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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Berg­pre­digt: Darm­stadt 08.05.

Pro­to­kol­lan­tin: Julia Schä­fer

 

Semi­narin­hal­te:

In die­ser Semi­nar­sit­zung ging es im ers­ten Teil der Sit­zung um die Ver­se 5,17 – 5,20 (Jesu Stel­lung zum Gesetz und den Pro­phe­ten) und im zwei­ten Teil der Sit­zung gin­gen wir wei­ter zu Vers 5,21-5,26 (Vom Töten).

Jesu Stel­lung zum Gesetz

17 Ihr sollt nicht mei­nen, dass ich gekom­men bin, das Gesetz oder die Pro­phe­ten auf­zu­lö­sen; ich bin nicht gekom­men auf­zu­lö­sen, son­dern zu erfül­len. 18 Denn wahr­lich, ich sage euch: Bis Him­mel und Erde ver­ge­hen, wird nicht ver­ge­hen der kleins­te Buch­sta­be noch ein Tüp­fel­chen vom Gesetz, bis es alles geschieht. 19 Wer nun eines von die­sen kleins­ten Gebo­ten auf­löst und lehrt die Leu­te so, der wird der Kleins­te hei­ßen im Him­mel­reich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß hei­ßen im Him­mel­reich. 20 Denn ich sage euch: Wenn eure Gerech­tig­keit nicht bes­ser ist als die der Schrift­ge­lehr­ten und Pha­ri­sä­er, so wer­det ihr nicht in das Him­mel­reich kom­men. (https://www.bibleserver.com/text/LUT/Matth%C3%A4us5 letz­ter Zugriff am 10.05.2018)

Herr Pött­ner fragt, ob die Über­schrift beim bib­le­ser­ver pas­send gewählt ist? Jesu Stel­lung zum Gesetz bezieht sich dar­auf, dass das Gesetz immer wei­ter gül­tig bleibt. Die Geset­ze wer­den hier mit der Hei­li­gen Schrift der Juden ver­gli­chen, wel­che Jesu nicht auf­lö­sen möch­te. Denn es heißt: Gesetz und Pro­phe­ten. Wor­um geht es in 5.17? Jesu sagt, er hebt das Gesetz und die Pro­phe­ten nicht auf, er möch­te die Schrift nicht auf­lö­sen oder ver­än­dern. Er möch­te sie erfül­len. Er ist nicht der Ret­ter oder Erlö­ser, son­dern möch­te, dass sei­ne Erfül­lung aus den Men­schen selbst ent­steht. Was heißt sie zu erfül­len? Er sagt, dass die Schrif­ten gute Geset­ze sind, wes­halb er sie nicht ändern will. So hört sein Publi­kum, in die­sem Fall die Römer, dass nicht ver­än­dert wird, was gut für sie ist. Er möch­te mit der Erfül­lung eher eine Neu­aus­le­gung der Geset­ze sozu­sa­gen ergän­zen, sie ver­voll­stän­di­gen. Er möch­te nicht ver­än­dern, da die Chris­ten vor den Römern sonst als eine auf­stän­di­sche Reli­gi­on wahr­ge­nom­men wer­den wür­den, da sie ihre Geset­ze der Älte­ren bzw. Väter ver­än­dern woll­ten und somit als gefähr­lich gel­ten wür­den. Die Geset­ze kön­nen immer nur Din­ge sein, an die man sich hält, bei dem Erfül­len geht es um mehr als nur Wor­te. Auf der höhe­ren Ebe­ne der Erfül­lung haben die Geset­ze kei­nen Wert mehr. Herr Pött­ner ver­weist hier auf 5.38 und 5.39 wel­che lau­ten:

Vom Ver­gel­ten 38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« 39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht wider­stre­ben sollt dem Bösen, son­dern: Wenn dich jemand auf dei­ne rech­te Backe schlägt, dem bie­te die ande­re auch dar. (https://www.bibleserver.com/text/LUT/Matth%C3%A4us5 letz­ter Zugriff am 10.05.2018)

