Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


EfG Gries­heim: Pre­digt zu Tri­ni­ta­tis

 

 

Gott hat alle in ihrem Starr­sinn ein­ge­schlos­sen, um allen Barm­her­zig­keit zu schen­ken. 33Welch’ uner­mess­li­cher Reich­tum Got­tes, welch’ tie­fe Weis­heit und uner­schöpf­li­che Erkennt­nis! Uner­forsch­lich sind die gött­li­chen Ent­schei­dun­gen, uner­gründ­lich die gött­li­chen Wege. 34Denn wer hat je die Gedan­ken des Leben­di­gen erfasst? Wer hat ihm je einen Rat gege­ben? 35Wer hat Gott jemals etwas gege­ben, das zurück­er­stat­tet wer­den müss­te? 36Alles hat sei­nen Ursprung in Gott, alles exis­tiert durch Gott und auf Gott hin. Ehre sei Gott durch Zei­ten und Wel­ten, Amen (Bibel in gerech­ter Spra­che).

Lie­be Gemein­de,

Gott hat alle in ihren Starr­sinn ein­ge­schlos­sen, um sich aller zu erbar­men, J*uden und Nichtj*uden. Auch die J*uden wer­den geret­tet, Gott erbarmt sich ihrer, obgleich sie Jesus ableh­nen.
Das ist Pau­lus Anlass dazu einen Psalm zu schrei­ben, der auch auf bibli­sche Psal­men zurück­greift. Heu­te ist Tri­ni­ta­tis, also der Sonn­tag, an dem die christ­li­chen Gemein­den die drei­ei­ni­ge Gestalt Got­tes beson­ders beto­nen, Gott als Schöp­fer, Gott als Teil­neh­mer an der Mensch­heits­ge­schich­te in Auf­tre­ten, Lei­den und Ster­ben sowie „Auf­ste­hen“ Jesu Chris­ti – und Gott als Geist, der sich uni­ver­sal aus­brei­tet und Gott in der gesam­ten Welt prä­sent macht.

 

33Welch’ uner­mess­li­cher Reich­tum Got­tes, welch’ tie­fe Weis­heit und uner­schöpf­li­che Erkennt­nis!

 

So singt Pau­lus. Wir erin­nern uns viel­leicht nur gele­gent­lich der drei­ei­ni­gen Gestalt Got­tes, wenn wir uns von J*uden und Mus­li­men scharf abzu­gren­zen ver­su­chen. Die ver­ste­hen ja Gott nicht als drei­ei­ni­gen! Ich läche­le dann gele­gent­lich freund­lich, weil ich mer­ke, dass sol­che Geschwis­ter die jüdi­sche Bibel oder den Koran nicht so gut ken­nen, vor allem aber Gott unter­schät­zen, von dem Pau­lus jubi­liert:

 

36Alles hat sei­nen Ursprung in Gott, alles exis­tiert durch Gott und auf Gott hin. Ehre sei Gott durch Zei­ten und Wel­ten …

 

