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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Ver­gleich Gen 1-3 (Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Darm­stadt)

Ist die Para­die­s­er­zäh­lung eine Erzäh­lung vom Sün­den­fall?
Zusam­men­fas­sung vom 28.11.2017
Bibel­stel­len: Gene­sis 1-3


FB 02: Geschichts- und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten

Insti­tut für Theo­lo­gie und Sozi­al­ethik

Ver­an­stal­tung: Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments

Dozent: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner

Refe­ren­tin: A. W.

Zusam­men­fas­sung der Sit­zung am 28.11.2017

Der Ein­stieg der Sit­zung erfolgt durch das Auf­grei­fen offen geblie­be­ner Fra­gen der letz­ten Sit­zung vom 21.11.2017. Wir beschäf­tig­ten uns mit den Fra­gen, „Ist Gen 3 eine Sün­den­fall-Erzäh­lung?“ und „Wel­che Rol­le spielt die Schlan­ge in Gen 3?“ Außer­dem ergibt sich im wei­te­ren Ver­lauf die Fra­ge, ob „mit dem Sün­den­fall der Sex zwi­schen zwei Men­schen gemeint ist?“ bzw. „ob mit dem Sex die Sün­de in die Welt gekom­men ist?“

Zu Beginn wer­den die Ein­drü­cke von Gen 1-2,4a mit Gen 2,4b-3,24 ver­gli­chen. Dabei fällt auf, dass in Gen 1 die Beschrei­bung der Schöp­fungs­ge­schich­te wie ein Rezept oder eine nüch­ter­ne Dar­stel­lung wirkt und folg­lich das 7 Tage-Werk-Got­tes wenig Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum bie­tet. Zudem fin­det in Gen 1 eine suk­zes­si­ve Ent­wick­lung zu einer Welt statt, in der man nach Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel „gut und ger­ne leben kann“. Die­ser Ein­druck wird durch den Schluss der Ver­se 10, 12, 18, 21 und 25 mit „Gott sah, dass es gut war“ und am Ende der Schöp­fung im Vers 31 mit „Gott sah alles an, was er gemacht hat­te: Es war sehr gut“ noch gestei­gert. Dage­gen ist bei Gen 2 und 3 ein aus­schmü­cken­der Erzähl­stil der Schöp­fungs­ge­schich­te vor­herr­schend. Bei­spiels­wei­se wird die Schlan­ge per­so­na­li­siert und die Ent­ste­hung von Mann und Frau als Bil­der Got­tes bild­lich kon­zi­piert. Dies bie­tet viel Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum. Bekannt sind uns spre­chen­de Tie­re nur in Fabeln und Mär­chen, bei deren Lek­tü­re Fan­ta­sie benö­tigt wird. An die­ser Stel­le stel­len wir uns die Zwi­schen­fra­ge: „Was ist schwie­ri­ger vor­zu­stel­len: Die See­le durch die Nase in den Kör­per ein­ge­haucht zu bekom­men oder die Urflut, die das Gewöl­be in Him­mel und Erde spal­tet?“ Die Fra­ge bleibt offen. Aller­dings ver­mit­telt der Vers 18 „Es ist nicht gut, dass der Mensch allei­ne bleibt“ den Unmut, dass die Schöp­fung des Men­schen allei­ne nicht voll­endet ist. Die Lösung ist, aus dem Men­schen sowohl Mann als auch Frau zu erschaf­fen, die sogar laut Gen 2,24 sich sexu­ell wie­der­ver­ei­ni­gen sol­len. In die­sem Idyll könn­te der Mensch bis in alle Ewig­keit glück­lich sein. Doch bedeu­tet Sorg­lo­sig­keit, dass der Mensch glück­lich und zufrie­den ist? Der Erzäh­ler löst die Situa­ti­on mit Gen 3,1-5, in der die idyl­li­sche Ruhe gestört und die Schlan­ge ein­ge­führt wird, indem sie geziel­te Fra­gen stellt und indi­rekt die Frau zu einer Hand­lung bewegt. Die Schlan­ge ist auf der obers­ten Erzähl­ebe­ne ein Tier, wel­ches genau­so oder bes­ser Bescheid weiß als Gott und wir Lese­rIn­nen bzw. uns ins Bild setzt. Sie reprä­sen­tiert als Tier,

1. durch Anre­gen des Essens der Frucht vom Baum der Erkennt­nis von „gut“ und „böse“, die Mög­lich­keit des wei­sen, zukünf­ti­gen Men­schen,

2. durch die Spra­che ein Wesen auf glei­cher Ebe­ne wie Gott, Adam und Eva,

3. wie Adam und Eva das Tier ohne gött­li­chen Geist, als Hilfs-/Ver­mitt­lungs­fi­gur eines Freun­des und

4. die Macht durch ihr Wis­sen.

