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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Fremd­sein, Eth­nie (Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Darm­stadt)

Pro­to­koll Theo­lo­gie des Neu­es Tes­ta­ment vom 2811.17 von MK

Die zitier­ten Bibel­stel­len stam­men aus der Luther­über­set­zung 2017

The­ma: Pro­phe­ti­sche Tex­te

All­ge­mei­ne struk­tu­rel­le Hin­wei­se:

Nach Erzäh­lun­gen (Gene­sis und Exo­dus) und Geset­zes­tex­ten (Exo­dus und Levi­ti­kus) kommt jetzt eine Betrach­tung einer drit­ten Mög­lich­keit, die auch zeit­über­grei­fend ist.

Die behan­del­ten Bibel­stel­len wur­den ver­mut­lich zu unter­schied­li­chen Zei­ten geschrie­ben.

Jere­mia wur­de wahr­schein­lich vor dem Exil geschrie­ben. Eze­chiel wur­de recht sicher im Exil geschrie­ben.

Sacha­ria und Malia­chi sind Pro­phe­ten die in der nach dem Exil neu ent­wi­ckel­ten reli­giö­sen Kul­tur ent­stan­den sind (per­si­sche und grie­chi­sche Peri­ode).

Gemein haben die Pro­phe­ten ein kri­ti­sches Auf­tre­ten. Unab­hän­gig von der poli­ti­schen Macht bezie­hen sie sich auf die Reli­gi­on.

Die Pro­phe­ten sind eine Grö­ße, die zur Ent­ste­hung der Reli­gi­on als Reli­gi­on in Isra­el bei­ge­tra­gen hat. Reli­gi­on ist nicht iden­tisch mit der poli­ti­schen Herr­schaft.

Die aus­ge­wähl­ten Tex­te stam­men aus ver­schie­de­nen Zei­ten, aber haben einen sehr ähn­li­chen The­men­stamm der von den Pro­phe­ten den herr­schen­den Eli­ten vor­ge­hal­ten wird.

Jer 7,6:


und gegen Fremd­lin­ge, Wai­sen und Wit­wen kei­ne Gewalt übt und nicht unschul­di­ges Blut ver­gießt an die­sem Ort und nicht andern Göt­tern nach­lauft zu eurem eige­nen Scha­den

Jere­mia ist kein mono­the­is­ti­scher Pro­phet. Er meint, man muss den einen Gott Isra­els .ver­eh­ren, aber akzep­tiert, dass ande­re ande­re Göt­ter ver­eh­ren. Er sieht also das Pro­blem der Exis­tenz ande­rer Göt­ter.

Im Bezug auf die genann­ten Grup­pen (Fremd­lin­ge, Wai­sen, Wit­wen) ist also zu sagen, dass sich der Gott um alle küm­mert. Dies ist also ein ers­ter Gegen­satz zum letz­ten Ter­min mit Nehemia und Esra.

Hier gibt es kei­ne Pole­mik gegen­über den Frem­den.

Es ist eine all­ge­mein alt­ori­en­ta­li­sche Vor­stel­lung, die genann­ten Grup­pen zu beschüt­zen. Dies gilt für die Ägyp­ter genau­so wie für die Baby­lo­ni­er.

Fra­ge an Herrn Pött­ner: Wird Bezug zum Aus­zug aus Ägyp­ten genom­men? In dem Sin­ne, dass an vie­len Stel­len dar­an erin­nert wird, dass sie selbst Fremd­lin­ge waren und des­we­gen jetzt auch die Fremd­lin­ge gut behan­delt wer­den sol­len.

Der Blick auf den fol­gen­den Vers zeigt, dass es hier eine Erin­ne­rung gibt und der Kon­text dar­ge­stellt wird, aller­dings nicht so dra­ma­tisch.