Alles also. Wol­len wir das wahr­ha­ben? Auch die J*uden, die Muslim*e, die Hin­dus, die Buddhist*innen – und vie­le ande­re? Und wenn wir das akzep­tie­ren könn­ten, wie steht es dann damit, dass in der Welt vie­les schief geht, wie zuletzt in Syri­en? Der Jubel des Pau­lus kann uns als ein­zel­ne Per­son, als klei­ne Gemein­de erschre­cken oder rat­los machen. Wie steht es mit dem Ver­hält­nis Got­tes zur Mensch­heits­ge­schich­te oder zu unse­rem kon­kre­ten Leben?
Auf alle die­se Fra­gen ver­sucht die Auf­fas­sung von der Drei­ei­nig­keit Got­tes eine Ant­wort zu geben. Gott als Geist bedeu­tet, dass Gott in den Gemein­den der Christ*innen unter­wegs ist, in Ver­kün­di­gung, Gesang, Abend­mahl, Tau­fe, in Lie­be und Freu­de. Gott als Geist bedeu­tet aber auch, dass Gott jen­seits der christ­li­chen Gemein­den, in ande­ren Reli­gio­nen und ande­ren kul­tu­rel­len Gestal­ten unter­wegs ist. Wer glaubt, nur die Aus­deh­nung der christ­li­chen Gemein­de lie­ge im Plan Got­tes, liegt falsch, wie Pau­lus hier sagt. Gott erbarmt sich der J*uden, ohne dass sie sich für Jesus ent­schie­den hät­ten. Offen­bar ist Gott grö­ßer als dies aus der Per­spek­ti­ve einer ein­zel­nen reli­giö­sen Grup­pe erschei­nen könn­te, die nur auf sich selbst sieht. Es ist daher kein Wun­der, dass es jetzt vie­le Men­schen ande­rer Reli­gio­si­tät in Deutsch­land gibt. Und wie vie­le in die­ser Gemein­de, soll­ten sich Christ*innen mit der Wei­te Got­tes, sei­nen uner­forsch­li­chen Wegen beschäf­ti­gen.
Dass Gott das Lei­den in Jesus von Naza­reth erfährt, ist der zwei­te wich­ti­ge Aspekt der Auf­fas­sung vom drei­ei­ni­gen Gott. Jesus lei­det zu unse­ren Guns­ten, daher ste­hen auch unse­re Lei­den nicht außer­halb Got­tes. Wie mit dem Lei­den Jesu, so lei­det Gott auch mit unse­ren Lei­den mit. Im „Auf­ste­hen“ Jesu nimmt der Vater den Gekreu­zig­ten an. Aber so gehört das Lei­den zu Gott. So ist das Kreuz Jesu das Zei­chen gött­li­cher Lie­be, der Huma­ni­tät – aber nie­mals von staat­li­cher Macht, die bes­ten­falls ambi­va­lent reagiert. Natür­lich nimmt Gott auch Sünder*innen an, die das Gegen­teil ver­su­chen – und ver­gibt ihnen.
Gott der Schöp­fer hat alles geschaf­fen, aber wir haben uns gegen ihn ver­schlos­sen, was wir täg­lich wei­ter erfah­ren, sodass wir der Lie­be zu wenig Raum geben. Das ist ver­ständ­lich, wenn uns aus der Lie­be Nach­tei­le erwach­sen könn­ten. Die­ses Lei­den ist aber von Gott, dem Sohn, ange­nom­men, des­sen Lei­den und unse­re Lei­den Gott, der Vater, teilt.
In heu­ti­ger Ter­mi­no­lo­gie dürf­te Pau­lus’ Psalm wohl als „Gutmenschen“-Psalm beschimpft wer­den. Die Rea­li­tät ist von Gewalt bestimmt – und wer woll­te das anhand der Vor­gän­ge in Syri­en, Afgha­ni­stan bestrei­ten, die ja über die Flücht­lin­ge direk­te Aus­wir­kun­gen auf unser Leben haben. Dabei ist über­se­hen, dass die Bekämp­fung von Gewalt stets neue Gewalt her­vor­ruft, wie es die Kon­flik­te in Syri­en, Paki­stan und Afgha­ni­stan zei­gen. Und so ver­hält es sich auch in der per­sön­li­chen Erfah­rung. Wenn mich jemand ver­letzt, kann ich Trau­er emp­fin­den, aber auch Wut oder Zorn. Das kann einen Impuls aus­lö­sen, dass ich d*iejenige zumin­dest auch ver­let­zen möch­te, Auge um Auge, Zahn um Zahn, es