Was haben die Pha­ri­sä­er und Schrift­ge­lehr­ten damit zu tun? Im Vers 20 wird die Gerech­tig­keit mit den Schrift­ge­lehr­ten und Pha­ri­sä­er ver­gli­chen, das bedeu­tet hier in Sin­ne einer bes­se­ren Gerech­tig­keit, wel­che von den Chris­ten über­bo­ten wer­den soll. Jesu hat hier einen hohen Anspruch an sein Publi­kum, denn er spricht von der bes­se­ren Gerech­tig­keit als Voll­endung. Dies ver­gleicht er mit dem Bild der Pha­ri­sä­er, wel­che sich selbst für gerecht hal­ten und damit recht­fer­ti­gen. Dies wird damit begrün­det, dass sie machen, was in ihren Schrif­ten steht, jedoch reflek­tie­ren sie nicht ihr Ver­hal­ten, son­dern tun nur was sie sol­len, somit ver­feh­len sie denn Sinn. („So wie es da steht, so machen wir es und so ist es gut!“) Die Aus­sa­ge ist, dass man das Gesetz nicht ver­wen­den soll, um sich selbst zu recht­fer­ti­gen, son­dern um es ein­fach zu tun. Damit betont Jesu mit Vers 17 bis 20 eine Art Anspra­che an sein Publi­kum. Es ist wie eine Art Ein­lei­tung, in der es um die Ver­bes­se­rung einer all­ge­mei­nen Gesell­schaft bzw. einen ande­ren Umgang der Men­schen mit­ein­an­der geht. Durch die Ver­se 17-20 wur­de dies ange­kün­digt. Die fol­gen­den Über­schrif­ten benen­nen sozu­sa­gen ein­zel­ne The­men und beschrei­ben die­se. In die­ser Über­schrift geht es um das Töten (5.21-5.26)

Vom Töten

21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schul­dig sein. 22 Ich aber sage euch: Wer mit sei­nem Bru­der zürnt, der ist des Gerichts schul­dig; wer aber zu sei­nem Bru­der sagt: Du Nichts­nutz!, der ist des Hohen Rats schul­dig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höl­li­schen Feu­ers schul­dig. 23 Dar­um, wenn du dei­ne Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bru­der etwas gegen dich hat, 24 so lass dort vor dem Altar dei­ne Gabe und geh zuerst hin und ver­söh­ne dich mit dei­nem Bru­der, und dann komm und opfe­re dei­ne Gabe. 25 Ver­tra­ge dich mit dei­nem Wider­sa­cher sogleich, solan­ge du noch mit ihm auf dem Weg bist, auf dass dich der Wider­sa­cher nicht dem Rich­ter über­ant­wor­te und der Rich­ter dem Gerichts­die­ner und du ins Gefäng­nis gewor­fen wer­dest. 26 Wahr­lich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort her­aus­kom­men, bis du auch den letz­ten Hel­ler bezahlt hast. (https://www.bibleserver.com/text/LUT/Matth%C3%A4us5 letz­ter Zugriff am 10.05.2018)

