Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


26. April 2018

Ver­an­stal­tung in Hei­del­berg am 23.04.

 

Die Schöp­fungs- und Para­die­s­er­zäh­lung (Gen 1,1-3,24)

Bei­de Erzäh­lun­gen gehö­ren zur Urge­schich­te, die eine Ein­lei­tung zur Bibel dar­stellt. M. E. bezie­hen sich alle Tex­te zum Geschlech­ter­ver­hält­nis in der Bibel auf sie bzw. sind mit ihnen ver­bun­den. Für Pau­lus ist zudem wesent­lich, dass Eva und Adam hier mit­hil­fe der Schlan­ge die sitt­li­che Urteils­kraft erlan­gen – und in die­sem Sinn wer­den wie Gott (vgl. Gen 3,22). Wei­ter wird am Anfang der Bibel deut­lich, dass die­ses Buch nicht mit Ein­heit­lich­keits-Fan­ta­si­en gefüllt sein könn­te.
In Gen 1,1ff geht es nicht um die Erzäh­lung einer crea­tio ex nihi­lo. Statt­des­sen ist vom תֹ֨הוּ֙ וָבֹ֔הוּ [tohu wa bohu] die Rede, mit­hin ein Cha­os­zu­stand. Im Semi­nar wur­de betont, dass in Gen 1 dar­auf eine Ord­nung auf­baut. Das geschieht in sie­ben Tages­schrit­ten. Dabei ent­steht die mensch­li­che Lebens­welt, zu der Gewäs­ser, Pflan­zen, Tie­re, Gestir­ne und Zei­ten gehö­ren. Die viel­leicht wich­tigs­te Zeit­ord­nung ist die Unter­schei­dung von sechs­tä­gi­ger Arbeits­zeit und ein­tä­gi­ger Ruhe­zeit im Wochen­rhyth­mus. (more…)

22. April 2018

Act 17

16Während Pau­lus in Athen auf [Silas und Timo­theus] war­te­te, geriet er inner­lich in Zorn, als er sah, dass die Stadt voll von Göt­zen­bil­dern war. 17In der Syn­ago­ge rede­te er mit den Mit­glie­dern der jüdi­schen Gemein­de und denen, die Isra­els Gott ver­ehr­ten, und auf dem Markt täg­lich zu denen, die gera­de vor­bei­ka­men. 18Dabei gerie­ten auch eini­ge der phi­lo­so­phisch Gebil­de­ten mit ihm anein­an­der, die der epi­kurei­schen und stoi­schen Rich­tung anhin­gen. Die einen sag­ten: »Was wird denn die­ser Schwät­zer schon sagen wol­len?« Die ande­ren: »Ein Ver­kün­di­ger frem­der Gott­hei­ten scheint er zu sein«, weil er Jesus und „Auf­ste­hen“ ver­kün­de­te. 19Da nah­men sie ihn mit, führ­ten ihn auf den Areo­pag und sag­ten: »Kön­nen wir erfah­ren, was das für eine neue Leh­re ist, von der du redest? 20Es befrem­det uns näm­lich, was du uns zu Gehör bringst. Wir wol­len nun erfah­ren, was das sein soll.« 21Alle in Athen, Ein­hei­mi­sche und Frem­de, möch­ten es seit jeher auf kei­nen Fall ver­pas­sen, irgend­ei­ne Neu­ig­keit zu erzäh­len oder zu hören. 22Paulus stand nun mit­ten auf dem Areo­pag und sag­te: »Ihr Leu­te von Athen, ich sehe, wie reli­gi­ös ihr in jeder Hin­sicht seid. 23Denn als ich hier umher­ging und mir eure Hei­lig­tü­mer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Inschrift: ›Der unbe­kann­ten Gott­heit‹. Was ihr nun, ohne es zu ken­nen, ver­ehrt, das ver­kün­di­ge ich euch. 24Gott hat die Welt und alles in ihr gemacht, herrscht über Him­mel und Erde; Gott wohnt nicht in von Hän­den gemach­ten Tem­peln, 25lässt sich auch nicht von Men­schen­hän­den ver­sor­gen, hat nichts nötig, gibt doch selbst allen Leben, Atem und alles. 26Gott mach­te aus einem ein­zi­gen Men­schen das gesam­te Men­schen­ge­schlecht, damit sie sich über­all auf der Erde auf­hal­ten, bestimm­te für ihren Auf­ent­halt fest­ge­setz­te Zei­ten und bestimm­te, fes­te Gren­zen. 27So soll­ten sie suchen, ob sie wohl Gott ertas­te­ten und fän­den; ist Gott doch nicht fern von jeder und jedem von uns. 28Denn in Gott leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir. Wie es auch wel­che sagen, die bei euch gedich­tet haben: ›Wir sind ja gött­li­cher Her­kunft.‹ 29Weil wir nun gött­li­cher Her­kunft sind, dür­fen wir nicht mei­nen, das Gött­li­che glei­che Gold oder Sil­ber oder Stein, einem Gebil­de mensch­li­cher Kunst­fer­tig­keit und Ein­bil­dungs­kraft. 30Über die Zei­ten der Unwis­sen­heit nun hat Gott zwar hin­weg­ge­se­hen, for­dert aber jetzt die Men­schen über­all auf, dass sie alle umkeh­ren. 31Denn Gott hat einen Tag fest­ge­setzt, um an ihm die Mensch­heit gerecht zu rich­ten durch einen Mann, der dafür bestimmt und gegen­über allen aus­ge­wie­sen ist, weil Gott ihn von den Toten „auf­ste­hen“ ließ.« 32Als sie vom „Auf­ste­hen“ der Toten hör­ten, spot­te­ten die einen und die ande­ren sag­ten: »Dar­über wol­len wir dich ein ander­mal hören.« 33So ging Pau­lus von ihnen weg. 34Einige aber schlos­sen sich an und kamen zum Glau­ben, dar­un­ter auch Dio­ny­si­us, ein Mit­glied des Gerichts auf dem Areo­pag, sowie eine Frau namens Dama­ris und wei­te­re mit ihnen.