soll fair zuge­hen. Mar­tin Luther King hat sehr genau ver­sucht, die Bot­schaft aus der Berg­pre­digt einer sol­chen Wie-Du-mir-so-ich-Dir-Ethik prak­tisch ent­ge­gen­zu­set­zen. Die Schwar­zen in den USA soll­ten gewalt­los wider­ste­hen, ohne ihren wei­ßen Unter­drü­ckern zu gehor­chen. Die Black-Pan­ther-Bewe­gung aber setz­te auf Gewalt – und hat­te das Argu­ment für sich, dass die Wei­ßen gewalt­sam die Men­schen­rech­te der Schwar­zen unter­drück­ten. Bis heu­te ist die Mar­gi­na­li­sie­rung der Schwar­zen nicht besei­tigt. M. E. ist der Traum Mar­tin Luther Kings aber doch trotz Rück­schlä­gen auf dem Weg, Barack Oba­ma hat sich dar­auf beru­fen. Der gewalt­lo­se Weg ist der christ­lich rich­ti­ge, weil wir glau­ben, dass die Lie­be den Hass über­win­det. Und nur die Lie­be.
So ist es auch bei der Öku­me­ne, die ja im Refor­ma­ti­ons­jahr eine evan­ge­lisch-katho­li­sche Gemein­schafts­fei­er war. Der Effekt zeigt sich hier in Darm­stadt, wo evan­ge­lisch-katho­li­sche Paa­re nun auch die Eucha­ris­tie gemein­sam fei­ern könn­ten – und nicht nur das Abend­mahl. Das ist nicht wenig.
Zur Vor­ge­schich­te gehört bischöf­li­ches Han­deln. Kar­di­nal Marx und Bischof Bed­ford-Strohm reis­ten nach Jeru­sa­lem, jener Stadt, die für Juden­tum, Chris­ten­tum und den Islam so eine gro­ße Bedeu­tung hat. Auf dem Tem­pel­berg tru­gen die bei­den Bischö­fe ihre Kreu­ze nicht, aus Respekt vor Juden und Mus­li­men, wie es die Berg­pre­digt emp­fiehlt. Den vie­len Kon­flik­ten, die mit die­sem Berg zusam­men­hän­gen, soll­te kein wei­te­rer Kon­flikt hin­zu­ge­fügt wer­den. Bei unse­ren rech­ten Geschwis­tern ist das bis heu­te ein Anlass zur Het­ze, wie kann man nur auf das Zei­chen der christ­li­chen Iden­ti­tät ver­zich­ten?! Wie unter­wür­fig gegen­über J*uden und Muslim*en! Aber die bei­den haben sich fromm im Sin­ne der Berg­pre­digt ver­hal­ten, nach der man nicht mit sei­ner Fröm­mig­keit prah­len soll, son­dern sie schlicht tun.
Daher ist die zwei­te Per­son der Tri­ni­tät so wich­tig im Chris­ten­tum. Denn am Sohn sehen wir, dass Gott die Welt so liebt, dass er selbst lei­det – und unse­re Lei­den teilt und sie wen­den wird.
Das gilt auch für Ein­schrän­kun­gen, die wir leib­lich haben. Die­se kön­nen wir nur schwer als tie­fe Weis­heit Got­tes ver­ste­hen. Wir dür­fen dage­gen pro­tes­tie­ren, wie es Hiob tat. Hiob klagt, er klagt auch an.
Pau­lus hat ähn­li­che leid­vol­le Erfah­run­gen wie Hiob gemacht. Wie Hiob aber sieht er, dass es nicht nur auf unser eige­nes Leben ankommt. Das ist ein nicht unbe­deu­ten­der Schritt. Es kommt manch­mal mehr auf mei­ne Toch­ter oder mei­nen Sohn an als auf mich. Wenn ich das wahr­neh­me, habe ich genug Kraft, mit ihr oder ihm ein Eis essen zu gehen – und schön in der Son­ne zu sit­zen. Dann sind Weis­heit und Lie­be im All­tag erfahrbar.ä

Amen

 

« Sprü­che, Pro­ver­bi­en – Weis­heit, Bibel­kun­de Hei­del­berg – Sym­me­tri­en in Gal 3,26-29 (Uni Hd) »

Info:
EfG Gries­heim: Pre­digt zu Tri­ni­ta­tis ist Beitrag Nr. 7000
Autor:
Martin Pöttner am 27. Mai 2018 um 10:03
Category:
Religiöse Rede
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

Keine Kommentare »

No comments yet.

Kommentar-RSS: RSS feed for comments on this post.

Leave a comment