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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Bibel­kun­de Darm­stadt, 08.05.

Pro­to­kol­lant: Jonas Schrö­der

The­ma die­ser Semi­nar­sit­zung waren das deu­te­ro­no­mis­ti­sche und das chro­nis­ti­sche Geschichts­werk. Bei­de Geschichts­wer­ke wer­den in jeweils einem Kapi­tel des Buches „Bibel­kun­de“ von Lukas Bor­mann bear­bei­tet und soll­ten bis zur Ver­an­stal­tung gele­sen wer­den.
Das deu­te­ro­no­mis­ti­sche Geschichts­werk besteht im Wesent­li­chen aus zwei, auf­ein­an­der­fol­gen­den Text­sor­ten. Zum einen aus den Bücher Josua bis 2. Köni­ge, die eher in erzäh­len­der Form gehal­ten sind. In ihnen tre­ten zum ers­ten Mal Köni­ge Isra­els auf, Rich­ter, Pro­phe­ten, Kund­schaf­ter und Sol­da­ten han­deln als Per­sön­lich­kei­ten. Der ers­te Tem­pel wird von König Salo­mo errich­tet und von den Baby­lo­ni­ern im Krieg zer­stört.
Zum ande­ren gibt es immer wie­der kom­men­tar­ar­ti­ge Ein­schü­be, in denen aus einer Beob­ach­ter­po­si­ti­on her­aus erzählt wird (sie­he 2. Sam 11f).
Die­se Beob­ach­tung führ­te zu der umstrit­te­nen Hypo­the­se, dass das deu­te­ro­no­mi­sche Geschichts­werk von einer Grup­pe von Geschichts­schrei­bern stammt, wel­che die Erzähl­tra­di­ti­on Isra­els gesam­melt und zu einem Geschichts­werk ver­fasst haben. Die­se Hypo­the­se wird dadurch gestützt, dass die deu­te­ro­no­mis­ti­schen Tex­te aus einer eher Schrift­ge­lehr­ten-Sicht geschrie­ben sind. Im deu­te­ro­no­mis­ti­schen Geschichts­werk wird deut­lich, dass es nur einen Gott gibt, der kei­ne Göt­ter neben sich dul­det. Sein Volk (Isra­el) muss sei­ne Regeln ein­hal­ten, ansons­ten wie­der­fah­ren ihm Kata­stro­phen wie z. B. die Unter­drü­ckung durch ein ande­res Volk. Dies zeigt sich auch im Unter­gang der bei­den König­rei­che Isra­els. Das Nord und das Süd­kö­nig­reich gin­gen bei­de unter, nach­dem ihre Köni­ge „Mist“ gebaut hat­ten. Das deu­te­ro­no­mis­ti­sche Geschichts­werk endet mit dem Unter­gang des 2. König­reichs, wobei das haupt­säch­lich in Sama­ria lie­gen­de Nord­reich geschicht­lich ver­nach­läs­sigt wur­de.
Nach­dem zuerst das Nord- und dann das Süd­kö­nig­reich unter­ge­gan­gen waren, wur­de die Ober­schicht Isra­els ins Exil geschickt. Erst nach der Erobe­rung der Län­der durch die Per­ser, konn­ten die Juden ihre Reli­gi­on ent­wi­ckeln. Es wird ein zwei­ter Tem­pel errich­tet und die Juden ent­wi­ckeln ihre Reli­gi­on unter per­si­scher Herr­schaft. Die Per­ser lie­ßen den besieg­ten Völ­kern ihre Reli­gio­nen, sie ver­lang­ten ledig­lich, dass Steu­ern ent­rich­tet wur­den. Alle Tex­te der Bibel sind unter der Herr­schaft eines frem­den Rei­ches ent­stan­den, das Volk Isra­el hat­te kei­ne staat­li­che Macht mehr.
Aus dem deu­te­ro­no­mis­ti­schen Geschichts­werk lasen wir 1 Samu­el 17 ➡ David und Goli­ath.
Wir such­ten nach den Aus­sa­gen des Tex­tes und kamen zu dem Schlus s, dass Gott einen Hir­ten schick­te, um sein Volk aus einer aus­sichts­lo­sen Situa­ti­on zu befrei­en und damit sei­ne All­macht zu zei­gen. Ein Hir­te hat den Mut gegen einen drei Meter gro­ßen Krie­ger der Phi­lis­ter anzu­tre­ten, mit Got­tes Hil­fe und einer Stein­schleu­der tötet David den Phi­lis­ter und das feind­li­che Heer flieht vor den Sol­da­ten Isra­els. David han­delt hier als Got­tes Werk­zeug. Gott schickt einen Hir­ten um zu ver­deut­li­chen, dass er der Herr ist, der Hir­te der auf sei­ne Her­de (das Volk Isra­el) ach­tet und es vor Gefah­ren beschützt.
Als zwei­ten Text aus dem Deu­te­ro­no­mi­um lasen wir 2. Samu­el 11  ➡ David, Batse­ba und Uri­ja.
In die­ser Erzäh­lung sieht der König David zu Zei­ten des Krie­ges die Batse­ba auf einem Dach baden und begehrt sie. Er lässt ihren Ehe­mann Uri­ja in die ers­te Rei­he einer Schlacht stel­len und sei­ne Sol­da­ten hin­ter ihm weg­tre­ten, damit die­ser getö­tet wird. Nach­dem Uri­ja in der Schlacht getö­tet wur­de und die Trau­er­zeit um ihn um war, nimmt David Batse­ba zur Frau und sie bekommt ein Kind von ihm. In den Augen des Herrn aber hat David Unrecht getan.