Erin­ne­rung in V7: so will ich euch immer und ewig­lich woh­nen las­sen an die­sem Ort, in dem Lan­de, das ich euren Vätern gege­ben habe

Es kommt der Ein­wand auch den Vers vor­her anzu­schau­en:

3 So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Isra­els: Bes­sert euer Leben und euer Tun, so will ich euch woh­nen las­sen an die­sem Ort. 4 Ver­lasst euch nicht auf Lügen­wor­te, wenn sie sagen: Hier ist des Herrn Tem­pel, hier ist des Herrn Tem­pel, hier ist des Herrn Tem­pel! 5 Son­dern bes­sert euer Leben und euer Tun, dass ihr recht han­delt einer gegen den andern

Die Pro­phe­ten wol­len hier klar machen, dass es nicht auf den Tem­pel ankommt, son­dern auf das, was beim Han­deln her­aus­kommt.

Für das Jere­mia-Buch ist es auch wich­tig, sich von den kana­a­näi­schen Göt­tern abzu­gren­zen; beson­ders von Baal.

Zum Begriff Fremd­lin­ge: In der Bibel mit gerech­ter Spra­che heißt es „Orts­frem­de“, also spricht es dafür, dass sie von ande­ren Eth­ni­en her kom­men, aber nicht, dass es ein Pro­blem gibt mit ihren Göt­tern.

Die Israe­li­ten sol­len gegen­über den genann­ten Grup­pen human sein.

Fra­ge: War­um wer­de die immer zusam­men genannt (Fremd­lin­ge, Wit­wen und Wai­se)? Weil sie recht­los waren und mit ihnen inhu­man umge­gan­gen wur­de. Die Schutz­be­dürf­tig­keit haben also alle gemein­sam. Es ist kein rein israe­li­ti­sches Phä­no­men. Es ist eher ein all­ge­mei­nes anti­kes Phä­no­men. Die israe­li­ti­sche Beson­der­heit ist, dass auch mit den Fremd­lin­gen posi­tiv umge­gan­gen wird.

Zum Bei­spiel wird auch Josef und sei­nen Brü­der in Ägyp­ten gehol­fen.

Es gibt also ein recht all­ge­mei­nes Recht wohin zu kom­men und nicht ver­prü­gelt zu wer­den. Aber es gibt auch die Erzäh­lung von Abra­ham, der sei­ne Frau als sei­ne Schwes­ter aus­gibt, aus Angst vor schlech­ter Behand­lung.

Es folg­te eine Dis­kus­si­on zur Israel­po­li­tik. Die Tex­te hier spre­chen nicht für die Pra­xis der israe­li­schen Regie­rung, die aber die Mehr­heit der Israe­lies zumin­dest hin­nimmt. Es gibt die har­te Posi­ti­on, dass Isra­el ein jüdi­scher Staat ist. Die Fremd­lin­ge wer­den als Ter­ro­ris­ten behan­delt, das gibt es in Isra­el, aber auch hier bei uns in Deutsch­land.

Der UNO-Lösungs­vor­schlag sieht vor, Jeru­sa­lem als staa­ten­los zu machen.

Fra­ge an Herrn Pött­ner: Gibt es eine Ent­wick­lung der Pro­phe­ten?

Es ist nicht klar, ob es eine Ent­wick­lung gibt. Die klas­sisch eth­ni­sche Form gibt es bei Esra und Nehemia mit den Hei­rats­ver­bo­ten.

Wohin­ge­gen hier in Jere­mia es gut funk­tio­niert mit den Frem­den. Die Frem­den dür­fen da sein und wenn sie nicht zu viel Pro­pa­gan­da machen hat der Gott nichts dage­gen.

Jer 22,3

So spricht der Herr: Schafft Recht und Gerech­tig­keit und erret­tet den Beraub­ten von des Frev­lers Hand und bedrängt nicht die Fremd­lin­ge, Wai­sen und Wit­wen und tut nie­mand Gewalt an und ver­gießt kein unschul­di­ges Blut an die­ser Stät­te. 4 Wer­det ihr das tun, so sol­len durch die Tore die­ses Hau­ses ein­zie­hen Köni­ge, die auf Davids Thron sit­zen, und fah­ren mit Wagen und Ros­sen samt ihren Gro­ßen und ihrem Volk. 5 Wer­det ihr aber die­sen Wor­ten nicht gehor­chen, so habe ich bei mir selbst geschwo­ren, spricht der Herr: Dies Haus soll zur Trüm­mer­stät­te wer­den.