Lie­be Gemein­de,

der Pre­digt­text führt uns heu­te in eine bedeu­ten­de Stadt Euro­pas, die neben Jeru­sa­lem die wich­tigs­te Stadt für die Ent­wick­lung des Chris­ten­tums ist. Athen ist die Stadt der grie­chi­schen Phi­lo­so­phen, wo auch Sokra­tes auf dem Areo­pag Streit­ge­sprä­che führ­te. Und Pau­lus trifft Epi­ku­re­er und Stoi­ker. Die einen sind reli­gi­ons­skep­tisch, die ande­ren ver­tre­ten eine phi­lo­so­phi­sche Got­tes­kon­zep­ti­on, die alles umfasst. Es geht also strit­tig zu auf dem Areo­pag. Dazu ist dort die tra­di­tio­nel­le grie­chi­sche Reli­gi­on gegen­wär­tig, Tem­pel und Altä­re sind über­all in der Stadt vor­han­den. Als Jude, der das Bil­der­ver­bot in Ex 20 beach­tet, stö­ren Pau­lus die Bil­der bzw. Sta­tu­en von Göt­tern und Göt­tin­nen. Er wird zor­nig, mäßigt sich aber bald. Wie er dann in sei­ner Rede auf dem Areo­pag sagt, sei­en die Grie­chen ein reli­giö­ses Volk. Sie sei­en auch nicht fest­ge­legt, son­dern hät­ten neben den ver­ehr­ten Gött*innen auch einen Altar für den unbe­kann­ten Gott gebaut:

»Ihr Leu­te von Athen, ich sehe, wie reli­gi­ös ihr in jeder Hin­sicht seid. 23Denn als ich hier umher­ging und mir eure Hei­lig­tü­mer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Inschrift: ›Der unbe­kann­ten Gott­heit‹.

Pau­lus ver­sucht das zu nut­zen. Da sie so offen sei­en, nicht nur auf die bekann­ten Gött*innen zu set­zen, son­dern stets neu­gie­rig sei­en, ver­kün­di­ge er ihnen nun den unbe­kann­ten Gott. Bei die­sem han­de­le es sich um den Schöp­fer der Welt, der nicht in Tem­peln woh­ne. Nach ihm such­ten die Men­schen, die Jud*en, aber auch die Griech*en:

27So soll­ten sie suchen, ob sie wohl Gott ertas­te­ten und fän­den; ist Gott doch nicht fern von jeder und jedem von uns. 28Denn in Gott leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir.