David ver­stößt damit gegen zwei Gebo­te Got­tes. Er tötet den Mann der Batse­ba und ver­stößt somit gegen das Gebot: Du sollst nicht töten. Und er begehrt die Batse­ba, die Frau des Uri­ja, was schließ­lich zur Tötung Uri­jas führt. Er ver­stößt damit gegen das Gebot: Du sollst nicht begeh­ren dei­nes nächs­ten Weib/Frau. Dar­auf­hin schickt der Herr den Pro­phe­ten Nathan (kei­nen Pries­ter) der David sei­ne Ver­ge­hen vor Augen führt und ihm die Stra­fe ver­kün­det. David reißt sich die Gewän­der vom Leib und zeigt Reue. Gott jedoch schlägt das Kind, das aus die­ser Tat her­vor­ge­gan­gen ist, mit Krank­heit und es stirbt nach sie­ben Tagen. Hier zeigt sich deut­lich der Stil der Schrift­ge­lehr­ten: Wenn gegen Got­tes Geset­ze ver­sto­ßen wird, gibt es deut­li­che und hef­ti­ge Kon­se­quen­zen.
Der drit­te Text, der gele­sen wur­de, han­del­te vom Kon­flikt mit Ahab, beson­ders 1. Köni­ge 18 ab Vers 20.
In die­sem Text geht es um die Pro­phe­ten, die zu ver­schie­de­nen Göt­tern (Baal [Gott der Kanaa­ni­ter] und Asche­ra [Mee­res­göt­tin der Kanaa­ni­ter]) beten und die Pro­phe­ten des Herrn töten lie­ßen. Ledig­lich Eli­ja war von den Pro­phe­ten des Herrn übrig­ge­blie­ben. Die­ser for­der­te jetzt alle ande­ren Pro­phe­ten her­aus und ließ in einer Art Wett­streit der Göt­ter zwei Stie­re als Opfer­ga­be vor­be­rei­ten und nicht anzün­den. Als die Opfer­ga­ben vor­be­rei­tet waren, ver­lang­te er von den ande­ren Pro­phe­ten, dass sie ihre Göt­ter anru­fen sol­len, sie sol­len ihre Opfer­ga­be ent­zün­den und anneh­men. Die Pro­phe­ten taten dies und wur­den immer ver­zwei­fel­ter in ihren Bemü­hun­gen. Sie schnit­ten sich nach ihrer Glau­bens­art um Gehör zu fin­den. Doch ledig­lich Eli­ja fand gehör bei Gott und der Herr ließ sein Feu­er auf Eli­jas Opfer­ga­be kom­men und ver­schlang die­se, obwohl Eli­ja die Opfer­ga­be und das Holz vor­her mit Was­ser über­gos­sen hat­te. Das Volk, das die­sen Wett­streit beob­ach­tet hat­te, rief dar­auf­hin, Der HERR ist Gott, der HERR ist Gott. Und Eli­ja befahl dem Volk, die fal­schen Pro­phe­ten im Bach Kischon hin­rich­ten zu las­sen. Auch die­ser Text zeigt, dass die Pro­phe­ten in den deu­te­ro­no­mi­schen Geschichts­wer­ken im Vor­der­grund ste­hen.

