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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Ver­an­stal­tung in Hei­del­berg am 23.04.

 

 

Die Schöp­fungs- und Para­die­s­er­zäh­lung (Gen 1,1-3,24)

Bei­de Erzäh­lun­gen gehö­ren zur Urge­schich­te, die eine Ein­lei­tung zur Bibel dar­stellt. M. E. bezie­hen sich alle Tex­te zum Geschlech­ter­ver­hält­nis in der Bibel auf sie bzw. sind mit ihnen ver­bun­den. Für Pau­lus ist zudem wesent­lich, dass Eva und Adam hier mit­hil­fe der Schlan­ge die sitt­li­che Urteils­kraft erlan­gen – und in die­sem Sinn wer­den wie Gott (vgl. Gen 3,22). Wei­ter wird am Anfang der Bibel deut­lich, dass die­ses Buch nicht mit Ein­heit­lich­keits-Fan­ta­si­en gefüllt sein könn­te.
In Gen 1,1ff geht es nicht um die Erzäh­lung einer crea­tio ex nihi­lo. Statt­des­sen ist vom תֹ֨הוּ֙ וָבֹ֔הוּ [tohu wa bohu] die Rede, mit­hin ein Cha­os­zu­stand. Im Semi­nar wur­de betont, dass in Gen 1 dar­auf eine Ord­nung auf­baut. Das geschieht in sie­ben Tages­schrit­ten. Dabei ent­steht die mensch­li­che Lebens­welt, zu der Gewäs­ser, Pflan­zen, Tie­re, Gestir­ne und Zei­ten gehö­ren. Die viel­leicht wich­tigs­te Zeit­ord­nung ist die Unter­schei­dung von sechs­tä­gi­ger Arbeits­zeit und ein­tä­gi­ger Ruhe­zeit im Wochen­rhyth­mus.
Das Han­deln Got­tes lässt sich als ähn­lich dem Han­deln eines Archi­tek­ten oder Künst­lers beschrie­ben ver­ste­hen, der auch den Erfolg sei­ner Tätig­keit fünf­mal bewer­tet (gut, sehr gut). Das Letz­te­re fasst alles zusam­men (1,30) .
1,26-30 bestimmt den Bild­lich­keits­cha­rak­ter der Men­schen und zugleich die Eta­blie­rung eines sym­me­tri­schen Geschlech­ter­ver­hält­nis­ses. Das hebräi­sche Wort zäläm steht hier im Dativ

2. Pl. bezal­me­nu, was m. E. bes­ser mit durch unser Bild, also instru­men­tal zu über­set­zen ist. Die Sep­tuagin­ta über­setzt m. E. rich­tig, „nach“ unse­rem Bild; vgl. auch Gen 5,1f. Gemeint ist: Die dif­fe­ren­zier­te Sphä­re Gott hat ein Bild von sich, nach dem sie das geschlecht­li­che dif­fe­ren­zier­te Wesen „Mensch“ erschafft. Dies könn­te eine Reak­ti­on auf die Kri­tik des Xeno­pha­nes sein, der­zu­fol­ge Gött*innen mensch­li­che Bil­der dar­stel­len. Ja, ant­wor­tet Gen 1, auch Gott hat ein Bild von sich, wonach er die Men­schen als sei­ne Bil­der erschafft.
Die zwei­te Erzäh­lung könn­te ab dem drit­ten Tag spie­len – und hier nar­ra­tiv mit­hil­fe eines Gar­ten­mo­tivs Details bie­ten. Adam ent­steht aus Lehm und bekommt in sei­ne Nase den gött­li­chem Atem ein­ge­bla­sen. Die­ses Wesen wird in einen Gar­ten gesetzt, den es bewah­ren soll und von dem es leben kann. In die­sem Gar­ten pflanzt Gott zwei beson­de­re Bäu­me, den Baum des Lebens und den Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen. Die­se Bäu­me bestim­men den nar­ra­ti­ven Fort­gang der Erzäh­lung. Vom Baum der Erkennt­nis darf Adam nicht essen. Gott wird u. a. als Töp­fer und Gärt­ner dar­ge­stellt.
Zuerst ist die Dif­fe­ren­zie­rung Adams erfor­der­lich. Unter den Tie­ren fin­det er kei­nen Lebens­part­ner, daher ent­schließt sich Gott, der Herr, dazu, Adam chir­ur­gisch zu behan­deln und aus einer Sei­te eine Part­ne­rin zu bas­teln (vgl. hier ). Das hebräi­sche Wort­spiel zu ischah, Frau, wird in der LXX nicht über­setzt: αὕτη κληθήσεται γυνή, ὅτι ἐκ τοῦ ἀνδρὸς αὐτῆς ἐλήμφθη αὕτη. Luther über­setzt mit Män­nin – und setzt so den patri­ar­cha­len Trend des Tex­tes fort. Wich­tig ist die sexu­el­le Meta­pho­rik: καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν – und die bei­den wer­den ein Fleisch sein. (Gen 2,24) Dies geht dar­auf zurück, dass bei­de vom Herrn aus­ein­an­der­ge­schnit­ten wur­den, wie beim Mythos von den sich kugel­för­mig fort­be­we­gen­den Paa­ren in Pla­tons Sym­po­si­on. Gen 2,24 ist bei Pau­lus, aber auch sonst im Chris­ten­tum prä­sent.
Der Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen ver­schafft Eva und Adam die sitt­li­che Urteils­kraft. Anders als vor­her (Gen 2,25) schä­men sie sich nun ihrer Nackt­heit. Sie sind von Natur­we­sen zu Kul­tur­we­sen gewor­den und benö­ti­gen nun Klei­dung, obwohl es warm ist. Denn die sexu­el­le Erre­gung soll von der gewöhn­li­chen Zeit unter­schie­den wer­den.
Da es Eva und Adam gelun­gen ist, sitt­lich Gott gleich zu wer­den (3,22) wer­den sie aus dem Para­dies ver­trie­ben, damit sie nicht auch noch vom Baum des Lebens essen – und wie Gott unsterb­lich wer­den. So hängt die Erzäh­lung nar­ra­tiv zusam­men.
Die Schlan­ge, Eva und Adam erhal­ten gegen­über dem Para­dies­zu­stand Ein­schrän­kun­gen. Für das Geschlech­ter­ver­hält­nis wird eine patri­ar­cha­le Lösung vor­ge­se­hen. Die Frau hat eine stär­ke­re Libi­do als der Mann. Ob das mit der Ver­tei­lung der Rol­len im agra­ri­schen Set­ting, Adam auf dem Acker, Eva zu Hau­se, zusam­men­hän­gen könn­te, wur­de erwo­gen. Eben­falls, ob es nicht umge­kehrt sein könn­te. Auch die Nackt­heits­fra­ge wer­de nicht in allen Kul­tu­ren so behan­delt.

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

1. Fol­gen 1,1-2,4a und 2,4b-3,24 einem ein­heit­li­chen Erzähl­mus­ter? Z. B. dem Schöp­fungs­be­richt? Hilf­reich mög­li­cher­wei­se die Antritts­vor­le­sung von Micha­el Blu­me, Twit­ter @BlumeEvolution.
2. Was ist die Schlan­ge für ein Wesen?

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Info:
Ver­an­stal­tung in Hei­del­berg am 23.04. ist Beitrag Nr. 6904
Autor:
Martin Pöttner am 26. April 2018 um 13:16
Category:
Das Freiheitsverständnis im Neuen Testament
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