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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Gen 8-9

Semi­nar: Ein­füh­rung in die exege­ti­schen Metho­den und das wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten:
Die Urge­schich­te (Gen 1-11)
Dozent: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner
The­ma: Gen 8,1 – 9,17
Datum: 16.01.2018
Pro­to­kol­lan­tin: Nico­le Röh­rig

Das The­ma der heu­ti­gen Sit­zung sind ist Gene­sis 8,1 – 9,17 und die seman­ti­sche Deu­tung ihres Inhalts.
Nach einer kur­zen inhalt­li­chen Wie­der­ga­be wer­den die fol­gen­den Punk­te in der Grup­pe dis­ku­tiert.
Seman­tik der Pflan­zen und Tie­re in der Gene­sis 8 und 9
Das ers­te Sym­bol, das bereits zu Beginn der Text­stel­len anzu­tref­fen ist und zum The­ma der Dis­kus­si­on wird, sind die Pflan­zen. Waren sie noch mit der Flut unter­ge­gan­gen, wur­den die­se nicht zusam­men mit allen ande­ren Lebe­we­sen ver­nich­tet, son­dern sie wer­den viel­mehr zum Bin­de­glied zwi­schen Noah und dem Ende der Flut. Es ist letzt­end­lich eine Pflan­ze die auf neu­es Land hin­deu­tet. (Der Zweig im Schna­bel der Tau­be.) Die Pflan­zen sind, trotz ihrer ver­meint­li­chen Unschein­bar­keit, ein wesent­li­ches Ele­ment.
Das zwei­te Sym­bol, wel­ches von den Semi­nar­teil­neh­mern hin­ter­fragt wird, ist der Rabe bzw. die Tau­be, die in Gen 8,6-8,10 erwähnt wer­den. In einem kur­zen Exkurs, erklärt Herr Prof. Pött­ner die mytho­lo­gi­sche Bedeu­tung der bei­den Tie­re und ihre Affi­ni­tät zum Gött­li­chen. Beson­ders die Tau­be ist in der Bibel bei ent­schei­den­den Ereig­nis­sen anzu­tref­fen.
Der Dis­kus­si­on über die Bedeu­tung und Sym­bo­lik ein­zel­ner Ele­men­te, folgt die Fra­ge, wie es nun mit Noah und sei­ner Fami­lie nach der Sint­flut wei­ter­geht. Nach einer kur­zen Klä­rung der inhalt­li­chen Aspek­te, nach denen Noah und sei­ne Fami­lie nach ca. 150 Tagen an Land gehen und Gott ein Brand­op­fer dar­brin­gen, rückt nun das neue Ver­hält­nis von Gott zu den Men­schen in den Fokus der Semi­nar­teil­neh­mer.
Die Fehl­bar­keit Got­tes und der Aspekt der Reue
Neben der Sym­bo­lik der Tie­re und Pflan­zen wird ein wesent­li­ches und sich ste­tig wie­der­ho­len­des Ele­ment der Gene­sis von Prof. Pött­ner im Rah­men der Seman­tik auf­ge­grif­fen: das Ele­ment der Reue. Nach der Erschaf­fung des Men­schen reut es Gott die­sen in die Welt gebracht zu haben. Er erkennt das der Mensch Böses in sich trägt und schickt die Sint­flut um sei­nen Feh­ler zu berei­ni­gen. Hier zieht Herr Prof. Pött­ner noch ein­mal den Ver­gleich der letz­ten Semi­nar­sit­zung von Gott mit einem Künst­ler her­an, der sobald er mit sei­nem Werk nicht zufrie­den ist, aus einem Akt des Jäh­zorns sein Werk ver­nich­tet, um wie­der neu begin­nen zu kön­nen. In Gene­sis 8 stel­len wir fest, dass es Gott nun reut, die Mensch­heit ver­nich­tet zu haben. Eine Wand­lung im Ver­hal­ten Got­tes ist deut­lich.
Was bedeu­tet es für Gott, wenn so von ihm erzählt wird? Was bedeu­tet es für die Men­schen und Tie­re?
Die Dis­kus­si­on führt uns zu dem Bild eines emo­tio­na­len Got­tes, der trotz sei­ner gött­li­chen Exis­tenz nicht nur fehl­bar ist, son­dern auch sün­di­gen kann. Wir stel­len fest, dass Gott mit der Erkennt­nis „ Das Trach­ten des Men­schen ist böse von Jugend an.“ (Gen 8,21), beginnt den Men­schen so anzu­neh­men, wie er ist. Der Akt des Jäh­zorns, wel­cher die Ver­nich­tung der Mensch­heit zur Fol­ge hat­te, führt ihm letzt­end­lich vor Augen, dass auch er Böses in sich trägt und fehl­bar ist. Nach­dem der Mensch nach sei­nem Bil­de geschaf­fen wur­de, kann ihm Gott sei­ne Sün­den nicht mehr vor­wer­fen. Die Schluss­fol­ge­rung der bis­he­ri­gen Argu­men­te zeigt, dass Gott nun nicht mehr ver­sucht die Mensch­heit zu per­fek­tio­nie­ren. Statt­des­sen schließt er einen Bund mit den Men­schen, und schafft mit dem Regen­bo­gen ein ewi­ges Mahn­mal für sei­nen Jäh­zorn.