Gott ist uns nahe, wir sind die Bil­der Got­tes, wir leben in Gott. Daher ist es nicht nötig, Tem­pel zu bau­en, Gött*innen zu bas­teln, in denen wir uns nur selbst ver­ge­gen­ständ­li­chen. Wir beten uns sozu­sa­gen selbst an. Jetzt wer­de die­ser Gott, den die Griech*en als unbe­kann­te Gott­heit ver­ehrt hät­ten, offen­bart und ihnen ver­kün­digt, er wer­de ihnen bekannt – und ihre Zeit der Unwis­sen­heit sei vor­bei. Das hän­ge mit den Gescheh­nis­sen um Jesus von Naza­reth zusam­men, der von Gott „auf­ge­weckt“ wor­den sei und als Wel­ten­rich­ter tätig wer­de.

Das hat Spott zur Fol­ge. Spä­ter kön­ne man dar­über spre­chen. Immer­hin konn­te Pau­lus eini­ge über­zeu­gen.

Die Situa­ti­on in Athen ist viel­leicht auch unse­re Situa­ti­on. Es gibt vie­le reli­giö­se Inter­pre­ta­tio­nen. Ich z. B. fin­de den bap­tis­ti­schen Ent­wurf von Mar­tin Luther King äußerst anspre­chend. Und natür­lich gibt es nicht­re­li­giö­se Inter­pre­ta­tio­nen. Pau­lus inter­pre­tiert das als Suche nach dem einen Gott, in dem wir alle leben und uns bewe­gen, der uns geschaf­fen hat, des­sen Bil­der wir sind – und wir sind mit Gott ver­wandt. Dass wir uns mit­hin strei­ten, soll­te uns nicht über­heb­lich gegen­über ande­ren Men­schen machen. Sie sind auf der Suche. Und alle suchen nach dem Gott, in dem wir leben und uns bewe­gen. Pau­lus bekommt sei­nen Zorn über die grie­chi­schen Götter*bilder in den Griff – und redet wei­se, ohne zu schimp­fen oder zu het­zen. Und damals lie­ßen sich eini­ge über­zeu­gen. Das ist ein hoff­nungs­vol­les Zei­chen dafür, dass das ruhi­ge Gespräch der Suche nach Gott ange­mes­sen ist – und nicht leer bleibt. Und so wird es immer sein.
Amen

20. April 2018

Ver­an­stal­tun­gen in Darm­stadt 17.04.

 

Bibel­kun­de: Hin­füh­rung, Kon­tex­tua­li­sie­rung und die ver­schie­de­nen Kano­nes

In Fort­füh­rung vom 12.04. bespra­chen wir ver­schie­de­ne deut­sche Bibel­über­set­zun­gen.
Wich­tig ist der zwei­te Punkt. Die Bibel­lek­tü­re soll­te heu­te nicht mehr ohne Bezug zum Koran voll­zo­gen wer­den. Denn der Koran ist jeden­falls auch eine Fort­schrei­bung vor allem der jüdi­schen Bibel. Die Ähn­lich­kei­ten und Unähn­lich­kei­ten beschreibt der Koran so, es habe eine himm­li­sche Mut­ter der Schrift gege­ben, Sure 43,4, die an alle Pro­phe­ten ver­sandt wor­den sei, bei Moham­med sei das am bes­ten ange­kom­men. In jün­ge­rer Zeit hat sich in Ber­lin vor allem Ange­li­ka Neu­wirth her­vor­ge­tan, bei der sich eine neue Text­ge­stalt erschließt, die mit dem von mir behaup­te­ten Fort­schrei­bungs­pro­zess ver­wandt ist. Das stimmt i. E. mit der neu­en his­to­risch-kri­ti­schen Aus­ga­be in Tune­si­en über­ein. Wir wer­den das an ein­zel­nen Tex­ten ver­fol­gen. (more…)

13. April 2018

Semi­nar­plan Frei­heits­ver­ständ­nis des Pau­lus Hei­del­berg

 

Τῇ ἐλευθερίᾳ ἡμᾶς Χριστὸς ἠλευθέρωσεν – wie es rhe­to­risch stark in Gal 5,1 heißt: Zur Frei­heit hat uns (der) Chris­tus befreit.  Pau­lus ist zwei­fel­los der bedeu­tends­te Ver­tre­ter einer Auf­fas­sung der Frei­heit im Neu­en Tes­ta­ment. Nur bei Johan­nes gibt es eine Par­al­le­le. Das ist des­we­gen auch die umstrit­tens­tenste Kon­zep­ti­on im NT. Und wer die Debat­ten um die NSA, um Face­book oder die Gehirn­for­schung ver­folgt, könn­te mei­nen, dass Pau­lus bes­ser ver­ges­sen oder nicht beach­tet wird. Da die Frei­heits­kon­zep­ti­on nicht zuletzt inner­halb jüdi­scher Optio­nen dis­ku­tiert wird, gilt Pau­lus gele­gent­lich als anti­ju­da­is­tisch.

