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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Der ers­te Mord (Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Darm­stadt)

 

Stun­den­pro­to­koll vom 05.12.201Protokollantin: Marei­ke Jahn

 

Bibel­stel­len: Gene­sis 1-3 und Beginn von Gene­sis 4,1-4,16

Wie ist der Sün­den­fall zu ver­ste­hen, was genau ist die „Sün­de“?

Zum Beginn des Semi­nars gab es die Mög­lich­keit unkla­re Stel­len aus Gene­sis 1-3 zu klä­ren, da wir uns in den Stun­den zuvor mit die­sen Bibel­stel­len tief­grün­dig beschäf­tig­ten und in die­ser Sit­zung mit Gene­sis 4 begin­nen möch­ten. Erstaun­li­cher­wei­se gab es kei­ne Unklar­hei­ten und wir konn­ten sofort mit Gene­sis 4 begin­nen. (Im Ver­lauf des Semi­nars, gab es natür­lich immer wie­der Ver­wei­se, auf Gene­sis 1-3 obwohl wir uns pri­mär mit Gene­sis 4 beschäf­tig­ten).

Gene­sis 4 trägt die Über­schrift: „Kains Bru­der­mord“, in die­ser Erzäh­lung wird zum ers­ten Mal das Wort „Sün­de“ nie­der­ge­schrie­ben. Zum einen fin­den wir das Wort Sün­de in Gene­sis 4,7 [„Ist´s nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erhe­ben, bist du aber nicht fromm, so lau­ert die Sün­de vor der Tür, und nach dir hat sie Ver­lan­gen; du aber herr­sche über sie.“] und in Gene­sis 4,13 [„Kain aber sprach zu dem HERRN: Mei­ne Sün­de ist grö­ßer, denn das sie mir ver­ge­ben wer­den möge.“] wie­der.

In den Erzäh­lun­gen zuvor spra­chen wir eben­falls über Sün­de, ein Bei­spiel dafür ist die Para­dies­ge­schich­te, in der Gott Gene­sis 2,17 sagt: [„aber von dem Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm issest, musst du des Todes ster­ben.“]. Dies wird in Gene­sis 3,6 hin­ter­gan­gen und es kommt nach der Mei­nung vie­ler zu einem Sün­den­fall. In die­sem Abschnitt wird nur davon berich­tet, aber nicht schrift­lich nie­der­ge­schrie­ben, dass es sich um Sün­de han­de­le. Somit dürf­te das ers­te Auf­tre­ten des Begriffs in 4,7 ein Hin­weis sein, dass die Para­die­s­er­zäh­lung kei­ne Sün­den­fall­ge­schich­te ist.

Wei­ter beschäf­tig­ten wir uns mit der Fra­ge: Um wel­che Schuld es in Gene­sis 4 geht? Wir haben her­aus­ge­fun­den, dass es sich hier­bei nicht um eine Todes­stra­fe han­delt. Da Gott die Todes­stra­fe aus­schließt. Kain will ster­ben, aber Gott sagt nein und beschützt ihn zudem (Gene­sis 4,15). Wir haben phi­lo­so­phiert, ob das Beschüt­zen von Gott Kains per­sön­li­che lebens­läng­li­che Stra­fe ist.

Zu Beginn von Gene­sis 4 erfah­ren wir, dass Adam und Eva zwei Söh­ne zeu­gen bzw. gebä­ren, Kain und Abel. Kain war Acker­mann und Abel war Schä­fer.

In der Semi­nar­grup­pe dis­ku­tier­ten wir, ob die Beru­fe von Kain und Abel gleich­wer­tig zu sehen sind? Die Annah­me der Ungleich­heit, ent­stand aus der gewähl­ten Satz­stel­lung, uns fiel auf, dass bei Kain das „aber“ sehr betont wur­de.

Gene­sis 4,2 [… Und Abel wur­de ein Schä­fer, Kain aber wur­de ein Acker­mann].

Den­noch kamen wir auf eine gemein­sa­me Ant­wort, die lau­te­te: Kain und Abel waren auf der Ebe­ne der Beru­fe gleich­ge­stellt und die Beto­nung des „aber“ stellt kei­ne Unter­schie­de der beruf­li­chen Wer­tig­keit dar.

Außer­dem erfah­ren wir etwas über die Bezie­hung von Adam und Eva, in Gene­sis 4,1 [„Und Adam erkann­te sein Weib Eva, und sie ward schwan­ger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewon­nen mit­hil­fe des HER­REN.“].

Hier erkennt Adam sein Weib an. Dabei spre­chen wir von Sex und das ist die intims­te Art eine Per­son zu (er-)kennen. Auch in Gene­sis 2,23 wird bereits davon gespro­chen [„und Fleisch von mei­nem Fleisch“].