Die Herr­schaft erhält sich nur, wenn die Men­schen zu den geschun­de­nen gut sind, wenn sie mit den Frem­den gut umge­hen und die Wit­wen und Wai­sen schüt­zen. Nur dann ist die Zukunft der David Dynas­tie gesi­chert. Die genann­ten wer­den durch die Beraub­ten ergänzt.

Frei­heits­rech­te wer­den zuge­stan­den und die­se Grup­pen sol­len befreit wer­den.

Und wenn nicht tritt das ein was dann wirk­lich im baby­lo­ni­schen Exil geschieht, der Tem­pel wird zum Trüm­mer­hau­fen und das König­tum ver­liert sei­ne Legi­ti­mi­tät.

Ez 22,7 (exi­li­scher Text)

7 Vater und Mut­ter ver­ach­ten sie, den Fremd­lin­gen tun sie Gewalt und Unrecht an in dei­ner Mit­te, die Wit­wen und Wai­sen bedrü­cken sie. 8 Du ver­ach­test, was mir hei­lig ist, und ent­hei­ligst mei­ne Sab­ba­te. 9 Ver­leum­der trach­ten bei dir danach, Blut zu ver­gie­ßen. Sie essen von den Höhen­op­fern und trei­ben Schand­ta­ten in dei­ner Mit­te. 10 Sie decken die Blö­ße der Väter auf und nöti­gen Frau­en wäh­rend ihrer Unrein­heit. 11 Sie trei­ben Gräu­el mit der Frau ihres Nächs­ten; sie ent­eh­ren ihre eige­ne Schwie­ger­toch­ter durch Schand­tat; sie tun ihren eige­nen Schwes­tern Gewalt an, den Töch­tern ihres Vaters. 12 Sie las­sen sich bestechen, um Blut zu ver­gie­ßen. Du nimmst Zin­sen und Auf­schlag und suchst unrech­ten Gewinn an dei­nem Nächs­ten mit Gewalt – und mich ver­gisst du!, spricht Gott der Herr.

Es kommt hin­zu, dass der Herr an das Sab­bat­ge­bot erin­nert. Offen­bar wur­de das nicht ein­ge­hal­ten.

Bezug zur aktu­el­len Situa­ti­on in Deutsch­land: Gewalt und Blut­ver­gie­ßen, gibt es lei­der seit Flücht­lin­ge nach Deutsch­land kom­men. Zum einen Anschlä­ge auf Flücht­lings­un­ter­künf­te, auf der ande­ren Sei­te Atten­ta­te auf dem Weih­nachts­markt und mit der Axt im Zug.

Es gibt also hier eine Par­tei für die Frem­den, Wai­sen und Wit­wen.

Es wird ver­sucht, über die pro­phe­ti­schen Wor­te eine Ord­nung unter den Men­schen her­zu­stel­len und dass die Men­schen posi­tiv damit umge­hen. Und das ist nicht ein­fach, weil es die Kon­se­quenz des Han­delns ande­rer Men­schen ist.

Die reli­giö­se Poin­te zielt dar­auf, dass die Men­schen selbst mit die­sen sitt­li­chen Regeln posi­tiv umge­hen kön­nen. Das sitt­li­che ist immer auf Gott bezo­gen. Aber es ist nicht nur eine israe­li­sche son­der auch ägyp­ti­sche Sache, also gemein­ori­en­ta­lisch, nicht spe­zi­fisch jüdisch, israe­li­tisch.

Aktu­el­le Situa­ti­on in Deutsch­land: erst waren die Frem­den will­kom­men, dann ist es umge­schla­gen und es kommt zum Frem­den­hass.

