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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Die Para­die­s­er­zäh­lung (Tech­ni­sche Uni Darm­stadt)

Wir erkann­ten, dass der Text Gen 2,4b-3,24 offen­bar „flie­ßen­der“ als Gen 1,1-2,4a erzählt ist, der durch sei­ne Tagstruk­tur eine Art Lis­ten­ein­druck ver­mit­teln könn­te. Zur Aus­le­gungs­ge­schich­te vgl. hier. Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis bemüh­ten wir uns, den Erzähl­bo­gen zu erar­bei­ten.

Nimmt man/frau Gen 1,1ff als Maß­stab, könn­te das Erzähl­te ab dem drit­ten Tag spie­len. Das sehen wir uns in der nächs­ten Sit­zung genau­er an.

2,4b erschien als ähn­li­che Über­schrift wie 1,1. Nach der Situa­ti­ons­schil­de­rung schafft Gott, der Herr, den Men­schen als Töp­fer aus Lehm – und bläst ihm gött­li­chen Atem in die Nase (2,7). Dann beginnt er mit Gar­ten­bau, die Strö­me deu­ten mög­li­cher­wei­se dar­auf­hin, dass der Gar­ten Eden, das Para­dies in Meso­po­ta­mi­en lie­gen könn­te.

In die­sen Gar­ten setzt er den Men­schen und erlaubt ihm, sich von allen Bäu­men zu ernäh­ren, mit Aus­nah­me des Bau­mes der Erkennt­nis von „gut“ und „böse“. Zu die­sen Bäu­men gehör­te auch der Baum des Lebens. Wesent­li­che Aspek­te des Erzähl­bo­gens hän­gen von die­sen bei­den Bäu­men ab, ins­be­son­de­re ab 3,1ff.

Zunächst benö­tigt der Mensch eine Part­ne­rin. Da die Tie­re viel­leicht wegen des gött­li­chen Atems im Men­schen nicht als Partner/innen infra­ge kom­men, wird Gott, der Herr, ähn­lich wie Zeus, als Chir­urg tätig, ver­setzt den Men­schen in Tief­schlaf, schnei­det ihn in zwei Hälf­ten bzw. Sei­ten, aus der einen wird Eva, die Frau, gebas­telt. Der Rest wird zu Adam, dem Mann. Der hebräi­sche Begriff צֵלָע (zela) wird mit Sei­te über­setzt und im Grie­chi­schen wird πλευρά (pleu­ra) ver­wen­det, was eben­falls Sei­te bezeich­nen kann, sodass Luther mit „Rip­pe“ sehr wahr­schein­lich falsch lag.

Weil die bei­den chir­ur­gisch aus­ein­an­der­ge­schnit­ten wur­den, möch­ten sie sich wie­der ver­ei­ni­gen, Ein-Fleisch-Sein, eine bibli­sche sexu­el­le Meta­pher. M. E. besagt das, dass ab Gen 2,24 im Para­dies Sex mög­lich war.

Das ist nicht unnö­tig zu beto­nen, weil christ­lich sehr häu­fig die Para­die­s­er­zäh­lung als Sün­den­fall­sto­ry gele­sen wird – und ganz irre­füh­rend seit Augus­tin als Ent­ste­hung der Erb­sün­de. Das alles fehlt in der jüdi­schen Aus­le­gung. Die Erzäh­lung ist nicht sexu­al­feind­lich. Statt­des­sen erzählt sie mythisch, wie aus den Natur­we­sen mit­hil­fe des Ver­mitt­lungs­we­sens Schlan­ge Adam und Eva sitt­lich ver­ant­wort­li­che Kul­tur­we­sen wur­den, indem sie vom Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen aßen. Das unbe­fan­ge­ne Nackt­sein dient zum Sym­bol des Natur­zu­stan­des, der nun Klei­dung erfor­der­lich macht. Auch das Töten von Tie­ren zu die­sem Zweck gehört nun dazu. Dass es sich nicht um eine Sün­den­fall­sto­ry han­delt, bele­gen 3,22-24. Adam und Eva sind wie Gott gewor­den und die­ser ver­hin­dert, dass sie auch noch vom Baum des Lebens zu essen – und unsterb­lich wer­den. Daher wer­den sie des Para­die­ses ver­wie­sen.

Das Ver­mitt­lungs­we­sen Schlan­ge müs­sen wir beim nächs­ten Mal noch genau­er betrach­ten. Wir erkann­ten, dass sie offen­bar auf Füßen lief, sehr gut und bes­ser als Gott, der Herr, Bescheid weiß.

« Zusam­men­fas­sung vom 21.11. – Grie­chi­sche Lek­tü­re des Johan­nes­evan­ge­li­ums (Uni Hd) »

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Die Para­die­s­er­zäh­lung (Tech­ni­sche Uni Darm­stadt) ist Beitrag Nr. 6667
Autor:
Martin Pöttner am 26. November 2017 um 11:49
Category:
Einführung in die Exegese und Hermeneutik,Einfünrung in die Exegese und Hermeneutik,Theologie des Neuen Testaments
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