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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Ver­an­stal­tun­gen Darm­stadt 30.01.

Flucht, Eth­nie usf.

Da ich zu einer KIKA-Sen­dung ver­linkt hat­te, ging es um die Fra­ge, wie der Bezug zu gewalt­lo­sen Kon­flikt­lö­sungs­stra­te­gi­en wie in Mt 5,38ff zu ver­ste­hen sei. Die Sen­dung zeigt ein jun­ges Paar, das mit­ein­an­der Kon­flik­te zu bear­bei­ten sucht, auch Eltern kom­men zu Wort. Die Sen­dung wur­de z. B. auf Twit­ter skan­da­li­siert, weil hier angeb­lich ein geflüch­te­ter Syrer eine jun­ge Deut­sche sexu­ell miss­braucht habe und sie wahr­schein­lich umbrin­gen wer­de. Im Video wird die Ver­schie­den­heit des Paars the­ma­ti­siert. Zu unse­rem Text passt, dass der Kon­flikt von bei­den aus­ge­spro­chen wird – und Fremd­heits­er­fah­run­gen offen­ge­legt wer­den. In der Fol­ge wur­den die Dif­fe­ren­zen katholisch/evangelisch und christlich/muslimisch, deutsch/syrisch erör­tert, eben­falls der Reli­gi­ons­un­ter­richt an öffent­li­chen Schu­len.

Wir wand­ten und dann Gal 2 zu, neben Act 15 die The­ma­ti­sie­rung des Kon­flik­tes zwi­schen Juden­chris­ten und Hei­den­chris­ten. Es scheint zu Beginn umstrit­ten gewe­sen zu sein, ob das Chris­ten­tum sich über das Juden­tum hin­aus aus­deh­nen sol­le, die Evan­ge­li­en las­sen dar­an aber kei­nen Zwei­fel.

Im Gal geht es in Bezug auf das frü­he christ­li­che Zen­trum in Antio­chia um Spei­se­ge­wohn­hei­ten und die Beschnei­dung des männ­li­chen Penis. Der jüdi­sche Schrift­ge­lehr­te Pau­lus fin­det es rich­tig, dass Chris­ten aus den Völ­kern nicht beschnit­ten wer­den und auch die Spei­se­ge­bo­te der Tora nicht beach­ten müs­sen. Das ist mit der Bibel ver­ein­bar. In der Urge­schich­te kom­men Beschnei­dung und Spei­se­ge­bo­te nicht vor. Abra­ham ist der Vater vie­ler Völ­ker (Gen 12,3), er wird erst in Gen 15 beschnit­ten, vgl. auch Ex 4 zur Beschnei­dung Moses.

Gal 2 zeigt einen nicht unge­wöhn­li­chen kul­tu­rel­len Kon­flikt, der so gelöst wird, dass die Christ/inn/en aus den Völ­kern die­se Bestim­mun­gen nicht beach­ten müs­sen, wäh­rend Juden­chris­ten dies dür­fen. Mit­hin kommt das Chris­ten­tum schon früh mit ver­schie­de­nen Lebens­sti­len zurecht.

2. Gen 11,1ff: Der Turm­bau zu Babel

Dies ist eine der bekann­tes­ten Sto­rys der Bibel. Vgl. hier. Wir beschäf­tig­ten uns ins­be­son­de­re mit der prag­ma­ti­schen Funk­ti­on der Erzäh­lung am Ende der Urge­schich­te. Auf­fäl­lig ist, dass der Herr beschließt, die Spra­che zu ver­wir­ren, um die Krea­ti­vi­tät des Men­schen zu hem­men. Wir erwo­gen, ob das in ver­schie­de­nen Mythen (Mesopotamien/Griechenland) vor­kom­men­de Erzähl­mo­tiv „Furcht der Gott­heit vor der Macht der Men­schen“ auch in Gen 11 erzäh­le­risch lei­tend sei und sahen eine Par­al­le­le zum „Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen“ und ins­be­son­de­re dem „Baum des Lebens“ in Gen 2f. Ein berühm­tes Bei­spiel stammt aus dem Sym­po­si­on von Pla­ton.

  • Die Dif­fe­renz von Gott und Mensch ist also wich­tig.
  • Eben­so das Feh­len einer Ein­heits­spra­che.

Dadurch unter­stellt der Herr die Krea­ti­vi­tät der Men­schen hem­men zu kön­nen. Die zer­streut leben­den Men­schen sind zer­split­tert und müs­sen sich anstren­gen, um sich zu ver­stän­di­gen. Das erfah­ren wir bis heu­te – und die Ten­denz, dass wir den Streit über­trei­ben.

Wir mach­ten uns klar, dass wir es hier nicht mit einer plum­pen Tech­no­lo­gie­kri­tik zu tun haben. Wohl aber ist die Ange­wie­sen­heit auf Ver­stän­di­gung und das Phä­no­men der Fremd­heit ande­rer Men­schen ein Hin­weis dar­auf, dass unse­re Urteils­kraft bei der Unter­schei­dung von „gut“ und „böse“ auf die Viel­falt von Men­schen ange­wie­sen ist – und daher zum Dis­kurs bestimmt ist. Wir ver­such­ten uns, das an aktu­el­len gen­tech­no­lo­gi­schen Bei­spie­len zu ver­deut­li­chen.

Wir ver­stan­den, dass wohl die gesam­te Urge­schich­te in Meso­po­ta­mi­en spielt (Flüs­se im Gar­ten Eden!). Wir haben es also mit einem Got­tes­kon­zept zu tun, dass auf alle Men­schen bezo­gen ist.

« Ver­an­stal­tun­gen in Darm­stadt 23.01. – Vier­ter Sonn­tag nach Epi­pha­ni­as: Gen 11,1-9 (EfG Gries­heim) »

Info:
Ver­an­stal­tun­gen Darm­stadt 30.01. ist Beitrag Nr. 6826
Autor:
Martin Pöttner am 31. Januar 2018 um 15:03
Category:
Einführung in die Exegese und Hermeneutik,Theologie des Neuen Testaments
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