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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


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Semi­nar: Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments: Fremd­sein und Flucht im NT- Volk, Eth­nie
und Reli­gi­on im Welt­ho­ri­zont
Gele­se­ner Text: Mat­thä­us, Kapi­tel 2.1-23
Pro­to­koll vom 16.01.2018
Pro­to­kol­lan­tin: LW

In den Ver­sen eins bis drei beschreibt die Bibel, dass Jesus in Beth­le­hem in Judäa gebo­ren ist. Zu die­ser Zeit regiert der König Hero­des, ein Römi­scher König, das Land. Als Hero­des durch die Stern­deu­ter von der Geburt Jesus erfährt, erschrickt Hero­des und mit ihm ganz Jeru­sa­lem. Die Stern­deu­ter fra­gen Hero­des, wo sie den neu­en König der Juden fin­den kön­nen. Hier wird deut­lich, wie poli­tisch die­se Bibel­ver­se sind: Es geht pri­mär nicht um die Geburt Chris­ti, son­dern um Macht und Macht­über­nah­me. Auch die For­mu­lie­rung der Stern­deu­ter, die in bibli­schen Über­set­zun­gen fälsch­lich oft auch als Hei­li­ge Drei Köni­ge über­setzt wer­den, „sie wol­len sich vor dem neu­en König nie­der­wer­fen“, beschreibt deut­lich, wel­che Ehrung Jesus gebüh­ren wird.

Ab Vers vier ist Hero­des aktiv auf der Suche nach dem Jesus­kind, dem Ret­ter, der nach Aus­sa­gen der Pries­ter und Geset­zes­leh­rer das Volk Juda ret­ten und beschüt­zen wird, so wie der Pro­phet es geschrie­ben hat. Hero­des bit­tet die Stern­deu­ter heim­lich zu sich und fragt sie aus, ob sie wis­sen, wo der Ret­ter gebo­ren wur­de. Hero­des beauf­tragt die Stern­deu­ter mit der Suche nach Jesus – er möch­te auch das Kind auf­su­chen und sich vor ihm nie­der­wer­fen, so sagt er. Auch hier, in den Ver­sen vier bis acht, ver­deut­licht die Bibel, wie nah Macht und Intri­gen mit­ein­an­der ver­wo­ben sind, was Men­schen bereit sind zu tun, um in eine Vor­macht­stel­lung zu gelan­gen. Die Stern­deu­ter füh­ren in die­sen Ver­sen den Wunsch Hero­des aus, sie las­sen sich täu­schen und zie­hen los, um das Kind zu suchen.

In die­sem Kapi­tel nimmt der Him­mel und die Stern­bil­der einen beson­de­ren Stel­len­wert ein, ganz beson­ders, der Stern, der die Stern­deu­ter zur Geburts­stät­te von Jesus lei­tet. Durch die Ster­nen­kon­stel­la­ti­on, die zur Geburt Chris­ti am Him­mel stand, sind His­to­ri­ker immer wie­der mit der Auf­ga­be befasst, die genau­en Geburts- und Ster­be­da­ten von Jesus zu ermit­teln. Dabei treibt der Wunsch nach der Veri­fi­zier­bar­keit der Per­son Jesus die Men­schen immer wie­der dazu an, Fak­ten­wis­sen um Jesus zu ermit­teln. Gera­de mit den unter­schied­li­chen Geschich­ten der Bibel, die alle eine eige­ne Sicht­wei­se und eine eige­ne Rea­li­tät ver­mit­teln wol­len, hat Mat­thä­us 2 sowie Lukas 2 einen über­ge­ord­ne­ten Hand­lungs­strang, der uns ver­mit­telt wer­den soll. Es geht nicht um die eine Wahr­heit, um Recht und Unrecht, oder um das Sam­meln von Fak­ten. Viel­mehr lässt sich aus der unter­schied­li­chen Bericht­erstat­tung um Jesu Geburt ein Kern­punkt ermit­teln: Es geht dar­um, ein Ver­ständ­nis dafür zu ent­wi­ckeln, dass Men­schen unter­schied­lich wahr­neh­men, Situa­tio­nen unter­schied­lich erfah­ren und bewer­ten, ihre eige­nen Sicht­wei­sen auf Sach­ver­hal­te und Din­ge haben und dass all die­se Rea­li­tä­ten in der Sum­me ihrer Aus­sa­gen uns dar­an erin­nern sol­len, in einen Dis­kurs mit unse­ren Mit­men­schen zu kom­men. Nicht im Sin­ne von Recht und Unrecht, son­dern im Sin­ne eines inte­gra­ti­ven Aus­tau­schens. Dem­nach kann die Geschich­te von Mat­thä­us zwei auch in einen eso­te­ri­schen Kon­text gebracht wer­den: Der Stern, der zu Jesus Geburts­stät­te führt, hat eine mys­ti­sche Bedeu­tung. Im Zeit­al­ter der Anti­ke war Astro­no­mie, die auch zur Astro­lo­gie ten­dier­te, vor allem in Meso­po­ta­mi­en ein Ver­such, sich die Welt zu erschlie­ßen und als wis­sen­schaft­li­che Dis­zi­plin galt und aner­kannt war.

In Vers zehn kom­men die Stern­deu­ter zur Krip­pe von Jesus, sie über­kommt beim Anblick des Ster­nes eine gro­ße Freu­de, auch hier haben sie eine wich­ti­ge Rol­le, sie brin­gen Gold, Weih­rauch und Myr­rhe mit, was Maria, Joseph und Jesus auf der Flucht vor Hero­des hel­fen wird. In der Nacht erscheint den drei Stern­deu­tern Gott, er befiehlt ihnen, nicht zurück zu Hero­des zu gehen und Got­tes Sohn nicht zu ver­ra­ten. Eben­so erhält Joseph in der Nacht eine Bot­schaft des Engels, er sol­le mit Maria und dem Kind nach Ägyp­ten flie­hen und nicht vor Hero­des Tod zurück­kom­men. So ist Jesus wie einst das Volk Isra­el ein Flücht­ling in Ägyp­ten. Dort lebt die Fami­lie von Jesus bis zum Tod von Hero­des. Zu die­ser Zeit ver­an­lasst Hero­des zahl­rei­che Kin­des­mor­de, alle Jun­gen bis zu zwei Jah­ren sol­len ermor­det wer­den. Dar­an wird deut­lich, wie weit Hero­des geht, um sei­ne Macht­po­si­ti­on nicht zu gefähr­den.

Als Hero­des gestor­ben war, erscheint Joseph im Traum erneut der Engel, er spricht zu Joseph und sagt, er sol­le das Kind neh­men und mit Maria zurück in das Land Isra­el keh­ren.
Wäh­rend der Rei­se nach Isra­el erfährt Joseph, dass der Sohn Hero­des König gewor­den ist. Joseph hat Angst um sei­nen Sohn, im Traum erscheint ihm erneut der Engel und weist Joseph an, zurück nach Isra­el zu keh­ren, da er dort mit sei­ner Fami­lie sicher sein kann. Joseph kehrt nach Naza­reth in Isra­el zurück und Got­tes Ankün­di­gung durch den Pro­phe­ten erfüllt sich, Jesus wird der Nazo­rä­er genannt wer­den, was eine Anspie­lung auf die Her­kunft aus Naza­reth sein soll.

 

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Info:
TUD ist Beitrag Nr. 6800
Autor:
Martin Pöttner am 22. Januar 2018 um 09:55
Category:
Theologie des Neuen Testaments
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