Im Vers 21 wird klar, dass nur Gott urtei­len darf, denn das Gesetz ist von Gott gemacht. Jesu möch­te damit eine ande­re Form von Gesell­schaft und einen bes­se­ren Umgang unter den Men­schen för­dern. Das Töten wird hier im Vers 22 mit der Belei­di­gung ver­gli­chen. Dies tut Jesu, da die Unter­las­sung die­ses Ver­hal­tens zu einer bes­se­re Gesell­schaft bei­tra­gen wird. Belei­digt man jeman­den als etwas, so drückt man ihm einen Stem­pel auf „Du bist blöd.“ Man soll­te über ande­re nicht urtei­len, da man ihre Geschich­te und ihre Hand­lungs­mo­ti­ve nicht kennt. Man weiß nicht, was den Leu­ten an die­sem Tag pas­siert ist oder wel­che Umstän­de sie in die­se Situa­ti­on gebracht haben. Man selbst erlebt nur einen kur­zen Aus­schnitt und hat nicht das Recht, über sie zu urtei­len, denn durch die­ses Urteil gibt man die­sem Men­schen einen Stem­pel, wel­cher ihn in sei­nem wei­te­ren Leben even­tu­ell nega­tiv beein­flus­sen kann. Die Fol­gen davon kön­nen sein, dass er sich als der­je­ni­ge fühlt, als den er bezeich­net wur­de. Das Töten ist eine aus Zorn ent­stan­de­ne Hand­lung so wie das Belei­di­gen. Im Prin­zip kann man sagen, dass das Urtei­len über Men­schen ähn­lich ist wie das Brand­mar­ken der Scha­fe, man gibt ihnen einen Stem­pel und bezeich­net sie als etwas. Jeder Ver­such zu fra­gen „War­um hat der­je­ni­ge so oder so gehan­delt“ wird durch das Urtei­len ver­nich­tet, daher soll­te man dies unter­las­sen. Herr Pött­ner stellt die Fra­ge war­um der Zorn so etwas dra­ma­ti­sches ist? Der Zorn ist ein sehr nega­ti­ves Gefühl, das man auf Ande­re Lebe­we­sen oder Din­ge pro­ji­ziert. Das kann pas­sie­ren, wenn jemand etwas zu einem gesagt hat, was gar nicht stimmt. Man wird rot und atmet schnel­ler, es ist eine ange­spann­te Situa­ti­on, fast schon eine aus­weg­lo­se Situa­ti­on, in der man wie die Tie­re reagiert. Ent­we­der greift man an oder läuft weg und flüch­tet. Dies ist die Fol­ge wes­we­gen man die­se Angriffs­si­tua­ti­on mit dem Töten ver­gleicht. Man ist zwi­schen Angst und Wut und regt sich über Din­ge auf, die Ande­re sagen oder tun. Bei Din­gen wie Töten oder Belei­di­gen geht der Zorn immer vor­aus. Im Vers 23-24 geht es um die Opfer­sze­ne, wel­che man nur aus­üben soll, wenn man mit sei­nem Bru­der oder Schwes­ter im Guten ist. Das Bedeu­tet man soll nur Opfer geben, wenn man auch in der Situa­ti­on sein kann also dies nur mit einem rei­nem Gewis­sen aus­üben soll, wenn man mit sei­nem Bru­der oder Schwes­ter im Guten ist. Das Bedeu­tet man soll nur Opfer geben, wenn man auch in der Situa­ti­on sein kann also dies nur mit einem rei­nem Gewis­sen aus­üben soll­te. „Rei­nes Gewis­sen“ wird hier gemeint mit einem frei­en Kopf und einer Aus­ge­gli­chen­heit in Form von Zufrie­den­heit oder Dank­bar­keit. Man soll­te bei der Opfer­ga­be in Gedan­ken an das Opfer sein und kei­ne offe­nen Kon­flik­te im Kopf haben bei den man ein schlech­tes Gewis­sen wegen etwas hat oder sich über ein Alter­na­tiv­ver­hal­ten in ver­gan­ge­nen Situa­tio­nen Gedan­ken macht. Man soll­te erst sei­ne Kon­flik­te nicht wei­ter bestehen las­sen, son­dern lösen bevor man ein Opfer gibt. Herr Pött­ner erwähnt hier, dass in der Berg­pre­digt die Pries­ter als über­flüs­sig dar­ge­stellt wären, sofern wir in der Lage sind unse­re Kon­flik­te selbst lösen zu kön­nen, die­sem stimmt er zu. Bei Vers 25-26 geht es dar­um, dass man die zuvor genann­ten Kon­flik­te so schnell wie mög­lich klä­ren soll­te, damit es nicht zu einer grö­ße­ren Stra­fe kommt. Es ist wich­tig selbst aktiv zu wer­den. Mit soll nicht nur dar­über nach­den­ken son­dern auch aktiv mit den Per­so­nen spre­chen und die Situa­ti­on klar stel­len. Man muss mit die­sen Per­so­nen spre­chen und zu einer Lösung kom­men. Wenn dies nicht mög­lich ist, muss man sei­ne Schuld aus­set­zen, in Form von Schul­den bezah­len oder die Zeit im Gefäng­nis absit­zen.
Zusam­men­fas­sung: Nur so kann eine Gesell­schaft funk­tio­nie­ren. Es soll erst gar nicht zu die­sen Ver­nich­tungs­wün­schen kom­men, dies beschreibt Jesus im Vers 21-26 „Vom Töten“. Wenn man nicht belei­digt wie Vers 22, so muss man dies nicht klä­ren und es kann auch nicht zu einer grö­ße­ren Stra­fe kom­men oder einer Stra­fe, wel­che einen dar­an hin­dert ein Opfer zu geben Vers 23-24. Außer­dem sol­le man dies so schnell wie mög­lich klä­ren, um Schlim­mes zu ver­hin­dern wie in Vers 25-26.

« Bibel­kun­de Darm­stadt, 08.05. – 1Kor 11,3ff Uni Hd, 14.05. »

Info:
Berg­pre­digt: Darm­stadt 08.05. ist Beitrag Nr. 6958
Autor:
Martin Pöttner am 13. Mai 2018 um 13:16
Category:
Bergpredigt,Einfünrung in die Exegese und Hermeneutik
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