Die Ver­än­de­rung eines Tie­res zu einem Kul­tur­we­sen wird durch die Scham vor Gott dar­ge­stellt. Tie­re haben die­se nicht, da sie ein Fell besit­zen. Hin­ge­gen erschafft der Herr die Klei­dung, zum Bede­cken der nack­ten Kör­per des Men­schen, aus dem Fell der Tie­re. Einer­seits wird die Exis­tenz des Men­schen durch Gen 3,22 durch das Lob Got­tes, „der Mensch ist gewor­den, wie unser eins“ gestärkt, und ande­rer­seits durch den angeb­li­chen Sün­den­fall, wel­cher den Ver­weis aus dem Para­dies und die somit unter­bun­de­ne Unsterb­lich­keit nach sich zieht, gemin­dert. Dabei stellt das sitt­li­che Urteils­ver­mö­gen eine Gemein­sam­keit und die Sterb­lich­keit einen Unter­schied zu Gott dar. Die Fol­gen der Bestra­fung sind, dass die Schlan­ge auf dem Boden krie­chen und der Mann hart arbei­ten muss. Die Frau hat fort­an Geburts­schmer­zen und der bes­te Freund, die Schlan­ge, wird zum Riva­len. Außer­dem hat die Frau eine star­ke Libi­do und dadurch wird der Mann ihr Herr (Gen 3,16), weil sie ihn so stark begehrt. Der Aspekt, dass Gott und Mensch sowohl Gemein­sam­kei­ten als auch Unter­schie­de besit­zen, wird in den fol­gen­den Kapi­teln und Sit­zun­gen wei­ter ver­tieft.

Wei­ter­hin fällt in der Dis­kus­si­on auf, dass die ers­ten drei Kapi­tel von Gen sich mit der Macht­ver­tei­lung bzw. Herr­schaft beschäf­ti­gen. In Gen 1,26-29 der „Mensch als nach dem Bild Got­tes“ geschaf­fen, wel­cher über die Tie­re herrscht. Die Stel­le Gen 5,1 bestä­tigt die kor­rek­te Über­set­zung Luthers „Als Gott den Men­schen schuf, mach­te er ihn nach dem Bil­de Got­tes“. Inhalt­lich ver­gleich­bar ist die­se Stel­le mit Gen 2,7, in der Gott dem Men­schen den Geist durch die Nase ein­haucht, da bereits die Beson­der­heit als Kul­tur­we­sen in Gen 1,26f ent­hal­ten ist. Zurück­kom­mend auf die Macht­ver­hält­nis­se sind in Gen 1 Män­ner und Frau­en gleich­be­rech­tigt, qua­si sym­me­trisch. In Gen 2 ist die Frau so kon­zi­piert, dass sie vom Mann sexu­ell abhän­gig ist, wobei die­ser Ein­druck zumin­dest in Gen 3,16 gerecht­fer­tigt wird, weil dort der Mann über die Frau patri­a­chal herrscht. Aller­dings scheint die­se Aus­prä­gung in Gen 3 nicht so stark aus­ge­führt zu sein, da die Frau den Mann aktiv zur Hand­lung bewegt. Bezo­gen auf heu­te regiert in Deutsch­land bei­spiels­wei­se eine Frau. Hin­ge­gen wer­den in der Wirt­schaft die Leis­tun­gen von Frau­en noch immer gerin­ger hono­riert als die der Män­ner. Eine genann­te Aus­nah­me ist der Leh­rer­be­ruf. Es wird die Ver­mu­tung geäu­ßert, dass die patri­ar­cha­le Macht­ver­tei­lung im mus­li­mi­schen Glau­ben nur in der Öffent­lich­keit gezeigt und gelebt wird. Rück­schlie­ßend auf die Bibel scheint es zwei Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten zu geben. Dies bedeu­tet, dass der/die Lese­rIn mit zwei unter­schied­li­chen Vari­an­ten kon­fron­tiert wird und somit den Auf­trag erhält, sich eine eige­ne Mei­nung zu bil­den und sich zu posi­tio­nie­ren. Dies war in die­ser Ver­an­stal­tung eben­falls zu beob­ach­ten.

Schluss­fol­gernd ist anzu­mer­ken, dass Gen 2 und 3 kei­ne Erzäh­lung vom Sün­den­fall, son­dern ein beschrie­be­ner Kul­tur­pro­zess ist. Kul­tur­we­sen sind die Men­schen nur dann, wenn zwi­schen „gut“ und „böse“ unter­schie­den wer­den kann. Zudem wird die Über­le­gen­heit des Men­schen durch die Ver­wer­tung der Tie­re (töten) auf­ge­führt. Dabei wird durch die bewah­ren­de Funk­ti­on die Herr­schaft begrenzt. Even­tu­ell ist mit der Sün­den­fal­le das Macht­be­stre­ben oder Macht­ver­hält­nis zwi­schen den Geschlech­tern ange­spro­chen wor­den. Fest­zu­hal­ten ist jedoch, dass in Gen 1 kein vor­herr­schen­des Macht­ver­hält­nis zwi­schen Mann und Frau nie­der­ge­schrie­ben ist; sie sind gleich­ge­stellt. Im Ver­gleich zwi­schen Hete­ro­se­xu­el­len und Homo­se­xu­el­len haben alle gleich grund­le­gen­de Rech­te und Pflich­ten. Zur Lösung bedarf es wie­der­um des Gesprächs dar­über. Bei Gen 2 und 3 kann die­ses Macht­ver­hält­nis auf ein Patri­ar­chat hin­aus­lau­fen.