Zu dem letz­ten Abschnitt von Gene­sis 4,1 wur­de gefragt, wie genau das Wort HERR ein­ge­ord­net wer­den soll. Da Adam als Vater der Söh­ne genannt wird. In die­sem Fall steht HERR für Gott und Eva bedankt sich hier­mit bei Gott, des­halb steht in Gene­sis 4,1 mit­hil­fe des Her­ren, denn nur so konn­te sie sich ver­meh­ren.

Ein wei­te­res zen­tra­les The­ma in der Erzäh­lung ist der Mord an Abel. Auch hier stell­ten wir uns die Fra­ge: Wie kam es zu die­sem Tod?

Geht es um das Anse­hen? Gibt es ein Lieb­lings­kind? Oder gar ein bestimm­tes Ras­ter? Die­se Fra­gen stan­den sofort im Raum. Außer­dem fiel uns direkt die „Unge­rech­tig­keit“ auf, da Gott bei einem Sohn gnä­dig und bei dem ande­ren nicht war. Eigent­lich soll­te man mei­nen, das Gott als „guter Vater“ über bei­de Söh­ne gut urteilt.

So stell­te sich die Fra­ge: Was genau ist die „Sün­de“? In Gene­sis 4,7 [„Ist´s nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erhe­ben. Bist du aber nicht fromm, so lau­ert die Sün­de vor der Tür, und nach dir hat sie Ver­lan­gen; du aber herr­sche über sie.“] erkennt man eine star­ke emo­tio­na­le Ebe­ne. Um Kains Ver­hal­ten zu ver­ste­hen, muss man sei­ne Emo­tio­nen und sei­ne Moti­va­ti­on ver­ste­hen. In ein­fa­chen Wor­ten wird hier erzählt: Wenn ich aus­ras­te (was in die­sem Fall nach­voll­zieh­bar ist) dann muss ich die Reiss­lei­ne zie­hen, sonst kön­nen die Emo­tio­nen so stark wer­den, dass sogar Men­schen (in die­sem Fall, Abel, der Bru­der) zu scha­den (Tode) kommt.

Hier ist deut­lich zu erken­nen, dass Kain nicht Herr über sei­ne Gefüh­le, Emo­tio­nen und letzt­end­lich über sei­ne Dämo­nen war.

Es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass ein Mensch böse oder eifer­süch­tig ist, er soll­te jedoch den Dämon beherr­schen.

Ein zen­tra­ler Punkt zum The­ma Sün­den­fall ist die Aner­ken­nung. Nur dadurch, dass wir Men­schen zwi­schen Gut und Böse unter­schei­den kön­nen, sie­he den Sün­den­fall durch Adam und Eva, ist es Kain nicht mög­lich Herr über sei­ne Gefüh­le zu sein. Er lässt sich im Zorn hin­rei­ßen und bringt sei­nen Bru­der um. Der Mensch soll­te in der Lage sein, star­ke Emo­tio­nen wie die Angst, bewusst zu erken­nen und sie ver­wan­deln zu kön­nen.

Die­se Stel­le in der Bibel beschreibt ein anspruchs­vol­les Sün­den­ver­ständ­nis und zeigt uns, nicht total aus­zu­ras­ten und Herr über sei­ne star­ken Emo­tio­nen zu wer­den. Der Mensch soll­te sei­ne Trie­be gut ken­nen um sie ver­ant­wor­tungs­voll, ohne ande­ren zu scha­den, auch in Maßen (aus)leben zu dür­fen.

Auf eine bibli­sche Meta­pher stie­ßen wir bei der Beschrei­bung der Acker­bö­den. Wir bespra­chen sie in der rest­li­chen Zeit des Semi­nars. In Gene­sis 4,10 wird von „Blut ver­gie­ßen“ gespro­chen. In die­sem Fall bedeu­tet es immer töten. Auch der Acker­bo­den kommt in Gene­sis

2,7 schon ein­mal vor. [„Da mach­te Gott der HERR den Men­schen aus Erde von Acker und blies ihm den Oden des Lebens in sei­ne Nase.“].

Es wird deut­lich, dass der Lebens­kreis­lauf immer wie­der zurück zur Erde führt. Der Tote muss immer in die Erde, ob ver­brannt, in einer Urne oder als kom­plet­ten Kör­per in einem Sarg, spielt dabei kei­ne Rol­le.

Beim nächs­ten Tref­fen wer­den wir uns inten­siv mit Gene­sis 4,17 und Fol­gen­de aus­ein­an­der­setz­ten „Kains Nach­kom­men“. Ich bin gespannt, wel­che Erkennt­nis­se wir uns erar­bei­ten und wel­ches Geheim­nis hin­ter der Geschich­te der „Jahr­hun­dert Men­schen“ liegt.

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Info:
Der ers­te Mord (Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Darm­stadt) ist Beitrag Nr. 6716
Autor:
Martin Pöttner am 9. Dezember 2017 um 19:05
Category:
Einführung in die Exegese und Hermeneutik
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