird von einem Text in einer Gemein­schaft zu erzie­len ver­sucht? Auch der fol­gen­de Abschnitt 6,19ff eig­net sich sehr gut für die­se Fra­ge­stel­lung. (more…)

7. Juni 2018

Grund­zü­ge, Mar­kus und Mat­thä­us

 

Wir nah­men die Theo­ri­en seit dem 19. Jhdt. zur Kennt­nis, die das Ent­ste­hen der syn­op­ti­schen Evan­ge­li­en der Evan­ge­li­en­samm­lung erklä­ren sol­len. Das Johan­nes­evan­ge­li­um muss geson­dert erklärt wer­den. Dazu beschäf­tig­ten wir uns mit dem Mar­ku­sevan­ge­li­um und dem Mat­thäu­sevan­ge­li­um.
me galt, dass man am ehes­ten an Jesus her­an­kommt, wenn man his­to­risch zurück­geht. Zugleich war man der Über­zeu­gung, dass man dann auch der reli­giö­sen Wahr­heit näher­kä­me. Dabei war klar gewor­den, dass die Tex­te nicht über­ein­stimm­ten. Vgl. hier  . (more…)

6. Juni 2018

Der eine Gott, das Gewis­sen und der Bru­der (1Kor 8) – Uni Hd

Wir ver­stan­den, dass als der Hin­ter­grund am ehes­ten die Gel­tung der LXX als hei­li­ge Schrif­ten in der korin­thi­schen Gemein­de anzu­se­hen ist. Dort ist ins­be­son­de­re seit Ex 20,4 von εἴδωλον usf. die Rede. Wich­tig sind Dtjes und Sap­Sal. Ob jemand in Korinth die Kri­tik des Xeno­pha­nes kann­te, ist nicht sicher. Sowohl die jüdi­sche Reli­gi­on als auch eini­ge grie­chi­sche Phi­lo­so­phen ent­wi­ckel­ten ein mono­the­is­ti­sches Got­tes­ver­ständ­nis. Vgl. als Beleg, dass die­ser Sach­ver­halt biblisch prä­sent ist: Sap­Sal 13, aber auch Röm 1,19ff. (more…)

1Kor 8,1-13 – Uni Hd

2. Juni 2018

Gott als ler­nen­des Sys­tem

Jonas Schrö­der

 

Das The­ma die­ser Semi­nar­sit­zung han­del­te von dem, nicht ganz unum­strit­te­nen, Kapi­tel der Fein­des­lie­be. Wir lasen den Text aus der Bibel: Mat. 5, 43-48 („Die neu­en The­sen“ Ein­heits­über­set­zung)
Dar­in ver­langt Jesus, dass man sei­ne Fein­de nicht has­sen, son­dern lie­ben soll. Er geht vor­her auf die Schrif­ten des alten Tes­ta­ments ein, in denen steht, dass man sei­nen Nächs­ten lie­ben und sei­ne Fei­ne has­sen soll. Er schließt den Satz mit „Ich aber sage euch: Liebt eure Fein­de und betet für die, die euch ver­fol­gen, damit ihr Kin­der eures Vaters im Him­mel wer­det; …“ (Mat. 5, 44-45). Die­se Aus­sa­ge allei­ne ist schwer zu ver­ste­hen. Im alten Tes­ta­ment, das vie­le Jahr­hun­der­te gegol­ten hat, ver­langt Gott, dass man sei­ne Fein­de has­sen soll. Plötz­lich ver­langt Jesus, dass man sei­ne Fein­de lie­ben soll. Jesus hat die­se schwer ver­ständ­li­che Aus­sa­ge natür­lich durch­dacht und hat eine gute Erklä­rung an die Aus­sa­ge gehängt. Sie beginnt mit der Zei­le 45 des Tex­tes: „…, damit ihr Kin­der eures Vaters im Him­mel wer­det; denn er lässt sei­ne Son­ne auf­ge­hen über Guten und Bösen und er lässt reg­nen über Gerech­te und Unge­rech­te.“. Jesus zeigt also auf, dass Gott alle Men­schen liebt und sie alle gleich­be­han­delt, egal ob sie ihn lie­ben oder has­sen. Im dar­auf­fol­gen­den Text (Mat. 5,46-47) führt er Bei­spie­le an. Er fragt, war­um man sich gut ver­hält, wenn man nur die­je­ni­gen liebt, die einen auch lie­ben, das wür­den schließ­lich auch die Zöll­ner tun. Zöll­ner hat­ten zu Zei­ten Jesu einen sehr schlech­ten Ruf und gal­ten als kor­rupt. Eben­so führt er die Hei­den an, wel­che auch nur ihre Brü­der grü­ßen wür­den. Er ver­langt also von sei­nen Zuhö­rern, bes­se­re Men­schen zu wer­den. Es reicht nicht mehr nur sei­ne Freun­de und Fami­lie zu lie­ben, man soll auch sei­ne Fein­de lie­ben und für sie beten. Dadurch wür­de man ein bes­se­res, voll­kom­me­ne­res Leben füh­ren. Im letz­ten Satz (Mat. 5, 48) schließt Jesus das Kapi­tel: „Seid also voll­kom­men, wie euer himm­li­scher Vater voll­kom­men ist!“. Er bekräf­tigt damit noch­mal das Vor­an­ge­stell­te und ver­deut­licht, dass Gott es sel­ber auf die­se Wei­se so hält. (more…)