Eini­ge Frau­en in Korinth nah­men Pau­lus ernst, aber wur­den von ihm kri­ti­siert. Das müs­sen wir im Semi­nar ver­fol­gen.

Pau­lus ist ein bril­lan­ter Schrift­aus­le­ger, sei­ne Posi­tio­nen müs­sen daher vor dem Hin­ter­grund der hei­li­gen Schrif­ten des Juden­tums ver­stan­den wer­den.  Er schreibt die­se Tex­te fort, das soll­ten wir ein wenig ver­ste­hen.

 

I. Hei­li­ge Schrif­ten der J*uden

23. und 30.04.: Gen 1-3

II. Frei­heit in Korinth

07.05. 1Kor 11,2ff

14.05.  Gal 3,26-29

21.05. 1Kor 8,1ff

28.05. 1Kor 10,23ff

III. Frei­heit und Gesetz

04.06. Gal 3,1-14

11.06. Gen 12-16

18.06. Gal 3,15-29

25.06. Gal 5,1-6

02.07. Röm 7,7-12

09.07. Röm 7,13-25a

16.07. Röm 11,25-33

 

Die Tex­te sind digi­tal unter wibilex.de und in der UB über Bible Works 8 zu errei­chen, dort auch wei­te­re Hilfs­mit­tel.

Der Semi­nar­plan fand in der ers­ten Sit­zung die Zustim­mung der Teil­neh­men­den.

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

  1. Lesen Sie Gen 1-3 in deut­scher Über­set­zung. Für 2,4bff kann die Bibel in gerech­ter Spra­che hilf­reich sein.
  2. Die hebräi­schen oder grie­chi­schen Ver­sio­nen kön­nen zur Kennt­nis genom­men wer­den.
  3. Über­le­gun­gen Sie, wie 1,1-2,4a und 2,4bff erzählt sind!

 

 

 

 

Ver­an­stal­tun­gen Darm­stadt 10.04.

 

Hier ste­hen immer am Frei­tag nach dem Semi­nar Zusam­men­fas­sun­gen der jewei­li­gen Sit­zun­gen, sofern die­se von mir stam­men.

1. Bibel­kun­de

Die Bibel wird kur­so­risch nach der Bibel­kun­de von Bor­mann wahr­ge­nom­men. Zum nächs­ten Mal ist der Para­graf 1 zu lesen. Im MIZ.

2. Berg­pre­digt

Wir began­nen schon mit der Lek­tü­re und wid­me­ten uns den Erzäh­ler­kom­men­ta­ren in Mt 5,1f und 7,28f. Die­se kom­men­tie­ren 5,3-7,27 bzw. lei­ten ein. Die Leser/innen erfah­ren, dass Jesus ange­sichts der Volks­men­ge auf den Berg steigt, sich zur Leh­re hin­setzt – und sei­ne Schü­ler bzw. Jün­ger hin­zu­tre­ten.
Die fol­gen­de Rede ist an die Volks­men­ge gerich­tet, ihre Reak­ti­on wird in 7,28f dar­ge­legt. Anders als ihre Schrift­ge­lehr­ten habe Jesus mit Voll­macht, Kom­pe­tenz o. Ä. gelehrt. Mt prä­sen­tiert den Text mit­hin als
• Leh­re, die im Kon­text der jüdi­schen
• Schrift­ge­lehr­ten
beson­ders wir­kungs­voll erscheint – so die erzähl­te Reak­ti­on des Publi­kums.
Wir wer­den die­sen schrift­ge­lehr­ten Dis­kurs in der Berg­pre­digt genau ver­fol­gen.

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

1. Lesen Sie Mt 5,3-12 und glie­dern Sie den Text!
2. Vgl. Sie Lk 6,20-26! Was fällt Ihnen auf?