Gen 9 und die Bezie­hung von Mensch und Tier
In der zwei­ten Hälf­te der Semi­nar­sit­zung, wird die Bezie­hung zwi­schen Mensch und Tier nach der Sint­flut genau­er unter­sucht. Hier sticht das Gegen­spiel von Gen 2 und Gen 9 deut­lich her­vor. Waren die Men­schen zu Beginn noch Vege­ta­ri­er, die mit den Tie­ren Sei­te an Sei­te leb­ten, wer­den sie in der Gen 9 zu Herr­schern über die Tie­re erklärt. Die Tie­re leben nun nicht mehr selbst­stän­dig, son­dern sind von der Gesin­nung des Men­schen abhän­gig.
(Der Begriff der „ Uto­pie“ wird wäh­rend der Dis­kus­si­on nur kurz erwähnt, denn alle Men­schen wer­den, so scheint es, als Vege­ta­ri­ern erschaf­fen und leben bis zur Flut auch als sol­che. )
Ein wesent­li­cher Aspekt in der Erör­te­rung des Tex­tes durch die Anwe­sen­den, ist somit die Wand­lung des Men­schen zum Herr­scher über alles Leben auf der Erde.
Jüdi­sche und mus­li­mi­sche Aspek­te der Bibel
Zum Abschluss der heu­ti­gen Dis­kus­si­on greift Herr Prof. Pött­ner noch das The­ma der reli­gi­ons­über­grei­fen­den Prak­ti­ken auf. Mit dem Hin­weis auf das Schäch­ten (ritu­el­les Schlach­ten von kosche­ren Tie­ren mit einem Schnitt durch die Hals­schlag­ader und dem anschlie­ßen­den Aus­blu­ten des Tie­res) als urtüm­li­che Prak­tik der christ­li­chen, jüdi­schen und mus­li­mi­schen Reli­gi­on, wird die Fra­ge nach der Bedeu­tung des Blu­tes für eben­die­se in den Raum gestellt. Der Vor­stel­lung nach, ist das Blut der Sitz des Lebens, ein Stück von Gott selbst und darf somit nicht ver­zehrt wer­den. In der christ­li­chen Reli­gi­on hat die­ser Brauch aller­dings an Bedeu­tung ver­lo­ren. Wir schlie­ßen mit der Erkennt­nis, dass Blut ein wei­te­res wesent­li­ches seman­ti­sches Ele­ment der Bibel ist

« Zusam­men­fas­sung vom 15.01. – TUD »

Info:
Gen 8-9 ist Beitrag Nr. 6796
Autor:
Martin Pöttner am 21. Januar 2018 um 10:07
Category:
Einführung in die Exegese und Hermeneutik
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