Pro­phe­ten

Wir beschäf­tig­ten uns mit der bibli­schen Pro­phe­tie vom ach­ten bis zum zwei­ten Jhdt. v. d. Z. und bespra­chen exem­pla­risch Jes 2,1ff, Jes 11,1ff, Jer 20,4ff und Ez 1,1ff.
Wir ent­deck­ten u. a. ange­regt durch die Dar­stel­lung bei Bor­mann, dass die Pro­phe­ten
• Kult­kri­tik und
• Sozi­al­kri­tik be-
trie­ben. In bei­den Fäl­len ste­hen sie mög­li­cher­wei­se – anders als z. B. in den meso­po­ta­mi­schen Gesell­schaf­ten – gegen das König­tum. Wir sahen das an der Kon­stel­la­ti­on David-Bath­se­ba-Nathan. Sie sind also eine genu­in reli­giö­se Grup­pe, m. E. kann ihr Auf­tre­ten als Aus­dif­fe­ren­zie­rung der Reli­gi­on in Nord-Isra­el und Juda als eigen­stän­di­ger Bereich der Gesell­schaft ver­stan­den wer­den. Wenn sie den Schutz der Wai­sen, Wit­wen und Armen for­der­ten, dann hat­te der König ver­sagt, des­sen Auf­ga­be das in den alt­ori­en­ta­li­schen Gesell­schaf­ten war.
Das Pro­phe­ten­buch ist der bedeu­tends­te Fall der Fort­schrei­bungs­pro­zes­se in der Bibel, Vor­aus­sa­gen muss­ten auf­ge­zeich­net, inter­pre­tiert und konn­ten offen gelas­sen wer­den. So ent­hält das Jesa­ja­buch Tex­te aus dem 8. (1-39), dem 6. (40-55), ab dem 5. (56-65), aber auch aus dem 2. Jhdt. v. d. Z., die soge­nann­te Jesa­ja-Apo­ka­lyp­se in 24-27.
Wir nah­men die Völ­ker­wall­fahrt zum Zion (2,1ff) wahr, die bis Röm 11,25ff eine rei­che Rezep­ti­ons­ge­schich­te auf­weist. Jes 11,1ff ist eine mes­sia­ni­sche Weis­sa­gung, die einen alter­na­ti­ven David­i­den erwar­tet, der ein Frie­dens­reich errich­tet, mit Gerech­tig­keit regiert. Das Frie­dens­reich hat para­die­si­sche Züge, denn der Tier­frie­de herrscht.
Jer 20,4ff zeigt eine typi­sche Gerichts­an­sa­ge an Juda, das ins Exil geführt wer­den soll. Dazu kommt eine der Kon­fes­sio­nen Jere­mi­as. In ihr beklagt der Pro­phet sein Schick­sal, sei­ne Ver­fol­gung usf.

Ez 1,1ff ist die ein­drucks­volls­te pro­phe­ti­sche Visi­on, der Schwe­re Got­tes, Luther: Herr­lich­keit Got­tes – mit Bil­dern der Uni­ver­sa­li­tät Got­tes.
Heu­te unter­stellt man, dass die ande­ren in einem Zwölf-Pro­phe­ten­buch orga­ni­siert sind. Wich­tig ist Sach 9f, weil dort das Bild des Frie­dens­kö­nigs ent­fal­tet wird, dazu Mal, der vor dem „Tag des Herrn“ Elia erwar­tet, im Chris­ten­tum: Johan­nes, der Täu­fer.

Mk und Mt am nächs­ten Diens­tag.

 

1. Juni 2018

Sym­me­tri­en in Gal 3,26-29 (Uni Hd)

 

Die Sit­zung befass­te sich zunächst mit dem Rekurs auf φύσις in 1Kor 11 und Röm 1. Es bestand Einig­keit dar­in, dass es nicht ein­fach „natür­lich“ sein kann, son­dern einen kul­tu­rel­len Sinn haben muss, auch weil Pau­lus συνήθεια in der Fol­ge ver­wen­det. Es geht mit­hin um eine Gewohn­heit, die aktu­ell eta­bliert ist. Wir mach­ten uns an Ri klar, dass biblisch gele­gent­lich auch Män­ner lan­ge Haa­re tra­gen, es ist mit­hin ein aktu­el­les Gen­der­zei­chen. (more…)