Ein­wurf: Neu ist hier der Bezug zu Vater und Mut­ter, spricht das für eine Ver­schär­fung?

Woher kommt der Bezug auf Vater und Mut­ter? Die Pro­phe­ten erin­nern an die 10 Gebo­te und aktua­li­sie­ren das auf aktu­el­le Situa­tio­nen. Die Pro­phe­ten wen­den gegen die Herr­schen­den die vor­han­de­nen Tex­te an, hier die Gebo­te.

Sach 7,10

9 So sprach der Herr Zebaoth: Rich­tet recht, und ein jeder erwei­se sei­nem Bru­der Güte und Barm­her­zig­keit, 10 und bedrückt nicht die Wit­wen, Wai­sen, Fremd­lin­ge und Armen, und den­ke kei­ner gegen sei­nen Bru­der etwas Arges in sei­nem Her­zen!   11 Sie aber wei­ger­ten sich auf­zu­mer­ken und kehr­ten mir stör­risch den Rücken zu und ver­stopf­ten ihre Ohren, dass sie nicht hör­ten, 12 und mach­ten ihre Her­zen hart wie Dia­mant, damit sie nicht hör­ten das Gesetz und die Wor­te, die der Herr Zebaoth durch sei­nen Geist sand­te durch die frü­he­ren Pro­phe­ten.

Hier gibt es den Bezug, dass Regeln bereits bekannt sind, aber nicht ange­wen­det wer­den.

Es scheint etwas damit zu tun zu haben, dass wir gut und ger­ne leben kön­nen, wenn wir die­se Geset­ze ein­hal­ten.

Es muss eine Eigen­mo­ti­va­ti­on dafür geben und es reicht nicht es nicht zu machen, um einer Stra­fe zu ent­ge­hen.

Die genann­ten Grup­pen sind ver­letz­lich und müs­sen geschützt wer­den. Es ist nicht ersicht­lich wie dies ohne Recht gesche­hen soll­te.

Hier noch beson­ders: der Frem­de wird zum Bru­der, wie schon bei Levi­ti­kus. Den Begriff „Bru­der“ kann man nicht nur auf die eth­ni­sche Grup­pe bezie­hen.

Im NT ist Bru­der und Schwes­ter gar nicht eth­nisch defi­niert.

Aber die ers­ten Chris­ten haben sich als Bru­der und Schwes­tern bezeich­net, nicht bezo­gen auf die Eth­nie und damit offen für alle.

Mal 3,5

Und ich will zu euch kom­men zum Gericht und will ein schnel­ler Zeu­ge sein gegen die Zau­be­rer, Ehe­bre­cher, Mein­ei­di­gen und gegen die, die Gewalt und Unrecht tun den Tage­löh­nern, Wit­wen und Wai­sen und die den Fremd­ling drü­cken und mich nicht fürch­ten, spricht der Herr Zebaoth.

Der Gott Isra­el wird zum einen Gott und rich­tet über alle Völ­ker. Hier ist vom End­ge­richt die Rede. Des­we­gen ist es auch das letz­te Buch vor dem neu­en Tes­ta­ment. Das Form des Gerichts wird beschrie­ben und was der Herr nicht gut fin­det. Hier wird mit Stra­fen gedroht.

Die Ehrung Got­tes zeigt sich im Schutz die­ser Grup­pen. Die Reli­gi­on wird damit sozi­al­taug­lich. Man kann also von einer Sozi­al­kri­tik der Pro­phe­ten spre­chen.

Im Grun­de geht es dar­um und ist die zen­tra­le Aus­sa­ge: „Lie­be dei­nen nächs­ten wie dich selbst.“ Und alle sind mei­ne Nächs­ten.

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Info:
Fremd­sein, Eth­nie (Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Darm­stadt) ist Beitrag Nr. 6696
Autor:
Martin Pöttner am 3. Dezember 2017 um 14:27
Category:
Allgemein
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