Im Rück­blick auf die Geschich­te hat sich das Modell von Gen 2 und 3 über­wie­gend im Chris­ten­tum und Juden­tum durch­ge­setzt. Erst in der Wei­ma­rer Repu­blik in Deutsch­land haben sich Ten­den­zen hin zu einer Gleich­stel­lung durch­ge­setzt. Bei­spiels­wei­se durch die ers­te Ordi­nie­rung einer Rab­bi­ne­rin. Im Chris­ten­tum hin­ge­gen wur­de in Hes­sen-Nas­sau in den 1960-iger Jah­re die erst Frau ordi­niert, sie muss­te noch Zöli­bat leben. Das Zöli­bat ist heu­te im Chris­ten­tum nur noch in der ortho­do­xen und katho­li­schen, jedoch nicht mehr in der evan­ge­li­schen Kir­che üblich. Im Ver­gleich hier­zu gibt es im sun­ni­ti­schen Islam zwei Ima­min­nen, wobei nur eine ein Kopf­tuch trägt. Die heu­ti­ge Gesamt­si­tua­ti­on der Frau­en in Glau­bens­ge­mein­schaf­ten bestä­tigt die Inten­si­tät und Dau­er der Dis­kus­si­on. Somit steht die The­se der sexu­el­len Ver­ei­ni­gung als Grund für den Sün­den­fall wei­ter im Raum. Die Über­zeu­gung des Sach­ver­hal­tes ist und bleibt wei­ter­hin umstrit­ten.

Abschlie­ßend wird zusam­men­ge­fasst, dass die ein­fa­che Dar­stel­lung der Welt­schöp­fung in Gen 1 und die in Gen 2 dar­ge­stell­te Men­schen­schöp­fung zu ober­fläch­lich sind, um eine abschlie­ßen­de Ant­wort zu lie­fern. Obwohl Gen 1 ratio­nal dar­ge­stellt wird, ent­hält es ein inter­es­san­tes Modell, wel­ches in unse­rer heu­ti­gen Gesell­schaft eher akzep­tiert wird. Dage­gen ist Gen 2 und 3 durch den locke­ren Erzähl­stil span­nen­der und unter­halt­sa­mer; bei­spiels­wei­se als Gott zu Besuch im Gar­ten Eden ist und Adam sich sei­ner Nackt­heit schämt und ver­steckt. Jedoch scheint das dort dar­ge­stell­te Frau­en­bild in unse­rer auf­ge­klär­ten Gesell­schaft im Rück­zug begrif­fen.

Auf Rück­fra­ge wird der Inhalt „nach dem Abbild Got­tes“ auf­ge­grif­fen. Dabei wird ange­merkt, dass der Mensch herrscht, nur nicht über Gott. Er kann sich ent­schei­den „gut“ bzw. „sitt­lich“ oder „böse“ zu han­deln und hat eine wich­ti­ge Rol­le in der Bibel. Gen 1-11 hält fest, dass Gott der Schöp­fer ist. Demons­triert wird die Hybris in Gen 11, dem Turm­bau zu Babel. Dort zer­stört Gott aus Furcht, dass der Mensch zu mäch­tig wird, den Turm zu Babel und ver­wirrt deren Spra­che.

Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Darm­stadt

Insti­tut für Theo­lo­gie

Eides­statt­li­che Erklä­rung

Ich ver­si­che­re, dass ich die Arbeit selbst­stän­dig und ohne Benut­zung ande­rer als die ange­ge­be­nen Hilfs­mit­tel ange­fer­tigt habe. Alle Stel­len, die wört­lich oder sinn­ge­mäß aus Ver­öf­fent­li­chun­gen oder ande­ren Quel­len, in beson­de­re aus dem Inter­net, ent­nom­men sind, wur­den als sol­che ein­deu­tig kennt­lich gemacht.

Die Arbeit ist noch nicht ver­öf­fent­licht und noch nicht als Stu­di­en­leis­tung zur Aner­ken­nung oder Bewer­tung vor­ge­legt wor­den, weder von mir noch von ande­ren Stu­die­ren­den an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Darm­stadt oder ande­ren Hoch­schu­len.

Ich bin mir bewusst, dass eine unwah­re Erklä­rung recht­li­che Fol­gen haben kann und dass Täu­schungs­ver­su­che zur Aberken­nung der Prü­fungs­leis­tung und zum Semi­nar­aus­schluss füh­ren.

Darm­stadt, den 02.12.2017                     Ange­la Wenz

« Grie­chi­sche Lek­tü­re des Johan­nes­evan­ge­li­ums (Uni Hd) – Fremd­sein, Eth­nie (Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Darm­stadt) »

Info:
Ver­gleich Gen 1-3 (Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Darm­stadt) ist Beitrag Nr. 6689
Autor:
Martin Pöttner am 3. Dezember 2017 um 13:57
Category:
Einführung in die Exegese und Hermeneutik
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