In den chro­nis­ti­schen Geschichts­wer­ken wer­den Geschich­ten gesam­melt, die alle nach dem baby­lo­ni­schen Exil ent­stan­den sind. In die­sen Erzäh­lun­gen spie­gelt sich wie­der, dass die hier gesam­mel­ten Wer­ke von einem nicht mehr unab­hän­gi­gen Volk, son­dern einem Volk stammt, dass unter dem Ein­fluss ande­rer Kul­tu­ren, nicht eigen­be­stimm­ter Poli­tik und nicht­jü­di­schen Völ­kern steht. Die Tex­te erzäh­len von Saul über die Wie­der­errich­tung des im Krieg zer­stör­ten Tem­pels und der Mau­ern von Jeru­sa­lem, bis zur Wie­der­her­stel­lung Isra­els als nach­exi­li­sche Tem­pel­ge­mein­schaft. Vie­le der Tex­te bezie­hen sich auf die Geschich­te des Süd­rei­ches Isra­els um die Stadt Jeru­sa­lem. Es han­delt sich also um eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der direk­ten Geschich­te des Vol­kes Isra­el. Die Tex­te des chro­nis­ti­schen Geschichts­wer­kes dür­fen jedoch nicht als Augen­zeu­gen­be­richt ver­stan­den wer­den, sie die­nen in ihrer Funk­ti­on eher der dama­li­gen jüdi­schen Gemein­schaft und setz­ten sich mit der Fremd­be­stim­mung durch ande­re Völ­ker sowie dem Umgang zwi­schen Juden und nicht Juden aus­ein­an­der. Das Volk bewahrt sei­ne Ein­heit, indem es sich zu den Fes­ten mit den Pries­tern und Levi­ten am Jeru­sa­le­mer Tem­pel ver­sam­melt. Im Kern aber ist es die Tora und deren Ver­le­sung und Ein­hal­tung, die dem jüdi­schen Volk einen Neu­an­fang nach dem Exil ermög­licht. Das chro­nis­ti­sche Geschichts­werk zeigt das Rin­gen um die Iden­ti­tät des jüdi­schen Vol­kes, in einer Situa­ti­on, in der die poli­ti­sche Unab­hän­gig­keit Isra­els nicht ver­wirk­licht wer­den kann. Vor die­sem Kon­text müs­sen die chro­nis­ti­schen Geschichts­wer­ke gele­sen wer­den.

Aus dem chro­nis­ti­schen Geschichts­werk lasen wir: Nehemia 8 ➡ Esra ver­liest die Tora.
In die­ser Erzäh­lung wird das Volk in den Geset­zen des Herrn unter­wie­sen. Esra ist ein pries­ter­li­cher Schrift­ge­lehr­ter, der in die­ser Erzäh­lung dem Vol­ke die Geset­ze erklärt. Da Nehemia, der per­si­sche Statt­hal­ter eben­falls anwe­send ist, geschieht die­se Unter­wei­sung offen­bar auch in Über­ein­stim­mung mit der per­si­schen Herr­schaft, das ver­leiht dem Gesetz der Juden eine gewis­se Macht, denn die Per­ser erlau­ben die­se Geset­ze im Ein­klang mit den eige­nen. Die Per­ser beten jedoch wei­ter­hin ihren eige­nen Gott an. Die­ser Text hat dadurch eine gewis­se Dra­ma­tik, die Per­ser erlau­ben eine rela­tiv auto­no­me Gesetz­ge­bung in ihrem Reich. Natür­lich gilt trotz­dem Per­si­sches Recht und die Juden müs­sen auch wei­ter­hin Steu­ern zah­len, aber sie bekom­men ihre eige­nen Geset­ze (zurück).
Für den Ter­min am 15. Mai soll das 5. Kapi­tel aus „Bibel­kun­de“ von Lukas Bor­mann gele­sen wer­den.

 

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Info:
Bibel­kun­de Darm­stadt, 08.05. ist Beitrag Nr. 6951
Autor:
Martin Pöttner am 12. Mai 2018 um 10:00
Category:
Bibelkunde
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